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DAS 5. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 20) von Felis Breitendorf & Conchita Mendés

DAS FÜNFTE ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE

Episodengeschichte (Teil 20)

von

von Felis Breitendorf & Conchita Mendés

Vorlektorat: Detlef Hedderich / Schlusslektorat: Günter Maria Langhaus

(Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Fortsetzung 3. Teil zur Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children”, mit freundlicher Genehmigung des Rezensenten Gerhard Fröhlich.)

 

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Grosses Sternentor.

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Virtuelle Welt 13. Teil

(zum vorherigen Teil)

Beide lagen sie im Gras, unweit der knorrigen Äste einer ganzen Gruppe von Obstbäumen. Der Junge war inzwischen hochgeschossen, glich kaum noch seinem wesentlich kindlicherem Ebenbild vor wenigen Jahren. Sein Gesicht war eine Maske ständigen Zweifelns, Misstrauens oder vielleicht auch nur die von Traurigkeit. Das Mädchen wirkte lebendiger, war jedoch wesentlich kleiner; aber dafür zeigten sich bei ihr bereits die ersten Anzeichen von weiblicher Reife: die ersten Rundungen an den Hüften, Brüsten und am Po.

Sie diskutierten. Wieder einmal. Leise. Schließlich durften sie sich nicht verraten. Denn vertrauen konnten sie sich nur gegenseitig…

Ashne blickte zu ihm auf, die Spitze einer wilden Ähre im Mund, die sie mit den Fingern spielerisch hin und her drehte:

Was meinst du Bruderherz, ob es nicht mal langsam an der Zeit wäre die Ringe auszuprobieren…?

Baldar blickte sie nicht an, schaute in eine andere Richtung, warf mit irgendwelchen Steinchen und Holzstücken nach einem von Gräsern umsäumten Holzstumpf eines schon lange gefällten Baumes:

Schwesterchen, du weißt doch, dass wir sie nur im Notfall einsetzen dürfen…!

Du meinst sollen nicht dürfen! Und außerdem, was ist schon dabei, sie mal auf ihre Wirkung zu testen?; ich meine nur ein Mal, damit wir auch sicher gehen können, ob sie im Notfall auch wirken!

Ach Ashne, du willst doch nur deine Neugierde befriedigen; in Wirklichkeit glaubst du selbst nicht mal an das was du da erzählst. Gib doch einfach offen zu, dass du neugierig bist! Was ist schon dabei?

Dass du immer gleich so hartherzig sein musst, mich immer so hinstellst, als wenn ich hinterlistig wäre!

Das hast du gesagt!

Ich…, doch weiter kam Ashne nicht.

Als sich ihr Blick auf etwas hinter Baldar fixierte, drehte auch er sich um und schaute nach dem, was seine Schwester da wohl erblickt hatte, was so eine starke Wirkung hatte, dass es selbst sie am Weiterreden hinderte!

Zuerst sahen sie nur die Staubwolke; erst danach hörten sie die Geräusche: vereinzelte Hufschläge, das Rauschen der Umhänge im Wind, Menschenstimmen. Aber erst ihr Anblick, – von der kleinen Anhöhe ihres Lieblingsplatzes unentdeckt zu beobachten – rief diese furchtbare Panik in ihnen hervor, die es einem Menschen der von ihr befallen wird, so gut wie unmöglich macht, darauf zu reagieren …

Himiko und Mantana und das Kollektiv (Teil 13)

*****

Unsere Emergenten KIs haben tatsächlich herausgefunden, dass die beiden LG2-Tore im MINERVA- und im System der neuen Heimat (NEW-MINVERA) auf dem sich bis vor Wochen die Mitglieder des Kollektivs die letzten Tausend Jahre aufgehalten haben, nicht die einzigen Welten sind, die solche Transmittereinrichtungen besitzen. Auch weit im Osten und Westen der heimatlichen Milchstrasse gibt es  Sonnensysteme, die über solche mächtigen Hinterlassenschaften der Transmittererbauer verfügen. Und nicht nur das. Diese beiden Systeme sind umgeben von weiteren sechs Sonnensystemen, die im Mittel etwa 600 Lichtjahre Entfernung zu diesen ihre Kreise ziehen. All das ergab die Auswertung der Emergenten KIs, als Sie sich noch intensiver mit der Materie der alten Transmittertechnik beschäftigt haben.

Wie kann man sich das nun vorstellen? Hierfür möchte ich wieder auf unsere Abbildung der Milchstraßenstruktur zurückgreifen, die schon ein wertvolles Hilfsmittel darstellte und die Position und Entfernung zwischen MINERVA und NEW-MINERVA auf einfache Weise veranschaulicht.

Der gesamte Raum, den die Menschheit und auch das Kollektiv in der Milchstrasse  bislang eingenommen haben, befindet sich als gedachter Kreis von etwa 3500 Lichtjahren Durchmesser um den Gelben Punkt im Cygus-Arm unterhalb des Perseus-Spiralarms im Norden der Galaxis. Die neue Heimat des Kollektivs, in welches diese in Folge des Kometen- und Asteroiden-Bombadements auf MINERVA nach NEW-MINVERA in den Süden der Milchstrasse über das MINERVA-Transmittersystem floh, befindet sich dementsprechend auf der anderen Seite der Galaxis im Sichtschatten weit hinter dem großen Schwarzen Loch und den dichten Gasnebeln im Zentrum der Milchstrasse. Die beiden ganz neu entdeckten Weltensysteme mit LG2-Tor-Anbindung befinden sich nun im östlichen Ausläufer des Perseus-Arms und im nach Westen verlaufenden Outerarm des Normabereichs, hier lila dargestellt auf der davon gegenüberliegenden Seite der Abbildung. So wie MINERVA von NEW-MINVERA 70.000 Lichtjahre entfernt ist, gilt dies auch für die Entfernung zwischen den beiden gegenüberliegenden Systemen WEST-MINERVA und OST-MINVERVA. Die Entfernung von MINERVA oder NEW-MINVERVA beläuft sich dagegen auf etwa 50.000 Lichtjahre, die aber laut der Emergenten KIs ebenfalls nicht wirklich durchflogen werden müssen, so wie schon nicht die 70.000 Lichtjahre zwischen MINERVA und NEW-MINERVA im Süden der Milchstrasse, sondern ebenfalls per Transmitterverbindung der horizontalen zur vertikalen Achsen mittels Transmittersprungs zurückgelegt werden können. Genau diese Entfernung werde ich nun mit unserem MANTAROCHENSCHIFF zurücklegen. Davon soll nun das anschließende Abenteuer berichten …

*****

Die Vorbereitungszeit für diese Reise beläuft sich auf etwa zwölf Monate. Natürlich wurde unser Rochenschiff in dieser Zeit immer wieder zu anderen Aufträgen herangezogen, war dann aber zur rechen Zeit am rechten Ort. Endlich geht es los. Nachdem unser ROCHENSCHIFF vorbereitet und ausgestattet wurde, bewegt es sich in Richtung LG2-Tor von NEW-MINVERA. Nur die LG2-Tore sind in der Lage überhaupt ein Rochenschiff wie unseres mit der Größe und Flügelspannweiter von etwa 150 KM aufzunehmen. Die Emergenten KIs, die nun auf der Hauptwelt der neuen Heimat zum festen Bestandteil des Zusammenschlusses von Menschheit, und den Mitgliedern des Kollektives zählen, haben in den letzten Monaten jede Menge Schiffe über diesen Weg nach OST-MINERVA gesendet, so dass wir ziemlich sicher gehen können, dass auch jetzt alles glatt verlaufen wird. Als wir aus dem dortigen LG2-Tor austreten, ist dieses Sonnensystem bereits in festen Händen von KIs, Kollektiv und Menschen. Überall wuselt es an Schiffen jeglicher Art und Bestimmung. Auch die ersten Städte sind bereits in der Bauphase und werden diesem Planeten in einigen Monaten ein völlig anderes Gesicht verleihen. Unser MANTASCHIFF wird sich indes im Orbit des Planeten OST-MINERVA aufhalten und seine Dienste aufnehmen und Hilfen geben, wo es nur kann. Wir anderen landen mit der PALEM auf dem Planeten der OST-HEIMAT um unsere Rundreise zu den dieses Hauptsystem umgebenden Sonnensystemen anzutreten. Noch ist auch die Hauptwelt der OST-HEIMAT im Prozess begriffen, einmal eine wirklich ansehnliche moderne Städte-Welt zu werden, den vielen Hunderten Milliarden Wesen ein Heim bieten, das sich hinter den Großstädten der ALTEN- und NEUEN HEIMAT nicht verstecken braucht.

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Promografik

Es ist interessant, wie eine solche Metropole mit Hilfe von Maschinen und dem Heer der Milliarden Roboter, die auch auf diesem Planeten in großer Stückzahl in unterirdischen Aufbewahrungsstätten Jahrtausende offenbar auf diesen Einsatz gewartet zu haben schienen, in kürzester Zeit entstehen kann. Die unzähligen Cluster, die von NEW-MINERVA mitgenommen wurden und in die Milliarden von Kristallen eingesteckt auf ihre Benutzung warten, machen solche ad hock-Aktionen erst möglich. Wir lassen die Leute nun ihre Arbeit machen  und durchqueren mit der PALEM eines der hochgefahrenen Kontinentaltore um am LG2-Tor auszutreten, dieses zu umrunden um auf der anderen Seite wieder in dieses einzutreten. Begleitet werden wir dabei von Unmengen anderer Schiffe, die auf den Begleitsonnensystemen sogleich auf dem jeweiligen habitablen Planeten frisch ans Werk gehen werden um diese zu erkunden und zu Außenposten der Ostpräsents der Gemeinschaft machen werden. Auch wir selbst treten wie die anderen Schiffe aus dem einzigen Kontinentaltor des habitablen Planeten aus. Die vorliegende Welt, der Planet mit der vorläufigen Bezeichnung ALIEN WORLDS 4-X wird mit Sicherheit noch einen anderen Namen erhalten. Solange soll uns diese Bezeichnung jedoch genügen. In ihren teils dunklen teils glühenden Leuchten hat gerade die Abendrot-Phase eingesetzt und wir sehen am Himmel neben einigen Transportraumschiffen des Kollektivs, dass diese Welt über mindestens zwei Trabanten verfügt. Ich erkenne jedenfalls auf den Schiffsdisplays neben einem orangefarbenen auch noch einen weiter entfernten und/oder wesentlich kleinerem weißen Mond, so dass die ganze Szenerie  dieses Habitates ihre fremde Unheimlichkeit nicht verfehlen kann. Die schroffen Gebirge und die spärlichen Bäume zeugen von einer sehr windigen Umgebung. Jedenfalls zeigen die einzigen beiden Bäume, die ich erblicken kann, dass diese Welt den Kampf gegen den Wind zwar noch nicht aufgegeben hat, aber einen stark gebeutelten Eindruck hinterlässt. In der Ferne entdecke ich auch einige Steinmonumente, die aber stark verwittert und seit Jahrtausenden unbewohnt wirken. Ich habe jedenfalls genug gesehen und bitte den Käpt´n der PALEM sich wieder zurück in das Kontinentaltor zu begeben, damit wir unser nächstes Ziel ansteuern können.

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Promografik 27

EISWORLD nennt sich der dritte Planet des nächsten Systems, den wir uns anschauen. Der Planet bietet neben zumeist kalten Eisflächen und zugefrorenen Seen und Flüssen, schneebedeckte Gebiete, die im Sommer zu weiten Teilen begrünte Flächen zeigen. Als planetare Lunge stellen sie genügend Sauerstoff her, dass sich das Pflanzenleben und die damit verbundene Tierwelt die Waage halten, und damit für einen Planeten mit einem wunderbaren Gleichgewicht sorgen. Aber das meiste, was der Planet bietet sind seine Eismeere, in denen es nur so wimmelt von Scrill und ähnlichen Geschöpfen, und somit einer gewaltigen Armada an Fischschwärmen und Seevögeln ein unbeschwertes Leben ermöglicht. Dieses Welt ist wirklich ein Juwel; sie bietet einer kompletten Lebensform von Milliarden und Aber-Milliarden an Existenzen eine Chance auf Leben. Bin gespannt was das Kollektiv, die Menschen und die KIS damit anfangen werden.

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TERRA MYSTICA lautet die nächste Welt. Hier war das Kollektiv bereits nützlich und hat eine ganze Reihe an Städten – überwiegend an Flüssen – gebaut, die hauptsächlich Forschern und Meeresbiologen eine Heimstatt bietet, denn dieser Planet verfügt über ein reichhaltiges Unterwasserleben das seinesgleichen sucht. Diese Welt ist gesegnet mit allen Arten an Fischformen und Sorten, die man sich selbst in den kühnsten Momenten kaum ausdenken kann. So ist diese Welt ein Eldorado an Taucherstationen, U-Boot-Vermietungen und wissenschaftlichen Forschungsunternehmen. Dem Auge wird eine Vielfalt von Eindrücken zur Verfügung gestellt, wie man sie selbst im Menschenraum wohl kaum finden dürfte. Damit das Ganze nicht zu einem kommerziellen Spektakel verkommt, hat das Kollektiv ein sofortiges Touristen- und Hobbytauchverbot erwirkt. Nur wenigen gemeinnützigen Vereinen ist es erlaubt, diese Unterwasserwelt für die Interessenten der heimatlichen Milchstrasse aufzuarbeiten und themenspezifischen Medien zur Verfügung zu stellen, damit alle Menschen und Lebensformen daran teilhaben können. Nur ausgesuchte Forschergruppen dürfen diesen Planeten besuchen. Eine sehr kluge Maßnahme im Umfeld der doch sonst so großzügigen Bereitschaft alles mit den Menschen und anderen Kollektivmitgliedern zu teilen. Besser so, als wenn in einigen wenigen Jahrzehnten von diesen Unterwasserwelten  und Paradiesen nicht mehr viel übrig bleibt, was der Um- und Nachwelt davon noch gezeigt werden kann.

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Promografik 29

Die nächste Welt lautet REDLIGHT DUST und hat dem Auge des Betrachters die wohl beachtenswerteste Planetenatmosphäre zu bieten, die es im bewohnten Teil der Milchstrasse gibt. Spektakulär dürfte da wohl die richtige Bezeichnung sein, wenn man diesen Anblick der drei Sonnen und fünf Monde auf einen Begriff bringen möchte. Diese Welt hat es nicht nur von Ihrem Aussehen in sich, sondern auch in ihrem Innern finden sich die wohl wertvollsten Bodenschätze der Galaxis, alle vereint auf einem Planeten. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Welt von Menschen, die sich hier verdingen möchten, regen Zulauf erhalten wird. Allerdings werden intelligente Lebewesen aus Fleisch und Blut – auch wenn die Hauptarbeit die Roboter des Kollektivs erledigen werden – hier nur kurzzeitig arbeiten, denn die Atmosphäre ist einfach zu durchdringend, um diesen Anblick auf Dauer auszuhalten. Die Roboter indes wird es kaum stören, denn dafür sind diese Metall-Menschen zu sehr vor solchen Ablenkungen geschützt. Vielleicht wird dieser Planet ja der Geheimtipp werden, wenn es um ein grandioses Aussehen geht. Aber warten wir es ab. Eine fremde Kultur dürfte es hier jedenfalls schwer haben, Fuß zu fassen, aus oben genannten Gründen. Vielleicht auch gut so.

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Promografik 30

Die nächste Welt hält wieder Reste einer zerfallenen Kultur bereit, der sich einige Wissenschaftler und Forscher angenommen haben. Jedenfalls wuseln hier bereits Forschungsgleiter und Roboter nebst Personal aus der Hardcoregruppe herum, die so etwas auf ihren Rechnern und Netzwerken bereitstellen und dieses Faszinosum in den entsprechenden Foren des Kollektivs und der Menschen posten. Rechnereinheiten, an denen auch unsere Emergenten KIs beteiligt sind, sind auch dafür ansprechbar und haben sich solcherart Wissenschaften auf ihre Fahnen geschrieben. Sie alle kommen allerdings fast immer zu den gleichen Ergebnissen. Auf allen diesen Planeten, und das gilt auch für diejenigen, die sich im Umkreis der alten und neuen Heimat befinden, hat man keinerlei intelligentes Leben finden können, das aus der Zeit vor den Anfängen der Gemeinschaft des Kollektivs stammt. Im Grunde ergibt das ein frustrierendes Abbild der Milchstrasse, wenn es darum geht, hier intelligentes Leben anzutreffen, das nicht aus dem Genom der Menschen oder ihrer Tiere oder mutierten Tieren stammt oder aus Siedlern ferner Welten. Im Prinzip sieht es fast so aus, als wenn jegliches Leben in dieser Galaxis nur einen Ursprung hat und dieser immer wieder zum Aufleuchten alter Kulturen führt, die dann das Zeitliche segnen und allenfalls mutierte Nachkommen, Tiere oder weiterentwickeltes technisches Leben hervorzubringen in der Lage war. Echte Aliens sucht man indes noch immer vergebens in der Milchstrasse.

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Promografik 31

Bei dieser Betrachtungsweise wurden natürlich bewusst niedere Lebensformen auf dem Stand von tierischen Existenzen außen vor gelassen. Entweder sind diese Lebewesen niemals in der Lage gewesen, ihre Ansätze von Intelligenz über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten oder zu konservieren. Auch auf dem nächsten Planet, der letzte dieser kleinen Rundreise, finden sich Hinterlassenschaften einer Kultur. Aber auch hier scheint es nur ein zeitlich begrenztes Phänomen zu sein. Offenbar hat hier eine fremde raumfahrende Rasse diesen Planeten besucht und einige Außenstationen hinterlassen, was natürlich wieder die Fragen aufwerfen, aus welcher Zeit dieses Leben stammt. Allzu frisch sind die Reste, die sich hier finden lassen jedenfalls nicht gerade. Das einzig interessante scheint hier: Die Bauten und Hinterlassenschaften stammen aus völlig verschiedenen Zeiten und von völlig verschiedenen Kulturen, die offenbar dazu auch noch auf einem sehr unterschiedlich hohem Niveau zu stammen scheinen. Aber trotz alldem gilt auch hier wieder: die Artefakte sind wirklich allesamt sehr alt und so lenken wir unser Schiff die PALEM wieder gen Heimat zurück.

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Promografik 32

Ich hatte ja bereits vor meiner Rundreise davon berichtet, dass nicht nur im Ostteil der Milchstrasse ein Planetensystem mit einem großen Transmittertor gefunden wurde, sondern auch im Westen der Galaxis. Aus diesem Anlass möchte ich noch einmal die bereits bekannte Abbildung unserer Milchstrasse ins Spiel bringen. Darauf betrachtet man den linken Teil als Westen, da das Ganze aus Sicht des Nordens aus betrachten werden muss. Im Norden befindet sich alles uns Bekannte an bewohnbaren Welten und wir blicken direkt in die Undurchdringlichkeit der Dunkelwolken, der Gas- und Sternendichte, wenn unser Blick damit das Zentrum zu durchdringen versucht. Da der Bereich in dem sich die Sterne und Planeten, die wir bewohnen, nicht ganz am äußeren Rand befinden, sondern so etwa ein Fünftel vom Rand entfernt, was auch für die Neue Heimat des Kollektivs gilt, ist die Distanz zwischen er alten und neuen Heimat in etwa 70.000 Lichtjahre. Auch wenn wir nur mit Radioastronomie diesen Blick wenigstens bis ins Zentrum unserer Galaxis annähernd durchdringen können, gilt dies nicht für die gesamte Strecke dieser 70.000 Lichtjahre. Gehen wir jetzt mal zur neuen Ostwelt, so gilt hier das Gleiche: man kann nicht wirklich bis zur Westwelt schauen, weil ja auch hier wieder das Zentrum der Milchstrasse dazwischen ist. Auch diese Distanz beläuft sich in etwa auf 70.000 Lichtjahre. Was anderes ist die Entfernung von der neuen Ostwelt zur Nordwelt unserer ursprünglichen Heimat und unsere Wirkungsstätte, jedenfalls die der Menschheit, von dort zur neuen Westwelt und von da aus zur Südwelt. Und schließlich schließt sich der Kreis wieder, wenn man von der Südwelt wieder in Richtung der Ostwelt blickt. Wie sieht es hier eigentlich aus mit der Entfernung? Wir wissen ja, dass die Milchstrasse in etwa einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren besitzt. Wenn man nun im oder gegen den Uhrzeiger immer zu eine der Hauptwelten blickt oder bereisen könnte und diese Entfernung benennen soll, kommen die Emergenten KIs dabei auf eine Entfernung von in etwa 45.000 Lichtjahre pro Etappe, also zusammen auf etwa 180.000 Lichtjahre für einmal rundherum. Von Fall zu Fall liegen hier die Einzelentfernungen mal etwas höher oder niedriger.

Aber im Gesamten könnten 180.000 Lichtjahre hier durchaus hinkommen. Natürlich würde und könnten wir beim heutigen Stand der Technik solche Entfernungen weder mit Quantensprungraumern, wie den Mantarochen, noch mit Schiffen, die über Hyperraumkonvertern oder sonstigen bekannten Techniken verfügen, noch über die von den Emergenten KIs für die VPS betriebenen Hyperraumtore für Schiffe ohne eigene Konverter in annehmbaren Zeiträumen zurücklegen. Vielleicht nur mit Hilfe des Artefakts in meinem Arm. Aber auch hierbei weiß man nicht, wie lange so was dauern könnte und ob irgendwelche Materialermüdungen hier nicht für ein vorzeitiges Aus sorgen würden. Ich hätte jedenfalls kaum Lust solche Gewalttouren zu unternehmen, es sei denn das Leben in der Galaxis würde davon abhängen. Aber so was muss ja auch nicht sein. Die großen Transmittertore der Erschaffer haben bereits unzählige Male bewiesen, dass man sich auf ihre Technik verlassen kann. Und so dürfte es in Zukunft keine Hindernisse geben, die Galaxis zukünftig in Form dieser vier Segmente zu betrachten, die zum Glück durch die Fusion des Kollektivs mit den Emergenten KIS immerhin im Kommunikativen Sinne keine Isolationen befürchten müssen. Auch wenn die großen Tore einmal nicht mehr funktionieren würden, blieben die vier Heimatwelten, die ja umgeben sind von weiteren Ausweich- und Hilfswelten, wie man nun in Erfahrung bringt, ein Kollektiv. Im schlimmsten Fall würde jede dieser vier Hauptsysteme die Leitung ihres örtlichen Weltensystems beibehalten und, da ja nun auf allen diesen vier Welten auch Menschen, KIs und Baupläne von Überlicht- und Hyperraumtechnik verbreitet sind, steht selbst eine örtlichen Ausdehnung dieser Weltensysteme nichts mehr im Wege. Wichtig wird nur sein, ein Gleichgewicht zu schaffen, so dass die existierenden Kristallcluster gleichmäßig über diese vier Weltensysteme verteilt werden. Was Material, Roboter und Schiffe in den unterirdischen Verliesen angeht, sind, soweit man das bis jetzt abschätzen kann, alle recht gleichmäßig und gleichsam gut bestückt und gehen in die viele Milliarden. Es geht also im Grunde nur um die Aufteilung der Kristallcluster über diese vier Hauptwelten. Und so weit ich weiß, ist dieses Verteilungsverfahren bereits im vollen Gange.

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Denken bis in alle Ewigkeit

2.6 Das Überleben der Information am Ende des Universums

Abschließend erwägt Moravec die Möglichkeiten des Überdauerns der Informationsverarbeitung am Ende des Universums. Er diskutiert, auf Arbeiten der Physiker bzw. Kosmologen Freeman Dyson, John Barrow und Frank Tipler aufbauend, zwei Möglichkeiten:
(a) das inflationäre, endlos expandierende und daher erkaltende Universum:

Wenn das Universum seine Expansion fortsetzt, würde die kosmische Durchschnittstemperatur sich dem absoluten Nullpunkt immer stärker nähern, einem Zustand, in dem jede Molekularbewegung zum Stillstand komme: Doch zum Glück für unsere “superintelligenten Nachkommen” sei bei fallender Temperatur weniger Energie erforderlich, um unmißverständliche Signale zu senden oder aufzuzeichnen bzw. Rechnungen durchzuführen. Die Kälte führe zum Rückgang der Bewegung von Molekülen und Umgebungsstrahlung, daher seien geringere Hintergrundgeräusche zu überwinden. In einem solchen endlos expandierenden, erkaltenden Universum schlägt Moravec folgende Überlebensstrategie vor: “Bevor es zu spät ist, nehmen wir einen Teil der Energie, die dem Universum noch in organisierter Form verblieben ist, und speichern sie in einem Akkumulator.” Mit dessen Energie könnten wir “unsere Zivilisation” nach folgendem Grundprinzip am Leben erhalten: “Ungefähr die Hälfte der Energie im Akku verwenden wir, um die Denkarbeit T zu verrichten, dann warten wir, bis das Universum kalt genug ist, um mit der Hälfte der verbleibenden Energie wiederum T zu leisten. Und so fort, bis in alle Ewigkeit” (ebd., 203)

(b) das in sich zusammenstürzende, sich erhitzende Universum:

Bei einem sich erhitzenden kollabierenden Universum hält Moravec eine Umkehrung des beschriebenen Prozesses für möglich: “Ein subjektiv unendlicher Denkprozeß könnte in der endlichen Zeit des Kollapses ablaufen, wenn man sich der wachsenden Energie dieses Vorgangs bedienen würde, um immer schneller und schneller zu denken. Hierbei besteht das Prinzip darin, die Denkarbeit T wiederholt in der Hälfte der verbleibenden Zeit zu leisten.” (ebd., 204) Da Hans Moravec vorsichtig nur von der Hoffnung spricht, “dem Wärmetod entgegenzuwirken”, scheint er an ein “objektives” endgültiges Überleben nicht ganz zu glauben.

Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children” von Gerhard Fröhlich*

*Für Anregungen und kritische Diskussionen des zugrundeliegenden (hier gekürzten, Anm.) Manuskripts, face-to-face oder per e-mail, danke ich Gerhard Dirmoser, Klaus Feldmann, Werner Höbart, Roland Lehner, Elisabeth Parzer, Richard Paulik. Die ungekürzte Fassung dieses Artikels ist einzusehen unter:

http://www.iwp.uni-linz.ac.at/lxe/wt2k/pdf/TechnoUtopUnsterb.pdf

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Virtuelle Welt 14. Teil

An der Spitze der Reiter sahen sie einen riesigen, athletischen Mann, ganz anders als seine Begleiter in nur wenige Umhänge gehüllt, den muskulösen Oberkörper frei, die Zügel seines braunen Reittiers fest in der Linken – den anderen stets ein Stück voraus…

Die Richtung der Reiterschar war auch für die beiden stillen Beobachter nicht zu leugnen: sie führte geradewegs auf ihren Hof zu!

Ashne sah ihren Bruder an, der aber nickte nur. Sie wussten nun, dass es kein Zufall war, als sie vor wenigen Tagen an ihren Eltern eine Veränderung wahrgenommen hatten: (Die Benachrichtigung war eingetroffen!!) – Die Eltern hatten sich plötzlich viel mehr um sie gekümmert, ihnen mehr Freiheiten gewährt, als sonst… –

Es war also wirklich so – wie der Baumgeist ihnen verheißen hatte: Sie waren auserwählt; sie waren auserwählt, am Hofe des Stadtpalastes von Almakhan die Herrschaft anzutreten. Zuvor jedoch würden sie erst einmal einige Jahre in der Obhut der mitherrschenden Priesterschaft die wichtigsten Dinge für eine solch hohe Stellung erlernen müssen. Natürlich freuten sich die beiden. Doch sie mussten auch an die Warnung des Baumgeistes denken: dass andere Mächte die den selben Anspruch an dieser Herrschaft hegten, sich so leicht nicht geschlagen geben würden, und im ungünstigsten Falle auch vor einem Meuchelmord nicht zurückschrecken würden:

Die Macht über das Land war der Gewinn; dass Leben der Preis…!

Ashne und Baldar waren sich insofern schon sicher: sie würden diese Herrschaft nicht ablehnen, sondern annehmen!

– Beide wollten einiges verändern in diesem Land, was sich so richtig effektiv natürlich nur vom Herrscherhaus aus bewerkstelligen ließe.

Sie erhoben sich rasch und rannten über den wesentlich kürzeren jedoch äußerst steilen Abhang ihres Hügels – der mit einem Pferd kein besonders bequemer Weg war und deshalb auch von den Reitern gemieden wurde – über die angrenzenden Felder zum Hof zurück. Das heißt, das wollten sie eigentlich, bis Baldar auf die Idee verfiel, dem Enthusiasmus seiner Schwester nicht gleich nachzugeben.

Er wollte – wie es ihm fast zur zweiten Natur geworden war – erst einmal misstrauisch an die Sache herangehen, dass bedeutete: von der Rückseite des Hügels aus die auf den Hof zureitenden Männer beobachten, was sicherlich genügend Aufschluss auf ihre Absichten geben würde. Hinunterlaufen konnten sie ja immer noch!

Ashne gefiel das überhaupt nicht! Sie wollte nichts verpassen. – `Dabeisein’ war stets ihre erste Devise…: …und wenn sie ohne uns zurückkehren und uns vielleicht nicht ans Herrscherhaus berufen?!

Doch Baldar ließ sich nicht erweichen:

Das glaubst du doch selbst nicht! Du möchtest doch nur deshalb jetzt dort hin, weil du weißt, dass sie alle schauen werden: die Stallburschen, die Mägde, und auch die Nachbarn. Du möchtest im Mittelpunkt stehen und es genießen! Und das kannst du nicht, wenn sie uns hier oben wegholen, nachdem sie erfahren haben, wo wir sind…

Aber eben dieser Umstand machte ihm selbst so zu schaffen. – Wenn die Fremden tatsächlich erfuhren wo sie waren und nicht die Absicht hatten sie in den Palast zu holen…!

Ashne wollte darauf gerade etwas erwidern, als Baldar sie zum Schweigen brachte, er ihr zu verstehen gab, dass sie sich ducken sollten und anschließend zum Haus des Hofes deutete…

Himiko und Mantana und das Kollektiv (Teil 14)

(weitere 2 Monate später)

Nachdem nun zwei weitere Monate vergangen sind und ich mit meinem Schiff und meiner Partnerin zusammen einige Aufträge erledigt habe, für die die VPS ihr schnellstes Schiff mit der größten Weitreiche benötigte, sind wir nun wieder zurückgekehrt in die ALTE HEIMAT des Kollektivs. Von dort aus haben wir uns in die NEUE WESTHEIMAT begeben, denn auch hier hat man bereits angefangen, dem Planeten ein städtisches Aussehen zu verleihen, nachdem alle unterirdischen Arbeiten als erledigt galten. Auch die WEST-HEIMAT ist umgeben von einem Ring an Sonnensystemen – sechs Stück an der Zahl, die für Sauerstoffatmer als Habitat dienen und schon von den Erschaffern der großen Transmittertore dafür auserkoren wurden. Jedenfalls lassen die dort auf dem jeweiligen Hauptkontinent hinterlassenen Kontinentaltore diesen Rückschluss zu. Erneut steige ich von unserem Rochenschiff in die PALEM um, die sich wieder in unserem Bauch befindet. Sie wird gleich starten, um auf dem Planeten der WEST-HEIMAT des Kollektivs jede Menge Wissenschaftler aus den Reihen der Kristallträger aufzunehmen. Aber auch eine Vielzahl an menschlichen Wissenschaftlern werden zusteigen um uns bei dieser Rundreise zu begleiten. Es sollen vornehmlich Exobiologen sein, denn die umgebenden Planeten der WEST-HEIMAT weisen gegenüber den die OST-HEIMAT umgebenen Sonnensystemen ungewöhnlich viele Welten mit noch immer existierenden Lebensformen auf. Sie haben sich dort eingerichtet und können durchaus als Kandidaten auf dem Weg zu Technischen Kulturen bezeichnet werden und damit per Definition für die Zukunft als intelligent eingestuft werden.

Die erste Welt mit Namen SARDINARA III ist dann auch schon eine Welt mit riesigen Schauwerten. Vom großen Transmittertor der WEST-HEIMAT kommend treten wir durch das zu diesem Teil von SARDINARA III gehörende Kontinentaltor aus. Es befindet sich nur unweit der HIGHLANDS OF SAN SARDIA, in dessen unmittelbarer Nähe die eindrucksvollen Pyramiden der HIGHLANDS OF SAN SARDIA stehen, die wir soeben überfolgen  haben. Sie sind eine der Hauptattraktionen dieser Welt. Zwar finden sich hier keine fremden Lebensformen, die diese Monumente gebaut haben, aber dennoch sind bereits viele Wissenschaftler und Techniker dabei diese Hinterlassenschaften zu studieren. Zu diesem Zweck hat man sogar jeweils ein Stadttortransmitter in die drei Pyramiden geschafft und installiert, damit man direkt vom Kontinentaltor hin und herreisen kann. Was die Sache wohl erheblich vereinfacht, soweit ich das mitbekommen habe. Dementsprechend haben sich die betreffenden Kristallträger und Wissenschaftler bereits in der Nähe des Kontinentaltors von uns verabschiedet um diesen neuen und ungewöhnlichen Transportweg zu benutzen. Wir übrigen auf der PALEM schauen uns auch den Rest des Planeten näher an indem wir eine Rundreise von Pol zu Pol unternehmen und anschließend einen Kreisflug über den Äquator.

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Promografik 34

OMICRON V, die nächste Welt, die wir in Augenschein nehmen, ist eine Welte, auf der sich das Leben soweit entwickelt hat, dass man hier von Prä-Intelligenz reden kann. Die verschiedenen Lebewesen des Planeten sind von Ihrer Konstitution her sehr unterschiedlich. Zum Teil laufen sie auf ihren Füssen, zum Teil bewegen sie sich wie Schnecken auf Schleimspuren fort. Ihre Bauten sind aber offenbar übernommene Heime vorheriger Lebewesen, die dann den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend neu arrangiert wurden. Soweit wir das jetzt schon beurteilen können, handelt es sich um drei bis vier sehr unterschiedliche Lebensformen, die offenbar auch miteinander kommunizieren und Tauschhandel betreiben. Die Verhaltenswissenschaftler waren sehr neugierig und es gab so viele Anfragen bei den menschlichen Fachleuten und denen des Kollektivs, dass man letzen Endes eine Auswahl treffen musste, wer sich hier an den wissenschaftlichen Untersuchungen beteiligen darf und wer nicht. Oder man etablierte auch ein Wissenschaftler-Austauschsystem, damit sich viele Fachleute daran beteiligen können ohne dass es zu einer Wissenschaftlerschwemme auf dem Planeten kommen würde. So sollte verhindert werden, dass sich die zarten Ansätze intelligenten Lebens hier nicht auf unnatürliche Weise entwickeln.

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STRANGERS SKY nennt sich der nächste Planet, der offensichtlich bevölkert ist von humanoiden Wesen mit den klassischen Extremitäten, wie Arme, Händen Beinen und Kopf in dem die Augen, Nasen und Münder genau dort sind, wo sie hingehören. Da der Planet eine ziemlich hohe mittlere Temperatur hat, laufen die STRANGER-PEAPLES (wie Sie nun genannt werden) ohne Kleidung herum und spielen dabei auch mal ganz ungezwungen an ihren Geschlechtsteilen oder sie vollführen einfach mit einem der Ihren den Sexakt. Das besondere daran: die Stranger-Peaples sind gleichzeitig männlich und weiblich. Das liegt daran, dass die Streangers eine Art Penis und zusätzlich eine Vulva besitzen. So befruchten sich diese Leute zumeist im Doggy-Stile, was unter ihnen offenbar völlig problemlos abläuft. Dass man sich dabei austauscht und mal den Mann und dann wieder die Frau stellt, scheint völlig normal, und niemand fühlt sich dabei zurückgesetzt oder benachteiligt. Ein für Soziologen unglaublich interessantes Spielfeld und nur deshalb von den Wisssenchaftlern zur Beobachtung freigegeben, weil sich die STRANGER-PEAPLES selbst  in keiner Wiese daran stören, wenn völlig wildfremde Aliens sie beim Akt beobachten. Den Umgang mit der Sexualität haben die STRANGER-PEAPLES solcherart verinnerlicht und ihre Schamgrenze verschoben, dass es so etwas wie ein Ärgernis oder das Bestehen auf eine Intimsphäre nicht wirklich gibt. Beachtlich. Man fragt sich nun ob das so bleibt. Auch die Haustiere der Menschen, hier allen voran der Wolf, der nach der Domestikation zum treuesten Begleiter des Menschen durch viele Jahrhunderte und Jahrtausende wurde, schien es ja auch nicht viel auszumachen, wenn man seinen Sexualakt beobachtete. Nur wenn die Menschen selbst den Sexualakt ausführten, kam es vor, dass sich das Haustier zurückgesetzt fühlte und um Aufmerksamkeit buhlte oder einfach nur bei den Menschen störend wirkte. Es wird mit Interesse zu verfolgen sein, ob irgendwann der Zeitpunkt in der Weiterentwicklung der STRANGER-PEAPLES eintreten wird, an dem es diesen Wesen schließlich doch etrwas ausmachen wird, beim Sex beobachtete zu werden.

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Viele Verhaltensforscher rechnen damit, denn diese Wesen sind offenbar schon sehr weit über die Entwicklungsgrenze von Wölfen und Hunden hinaus. Da es für diese Spezis bereits als normaler Gebrauch gilt, wenn sie ihre vielfältigen Werkzeuge einsetzen um ihr Leben zu gestalten, wird der Schritt zum höher entwickelten fortschrittlichen Wesen nicht mehr allzu weit entfernt sein. Da kann man ja äußerst gespannt sein, was daraus wird.

Beim nächsten Planeten ist nicht ganz geklärt, ob es sich bei den beobachtbaren Leuchterscheinungen tatsächlich um rational handelnde Lebewesen handelt oder bloß um irgendwelche künstlichen oder tierischen Erscheinungsformen. Fakt ist, dass die burgenähnliche Schlösser und Behausungen, mit denen diese Wesen in Zusammenhang stehen, unmöglich von ihnen selbst erbaut worden sein können. Also scheinen hier noch mehr oder andere Wesensheiten zu existieren. Um diesen Sachverhalt vollends aufzudecken, haben entsprechende Fachleute aber bereits ihre Arbeit aufgenommen und wir können gespannt sein, was dabei raus kommen wird. Jedenfalls bietet LIGHTING-PLANET, wie diese Welt schließlich genannt wird, einer Vielzahl von Forschern, Wissenschaftlern und Technikern ein großartiges Spielfeld der Sonderklasse, auf dem sich diese Menschen und Kristallträger ausleben dürfen.

Der nächste zu bereisende Planet ist dann auch wieder völlig anders als der Vorliegende. Wir verlassen diesen mit der PALEM durch besagtes KONTINENTALTOR um uns nun langsam dem Ende dieser Anschauungsreihe der begleitenden Sonnensysteme der Westheimat zu nähern.

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Promografik 37

Die nächste Welt beherbergt gegenüber seinen Vorgängern nur einige wenige reptilienartigen Lebensformen, die sich zumeist in den subtropischen Gewässern tummeln. Leider ist es auf der dunklen Seite des Planeten derart düster, dass man seine Hände kaum vor Augen sehen kann. Auf der Tagseite hingegen scheint einem die Sonne so prall auf den Pelz, dass von einem entspannten Spaziergang in der Sonne kaum die Rede sein kann.  Auf SUBTROPICAL III jedenfalls füttern uns die Gegensätze mit einer Vielzahl von unvereinbaren Zuständen, die diese Welt mit Sicherheit aus dem Kreis der tropischen Paradiese ausschließen. Weiße Sandstrände entsprechen wohl eher den eigenen Vorstellungen einer Urlaubswelt als die geschliffenen schwarzen Quarzsteine aus Vulkangestein, die auf  SUBTROPICAL III die Strände an den grellheißen Tagen in eine subversive Höllenhitze tränken. Man würde wenig Freude verspüren, sich von den glühendschwarzen Stränden ein angenehmes Urlaubsfeeling vermiesen zu lassen. Wie heißt es doch? Schön, schöner am Schönsten, doch wenn die extremen Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit überhand nehmen, ist weniger einfach mehr.

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Kommen wir zum Abschlussplaneten dieser Rundreise. Der WELT DER SIEBEN WINDE. Kurz auch als SIEBENWIND bezeichnet, schließt das Ganze mit einem würdigen Planeten ab. Mit einer klassischen gelben Sonne aus der Hauptreihe kommen hier alle Klimabereiche einer Welt vor, wie sie notwendig sind um von Menschen bewohnbar zu sein. Interessant dürfte sie für all diejenigen sein, die gerne 50.000 Lichtjahre fern der Heimat zu siedeln bereit wären, aber nicht unter der ständigen Kontrolle der Gemeinschaft, bzw. des Kollektivs stehen möchten. Manchmal ist der Schritt, der von der Sicherheit zur Freiheit führt nur ein winziger. Und ein noch kleinerer ist der von der Sicherheit zum Gegenteil von Freiheit, nämlich in die unaufhörlichen Kontrolle. Jedenfalls dürften diese Gedanken vielen Aussiedlern aus dem Menschenraum dies in den Sinn gekommen sein als sie sich mit den näheren Umständen eines Lebens in einem solchen Kollektiv oder einfach nur in einer solchen Gemeinschaft beschäftigt haben. Egal wie die Sache ausgehen wird und was man noch für Gründe finden wird, diese Welt auch anderweitig zu favorisieren: SIEBENWIND scheint genau den Bedarf zwischen Abenteuerlust und entspanntem Leben ohne große Sorge abzudecken, bei dem man einfach nicht immer im Brennpunkt einer perfekten Gesellschaft stehen möchte. Ein Leben auf der WELT DER SIEBEN WINDE dürfte demnach von großem Interesse aus dem Menschenraum sein, die sich hier nur zu gerne niederlassen würden. Diese einerseits gebirgige anderseits wasserreiche Welt mit vielen Seen und kletterbaren Bergen dürfte viele Sportarten vorstellbar machen. Ein dabei möglicher Unfalltod durch all zu wagemutige Sportarten sollte hier kein Nachteil sein. Dafür sorgt der große Kontinental-Transmitter, der direkt auf den Hauptplaneten der WEST-HEIMAT führt. Dort ist es ähnlich wie auf den drei anderen Hauptwelten des Kollektivs, jederzeit möglich, sein Leben in Form einer Existenz als Kristallträger weiterzuleben.

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Man hätte hier also beides: Grosse Freiheit und gleichzeitig eine große Sicherheit gegen Eventualitäten. Wir werden sehen, wie man letztlich entscheiden wird, denn dies obliegt nun mal nicht den Menschen sondern letztlich dann dem Kollektiv der WEST-HEIMAT. Nachdem wir mit der PALEM wieder zurückgekehrt sind, um über das Ferntransmittertor die rund 50.000 Lichtjahre zur alten Heimat zurück zu legen, habe ich dort im Anschluss  die ganze Riege an Wissenschaftler samt der PALEM auf dem Planeten zurückgelassen. Nun freue ich mich auf die Annehmlichkeiten und den Schwerkraftverhältnissen meines drehenden Habitats innerhalb des Rochenschiffs und natürlich auf die Anwesenheit meiner Freundin MANTANA mit der ich inzwischen die besten Gespräche führen kann, wenn ich mich gemütlich in eines meiner Schaumbäder zurücklege. Da mein Badezimmer eine reichhaltige Ausstattung an Monitoren besitzt, kann mich meine KI-Freundin auch von dieser Räumlichkeit aus adäquat informieren, während ich die Feuchtigkeit und den Duft des besagten Schaumbades genieße. Dieser Luxus ist für mich inzwischen eine der beständigsten Bedürfnisse geworden, die mir mein neues Leben als Agent der VPS ermöglicht und auf den ich keineswegs jemals wieder zu verzichten gedenke. In meinem Habitatsbadezimmer an Bord unseres Grossraumschiffes habe ich einfach die entsprechende Ruhe und die Konzentration um über alle nötigen Entscheidungen und Probleme nachzudenken oder auch um von meiner Partnerin dort ganz geschickt hingelenkt zu werden. Was ja manchmal auch gar so verkehrt ist.

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Kann das Gehirn überhaupt in Schichten zerlegt, d.h., letztlich in einen Computer übertragen werden?

Moravec projiziert heutige Techniken und Wertvorstellungen in die Zukunft

2.7 Diskussion: Alte Körperfeindlichkeit in neuer Form?

Moravec geht bei seinem Szenario der sog. Geist-Übertragung offensichtlich von einer Neuauflage der alten These vom Körper als Kerker der Seele aus. Es ist m. E. äußerst fraglich, ob das Gehirn in Schichten zerlegbar ist; so sieht der Konnektionismus Gehirnstrukturen bzw. Bewusstseinsprozesses als Netze, welche sich ständig wandeln. Unsere Erinnerung ist nicht so eindeutig lokalisierbar wie früher angenommen: es gibt z. B. keine bestimmte Zelle, in der die Erinnerung an unsere Großmütter gespeichert wäre. Moravec übersieht in seinem Optimismus, Verstorbene einfach aus diversen Daten rekonstruieren zu können, dass Beobachtungen theoriegeleitet, konstruiert, und meist äußerst widersprüchlich sind, Erinnerungen in erheblichen Teilen aus Projektion, Phantasietätigkeit, Neuerfindung bestehen.

Moravec hat sein Szenario offensichtlich entwickelt am derzeitigen Leitmodell des Scannens, des Rasterns, d.h. der zeilenweise Zerlegung von Bildern oder dreidimensionalen Objekten (vgl. Video, TV, Computertomographie). Auch Geschwindigkeitsrausch und Stolz des Autobesitzers (auf seine chromblitzende Karosserie) schwingen unverkennbar mit: Moravec projiziert also heutige, durchaus sehr kulturgebundene Techniken und Wertvorstellungen in die Zukunft.

Geist und Körper sind nur schwer voneinander zu trennen        Gegen Vorstellungen von körperlosen Geistern (bereits die Setzung von ‘Geist’ in den Plural entmystifiziert) sprechen vielen neuere Theorien und Befunde, welche dem gesamten menschlichen (bzw. tierischen) Körper unverzichtbare Funktionen bei der Bildung und Aufrechterhaltung von Bewusstsein zuschreiben. Ein körperloser Geist wäre in seinen Kommunikationsmöglichkeiten überdies wesentlich eingeschränkt: Allein das Fehlen eines Gesichts (dessen muskuläre Vielfältigkeit, Formbarkeit und daher Kommunikationsfähigkeit zu den typisch menschlichen evolutionären Errungenschaften zu zählen ist!) und sonstiger Möglichkeiten nonverbaler Kommunikation müssen als Rückschritt, als Verarmung angesehen werden. (6)
Anmerkung:

(6) Den hohen Stellenwert des flexiblen und ausdrucksfähigen menschlichen Gesichts (im Kontrast zu den vergleichsweise noch starren Gesichtern der Menschenaffen) betont v. a. Norbert Elias. In der Diskussion über die Effekte der Körperdistanzierung im derzeitigen Rahmen computervermittelter Kommunikation {z. B. e-mail = elektronische Post über das Internet und andere Netze) wird diese Zurückdrängung von Körperlichkeit von manchen feministischen Autorinnen begrüßt: Die (patriarchalische) nonverbale Kommunikation sei eine Quelle der Macht, rein digitale Kommunikation sei mithin egalitärer.

Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children” von Gerhard Fröhlich*

*Für Anregungen und kritische Diskussionen des zugrundeliegenden (hier gekürzten, Anm.) Manuskripts, face-to-face oder per e-mail, danke ich Gerhard Dirmoser, Klaus Feldmann, Werner Höbart, Roland Lehner, Elisabeth Parzer, Richard Paulik. Die ungekürzte Fassung dieses Artikels ist einzusehen unter:

http://www.iwp.uni-linz.ac.at/lxe/wt2k/pdf/TechnoUtopUnsterb.pdf

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Virtuelle Welt 15. Teil

Die Reiter wurden von den Burschen im Hof empfangen, die den Pferden zuerst aus der Tränke Wasser saufen ließen. Die Mägde hingegen kümmerten sich um den Durst der Männer, denen sie schwere Schläuche mit vergorenem Saft und selbstgebrautem Bier reichten.

Der Anführer des vierzehn Mann starken Trupps war dagegen bereits von seinem Reittier gestiegen und vor Ashnes und Baldars Vater und Mutter – welche noch immer ihre Küchenschürze umgehängt hatte, getreten. Er überragte die Eltern um mindestens zwei Kopfeslängen…

Nachdem er ihnen einige Fragen gestellt hatte, auf die der Vater antwortete und in ihre Richtung zeigte – worauf Ashne und Baldar sich unwillkürlich noch ein wenig tiefer ins Gras duckten – rief er einigen Männern etwas zu, die sofort auf ihre Tiere stiegen und im Galopp vom Hof und in ihre Richtung, das heißt, um den Berg herum, auf sie zuritten…

Anschließend wurde der Anführer von den Eltern ins Haus gebeten, der mit zwei seiner Gefolgsleute eintrat…

Nach einer Weile, in der die Geschwister gespannt auf den Eingang des Hauses schauten, wandte Ashne sich ängstlich um und schaute sich um. Unwillkürlich rückte sie noch ein Stück näher an ihren Bruder heran, der sie mit einem mitleidigen Blick anschaute, worauf sie kleinlaut und mit leiser Stimme seinen Befürchtungen Auftrieb gab: …Und was machen wir, wenn du tatsächlich recht haben solltest?…

Baldar schaute nachdenklich drein, bis sich sein Blick klärte und er mit fester Stimme vorschlug: Vielleicht sollten wir sofort von hier verschwinden und uns erst einmal woanders verstecken?

Und wenn alles nur Hirngespinste sind und wir tatsächlich in den Palast geholt werden sollen?

…Na, dann macht’s ja wohl auch nichts, wenn wir nicht gleich zu finden sind…

Schließlich gab Ashne nach: An was für ein Versteck hast du gedacht?

Ich denke wir könnten uns erst einmal in der kleinen Höhle an den Grotten verstecken, bis sich die Lage eindeutig geklärt hat.

Ashne war einverstanden; und gerade in dem Moment als sich die Beiden erheben wollten, da geschah es: – Ashnes Blick fiel wieder auf den Eingang ihres Hauses, gerade in dem Moment als die Tür zu ihrem Haus aufgerissen wurde. Der Anführer mit seinen beiden Männern stürzte heraus und rief seinen anderen Männern im Hof etwas zu, die daraufhin die Burschen und Mägde erbarmungslos niedermetzelten. Nach dem Blutbad stiegen sie wieder auf ihre Pferde und folgten im Eiltempo den bereits fortgeschrittenen Männern…

Himiko und Mantana und das Kollektiv (Teil 15)

(weitere 2 Jahre später)

In den beiden folgenden Jahren haben meine Partnerin und ich eine Vielzahl von Aufträgen erledigt, zu denen wir von der VPS-Einsatzzentrale eingeteilt wurden. Die Beauftragung erfolgte hauptsächlich wegen der Fähigkeiten des Mantaschiffes und des ARTEFAKTs in meinem künstlichen Arm.

Aber nun wollen wir uns wieder den vielen Welten widmen, die die Hauptsysteme der Gemeinschaft umringen und die wir damals besucht haben. Auf ihnen tummeln sich Wissenschaftler genauso wie Abenteurer wie auf den Hauptplaneten der WEST- und OSTHEIMAT sowie auf der Wasserwelt MINERVA. Minerva ist dank der Arbeit der vielen Handwerker, Stadtarchitekten und Arbeitern weitgehend fertiggestellt, während im WESTEN und OSTEN viele Projekte noch nicht fertiggestellt sind.  Die Städte der neuen Heimat waren das Zentrum aller Aktivitäten: Alles Wichtige der Gemeinschaft hat sich dort abgespielt. Nachdem so gut wie alle Mitglieder der damaligen Welt für etwa tausend Jahre in die NEUE WELT geflüchtet waren um sich vor der vermeintlichen Kometenkatastrophe auf MINERVA in Sicherheit zu bringen, soll das Leben nun auf alle vier Hauptwelten verteilt werden. Meine KI-Freundin und ich wollen uns das einmal ansehen, und wir werden mit unserem Schiff die beiden Hauptplaneten der OST- & WESTHEIMAT besuchen. Uns interessiert, was sich dort inzwischen getan hat. Aber wir kommen nicht nur als einfache Beobachter. Zusammen mit dem Bund der KIs, der ja jetzt überall in den wichtigsten Entscheidungen und Strategien involviert ist, wollen wir darüber nachdenken, wie es jetzt weitergehen soll mit dem Bund der Menschenwelten. Diese werden präsentiert hauptsächlich durch den Rat der VPS, dem Kollektiv mit ihren vier Hauptwelten und den KIs. Die KIs sind ein tragender Teil der Gemeinschaft. Sie haben  bei den Menschen einen starken Stand, können aber auf Grund der unterschiedlichen Interessen in der Gemeinschaft auch schnell zwischen alle Stühle geraten. Sie bilden das Verbindungsglied zwischen Menschen und Kristallträgern. Die Menschen haben ja nun die Möglichkeit, beim Übergang vom Leben in den Tod als Kristall weiter zu existieren; die Zahl der Kristallträger wird sich also dauerhaft erhöhen. Das wird die Arbeit der KIs nicht vereinfachen, sie müssen ihre Fähigkeiten sozusagen an zwei Fronten einsetzen. Dem Rat der VPS dürfte dabei nicht nur wohl sein.

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Den Verantwortlichen der VPS wird natürlich klar sein, dass ihre Position weiter und weiter an Bedeutung verlieren wird. Dagegen wird sie nun beim Kolletiv und ihrer Gemeinschaft weiter anwachsen. Vor allem die Ausweitung der Macht des Kollektivs nun über weiter Bereiche der Milchstrasse sind hier die wohl bedeutungsvollsten Bestandteile, woran meine Partnerin und ich ja auch einen recht grossen Anteil haben: Wir haben das alles einmal losgetreten. So schwingt denn nicht nur ein Gefühl der Neugierde in mir mit, sondern auch ein Gefühl von Verantwortung für all das, was sich dadurch in der Milchstrasse getan hat. Ich müsste mich schon sehr täuschen, wenn meine Partnerin und das gesamte Kollektiv der inzwischen zu weit mehr als 25.000 angewachsenen Emergenten KIs in der Milchstrasse nicht auch voller Erregung sind, soweit sie überhaupt in der Lage sind, derartiges zu empfinden.

Auf dem Planeten der OST-HEIMAT angekommen, fällt zuerst auf, dass hier bauliche Aktivitäten immer noch auf Hochtouren laufen, damit aus den Städten dieses Planeten ein gemütliches Heim für alle diejenigen werden soll, die sich entschlossen haben und noch entschliessen werden, hier ihr weiteres Leben zu verbringen. Hier sind vor allem die vielen Milliarden von Kristalllebewesen aus NEW-MINVERA zu erwähnen, die durch das Einstecken in den Clustern ihr Dasein weiterhin in verschiedenen millionenfachen künstlichen Wirklichkeiten zu verbringen. Ein Cluster kann durchaus mit einer Million Kristallen bestückt sein; einige der Überlebenden der Kometenkatastrophe von MINERVA gehören auch dazu. Die Cluster sind in geschützten Kellergewölben unter den Städten gesichert. So können diejenigen, die sich gedanklich nicht in virtuellen Welten bewegen wollen, an dem Leben auf dem Planeten teilhaben, indem sie einfach an die Planeten-Netze angeschlossen sind und / oder sich in Körpern von Androiden und Robotern bewegen. Dazu bedarf es nicht einmal einer tatsächlichen örtliche Verbindung. Weil alle Cluster mit den Planetennetzen verbunden sind, können sie so die vielen Geräte, Maschinen, Raumschiffe und Roboter bewegen, die sich auf dem Planeten befinden.

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Viele der Gleiter und Fabriksteuerungen werden über die Netze mit den Kristallen in den Clustern verbunden. Nur wenn die Entfernungen zunehmen, wenn etwa Arbeiten an entfernten Raumstationen des heimatlichen Sonnensystems getätigt werden, oder wenn die regelmässigen Raumflugverbindungen ihre Rundkurse durch das Sonnensystem ziehen, nur dann befinden sich die Kristalle in speziellen kleineren Clustern, damit ein adäquates Funktionieren gewährleistet ist. Die mit den Entfernungen einhergehenden zeitlichen Verzögerungen in der Kommunikation, vor allem mit weit auseinanderliegenden Objekten, müssen dann von den Kristallbewußtseinen ausgeglichen werden. Hier ist man aber im Zuge der neuen Vereinigung mit den Emergenten KIs aus dem Menschenraum dazu übergegangen, im gesamten Sonnensystem um jeden Planeten, Mond oder Raumstadt die obligatorischen orbitalen getarnten KI-Stationen zu positionieren. So funktioniert das im Menschenraum ja schon seit Jahrtausenden gut; diese Maßnahme ermöglicht es, die zeitlichen Verzögerungen auch in den Systemen der Gemeinschaft des Kollektivs in Grenzen zu halten. Dadurch sind es  dann lediglich die Entfernungen zu diesen KI-Stationen, die eine Verzögerung hervorrufen, denn die Verbindungen unter den KIs funktionieren wie eh und je zeitverzögerungsfrei. Die Verzögerungen treten dann nur noch auf, wenn eine KI-Station ein vorbeifliegendes Schiff anfunkt und die Entfernung zu gross wird, sodass der Kontakt in den relativistischen Bereich zu fallen droht, bevor die Kommunikation von einer anderen, dem Schiff näher gelegenen Station übernommen werden kann. Der Zusammenschluss mit den KIs ist inzwischen so perfekt, dass dies sogar über die Grenzen der vier Hauptplaneten hinaus möglich ist. Das bedeutet, dass ein Kristallträger über das örtliche Netz des Kollektivs mit Hilfe der KI-Netze auch im entfernten örtlichen Netz des Empfänger-Kollektivs agieren kann. Er kann sich beispielsweise auf irgendeinem Planeten oder einem Schiff befinden und von dort Aktivitäten auf einem fremden Hauptplanten lenken. Damit sind auch alle Einschränkungen aufgehoben einen Roboter oder gar ein Kollektivschiff über diese Grenzen hinweg zu bewegen. Ab sofort können überall dort, wo es  KI-Habitate gibt oder ein Schiff mit einer KI an Bord, unbegrenzt Roboter und sogar Kampfschiffe des Kollektivs eingesetzt werden, die von einem in der Nähe einer Emergenten KI befindlichen Kristallträger gesteuert werden. Dabei läuft ere nicht Gefahr, seine Existenz zu verlieren.

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Was das bedeutet, ist ist vielen noch immer nicht ganz klar. Die einschränkende Regel der VPS, den KIs keine Waffen in die Hand zu geben oder sie abschießen zu lassen, kann dadurch immer noch nicht umgangen werden. Das geht nach wie vor aus konstruktionsbedingten Gründen nicht, weil das sozusagen in die Grundprogrammerung jeder Emergenten KI aus dem Hause der Vereinten Planeten-Systeme eingebrannt wird. Aber die Standard-, Kampf- und Arbeits-Roboter des Kollektivs – gelenkt durch Kristallträger – können nun in unbegrenzter Menge genau dort eingesetzt werden, wo man solche hingeschafft hat. Für den Transport von Material zwischen den Welten und Planeten sind jedoch Transmittertore notwendig. Davon ist eine Vielzahl eingelagert, aber je größer sie sind, um so weniger stehen in den Lagern zur Verfügung. Für den Transport von einem zum anderen Sonnensystem reicht das Distikttor (das nächst Kleiner nach den Kontinentaltoren) nicht mehr aus. Und für Materialbewegungen innerhalb eines Quartals der Milchstrasse ist immer mindestens ein großes Kontinentaltor und als Gegenpart ein LG-2 Tor notwendig. Durch den Mangel an Transmittertoren in ausreichender Größe wird der Transport aller Kampfschiffe aus den Waffenschmieden und Lagern des Kollektivs erheblich eingeschränkt. Um das Problem zu lösen, wurden inzwischen einige wenige Schiffe und Stationen mit Kontinentaltoren ausgestattet; unser MANTASCHIFF gehört auf Grund seiner Grösse und Fähigkeiten dazu. Die geringe Zahl bedeutet aber, dass der Transport beispielsweise von Kriegsmaterial in großen Mengen immer noch mit gewissen Problemen verbunden ist.

Die kleinen Stadtteiltore, die der VPS vom Kollektiv zur Verfügung gestellt werden, können immerhin die Probleme der Munitionierung von VPS-Kampfträgerschiffen erheblich vereinfachen, da diese dafür nun nicht immer wieder zu ihrer BASE zurückkehren müssen, sondern innerhalb eines Sonnensystems direkt durch diese Tore von der BASE wieder aufmunintioniert werden können. In unglaublicher strategischer Vorteil. Damit sind also VPS und das Kollektiv tatsächlich Waffenbrüder und bezieht man die KIs noch mit ein, sind diese drei Mächte darauf angewiesen, dass sich Menschen, KIs und das Kollektiv gegenseitig vertrauen und beim gemeinsamen Waffeneinsatz immer auch gemeinsame Sache machen. Das bedeutet, dass VPS, Kollektiv und KIs immer zusammen abwägen und entscheiden wo genau und wie die gemeinsame Waffenmacht eingesetzt werden soll. Im Vorsitz des Rates der VPS gibt es nun neben den Plätzen der Menschen und der KIs auch einen für das Kollektiv. In den Kollektiven der vier Hauptplaneten werden Entscheidungen mittels der Schwarmintelligenz getroffen. Die Kollektivsprecher oder die –sprecherinnen, die diese Funktion jeweils dort bekleiden, übermitteln diese Entscheidungen  mit Hilfe der KIs, die durch zeitlose Kommunikation dazu in der Lage sind, an den Vorsitz des Rates.

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Das Leben auf dem Hauptplaneten der OST-HEIMAT ist inzwischen in ein buntes Treiben übergegangen, und in weiten Bereichen ist der Einfluss der menschlichen Siedler nicht zu übersehen. Sie haben Ideen und Vorstellungen mitgebracht, die von den Mitgliedern der Gemeinschaft gerne aufgegriffen wurden, insbesondere wenn es um Freizeit- und Sportaktivitäten geht. Durch den relativen Reichtum der Gemeinschaft an Ressourcen stehen Tätigkeiten bezüglich eines „Überlebenskampfes“ nicht im Vordergrund, die Aktivitäten der Gemeinschaft wirken daher eher oberflächlich, nach außen gekehrt, möglicherweise unerfüllte menschliche Traumvorstellungen realisierend. Aber das täuscht. Wie überall, wo intelligente Wesen aufeinander treffen und in Frieden und Gleichheit miteinander leben wollen, werden kulturelle Ideen und Möglichkeiten ausprobiert. Und so werden Gemeinsamkeiten wie Kunst, Wissenschaft und Philosophie allen ermöglicht.

Keiner muss mehr zurückstecken in einer solch materiell reichen Gesellschaft. Nur in den Kreisen der gehobenen schöngeistigen künstlerischen Gesellschaft geht es etwas ruhiger und behäbiger zu. Aber lassen wir uns nicht täuschen und gönnen wir denjenigen ihre Hobbys und ihre motorsportlichen Aktivitäten, wenn sie mit ihren teils historisch anmutenden Fahrzeug-Nachbauten durch die dafür extra abgegrenzten Strecken preschen und ihren gemeinsamen Spass haben mit ihren zum Teil irrwitzig aufgemotzen Vehikeln, so wie auf den Bildern zu sehen.

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Die kulturellen Subtexte werden dagegen oft im stillen Kämmerlein mit einander besprochen, so wie im abschliessenden Bild der Reise zum Hauptplaneten der OST-HEIMAT zu sehen ist. Alles in allem scheint mir das Ganze eine gesunde Entwicklung zu sein. Gut, ich bin jetzt keine ausgesprochene Spezialistin für Kultur, Kunst, Wissenschaft und Philosophie. Und Gott bewahre, auch keine Exo-Soziologin oder -Verhaltenswissenschaftlerin. Aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass bei den Möglichkeiten von Emergenten, Kristalllebensformen und Menschen eine sich gegenseitig befruchtende Zusammenarbeit vorzuliegen scheint, von der alle ihren Vorteil haben. Dabei möchte ich mich gar nicht ausnehmen. Das sage ich jetzt nicht, weil ich als Trägerin des ARTEFAKTs und als Beteiligte an Entscheidungsprozessen eine exponierte Stellung inne habe. Mir scheint, dass trotz der oft spontan zu treffenden Entscheidungen – flankiert natürlich immer durch die Zustimmungsorgane der VPS, der Emergenten und der neu hinzugekommenen Kollektivorganen – allgemeine Zustimmung besteht, wie ich zusammen mit meiner Partnerin die Angelegenheiten angegangen und zuende gebracht habe. Die drei kosmischen Mächte unserer Galaxis, VPS, Emergenten-KIs und Kollektiv, haben die unterschiedlichsten Wege der Entscheidungsfindung, das Ergebnis ist aber stets wohlwollend. Ich weiß natürlich nicht, ob diese drei Machtgruppen meine Aktivitäten stets wirklich gutheißen, oder ob sie einfach keine Schwierigkeiten heraufbeschwören wollen. Fakt ist, dass die Entscheidungen aus meiner Hand und die aus der Hand meiner KI-Partnerin ja sowie meist schon geschehen und damit fast immer unumstößlich sind. Das Gleiche gilt für die Konsequenzen aus diesen Aktivitäten und Entscheidungen. In vielen endlosen Gesprächen mit meiner KI-Partnerin sind wir beide inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass die Tragweite unserer Entscheidungen in Zukunft eher zu- als abnehmen wird.

Mit diesem Gedanken möchte ich die Betrachtung und den Besuch in der OST-HEIMAT dann auch gerne abschliessen. Es interessiert mich nun, ob der Hauptplanet der WEST-HEIMAT ähnlich strukturiert ist, oder ob im Vergleich zu den anderen drei Hauptwelten des Kollektivs irgendwelche bedeutsamen Unterschiede bestehen.

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So bedanke ich mich über das allgegenwärtige Netz auch bei den Machthabern der OST-HEIMAT und teile ihnen mit, dass wir, meine KI-Partnerin und ich, uns nun wieder vom Acker machen werden und über das grosse Transmittertor zum Tor der WEST-HEIMAT reisen werden. Dort hat uns meine Partnerin bereits über ihre KI-Kontakte angekündigt. Mit diese Reise, diesem Sprung durch unsere Galaxis werden wir wieder eine der größeren Entfernung hinter uns bringen.

Beim Austritt durch das grosse Tor im Sonnensystem der WEST-Heimat bin ich immer wieder erstaunt, mit welchen geringen Nebenwirkungen wir diese Reise von rund 70.000 Lichtjahren hinter uns bringen. Die Erbauer der grossen Sternentore sind in meinen Augen wahrhaft Giganten. Wenn man bedenkt, wie das Reisen durch den Raum früher von statten ging, als man das erste mal im Weltraum unterwegs war und dabei den Normalraum hinter sich gelassen hatte, ist das heutige Reisen fast so erstaunlich wie ein magischer Prozess. Auch diese Übertritte und Flüge durch den Hyperraum, die zu Anfangs nur über die Hyperraum-Konverter der Schiffe möglich waren, in welche sie ja auch tatsächlich eingebaut waren, sind einer gewissen Magie nicht unähnlich. An das VABANQUESPIEL mochte man in der Folgezeit nur ungerne erinnert werden, denn oft kam es dabei zu Totalausfällen und die Raumfahrer strandeten allzuoft zwischen den Sternen oder im Nirgendwo. Begleitet wurde das Ganze dann zumeist von Transitionsschmerzen vom Allerfeinsten.

Welche Erleichterung brachten dagegen die späteren Flüge über die Hyperraumtore der VPS, die von den Emmergenten KIs für diese betrieben wurden. Von da ab reduzierten sich die Havarien beim Flug durch den Hyerraum erheblich, und auch beim Ein- und Austritt gingen die Unfälle gegen Null zurück. Das Beste aber war der Umstand, dass es von da ab einfacher war die Anflug- und Austrittsgeschwindigkeiten beizubehalten, wobei man Unmengen von Energien einsparen konnte und nur die Landeschiffe der Trägerschiffe eine Abbremsung um einen Planeten vornehmen mussten. Und nur die Beiboote mussten später mit der Geschwindigkeit der Trägerschiffe wieder synchronisiert werden, die in der Zwischenzeit oft in die Nähe von Gasriesen flogen, um dort ihre Raffinerie- und Tankschiffe auszusenden und nach deren Auftankvorgang durch die Gasatmosphären wieder an Bord zu nehmen.

Sowohl bei den Raffinerieschiffen als auch bei den Landungsbooten für bewohnte Planeten war diese Ersparnis immens und brachte den Hyperraumflug zwischen den Sternen erst so richtig in Schwung. Dass beim Eintritt und Austritt durch die Tore der KIs der VPS die damit einhergehenden Schmerzen ebenfalls auf ein Minimum reduziert wurde, war dabei dann noch ein zusätzliches Geschenk der Götter. Die technische Weiterentwicklung davon ist dann nur noch der Sprung durch eines der Transmittertore, bei dem man absolut nichts mehr an Schmerzen verspürt. Alleine daran kann man ermessen, wie weit entwickelt die Erbauer der großen Tore einem heute erscheinen mögen: Die sowieso schon hervorragende modere Technik der Quantensprungantriebe der MANTA-SCHIFFE ermöglichen eine um ein Vielfaches kürzere Zeit als beim Weg durch ein Hyperraumtor. Das Ganze wurde oft zu einem Sekundenbruchteil des vorherigen Aufwandes reduziert, um dabei unsagbare Entfernungen zurückzulegen.

Ich jedenfalls freue mich auf diesen Sprung und auch auf den Anblick der Hauptwelt der WEST-HEIMAT. Ich weiss es zu schätzen, dass ich bei diesem Vorgang mal meinen Arm mit dem ARTEFAKT nicht in eine der Halterungen legegen muss, um dafür die Energie zu liefern.

 

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Sollten bei einer “Geistübertragung” die aggressiven Komponenten des Menschen vorher herausgefiltert werden?

Intelligenz allein führt noch nicht zu einer Handlung
Lässt man sich hypothetisch auf Moravecs Projekt der Geistübertragung ein, stellen sich u.a. folgende Fragen:

Welche Hirnteile werden übertragen? Kann das Großhirn überhaupt isoliert werden, werden demnach unsere evolutionär alten Empfindungen und Antriebe, inkl. Aggressionstrieb, mit ins Computerprogramm übertragen, oder sollten – werden die Theologen und Philosophen jener Zeit in Computerkonferenzen zur “Ethik der Geistübertragung” diskutieren? – bei dieser Gelegenheit nicht gleich Korrekturen vorgenommen werden, die aggressiven Komponenten des Menschseins herausgefiltert werden? Wieso sollten wir in unserer Computer-Existenzweise überhaupt noch etwas tun wollen? Nach der Evolutionstheorie der Emotionen sind diese notwendig, weil Intelligenz allein zu keiner Handlungsmotivation führt. Bei Moravec ist von Gefühlen und Lust keine Rede, bloß vom Geist und seiner Rechengeschwindigkeit; er diskutiert allerdings die Gefahr der Langeweile. Es stellt sich hier die Frage, ob ein als Computerprogramm repräsentierter bzw. simulierter menschlicher ‘Geist’ überhaupt Gefühle – hier Langeweile – empfinden kann: Langeweile ist eine Funktion der Erregung (von Körpern) einerseits und des Reizangebots bzw. der Handlungsmöglichkeit der Umwelt andererseits.

Auch wären “normale” Menschen aus Fleisch und Blut für maßlos überlegene Computergeister keine adäquaten Interaktionspartner – die rasanten Computergeister hätten, so ist zu befürchten, zu uns Menschen ein ähnlich überheblich-mitleidiges Verhältnis wie wir zu Schnecken – vielleicht ein ähnlich grausames, wie Menschenkinder mitunter gegenüber Schnecken und anderem Kleingetier haben..

Computerethik?
Warum sollten uns daher diese künftigen, uns heutigen Menschen unvorstellbar überlegenen Super-Intelligenzen wieder zum Leben erwecken? Obwohl der Druck der Evolution, des ‘Computer-Darwinismus’ herrscht? Weil eine Computerethik (im Sinne der Roboterethik Stanislaws Lems) jedem Computer bzw. Roboter einprogrammiert wurde: reanimiert die Menschen? Auch dies gäbe uns keine Sicherheit: Superintelligenzen könnten durch Computerviren beschädigt werden, bzw. solche Programmierungen umgehen, verändern, gegen aggressive Losungen austauschen – spätestens nach dem Abfall einer ‘Engel’-Fraktion.

Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children” von Gerhard Fröhlich*

*Für Anregungen und kritische Diskussionen des zugrundeliegenden (hier gekürzten, Anm.) Manuskripts, face-to-face oder per e-mail, danke ich Gerhard Dirmoser, Klaus Feldmann, Werner Höbart, Roland Lehner, Elisabeth Parzer, Richard Paulik. Die ungekürzte Fassung dieses Artikels ist einzusehen unter:

http://www.iwp.uni-linz.ac.at/lxe/wt2k/pdf/TechnoUtopUnsterb.pdf

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Virtuelle Welt 16. Teil

Ashne und Baldar schauten sich gegenseitig mit weit aufgerissenen Augen an, sofort packten sie sich bei den Händen und stürmten den Abhang ihres Verstecks hinunter.

Als sie schließlich unten angekommen, durch die Äcker gerannt und wieder auf ihrem Hof waren, fühlten sie sich wie Fremde zwischen all den Toten und dem vielen Blut. Zwar hatten sie beide schon viel Blut bei den Tierschlachtungen gesehen, doch hier war es etwas anderes. Es waren ihre Leute, ihre Mägde und Burschen die hier lagen, mit denen sie vor wenigen Stunden noch gesprochen hatten. Hastig rissen sie die Tür des Haupthauses auf und eilten in die Stube…

Vielleicht hatte das, was sie sahen, sie augenblicklich erwachsen werden lassen, vielleicht war es auch einfach nur der Schock, der sie daran hinderte auf der Stelle zusammenzubrechen und vor sich hinzuschreien und zu heulen, jedenfalls war der Anblick für die beiden so schrecklich, dass sie sich bei den Händen nahmen und sofort aus dem Haus rannten, ihre zwei Tiere sattelten und flugs in Richtung der Grotten ritten…

Schließlich war es soweit, nachdem sie wortlos die Tiere festgemacht, ein Feuer angezündet und einige der Pferdedecken als Unterlage ausgebreitet hatten, holten sie ihre Ringe aus den Gürteln, zogen sie über ihre Finger und hielten sie wortlos in die Höhe, nur beschienen von den flackernden, blakenden Flammen des Feuers…

Die Strahlen der beiden Steine spiegelten sich in den Gesichtern der beiden Geschwister wider, wirbelten in der kleinen Höhle umher und verdrängten nach und nach das gelblich matte Flackern des Feuers. Immer stärker vermischten sich die blauen und roten Strahlen, bis das grelle Licht mehrfarbig erschien und alle weiteren Konturen auszulöschen begann…

Alles wurde zu Helligkeit, die sich immer weiter auf ein Zentrum hin, zu einer gelben leuchtenden Scheibe verdichtete…

Himiko und Mantana und das Kollektiv (Teil 16)

(weitere 2 Monate später)

 

Weitere 2 Monate später sind wir dann tatsächlich auf dem Heimatplaneten der WEST-HEIMAT niedergegangen und der urbane Anblick auf den Hauptkontinenten ist umwerfend, kaum zu beschreiben, und die Bilder dazu sind grandios. Hier wurden wirklich moderne Großstadtkomplexe errichtet, wie man sie sich kaum schöner und moderner vorzustellen vermag. Auf allen Kontinenten sieht es ähnlich aus: Der Planet ist das Nonplusultra eines Umfeldes für ein modernes Leben und ein damit einhergehendes Lebensgefühl. Gigantisch, was man hier erschaffen hat. Die WEST-HEIMAT ist die Hauptwelt der Gemeinschaft des Kollektivs, die als letzte aufgebaut wurde. Sie ist für Milliarden von Lebewesen konstruiert und hier findet man auch die modernsten Umsetzungen: Architekten, zumeist die, die in den Clustern ihr Leben verbrachten, errichteten sie als Gegenmodell zu den Stadtlandschaften der anderen drei Hauptplaneten. Auf den drei anderen Welten der Gemeinschaft fand dieser Umbau um einiges früher statt, da man eine gewisse Reihenfolge gewählt hatte, wie man mit der Erschaffung der urbanen Infrastruktur vorzugehen gedachte. Beim Aufbau der WEST-HEIMAT ließ man die Erfahrungen, die man nach der Errichtung der anderen drei Hauptwelten gesammelt hatte, mit einfließen.

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Die Mitglieder der Gemeinschaft werden sich auf den Hauptwelten umschauen um zu entscheiden, auf welchem Planeten, welchem Kontinent oder welchem Großstadtkomplex sie ihr Leben verbringen möchten; zumindest den Teil des Lebens, der in einem biologischen Körper stattfindet, bevor sie den Weg in einen Kristall gefunden haben, der dann ein Leben in einem Androiden oder Ähnlichem ermöglicht. Vielleicht wird man dem am Ende auch überdrüssig, zieht sich in einen Cluster zurück, um von dort aus am virtuellen Leben teilzunehmen.

Die Suche nach geeigneten Lebensmöglichkeiten wird einen regen Transmitterverkehr provozieren, welcher in erster Linie von den Netzen der Planeten zu bewältigen sein  wird. In diesen Netzen haben auch die virtuellen Welten ihre gesellschaftlich akzeptierte Existenz gefunden. Inzwischen leben darin tausendmal so viele Individuen wie in den Welten der biologischen und androiden Wesen und denen der Roboter zusammengenommen.

Nicht alle Lebensformen gehen den Weg in eine virtuelle Welt, aber doch die meisten. Dazu muss man freilich die Vorbehalte eines Lebens in einer virtuellen Welt abgebaut haben, um sich dann auch sicher in den Händen der Gemeinschaft zu fühlen. Die meisten bleiben dann auch in denen von ihnen gewählten nicht realen Wirklichkeiten, manche wechseln mal in diese, mal in jene virtuelle Welt. Aber nur sehr wenige wählen irgendwann den Weg zurück in einen Roboter- oder Androidenkörper und noch viel weniger in das reale urbane Treiben des Planeten.

 

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Natürlich bestehen die Hauptplaneten nicht nur aus Städten, weite Gebiete dienen auch anderen Zwecken, wie das unten vorliegende Foto zeigt. Hier geht es vornehmlich um die Technik, die von früheren Erbauern zurückgelassen wurde, den vielen Raumschiffen, den Reparatureinheiten und den Fertigungsstrassen. Diese sind zwar mehrheitlich automatisiert, müssen aber auch von einzelnen Individuen unterhalten werden. Insbesondere die Prozesse, die mit Raumflugkörpern zwischen den einzelnen Planeten, Monden und Stationen zu tun haben, liegen oft in den Händen von Mitgliedern der Gemeinschaft, obwohl das technisch sicherlich nicht so gedacht oder nötig ist. Aber die Beschäftigung mit solcherart Technik, mit den Dingen der Infrastruktur und dergleichen, ist für viele Mitglieder der Gemeinschaft eine Herzensangelegenheit. Deshalb sieht man immer wieder, dass Roboter, Androiden und biologische Lebewesen neben den Kristallclustern ihre Aufgaben für die Gemeinschaft in diesen Bereichen sehr ernst nehmen, für wichtig halten und darin absolut aufgehen. Wer mehr Aufregung und Abenteuer wünscht, der meldet sich für Aufgaben außerhalb des Planeten, für die vielen Raumstationen, Monde und Forschungsobjekte, die sich in dem Sonnensystem sonst noch so anbieten. Hier sind es vor allem die wissenschaftlichen Konstrukte, aber auch die industriellen Herstellungs- und Produktionsstätten zum Schürfen von Rohstoffen. Die Rohstoffe stammen aus den Gesteinsbrocken des Asteroidenfeldes; genau wie die, die von Monden und oder Gasriesen abgebaut werden. Auch gibt es vor allem in der NEUEN HEIMAT inzwischen riesige Raumstädte, die frei im All schweben und die weiter ausgebaut und instand gehalten werden. Wer noch mehr Aufregung braucht und dafür nicht auf die Infrastruktur der virtuellen Welten zurückgreifen möchte, dem bieten sich jetzt mit den sechs Sonnensystemen, die jeweils mit den Systemen der Hauptwelt im Verbund existierten, die ideale Beschäftigung am Rande dieser Weltenkonstruktionen …

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Eine Einschränkung gibt es eigentlich nur für Kristallträger, die nach einer gewissen Zeit wieder in die Nähe des Haupttransmitters gebracht werden müssen, weil nur dessen Strahlung ein stabiles Funktionieren ihrer Kristallgehirne gewährleistet. Aus diesem Grunde sind auch alle Aktivitäten außerhalb der Obhut des großen Tores zumeist von biologischen Lebensformen besetzt, weil diese damit keine Einschränkungen zu befürchten haben, solange sie noch ohne Kristallgehirn auszukommen in der Lage sind. Das ist sozusagen die Schattenseite dieser Form der Unsterblichkeit, wie sie die kollektive Lebensform möglich macht. Doch kaum jemand, der bereits seine Existenz in einem Kristall verbringt, hat sich je darüber beschwert. Die Alternative wäre der Tod. Und den will nun wirklich niemand. Selbst diejenigen, die kein Interesse mehr an ihrer weiteren Existenz haben, können bestimmen, für welchen Zeitraum ihre Kristalle in einen Ruhezustand verbracht werden, aus dem sie nach vorher ausgemachten Zeitpunkten wieder auferweckt werden. Dann können sie überprüfen, ob sich ihre Vorstellungen in eine andere Richtung verändert haben. Vernichtet wurde jedenfalls noch keiner der Kristalle, denn dazu sind sie einfach viel zu wertvoll. Wer es vorzieht sich in die Hände eines anderen zu begeben, hat auch dazu die Möglichkeit, in dem sein Kristall als Teil eines Ringes oder Schmuckstücks am Körper dieser Vertrauensperson getragen wird. Wenn diese Vertrauensperson vielleicht irgendwann einmal den Rat des Kristallbewusstseins benötigt, hat sie die Möglichkeit, über ein technisches Gerät, das Kristallbewusstsein zu kontaktieren.

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Was die Bewohner der WEST-HEIMAT und ihren sechs angeschlossenen Sonnensystemen angeht, zeigt sich inzwischen ein gewisser Hang zur Andersartigkeit gegenüber den anderen drei Weltensystemverbünden. Vielleicht auch begründet auf der Tatsache, dass ihre sechs Sonnensysteme Träger von anderem Leben im größeren Ausmaß sind. Leben das irgendwann vielleicht mal als intelligent eingestuft werden muss und vielleicht sogar den Weg der Entwicklung zum technisch-intelligentem Dasein vollführen wird. Dieser Umstand, diese Chance, eine Hand darauf zu haben, vielleicht hilfreich diese Entwicklung zu unterstützen, erscheint vielen Bewohnern des westlichen Weltensystems als durchaus cool und lässig, was sich auch auf die anderen Bereiche des Lebens niederschlägt. Auf den Welten des Kollektivs ist man allgemein schon ziemlich locker, wenn man das mit den von Menschen besiedelten Welten unter der Obhut drer VPS vergleicht; diese drohen ja manchmal mit der vielen Bürokratie und ihren Vorschriften zu ersticken. Aber auf dem Weltenverbund der WEST-HEIMAT ist alles noch viel lockerer, dort lässt man gerne das eine oder andere durchgehen, das auf der Menschenwelt undenkbar wäre. Vielleicht kommt solch ein Verhältnis tatsächlich durch die Möglichkeit, im Falle der Fälle als Kristallbewusstsein weiterexistieren zu können. Und vielleicht auch von der Tatsache, dass die Begleitwelten der WEST-HEIMAT zeigen, dass sich Leben im Universum nicht verbieten lässt und dort sprießt, wo es nun einmal will.  Dieser Umstand und vielleicht auch die eigene Vorstellung von Dasein im engeren Sinne hat bei den Bewohnern der WEST-HEIMAT die Einstellung zum Leben gehörig relativiert.  Jedenfalls fällt auf, dass der Hang zu Partys und dem Spaß haben im Allgemeinen in der OST-HEIMAT schon ziemlich seine Blüten geschossen hat und diesen Hang der ALTEN und NEUEN HEIMAT ziemlich übertrumpfte. Doch können diese Tendenzen nicht denen der WEST-HEIMAT das Wasser reichen. Hier ist einfach jeden Tag Spaß und Party angesagt. Punkt.

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Ähnliche Entwicklungen finden sich dann auch im Umgang der Geschlechterrollen miteinander. In der WEST-HEIMAT ist man auch darin wesentlich lockerer. Und: Der Umgang mit der Sexualität und ihren Spielformen sind hier voll akzeptiert, solange niemand darunter leiden muss oder erniedrigt wird. Alles andere wird praktiziert und ausprobiert und ausprobiert und akzeptiert. Und wobei manchem Menschen die Röte ins Gesicht schießt, dass bewirkt hier oft nur ein Schulterzucken. Kurzum:

Die Menschen, die Androiden und Roboter und auch die, die nicht menschlich daherkommen, erscheinen mir alle aufgeschlossen genug um eine solche Gesellschaft tragen zu können. Während meine Partnerin und ich in unseren Surrogates, (unsere künstlichen Körper, die wir vom MANTAROCHEN-SCHIFF aus steuern) durch die Strassen dieser Großstadtlandschaft schlendern, habe ich mir ein Bild gemacht von diesem Ballungsraum auf dem größten der Kontinente der WEST-HEIMAT.

Unser Schiff haben wir im Orbit geparkt, da es für eine Landung auf dem Planeten zu voluminös ist. Mit Hilfe unseres Jägers werden  wir auf unser Schiff zurückkehren und uns dann zur NEUEN HEIMAT begeben um alle eventuell noch offenen Fragen zu klären. Anschließend wollen wir über die ALTE HEIMAT wieder in den Menschenraum reisen. Unsere Arbeit beim Kollektiv, verteilt auf ihren vier Hauptplaneten, ist vorerst erledigt. Hier wird alles seine geordnete Bahnen gehen, sodass wir beide uns mal wieder einigen liegengebliebenen Aufgaben im Menschenraum widmen können. Wenn sich auf den Planeten der Gemeinschaft interessante Neuigkeiten ereignen, haben wir über meine Partnerin ja einen direkten Draht zu ihren Kollegen in der Gemeinschaft der EMERGENTEN KIs, die uns jederzeit verzögerungsfrei über alles informieren..

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Nach Abschluss der Vereinigung von Kollektiv, Emergenten KIs und VPS werden Milena vorerst einige Transmittertore zur Verfügung gestellt, u.a. auch einige sehr große Tore, die sie in ihrem Schiff einsetzen will. Ihre Partnerin erhält indes einen dauerhaften Sitz im Rat der VPS. Zudem bekommt die VPS für ihre Schlachtkreuzer und Trägerschiffe die Möglichkeit, dass ihre Kampfkreuzer mittels Stadtteiltoren von ihren BASE-Stationen direkt aufmunitioniert werden können, wenn nötig sogar mitten im Kampfgeschehen. Die Tore werden durch das Kollektiv zur Verfügung gestellt, da sie dort in den Lagern in großer Stückzahl bereitstehen Die VPS willigt ein, im Gegenzug ihr Waffenpotential notfalls auch zugunsten des Kollektivs einzusetzen, wo immer dies nötig sein würde.

Bevor sich Milena um die Nachkommen der Menschenkolonie und um die Bewohner der virtuellen Welten auf der ALTEN UND NEUEN HEIMAT kümmern kann, regelt sie zuerst den Verbleib der Menschen in Stasis, die schon damals vor tausend Jahren dem Tode nahe waren. Einige von ihnen können inzwischen operativ gerettet werden und in ihren Körpern weiterleben. Andere müssen zu Kristallen verdichtet werden, da ihre Körper unweigerlich zerstört wurden bei dem großen Unglück damals. Im Normalfall verbleiben diese aber in ihren eigenen virtuellen Welten, kontrolliert von dem Kollektiv in Zusammenarbeit mit den zurückgelassenen KIs. Als sich Milena um die noch lebenden Siedler kümmern will, um auch ihr Schicksal zu klären, erhält sie von ihrer KI-Partnerin eine Nachricht aus dem System der Langusten. Diese werden offenbar von sogenannten Karnivoren überfallen.  Sofort eilt Sie mit ihrem Schiff dorthin …

 

Wer soll nun eigentlich von den Toten auferweckt werden – George W. Bush oder Elvis Presley?

Und: Welches Interesse sollten die Computergeister der Zukunft an einer solchen Vorgangsweise haben?

Es stellt sich hier sofort die Frage nach den Auswahlkriterien: wer wird evoziert werden? Die amerikanischen Präsidenten? Die großen Wissenschaftler? Die großen Philosophen? Oder nach Intervention zahlreicher Fan-Clubs – Elvis Presley? Oder Tyrannen und Monster – aufgrund ihres (vgl. heutige Kinofilme und TV-Programme) höheren Unterhaltungswerts? Es scheint sich hier um die Unterhaltung der Zukunft (die Bedürfnisse heutiger Menschen unterstellend; sollten sich Geistwesen nicht primär für anspruchsvolle mathematische Gleichungen interessieren?) und möglicherweise die einzig mögliche Form von Zeitreisen zu handeln. Beruhigenderweise würde bei Vernichtung im Hyper-Reality-3D-’TV’ ein Reserve-Geist warten. Es entspräche ganz der heutigen Sehnsucht der hoch zivilisierten (selbstgezwängten) und individualisierten Menschen nach mühe- und gefahrlosen Abenteuern (7). Auch eine zeitweise Existenz als Cäsar, Napoleon, Stalin oder Hitler wäre möglich, so ist zu vermuten. Für Psychohistoriker bestünde die Möglichkeit, Hitler und Stalin testweise mit anderen Lernumwelten zu umgeben und zu sehen, wie sich die weitere persönliche und weltpolitische Entwicklung dadurch verändert. Aber warum sollte das die Computergeister der Zukunft interessieren?

Man ist sich bei der Lektüre von Moravec nicht ganz im klaren, ob die provokanten Äußerungen und Szenarien (etwa die der scheibchenweisen Abtragung menschlicher Gehirne) ernstgemeint sind oder als (wohl gelungener) p.r.-Gag für sein Buch, die Computer- bzw. Robotertechnologie an sich bzw. die – umstrittene – sog. ’strong Al’ gedacht ist. (8)

Anmerkungen:

(7) Dieses Bedürfnis wird heute über Internet-Kommunikation (MUDs = textorientierte ‚Abenteuerspielplätze’, Surfen im World Wide Web u. ä.), Telefonsex, Virtual Reality-Spiele u.ä., wenn auch im Vergleich zu Moravecs Vorstellungen in äußerst bescheidenen Dimensionen, bereits ansatzweise befriedigt bzw. hervorgerufen.

(8) AI = Jene Richtung in der Künstliche-Intelligenz-Forschung, welche davon ausgeht, “that all human thinking, whether conscious or unconscious, is merely the enacting of some complicated computation” (Penrose 1990, 3)

Literatur:

Berman, B. (1989): The Computer Metaphor. Bureaucratizing the Mind. Science as Culture 7, 7-42

Dyson, F. (1983): Zeit ohne Ende. Berlin

Elias, N. (1986): Engagement und Distanzierung. Ffm.

Erdt, T. (1989): Hans Moravec. Mind Children, the Future of Robot and Human Intelligence. Computers and the Humanities 23, 445-448

Fröhlich G. (1995): Demokratisierung durch Datenbanken und Computernetze? In: Becker, T. et al. (Hg.): Informationsspezialisten zwischen Technik und Verantwortung. Stgt. (http://www.swbv.uni-konstanz.de/depot/media/4800000/4942000/4942185/froehli1.html)

Hofstadter, D. R. / Dennett, D. C. (eds., 1981): The Mind’s I. N.Y.

Moravec, H. (1990): Mind Children: der Wettlauf zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz. Hamburg (Harvard 1988)

Penrose, R. (1990a): The nonalgorithmic mind. Behavioral and Brain Sciences 13 (4), 692-706

Ders. (1990b): Matter Over Mind. The New York Review of Books February 1, 3-5

Schneeberger, A. / Stagel, W. / Fröhlich, G. (1985): Formen der Verdrossenheit und Kritik an Wissenschaft und Technik in der Gegenwartskultur. Wien / Hannover

Topitsch, E. (1980): Philosophie zwischen Mythos und Wissenschaft, in: Salamun, K. (Hg.):Was ist Philosophie? Tübingen, 237-251

Truck, F. (1991): Mind Children: The Future of Robot and Human Intelligence. Leonardo 24 (2), 242-243

Literaturliste (gesamt): Gerhard Fröhlich

http://www.iwp.uni-linz.ac.at/iwp/facts/LLGFwww.html#gf

Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children” von Gerhard Fröhlich*

*Für Anregungen und kritische Diskussionen des zugrundeliegenden (hier gekürzten, Anm.) Manuskripts, face-to-face oder per e-mail, danke ich Gerhard Dirmoser, Klaus Feldmann, Werner Höbart, Roland Lehner, Elisabeth Parzer, Richard Paulik. Die ungekürzte Fassung dieses Artikels ist einzusehen unter:

http://www.iwp.uni-linz.ac.at/lxe/wt2k/pdf/TechnoUtopUnsterb.pdf

Zum nächsten teil 21

 

Buchtipp der Redaktion:

Robot: Mere Machine to Transcendent Mind (Englisch) Taschenbuch – Mai 2000
von Hans P. Moravec (Autor)

Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: OUP Australia and New Zealand (Mai 2000)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0195136306
ISBN-13: 9780195136302
Größe und/oder Gewicht: 23,1 x 2,3 x 15,5 cm

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Produktbeschreibungen
This is science fiction without the fiction–and more mind-bending than anything you ever saw on Star Trek. Moravec, a professor of robotics at Carnegie Mellon University, envisions a not-too-distant future in which robots of superhuman intelligence have picked up the evolutionary baton from their human creators and headed out into space to colonize the universe.

This isn’t anything that a million sci-fi paperbacks haven’t already envisioned. The difference lies in Moravec’s practical-minded mapping of the technological, economic, and social steps that could lead to that vision. Starting with the modest accomplishments of contemporary robotics research, he projects a likely course for the next 40 years of robot development, predicting the rise of superintelligent, creative, emotionally complex cyberbeings and the end of human labor by the middle of the next century.

After Moravec makes this point, his projections start to get really wild: robot corporations will take up residence in outer space with rogue cyborgs; planet-size robots will cruise the solar system looking for smaller bots to assimilate; and eventually every atom in the entire galaxy will be transformed into data-storage space, with a full-scale simulation of human civilization running as a subroutine somewhere.

His last chapter, which mingles the latest in avant-garde physics with hints of Borges’s most intoxicating metaphysical conceits, is a breathtaking piece of hallucinatory eschatology. Moravec concludes by reminding us that even the wildest long-range predictions about the technological future never turn out to be as unhinged as they should have been. –Julian Dibbell — Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe.
Synopsis

In this mind-bending new book, Hans Moravec takes the reader on a rollercoaster ride packed with startling predictions. For example, Moravec suggests that in the not-too-distant future, an army of robots will displace workers, causing massive, unprecedented unemployment. But then a period of very comfortable existence will follow, as humans benefit from a fully automated economy. And eventually as machines evolve far beyond humanity, robots will supplant us. But if Moravec predicts the end of the domination of human beings, his is not a bleak vision. Far from railing against a future in which machines rule the world, Moravec embraces it, taking the startling view that intelligent robots will actually be our evolutionary heirs. „Intelligent machines, which will grow from us, learn our skills, and share our goals and values, can be viewed as children of our minds.“ And since they are our children, we will want them to outdistance us. In fact, in a bid for immortality, many of our descendants will choose to transform into „ex humans“ as they upload themselves into advanced computers. We will become our children and live forever.
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This book charts the trajectory of robotics in breathtaking detail. A must read for artificial intelligence, technology and computer enthusiasts, Moravec’s freewheeling but informed speculations present a future far different than we ever dared to imagine.

Über den Autor und weitere Mitwirkende
Hans Moravec, one of the leaders of robotics research, was a founder of the world’s largest robotics program, at Carnegie Mellon University. The author of Mind Children: The Future of Robot and Human Intelligence, Moravec lives in Pittsburgh.

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