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DER KATZENGENERAL (V) – Fortsetzungsstory in sechs Teilen von Torsten Weigand

DER KATZENGENERAL (V)

Fortsetzungsstory in sechs Teilen

von

Torsten Weigand

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Alle Augen der Rotte waren nun auf ihn und das blitzende, fliegende Ding gerichtet.

„… das ist wohl nicht so wichtig. Jedenfalls kam sie nach Hause, und ihre Menschen …“

Ping!

Der Korken traf einen toten Ast, wurde abgelenkt und fiel neben der Gruppe zu Boden.

„… waren weg und das ganze Haus leer. Alle Möbel futsch! Nur …“

Nun war es vorbei mit der Selbstbeherrschung des gelb Getigerten. Aus dem Stand heraus hechtete er auf den glänzenden Gegenstand zu.

„… Tabbis Körbchen und ihr Kratzbaum sind noch da. Sie hat wirklich …“

Der Getigerte kam jedoch nicht weit: Der General, eifersüchtig seinen kostbaren Schatz hütend, erwischte mit seinen Krallen gerade noch seine Schwanzspitze und brachte ihn so mitten im Flug zu Fall. Beide fauchten.

„… alles abgesucht, aber alles ist weg, und ihre Menschen auch. Und nun …“

Klong!

Ein etwa vierjähriger Roter war der lachende Dritte: Während der General und der Getigerte sich kreischend balgten, hatte er das Objekt der Begierde erobert und versuchte nun klammheimlich, damit zu entkommen.

„… weiß sie nicht, was sie tun oder wohin sie gehen soll, denn …“

Doch der Graue, der einen Lidschlag zuvor noch neben dem General gesessen hatte, hatte aufgepasst: Er setzte über die Kämpfenden hinweg, wobei er einen bis dato Unbeteiligten mit der Hinterpfote am Ohr erwischte, und sprang den Roten nach einem kurzen Aufsetzer an.

„… sie war in ihrem ganzen Leben noch nie ohne ihre Menschen. Deshalb kam ich auf die Idee…“

Im nächsten Augenblick waren die beiden in eine heftige Rangelei verwickelt, zu der sich bald ein Dritter gesellte, nämlich jener langhaarige schwarz-weiße Kater, den der Graue soeben gestreift hatte. Dabei musste der Rote den Korken fallen lassen, was dem General nicht entging, der mittlerweile den Getigerten niedergerungen hatte.

„… dich um Rat zu fragen, weil du ja so steinalt … äh, weil du so viel Erfahrung hast. Wir dachten …“

Wie auf ein unhörbares Kommando hin stürzte sich nun die ganze Meute auf den alten Schwarzkopf. Eine Woge aus weißen, schwarzen, grauen, roten und beigefarbenen Katzenleibern schwappte über ihm zusammen.

„… vielleicht hast du ja eine Ahnung, was passiert sein könnte und …“

Der General und seine Rotte bildeten nun ein einziges knurrendes, fauchendes und kreischendes Fellknäuel, beinahe eine Kugel, die in sich so schnell rotierte, dass die beiden verdutzten Zuschauer nur dann und wann eine zuschlagende Pfote, einen peitschenden Schwanz oder ein aufgerissenes Maul erkennen konnten.

„… wohin Tabbi gehen muss, um ihre Menschen wieder zu treffen.“

Micki verstummte. Er sah Tabbi an, und Tabbi sah ihn an.

Beide sahen in den Himmel.

Dann legten sie sich mit Blick auf die balgende Rotte nieder.

„Wer wohl gewinnen wird?“, fragte Tabbi ohne echtes Interesse.

„Ich setze auf den General“, antwortete Micki im gleichen gelangweilten Tonfall. „Die anderen sind zwar stärker als er, aber sie sind zu stürmisch und haben weniger Erfahrung.“

Er behielt recht. Nach einiger Zeit – die Zahl der sich Balgenden hatte im gleichen Maß abgenommen, wie die Zahl derjenigen zugenommen hatte, die den Kampfplatz hechelnd und humpelnd verließen – war nur noch der General übrig geblieben. Das zuvor größtenteils weiße Fell war nun mit nasser Erde verklebt, und auch einige Blutspuren zeichneten sich darauf ab – ob seines oder das eines Kontrahenten, war nicht so einfach feststellbar. Aber er hatte seinen neuen Besitz erfolgreich gegen ein halbes Dutzend junger Spunde verteidigt, und der Stolz und die Freude darüber spiegelten sich in dem Blick, mit dem er diesen nun betrachtete, während er ihn mit den Pfoten drehte und wendete.

„Ähem“, machte Micki. „Wie sieht’s denn nun aus? Kannst du Tabbi weiterhelfen bei ihrem Problem?“

Der General starrte ihn an. Aus einem Riss unter seinem rechten Auge sickerte ein Blutstropfen.

„Problem?“, krächzte er. „Was’n Problem?“

Mickis Kopf sank herab. Ohne ein weiteres Wort wandte er sich um trottete hügelabwärts.

Tabbi, um eine große Hoffnung ärmer, wollte ihm bereits folgen, doch dann packte der Ärger sie erneut. Sie baute sich mit stolz durchgedrückten Beinen vor dem General auf und sagte:

„Du solltest dich schämen! Hast du wirklich nichts Besseres mehr zu tun, als deine Tage mit diesen Halbstarken zu vergeuden? Denk doch mal daran, was du mit deinem Wissen und deiner Erfahrung Gutes tun könntest! Du tust mir leid!“

Sie weidete sich an seinem verdutzten Blick, dann drehte sie sich um und stolzierte den Hügel hinab. Doch sie war noch nicht weit gekommen, als ein Ruf sie innehalten ließ. Sie blickte über die Schulter zurück: Der General war aufgestanden und ihr ein Stück gefolgt.

„Warte mal, Kleines“, sagte er. Seine heisere Stimme klang ernst, in ihr lag nun weder Spott noch Ärger. „Wenn man so alt ist wie ich, braucht man eine Weile, um seine Gedanken zu ordnen … Warum gehst du nicht zurück zu dem Haus und wartest zwei, drei Tage? Deine Menschen sind weg; schlimm, aber nicht zu ändern. Doch es werden neue kommen, vielleicht schon bald. Warum siehst du sie dir nicht mal an? Vielleicht sind sie ja ganz nett. Gib ihnen eine Chance!“

Er nickte ihr zu und ging zurück an seinen alten Platz, wo er sich hinsetzte und begann, sein Fell von den Spuren des Kampfes zu reinigen; eine Tätigkeit, der er sich voller Inbrunst widmete.

In Gedanken versunken marschierte Tabbi bis zu der Stelle, wo Micki auf sie wartete. Er hatte die Worte des Generals ebenfalls gehört.

„Ein guter Rat“, sagte er. „Du solltest es versuchen.“

Tabbi war nicht überzeugt; sie dachte an den Hund mit den langen Haaren und den Riesenpfoten. Aber dann reckte sie zustimmend den Schwanz in die Höhe. Hatte sie eine andere Wahl?

„Wenn du meinst“, sagte sie.

Gemeinsam machten sie sich auf den Rückweg.

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Micki begleitete Tabbi bis zu dem Haus am Waldrand, das sie gegen Abend erreichten. Ein Auto stand davor; kein so großes wie jenes, das Tabbi am Mittag begegnet war, sondern ein ganz normales Menschenfamilienauto.

Als die beiden näher schlichen, hörten sie Geräusche aus dem Haus dringen: das Klappern von Geschirr, das Reißen von Papier und einmal ein schweres Schleifen, als ob ein Tisch oder ein Schrank gerückt würde.

„Der General hat recht gehabt“, flüsterte Micki. „Es sind neue Menschen da.“

Tabbi blieb stehen. „Wir gehen besser wieder …“

„Unfug! Hast du nicht gehört, was der General gesagt hat? Gib ihnen eine Chance!“

„Ich will aber keine neuen Menschen! Ich will …“

Sie dachte an den Jungen und schluckte, kroch dann aber doch Micki hinterher, der unter der Hecke durchschlüpfte.
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(Fortsetzung Teil VI)

Copyright © 2016 by Torsten Weigand

Bildrechte: Coverillustration “Schwarze Katzen”  (20110205113353-e67c2f3d-400×600.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

KATZENWESEN (Roman) (Kartoniert)
Roman
von Weigand, Torsten

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Verlag:  MariPosa Verlag
Medium:  Buch
Seiten:  179
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  November 2014
Maße:  221 x 146 mm
Gewicht:  285 g
ISBN-10:  3927708836
ISBN-13:  9783927708839

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Katzenwesen neues Cover

Beschreibung
Das kleine Katzenmädchen Mausi zieht es seit seiner Geburt in die Ferne.

Als Mausi ein halbes Jahr alt ist, folgt sie diesem für sie selbst kaum fassbaren Ruf. Sie spürt, dass sie den einen Menschen finden muss, bei dem sie einst so glücklich war. Auf ihrem Weg durch die große Welt muss sie sich vielen Gefahren stellen und schließlich über sich selbst hinauswachsen, um ihr Ziel zu erreichen.

Parallel zur Haupthandlung lernt der Leser Martin Haller kennen, dem Mausis Suche gilt und der sich auch so sehr nach ihr sehnt. Im Dialog mit seiner Nichte kommt er zu ganz neuen Erkenntnissen, sowohl über Katzen als auch über sich selbst.

In diesem Roman dreht sich natürlich alles um Katzen und Menschen, aber es geht auch um Liebe, die stärker ist als der Tod, um Schuld und Sühne und Vergebung und nicht zuletzt um die Seele der Tiere.

Ein ganz besonderes Lesevergnügen, nicht nur für Katzenfans.

Autor
Torsten Weigand, geboren 1958 in Bayern, war mehr als zwanzig Jahre lang als freiberuflicher EDV-Berater tätig, bevor er 2003 mit dem Schreiben begann. In elf Jahren entstanden etwa vierzig Romane sowie ein Dutzend Kurzgeschichten, die er unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte.

Pressetext
„Glaubst Du, dass Katzen eine Seele haben?“, fragte der alte Mann seine Nichte.
„Ja“, sagte sie mit fester Stimme. „Ja, das glaube ich.“

Das kleine Katzenmädchen Mausi zieht es seit seiner Geburt in die Ferne.
Als Mausi ein halbes Jahr alt ist, folgt sie diesem für sie selbst kaum fassbaren Ruf. Sie spürt, dass sie den einen Menschen finden muss, von dem sie so oft geträumt hat und bei dem sie einst so glücklich war.
Auf ihrem Weg muss sie sich vielen Gefahren stellen, aber sie findet auch immer wieder Helfer, sowohl Menschen als auch Katzen. Sie begegnet Timber, dem schwarzen Kater, der Vater und Lehrmeister für sie wird. Dem verwahrlosten Kater Oje erfüllt sie seinen größten Wunsch: Er kann bei einer Menschenfamilie einziehen. Erst später wird klar, dass sie ihm in ihrem vorherigen Leben übel mitgespielt hat und somit ein altes Unrecht wieder gutmacht.
Als Mausi im Spätherbst einige vergiftete Mäuse frisst und beinahe stirbt, rettet sie Oliver, ein zehnjähriger Junge. Sie verbringt den Winter bei Oliver und seiner Familie und vergisst über dem sorgenfreien Leben beinahe ihre Suche. Erst im Frühjahr, als „ihr“ Mensch in Lebensgefahr gerät und die beiden sich im Traum treffen, nimmt sie ihre Wanderung wieder auf, nun entschlossen, sich nicht mehr von ihrem Ziel ablenken zu lassen.
Am Schluss kommt die schwerste Prüfung ihres Lebens. Um sie zu bestehen, muss Mausi eine tief verwurzelte Angst besiegen und über sich selbst hinauswachsen.

Über das Buch:
Es gibt Bücher, die geschrieben werden müssen, weil im Herzen ihres Autors eine Geschichte nistet, die unbedingt erzählt werden will. Dies ist so ein Buch. Denn Mausi, seine kleine Heldin, hat tatsächlich gelebt, wenn ihr Leben in Wirklichkeit auch nicht ganz so aufregend verlaufen ist. Der Autor hat mehr als zehn unvergessliche Jahre mit ihr verbracht. Auch die meisten anderen tierischen Hauptfiguren des Romans haben Vorbilder im wirklichen Leben, allen voran Lucy und Sonny, Mausis Geschwister. Und nicht zu vergessen: Kaspar Hauser, alias Oje, und Timber, der wunderschöne schwarze Kater mit den weißen Pfoten und der Blesse. Wie so oft bildet dieser Roman eine Verschmelzung von Dichtung und Wahrheit zu einem größeren Ganzen.

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Updated: 23. August 2016 — 07:14

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