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DAS TROCKENBAD – Eine Kurzgeschichte von Maria Nazira

Das Trockenbad

Eine Kurzgeschichte von

Maria Nazira

Ich bin Wissenschaftler. Nun  ja …  Fast … Oder doch in etwa.
Egal. Meine große Leidenschaft gehört Käfern aller Art, angefangen vom kleinsten dem „Nephanes titan“ bis zum größten dem „Dynastes hercules“ auch Herkuleskäfer genannt.

Seit ein paar Tagen beobachte ich einige Käfer in einer neuen Versuchsanordnung. Man lernt ja nie aus.

Für die Mitte eines Terrariums habe ich ein kleines sogenanntes „Trockenbad“ entworfen und von einem befreundeten Techniker bauen lassen. Was ein Trockenbad ist? Das ist doch klar, ein Bad, in dem es kein Wasser gibt. Komische Frage. Was anstatt des Wassers drin ist? Dazu komme ich ja noch! Darf ich jetzt fortfahren?

Danke.

Das Trockenbad ist annähernd quadratisch, der Boden ist mit Sand (zufrieden?) bedeckt und es hat vier extrem glatte und steile Außen- bzw. in diesem Fall Innenwände. Um den Käfern eine Möglichkeit zu bieten, das Trockenbad zu verlassen, stehen ihnen einige käfergeeignete Schrägrampen zur Verfügung. Darin habe ich eine kleine Anzahl von Käfern gesetzt. (Hier kann sich jeder eine Zahl zwischen 3 und meinetwegen 5 oder 8 denken.)

Man (meinetwegen auch frau) sollte sich das so vorstellen: In einem großen, zu einem Drittel mit Sand gefüllten Terrarium schließt die Oberkante des Trockenbades mit der Sandfüllung des Terrariums gleich. Fertig?

Wie nein? Was denn noch? Hä? Aaarrrgggghhh! WAS DAS BEDEUTET?

Also gut, diesmal ganz langsam: Oberkante Trockenbad und Sandfläche bilden sozusagen eine Fläche. Wer nicht merkt, dass der Sand zu Ende ist, fliegt runter. Jetzt geschnallt? Na also!

Kann ich also endlich wieder zur Wissenschaft zurückkehren.

Natürlich befinden sich nicht nur Käfer im Trockenbad, sondern im oberen Teil, den ich im weiteren nur noch Sandteil nennen werde, wuseln eine beträchtliche Menge anderer kleiner Käferchen herum. (Wie viel? In Ordnung. Denkt euch eine Zahl zwischen 10 und 20 oder 30.)

Dann kommt der Tag, an dem ich zum ersten Mal diese erstaunliche Beobachtung mache. Überall auf der Sandfläche rennen die Käfer geschäftig hin und her, seltsamerweise jedoch scheinen sie eine Art Sicherheitsabstand zwischen sich und den steil abfallenden Wänden des Trockenbades einzuhalten. Zwei bis drei Zentimeter um die Oberkante des Trockenbades wird eine imaginäre Grenze respektiert, die keiner der oberen Käfer übertritt. Das findet ihr seltsam? Das ist erst der Anfang!

Denn auch tief unten, bei den Trockenbadkäfern geschehen unerklärliche Dinge. Die unteren Käferchen verhalten sich höchst ungewöhnlich. Anstatt die ihnen angebotenen schrägen Rampen dazu zu nutzen, sich zu ihren obigen Artgenossen zu begeben, meiden sie die Rampen in weitem Bogen. Ja, sie wenden sich den viel zu glatten, steilen Seitenwänden zu und versuchen diese zu erklimmen. Was im Übrigen ein von vornherein sinnloses Unterfangen darstellt, denn um die Käfer und deren Aktionen objektiv beurteilen zu können, habe ich die Wände dieser Behausung von Donny, einem befreundeten Nanotechniker bauen lassen.

Alles in allem ein sehr befremdliches und keineswegs käfertypisches Verhalten. (Doch, das weiß ich!)

Was ist das? Was sind denn das für kleine helle Punkte in der silbrig glatten Oberfläche der Wände? (Ha, also ob IHR schon mal etwas gewusst hättet, hätte ich mir die Frage ja auch gleich sparen können!)

Vielleicht sollte ich doch besser zuerst einmal meine Lesebrille herholen, dann sehe ich zumindest in der Nähe etwas besser. (Selber Blindfisch!)

So, Brille gewechselt, Nase ins Trockenbad und Augen zusammengekniffen. Wirklich erkennen kann ich immer noch nichts. Doch halt, liegt unter meinem Schreibtischchaos nicht noch irgendwo eine Lupe herum? (Na und, bei mir hat halt das Chaos System!)
Den Gedanken kaum zu Ende gedacht, hab ich mich auch schon auf den Weg gemacht. 5 Minuten intensivste Suche inklusive heftiges fluchen (hättet Ihr auch) und das Gesuchte wird entdeckt.

Also fix wieder ans Terrarium, Nase plus Brille und Lupe ins Trockenbad und die Wände abgecheckt.

Komisch …..

Da scheint auf jeder Wandseite ein anderes Wort zu stehen! Na so was! Das hatte ich doch so gar nicht bestellt! (Trockenbadwände gibt es nicht per Katalog!)

Verblüfft versuche ich die einzelnen Wörter zu entziffern, aber die sind so verdammt winzig, mehr als die Anfangsbuchstaben ist beim besten Willen nicht zu erkennen! (Kommt doch her und guckt selbst!)

In Ordnung, dann sammle ich wenigstens die Anfangsbuchstaben, besser als nichts ist es allemal und man kann ja nie wissen, wozu es gut ist.
Also noch einmal die Augen zusammenkneifen, den richtigen Blickwinkel suchen (vier Mal!) und …..

Aaaaaahhhhhhhhh …..

Lauter unverständliche Zeichen, so eine Mischung aus Hieroglyphen, Arabisch und was weiß ich noch alles! Auf jeder Wandseite ein neues Mysterium der Zeichenwelt.

Wirklich viel kann ich damit ja nun nicht anfangen (Gebt‘s zu, ihr auch nicht!), dafür hat mich jetzt die schiere Neugier gepackt, so dass ich mich, weiterhin mit Lesebrille, Lupe und Augenkneifen bewaffnet, auf die Suche begebe. (Na, das ist Spannung pur oder?  Man kann ja nie wissen.)
Alles, aber auch wirklich alles wird aufs Penibelste von mir abgesucht. Der Trockenbadsand wird auf Seite geschoben, jeder Quadratmillimeter Boden kontrolliert. Nichts.

Und weil man ja nicht gründlich genug sein kann, nehme ich jeden der Trockenbadkäfer unter die Lupe, ja, ich drehe sie sogar um und suche auf ihren Bauchdecken nach weiteren Hinweisen. Aber …

Nichts ………………………

Da fällt mir ein, ich habe ja die Schrägrampen vergessen, jene, die meine Käfer allem Anschein nach nicht mögen. (Ja, ja, besser spät als nie.) Ob die entgegen meiner Bitte an den Erbauer, auch ganz glatt sind? Dies Bedarf einer sofortigen und genauesten Überprüfung!

Nein.

Alles in Ordnung. Die sind keinesfalls zu glatt. Im Gegenteil, die Rampen verfügen über winzige käfergerechte nach oben führende Stufen (Gell, da staunt ihr!)

Mmhhh …………….

Seltsam ………………..

Auf allen untersten Rampenstufen befindet sich so ein heller Fleck. (Guckt nicht so blöd, das kann ich auch alleine!)

Sehr irritierend …………………….

Also gut! Kneif ich noch mal die Augen zusammen!

Leider ist auch hier das Ergebnis meiner Bemühungen nur äußerst mäßig. Auch diese Zeichen entziehen sich meiner Kenntnis. Alle 4 unterschiedlich, aber keines der Zeichen erinnert mich an eine der vielen bekannten Schriften. Hieroglyphen, Keilschrift, Morsezeichen? Nichts davon und von allem ein bisschen.

(Ihr habt nicht zufällig eine Idee? Nein? Schande über Euch!) Das sagt mir jetzt auch nicht mehr als die ersten gefundenen Zeichen. Außer verwirrenden Lettern, einem Kopf, in dem sich ausdauernd ein Kreisel dreht und Augen, die vom vielen kneifen schmerzen, hält sich bei mir das „klüger werden“ leider stark in Grenzen (Wenigstens geht’s Euch nicht besser als mir.)

Brummig und stirnrunzelnd (steht mir gut, gell?) lehne ich mich in meinem Stuhl zurück und beobachte wieder die außergewöhnlich normalen Käfer.

Immer noch das gleiche Bild: eine freie Fläche von wenigen Zentimetern rund um das Trockenbad oben und unten ein paar Käfer, die unbeirrt die Wände hochklettern wollen und die Schrägrampen meiden, als wären sie verflucht.

Was zum Kuckuck sind das für Worte, die da geschrieben stehen? (He, das war meine Frage!)

Diesmal benutze ich die Lupe, um mir die Reaktionen der unteren Käfer aus der Nähe anzusehen. Immerhin bin ich Wissenschaftler.

Oh je ……………………

Ich glaube, ich muss halluzinieren. HILFE!

Das muss ich mir einbilden! Die unteren Käferchen können unmöglich immer wieder einen Blick auf die unteren Rampenstufen werfen, zusammenzucken und dann schnurstracks zur Wand rennen. Ddddd, ddddd, da gucken sie kurz auf das Wort, schließen flugs die Augen und rennen auf die Wand zu, dass es scheint, sie wollten sie umwerfen, nicht erklimmen!!!!
(Geht doch selber in die Irrenanstalt, ICH bin normal, nur die Käfer spinnen!)

Dem muss ich auf den Grund gehen und so stelle ich eine Videokamera so ein, dass sie nur das Trockenbad und das Verhalten ihrer derzeitigen Bewohner aufnimmt. (Tja, Technik eben, könnt zwar besser sein, aber …)

Nach ein paar Stunden der Ruhe (würde euch auch guttun), einem Blick ins Trockenbad (Käfer verhalten sich immer noch so) und eingehender Kontrolle der Aufzeichnung steht es endgültig fest:
Die Käfer können die Worte lesen und nicht nur das, nein, es sieht so aus, als würden sie sie auch verstehen! (Was man nicht mal von jedem Menschen behaupten kann.) Die Käfer meiden die Schrägrampe, weil sie verstehen, was darauf steht (Leider im Gegensatz zu mir. Noch!) und versuchen die Worte auf den Wänden zu ignorieren. (Das glaubt mir keine Sau!)

Jetzt reicht es! Her mit dem Telefon und Donny gefragt, was zum Geier er denn auf Wände und Rampen geschrieben hat! (Lassen Sie sich bloß nie mit einem Nanotechniker ein, sie sehen ja, was dabei rauskommt.) Bald hab ich keine Haare mehr, wo treibt sich denn der unnütze Kerl herum, wenn man ihn denn mal braucht?

Nun aber Feierabend, Überwachungsvideo in die Tasche, Jacke und Schlüssel geschnappt und Donny so lange belagert, bis er nachgibt!

Fünf Stunden, ich habe fünf verdammte Stunden vor Donnys verdammter Tür auf seiner verdammten Treppe gesessen.

Mir tut alles weh, vor allem hinten. (Ich schlag dir gleich dein verdammtes Grinsen dahin, wo keine Sonne scheint!)

Nicht nur, dass ich fünf, also fünf geschlagene Stunden da gewartet habe, dann erscheint der ****** und grinst mir frech ins Gesicht. (DAS ist ihm dann aber schnell vergangen, jawoll!) Und was sagt der zu mir? Ratet doch mal? Was sagt der *****?:

“Tja, kannste dir doch denken, was für Worte ich da hingeschrieben habe, musste doch nur ‘ne Minute nachdenken.“ Nun, danach dachte ER, es tritt ihn ein Pferd. Am Ende hat er alles zurückgenommen und steif und fest behauptet, dass er auf keinen Fall irgendwo auch nur ein einziges winziges Zeichen hingemacht hätte.

Hat jemand eine Idee? Nein? Hab‘ ich mir ja gleich gedacht! Alles muss man selber machen! Bisher ist mir die Erleuchtung versagt geblieben und das, obwohl ich jetzt auf einmal in so einer Art WG zu wohnen scheine. Sehr seltsam! Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass ich umgezogen bin. Ohne meine Möbel!? Aber ich bin hier.

Soweit ich das erkenne, dürften meine Mitbewohner alle auch  Wissenschaftler sein, dafür ist jede Menge Personal vorhanden, hier laufen immer mindestens drei rum, egal ob tagsüber oder nachts.
Dazu kommen dann noch die Reinigungskräfte und irgendwo muss es eine Küche geben, in der gekocht wird. Nicht, dass wir hier keine Küche hätten, aber da habe ich noch nie jemanden kochen sehen, da bekommt man nur Kaffee oder Tee.
Allerdings ist das Personal sehr gewöhnungsbedürftig. (Warum das Personal gewöhnungsbedürftig ist?) Weil die sich sehr merkwürdig verhalten, jawoll. Dauernd kommt jemand und gibt mir Tabletten, damit ich gesund werde. (Die spinnen, ich bin kerngesund, hatte seit Jahren nicht einmal mehr einen Schnupfen!), und so einfach rausgehen kann ich auch nicht. Und die seltsamen Fenster, die sich nicht ganz öffnen lassen. Das erinnert mich alles mehr an ein Gefängnis, als an eine WG, aber dafür sind sie hier wirklich zu nett.

Wenigstens mein Terrarium steht da, zumindest DAS haben sie mir geholt und auch meine Lesebrille und die Lupe haben sich eingefunden.

Nur dieser komische Mensch, den mag ich gar nicht. Meint zu mir, er sei ein Doktor. Ha, wer hätte je so  einen Arzt gesehen, ganz ohne weißen Kittel. Und einen weißen Kittel, den habe sogar ich!

Und hat der vielleicht ein Stethoskop oder wie man das Ding nennt, das sie einem immer auf die Brust setzen und das, einem seltsamen Naturgesetz folgend, immer so kalt ist, dass man zusammenzuckt? Nein, hat er nicht! Oder kommt der etwa mit einem halben Baumstamm, um ihn in meinen Mund zu stecken und mich aufzufordern sinnlose Laute von mir zu geben? Auch nicht!

Dieser als Doktor verkleidete Herr Sowieso (kann mir einfach den Namen nicht merken), taucht regelmäßig auf, dann meint er, er will mit mir reden (REDEN, ein ARZT! Ha!) und fragt mich über meine Käfer aus. MICH führt der nicht hinters Licht, MICH nicht! Der will sich doch nur meine hart beobachteten und schwer erarbeiteten Forschungsergebnisse unter den Nagel reißen! Jawoll! Und dann vor MEINEN Kollegen damit glänzen! Ha! Nicht mit mir! Mit mir nicht! (Glotz doch nicht so!)

Wenn er sich nicht gerade für einen Arzt hält, ist er aber ganz verträglich, er hat mir ja auch mein Terrarium besorgt, hat einer vom Personal gesagt. Ich glaube, der heißt Felix. Der vom Personal meine ich. Morgen werde ich den Sowieso bitten, mir ein paar Bücher über alte Schriften zu bringen, irgendwann finde ich bestimmt heraus, was diese Zeichen bedeuten.

Donny? Was mit Donny ist? Keine Ahnung, hab seit Monaten nichts von dem gehört.

Morgen, morgen bekomme ich die ersten Bücher und irgendwann kann ich die seltsamen Zeichen und Worte bestimmt verstehen.

– – – – – – – – – – – – – – – – –

Nachtrag Dr. Julius Cornelius Rackets:

Vor ein paar Tagen konnten wir den Käferexperten Herrn Kurzmann entlassen. Nachdem er sich über ein Jahr lang täglich, nur durch die Mahlzeiten und andere stationsbedingte Tätigkeiten, ausschließlich mit seinem Terrarium, einem Blatt Papier, einem Kugelschreiber und diversen altertümlichen Büchern befasst hatte, trat vor etwa einer Woche eine deutliche Verbesserung in seinem Verhalten ein.

Sein Verhalten änderte sich geradezu grundlegend. Er deckte das Terrarium ab und entfernte die Decke nur ein kleines Stück, um die Käfer zu füttern. Von dem Tag an ging es ihm immer besser. Heute habe ich die Medikamente auf Minimum gestellt und ihn nach Hause entlassen. Obwohl er keine Fragen beantworten will, die sich auf das Terrarium und seine Bewohner beziehen, bin ich in seinem Fall vorsichtig optimistisch.

Selbst die Nachricht, dass sein Freund Donny, nachdem er endlich aus dem Koma erwacht war, sich inzwischen unbekannten Aufenthaltes irgendwo im Ausland befindet, scheint ihn keineswegs befremdet zu haben. Er hat nur zustimmend genickt.

Das Terrarium ist derartig zur Einrichtung der Station geworden, dass ich es in mein Büro habe bringen lassen. Eine Lupe liegt daneben. Nach der Visite werde ich mal einen Blick riskieren, obwohl ich bisher nie etwas Außergewöhnliches bei diesen Käfern bemerkte. Das einzig Außergewöhnliche scheint mir ihre Kleinheit zu sein.

Er hatte recht! Verdammt er hatte recht! Es gibt Worte in diesem blöden Terrarium und diese Käfer, diese Biester, die so harmlos tun, die kommunizieren untereinander, obwohl sich die Einen unten und die Anderen oben befinden.

Was? Natürlich kommunizieren die untereinander! Jedes mal wenn ich in das Terrarium schaue, drehen sie sich in meine Richtung! Alle! Oben und unten! Und jedes mal werden meine Kopfschmerzen schlimmer. Die müssen weg, einfach weg!

Natürlich ist dieser Koleopterologe inzwischen auch unbekannten Aufenthaltes im Ausland. (Hä? Koleowas? — Käferkundler, das kann man sich doch denken!)
Seine Nachbarn haben mir erzählt, dass er gleich nach seiner Entlassung aus der Klinik die Wohnung und sein Sparbuch aufgelöst, sowie seine Möbel verschenkt hat. Und dann ist er weg, ohne jemandem zu sagen wohin.

Was denkt der sich eigentlich? Macht sich auf und davon und hinterlässt mir seine hässlichen Krabbelviecher. Die sind gemeingefährlich. Das sind hinterhältige Mörderbiester! Die muss man töten, jeden Einzelnen!

——————————-

Prof. Dr. Dr. hc. Obermann:

Heute habe ich Herrn Dr. Julius Cornelius Rackets mit einer akuten Psychose als Patient in unserer Klinik aufnehmen müssen. Man hat ihn morgens dabei beobachtet, wie er in einem Park mit einem Vorschlaghammer auf das Terrarium eingeschlagen hat, das uns der Käferexperte Herr Kurzmann freundlicherweise bei seiner Entlassung überlassen hat.
Abgesehen davon, dass von den umherfliegenden Gegenständen ein Unbeteiligter verletzt werden konnte, redete Dr. Rackets wirres Zeug. Er beschuldigte unschuldige Käfer eines Mordkomplottes, nannte Worte in sinnlosem Zusammenhängen und stammelte andauernd etwas von „Worte verstehen“ und „sie wollen nicht, dass man die Worte versteht“. Er ist geistig vollkommen verwirrt und wird momentan mit Medikamenten ruhiggestellt.

Zum Glück war das Terrarium nur leicht beschädigt. Ein Fachmann hat es gleich repariert und nun steht es hier und ich erfreue mich daran.

————————-

Artikel in einer überregionalen Tageszeitung:

Heute Morgen, während der täglichen Rush-hour sorgte auf der Autobahn ein offensichtlich geistig verwirrter Mann für ein großes Verkehrschaos.
Er hatte ein Terrarium mitten auf die Autobahn, vor die allmorgendlich anrollende LKW-Welle gestellt. Ein mit Gemüse beladener LKW rammte das Glasbehältnis. Der betroffene LKW-Fahrer sah sich außerstande noch rechtzeitig vor dem Terrarium zu bremsen, versuchte diesem auszuweichen und verursachte durch sein Ausweichmanöver eine Massenkarambolage.

Glücklicherweise gibt es keine Verletzten, es entstand jedoch beträchtlicher Sachschaden.

Den verwirrten Mann, der, wie sich jetzt herausgestellt hat, Professor und zugleich Leiter der hiesigen Psychiatrie sein soll, wird man wohl nicht zur Verantwortung ziehen können. Denn obwohl das Terrarium nur noch aus Splittern besteht, soll der Arzt weiter zwischen den Unfallfahrzeugen herumgerannt und Jagd auf die entkommenen Käfer gemacht haben!

Es ist der Redaktion nicht bekannt, ob und wie viele Käfer entkommen konnten. Was Prof. Dr. Dr. G. betrifft, wird berichtet, dass er sich zur Zeit als Patient in seiner eigenen Klinik befindet.

Die MediAG , zu deren Konsortium das psychiatrische Krankenhaus gehört, gibt bekannt, dass sie eine sofortige Untersuchung einleiten werden. Wie Felix W. der Redaktion berichtete, soll es in den letzten beiden Jahren vermehrt zu seltsamen Vorkommnissen in der Klinik gekommen sein.
Wir werden weiter darüber berichten.

———————–

Beim Aufprall des Lkws auf das Terrarium, löst sich das Trockenbad aus seiner Sandumhüllung und fliegt fast hundert Meter mitsamt seinen Insassen durch die Luft.
Es landet weich auf einem Stück Wiese, das bald gemäht werden soll.
Als der kleine Jonas das Trockenbad findet und die Käfer darin sieht, beschließt er, es mit nach Hause zu nehmen. Seine Mutter erlaubt ihm ja doch keine Schlange, dabei ist das Terrarium ideal für so einen Wüstenbewohner geeignet. Wenn schon keine Schlange, dann wenigstens kleine harmlose Käfer, die wird Mama schon erlauben.
Er hat noch Alufolie vom Schulbrot übrig (Mama hatte nichts anderes mehr), damit hüllt er das Trockenbad vorsichtig, aber fest ein. Die Käfer sollen ihm ja nicht weglaufen, die sind klein, davor hat Mama keine Angst.

Und damit verschwindet er hinter der nächsten Kurve und mit ihm die seltsamen Zeichen. Und mit den Zeichen verschwinden die Worte. Die Worte mit der eigenartigen Botschaft, die nur die Käfer lesen und verstehen können.

Wirklich nur die Käfer?

Ende

Copyright © 2011 by Maria Nazira

Bildrechte: “Psychogenese – Dem Wahnsinn auf der Spur” (Psychogenese5.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Psychogenese-50-minus-170-0.jpg” (Originaltitel: Psychogenese5.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Jahrzehntelang widmete sich Jean-Henri Fabre der Beobachtung und Beschreibung der Insekten in ihrem Lebensraum: von der Grabwespe, dem Mistkäfer und der Gottesanbeterin über die Spinne bis hin zum Nachtpfauenauge. Dabei gelingen ihm literarische Gattungsbiographien, die zu den schönsten und einfühlsamsten aber auch genauesten Tierbeobachtungen zählen, die je geschrieben wurden.

Fabre stand mit vielen Geistesgrößen seiner Zeit in Kontakt, beispielsweise mit Charles Darwin, dessen Auffassung der Instinkte und der Entstehung der Arten er vehement ablehnte. Doch mit seinen Erinnerungen schuf er ein unvergleichliches, unerschöpfliches künstlerisches Monument, ein so ungewöhnliches wie herausragendes literarisches Meisterwerk, mit dem es ihm gelingt, dem Leser die Poesie des Lebens und der Natur zu offenbaren. »Ich glaube nicht an Gott, ich sehe ihn«, versicherte er im hohen Alter. Inmitten einer positivistischen Welt, die Analyse und Berechenbarkeit absolut setzt, entdeckt Fabre die Schönheit der Schöpfung. Sein nie endendes Staunen vor den Wundern der Natur und ihrer Schönheit fasste er in Worte und wurde damit für Generationen von Schriftstellern, von Victor Hugo, Marcel Proust und André Gide über die Surrealisten bis hin zu Ernst Jünger zum Vorbild und Inspirationsquelle.

Jean-Henri Fabre, geboren 1823 in Saint-Léons du Lévézou, Entomologe und Autor, widmete sich ab 1870 der Beobachtung von Insekten und schrieb an seinem Werk, den Souvenirs Entomologiques, deren erster Band 1879 erschien. Fabre, dessen Werk in viele Sprachen übersetzt ist, gilt als einer der wesentlichen Wegbereiter der Verhaltensforschung und starb 1915 in Sérignan-du-Comtat, Vaucluse.

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Fabre, Jean-Henri
Erinnerungen eines Insektenforschers II

Souvenirs Entomologiques

Übersetzt von Koch, Friedrich. Illustriert von Thanhäuser, Christian
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ISBN :      978-3-88221-672-1
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Seiten/Umfang :      335 S., zahlr. Ill. – 22,5 x 14,0 cm
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      1. Auflage 11.2010
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„Wenn einem Gelehrten des 19. Jahrhunderts die Ehre der Pantheonisierung gebührte, dann diesem genialen Mann, der die schönste und ergreifendste naturgeschichtliche Prosa geschrieben hat, die je Tinte und Papier gesehen hat. Seine Prosa ist von solch heiterer Klarheit und poetischem Reichtum, dass Fabre für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde.“ Manfred Schneider, Literaturen „Selten habe ich mich heftiger in die Vergangenheit zurückgewünscht, in eine Zeit, in der es noch keine albernen Designmöbel gab und die Menschen frei von medialen Bilderfluten sich auf ihr eigenen Können, ihr eigenes Gedächtnis und ihre eigenen Augen verlassen mussten.“ Sibylle Lewitscharoff, DIE ZEIT „Fabre schickt seine Leser auf literarische Insektensafaris, auf Reisen, wie man sie von Gulliver und anderen unglaublich geschrumpften Männern und Kindern kennt. Für die deutsche Ausgabe hat Christian Thanhäuser dazu Zeichnungen beigesteuert, die den Eindruck erwecken, sie würden gleich zu summen beginnen oder davonkrabbeln.“ Ulrich Baron, Welt am Sonntag

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Erinnerungen eines Insektenforschers III

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ISBN :      978-3-88221-673-8
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Preisinfo :      36,90 Eur[D] / 38,90 Eur[A] / 49,90 CHF UVP
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Seiten/Umfang :      ca. 352 S.
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 10.2011

Der dritte Band der Erinnerungen eines Insektenforschers führt den Leser wieder mitten hinein in die Welt der Insekten. Dolchwespen, Mörtelbienen, Heuschrecken, Rosen- und Ölkäfer haben ihren Auftritt. Beobachtungen und Experimente zum Geschlecht der Insekten und ihrer Larven sowie Überlegungen zu Parasiten werden von Fabre mit liebendem Blick, großer Emphase und literarischem Temperament durchgeführt.

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Updated: 3. März 2015 — 23:17

24 Comments

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  1. Buchempfehlung:
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    Mhh, die Geschichte sieht hier ganz schön lang aus. Ist das noch ok?

  2. Die Länge ist perfekt!

    Mal den Buchtipp anschauen ob ok so! Habe aber alle drei Bände eingetragen weil Band eins wohl zu alt ist zum Verlosen!

  3. Danke

  4. Klasse Geschichte! Ich habe herzlich gelacht und fand sie überaus amüsant! Ich hoffe das geht in Ordnung? Nicht dass du jetzt sauer bist? Ich muß jetzt Schluss machen, denn der Postbote bringt mir gerade ein Päckchen… Habe es mal aufgemacht, komisch! Da ist so ein Kästchen drin mit Sand, was hat das zu bedeuten…?

  5. Weshalb sollte ich sauer sein???? Bisher hat noch jede/r gelacht, dem ich die Geschichte vorgelesen habe :-()

  6. Oops, der Smilie sollte lachen!! 🙂 🙂

  7. Mir hat die Geschichte gut gefallen. Erst dachte ich sie wäre mir zu lange und schwups schon war sie zu ende und ich hätte sie dann sogar lieber noch länger gehabt! 🙂

  8. Wow! Ich fand die Geschichte klasse 😀 Bis jetzt mein Liebling im Wettbewerb !

    Erinnert mich ein wenig an Steven Kings „Patient N“… Hat das jemand von euch gelesen? War zwar nicht halb so lustig wie diese Geschichte hier, aber da drehen auch alle Leute nacheinander durch 😀

  9. Patient N kenne ich, war mir aber zu amerikanisch! Die Story hier finde ich besser! 🙂

  10. Irgendwie war mir das zu chaotisch. Ist auch nicht die Art Buch, die ich lesen würde, oder die mich in den Bann ziehen könnte.

  11. Meinst du jetzt den Wettbewersbeitrag oder die Buchtipps, Nicole?

  12. Wahrscheinlich beides, oder?

  13. Eigentlich den Beitrag zum Wettbewerb. Der Buchtipp war aber auch nicht meins…

  14. Hast es wohl nicht so mit Krabbeltierchen, oder?

    Ich sah letztens eine Sendung darüber, dass durch die Erderwährmung in Deutschland eine Zeckeninvasion im Anmarsch ist, die Viren verbreiten, die in die Gehirne eindringen und das Verhalten der Wirtskörper dahingenend verändern, dass die Viecher leichteres Spiel haben. Und bei Tieren das Fell ausfällt, damit die besser eindringen können. Eklig? Aus Sicht der Zecken wohl nicht. Und ich denke, wenn wir Zecken wären, würden wir auch eine andere Vorstellung davon haben, dass Wirtskörper eben sein müssen zum Überleben. Könnte man ja dirkt als Storyaufhänger verwenden, was meinst du Nocloe, was die anderen hier? Sollen wir eine Anthologie machen mit dem Thema PARASITTEN? Wer hätte Lust dazu eine Story bei zu liefern? Nur mal so angefragt? 🙂

  15. Maria, warum hast du eigentlich diesmal keinen Wettbewerbsbeitrag beigesteuert? Wirklich schade!

  16. Schade eigentlich, stimmt. Und das, wo „Das Trockenbad“ einer meiner Favoriten war.

  17. Seit über einer Woche beschäftigt mich etwas, dass mich sehr beansprucht. Auslaugt wäre der passendere Ausdruck und für Neues fehlt mir die Kraft.

    Shit happens! 😉 Der nächste Wettbewerb kommt bestimmt und irgendwann auch wieder die dazu nötige Energie.

  18. Hättest doch was altes anklicken können!

  19. Also, Maria, wenn du nichts neues fertig bekommst, stelle doch diese Story nochmal rein, ich finde die wirklich gut! 🙂

  20. Ich wäre ja auch gespannt auf eine neue Geschichte von dir. Aber, soll ich dir was sagen, Maria? „Das Trockenbad“ war einer meiner (ganz wenigen) Favoriten im vergangenen Wettbewerb. (Ohne dir den Bauch pinseln zu wollen. ;-))

  21. Ich würde es auch nochmal versuchen damit, ich finde diese Geschichte ebenfalls hervorragend! 🙂

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