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DAS MONSTER IM WANDSCHRANK – eine Fantasy-Kurzgeschichte von Yvonne Rheinganz

Das Monster im Wandschrank

eine

Fantasy-Kurzgeschichte

von

Yvonne Rheinganz


„Papi ich kann nicht schlafen, da ist ein Monster…!“
Jeden Abend das gleiche sinnlose Theater. Ich hatte wirklich schon alles probiert, von der riesigen Taschenlampe bis hin zur Dauerbeleuchtung, aber es nütze alles nichts. „Du, musst nur die Tür aufmachen und nachschauen Papi.“ Laut meinen Erziehungsberater, ist es vollkommen normal, dass kleine Kinder Angst vor der Dunkelheit haben. Man soll dem Ganzen mit Geduld und Verständnis entgegentreten so lange es auch dauern möge. Leider war mein Sohn bereits 11 Jahre alt und eigentlich schon über die “ Monster-im-Schrank-Phase“ hinaus. Er konnte sich alleine anziehen, Frühstück machen und war auch sonst recht selbstständig. Nur die Monster-Geschichte machte ihm richtig zu schaffen. Aber wie immer trat ich der Herausforderung mutig entgegen.

„Ich habe dir schon tausend Mal gesagt, zu diesem Schrank gibt es schon seit Jahren keinen Schlüssel mehr. Keiner kann diesen Schrank öffnen, er ist verschlossen. Er war schon verschlossen, als ich ein kleiner Junge war, und wird vermutlich noch verschlossen sein, wenn du deine Kinder bekommst.“

„Aber was ist denn wenn das Monster auf der anderen Seite den Schlüssel hat?“, schluchzte er. „Eines Tages wird es herauskommen und uns alle töten.“

Ich wüsste wirklich gerne, wann er sich diese Angst eingefangen hat, auf jeden Fall war sie schwere loszuwerden als Bettwanzen.

„Es ist noch nie jemand durch ein „Schrank-Monster zu Tode gekommen. Wir können auf 4 Generationen zurückblicken und da gab es keine außergewöhnlichen Todesfälle.“

„Nur weil du von keinen weißt, heißt es noch lange nicht das es keine gab.“

Nicht einmal der liebevolle Vater in mir hatte noch Lust sich auch nur noch ein einziges Mal dieser sinnlosen Diskussion zu stellen. Also deckte ich die Nervensäge zu, ging zur Tür und löschte das Licht. Keine zehn Minuten später rief mich ein Angstschrei auf den Plan. Natürlich vergaß ich, bei meinem überstürzten Eintreten, das Licht anzuschalten. Was ich sofort bereute. Mir eine gefühlte Milliarde Legosteine in die Fußsohlen bohrend, verhedderte ich mich in einer liegen gebliebenen Kinderjeans und ging unsanft zu Boden. Ich wartete förmlich noch auf den angreifenden Kinderrollschuh, wie man ihn aus verschiedenen unlustigen Komödien kannte, aber er tauchte Gott sei Dank nicht auf. Mein Sohn brüllte immer noch, was aber sicherlich nicht daran lag, dass sich sein Vater gerade fast den Kiefer zerschmettert hatte. Ich verlor nun endgültig den letzten Rest meiner Geduld.

„Hör auf rumzubrüllen, wie ein 3 jähriges kleines Mädchen und schalt das verdammte Licht an.“, schrie ich.
Als ich das Klirren einer am Boden zerschellenden Nachttischlampe hörte, war ich mir absolut sicher, dass sich die Welt gegen mich verschworen hatte.Nun konnte ich im Dunklen zwischen Glasscherben und Legosteinen zum Lichtschalter taumeln. Alles begleitet von einem widerlichen metallenem Geschmack in meinem Mund, der mich vermuten ließ, dass ich mir zu allem Überfluss auch noch die Lippe aufgeschlagen hatte. Innerlich verfluchte ich seine Mutter, die auf eine hübsche Tiffany-Lampe im Kinderzimmer bestanden hatte. Meine Wenigkeit wollte eine Plastik-Lampe mit Touch-Funktion, die sich im „Gefahrenfall“ leicht bedienen ließ. Aber warum hätte man auf mich hören sollen, immerhin war ich derjenige, der allabendlich die Monster im Schrank bekämpfen durfte.
Erstaunlicherweise hatte ich es ohne größer Unfälle zum Lichtschalter geschafft, also drückte ich auf diesen und begutachtete das Chaos beim düsteren Dämmerlicht.
Laut meiner Frau war Neonlicht zu kalt. Deshalb hatten wir Halogenlämpchen mit lächerlichen 15 Watt und der Lichtausbeute eines genmutierten Glühwürmchens. Bei Licht sah die ganze Bescherung sogar noch schlimmer aus, als ich vermutet hätte. Das Kinderzimmer hatte den Flair eines Kriegsschauplatzes und mitten drin saß mein Sohn. Die nasse Bettdecke ließ mich zunächst das Schlimmste vermuten, bis mein Blick auf das zerschellte Glas fiel, welches mit der Lampe vereint am Boden lag. Kurz um, er hatte das physikalisch fast Unmögliche geschafft. Die Chance stand vielleicht 1 zu einer Million das Glas beim Versuch die Lampe anzuschalten in Richtung Bett zu werfen. Vielleicht sollte ich zukünftig meinen Sohn die Lottoscheine ausfüllen lassen. Ich zog die Augenbrauen hoch, schüttelte den Kopf und holte ein Kehrblech.

Es dauert eine gefühlte Ewigkeit die Sauerei auf dem Boden zu beseitigen und das Bett neu zu beziehen. Aber Schluss endlich war das Unmögliche doch geschafft und ich setzte mich seufzend zu meinem Sohn auf die Bettkante.

„Was war denn nun schon wieder los…!“, eröffnete ich das Gespräch. Mein sonst recht besserwisserischer Sohn war dieses Mal ziemlich kleinlaut.

„Kaum warst du draußen, ging die Schranktür knarrend auf und da war dieses furchtbare lange Ding und es strahlte Licht aus und blendete mich…“

Resignierend schüttelte ich den Kopf und ging zum Schrank. Rüttelte erneut am Knauf, wie ich es schon seit Jahren tat. Fand ihn verschlossen vor, wie immer und setzte mich zurück auf die Bettkante. Ich ersparte meinem Sohn dieses Mal die sonst üblichen Kommentare. Schließlich veranstaltete er das Theater nicht absichtlich.

„Schalte doch das Licht aus und setzt dich zu mir, dann wirst du schon sehen!“

Nicht das wir dieses Experiment schon ein dutzend Mal gemacht hätten – es würde also wieder eine dieser Nächte werden, in der ich wenig Schlaf bekam und mit einem steifen Genick in einem viel zu kleinen Kinderzimmersessel aufwachte. Ich schaltete das Licht aus, rückte mir den Sessel zurecht und faltete mich in einer wirklich unvorteilhaften Pose darin zusammen.

„Aber nicht wieder einschlafen, sonst verpasst du es wieder!“, ermahnte mich mein Sohn. Ich nahm mir fest vor diese Nacht komplett wach zu verbringen, um meinem Sohn zu beweisen, dass wirklich kein Monster aus dem Schrank auftauchte.

Unsanft wurde ich von einem lauten knarrenden Geräusch aus dem Schlaf gerissen. Das Einschalten der Taschenlampe dauerte nur Millisekunden. Der erste Blick ging zu meinem Sohn, der friedlich in seinem Bett schlummerte. Der Zweite ging zum Wandschrank, der offen stand. Mir stockte der Atem und ich japste vollkommen unmännlich nach Luft, als ich es aus dem Wandschrank kommen sah. Ein wirklich grausiger Anblick. Dieses Ding hatte so gut wie keine Haare und seine unnatürlich langen Arme und Beine waren nur von einem dünnen Flaum bedeckt. Der Mund war furchtbar klein und mit Zähnen bestückt die kleinen weißen Perlen ähnelden. Die Nase war viel zu klein und saß auch noch mitten im Gesicht und die Augen befanden sich vollkommen widernatürlich knapp überhalb der Nase und nicht über dem Kopf, wie es sich gehört.

Ich setzte zu einem Schrei an, als dieses Ding auf mich zeigte und über seine Schulter hinweg rief: „Siehst du Papi, da ist doch ein schwarzhaariges, stieläugiges Monster im Wandschrank…!“

ENDE


Copyright (c) 2011 by Yvonne Rheinganz

Bildrechte: Coverillustration “Überraschungsgeschichten-der-besonderen-Art1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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Letzte Preisänderung am 11.04.2011
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Updated: 2. September 2015 — 00:16

11 Comments

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  1. Liebe Yvonne, ich benötige hier noch deinen Buchvorschlag!

  2. Yvonne Rheinganz

    Sorry, habs vergessen:

    Winterlicht – Melina Marchetta

  3. Felis Breitendorf

    Hat mir gefallen, erinnert mich an eine Werbung, in der man erst am Ende die Ausserirdischen sieht, die von den Menschen als Aliens sprachen. Klasse Beitrag!

  4. Buchvorschlag drin, bitte mal nachschauen, ob alles ok!

  5. Yvonne Rheinganz

    Alles supi!

  6. Ha, das Buch habe ich gestern bekommen.

    @yvonne: die Geschichte finde ich süß.

  7. Herrlich gefällt mir, vorallem das Ende *daumenhoch*

  8. Das Ende ist voll niedlich ^^

  9. Felis Breitendorf

    Das Ende ist niedlich? Ich finde es genial wenn auch gruselig!

  10. *schmunzel* es ist wirklich niedlich UND genial

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