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DIE GRANATE – eine kurze Geschichte von Martin Ott

Die Granate

eine kurze Geschichte

von

Martin Ott

Er stand neben dem Bett in voller Montur.

Als sie aus dem Bad auf ihn zukam, fühlte er ihre Augen auf seiner Hose. Er schob den Hut ins Gesicht und raunte, “Das ist keine Knarre, das ist eine Granate!” Sie setzte sich auf die Bettkante, schaute zu ihm auf und ergriff seine Gürtelschnalle.

Am Morgen tastete er das Bett neben sich ab. Sie war nicht da und aus dem Bad war nichts zu hören. Hatte er geträumt? Oder hatte er es endlich geschafft, die Frau fürs Leben zu finden. Er stand auf und sah erwartungsvoll in die Küche. Doch dort war sie nicht.

Schließlich bemerkte er einen Zettel auf dem Nachttisch und dann las er in unbekannter Handschrift: “Rohrkrepierer”. Er rannte ins Bad und grub heulend das Gesicht in die Hände.

Nach einer Weile nahm er vom Toilettenpapier und wischte die Tränen weg, atmete tief durch und fing an zu suchen.

Im Arzneischrank nach Aspirin. Leer.

In der Wohnzimmerbar griff er nach der Wodkaflasche. Leer.

In der Küche zog er das kleine Messer aus dem Holzblock. Er hielt inne.

Ruhig ging er zurück ins Schlafzimmer und setzte sich auf die Bettkante. Dorthin, wo sie in der Nacht gesessen hatte. Er beugte sich nach seiner Hose, nahm die Granate heraus und zog den Stift.

– Ende –

© Martin Ott, 2011

Bildrechte: Coverillustration “Überraschungsgeschichten-der-besonderen-Art1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Überraschungsgeschichten-der-besonderen-Art1.jpg” (WEIHNACHTSGESCHICHTEN-60-minus-60-0-20110114100400-0d964f2a) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Buchtipp des Autors zur Literaturform Microfiction:

Markus Walther: Kleine Scheißhausgeschichten
68 kurze Geschichten

Verlag: Acabus
ISBN-13: 9783941404649
Einband: broschiert
Preisinfo: € 11,90 [D]
Umfang: 155 Seiten, 20 x 14 cm
Erscheinungsdatum: 1. Auflage, 20.09.2010

Kurzbeschreibung
Warum verschwinden immer wieder Socken in Waschmaschinen? Was hat man mit Godzilla gemacht, nachdem er besiegt wurde? Warum gibt es die Zahnfee und den Weihnachtsmann nicht mehr? Zu welcher genauen Uhrzeit ist das Ende der Welt? Dies Zwischendurchlektüre beantwortet in 68 Kurz- und Kürzestgeschichten die wirklich wichtigen Fragen dieser Welt und ganz nebenbei auch einige der Unwichtigen.

Über den Autor
Markus Walther, geboren 1972 in Köln, lebt seit 2006 mit seiner Frau und zwei Töchtern in Rösrath. Der Schwerpunkt seiner schriftstellerischen Arbeit liegt in der Gattung der Kurz- und Kürzestgeschichte.

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Updated: 1. Juni 2015 — 08:46

17 Comments

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  1. Entweder das Cover von buchhandel.de nehmen oder selber einscannen, da es sonst Probleme wegen des Urheberrechts geben kann. Amazon z. B. versteht da null Spaß und ist schnell mit einer kostenpflichten Abmahnung dabei!

    Den Text würde ich anders formatieren. Statt linksbündig lieber zentrieren und die, hier überflüssigen, Zeilenumbrüche rausnehmen. 😉

    Lieben Gruß

    Ariana

  2. Danke Ariana,
    das Bild ist jetzt mein eigenes mit Copyright versehen. Text zum Buch ist nun ein selbst formulierter Auszug des Klappentextes. Und der Link zu einem Buchanbieter ist auch weg. Nicht dass ich eine Abmahnung bekomme wegen Nutzung eines geschützten Markennamens. 😉

    Der Zeilenumbruch ist ein Muss, besonders im dritten Absatz. Gleichwohl würde ich den Text so wie er ist linksbündig gerne weiter nach rechts schieben, aber nicht die einzelnen Zeilen „zentrieren“.

  3. Hallo Martin, Ariane hat recht, du bekomst fast alles, was du brauchst bei Buchhandel.de und von dort kannst du dann auch alles immer ohne Sorge verwenden. Bestellinks werde ich nachtragen und bitte dich aber das nächste Mal, ein Buch vom aktuellen Jahr zu verwenden.

    Ich werde deinen Namen als Schlagwort anklicken damit die Story zu finden ist, wenn man rechts deinen Autorennamen anklickt. Und ich werde sie in den Wettbewerb stellen, das war doch bestimmt auch deine Intention, oder?

  4. Hallo Martin: Als Schlagwort sind nur die Community-Autoren zugelassen. „Microfiction“ habe ich stattdessen unter Kategorien neu aufgenommen. Titel von Storys müssen oben in der Titelzeile immer in Grossbuchstaben geschrieben werden. Habe das schon geändert!

  5. Hallo Martin: Würde es statt „fühlte er ihre Augen auf seiner Hose“ nicht besser heissen: „fühlte er ihre(n Blick) auf seiner Hose“?

    Finde die Story ansonsten super, und sie passt in die Anthologie „Überraschungsgeschichten“, denn am Anfang denkt man noch, dass er mit „Granate“ keine echte meinte, was meinst du?

  6. Hallo Detlef,

    > Als Schlagwort sind nur die Community-Autoren zugelassen.
    bin ich also kein Schlagwort?

    > nicht besser heissen: “fühlte er ihre(n Blick) auf seiner Hose”?
    Dem allgemeinen Sprachgebrauch nach wäre es vermutlich richtig oder „spürte ihren Blick“. „Blick“ ist mir aber für diesen Kontakt(wunsch) nicht körperlich genug. Da müssen die Augen ran.

    Über Deinen Vorschlag zur Anthologie denke ich nach dem Wettbewerb nach.

    Vielen Dank für Feinjustierungen, Kommentar und Anregung.

  7. Hallo Detlef,
    der Autor hat mir gegenüber durchblicken lassen, dass der Acabus Verlag bzgl Anfragen zu „Freiexemplaren zum sinnvollen Einsatz“ recht aufgeschlossen sei.

    Ich verstehe, dass Bücher vom aktuellen Jahr als Tipps genannt werden sollen. Das Buch sollte aber auch (meiner Ansicht nach) zur Geschichte passen, wenn ich es empfehle, und ich sollte es kennen. Zu dieser Geschichte kenne ich nur noch ein anderes passendes Buch, aber das ist noch älter und dessen Verlag gibt keine Freiexemplare habe ich mir sagen lassen.

  8. Mir gefäll diese Geschichte und ich finde es auch prima, wenn solche Geschichten ofter zu finden wären, auch hier im Basar. Ich finde die Idee nicht schlecht für diese extrem kurzen Geschichten sogar eine eigene Anthologie zu starten, was meint Ihr?

  9. Was hälst du von Martinas Vorschlag, Martin?

  10. Mrtina,
    danke für Deinen Kommentar und die Anregung.

    Ich weiß selbst nicht so recht, wie ich die Geschichte einordnen soll: Länge, HumorArt, soziopathische Fallstudie, …

    Um mit solch kurzen Geschichten eine Anthologie zu füllen, bräuchten wir vermutlich einige mehr als für Anthologien mit Geschichten „normaler“ Länge. Und die wollen erst einmal geschrieben werden. Meine durchschnittliche Rate ist zur Zeit ca. 0,02 solcher kurzen Geschichten pro Jahr. Die Arbeit und Zeit, die ich da reinstecken muss, ist nicht weniger als in eine 5-seitige Geschichte.

  11. @ Martin

    Jetzt sage nur noch, das ist dein zweite Geschichte dieser Länge. Dann wärst du sicherlich unser ältester Mitautor ;-).

    Wegen der Anthologie hast du sicherlich recht. Wenigstens in der Print-Ausgabe sollte jedoch jede dieser Geschichten auf einer eigenen Seite stehen – vielleicht auf einer eigenen Doppelseite? Das klingt vielleicht nach Seitenschinderei, andererseits finde ich wirken solche Geschichten erst in dem entsprechenden Rahmen.
    Ebook-technisch kann man sicherlich auch Seitenumbrüche einfügen.

    Du wolltest Absätze einrücken? Markiere einen Bereich und drücke folgendes Icon:

    =======
    -> ====
    ====
    ==== (Naja, so ähnlich ;-))

    Der markierte Bereich wird dann eingerückt. Umso tiefer, je öfter du drückst.

  12. Christa Kuczinski

    Die Geschichte gefällt mir und die Pointe war, zumindest für mich, überraschend.

  13. Also passen solche Geschichte dann doch auch in die Anthologie Überraschungsgeschichten?

  14. Überraschungsanthologie: Habe mir nun die Geschichten dort angeschaut. Bin einverstanden, dass die Granate da eingereiht wird.

  15. Martina Möchel

    Ich sage DH bescheid.

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