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Literatur-Blog

DAS WESEN DES HÜTERS – Eine Science-Fiction-Geschichte von Günther Kurt Lietz (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 4/2011)

Erstellt von Günther Lietz am Montag 31. Oktober 2011

DAS WESEN DES HÜTERS

Science-Fiction-Geschichte
von
Günther Kurt Lietz
2002/2011

Die letzten Sonnenstrahlen des Tages brachen sich in der Atmosphäre und ließen die kahle Wüstenlandschaft von Kadira in einem sanften Orange erstrahlen, das sich zum Himmel hin in ein goldenes Licht wandelte. In weiter Ferne stieg ein kleiner Modulfrachter der Ediken auf gleißenden Flammensäulen in die Höhe empor und ließ den lebensfeindlichen Planeten unter sich.

Nascha-Ra-Hua bedeutet wörtlich übersetzt „Hüter vom Wind“ und war der Name des schlanken Mannes, der einsam auf einer der unzähligen Klippen stand, die das weite Land wie ein gezackter Rahmen umgaben.

Bis auf einen kleinen Lendenschurz war sein gelenkiger Körper nackt und die schwarzviolette Haut badete in der untergehenden Sonne, sog die letzte, energiespendende Strahlung in sich auf. Die Atmung des einsamen Manns war flach und seine Brust hob sich nur unmerklich. Die Borsten im Nacken hatten sich aufgerichtet und filterten lebenswichtige Mineralien aus der Luft.

Der starke Hornkamm Nascha-Ra-Huas zitterte unmerklich. Dort wo er in die Stirn überging prangte eine kleine rote Narbe. Einst hatte sich an dieser Stelle das Nikar-Ra-Kima befunden, eine Körperdrüse. Doch war sie ihm bereits im Kindesalter entfernt worden und hatte so aus dem gewaltbereiten Vokadi einen friedlichen Vokadi-Ras geformt.

Nascha-Ra-Hua spürte den heißen Stein unter seinen Füßen. Er spürte wie der warme Wind über seinen Rücken strich und den Brutbeutel umschmeichelte. Der Blick seiner gelben Echsenaugen folgte dem Frachter, dessen menschlichen Mannschaft und der kostbaren Fracht.

Sie würde ihn finden, das wusste Nascha-Ra-Hua. Doch als sie kam war er trotzdem überrascht. Mit bebenden Nasenlöchern nahm er ihre Witterung auf und spürte dann die Anwesenheit der anderen auf seiner Haut, noch bevor sich eine feingliedrige Hand auf seine Schulter legte.

„Du hast dem Gesetz widersprochen und die Reliquie den Menschen ausgehändigt.“, sagte eine tiefe, warme Stimme. Es war die Stimme von Nima-Natul-Horan, seiner Geliebten.

Nascha-Ra-Hua drehte sich langsam zu ihr um. Seine Augen suchten die Ihren und er versank für einen kurzen Augenblick in ihrer Seele, bevor er sich an einer Erklärung versuchte. „Es stand uns nicht zu, die Reliquie zu besitzen. Sie gehört nicht unserem Volk. Wo war da Recht, frage ich dich? Ich bin der sanfte Wind der Frieden bringt und nicht der Sturm, der Zorn über seine Feinde wirft.“

Nima-Natul-Horan schmiegte sich an ihren Geliebten. Auch sie trug nur einen Lendenschurz und die Reibung ihrer nackten Körper aneinander hatte etwas erregendes an sich. Trotz der gefährlichen Situation. „Das Gesetz schützt unser Volk vor den Außerirdischen. Und vor unseren dunklen Brüdern.“ Sie atmete tief durch ihr drei Nasenlöcher ein und hauchte warme Luft in Nascha-Ra-Huas Mundhöhle. „Ich kenne dich, mein Geliebter. Deswegen fand ich dich vor ihnen. Aber es wird nicht lange dauern bis die Adepten dich gefangen nehmen. Du hast dich dem Hochverrat schuldig gemacht.“

„Habe ich das wirklich?“ Er lachte leise und strich mit der linken Hand über ihren Hornkamm, der sich durch einen starken Knochenschild und scharfe Konturen auszeichnete. Die Ausläufer endeten tief im Nacken, nur zwei Handbreit über dem Geschlechterbeutel. „Wir sind nicht die Richter dieses Universums. Ich kann den Gedanken kaum ertragen, dass wir uns schuldig machen, anderen Spezies ihr Erbe vorzuenthalten.“

Nun war Nima-Natul-Horan daran zu lachen. „Du bist so wunderbar ehrlich.“, sagte sie und schüttelte sanft den Kopf. In diesem Augenblick erlosch das Licht der Sonne endgültig und die Sterne begannen am Nachthimmel zu erblühen.

Die Augen der beiden Vokadi-Ras veränderten sich unmerklich. Das Gelb wurde leuchtender und glitzerte im Sternenlicht. Nascha-Ra-Hua liebte den Augenblick, wenn sich das Sichtspektrum verschob. Er bewunderte die Natur gerne bei Nacht, in der er sah wie am Tage. Nein, in der er besser sah als am Tage. Er glaubte die Wärme sehen zu können, die sich nun aus dem Boden löste und in die kühler werdende Nacht entfloh.

Nima-Natul-Horan schob ihre Hand unter Nascha-Ra-Huas Kinn und schmiegte ihre Wange an die seine. „Erinnerst du dich manchmal an die Kima-Zeremonie? An den Schwur in Frieden zu leben und dem Gesetz zu gehorchen? Nicht nur uns, sondern auch die anderen Wesen des Universums zu schützen? Was du getan hast erschüttert das Gesetz. Vielleicht führt uns deine Tat ins Verderben.“ Ihre Worte waren immer leiser geworden und kaum noch zu vernehmen. Sie glichen einem Flüstern. „Ich habe Angst, Nascha-Ra-Hua. Ich habe Angst, dich zu verlieren. Und ich habe Angst, unseren Frieden zu verlieren.“

„Warum? Was hat die Reliquie mit unserem Volk zu schaffen? Die Ältesten verbergen sich gerne hinter ihren Traditionen. Sie meiden den Kontakt mit den Außerirdischen. Aber diese Menschen sind doch gar nicht so übel. Ich habe sie von einer friedfertigen Seite kennengelernt.“

„Vielleicht trübt deine Zeit als Adept des Botschafters deine Objektivität.“, entgegnete Nima-Natul-Horan schärfer als sie eigentlich wollte. „Die Ediken führen ständig Krieg und verbannen, was sie nicht haben wollen. Und ausgerechnet jetzt sollen sie den Frieden akzeptiert haben? Mein Liebster, die Außerirdischen denken nur an sich selbst. An ihre Macht und an ihren Einfluss.“

Er liebte ihre wütende Art. Vorsichtig strich er mit seinen Fingerkrallen über ihren Hals und lächelte. „Auch wir leben in ständigem Krieg. Nur an der Oberfläche unterscheiden sich unsere Schlachtfelder und Absichten. Doch tief im Inneren ist es nur Tod und Verderben. Auch die Ältesten trachten nach Macht.“

„Vielleicht. Das gebe ich gerne zu. Vielleicht hast du richtig gehandelt. Aber sollten wir uns darüber wirklich Gedanken machen?“ Sie war besorgt. „Lass uns gehen. Lass uns gehen, bevor die Adepten zu nahe sind. Wir könnten in die Wüste fliehen. Ich kenne eine kleine Höhle. Es gibt dort ein wenig Wasser. Irgendwann haben sich die Gemüter abgekühlt und wir können vielleicht zurückkehren. Doch jetzt sind die Leute aufgebracht und werden dich richten wollen. Wir müssen ihnen Zeit geben, um sich zu beruhigen.“

Nascha-Ra-Hua schob sie ein Stück von sich weg und starrte sie fassungslos an. „Was sagst du da? Ich werde mich auf keinen Fall verstecken. Ich habe nichts getan und stehe zu meiner Tat. Ich habe dem Gesetz widersprochen, aber ich hatte Gründe. Die Ältesten werden diese Gründe akzeptieren müssen. Irgendwann werden sie mich verstehen und die Richtigkeit meiner Tat einsehen.“

„Und was ist wenn du erkennst, dass es falsch ist?

„Das werde ich nicht, meine Liebste. Glaub mir.“

„Ras selbst hat die Reliquie empfangen und vor den Menschen verborgen. Willst du ihn in Frage stellen?“

„Ich stelle nicht Ras sondern seine Propheten in Frage. Ich glaube sie kennen die wahre Lehre, aber sie gehen einen falschen Weg.“

„Die Menschen haben dich verdorben.“, warf ihm Nima-Natul-Horan bitter vor. In ihren Augen spiegelte sich eine tiefe Traurigkeit. „Lass uns von hier verschwinden. Bitte, ich flehe dich an.“

Nascha-Ra-Hua fasst sie mit den Händen an den Schultern. „Es wäre falsch, Liebste. Glaub mir. Jeder muss seinen Weg gehen. Ich muss es. Und du musst es auch. Nun bitte ich dich allerdings, deiner Pflicht nachzukommen. Es ist für uns alle das Beste.“

Eine Träne stahl sich aus ihrem Augenwinkel und rann über die zart gezeichnete Wange. Sie stoppte kurz in einem winzigen Grübchen, um dann ihren Weg fortzusetzen. „Sie werden es nicht verstehen.“, sagte sie leise und traurig, schüttelte sanft ihren Hornkamm und löste sich von ihm.

Nima-Natul-Horan trat einen Schritt zurück und tastete zu ihrem Lendenschurz hinunter. Nur zögerlich betätigte sie den Signalgeber und gab ihren Kameraden damit ihre Position und auch die seine bekannt. Sie tastete zu ihrer Stirn hoch und berührte den Sensor unter der Kopfhaut. „Adeptin Nima-Natul-Horan meldet den Gesuchten gefunden zu haben. Er hat sich freiwillig gestellt. Ich bitte um einen Transport zur Hauptstadt.“

Sie lauschte den Worten in ihrem Ohr, nickte mehrmals leicht und schaltete dann das Kommunikationsimplantat wieder ab. „Sie werden es nicht verstehen.“, flüsterte sie und ließ dann stumm ihren Tränen den Lauf. Nascha-Ra-Hua fasste sie sanft am Kinn und drückte seine Stirn an die ihre.

***

Die Zelle war klein und kahl. Sie war aus Sandstein erbaut und mit Bakterien gesichert worden. Eine in der Decke verborgene Beleuchtung spendete sanftes, orangenfarbenes Licht. Die einzige Türe nach draußen bestand aus Kunstfasern und war geschlossen.

An einer Seite des Raums war ein Quader aus der Wand gefahren, auf dem ein dünner Kalkstein lag. Nascha-Ra-Hua hatte es sich darauf bequem gemacht und ließ die letzten Tage vor seinem Auge nochmals vorbeiziehen.

Die Ältesten hatten sich stumm seine Worte angehört und zur Beratung zurückgezogen. Das war mehr als er verlangen konnte. Und obwohl ihn Nima-Natul-Horan gewarnt hatte, war die Verkündung des Urteils für ihn ein Schock.

Die Ältesten sahen vom Todesurteil ab, straften ihn aber mit dem Exil. Nascha-Ra-Hua war verdammt worden, auf einer entlegenen Kolonie sein Dasein zu fristen. Auf den ersten Blick war es eine schwere Strafe, fernab der Heimat und Muttersonne leben zu müssen. Doch konnte er aus dem Exil weiterhin wirken. Vielleicht konnte er sein Volk sogar aufrütteln und sie aus der Isolation führen.

Nascha-Ra-Hua erschrak als die Türe mit einem schabenden Geräusch zur Seite glitt. Vor ihm stand Nima-Natul-Horan, gekleidet in einen sandfarbenen Tarnanzug. Hinter ihr standen zwei Männer und blickten sich nervös um.

Nima-Natul-Horan stürzte auf Nascha-Ra-Huar zu, der aufgesprungen war, und fiel in seine Arme. „Wir müssen uns beeilen, Geliebter.“, flüsterte sie und hauchte ihm warm ins Gesicht. „Wir haben nur ein kleines Zeitfenster, bis die Sensoren wieder normal arbeiten.“

Nascha-Ra-Hua war froh Nima-Natul-Horan zu sehen. Dennoch schob er sie von sich weg. Er schüttelte heftig den Kopf. „Zu fliehen wäre der falsche Weg. Ich nehme die Strafe an. Egal wohin sie mich schicken, ich werde kämpfen, um den Vodokai-Ras meine Ansichten zu verdeutlichen.“

„Jetzt ist keine Zeit zum Diskutieren. Es ist nicht von Belang was Recht ist. Nascha-Ra-Hua, wenn du hier bleibst wirst du wirklich kämpfen müssen. Die Ältesten haben dich verschont, weil sie keinen Märtyrer gebären wollen. Sie schicken dich ins Exil, um den Mantel des Vergessens über dich auszubreiten. Sie wollen dich nach Amar-Kadi schicken.“ Sie schluckte schwer und ihr Hornkamm zitterte. „Nach Amar-Kadi.“, wiederholte sie ängstlich.

Schreckliche Bilder von einem verwüsteten Planeten und blutigen Schlachtfeldern blitzten vor Nascha-Ra-Huas Augen auf. Bilder von Tod und Verderben. Brüder die gegeneinander kämpften. Licht und Schatten eines Volks schlugen dort eine immerwährende Schlacht. „Ist das wahr?“ fragte er, um Beherrschung ringend.

Nima-Natul-Horan nickte. „Ich habe es eben erfahren. Freunde die mir teuer sind werden uns bei der Flucht helfen. Lass uns gehen. Bitte.“

Wieder nickte er, ließ sich von ihr an der Hand nehmen und aus der Zelle führen. Nima-Natul-Horan klebte einen Signalgeber an die Wand, der Nascha-Ra-Huas Lebenszeichen vortäuschen würde. So konnten sie sich ein wenig Zeit erkaufen.

Die beiden Nascha-Ra-Hua fremden Männer führten die Flüchtlinge sicher durch die unterirdische Anlage nach oben. Sie kannten sich aus und umgingen die Alarmsensoren. Ihre Hilfe konnte mit dem Tod bestraft werden. Doch sie schienen vor einer Strafe keine Angst zu haben, sondern sorgten sich vielmehr um Nascha-Ra-Huas Leben.

Am Ziel angelangt standen sie auf einem kleinen Sandplatz. Ein zweisitziges Schwebekrad stand bereit, die Packtaschen prall gefüllt. Während Nascha-Ra-Hua hinten aufsaß und die Sicherheitsgurte anlegte, verabschiedete sich Nima-Natul-Horan von den beiden Männern.

„Wir sind euch für eure Hilfe dankbar. Ihr habt selbstlos gehandelt.“

Einer der Männer schüttelte sanft den Kopf. „Nein, das war nicht selbstlos. Nascha-Ra-Hua ist ein wahrer Hüter des Wissens. Er weiß wann es Zeit ist loszulassen. Wir leben in selbstgewählter Isolation, spielen uns arrogant als Hüter des Universums auf und vergessen dabei, dass wir die anderen Völker nicht vor sich selbst, sondern vor uns schützen sollten. Seine Ideen und Erkenntnisse sind auch die unseren. Mit ihm haben wir einen Mann, dem wir lauschen und von dem wir lernen können. Vielleicht wird es ihm irgendwann gelingen, ein Umdenken zu erreichen. Wir dürfen nicht gegen die anderen Völker leben, sondern wir müssen mit den anderen Völkern leben. Nur so kann es uns gelingen der Bedrohung Herr zu werden, die aus unseren eigenen Reihen kommt.“

Nima-Natul-Horan drückte ihm sanft die Schulter. „Gut gesprochen, mein Freund. Unsere Herzen schlagen in einem gemeinsamen Wohlklang. Ich liebe Nascha-Ra-Hua und werde ihm helfen. Ob wahr oder falsch ist mir egal. Gemeinsam sollten wir alle unsere Ziele erreichen. Auch wenn sie verschieden aussehen, so sind sie doch alle gleich. Wir wollen in Frieden leben. Jeder.“

Nima-Natul-Horan drehte sich um, lief auf das Schwebekrad zu und ließ ihr altes Leben zurück, um ihrem Herzen zu folgen.

Ende

Copyright (c) 2002/2011 by Günther Kurt Lietz

Bildrechte: Coverillustration “TräumeundVisionen” (20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “TräumeundVisionen20110122082624-7f63d0a3-100-30-100.jpg” (Originaltitel: 20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

BUCHEMPFEHLUNG DER REDAKTION:

DAS BUCH AUS DEM DIE VORLIEGENDE STORY STAMMT IST NOCH LIEFERBAR UND KANN BESTELLT WERDEN!

Welten voller Hoffnung
Anthologie. Sciencefiction, Fantasy, Phantastik. Kurzgeschichten

Herausgegeben von Jung, Barbara / Brüschke, Olaf
Verlag :      BeJot-Verlag
ISBN :      978-3-934582-11-8
Einband :      Paperback
Preisinfo :      13,00 Eur[D] / 13,40 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Seiten/Umfang :      228 S. – 15,5 x 22 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      09.2002
Gewicht :      370 g

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Die verschiedenen Geschichten (auch Gedichte) dieser Anthologie entstammen den Genres Science Fiction, Fantasy, Phantastik und Horror. Für das Projekt konnten zahlreiche Autorinnen und Autoren gewonnen werden, die sich in der Science Fiction bereits einen gewissen Namen gemacht haben. …

Sie beschäftigen sich auf unterhaltsame und spannende Weise sowohl mit zwischenmenschlichen als auch sozialen Problemen unserer künftigen oder einer fiktiven, fremden Welt. Dabei wird von Hoffnungen erzählt, die Lebewesen hegen, seien sie nun Bewohner eines realen oder eines fiktiven, phantastischen Lebensraums. Manche dieser Hoffnungen gehen in Erfüllung, andere nicht … Nicht zuletzt zeigen einige Geschichten, dass es auch in Zukunft möglich sein wird, mit ein wenig Nächstenliebe oder Menschlichkeit viel Not und Leid zu lindern.

Die großen, gesellschaftlichen Zusammenhänge finden nur am Rande Berücksichtigung. Vielmehr drehen sich die unterschiedlichen Beiträge um das Verhalten gegenüber dem direkten Kontrahenten, sei es Freund oder Feind, wobei es durchaus vorkommen mag, dass es sich bei dem Widersacher um die eigene Person handelt.

Leseproben:

“Imago
Claudia Toman

Die Rufe waren laut und ängstlich, überall im Berg verbreitete sich das unheimliche Gerücht und wurde zur schrecklichen Gewissheit. Etwas Furchtbares war bei den Arbeiten im ersten Stollen gefunden worden, etwas so Entsetzliches, dass ihr gesamtes Zuhause in Gefahr war. Niemand konnte diese Gefahr beim Namen nennen, und keiner wusste genau, was das für eine Entdeckung war, aber als man es zur Maahm gebracht hatte, war die Alte in Tränen ausgebrochen, und nun war man sicher, dass es nichts Schlimmeres geben konnte als das Ding aus dem ersten Stollen.

Die Maahm war die Älteste der Überlebenden im Berg, meist schlief sie oder sang vor sich hin, und nur ganz selten schrie sie noch oder jammerte. Für die Menschen war sie eine Heilige, eine Lebende der letzten und ersten Stunde, sie war die Einzige, die sich noch daran erinnern konnte, wie die Überlebenden vor vielen Dutzenden von Jahren in den Berg geflohen waren, alle anderen, die mit ihr gekommen waren, waren längst tot. Schon seit langem hatte die Maahm nicht von früher gesprochen, es war, als hätte sie ihre Geschichten mit der Zeit verloren, und ein halbes Jahrzehnt war sie nun völlig  …”

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“Die Zeit des Peter W.
Bodo Kroll

Alles war ganz harmlos! Ich stand gerade in der Küche, als mir plötzlich schwindlig wurde. Mein Sehvermögen trübte sich für einen kurzen Moment. Es war, als ob der Bildschirm meines Computers nur noch eine ganz große Pixelauflösung hätte. Die Konturen wurden rasterhaft, die Farben reduzierten sich auf Schwarz und Weiß.

Auf einmal war alles wieder ganz normal.

Verwundert griff ich nach dem Wasserkocher, um den Tee für meine Frau und mich aufzugießen. Die Tassen standen vor mir auf der blau gesprenkelten Arbeitsplatte der weißen Einbauküche.

Der Kocher war irrsinnig schwer! Es war, als ob meine Hand überhaupt keine Kraft mehr hatte. Mühselig drückte ich den Wasserkocher in Richtung Tassen wie durch einen zähen Schleim.

Meinem Gefühl nach hatte ich Minuten gebraucht, um das Gefäß über die Tassen zu bekommen. Schweißperlen standen mir auf der Stirn.

Noch verrückter verhielt sich das Wasser! Es …”

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“Logbuch
Corina Bomann

Washington Post, 27. Mai 2005
Sensationeller Fund in der Wüste von Nevada

Wie unsere Korrespondenten melden, handelte es sich bei der Kapsel, die Forscher bei Ausgrabungen zutage gefördert haben, wahrscheinlich um eine Botschaft außerirdischer Wesen, die, sofern ihre Echtheit bestätigt wird, unsere Theorien von der Evolution vollständig über den Haufen werfen und eine neue Debatte in der Erforschung der Menschheitsgeschichte entfachen wird. Noch wird die gesamte Angelegenheit top secret behandelt, unseren Reportern ist es allerdings gelungen, einen kleinen Blick auf das Material zu werfen, das unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen von internationalen Expertenteams untersucht wird.

Hier ein Teil der Übersetzung, die mit Hilfe modernster Computertechnologien erstellt wurden.

*
Ausriss aus dem Logbuch der Askareon, Tag 32 des Monats Dekaron, 6. Jahr nach Exodus

Nachdem nun genau fünf Jahresspannen vergangen sind, seit wir unseren Heimatplaneten Terra Numera verlassen haben, möchte ich diesen Tag dazu nutzen, neben den kalten technischen Daten unserer Reise etwas von unserer Geschichte zu erzählen. Der Grund ist simpel: Die Hoffnung, einen geeigneten Planeten zu finden, auf dem wir uns niederlassen können, schwindet mit jedem Tag …”

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“Tausend Stimmen, längst verstummt
Armin Rößler

Flood fühlte seine Ohnmacht wachsen. Unbedeutend stand er da, ein winziger Punkt, und vor ihm ragte mächtig die Zitadelle auf. Das imposante Bauwerk war viel zu groß, um von einem Menschen in seiner Gesamtheit überblickt werden zu können. Sein Herz pochte laut, doch seine Gedanken waren halb betäubt. Ein lang ersehnter Traum ging in Erfüllung, aber just in diesem Moment erfüllte ihn nur noch Hilflosigkeit. Die unmittelbare Nähe zu seinem großen Ziel ließ ihn fast zurückschrecken. Wie viel einfacher wäre es, diesen letzten Schritt nicht zu tun! Der Antrieb, der ihn seine Zweifel überwinden ließ, kam letztlich aus ihm selbst. Jetzt aufzugeben, hieße, das Sehnen und Bangen beinahe seines ganzen Lebens zu verraten.

Das Tor, breit und hoch, öffnete sich geräuschlos. Nur ein schwacher Lichtschimmer drang aus dem Loch in der schwarzen Mauer. Bewegung kam in die kleine Menschengruppe, die andächtig davor verharrt hatte. Flood folgte den anderen wie ein Schaf seiner Herde. Ein alter Mann erwartete sie. Schon rein äußerlich kein Aurel. Zumindest nicht, wenn die vagen Berichte die Wahrheit erzählt hatten, denen Flood in der Vergangenheit so fasziniert gelauscht hatte. Dennoch musste der Alte offensichtlich ein Mensch sein, der schon seit langer Zeit im Inneren der Zitadelle lebte. Die Farbe seiner …”

Biographie:

Barbara Jung, wohnt und arbeitet in Frankfurt am Main. Die Protagonisten ihrer Bücher und Geschichten rekrutieren sich zumeist aus Vertretern von Minderheiten. Veröffentlichung von Science-Fiction-Romanen und Fantastik-Thrillern (sämtlich auch als eBooks) und Kinderbüchern, ferner zahlreiche Kurzgeschichten und Lyrik in Anthologien und Magazinen sowie Artikel in Literaturzeitschriften.

Bibliographie:

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Trauermarsch
296 S., 15,24 €, ISBN 3-93482-03-6
Im Buchhandel als Libri Book on Demand
Preis für die eBook-Editionen: 5,09 €

Tattoos
312 Seiten, 15,85 € – ISBN 3-934582-05-2
In jeder Buchhandlung als LIBRI Book on Demand
Preis für die eBook-Editionen: 5,09 €

Kreuzzug des Hasses
297 Seiten, 14,78 € – ISBN 3-934582-00-1
In jeder Buchhandlung als LIBRI Book on Demand
Preis für die eBook-Editionen: 5,09 €

SAKOTA’S PARADISE
LOST PLANETS Bd.1
Book on Demand
BeJot-Verlag Frankfurt am Main, September 2000
Paperback
ISBN 3-934582-07-9 – 530 Seiten – 25,51 €
Preis für die eBook-Editionen: 6,60 €

RRIXSIEH = HOFFNUNG
Lost Planets Bd.2
Book on Demand
BeJot-Verlag Frankfurt am Main, Oktober 2000
Paperback
ISBN 3-934582-08-7 – 600 Seiten – 27,61 €
Preis für die eBook-Editionen: 6,60 €

SPACE ROVERS
Lost Planets Bd.3
Book on Demand
BeJot-Verlag Frankfurt am Main, November 2000
Paperback
ISBN 3-934582-09-5 – 384 Seiten – 19,17 €
Preis für die eBook-Editionen: 6,60 €

PLANETS OF NO RETURN
Lost Planets Bd.4
Book on Demand
BeJot-Verlag Frankfurt am Main, Dezember 2000
Paperback
ISBN 3-934582-10-9 – 386 Seiten – 19,17 €
Preis für die eBook-Editionen: 6,60 €

Welten voller Hoffnung
Hrsg.: Barbara Jung / Olaf Brüschke
Kurzgeschichten aus den Genres
Sciencefiction / Fantasy / Phantastik
BeJot-Verlag Frankfurt am Main 2002
Paperback, 228 Seiten; ISBN: 3-934582-11-7
Preis: 13,00 Euro

DELFINE IM NEBEL
Hrsg.: Udo Mörsch
Geschichten von Emily
Unterhaltsame und fantastische Geschichten aus der Welt eines kleinen Mädchens,
ab ca. 4 J., 100 Seiten,
liebevoll illustriert mit vielen lustigen Zeichnungen.
ISBN 3-934582-04-4,
7,62 Euro Bestellen beim Buchhandel als Book on Demand

Marco Mars
Bd. 1: Die Entführung
BeJot Frankfurt a. Main 2003,
ISBN 3-93458216-8, 124 Seiten,
8.00 EURO

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6 Kommentare zu “DAS WESEN DES HÜTERS – Eine Science-Fiction-Geschichte von Günther Kurt Lietz (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 4/2011)”

  1. Günther Lietz sagt:

    Eine Story, die ich 2002 bei BeJot publizierte. Habe das alte Manuskript auf Platte gefunden und überarbeitet. :)

  2. Martina Möchel sagt:

    Schön mal eine echte Veröffentlichung von dir hier zu lesen, gab es damals viel Geld dafür? :)

  3. Detlef Hedderich sagt:

    Wer hier eine Idee für einen Buchtipp hat sollte den einfach mal hier posten, nur Autor und Titel reicht, sollte aber 2011 sein. Danke schon mal!

  4. Nicole Steyer sagt:

    Gut geschrieben. Schöne Details. Mir hats gefallen.

  5. Detlef Hedderich sagt:

    Hat die Story auch einen 2. Teil? Irgendwie muß es doch weitergehen, oder nicht? :(

  6. sfbasar.de » Blog Archiv » SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Träume und Visionen”” sagt:

    [...] NEU = DAS WESEN DES HÜTERS – Eine Science-Fiction-Geschichte von Günther Kurt Lietz [...]

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