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DER STRAND – Kurzgeschichte von Daniel Sand

DER STRAND

Kurzgeschichte

von

Daniel Sand

 

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Die Tage am Strand wurden länger und Michael wusste nicht, was er tun sollte. Er saß nur noch hier und grübelte vor sich hin, während die mächtigen Brandungswellen an den Sandstrand schwappten und ihn frösteln ließen. Es lag nicht so sehr an den frischen Temperaturen, sondern an dem mächtigen Geräusch, wenn die Wellen auf ihn zu rollten. Sie kamen vom nahen Horizont und er wusste nicht so recht, was sie von dort mitbrachten. Legenden sagten, dass die Wellen die Dämonen aus allen Teilen der Welt herbrachten und es machte ihm schon etwas Angst. Maria sagte ihm immer, er wäre zu abergläubisch, aber schließlich waren in einigen Teilen der Weltmeere schon mehrmals Schiffe auf rätselhafte Weise verschwunden oder zumindest unter sehr merkwürdigen Umständen gesunken.

Seine sehr abergläubische Ader war auch der Grund für sein Hiersein. In letzter Zeit gab es immer mehr Streitereien zwischen ihm und Maria wegen seiner seltsamen Befürchtungen. Der neuerliche Streit bezog sich auf den gemeinsamen Sohn Tobias und er wusste nicht, warum sie ihn nicht verstand. Der Knabe sollte an der Junior Segelregatta am nächsten Wochenende teilnehmen und er hatte lange, ohne sein Wissen, dafür geübt. Michael erfuhr, dass sich Tobias sogar mit seiner Mutter verbündet hatte, um zu üben.

Als er davon erfuhr und auf die Gefahren hin wies, verbot er die Teilnahme natürlich sofort und der Streit mit Maria war vorprogrammiert. Seither gingen sie sich aus dem Weg. Er hätte nie mit dieser Frau eine Familie gründen dürfen, aber er liebte sie nun einmal.

Wieder blickte er auf das Meer hinaus; die salzige Luft tat ihm in seinen Lungen weh und die kühle Luft brannte in seinen Augen. Das Haus am Strand gehörte schon seinen Eltern und er wäre fast einmal beim Baden ertrunken, als sein Vater nicht rechtzeitig gekommen war. Früher hatte er nicht genug von dem kühlen Nass bekommen können, aber seit jenem Ereignis hatte es an Charme verloren, ja er hasste das Wasser sogar. Maria suchte die Begründung für seine Angst in jenem Erlebnis und sie hatte wohl Recht. Aber schließlich hatten es die Wasser-Dämonen auf ihn abgesehen und er wollte ihnen nicht seine ganze Familie schenken.

Plötzlich sah er das Meer sich erheben und eine weitere Welle formen. Sie schälte sich heraus wie ein Eislöffel eine Kugel aus der Packung heraus arbeitete. Dieses Exemplar musste größer als alle anderen sein und in ihrem Kern verdunkelte sich das Licht, darüber der Schaum des wütenden Wassers. In der Halbdunkelheit schien sich ein Gesicht zu formen, welches verschlingen wollte und es grinste ihn mit seinem bösen, nassen Mund an. Die Welle, die der Teufel geschickt haben musste, um ihn zu töten, nahm Maß und raste auf ihn zu. Sie arbeitete sich mit enormem Tempo voran und hatte ihn bald erreicht. Nun war es Zeit, zu fliehen. Er wollte aufspringen und weglaufen, aber es ging nicht. Seine Beine reagierten nicht!

Algen! Algen kamen aus dem Wasser und schlangen sich um seine Knöchel, sie wollten ihn nicht gehen lassen und seine Kraft reichte nicht aus, sie zu entfernen. Immer wieder neue Halmalgen fanden ihren Weg an den Sandstrand und schlangen sich um seinen Körper; er könnte sie nicht so schnell lösen, wie sie nachtrieben.

Und die Welle kam immer näher und näher. Sie brach über ihm zusammen und riss den ganzen Sand des Strandes mit sich und erschuf landeinwärts eine neue Düne.

Unter der salzigen Wassermasse kämpfte er nun den Kampf seines Lebens, so wie er es als Kind schon einmal getan hatte. Er hielt die Luft an und rang mit den lebendigen Fesseln an seinem Körper. Doch sie klebten zu fest an seinem Körper. Er fragte sich, warum die Brandung nicht wieder zurückwich und er wusste weshalb. Das Meer hatte versucht, ihn als Kind zu töten und es versuchte es nun wieder. Es sah fast so aus, als wollte es den Fehler von Damals nun wieder gut machen. Nun spürte er, wie er erstickte und ihn überkam wieder die Angst von damals. Er fragte sich, warum Maria oder Tobias nicht zu seiner Hilfe eilten und ihm fiel ein, dass sie es gar nicht wussten. Er wurde vom Wasser eingeschlossen, bevor er einen Hilferuf ausstoßen konnte.

Er spürte seinen Körper sterben und wurde panisch. Seine Lungen lechzten nach Luft und der Körper versuchte, sich mit aller Gewalt freizukämpfen, aber das schäumende tosende Etwas war zu sehr damit beschäftigt, ihn unten zu halten. Er konnte sich keinen Zentimeter mehr bewegen … Dann rang sein Mund nach Luft und schluckte Meerwasser. Vor lauter Panik sah er nicht, wie trüb das Wasser war und erstickte. Ihm wurde kalt und er fühlte sich steif und er roch.…

… Luft, Wasser, Schweiß!

Und er hörte …

… Rauschen, das Geschrei der Möwen, schreiende Kinder; alles was man an einem Strand hörte und roch!

Er öffnete die Augen und sah …

… den Himmel. Er strahlte mächtig über seinem Kopf und die Sonne brannte vom Himmel herab und brachte ihn zum Schwitzen.

Es war nur ein Traum! Ein so realistischer Traum? Unmöglich! Aber es musste so sein. Denn er lebte und keine Algen schlangen sich um seine Füße und kein Wasser trieb in seine Lungen. Er hatte alles nur geträumt, oder besser die Dämonen im Meer hatten ihm suggeriert, was geschah, wenn Tobias dem Wasser zu nahe käme.

Das würde er nie zulassen, er wollte nicht, dass Tobias das miterlebte, was ihm widerfahren war.

Niemals würde er ihn bei der Regatta mitmachen lassen. Niemals!
Copyright © 2016 by Daniel Sand (um auf die Homepage des Autoren zu gelangen, einfach auf das Foto unten klicken!)

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

Dämonen (Gebunden)
von Bruhin, Anton

Verlag: Edition Patrick Frey
Medium:  Buch
Seiten:  368
Format:  Gebunden
Sprache:  Englisch
Erscheint:  März 2017
ISBN-10:  3906803309
ISBN-13:  9783906803302

daemonen

Beschreibung
Dämonen sind wandelbar und leben vom Kontext. Dieser auf antike Wesenheiten gemünzte Satz trifft auch den Kern der im vorliegenden Buch gezeigten Serie des Schweizer Künstlers Anton Bruhin: An die 170 Würfe rechnen mit dem, was das Auge in ihnen sieht. Sie zielen auf die Einbildungskraft – auf die Bilder, zu denen wir Seheindrücke ordnen. Sie spielen mit Mustern, die im Betrachter angelegt sind. Bruhins Dämonen verraten einen tiefen Sinn für das Wesen der Suggestion.

Wie aber käme ein heutiger Dämon daher? Ursprünglich jener freischwebende Geist, der Lebens- und kosmische Energien verkörpert, wurde er mit den Jahrhunderten ins Innere der Lebewesen verlegt, vor allem des Menschen, und mit dem Bösen assoziiert: Ein Ungeist, der in die Dinge schlüpft, um sie aufzupeitschen, ihnen Krankheiten und Übel anzuhängen, sie zu zerrütten und die Vernichtungskräfte des Schicksals auf sie zu lenken.

Bruhin scheint nun den Dämon auf spielerische Weise rehabilitieren zu wollen, indem er ihn als idealtypischen Bewohner der Postmoderne zeigt: furchterregend und witzig zugleich. Dass er als Gesicht kenntlich wird, erstaunt wenig. Bruhins Versuchsreihen, seien sie in ihrer Anlage noch so abstrakt, münden stets in vergnügliche Anschaulichkeit. Seine Pixelwesen kommen also trinkfest, ironiefähig, oft sogar gut gelaunt und mit Freude am Herzeigen ihrer Absonderlichkeiten daher. Je länger man zwischen ihnen hin und her springt, desto wundersamer verkörpert ihre Mimik Zustände zwischen sanfter Entrücktheit, Feixlust und spukhafter Raserei: blinzelnde Fettaugen auf der Ursuppe. Es sind Sonderfüssler und Unförmlinge darunter. Sicher, hier grinsen sie, lassen die Warzen spriessen, rülpsen und sind mit andersgelbem Schleim besprengt. Aber sie kokettieren nur mit dem Schrecken für den sie stehen – denn während sie ihn noch verbreiten, lachen sie auch schon über ihn. Sie scheinen um den Betrachter als Komplizen ihrer Verschmitztheit zu wissen. (buch24.de)

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Updated: 4. Januar 2017 — 02:25

1 Comment

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  1. Hallo,
    diese Geschichte hat mich zum Schmunzeln gebracht.
    Weil sie schon so ewig alt ist, dass ich sie bereits ganz vergessen hatte. Danke fürs Erinnern und wie immer danke für ganze und liebevolle Arbeit beim Einstellen meiner Geschichten. Und nicht zuletzt für das wunderschöne Layout und den klasse Buchtipp 😉
    Ab 2017 habe ich eine neue Mailadresse :o)

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