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DIE-HAUEN-LAUFEN-UND-BETEN – Fantasy-Story von Günther Kurt Lietz

DIE-HAUEN-LAUFEN-UND-BETEN

Eine Fantasy-Kurzgeschichte von

Günther Kurt Lietz

Tief in den Wäldern von Gorrom lebte einst eine kleine Gemeinschaft von Menschen, die ein Dorf namens Rosendorn erbauten. Die Dörfler verteidigten sich gegen Orks und Elfen, ihr Dorf wuchs und sie kamen zu Wohlstand. Doch eines Tages drangen räuberische Orks in Rosendorn ein.

Die Orks kamen lautlos durch die Nacht und mordeten die Menschen im Schlaf. Nur wenige hatten die Gelegenheit noch zum Schwert zu greifen, doch diese wenigen Tapferen unterlagen der schieren Übermacht. Sie erkämpften nur Zeit zur Flucht für ihre Frauen.

Die Orks verschonten niemanden. Und noch während das Dorf in lodernden Flammen stand machten sie Jagd in den Wäldern von Gorrom. Nur eine kleine Gruppe von drei Kindern überlebte das Massaker. Sie verbargen sich tief im Unterholz und warteten bis zum Morgengrauen. Erst dann verließen sie eilends ihr Versteck und rannten, soweit sie ihr Füße trugen.

Der Einsiedler Teser fand die Kleinen. Sie waren erschöpft unter einer mächtigen Tanne eingeschlafen. Gott Baldor verbarg sie unter seinem schützenden Mantel und Novala selbst schien Teser zu ihnen zu führen. Groß war der erste Schrecken der Kinder, doch fassten sie rasch Vertrauen zu dem alten Mann. Die beiden Knaben nannte er Baldorak und Sundonal, das Mädchen Novalis.

Teser nahm die Kleinen bei sich auf und sorgte für sie wie ein Vater. Er erzog die drei im Geiste der Götter, denn er war ein weiser Mann. Die Jahre vergingen und aus Kindern wurden junge Menschen mit dem Drang nach Abenteuern. Die Welt war groß und sie kannten nur den Herd ihres Oheims. Und so kam der Tag des Abschieds.

Teser rief seine Zöglinge zu sich. „Die Zeit der Trennung, sie ist da. Ihr habt eure Entscheidung getroffen. Mein Herz blutet, aber ich vertraue darauf das es der Wille der Götter ist.“ Er stockte kurz und fuhr dann fort: „Baldorak, du bist gottesfürchtig und weißt mit den Göttern Zwiesprache zu halten. Dir will ich eine kostbar bestickte Robe mitgeben, die ich selbst einst als Geschenk erhielt.“

Dann wandte er sein Blick zu Sundonal. „Du bist stark und geschickt, wild und ungestüm. In dir schlägt das mutige Herz eines Kämpfers. Dir will ich die Axt geben, mit der du jahrelang deine Arbeiten verrichtet hast. Möge sie dir dienen, bis du etwas besseres findest.“

„Novalis, meine Tochter.“ Eine einsame Träne rann über Tesers bärtige Wange. „Der Abschied von dir fällt mir am schwersten. Doch du bist flink und gewandt. Auch wenn du nicht immer das Eigentum andere achtest, so glaube ich doch das du deinen Weg machen wirst. Dir gebe ich diese Metallhaken mit. Sie mögen dir manch verschlossene Türe öffnen.“

Sie trennten sich und noch lange blickte Teser ihnen nach, auch als sie schon nicht mehr zu sehen waren. Der Abschied tat ihm weh, doch er wußte sie würden eines Tages wohlbehalten zu ihm zurückkehren. Das sich eine Horde Orks grinsend anschlich bemerkte er nicht.

xxx

Nach wenigen Tagen der Wanderung erreichte die Gemeinschaft ein kleines Dorf. Baldorak besah sich das Schild am Ortseingang und knirschte mit den Zähnen.

„Was steht dort angeschlagen?“ fragte Sundonal ungeduldig und starrte zum Himmel hinauf. „Preise für Felle oder eine ehrenvolle Mission?“

Baldorak streckte wissend die Brust raus. „Auf diesem Schilde steht geschrieben: Basil-ist-doof.“

„Häh?“

„Das ist der Name vom Dorf.“, erklärte Novalis und Baldorak nickte bestätigend.

„Unsere Schwester hat recht. Lasset uns Basil-ist-doof betreten und nach einem Tempel Ausschau halten.“

Sundonal spuckte Schleim auf den Boden. „Einverstanden.“ Er starrte erneut zum Himmel. „Es wird Regen geben.“

Sie suchten die Taverne „Zum kleinen Gnu“ auf und bestellten sich jeder beim Wirt Was-darfs-sein ein Bier. Zuerst glaubten sie vergiftet worden zu sein, aber nach einigen Stunden erklärte Baldorak singend es handle sich um den Trank der Götter.

Leicht angeheitert torkelten sie zur Sperrstunde aus der Taverne und fielen müde in einer Gasse nieder. Als sie am nächsten Morgen erwachten glaubten sie ihre Köpfe müßten zerplatzen. Sundonal band vorsichtshalber ein Tuch um seinen Schädel.

„Wir werden einen Krämer aufsuchen und uns Proviant holen.“ Novalis dachte wie immer sehr praktisch. „Und einen Vorrat an Bier. So sind wir göttergefällig. Sicher gibt es hier auch einen Schmied, der uns Waffen gibt.“

„Aber wir haben gar kein Geld.“, warf Sundonal ein.

„Ich habe nie von bezahlen gesprochen.“

„Aha.“

Nachdem sie aus dem Dorf verbannt und außer Landes gewiesen wurden, wanderten sie über die Felder. Sundonal starrte zum Himmel. „Es wir Regen geben.“

„Da steht einer.“, meinte Novalis nur.

Baldorak sah entsetzt an sich herunter. „Wo?“

„Vor uns.“

„Guuut…“

Ein schlanker, kleiner Mann lehnte Pfeifend rauchend an einem Baum und lächelte die Gemeinschaft an. Seine Augen blitzten lustig auf und seine spitzen Ohren zuckten leicht.

„Elf.“, erklärte Novalis sachkundig. Sie hatte schon viele Männer kennengelernt, trotz das sie bei Teser abgeschieden gelebt hatten.

„Ich sehe nur einen.“, brummte Sundonal und faßte seine Axt fester. „Aber ich glaube eh nicht an Zahlen. Sie verwirren mich.“

„Es ist ein Elf! Sie dir nur die Haltung seiner Beine an. Und dazu der knackige Po.“

Baldorak runzelte die Stirn. „Ich meinte immer Zeichen der Elfen seien zwei spitze Ohren, die sie ihr eigen nennen?“

Novalis errötete. „Das ist mir noch gar nicht aufgefallen.“

Sundonal starrte wieder zum Himmel. „Es wird Regen geben.“

Der Elf trat mit geschmeidigem Schritt vor. „Seid gegrüßt edle Freunde. Die Zeiten sind gefährlich und man muß sich gegenseitig helfen. Wie ich sehe reist ihr nach Westen. Ich muß ebenfalls in diese Richtung. Laßt uns zusammen reisen. Einigkeit macht stark. Nun, wie lautet eure wohldurchdachte und gut überlegte Antwort. Ich weiß, ihr könnt nicht jeden Reisenden…“

„Komm mit.“, meinte Novalis.

„…aufnehmen. Dafür habe ich Verständnis und ich verstehe eure Ablehnung. Ich werde mich nach einer anderen Reisegesellschaft umsehen. Es tut mir leid…ich kann mit euch gehen?“ Der Elf war erstaunt.

„Geht schon in Ordnung.“

Sundonal starrte zum Himmel. „Es wird Regen geben.“

Baldorak meinte das sie etwas versäumt hatten. „Werter Fremde, wie lautet euer wohlklingender Name?“

„Basil. Ich stamme dort hinten aus dem kleinen Dorf.“

„Und was bist du von Beruf?“

„Magier.“ Basil lächelte freundlich. „Und ein sehr guter noch dazu. Niemand ist schneller mit dem pulvermischen als ich.“

„Pulver?“

„Ja. Mit ihnen kann ich mächtige Sprüche intonieren.“

„Klingt gut.“

„Hoffe ich.“, murmelte Basil und sann über die Bedeutung des Wortes >intonieren< nach.

xxx

Die Gemeinschaft war weit gereist, bis sie auf eine Straße stießen, die nach Norden führte. Sie beschlossen der Straße zu folgen und gelangten so in eine Stadt. „Hunde-ver-ten“, las Baldorak auf dem verwitterten Holzschild.

„Zwergisch.“, erklärte Novalis. „Das merkt man am Klang.“

Mit großen Augen gingen sie staunend durch die Gassen von Hunde-ver-ten. Es gab vieles zu sehen. Tavernen, Krämer, Schmieden, Tavernen, Banken, Reisebüros, Tavernen und Tempel. Und dann stießen sie auf ein abgebranntes Gebäude. Baldorak durchwühlte die verkohlten Reste. „Nichts.“, stellte er fest.

Sundonal starrte nur zum Himmel. Novalis und Basil waren in einer dunklen Seitengasse verschwunden.

Nachdem Baldorak seine Untersuchung beendet hatte wartete er zusammen mit seinem Bruder auf die Rückkehr der beiden anderen. Es dauerte einige Zeit, dann kamen sie zurück. Basil trug ein entrücktes Grinsen zur Schau während Novalis nur enttäuscht wirkte.

„Man sehe sich nur diese wunderbaren Elfen an. Sie scheinen jederzeit glücklich zu sein. Sie sind zu bewundern.“, meinte Baldorak neidisch. „Während wir kurzlebigen Menschen wohl nimmer mehr lernen werden immer glücklich zu sein.“ Er wurde traurig.

„Wo ist die nächste Taverne?“ fragte Basil. „Ein Zigarettchen würde mir jetzt gefallen.“

Sie gingen „Zum tanzenden Bären“, einer billigen Zwergenkneipe. Sundonal begriff rasch die Bedeutung des Wortes >ducken<.

Sie orderten eine Runde Bier. Und noch eine. Und noch eine. Und viele. Im halbtrunkenen Zustand machte sich Novalis Gedanken ums bezahlen. Denn noch immer besaßen sie kein Gold. Sie teilte Baldorak diese Besorgnis erregende Feststellung mit. Der schickte nur ein Stoßgebet zu Novala und rutschte langsam unter den Tisch.

Während sich Baldorak auf allen Vieren Richtung Türe absetzte, trat ein fetter Mann in teurer Händlertracht an den Tisch der Gemeinschaft.

„Seid ihr erfahrene Abenteurer die nach gefährlichen Missionen suchen?“ fragte er und setzte sich auf Baldoraks Stuhl.

Sundonal starrte zur Zimmerdecke. „Holzwürmer.“, murmelte er.

Novalis nickte energisch mit dem Kopf. Sie bekam nicht viel von dem was der Händler sagte mit, aber sie begriff noch das er ihre Zeche zahlte und mit zufriedenem Grinsen wieder ging. Beim hinausgehen winkte er noch Baldorak zu, der kopfüber an einem Kleiderhaken hing und von einem Halbblut geschlagen wurde.

xxx

Der nächste Tag kam wie die unausweichlichen Kopfschmerzen. Baldorak saß über einem Gully, wackelte mit dem Kopf und schrie in unregelmäßigen Abständen: „Unsere Zeche wurde gerade bezahlt!“

Novalis zählte die Mitglieder der Gemeinschaft durch. „Es mag einige von euch vielleicht nicht kümmern“, sie blickte in die Runde, „oder halt auch keinen, aber wir brauchen für unseren Auftrag noch einige Leute. Schließlich muß ja einer die Arbeit tun.“

„Unsere Zeche wurde gerade bezahlt!“

„Es wir Regen geben.“

„Was meinst du, dahinten die Gasse?“

„Fein! Wie ich sehe sind alle damit einverstanden das wir nach Rekruten suchen.“

Es gelang ihnen, unter Zuhilfenahme von Hypnose (und einem guten Knüppel) Baldorak aus seiner geistigen Verwirrung zu holen. Nachdem sie ein Brett und ein Stück Holzkohle gefunden hatten schrieb er einen Anschlag.

Sundonal nagelte das Brett an eine Hauswand, dann legten sie sich hinter einem Busch auf die Lauer.

Es dauerte nicht lange und der erste Rekrut las das Schild, bog sich vor lachen und kroch von dannen. Erst am Abend näherte sich ein Haufen Fell der Hauswand, blieb staunend vor dem Brett stehen und kratzte sich den Kopf.

„Der ist genau richtig.“, meinte Novalis anerkennend. „Schnappt ihn!“

Nach einer Stunde hatten sie dem Halbblut Birne klar gemacht das ein Mann der Ehre wegen auf Abenteuer zieht. Und nicht des schnöden Mammons wegen. Bei dieser Argumentation war es gut das Birne den Begriff >Mammon< nicht kannte, ihn mit >Marmor< verwechselte und deswegen voll zustimmte. Es leuchtete ihm ein das sich wegen einem dicken Stein niemand in Gefahr begibt.

„Kann ich auch noch mitmachen?“ fragte eine rauhe männliche Stimme hinter ihnen. Sie alle drehten sich um und starrten zwei Büffelhörner an. Dann wanderten ihre Blicke tiefer und ruhten auf einem Zwergen.

Stattlich, gut gerüstet, einen dichten langen Bart, Piercing und Augen wie glühende Kohlen. „Mein Name ist Hack!“

„Aufgenommen!“ rief Novalis und dankte ihrer Schutzgöttin für dieses Glück. „Du bist aufgenommen, Hack.“

„Gut!“

„Was bist du von Beruf?“

„Krieger!“

„Aha… Ist in Ordnung.“ Novalis umfasste kameradschaftlich Hacks Helmhörner und zog sie zur Seite. „Kennst du das Wort Mammon?“

„Nein!“

„Gut.“

Die Umverteilung des Eigentums verlief wie gewohnt. Sie wurden aus der Stadt geworfen und aus dem Land  gewiesen. Ihrem Auftrag gemäß wanderten sie weiter nach Norden, zu dem Dörfchen Da-im-Norden. So hatte es der Händler genannt. Jedenfalls war das die Kernaussage des abendlichen Gesprächs gewesen – hoffte Novalis. Wer konnte in diesen unsicheren Zeiten schon sicher sein.

xxx

Als sie nach Wochen der Wanderung endlich auf eine Siedlung stießen, jubelten sie froh auf, dann nahmen sie die Beine in die Hand. Die Einwohner von Basil-ist-doof hatten sie wiedererkannt.

Es war eine Zeit des Hungers, des Durstes und der Müdigkeit. Aber allen Widrigkeiten zum Trotz gelangten sie nach Da-im-Norden. Vorsichtshalber unterließen sie das Jubeln.

Gerade als sie das Dorf betreten wollten, kamen ihnen zwei Goblins entgegen. Sie hatten die Mülleimer im Dorf durchwühlt und nicht mit Ärger gerechnet, aber mindestens der Typ mit dem irren Blick versprach Ärger.

„Es wird Regen geben.“ Sundonal starrte zum Himmel und ließ die Axt ruhig in der Hand wippen.

Novalis wühlte in ihren Taschen nach Dietrichen und hielt sie den Goblins tapfer entgegen. „Da!“

Die Goblins verstanden ihre Sprache nicht und nahmen an es handle sich um einen Schlachtruf. Sie zogen ihre Knochenkeule. Immerhin waren es magere Zeiten und Goblins teilten alles miteinander. Selbst tödliche Seuchen. So wurde ihre Zahl immer gering gehalten und es gab keine Probleme wegen Überzüchtung.

Baldorak warf die Pantoffeln in die Höhe und lief. „Ich bin Pazifist!“ schrie er dabei wieder und wieder. „Ich bin Pazifist!“ Irgendwo in den Feldern rammte er einen einsamen Baum und fiel ohnmächtig nach hinten.

„Hack, hack zu!“ rief Basil und mischte schneller als der Wind seine Pulver zusammen. Leider hat Schnelligkeit nichts mit Können zu tun und ein Krater kündigte davon. Basil wurde nie mehr gesehen.

Hack sah die Angelegenheit gelassen, setzte sich auf den Boden und holte ein langes Pergament aus ihrer Rüstung. „Habe ich schon erwähnt das ich Mutterschutz genieße? Solange brauche ich nicht zu kämpfen! Mein Mann kann das bestätigen!“

Die Goblins bekamen es mit der Angst zu tun und rannten um ihr Leben. Das wurde von einem Straßenköter beendet, dem sie auf den Schwanz traten.

„Wir haben gewonnen!“ rief Novalis fassungslos. „Sind wir gut!“

„Gewonnen?“ krähte es aus den Feldern. „Gewonnen?“

Es dauerte einige Zeit, doch dann hatten sie sich wieder neu formiert. Selbst Birne traf wieder ein. Novalis fragte sich stirnrunzelnd wo das Halbblut eigentlich gewesen war.

Sie fanden nach einigem Fragen endlich jemanden, der bereit war für ihre Nachricht zu bezahlen. Von dem ersten Geld besuchten sie erst einmal die Taverne. Am nächsten Morgen wachten sie in der Gosse auf. Zu ihrer Verwunderung besaßen sie noch ihr Geld. Sie hatten sogar mehr als vorher. Daran erkannte Novalis das sie die Dietriche wegwerfen konnte. Beischlafdiebstahl war viel ertragreicher, machte Spaß und barg nur das Risiko einer Schwangerschaft.

Als sie das Dorf verließen schloß sich ihnen ein Straßenköter an, den sie Basil nannten. Der Hund schien diesen Namen zu mögen. Und er war sehr flink.

Ihre neuerliche Wanderung brachte sie an den Rand ihrer Existenz. Schließlich kannte niemand den Weg und sie verirrten sich im Wald. Baldorak meinte zwar es sei unmöglich nicht auf eine Siedlung zu stoßen, aber das Unmögliche wurde wahr.

Schließlich kamen sie auf den Gedanken Birne zu folgen, der jeden Abend verschwand und im Morgengrauen angeheitert am Lagerplatz erschien.

Wie nichts anders zu erwarten hatte das Halbblut eine feine Nase für Bier. Während die Gemeinschaft im Wald lagerte, vor wilden Tieren floh und vor Angst schlotternd am nächsten Morgen in einen unruhigen Schlaf fiel, ging Birne ins nächste Dorf und versoff seinen Verstand. Jedenfalls den Rest.

Während es sich die Gemeinschaft gut gehen ließ und Birne versuchte die Zwergin vom Hals zu entfernen, traf ein reicher Händler ein, sah sich kurz um und kam dann auf Novalis zu, die reflexartig den obersten Knopf ihrer Bluse öffnete und das Beste hoffte.

„Abend. Mein Name ist Ukjdks.“, stellte sich der Händler vor und starrte wie hypnotisiert auf  Novalis’ Ausschnitt. „Ich bin auf der Suche nach einer wagemutigen Gruppe die ins nächste Dorf zieht und bei meinem Vetter Uösöay  etwas abholt.“

Novalis lächelte verführerisch. „Dir gefällt wohl was du siehst?“

„Nein. Ich finde es nur sehr lehrreich die große fette Raupe zu beobachten, die in deinen Ausschnitt krabbelt.“

„Argh…“

„Wo Novalis?“ fragte Birne und hielt Hack mit seinem breiten Fuß auf Abstand.

„Hatte was dringendes zu erledigen.“, meinte Baldorak und riß die Verhandlung an sich. „Wir werden uns in tödliche Gefahr begeben und euren werten Vetter aufsuchen, edler Mann.“

„Fein. Da wäre noch eine Formalität zu regeln.“

„Häh?“

„Wie heißt eure Gruppe?“

„Ach so…“, überlegte Baldorak sich am Kopf kratzend.

„Die hauen.“, schlug Sundonal vor.

„Und laufen.“, ergänzte Birne.

„Und beten“, grinste Baldorak breit.

„Interessant. Die-hauen-und-laufen-und-beten. Klingt mal ganz anders als Drachentöter, Steelfist oder Mutige Recken. Ihr hebt euch von der Masse ab.“ Ukjdks war beeindruckt. „Wir sehen uns dann wenn ihr wieder zurück seid.“

„Einverstanden.“ Baldorak war von Ukjdks’ aufreizendem Gang sehr beeindruckt. „Bis dann, werter Ukjdks.“

Als Novalis zurückkehrte machte sich die Gruppe reisefertig. Enttäuscht sah sie sich nach dem Händler um. „Wo ist denn der Mann?“

Baldorak zerrte Hack von Birnes Fuß und entfernte das Fell zwischen ihren Zähnen. „Er ging von dannen bis wir wieder einkehren in dieser edlen Taverne.“

„Schade, er hatte so einen süßen Arsch.“

„Dies bemerkte ich auch, werte Novalis. Doch laßt uns rasch aufbrechen, Hack gerät in Rage.“

„Häh?“

Baldorak überlegte kurz und seufzte. „Gehen wir.“

Sie legten Birne ein Halsband an und versprachen Hack eine Streitaxt, dann zogen Die-hauen-und-laufen-und-beten los.

„Unser Weg ist eine einzige Reise.“ Baldorak knüpfte mit Sundonal ein Gespräch an.

„Es wird Regen geben.“

„Eine Queste ist unser Sein.“

„Schnauze!“

xxx

Uösöay war erstaunt als die Gruppe aus dem Wald brach und sich vor ihm aufbaute. Die schöne Frau schien Anführerin der Bande zu sein. Uösöay der Schmied beschloß sich diesmal nicht ausrauben zu lassen und schlug zu.

Nachdem sie das Mißverständnis aus dem Weg geräumt hatten, brachten sie Novalis gemeinsam zum Medicus. Der konnte nicht mehr viel tun, denn viele Zähne waren nicht mehr im Kiefer.

„Es tut mir leid.“, meinte Uösöay verlegen. „Ich gebe euch lieber die Kiste für meinen Vetter mit.“ Er warf einen Blick auf Novalis. „Ihre Augen sind so blutunterlaufen – ist sie ein Halbblut?“

Kunstvoll vertuschten sie den Mord an Uösöay und verließen auf schnellstem Weg das Dorf. Vorher untersuchten sie Novalis nach weiteren Dolchen, doch fanden keinen mehr.

„Ein simples zwischen die Beine treten hätte genügt.“, maulte Baldorak.

Zurück bei Ukjdks war das Geschäft schnell erledigt. Er nahm die Kiste, zahlte die unvereinbarten zehn Goldstücke pro Kopf und lächelte Novalis vielversprechend an. „Nachdem das Geschäft getan ist, wie wäre es mit einer Übernachtung in meinem Haus?“

„Fehr gerne.“, lächelte ihn Novalis an.

Entsetzt fragte Ukjdks: „Ist sie ein Halbblut?“

Als sie das Dorf hastig verließen, schüttelte Birne den Kopf. „Was haben gegen Halbblut?“ wollte er wissen und sah das eingeschnürte Bündel auf seiner Schulter ratlos an. Es zappelte wütend.

„Nicht fragen! Laufen!“ keuchte Baldorak und sah sich ängstlich um. Er hoffte die Dorfbewohner hatten noch genug zu tun Hacks Helm aus dem Wirt zu ziehen. Jedenfalls hatte sich die Zwergin als sehr effektiv erwiesen, um die Taverne zu verlassen. Baldorak wünschte ihr alles Gute, dort wo sie jetzt war. Bei ihrer Größe vermutete er den Gully vor der Taverne.

Die Wolken öffneten sich urplötzlich und entließen Naturgewalten. Regentropfen so dick wie Nüsse prasselten auf den Boden. „Ich hab’s immer gesagt.“, meinte Sundonal laufend.

Ende

Copyright © 2009 by Günther K. Lietz

Bildrechte: Lustige und satirische Geschichten aus dem sfbasar” (Lustige-in-schwarz.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Lustige Geschichten aus dem sfbasar – subcover-65-minus-160-0.jpg” (Originaltitel: Lustige-in-schwarz.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Michalsky, Jan
Süd Salatonien

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ISBN :      978-3-943450-03-3
Einband :      Paperback
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Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 03.2012

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6 Comments

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  1. Nette Geschichte, machst du Rollenspiele?, und woher hast du den Witz? (konnte an enigen Stellen wirklich herzlich ablachen!)

  2. Das ist eine uralte Geschichte. Keine Ahnung, woher da der Witz kam. War vielleicht Zufall. 😉 Hauptsache es hat dir gefallen.

  3. Hallo Taysal,

    wie heißt das Zeug, das du beim Schreiben geraucht hast? ;-))

  4. Ich bin Nichtraucher – aber vielleicht liegt es ja genau daran, dem ewigen Entzug. 😉 🙂

  5. Auch diese Story wartet auf einen Kommentar und natürlich auch der neue Buchtipp könnte eine Meinung vertragen!

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