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Literatur-Blog

DER KATZENGENERAL (IV) – Fortsetzungsstory in sechs Teilen von Torsten Weigand

DER KATZENGENERAL (IV)

Fortsetzungsstory in sechs Teilen

von

Torsten Weigand

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(Zurück zu Teil III)

So erklommen sie den Hügel auf einem breiten, von ungezählten Menschenfüßen niedergetrampelten Pfad, der zu beiden Seiten von bunten Papierfetzen, zerbrochenen Plastikteilen und verrottenden Essensresten gesäumt war. Und oben, auf der Kuppe dieses Feldherrnhügels, mit Ausblick auf das Haus und das halbe Tal, lag der General, umringt von einem halben Dutzend deutlich jüngerer Geschlechtsgenossen.

„Oh weh“, sagte Micki zwischen zusammengebissenen Zähnen, so leise, dass nur Tabbi ihn hören konnte. „Da ist ja die ganze Meute versammelt!“

Tabbi hörte mit ihrem Spiel auf und nahm den Kronkorken wie ihr Begleiter ins Maul. Langsam näherten sich die beiden der Gruppe.

Der General hatte tatsächlich einen schwarzen Kopf, der mittlerweile allerdings einen leichten Graustich aufwies. Sein restlicher Körper war weiß mit einigen wenigen schwarz-grauen Flecken. Er war immer noch eine eindrucksvolle Erscheinung, die sich von den um ihn herum sitzenden und liegenden Katern deutlich abhob.

Micki legte den Korken ab. „Guten Tag“, sagte er respektvoll.

Tabbi, die nichts falsch machen wollte, tat es ihm nach.

Der General reagierte nicht. Er wiegte mit halb geschlossenen Lidern den Kopf, als lausche er einer Melodie, die nur für ihn hörbar war.

„Guten Tag“, wiederholte Micki lauter.

Der General öffnete das linke, dann auch das rechte Auge und musterte den schwarzen Kater mit den weißen Flecken und die rot getigerte Kätzin.

„Kein Zutritt für Jugendliche unter zwölf Monden!“, sagte er dann mit einer heiser klingenden Stimme. „Und für Weibspersonen sowieso nicht! Das hier ist ein Männerclub, nicht wahr, Jungs?“

„Und ob!“, kreischte ein gelb getigerter Kater neben ihm, der die vom General vorgegebene Altersgrenze noch nicht lange überschritten haben konnte. „Außerdem kapieren die Weiber unsere Witze sowieso nicht, har har!“

Der Rest der Rotte fiel in das Gelächter ein.

Tabbi lag eine geharnischte Antwort auf der Zunge, Respekt vor dem Alter hin oder her, aber dann fing sie einen Blick Mickis auf, der sie schweigen ließ.

Micki schnippte den Korken in Richtung des Generals. „Wir haben da ein Problem …“

„Nur eines?“, fragte ein etwa zweijähriger Grauer in gespielter Verwunderung und mit übertriebener Mimik. „Mann, wenn ich mit so einem Baby rumziehen würde, hätte ich mindestens ein ganzes Dutzend! Wie hältst du es nur trocken, har har?“

Während das unvermeidliche Echo einsetzte, machte Tabbi demonstrativ einen Schritt rückwärts, setzte sich und starrte auf den Boden. Die Hoffnung, dass man ihr hier weiterhelfen würde, erlosch wie ein Funke im Regen.

Der General machte eine Bewegung mit einer Pfote, und das Gelächter verstummte. Er erhob sich langsam, warf einen begehrlichen Blick auf Mickis Korken und bequemte sich schließlich, die beiden Schritte zu tun, die ihn davon trennten. Er drehte und wendete den Korken, beäugte und beschnupperte ihn ausgiebig. Im nächsten Moment schleuderte er ihn mit einem wütenden Pfotenhieb in die Luft.

„Bäh!“ Er würgte, als ob er einen Haarballen ausspeien wollte. „Alkoholfrei! Wofür hältst du mich? Für einen gehirnerweichten Abstinenzler?“

Der Korken landete nach einem steilen Flug raschelnd im Gebüsch hinter ihm, und für einen Augenblick sah es so aus, als wolle ihm der gelb Getigerte nachsetzen. Seine Pfoten zuckten lüstern.

„Und jetzt verzieht euch gefälligst“, krächzte der General. „Wir haben heute noch jede Menge wichtiger Dinge zu besprechen, nicht wahr, Jungs?“

„Yep!“, machte der Getigerte, und „Klaro!“ bekräftigte der Graue, der auf der anderen Seite des Generals saß. „Wichtige Dinge!“, echote ein Dritter, und alle peitschten zustimmend mit ihren Schwänzen.

„Vielleicht …“

Alle Köpfe ruckten auf Tabbi zu, deren Ärger so schnell verflogen wie gekommen war und die bereit war, auch den Strohhalm einer Chance zu ergreifen, um einen guten Ratschlag zu bekommen.

„Vielleicht“, sagte sie, „riecht dies hier besser?“

Sie hob den von ihr ausgegrabenen Kronkorken auf, der so hübsch golden blinkte, trug ihn zum General und legte ihn vor diesem auf den Boden.

„Es wäre nämlich wirklich wichtig“, fügte sie mit einem verschämten Augenaufschlag hinzu. „Gewiss nicht so wichtig wie die Dinge, die ihr Erwachsene hier zu besprechen habt, aber für mich … für mich wäre es außerordentlich wichtig. Du könntest mir mit deinem Wissen und deiner großen Erfahrung sehr helfen.“

Tabbi sah sich zu Micki um und fing einen anerkennenden Blick auf. Alle schwiegen. Tabbis kurze Rede und die dabei gezeigte bescheidene Zurückhaltung hatten ihren Eindruck nicht verfehlt.

Der General räusperte sich. „Na, ich will mal nicht so sein! Mal sehen …“

Er beugte den Kopf und schnüffelte. Im nächsten Augenblick starrte er überrascht in die Runde. „Das gibt’s doch gar nicht!“ Wieder beugte er sich und schnupperte. „Das ist ja … nein, nicht möglich!“

Aller Augen waren auf ihn gerichtet, und Tabbi wurde himmelangst. Folgte jetzt eine erneute Zurechtweisung? Sie machte sich vorsichtshalber fluchtbereit. Doch da hob der General den Kopf, und in seinen Augen lag ein so entrücktes Lächeln, als hätte man ihm eine Pfotevoll zarter, junger Mäuslein vor die Nase gelegt.

„Oktoberfestbier! Ich hatte ja keine Ahnung, dass davon noch welche herumliegen!“ Ein abermaliges Beschnuppern, das in ein gieriges Ablecken des Korkens mündete. „Kein Zweifel! Feinherber und angenehm hopfiger, würziger Geschmack; süffig und malzbetont, und nicht zuletzt: erhöhter Alkoholgehalt! Dass ich das vor dem Winter noch erleben darf …“

Micki versuchte, den General aus seiner Verzückung zu wecken. „Zurück zu unserem Problem …“

„Schnüff! Problem? Was’n Problem? Schnüff!“

„Tabbi – das ist die kleine Rote hier – also, Tabbi ist heute Mittag …“

Ein helles Klicken unterbrach ihn. Der General hatte den Kronkorken in die Luft geschleudert und mit beiden Vorderpfoten wieder aufgefangen.

„… etwas Schlimmes zugestoßen. Sie wohnt ein Stück das Tal runter, am Waldrand, aber …“

Ein erneutes Klicken, ein Blinken in der Sonne. Diesmal flog der Korken höher, und wieder fing ihn der General auf …

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(Fortsetzung Teil VI)

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Copyright © 2016 by Torsten Weigand

Bildrechte: Coverillustration “Schwarze Katzen”  (20110205113353-e67c2f3d-400×600.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

KATZENWESEN (Roman) (Kartoniert)
Roman
von Weigand, Torsten

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Verlag:  MariPosa Verlag
Medium:  Buch
Seiten:  179
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  November 2014
Maße:  221 x 146 mm
Gewicht:  285 g
ISBN-10:  3927708836
ISBN-13:  9783927708839

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Katzenwesen neues Cover

Beschreibung
Das kleine Katzenmädchen Mausi zieht es seit seiner Geburt in die Ferne.

Als Mausi ein halbes Jahr alt ist, folgt sie diesem für sie selbst kaum fassbaren Ruf. Sie spürt, dass sie den einen Menschen finden muss, bei dem sie einst so glücklich war. Auf ihrem Weg durch die große Welt muss sie sich vielen Gefahren stellen und schließlich über sich selbst hinauswachsen, um ihr Ziel zu erreichen.

Parallel zur Haupthandlung lernt der Leser Martin Haller kennen, dem Mausis Suche gilt und der sich auch so sehr nach ihr sehnt. Im Dialog mit seiner Nichte kommt er zu ganz neuen Erkenntnissen, sowohl über Katzen als auch über sich selbst.

In diesem Roman dreht sich natürlich alles um Katzen und Menschen, aber es geht auch um Liebe, die stärker ist als der Tod, um Schuld und Sühne und Vergebung und nicht zuletzt um die Seele der Tiere.

Ein ganz besonderes Lesevergnügen, nicht nur für Katzenfans.

Autor
Torsten Weigand, geboren 1958 in Bayern, war mehr als zwanzig Jahre lang als freiberuflicher EDV-Berater tätig, bevor er 2003 mit dem Schreiben begann. In elf Jahren entstanden etwa vierzig Romane sowie ein Dutzend Kurzgeschichten, die er unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte.

Pressetext
„Glaubst Du, dass Katzen eine Seele haben?“, fragte der alte Mann seine Nichte.
„Ja“, sagte sie mit fester Stimme. „Ja, das glaube ich.“

Das kleine Katzenmädchen Mausi zieht es seit seiner Geburt in die Ferne.
Als Mausi ein halbes Jahr alt ist, folgt sie diesem für sie selbst kaum fassbaren Ruf. Sie spürt, dass sie den einen Menschen finden muss, von dem sie so oft geträumt hat und bei dem sie einst so glücklich war.
Auf ihrem Weg muss sie sich vielen Gefahren stellen, aber sie findet auch immer wieder Helfer, sowohl Menschen als auch Katzen. Sie begegnet Timber, dem schwarzen Kater, der Vater und Lehrmeister für sie wird. Dem verwahrlosten Kater Oje erfüllt sie seinen größten Wunsch: Er kann bei einer Menschenfamilie einziehen. Erst später wird klar, dass sie ihm in ihrem vorherigen Leben übel mitgespielt hat und somit ein altes Unrecht wieder gutmacht.
Als Mausi im Spätherbst einige vergiftete Mäuse frisst und beinahe stirbt, rettet sie Oliver, ein zehnjähriger Junge. Sie verbringt den Winter bei Oliver und seiner Familie und vergisst über dem sorgenfreien Leben beinahe ihre Suche. Erst im Frühjahr, als „ihr“ Mensch in Lebensgefahr gerät und die beiden sich im Traum treffen, nimmt sie ihre Wanderung wieder auf, nun entschlossen, sich nicht mehr von ihrem Ziel ablenken zu lassen.
Am Schluss kommt die schwerste Prüfung ihres Lebens. Um sie zu bestehen, muss Mausi eine tief verwurzelte Angst besiegen und über sich selbst hinauswachsen.

Über das Buch:
Es gibt Bücher, die geschrieben werden müssen, weil im Herzen ihres Autors eine Geschichte nistet, die unbedingt erzählt werden will. Dies ist so ein Buch. Denn Mausi, seine kleine Heldin, hat tatsächlich gelebt, wenn ihr Leben in Wirklichkeit auch nicht ganz so aufregend verlaufen ist. Der Autor hat mehr als zehn unvergessliche Jahre mit ihr verbracht. Auch die meisten anderen tierischen Hauptfiguren des Romans haben Vorbilder im wirklichen Leben, allen voran Lucy und Sonny, Mausis Geschwister. Und nicht zu vergessen: Kaspar Hauser, alias Oje, und Timber, der wunderschöne schwarze Kater mit den weißen Pfoten und der Blesse. Wie so oft bildet dieser Roman eine Verschmelzung von Dichtung und Wahrheit zu einem größeren Ganzen.

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