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DAS GNADENGESUCH – eine Bittschrift von Ariana Lazar

Erstellt von Detlef Hedderich am Freitag 20. Januar 2012

DAS GNADENGESUCH

eine Bittschrift

von

Ariana Lazar

Durchlauchtigster Fürst!

Untertänigst erbitte ich Ihr Gehör für die Sache des Sonnenwirtes Christian Wolf. Demselben droht jetzt der Galgen, gleichwohl bitte ich Euch, in diesem Fall Gnade walten zu lassen.

Um dies zu vermögen, ist es indes von Belang, dass Ihr den Werdegang des Sonnenwirtes von einem unbescholtenen Mann zum Verbrecher und Mörder kennenlernt.

Der Mensch Christian Wolf ist nicht schlecht, aber ein unglückliches Schicksal haftet ihm von Kindheit an.

Christian Wolf ist Halbwaise und musste darum früh seiner Mutter in deren schlechtgehender Wirtschaft helfen. Da er zudem von der Natur mit einer schwächlichen Statur und einem unangenehmen Äußeren ausgestattet wurde, hatte er von klein auf die Hänseleien der anderen Kinder zu ertragen.

Wie mein Fürst sicher verstehen wird, war dies kein angenehmer Start ins Leben.

Wolf’s widerliches Äußeres versuchte dieser durch Witz und Frechheit bei seinen Schulkameraden wettzumachen, was ihm die Bewunderung der Jungen einbrachte. Die Mädchen jedoch fürchteten ihn, und er war ihnen aufgrund seiner Hässlichkeit zuwider.

Sicher könnt Ihr Euch vorstellen, wie dieser junge Mensch unter der Ablehnung des weiblichen Geschlechtes gelitten hat, warum er nichts unversucht ließ, diesem zu gefallen.

Er traf auf Hamchen, die sich zwar seinen Beteuerungen verschloss, aufgrund ihrer Armut jedoch nicht seinen Geschenken. Um ihr diese Geschenke machen zu können, suchte er aus Dummheit und Bequemlichkeit den scheinbar leichtesten Weg, die Wilddieberei.

Eure fürstliche Hoheit möge einem jungen Manne verzeihen, der seiner Liebsten zuliebe zum Wilddieb wurde. Möget Ihr es seinem jugendlichen Leichtsinn zugutehalten und ihn nicht zu hart beurteilen.

Nachdem der Jäger Robert, den die Eifersucht trieb, da er dasselbe Mädchen begehrte, Christian Wolf als Wilddieb überführt hatte, verlor dieser durch die strenge Gerechtigkeit das wenige Vermögen, das er noch besaß. Am meisten traf ihn aber der Verlust der Geliebten, und die Eifersucht nagte an ihm.

Drückende Not, Eifersucht und verletzter Stolz ließen ihn zum zweiten Mal zum Wilddieb werden.

Eure fürstliche Gnaden mögen bedenken, dass sich schon edlere Herren wegen einer Geliebten ins Unrecht setzten. Edlen Herren wird doch auch Verständnis zuteil, und so bitte ich um Verständnis für Christian Wolf, der Nachsicht bei Euch finden möge.

Doch vernehmt, wie die Geschichte weitergeht.

Der Jäger Robert entdeckte den Wilddieb zum zweiten Mal, und dieser erfuhr nun die ganze Härte des Gesetzes. Diesmal musste er für ein Jahr in das Gefängnis, denn er hatte keine Mittel mehr, sich freizukaufen.

Nach Verbüßung seiner Strafe kehrt er in seine Heimat zurück, um von nun an ein redliches Leben zu führen. Verzweifelt sucht er eine Stellung, um gegen Tagelohn zu arbeiten, doch niemand will ihn nehmen. Selbst sein letzter Versuch, die Stelle eines Schweinehirten zu bekommen, scheitert, da niemand mehr dem angeblichen Taugenichts Christian Wolf seine redlichen Absichten glauben will.

Enttäuscht und von der Not getrieben, denn seine Wirtschaft gehört den Gläubigern, wildert er zum dritten Mal. Wieder fällt er der Wachsamkeit des Jägers Robert zum Opfer.

Ihre fürstliche Gnaden beachte bitte den unbedingten Willen Wolfs zur Redlichkeit, sowie das Misstrauen und die Ablehnung seiner Mitmenschen, die dem Sonnenwirt keine Chance mehr auf ein redliches, arbeitsames Leben ließen.

Euer Gnaden mögen weiterhin geneigt den Gang der Ereignisse verfolgen.

Durch die folgende dreijährige Festungshaft wurde Christian Wolf ein anderer. Das enge Zusammensein mit Mördern und Schwerverbrechern färbte mit der Zeit auf ihn ab, sodass er einer von ihnen wurde. Aus dem verirrten Schaf wurde ein reißender Wolf.

Nach seiner Entlassung wollte in seiner Heimatstadt niemand mehr etwas mit ihm zu tun haben, und so ging Christian Wolf wieder wildern. Diesmal aber auch aus Hass auf die Obrigkeit, die ihn in diese Lage gebracht hatte.

Groß war sein Hass auch auf den Jäger Robert, den er bei passender Gelegenheit erschoss.

Bei seiner anschließenden Flucht lernte er den Anführer einer Räuberbande kennen und wurde nach einiger Zeit selbst der Anführer der Bande, da er dort zum ersten Mal freudig aufgenommen und sogar geachtet wurde.

Sein Räuberdasein ekelt ihn bald und er erkennt, wie tief er gefallen ist. Von da an beseelt ihn der Wunsch, wieder rechtschaffen zu werden.

Euer durchlauchtigster Fürst erinnere sich höflichst an die an Eure Hoheit gerichteten Bittschriften des Christian Wolf, die seinen Wiedergutmachungswillen aufs Kräftigste bezeugen.

Auch sein freiwilliges Geständnis bei dem Oberamtmann zeugt von dem ehrlichen Willen, seinem Fürsten und seinem Land aufrichtig zu dienen.

So richte ich an Eure fürstliche Hoheit noch einmal die untertänigste Bitte, Gnade walten zu lassen im Falle des Christian Wolf.

Mit den hochachtungsvollsten und untertänigsten Grüßen verbleibt Euer

Adrian von Zantar

Copyright Text und Eingangsbild unter Titel © by Ariana Lazar 2012

Bildrechte: “Sagen” (Zeichnung-Sagen.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

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17 Kommentare zu “DAS GNADENGESUCH – eine Bittschrift von Ariana Lazar”

  1. Ariana Lazar sagt:

    Hallo Detlef,

    wärst Du bitte so nett und bearbeitest den Buchvorschlag? Nachdem ich x-mal vergeblich versucht habe, das Buchcover in den Artikel zu bekommen, habe ich entnervt aufgegeben. Zu mehr fehlt mir gerade die Energie.

    Danke im Voraus und lieben Gruß

    Ariana

    Die Grafik ist selbstgebastelt.

  2. Irene Schmidt sagt:

    Finde ich klasse, Ariana. Sowas hatten wir hier auch noch nicht und zeigt doch wieder mal auf wie vielen Wegen die Literatur unterwegs sein kann. Toll! :)

  3. Detlef Hedderich sagt:

    Ariana, habe deinen Beitrag repariert! Wolltest du den nicht auch in den Wettbewerb stellen, oder doch was anderes? Oder steht schon was anderes drin?

  4. Ariana Lazar sagt:

    Danke für die Reperatur Detlef.

    Bis jetzt habe ich noch nichts für den Wettbewerb und bei obigem Text habe ich halt so meine Zweifel, ob ich damit beim Wettbewerb mitmachen will/soll. Allerdings fehlt mir momentan die Energie für wirklich Neues, obwohl ich einige Ideen habe.

  5. Ariana Lazar sagt:

    RepAratur *rotwerd* sorry :( Kaum hatte ich den Kommentar abgesendet, habe ich es gemerkt. *seufz*

  6. Detlef Hedderich sagt:

    Stells doch rein, wenn du keine Eneregie hast für was anderes. Besser irgendwas neues als garnichts im Wettbewerb zu haben!

  7. Detlef Hedderich sagt:

    Ich finde den Beitrag garnicht mal schlecht! :)

  8. Detlef Hedderich sagt:

    Hast du noch mehr Bilder selbstgemacht und die irgendwo abgespeichert im Internet auf einer Seite? Wenn ja, setzt doch einen Link dazu hinter dein Bild hier?!

  9. Ariana Lazar sagt:

    Viel mehr Bilder habe ich nicht selbstgemacht, aber bei der Story “Leidenschaftliche Liebe” habe ich die Grafik auch selbstfabriziert. ;-) Hier: http://sfbasar.filmbesprechungen.de/allgemein/leidenschaftliche-liebe-eine-kurzgeschichte-von-maria-nazira/
    Ich kann aber meinen Blog verlinken. *grübel*

    Momentan bin ich auf der Suche nach einem passenderen Avatar. Das Hühnchen ist zwar niedlich, aber ICH bin bestimmt nicht niedlich! *lach*

  10. Ariana Lazar sagt:

    Irgendwann sollte ich die Anzahl meiner Hobbies beschränken, es werden immer mehr statt weniger. *Haare rauf*

    So, die Story ist jetzt zum Wettbewerb angemeldet und das Bild mit meinem Blog verlinkt. Jetzt mach ich das mit der “Leidenschafltichen Liebe-Grafik” auch noch.

  11. Detlef Hedderich sagt:

    Ja mach das! Über das Bild bitte!

  12. Detlef Hedderich sagt:

    Prima! :)

  13. galaxykarl sagt:

    Der Jäger ist der (namenlose) Jäger und Christian Wolf ist der Wilderer.
    Logischerweise kann dann dieser Satz nicht stimmen:

    “Groß war sein Hass auch auf den Jäger Christian Wolf, den er bei passender Gelegenheit erschoss.”

    Bitte korrigieren. Sonst wirklich mal was anderes. Bin gespannt wo dieser Brief im Ranking landet.

    mgg
    galaxykarl ;-)

  14. Irene Schmidt sagt:

    Ich auch.

  15. Ariana Lazar sagt:

    @galaxy

    Danke für den Hinweis! Das war ein Abtippfehler, im Original steht es richtig. ;)

  16. sfbasar.de » Blog Archiv » Lazar, Ariana – Autorenporträt nach Art von Kuddelmuddelei sagt:

    [...] Das Gnadengesuch Copyright © 2012 [...]

  17. sfbasar.de » Blog Archiv » SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “SAGEN – Mythen, Parabeln und Legenden” sagt:

    [...] DAS GNADENGESUCH – eine Bittschrift von Ariana Lazar DAS MÄDCHEN (Teil 1) – Leseprobe aus dem Fantasy-Roman “Der letzte Engel” von Zoran Drvenkar (sfb-Preisträger “Beste Leseprobe Winter 2012″) [...]

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