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DIE KREATUR – Gedanken von Daniel Sand

DIE KREATUR

Gedanken
von
Daniel Sand

Die Kreatur lebt, die Kreatur liebt. Diesem Irrglauben unterliegt sie in jeder Sekunde ihrer Existenz, verzweifelt und hilflos. Dumm blickt sie drein auf ihr brach liegendes Dasein, reine Verschwendung des planetaren Vorrats an O2.

Sie martert ihr Hirn nach Weisheit, doch ist Liebe jedoch grundsätzlich irrational. Ein Gefühl, welches so gänzlich gegen jede Form von rationellem Verstand im Kontext steht. Doch das Wesen schäumt schier über von dem Drang zu lieben, zu leben.

Es will es. Es will es so sehr. Es will so sehr lieben, dass es fast wahnsinnig wird vor Hass auf die Liebe im Inneren seines Körpers. Wüsste es genau, wo sich dieser innige Wunsch einnistete, würde es sich das Geschwür mit einem Messer und roher Gewalt aus dem Torso schneiden.

Im Kopf, der Ratio, konnte es sich nicht festgesetzt haben. Das entbehrte jeder Logik, denn der Verstand würde sich niemals etwas zu schmerzliches, verletzliches wünschen wie ein Gefühl.

Logik. Logik und Liebe; haben sie doch außer dem Anfangsbuchstaben nichts gemein. Sollte wider jener Logik die Liebe, der Drang sie zu leben, dennoch dort angesiedelt sein, würde es sich eine silberne Kugel in den Kopf schießen.

Zu pathetisch? Womöglich. Dennoch musste es etwas unchristliches sein, dämonisches, was der Kreatur dieses Dilemma bescherte. Ein Virus? Eine Krankheit, die seit seiner Geburt in ihm wuchs? Ein Fluch? Der Fluch ein Mensch zu sein? Oder nur die schlussendliche Konsequenz niemals geliebt worden zu, nie gelernt zu haben selbst zu lieben und es bis heute nicht praktizieren durfte oder sogar wollte. Es stand der Liebe stets gegenüber wie ein scheues Reh einem Raumschiff von einem anderen Planeten.

Es hasste sich selbst dafür, lieben zu wollen. Es liebte den Hass nach Liebe, wies es das Wesen Mensch doch als eben solches aus. Als Mensch. Als Mensch mit Emotionen und Bedürfnissen, die über das Kulinarische und Fundamentalem wie O2 und H2O hinaus gingen.

Die Anderen seiner Gattung sahen in ihrem Gegenüber nur einen weiteren männlichen Fleischling. Das er aber vor allem menschlich war, empfindsam und empfänglich für ein liebes Wort oder begierig auf eine vertraute Berührung, sahen sie nicht. Niemand konnte erkennen, dass sich die Kreatur nackt treibend in einem bodenlosen Strudel in absoluter Dunkelheit befand, eingesperrt wie eine Rose hinter schwarzem Glas.

Das Wesen liebte, es lebte; leider. Es sehnte sich nach Nähe wie ein Schiff nach einem Hafen, wie ein leerer Bahnsteig nach der Gesellschaft eines Zuges lechzte.

Das Wesen hasste, es lebte den Hass; leider. Es sehnte sich danach, diese Hass nicht zu empfinden, ebenso wie es sich wünschte, eben jenen unerfüllten Wunsch geliebt zu werden, nicht mehr zu empfinden.
Seine Seele rief: „Ich liebe Dich, Liebe meines Lebens, du Liebe ohne Gesicht, Engel in der Ferne ohne Körper, mehr Schemen denn Gestalt“.

Warum gab es unter den verwandten Fleischlingen kein Individuum, welches ihn erkannte, erhörte. Seinen Wunsch zu lieben und geliebt zu werden. Bestand es für seine Umwelt nur aus Luft? War es am Ende doch kein Mensch, sondern nur eine Kreatur? Existierte es in einer parallelen Welt, der Normalen eine Millisekunde voraus. Es würde schemenhaft erscheinen, als Geist oder überhaupt nicht sichtbar sein.

So exakt fühlte es sich. Wie das leibhaftige Nichts. Das fleischgewordene Nichts. Im Stich gelassen von den anderen Kreaturen seiner Art, ertrinkend in dem Strudel lieben zu wollen. Gegeißelt von der Peitsche des Hasses, weil es Liebe geben wollte und keinen Weg fand, diesen Wunsch zu leben.

Unerwiderte Liebe

-ENDE-

Copyright © 2015 by Daniel Sand (um auf die Homepage des Autoren zu gelangen, einfach auf das Portrait klicken!)

Bildrechte: Eingangsgrafik” (eine kreatur.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Besinnliche Momente und Reflexionen” (Besinnlich-die-zweite.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Bildrechte: “Paradigmenwechsel – Storys vom Anderssein und neuen Sichtweisen” (Zeichnung-Paradigmenwechsel-684×1024.jpg) © 2014 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Daniel Sand” (Dan_Eng.jpg) Copyright © 2015 by Daniel Sand

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

Stadtvögel und andere Kreaturen (Kartoniert)
Skizzen von seltsamen Reisen
von Salvesen, Christian

.
Verlag:  tredition
Medium:  Buch
Seiten:  80
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  Februar 2015
Sonstiges:  Paperback
Maße:  297 x 212 mm
Gewicht:  260 g
ISBN-10:  3732320251
ISBN-13:  9783732320257

Beschreibung

Dieses Buch ist in kein herkömmliches Genre einzuordnen. Es benutzt Elemente von Comic und Aphorismen in spontaner Darstellung. Die Skizzen von seltsamen Reisen umfassen über 70 Zeichnungen, farbig und schwarzweiß, meist mit einem kurzen Text versehen, der die Zeichnung kommentiert oder auch ein zusätzliches Fragezeichen setzt. Etwa so: Es ist soweit/der Turm der Zeit/wird überspült/von Ewigkeit. Oder zum grotesken Bild einer fliegenden Schildkröte: Schildkröten sind selten, fliegende so gut wie ausgestorben. Wir sollten darauf achten, die Strände als Flugplätze freizuhalten. Jede Seite ist in sich vollständig und zugleich Station einer Reise vielleicht zu mir selbst.

Autor

Christian Salvesen, 1951 in Celle geboren, verbrachte nach Abschluss seines Philosophiestudiums mehrere Jahre in Indien und war Schüler von Osho und Barry Long. Er setzte 1982 als erster Ramana Maharshis Methode der Selbsterforschung im Rundfunk ein und moderierte 2000 die erste Podiumsdiskussion von „Erwachten“. Im Zuge seiner publizistischen Arbeit begegnete er vielen der heute bekanntesten Advaita Lehrer. Er ist verheiratet und lebt als Journalist, Musik-produzent und Buchautor in der Nähe von München.

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch 24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Updated: 14. Oktober 2015 — 03:48

13 Comments

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  1. Was sagt der Autor denn zu dem Buchtipp?

  2. Wie gefällt dir die Eingangsgrafik, Daniel?

  3. Ich wollte einfach nur mal wieder die Leistung unseres Grafikers in Erinnerung rufen. Vielleicht frage ich ihn einfach mal selbst, was er sich bei diesem Bild so gedacht hat…

  4. Der Buchtipp ist in jedem Fall abgefahren, auf Amazon konnte ich ja einen kleinen Blick hinein werfen. Gehört definitiv in die Rubrik, muss einem gefallen oder gefällt gar nicht. Surreale Idee.

    Die Grafik wirkt geheimnisvoll, ein wenig grobschlächtig. Habe Werke des Künstlers gesehen, die mich deutlich mehr abgeholt haben, wenngleich die Idee etwas spannendes mit sich trägt. Das Wasser, ein geflügeltes, menschenähnliches Wesen, die räumliche Tiefe. Gibt mir als Betrachter zumindest Raum für Interpretationen.

    Bin ja nur ein einfacher Schreiberling mit sehr wenig Sachverstand für Kunst, wobei ich ein kleiner Fan bin von Louis Royo.

  5. Bist du noch wach oder grad aufgestanden?

  6. Wenn du mir mal eine Liste von Grafiken von Lothar Bauers Arbeiten machst, die wir als Eingangsgrafik für deine nächsten Veröffentlichen auf sfbasar verwenden sollen, dann würde es mich freuen. Immerhin bekommt Lothar jeden Monat 5 Euro auf sein Konto, damit wir die verwenden dürfen aber keine alleiniges Recht drauf haben, also nur im sfbasar verwenden können aber nicht für E-Books. Aber die wollen wir ja eh nicht mehr machen, davon haben wir uns verabschiedet. Wer uns lesen will, muss uns einfach besuchen auf sfbasar.de

  7. Wollte dich nochmal dran erinnern, dass du die Storys und Gedanken von dir, die auf sfbasar bislang veröffentlicht sind, alle an experimenta senden kannst. Die e-mail von denen hast du ja und ich muss mich da ja nicht mehr einmischen. Also leg los, damit wir aber jetzt jeden Monat was von dir im experimenta lesen dürfen, ok? Aber nur, was vorher im sfbasar drin war, ok?

  8. 18.000 Abonenneten haben die, soviel Leser erreichst du mittels einer Homepage oder als Buch oder eBook niemals. Also nutze diese Verbindung, wenn du gelesen werden willst. Sobald die mal Geld erwirtschaften, wollen die auch nach den Redakteure auch den Autoren was auszahlen. Kann aber noch dauern, bis sich die Leser daran gewöhnt haben was zu bezahlen für ihr ABO. Aber nutze das auf jeden Fall! Was meinst du?

  9. Gestern wie Heute wollte mein Kopfkino mich nicht länger schlafen lassen, obwohl ich mir gestern vor der Schicht noch eine Mütze voll Schlaf mehr hätte gönnen wollen. Weil wirklich wach bin ich nicht, ehrlich gesagt.

    Das Angebot mit der Auswahl von Blder stelle ich erst mal hinten an, denn ich bin kein großer Kunstfreund/kenner und bisher haben die Grafiken ja immer in irgendeiner Form dazu gepasst. Ich schreibe ja Storys und keine Bildgeschichten 😉

    Aber danke für den Hinweis mit eXperimenta, daran hätte ich nicht von selbst gedacht. Werde sie nur anschreiben müssen, wie das genau abzulaufen hat. Schicke ich Ihnen monatlich eine bestimmte Geschichte oder sende ich mehr und die wählen eine aus?
    Ich weiss ja nicht einmal genau, ob die mich jetzt jedes Mal veröffentlichen mögen, für mich klang das Angebot eher sporadisch bzw. einmalig.

  10. Ok, dann machen Martina oder ich das mit den Bildern weiterhin.

    Was experimenta angeht, du hast die e-mailadresse der Redaktion und damit eine Ansprechperson. Bei der Kürze deiner Geschichten kannst du einfach jeden Monat eine in Wordformat DOC an diese senden und sie auch selbst aussuchen. Nimm aber bitte nur immer eine, die schon auf sfbasar.de erschienen ist.

    Erst wenn denen das zu viel wird, erfährst du das von denen, von mir oder dem Gründer Rüdiger Heins, der ja auch bei uns involviert ist.

    Du kannst dann auch alle drei Monate mal ein Story und keine Gedanken nehmen.

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