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DER MANN IM SPIEGEL – Shortstory von Rüdiger Heins

DER MANN IM SPIEGEL

Shortstory
von
Rüdiger Heins

Traumtagebuch 22. September 1997

Wir schlendern Arm in Arm über einen weißen Dampfer: Alisha und ich. Das Schiff ist menschenleer. Bei Anbruch der Dunkelheit suchen wir nach einem Platz zum Schlafen. Oben auf der Kapitänsbrücke finden wir eine geeignete Stelle. Beim Aufwachen, am nächsten Morgen, liegt Alisha in meinem rechten Arm, während in meinem linken eine andere – eine fremde Frau liegt. Von dieser fremden Frau geht eine Kälte aus, die in mir eine tiefe Unruhe erzeugt. Als sie ihren Kopf anhebt, um mich anzusehen, blicke ich in ein Gesicht, das von Maden übersät ist. Ich kann kaum ihre Augen erkennen. Vom Ekel ergriffen packe ich Alisha bei den Armen: Wir flüchten vor der Fremden.

Überall auf dem Schiff liegen Menschen auf den Schiffsplanken. Sie scheinen zu schlafen. Begleitet vom dumpfen Ton einer Sirene, legt der weiße Dampfer ab. Mehrere Male rammt er mit lautem Getöse den Kai.  Nach einer Weile erreichen wir das offene Meer, jetzt sind wieder alle Menschen verschwunden, so als ob sie nie da gewesen wären. Oben an der Reling steht jetzt ein alter Mann. Freundlich lächelnd gibt er uns ein Zeichen, zu ihm zu kommen. Während der Dampfer immer weiter aufs offene Meer hinausfährt, besteigen wir die Treppen, um der Einladung dieses Mannes zu folgen. Wir wissen nicht, wohin die Reise geht.

Der Mann im Spiegel

Draußen bricht die Sonne durch, während auf dem Kamin der Espresso leise vor sich hin brodelt. Sanft trägt der Wind den Gesang einer Glocke von irgendwoher nach irgendwohin.

Ein Spinnennetz umgibt sich mit morgendlichem Tau. Sonnenstrahlen spielen mit den kleinen Wasserperlchen auf dem Netz und lassen sie in den Farben des Regenbogens schimmern. Altweibersommer: Benedikt Grün lauscht einer Melodie, die sich von draußen zu ihm in die Hütte singt. Gregorianische Choräle aus der Ferne. Grün hat sich in seine Hütte im Soonwald zurückgezogen, um hier draußen in Einklang mit der Natur zu kommen, verbunden mit der Hoffnung, dem Wald eine Melodie zu entlocken, die seinen Alltag erträglicher machen soll.

„Hier draußen, eingebunden in die Kulisse des Waldes, spüre ich eine Nähe zu mir selbst, die ich so  in den Wirren dieser Welt nicht empfinde, nicht empfinden kann. In der Einsamkeit suche ich nach Kraft und Heilung. Wer bin ich eigentlich? Mein Name ist Benedikt Grün. Das ist aber auch schon alles, was es im Augenblick über mich zu sagen gibt. Außerdem: Was für einen Grund sollte es geben, zu wissen, wer ich bin?“

Wer ist dieser Mann, der in der Abgeschiedenheit etwas sucht, von dem er noch nicht einmal weiß, was er sucht?

„Ich bin ein schreiendes Kind, das wahrgenommen werden will.“

Ich bin Schriftsteller, das wollte ich  schon immer werden. Nicht etwa, weil es mir wichtig war, gelesen zu werden, sondern ich wollte Schriftsteller werden, um gehört zu werden. Das ewig und ewig schreiende Kind in diesem Grün will gehört, will wahrgenommen werden, weil er in seiner Kindheit nicht wahrgenommen wurde.

Er beschloss Schriftsteller zu werden, als er zum ersten Mal Mark Twain las. Dieser Huckleberry Finn hatte sehr viel Ähnlichkeit mit ihm. Ein Ausgestoßener, wie er. Einer, der immer draußen lebte, wie er. Einer, der sich alles nehmen musste, wie er. Einer, der immer alleine war; aber auch einer, der immer alleine sein wollte. Huck war Benedikt und Benedikt wollte so schreiben, wie eben jener Mark Twain. Alle sollten erfahren – alle sollten sie es erfahren – wie er seine Kindheit verbrachte, verbringen musste. Damals, er war vielleicht zwölf Jahre alt, als er diesen Wunsch hatte, diesen Traum träumte, „Schriftsteller“ zu werden, da ahnte er nicht, dass  dieser Traum in Erfüllung gehen könnte; denn in seiner Familie gab es niemanden, der ihm auch nur die geringste Chance gegeben hätte. Er sollte ein Versager werden. Benedikt Grün wurde in eine Familie hineingeboren, in der er nicht hineingeboren werden wollte. Er war immer ein Fremder in dieser gespielten Familie; und er spielte mit, solange bis er gelernt hatte, vor ihr wegzulaufen.

Benedikt lernte wegzulaufen, sowie es sein Vater auch vor ihm getan hatte. Ja, das war es, was er von seinem Vater lernte, das Weglaufen. Weglaufen. Einfach weglaufen. Weglaufen vor Problemen aller Art. Weglaufen vor seiner Mutter, weglaufen vor seinen Brüdern, seiner Schwester, seinen Freunden, seinen Partnerinnen. Weglaufen immer nur weglaufen. Manchmal lief er auch nur um des Weglaufen willens weg. Alleine der Gedanke, dieser flüchtige Gedanke, der sich zu einem Fluchtgedanken entwickelte, genügte schon, um ihn in Bewegung zu bringen.

Der Morgennebel steigt langsam auf, vereinigt sich in der Höhe der Baumspitzen mit dem Blau des Himmels. Er geht zum Kamin, wirft ein Stück Buchenholz auf die Glut, setzt sich wieder in seinen Sessel und wartet darauf, dass sich das Holz entzündet. Benedikt hat sich in eine Melodie hineingeträumt. Die Kulisse des morgendlichen Waldes, das sanfte Knacken des Holzes, von draußen immer wieder ein Geräusch, das er nicht definieren kann. Vielleicht ein Wildschwein, das sich an den Äpfeln zu schaffen macht, oder ist es nicht doch eine Elster?

Wieder träumt er von dieser Melodie. Einer Melodie, die nicht nur aus Klang besteht. Nein, seine Melodie kann er sehen, riechen, schmecken, anfassen, fühlen.  Die vergangenen trostlosen, dunklen Stunden, Tage, Wochen haben ihren Schrecken längst verloren. Die Dunkelheit stürzt sich in die Fluten des Lichts und Benedikt lässt sich fallen, einfach nur fallen: in sein Leben, in seine Liebe, in seine Träume.

Seit einigen Tagen träume ich wieder; besser gesagt, ich kann mich  beim  Aufwachen an meine Träume erinnern. Jetzt, da ich die Inhalte meiner nächtlichen Erlebnisse kenne, wünsche ich mich in die Traumlosigkeit zurück; wenigstens nachts will ich meine Ruhe haben.

Die Versuche aus der Unerträglichkeit meines Wachlebens in eine vielleicht angenehmere Traumwelt zu flüchten, ist an der Grausamkeit des Geträumten gescheitert. Eine bittere Erkenntnis. Es gibt also kein Flüchten in die Welt der Träume. Das Unterbewusstsein lässt sich nicht manipulieren. Warum kehren sie immer und immer wieder zurück, diese Weiber, diese  Leichen, die ich bereits vor vielen vielen Jahren irgendwo an einem geheimen Ort meines Unterbewussten verscharrt habe?  Und weshalb träume ich immer wieder von diesem alten Fachwerkhaus. Bin das vielleicht ich, habe ich morsche Knochen, bin ich marode, kollabiere ich?

Einige dieser Träume machen mir Angst und verfolgen mich. Dabei sind es nicht die Monster oder diese madigen Frauen, die mir im Traum begegnen. Es sind die Lichtträume, die mir Angst machen. Diese mit unendlichem Licht und unbeschreiblicher Wärme gefüllten, ja ausgefüllten Träume. Immer wieder lassen sie mich mitten in der Nacht schweißgebadet aufwachen, aufschrecken.

Den ersten Traum dieser Art hatte ich, als ich einige Tage in der Abtei St. Hildegard in Eibingen verbrachte. Ich hatte mich in das Kloster zurückgezogen, um mein inneres Gleichgewicht zu finden. Bereits in der ersten Nacht hatte ich einen solchen Lichttraum.

Im Schlaf spürte ich, wie meine Füße warm wurden. Diese Wärme stieg hoch und verbreitete sich in meinem ganzen Körper; dann kam der Hauch eines Lichtes an meinen Fußzehen hoch, während mein Körper immer wärmer wurde. In einer ungeheuren Geschwindigkeit raste diese unbekannte Wärme durch mich hindurch, während von weitem ein Licht in meinen Kopf eindrang und mich ausfüllte, erfüllte, vereinnahmte.  Ein nie vorher da gewesenes, nie gesehenes, unglaubliches Licht breitete sich mit einer ebensolchen atemberaubenden Geschwindigkeit unter meiner Schädeldecke aus.  Jede einzelne Zelle dieser Millionen, ja Milliarden Zellen wurde durchleuchtet, war durchflutet von und mit Licht. Ein Leuchten, ein Beleuchten, ein Erleuchten, das mein Inneres reinigte, meine Seele von den dunklen Flecken befreite. Es gab keinen noch so verborgenen Winkel meines Körpers, meines Geistes und meiner Seele, der nicht durchflutet war von Licht, von Licht, von Licht.

Leise, ganz leise aus weiter Entfernung, hörte ich den Hauch einer Melodie, etwa eines Gesanges? Schreiend erwachte ich.

Traumtagebuch 23.September 1997

In der vergangenen Nacht habe ich sehr unzusammenhängende Träume gehabt. Die meisten davon habe ich bereits vergessen. Zwei davon sind mir allerdings noch fragmentarisch in Erinnerung geblieben.

Ich war in einer Kneipe, irgendwo in Frankreich. Dort begegnete mir eine junge Frau. Sie war sehr schön: blonde Haare, blaue Augen, schlanke Figur. Sie will mit mir schlafen. Wir lieben uns in aller Öffentlichkeit.

In dem anderen Traum befinde ich mich in der Abtei Himmerod. Dort begegnet mir eine Gruppe von jungen Holländern, sie wollen mich in der Abteikirche zum König von Holland krönen. Ich versuche ihnen zu erklären, dass ich weder adelig bin, noch die Absicht habe, König von Holland zu werden. Aber sie lassen sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen.

Schließlich lasse ich mich zum König krönen. Die Zeremonie erkläre ich zu meinem persönlichen Happening. Ich will weg, einfach weg – ich ertrage den Druck dieser dekadenten Zivilisation nicht mehr. Alles Hightech, alles  Superlativ, alles ist größer, besser, schneller.  Die Kälte unter den Menschen nimmt mir die Luft zum Atmen. Je weiter sich unsere Technologie in Richtung Fortschritt  entwickelt (verwickelt), umso mehr entfernen wir uns von unseren Urinstinkten, Gefühlen und Träumen. Oftmals erwecken die Menschen in diesem Land, das sich „Deutschland“ nennt, in mir den Eindruck, sie seien Schlafwandler. Vielleicht bin ich ja nur noch einer der wenigen, die noch im Wachzustand sind. Doch dieser Wachzustand ist nur durch meine Tagträume auszuhalten. Mit meinen Tagträumen träume ich mich in eine bessere Welt hinein. Während um mich herum die Menschen frieren, fühlt es sich in mir ganz warm an.

Aber es ist nicht nur die äußere Kälte,  eine Gefühlskälte, die mir zu schaffen macht, mehr noch leide ich unter dieser latenten inneren Gefühlskälte des Homo sapiens. Eingefrorene Gefühle stehen auf der Tagesordnung, eingefrorene Gefühle sind modern, eingefrorene Gefühle sind cool. Geld und Materie bestimmen unseren Alltag, unser Denken, unser Handeln, unser Fühlen.

Der Morgennebel hat sich jetzt ganz verzogen, wärmend fallen die ersten Sonnenstrahlen in die Hütte. Das Feuer im Kamin ist zurückgegangen, ein wenig Glut bedeckt noch den Boden. Mit einem Stück Holz versucht er die Glut in Bewegung zu bringen. Benedikt öffnet zum ersten Mal an diesem Morgen die Tür, um etwas frische Luft für ihn und das Feuer hereinzulassen.  Mit einem tiefen Zug atmet er die unberührte Morgenluft in sich ein, um sie mit einem lauten Schrei wieder aus seinen Lungen herauszupressen.

Sein Blick fällt auf den kahlen Kirschbaum,  der noch im vergangenen Jahr Früchte getragen hatte; und jetzt dieses Gerippe, diese blattlose Skulptur eines Baumes, der bereits im Sterben seine Arme in den Himmel streckt, um am Leben im Diesseits teilzunehmen. Lebt er noch, ist er bereits tot? Wer fällt diesen Baum, damit im Winter genügend Holz gegen die Kälte da ist? Leben und leben lassen.

Ein paar hundert Meter weiter, etwas abseits des Weges ist eine Quelle, an der sich Benedikt mit dem frischen, eiskalten Wasser sein Gesicht kühlt. Für ihn ist der Gang zu dieser Quelle schon zu einem Ritual geworden, es spielt keine Rolle, ob es regnet, die Sonne scheint oder Schnee den Waldboden bedeckt. Das frische Quellwasser ist bereits zu einem Bestandteil seines Lebens geworden. Hier im Wald, in der Hütte, an der Quelle, da darf er sein, da gibt es niemanden, der ihm diesen Platz streitig machen könnte – oder gar dürfte.

In seiner Familie war einfach  kein Platz, um in ihr einen Schriftsteller aufwachsen zu lassen. Die Erwachsenen in seiner Umgebung waren zu sehr damit beschäftigt, ihr eigenes Ego zu pflegen. Aber vielleicht war ja gerade dieses Klima dazu geeignet, aus ihm einen Künstler werden zu lassen. Sein innerer Drang von aller Welt wahrgenommen zu werden, sein tiefer Wunsch aus seinem familiären Elend auszubrechen war vielleicht der ideale Nährboden für das, was er später wurde.

Da war niemand, der ihm eine Chance gab. Sein Leben begann mit einem Schrei, das unterscheidet ihn nicht von den anderen Menschen. Benedikts Schrei hörte auch in späteren Jahren nicht auf: der Schrei der Einsamen, der Ausgestoßenen, der Heimatlosen.

Bereits bei seiner Geburt war es nicht der Schrei eines neugeborenen Menschen, sondern der Schrei eines menschlichen Wesens aus Fleisch und Blut, das nicht wusste, wo es hingehörte. Er schrie und schrie, während sie ihn aus dem Bauch seiner Mutter Maria zogen. Benedikt schrie so laut und so tief, dass sein Vater weglief, einfach weglief. Der Schrei seines neugeborenen Sohnes muss ihn so beeindruckt, ja erschreckt haben, dass Benedikt seinen Vater auch in späteren Jahren nur noch spärlich zu Gesicht bekam; dennoch machte Grün seinen Vater in dessen Abwesenheit zu seinem großen unerreichbaren Vorbild. Vorbild im Kontakt mit Frauen, Geld und schnellen Autos.

Trotz seiner ewigen Fluchten war Benedikt nicht in der Lage, sich von der Stelle, sich innerlich von der Stelle zu bewegen. Seine äußere Mobilität glich einer inneren Bewegungslosigkeit. Bewegung war ekelhaft. Benedikt Grün wollte sich nicht bewegen. Bewegung war mit Kälte, mit Ungemütlichkeit – Erwachen – verbunden. Er wollte nicht aus seinem Elend erwachen. Es genügte ihm schon, da stehen oder liegen zu bleiben, wo er sich gerade befand; denn Bewegung bedeutete Veränderung und Veränderung hatte etwas mit neuen und vor allem unbekannten Dingen zu tun: In ihm klang dieser schrille Ton der Bewegungslosigkeit. Seine Gedanken zeigten ihm nur, was nicht funktionierte. Aus diesem Grund bevorzugte er das Nichtfunktionieren.

Benedikt wollte behalten, was andere wegwarfen, weil er wusste, was es war und vor allem: wie es war.

Er kam schreiend in eine Welt, weil er in ein Leben hineingeboren wurde, das er so, wie es vor ihm lag, gar nicht haben wollte.

Hineingeboren in ein Loch roher und zügelloser Gewalt. Dabei wurde an ihm keine physische Gewalt ausgeübt. Die Form von Gewalt, die man an ihm ausübte, war viel subtiler, viel latenter. Sie übten psychische Gewalt auf ihn aus. Er sollte emotional verhungern. Bereits am ersten Tag seiner Geburt stießen sie ihn aus, seine Mutter und die beiden Stiefbrüder.  Weshalb hatte sich seine Seele ausgerechnet diese Mutter, diesen Vater, diese Familie ausgesucht. Benedikt weiß keine Antwort darauf, jedenfalls nicht in diesem Augenblick. Aber, er kannte ja auch kein anderes Leben. Daher auch seine Angst, dieses Leben aufzugeben. Er wollte nicht aufgeben, was er hatte, weil er wusste, was er hatte. Ihm machte das Neue, das unbekannte Angst.

Aber Grün wäre nicht eben jener Grün, wenn nicht auch ein Funken Abenteuer – ein Hauch von ungestillter Lebensfreude in ihm stecken würde. Im Grunde genommen ist er ein lebenslustiger, lebensfreudiger Mensch. Seine Gene strotzen vor Lebensfreude. Er liebt das Leben, er liebt sein Leben. Das Leben liebt vermutlich auch ihn.

-Ende-

Copyright (C) 1997/2014 by Rüdiger Heins

Bildrechte: Coverillustration “TräumeundVisionen” (20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Besinnliche Momente und Reflexionen” (Besinnlich-die-zweite.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

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BUCHTIPP DER REDAKTION:


Der geborgte Spiegel (Kartoniert)
Uniform, Männlichkeit und diephotographischen Medien 1870 – 1930
von Haag, Stella Donata

Verlag:  Kulturverlag Kadmos
Medium:  Buch
Seiten:  447
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  Februar 2015:  231 x 149 mm
Gewicht:  713 g
ISBN-10:  3865991920
ISBN-13:  9783865991928

Beschreibung
Sie war auch in Deutschland niemals wirklich weg. Sie hatte sich nur verkrochen in eine Nischenexistenz, von der zivilen Mehrheitsgesellschaft ignoriert oder belächelt: die militärische Uniform. Mit ihrer Rückkehr auf die Straßen und Bildschirme ist der Zeitpunkt gekommen, sie als Bildeffekt zu analysieren, als seit 150 Jahren wirksame sartoriale Körpertechnologie und semiotisches Prinzip. In ihrer Gleichzeitigkeit von semantischem Überfluss und subjektiver Verleugnung wird die Uniform zur Bildstörung. Die Prozesse der Zu-, Um und Überschreibung verdichteten sich mit Hochkonjunktur von Militär, medialer Herrschaftsinszenierung und privater Porträtphotographie im Kaiserreich.

Doch Verbreitung und Prestige der Uniform im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert markieren zugleich einen kritischen Punkt in der psychohistorischen Entwicklung der westlichen, in besonderer Weise allerdings der deutschen Gesellschaft. Denn die Uniform war in all ihrem Glanze gerade Symptom einer Krise männlicher Subjektivität, eine Textil gewordene Geste kompensatorischer Frustration im Angesicht der Moderne als Zeitalter der Sichtbarkeit, zu dessen Hauptagenten die photographischen Medien zählen und in besonderer Weise das Kino als paradigmatische Kulturtechnik.

Der uniformierte Körper antwortet dem Imaginären und wird sich selbst zum Bild: in dem Hochzeitsphoto des unbekannten Infanterie-Vizefeldwebels um 1911, in den Wochenschaubildern der Kaiserparaden oder in der Portiersuniform in F.W. Murnaus Der letzte Mann (1925). Das Kino als der wiedergewonnene Spiegel, als das exhibitionistische wie fetischistische Medium par excellence (Metz), wiederholt die illusorische Erfüllungsstruktur der Uniform.

Bild und Narration dekonstruieren sich dabei oft gegenseitig, so dass mit den Bildern des Triumphes immer wieder die Geschichte der Kastration erzählt wird und sich im Bannkreis der Uniform Erzählungen ablagern, in denen sich die deviante Lust am männlichen Körper manifestiert. Dabei wird eine Linie erkennbar, die vom Hauptmann von Köpenick zu Travis Bickle in Taxi Driver (1976) führt, von Berlin vor dem Ersten Weltkrieg nach New York post Vietnam und darüber hinaus auf die Cover der aktuellen Zeitgeistmagazine, in die Bildwelt der Egoshooter und die Bekennervideos auf Al Jazeera.

Autor
Donata Haag, Film- und Literaturwissenschaftlerin und freie Journalistin, promovierte am Seminar für Filmwissenschaft der Freien Universität Berlin über militärische Uniform und Kino.

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