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DEUTSCHLAND 2099 – Ein kurzer Blick in eine noch etwas düstere Epoche von Wolfgang G. Fienhold

DEUTSCHLAND 2099

– Ein kurzer Blick in eine noch etwas düstere Epoche

von

Wolfgang G. Fienhold

Montagmorgen Hans Stnr. 170408151820/Rot-Ex 39 löffelte sein Müsli und trank warmes Mineralwasser. Es gab 2324 Arten sein Müsli durch den Küchenroboter zubereiten zu lassen und es gab 765 Sorten Mineralwasser, ohne Kohlensäure, aber von lauwarm bis heiß.

Die Kamera über Hans` Frühstückstisch sprach mahnend: „Du hast dein Hemd nicht korrekt geknöpft, ändere das. In drei Minuten 22 Sekunden steht der Bus vor der Tür.“

Hans gehorchte und räumte das Geschirr weg.

Der Bus brachte etwa 20 jüngere Männer zum Stadtrand, an dem sich die Rosinenfabrik befand. Während der Fahrt wurden die Arbeiter mit dem melodischen „John-Harvey-Kellogg-Lied“ berieselt.

In der Halle waren bereits Frauen mit dem Sortieren diverser Trockenfrüchte beschäftigt, die dann von den Männern mit Haferflocken und anderen Köstlichkeiten veredelt und in Tüten gefüllt wurden.

Der „Roland-Koch-Marsch“ ließ die stumpfsinnige Arbeit etwas flotter von der Hand gehen.

Nach der 12 Stunden Schicht wurden die Arbeiter mit dem „Merkel-Nocturno“ verabschiedet.

Der Bus brachte sie direkt zu ihren Wohnungen, wo das aufgetaute Müsli bereits dem Verzehr harrte.

Hans gehörte zur roten Gruppe der Malocher, es gab auch noch eine gelbe und grüne Gruppe, deren Privilegien sich aber auf höherwertiges Müsli und Mineralwasser mit wenig Kohlensäure beschränkten. Die Grünen durften auch am längsten fernsehen.

Man hatte die Gruppen nach den Farben der Feinstaub Regelung, aus einer Zeit, in der es noch Privatwagen für Alle gab, benannt.

Man munkelte viel über eine „Goldene Gruppe“, ob da Privatgespräche unerwünscht waren und auch verwandtschaftliche Kontakte verboten waren, wusste man nichts Genaues.

Das staatliche TV war im übrigen so ziemlich die einzige Freizeitbeschäftigung.

Es gab auch noch diverse Müsli-Puzzles und einen H2O Experimentierkasten, der sich in den Kinderaufzuchtsstationen einiger Beliebtheit erfreute.

„Von der Krippe bis zur Bahre, Deutschland ist das einzig Wahre“, dieses Motto wurde bei Sendeschluss allabendlich eingeblendet und zeigte an, dass es Zeit war das Feldbett aufzusuchen.

Das TV-Programm war fast so vielseitig wie zu Beginn des Jahrhunderts:

Heute lief die 45388 Folge von „Liebste Liebe“, die von der Zuneigung einer Korinthensortiererin zu einer runzligen Rosine erzählte, die sie täglich vor dem Eintüten bewahren musste. Oder die 33328 Folge von „Hardcore“, in der ein muskulöser Mann sieben Teller Cornflakes vertilgte und dabei seine Wohnung mit Griesbrei tapezierte.

Es ist überflüssig zu erwähnen, das es schon lange keine Kneipen, Kinos und ähnliche Einrichtungen mehr gab. Es hätte dort ohnehin nichts anderes gegeben, als man zuhause hatte.

Deutschland war nicht der einzige Staat, in dem nur noch die „Goldenen“ Zugriff aufs Web hatten, irgendwo im Süden allerdings sollte es Länder geben, in denen das anderes war, aber weder die Roten, Gelben oder Grünen hatten die Möglichkeit das nachzuprüfen.

Szenentrenner

Samstagmorgen: „Guten Morgen Hans, Du hast heute dein 39tes Lebensjahr vollendet und musst nie wieder zur Arbeit.“

Uninteressiert blickte Hans in Richtung Stimme. Doch dann wurde er hellhörig.

„Du darfst heute wählen. Möchtest du Rehragout mit Arsen oder Kalbsbries mit Strychnin?

In beiden Fällen empfehle ich einen samtigen Bordeaux.“

Also doch, es gab noch etwas anderes als Müsli und Wasser!

Eine artgerechte Entsorgung, denn die Roten gehörten zur körperlich und geistig schwächsten Spezies und durften als erstes abtreten.

Szenentrenner

Im großen Platinsaal der Köpfe, in dem sich die Gehirne von Politikern und Industriemagnaten des Jahrhunderts in Glasbehältern mit vielen Elektrodenanschlüssen befanden, war ein zufriedenes Glucksen aus der Nährlösung zu hören unter der der Name Wolfgang Schäuble stand.

Copyright (C) 2008 by Wolfgang G. Fienhold

Bildrechte: Coverillustration “Evolution. – Menschheitsgeschichten” (Evolution2.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de

Bildrechte: Coverillustration “SkurileGeschichten1.jpg ” (SKURILE GESCHICHTEN-SPIRALE-20110114083935-8edac2f8) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

Die wahre Geschichte vom Treffen im Jenseits (Kartoniert)
Geschichten von Büchern und Buchstaben zum Lesen, Lachen und Lernen in der Schule und daheim
von Fienhold, Wolfgang

.
Verlag:  Razamba
Medium:  Buch
Seiten:  50
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  November 2010
Maße:  189 x 121 mm
Gewicht:  67 g
ISBN-10:  3941725114
ISBN-13:  9783941725119


Beschreibung
Manchmal geht es schneller als man denkt: Ein paar Gläser Wein in der Pilsstube – und schon ist man im Jenseits. Pfarrer Tiegel kann es kaum glauben …

Autor
Wolfgang G. Fienhold, geb. in Darmstadt, lebte in Frankfurt am Main. Abgebrochenes Studium der Sozialwissenschaften. Anno Tobac Herausgeber der Zeitschriften GUMMIBAUM und NONSENF. Mitarbeit an Hunderten von Anthologien. Die üblichen Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften und im Funk, Lyrik, Prosa, Reportagen, Rezensionen und Hörspiele. Bisher eine Handvoll Literatur- und Förderpreise. Schrieb u.a. den Roman DIE FLAMBIERTE FRAU, der mit Gudrun Landgrebe verfilmt wurde.

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2 Comments

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  1. Die Geschichte ist gut, kurz und prägnant.

    Allerdings ist das mit der goldenen Gruppe nicht ganz folgerichtig: Eigentlich wird davon nur gemunkelt, ob es sie wirklich gibt ist unbekannt.

    Am Ende werden die Goldenen wie selbstverständlich als Gruppe erwähnt und Funktionen beschrieben.

    Kann man so machen; dem entsprechend kann man dann auch ohne weitere Erklärung die Platingruppe hinzufügen.

    Trotzdem hatte ich beim Lesen ein Fragezeichen im Kopf.

    Die Story hat Ausbaupotenzial!

  2. Hat Sie leider nicht, da der Autor bereits Tod ist.

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