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DER KATZENGENERAL (VI) – Fortsetzungsstory in sechs Teilen von Torsten Weigand

DER KATZENGENERAL (VI)

Fortsetzungsstory in sechs Teilen

von

Torsten Weigand

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(Zurück zu Teil V)
In der Deckung einiger Büsche huschten sie weiter, bis die Terrasse in ihr Blickfeld geriet. Das Wohnzimmer war hell erleuchtet, obwohl die Sonne noch nicht untergegangen war. Schatten eilten darin hin und her.

Micki und Tabbi, die nun ebenfalls neugierig geworden war, schlichen kleinen Hang empor, der zur Terrasse führte. Hinter einem Strauch blieben sie stehen.

„Was denkst du?“

Tabbi wandte sich zu Micki um, doch der war plötzlich verschwunden. Gras raschelte, und im nächsten Moment schlossen sich zwei Hände um Tabbis Bauch und hoben sie hoch. Tabbi kreischte.

„Da bist du ja“, sagte eine Mädchenstimme, „wir haben dich schon überall gesucht!“

Eine Hand strich sanft über Tabbis Kopf, und die kleine rote Katze erkannte den Geruch wieder: Es war eines der beiden Mädchen, die einmal zu Gast gewesen waren und mit denen sie so schön gespielt hatte.

Und dann war auch das zweite Mädchen heran. Beide streichelten Tabbi und sprachen auf sie ein, und Tabbi beruhigte sich langsam. Sie trugen sie zur Terrasse und setzten sie vor der Tür ab, die zum Wohnzimmer führte. Sie öffneten die Tür. Tabbi sah sich noch einmal um, doch von Micki war nichts zu sehen. Wahrscheinlich hatte er sich unter einen Busch verkrochen.

Nach kurzem Zögern folgte Tabbi den Mädchen ins Haus – und blieb verblüfft stehen: Das Wohnzimmer war nicht mehr leer. Neben einer Anzahl übereinander gestapelter Kisten standen neue Möbel darin, und an der gegenüberliegenden Wand thronte ein wunderbar bequem aussehendes Riesensofa.

„Tabbi, hier!“

Sie wirbelte herum, gerade noch rechtzeitig, um eine kleine Scheibe zu sehen, die ihre Richtung geflogen kam. Sie sprang hoch und schloss ihre Vorderpfoten exakt im richtigen Moment um den schnell rotierenden Filz.

Die Mädchen klatschten Beifall.

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Micki, der zunächst ebenso erschrocken war wie Tabbi, beobachtete aus der Entfernung, wie seine Freundin den Mädchen ins Haus folgte. Als dann alle drei anfingen, Werfen und Fangen zu spielen, wandte er sich um und machte sich beschwingt auf den Heimweg.

Tabbi hatte neue Menschen gefunden.

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Als der General an diesem Abend den Fluss erreichte, dem die Menschen den Namen Loisach gegeben hatten, lief er wie stets auf die sichelförmige Kiesbank hinunter, um zu trinken. Während des ganzen Weges waren ihm das rote Katzenmädchen und seine Worte nicht mehr aus dem Kopf gegangen.

Hast du wirklich nichts Besseres mehr zu tun, als deine Tage mit diesen Halbstarken zu vergeuden?

Erst als Tabbi und der Schwarze in der Ferne verschwanden, war ihm bewusst geworden, wie dumm sein Verhalten gewesen war: Ein alter Kater, der glaubte, er könne wieder jung werden, indem er sich mit unreifen Jungs umgab und für sie den Hanswurst spielte.

Er streckte eine Vorderpfote ins Wasser und fühlte dessen Kälte – fühlte das Leben, das das Wasser erfüllte, ebenso wie ihn selbst, immer noch. Ein gutes Gefühl.

Er trank, dann ging er den Rand der Kiesbank entlang.

Das Brett war noch da.

Es hing nach wie vor an dem Grasbüschel und schaukelte auf den Wellen, deren Kronen in der Abendsonne funkelten und blitzten wie der Korken, den das Mädchen mitgebracht hatte.

Er holte mit der Pfote aus, um das Brett von dem Hindernis zu lösen und zuzusehen, wie es tanzend um die Flussbiegung verschwand.

Doch dann senkte er die Pfote wieder.

Einmal im Leben hat man eine verrückte Idee gut.

Einmal im Leben sollte man sich bewusst werden, was es wirklich bedeutet: zu leben!

Einmal im Leben …

Er verharrte reglos, den Blick auf das schaukelnde Brett gerichtet.

Warum eigentlich nur einmal im Leben?

Ohne einen weiteren Gedanken, ohne einen Moment des Zauderns sprang er auf das Brett. Durch den Vorwärtsimpuls löste es sich von dem Grasbüschel und begann, in Richtung der Flussmitte zu treiben. Für einen Augenblick fürchtete der General, ins Wasser zu fallen, doch dann fand er das Gleichgewicht wieder.

Der Fluss war sein Freund, seit damals. Er hatte es nur noch nie bemerkt.

Er legte sich der Länge nach hin – das Brett war gerade so groß, um dies zu erlauben – und sah zu, wie die Ufer an ihm vorbeiglitten. Bäume mit kugelförmigen Vogelnestern in den ausladenden Kronen, ein windschiefer Schuppen, ein hölzerner Steg, die Mündung eines Bachs …

Den General durchpulste eine Energie, die er lange – zu lange – nicht mehr gespürt hatte. Ohne Bedauern dachte er an das, was er und sein Freund, der Fluss, hinter sich ließen. Vielleicht würden die Jungs nicht einmal merken, dass er fort war. Ihre Gesichter und Gerüche begannen bereits, in seinem Gedächtnis zu verblassen.

Die letzten Strahlen der Abendsonne hinter ihm ließen die Wellenkronen auflodern wie kleine Flämmchen. Am Himmel vor ihm wurde der erste Stern sichtbar.

Der General trieb auf den Stern zu.

Was auch immer ihn dort unter jenem Stern erwartete – alles würde anders sein.

Der Gedanke gefiel ihm.

– Ende –

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Copyright © 2016 by Torsten Weigand

Bildrechte: Coverillustration “Schwarze Katzen”  (20110205113353-e67c2f3d-400×600.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

KATZENWESEN (Roman) (Kartoniert)
Roman
von Weigand, Torsten

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Verlag:  MariPosa Verlag
Medium:  Buch
Seiten:  179
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  November 2014
Maße:  221 x 146 mm
Gewicht:  285 g
ISBN-10:  3927708836
ISBN-13:  9783927708839

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Katzenwesen neues Cover

Beschreibung
Das kleine Katzenmädchen Mausi zieht es seit seiner Geburt in die Ferne.

Als Mausi ein halbes Jahr alt ist, folgt sie diesem für sie selbst kaum fassbaren Ruf. Sie spürt, dass sie den einen Menschen finden muss, bei dem sie einst so glücklich war. Auf ihrem Weg durch die große Welt muss sie sich vielen Gefahren stellen und schließlich über sich selbst hinauswachsen, um ihr Ziel zu erreichen.

Parallel zur Haupthandlung lernt der Leser Martin Haller kennen, dem Mausis Suche gilt und der sich auch so sehr nach ihr sehnt. Im Dialog mit seiner Nichte kommt er zu ganz neuen Erkenntnissen, sowohl über Katzen als auch über sich selbst.

In diesem Roman dreht sich natürlich alles um Katzen und Menschen, aber es geht auch um Liebe, die stärker ist als der Tod, um Schuld und Sühne und Vergebung und nicht zuletzt um die Seele der Tiere.

Ein ganz besonderes Lesevergnügen, nicht nur für Katzenfans.

Autor
Torsten Weigand, geboren 1958 in Bayern, war mehr als zwanzig Jahre lang als freiberuflicher EDV-Berater tätig, bevor er 2003 mit dem Schreiben begann. In elf Jahren entstanden etwa vierzig Romane sowie ein Dutzend Kurzgeschichten, die er unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte.

Pressetext
„Glaubst Du, dass Katzen eine Seele haben?“, fragte der alte Mann seine Nichte.
„Ja“, sagte sie mit fester Stimme. „Ja, das glaube ich.“

Das kleine Katzenmädchen Mausi zieht es seit seiner Geburt in die Ferne.
Als Mausi ein halbes Jahr alt ist, folgt sie diesem für sie selbst kaum fassbaren Ruf. Sie spürt, dass sie den einen Menschen finden muss, von dem sie so oft geträumt hat und bei dem sie einst so glücklich war.
Auf ihrem Weg muss sie sich vielen Gefahren stellen, aber sie findet auch immer wieder Helfer, sowohl Menschen als auch Katzen. Sie begegnet Timber, dem schwarzen Kater, der Vater und Lehrmeister für sie wird. Dem verwahrlosten Kater Oje erfüllt sie seinen größten Wunsch: Er kann bei einer Menschenfamilie einziehen. Erst später wird klar, dass sie ihm in ihrem vorherigen Leben übel mitgespielt hat und somit ein altes Unrecht wieder gutmacht.
Als Mausi im Spätherbst einige vergiftete Mäuse frisst und beinahe stirbt, rettet sie Oliver, ein zehnjähriger Junge. Sie verbringt den Winter bei Oliver und seiner Familie und vergisst über dem sorgenfreien Leben beinahe ihre Suche. Erst im Frühjahr, als „ihr“ Mensch in Lebensgefahr gerät und die beiden sich im Traum treffen, nimmt sie ihre Wanderung wieder auf, nun entschlossen, sich nicht mehr von ihrem Ziel ablenken zu lassen.
Am Schluss kommt die schwerste Prüfung ihres Lebens. Um sie zu bestehen, muss Mausi eine tief verwurzelte Angst besiegen und über sich selbst hinauswachsen.

Über das Buch:
Es gibt Bücher, die geschrieben werden müssen, weil im Herzen ihres Autors eine Geschichte nistet, die unbedingt erzählt werden will. Dies ist so ein Buch. Denn Mausi, seine kleine Heldin, hat tatsächlich gelebt, wenn ihr Leben in Wirklichkeit auch nicht ganz so aufregend verlaufen ist. Der Autor hat mehr als zehn unvergessliche Jahre mit ihr verbracht. Auch die meisten anderen tierischen Hauptfiguren des Romans haben Vorbilder im wirklichen Leben, allen voran Lucy und Sonny, Mausis Geschwister. Und nicht zu vergessen: Kaspar Hauser, alias Oje, und Timber, der wunderschöne schwarze Kater mit den weißen Pfoten und der Blesse. Wie so oft bildet dieser Roman eine Verschmelzung von Dichtung und Wahrheit zu einem größeren Ganzen.

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