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DAS 9. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE Episodengeschichte (Teil 35) von Felis Breitendorf & Conchita Mendés

 

DAS NEUNTE ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE

Episodengeschichte (Teil 35)

von Felis Breitendorf & Conchita Mendés

Lektorat: Detlef Hedderich/ Schlusslektorat: Günter Maria Langhaus

Das Universum in dir – Eine etwas andere Naturgeschichte von Neil Shubin (Leseprobe 3)

KRIEGER SEIN BRUDER SEIN – Manifest 47“ Copyright © 2015 by (Michaela) Falkner

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* * *

Das Universum in dir
Eine etwas andere Naturgeschichte
von Neil Shubin

9.

Eines Tages, während er noch mit Chuck seine Gedanken durchkaute, fand Bill auf dem Schreibtisch seines Kollegen ein Exemplar des „Shell Oil Guide to the Permian and Triassic of the World“. Beim Durchblättern des Buches stieß er auf eine Karte auf welcher an der Ostküste der Insel, ungefähr auf 72 Grad nördlicher Breite – was ungefähr der Höhe des Nordkaps oder der Nordspitze entspricht –, ein kleines, schraffiertes Gebiet mit Trias-Gestein eingetragen war. Daraufhin legte Bill los, indem er verkündete, dies könne ein geeignetes neues Arbeitsgebiet sein. Nun folgte die übliche Debatte: Chuck meinte, es handele sich nicht um den richtigen Gesteinstyp, Bill antwortete darauf, und Chuck konterte erneut. Durch schieres Glück verfügte Chuck über ein Mittel, mit dem er die Debatte direkt aus seinem Bücherregal heraus beenden konnte. Ein paar Wochen zuvor hatte er in aussortiertem Material aus der Bibliothek gestöbert und einen Artikel mit dem Titel »Revision of Triassic Stratigraphy of Scoresby Land and Jameson Land Region, East Land« aus dem Stapel gezogen. Verfasst hatte ihn ein Geologenteam bereits vor vielen Jahren. Was noch niemand wusste: Dieser vor dem Mülleimer gerettete Zufallsfund sollte für unser Leben in den nächsten zehn Jahren eine gewaltige Rolle spielen. Praktisch vom ersten Augenblick an, nachdem Bill und Chuck sich die Landkarten in dem Nachdruck angesehen hatten, war die Diskussion vorbei.

„Das sind keine Menschen.“

„Das sind keine Menschen.“

„Vollkommen klar.“

Ich frage Ivan ob er Geschwister hat „Hast du Geschwister?“

„Nein.“

„Vater?“

„Mutter?“

„Nein.“

„Weißt du woher du kommst?“

„Nein.“

„Wo du wohnst?“

„Nein.“

„Was ist dir wichtig?“

„Sage ich dir nicht.“

„Hey was ist dir wichtig?“

„Sage ich dir nicht!“

„Du sagst es mir nicht?“

„Warum soll ich es dir sagen?“

„Sag es mir.“

„Nein!“

„Sag es mir!“

„Nein!“

„Und da drinnen?“ schlage auf seine Brust „Da drinnen was hast du da drinnen?“

schlage auf seine Brust bis sie aufbricht fasse hinein „Da wo das Herz ist was hast

du da!?“

Reiße das Herz heraus werfe es an die Wand „Was ist das?“

Ivan sieht mich an sagt „Du darfst mich töten wenn du mich liebst.“

„Was?“

Verlässt den Raum und ich rufe ihm hinterher „Hey!“

„Warte!“

* * *

Das Einsammeln der Gestaltwandler stellt sich inzwischen als mühsamer heraus als zu Beginn gedacht. Als wir schließlich die Kampfroboter mit Truppentransportern in die nächste Stadt bringen, fangen die Siedlernachkommen an, die Gestaltwandler mit Waffengewalt vor sich herzutreiben und haben dabei ihre Musketen und Vorderladergewehre im Anschlag, auf dessen Spitze sie Dolche angebracht haben. Damit nötigen sie die Gestaltwandler auf uns zu zu maschieren, wobei man ihnen lange Stangen und Mistgabeln in die Hände gedrückt hat, mit denen sie nun die Kampfmaschinen attackieren. Hinter den Kampfmaschinen schützen sich die Androiden so gut es geht vor diesen Attacken, was aber nicht immer gelingt. Es gibt einige Ausfälle, die ich schließlich ins Schiff zurückbefördere. So wird es immer schwieriger die Siedler von ihnen zu trennen, ohne die Siedler gleich zu verletzen oder zu töten. Die Kampfmaschinen benutzen ihre Betäubungswaffen und strecken damit so viele Siedler wie möglich nieder, die schließlich von den eigenen Leuten überrannt werden und nun laufend auf die Kampfmaschinen und hinter diesen befindlichen Androiden schießen. Außerdem bekommen die Gestaltwandler die eine oder andere Kugel ab, was diese in den meisten Fällen zum Glück nicht gleich tötet, da sie ihre Nervenbahnen vorsichtshalber umgeformt haben, um nicht gleich an den Folgen der Schüsse in ihre Rücken zu sterben. Offensichtlich hat man ihnen eingebläut, dass wir der Feind sind und sie sich im Krieg mit uns befinden. Doch immer mehr von ihnen durchschauen diese Lügen und lassen sich schließlich bereitwillig von den Androiden wegführen, nachdem sie ihre Stangen und Mistgabeln  weggeworfen haben. Ihnen dämmert, dass es ihnen bei uns vielleicht auch nicht viel schlechter ergehen wird als in ihrem gewohnten Umfeld.

Die meist zerlumpten Gestaltwandler werden inzwischen von uns per Mannschaftstransporter in unser Schiff gebracht, welches sich weit oben im Orbit um den Planeten befindet, um sogleich wieder Nachschub an Kampfmaschinen und Androiden zu laden und zum Planeten hinunter in die jeweilige Stadt zu fliegen. Somit haben unser Helfer und ich jede Menge zu tun. Schließlich haben wir nach Stunden unsere Bemühungen in dieser Stadt abgeschlossen. Es sind nicht nur einige Androiden dabei beschädigt worden, was aber alles reparabel ist und auch einige Gestaltwandler verletzt, aber die meisten Opfer gab es unter den Siedlernachkommen, was Tote und Verletzte betrifft. Somit machen wir uns in die nächste Stadt, welche dann auch von einem militärisch organisierten Regime regiert wird, die als Konsequenz unseres Handelns ihre Gestaltwandler gleich im Vorfeld massagrieren, wo es ihnen nur möglich ist. Die meisten der Gestaltwandler werden von dem Regime nicht einfach nur erschossen, sondern viele von ihnen machen sich einen Spaß daraus von Kirschbäumen aus diese regelrecht zu schikanieren und anschließend abzuknallen.

 

* * *

Das Universum in dir
Eine etwas andere Naturgeschichte
von Neil Shubin

10.

Mein Doktoranden-Arbeitszimmer lag auf der anderen Seite des Korridors, und wie üblich schaute ich am späten Nachmittag bei Chuck vorbei, um mich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Bill trieb sich ebenfalls dort herum, und es war klar, dass noch ein Rest ihrer Diskussion in der Luft lag. Bill sagte nicht viel; er knallte einfach Chucks geologischen Sonderdruck vor mir auf den Tisch. Ein Kartenausschnitt in dem Artikel zeigte genau das, worauf wir gehofft hatten. An der Ostküste des Eislands, auf der nach Osten gerichteten Seite, lag genau das Gestein frei, in dem man frühe Säugetiere, Saurier und andere wissenschaftliche Schätze findet. Die Landkarten sahen eigenartig und sogar verdächtig aus. Die Ostküste des Eislands ist eine abgelegene Gebirgsgegend. Und die Namen erinnern an Entdecker früherer Zeiten: Jameson Land, Scoresby Land und Wegener Halvø. Dass ich wusste, dass ein paar der Entdecker auf ihren Reisen in diese Region ums Leben gekommen waren, machte die Sache auch nicht besser.

 

„Darf ich hierbleiben diese Nacht?“ fragt Ivan mit leiser Stimme.

„Ich weiß nicht sag du!“ habe ich geflüstert.

„Darf ich hierbleiben diese Nacht?“

„Ich weiß nicht sag du!“

Ich nehme ihn mit „Los weg hier!“

„Komm!“

„Komm!“

Ich kann es nicht glauben er will mitkommen!

„Ja!?“

„Ja!“

Wir verriegeln die Tür drehen alle Lichter aus und umarmen einander nach über

fünf Monaten spüre ich wieder einen lebenden Körper tief in seinen Körper mich

graben am nächsten Morgen dann immer noch da liegen.

Die Löcher wieder verkleben ihn in die Ecke rollen ein Tuch darüber.

Sag!

Wo sind deine Flügel hin?

Hast du sie versteckt?

Wurden sie dir abgenommen?

Hm?

Wer hat sie?!

Ivan schlägt mit seiner linken Hand auf den Tisch sagt „Hey ich schneide mir

meinen Mittelfinger ab und baue ihn in deine Hand mein Blut soll dich wärmen.“

Ich schlage mit meiner linken Hand auf den Tisch sage „Ich schneide mir meinen

Daumen ab und schenke ihn dir.“

Mit den Klingen unserer rechten Hände schneiden wir uns die Finger ab schenken

sie dem anderen „Für dich!“

„Ich schneide mir ein Ohr ab schenke es dir!“ er schneidet sein Ohr ab „Schenke

es dir!“

„Ich schneide mir meinen Fuß ab schenke ihn dir.“

Die Scharfschützen der Siedlernachkommen, die sich einen Spaß daraus machen, ihre Gestaltwandler wo es nur geht zu demütigen und zu foltern, haben daraus eine regelrecht Passion gemacht und hocken inzwischen in den Kirschbäumen, mit welchen ihre gepflasterten Strassen gesäumt sind und ballern auf die Bevölkerungsteile der Gestaltwandler herunter. Diese wissen sich oft nicht anders zu helfen, als sich diesem Schicksal hinzugeben. Andere von ihnen flüchten aus der Stadt, die aber inzwischen von den Regime-Soldaten und -Scharfschützen abgeriegelt werden, so dass es keinen Ausweg mehr für sie gibt. Auch das umstrukturieren ihrer inneren Organe und Nerven um zu überleben bietet bald auch keine Möglichkeit mehr, da die Soldaten nachdem sie auf ihre Opfer geschossen haben, andere Soldaten losschicken, die mit langen Macheten und Schwertern bewaffnet, die sich windenden Gestaltwandler in Stücke hacken und schlagen, so dass ein Neuaufbau ihrer Körper danach nicht mehr möglich ist.

Da mir alleine – und nicht auch meiner KI-Partnerin – das Gewaltmonopol untersteht, ordne ich an, dass wir noch mehr Kampfmaschinen zum Planeten hinunterbringen und nun ohne jede Vorwarnung sämtliche Personen mit Schusswaffen und Schneide- und Hackwerkzeugen in den Händen mit einem Betäubungsschuss außer Kraft setzten und anschließend mit Kabelbindern an alle möglichen Zäunen und Pfosten anbinden, so dass sie sich erst in einigen Tagen wieder befreien können, wenn die Plastikbinder sich auf biologischem Wege aufzulösen beginnen. Das Material ist deshalb aus gutem Grund so gestaltet, dass es sich genau in dem Moment vorzeitig auflöst, wenn über die Haut ein Vertrocknungszustand angezeigt wird, so dass die Gefesselten nicht am Ende noch verdursten. Aber bis dahin wird es für die betroffenen Siedler eine Lehre sein, sich mit uns anzulegen und ihre Gestaltwandler so gemein zu quälen und zu  töten. Damit noch nicht genug, gebe ich den Befehlt an alle Roboter und Androiden, sämtliche Macheten, Gewehre und sonstige Waffen auf einen Haufen zusammen zu tragen und mittels einer brennbaren Flüssigkeit anzuzünden. Schon bald brennen in der ganzen Stadt die Waffenberge, was der Situation irgendwie eine besonders absurde Stimmung verleiht.

Am Ende sind es die Kampfmaschinen, die die Scharfschützen aus den Bäumen schießen, wobei sich der Eine oder Andere auch schon mal die Knochen bricht. Die verblüfften Gesichter der Gestaltwandler schauen uns dabei erstaunt zu und irgendwann ist der Knoten gelöst und es gelingt ihnen sogar, immer dann, wenn ein Scharfschütze wie Fallobst von einem Kirschbaum runter kracht, trotz ihrer elenden Situation uns aus Dankbarkeit zu applaudieren. Plötzlich sieht man sie sogar vereinzelt lachen oder lächeln. Offenbar ahnen sie, dass ihre Zeit der Bürden hier auf dieser Welt sich dem Ende nähert. Bereitwillig und ohne Gegenwehr lassen sie sich per Truppentransporter aufs Schiff bringen, wo wir sie in die entsprechenden Gefrierkammern legen.

 

* * *

Das Universum in dir
Eine etwas andere Naturgeschichte
von Neil Shubin

11.

Glücklicherweise lagen die Expeditionen, die schließlich stattfanden, in den Händen von Farish, Bill und Chuck. Gemeinsam konnten die drei auf ungefähr 60 Jahre Felderfahrung zurückblicken und hatten sich durch harte Arbeit ein umfangreiches Wissen darüber erworben, wie man unter den unterschiedlichsten Bedingungen im Feld zurechtkommt. Natürlich hatten wir kaum Erfahrungen, die uns auf dieses Unternehmen hätten vorbereiten können. Oder wie ein berühmter Expeditionsleiter einmal zu mir sagte: »Es geht nichts über deine erste Reise in die Kälte.« In jenem ersten Jahr in Eisland lernte ich vieles, was mir elf Jahre später, als ich anfing, meine eigenen Expeditionen zu organisieren, von Nutzen sein sollte. Ich hatte undichte Lederstiefel, ein kleines, gebrauchtes Zelt und eine riesige Taschenlampe mit in das Land von Schlamm, Eis und Mitternachtssonne gebracht; damit hatte ich in jenem ersten Jahr so viele Fehlentscheidungen getroffen, dass mir – um weiter lächeln zu können – nichts anderes übrig blieb, als im Kopf immer wieder mein eigenes Motto zu wiederholen: »Tu’ nie etwas zum ersten Mal.«

„Ich schneide mir meinen Schwanz ab montiere ihn an deinen er gehört uns

beiden.“

„Ich nehme ein Auge raus schenke es dir.“

„Ich schenke dir einen halben Quadratmeter meiner Haut.“

„Ich mag deine Haut!“

„Du kannst noch mehr davon haben!“

„Ich mag deine Haut!“

„Nimm sie dir!“

„Nimm so viel du willst!“

„Ich schneide meine Locken ab schenke sie dir wir wachsen zusammen komm

wir wachsen zusammen!“

„Ja!“

„Wir wachsen zusammen!“

„Ich schneide mir mein Herz heraus schenke es dir!“

„Komm tanz mit mir!“

Wir tanzen.

Wir singen.

Wir lachen.

Ivan.

Mir gefällt alles an ihm alles alles.

Komm mach deine Augen wieder auf mach sie auf komm ich helfe dir öffne deine

Beine.

Nicht so hektisch langsam langsam nicht dass das Fleisch wieder auseinanderfällt

es ist schwer von hinten in dich einzudringen wenn du dich dauernd zur Wehr

setzt halte still.

Dein schöner schöner Mund ganz ohne Zähne gebaut mein Fleisch geht in dein

Fleisch über mein Herz nimmt sich dein Herz nichts trennt uns aufreißen

eindringen verschlingen wir beide zusammen wir bleiben zusammen.

* * *

Am Ende durchforsten wir jede der Städte, jeden Landstrich, jedes nur erdenkliche Versteck in welchem die Siedler vielleicht noch einige Gestaltwandler festhalten. Wir befreuen diese aber nicht nur, sondern entwaffnen auch ihre Peiniger und vernichten ihre Waffen und binden sie mit Kabelbindern an allen nur erdenklichen Stellen fest, damit sie mal am eigenen Lebe erfahren, wie es ist, wenn man hilflos ist und sich nicht wehren und befreien kann. Unsere Maschinen und Androiden werden lautstark beschimpft und bespuckt, wehren und Gewalt ausüben können sie nun nicht mehr. Sobald wir das Sonnensystem verlassen werden und die Fesseln sich wieder auflösen, können sie sich ja gerne gegenseitig massagrieren, mir soll es recht sein. Es ist fast so, als wenn die gesamte menschliche Bevölkerung, bzw. die Nachkommen der Siedler, die hier ursprünglich notlanden mussten, im Laufe der Jahre korrumpiert wären. Es klingt zwar hart, aber ich weine diesen Menschenabkömmlingen keine Träne nach. Zuviel schlechtes habe ich von ihnen tun sehen. Ich schäme mich, dass eine komplette Menschengeneration sich in eine solche Richtung entwickeln konnte. Warum hat nicht ein Teil dieser Menschen dagegen aufbegehrt und sich widersetzt? Man kann ja über die Gestaltwandler denken, was man will, dass sie nicht menschlich seien und nicht zu den Menschen passen würden, nicht in die menschliche Gesellschaft oder Gemeinschaft. Aber sie dann so zu behandeln, als wären sie schädliches Ungeziefer, das geht eindeutig zu weit. Gerne hätte man die Gestaltwandler ja in einer Art Reservat weit weg von menschlichen Siedlungen, sich selbst überlassen können. Und solange diese keinen Streit oder Krieg beginnen würden, gibt es einfach kein Grund gegen sie vorzugehen. Schon gar nicht bei einer solch riesigen Fläche, die dieser Planet zu bieten hat. Aber nun ist die Sache ja gegessen und wir werden die Gestaltwandler woanders ansiedeln, wo man sie willkommen heißen wird oder zumindest einfach in Ruhe ihr Leben leben lassen wird. Bin gespannt, was PanPan-Isote für diese Lebensform für eine Idee hat?

 

* * *

Das Universum in dir
Eine etwas andere Naturgeschichte
von Neil Shubin

12.

Den nervenaufreibendsten Augenblick auf dieser ersten Reise erlebten wir, als wir den Ort für unser Basislager aussuchten; eine Entscheidung, die wir auf die Schnelle während eines Hubschrauberfluges treffen mussten. Mit jeder Drehung des Rotors fliegt Geld aus dem Fenster – ein Helikopterflug in der Arktis kann bis zu zweieinhalbtausend Euro pro Stunde kosten. Angesichts eines normalen Paläontologenbudgets, das sich eher für ramponierte Pickups als für teure Hubschrauber des Typs Bell 212 Twin Huey eignet, darf man da keine Zeit verlieren. Sobald wir uns über einer  vielversprechenden Stelle befinden, die wir zuvor auf den Karten im Labor gefunden haben, gehen wir schnell eine Checkliste wichtiger Eigenschaften durch, bevor wir aufsetzen. Es ist eine lange Liste: Wir müssen ein trockenes, flaches Stück Land finden, das trotzdem nahe genug am Wasser liegt, damit wir den täglichen Bedarf im Camp befriedigen können. Gleichzeitig muss es weit genug landeinwärts liegen, damit die Wildtiere nicht zum Problem werden, muss windgeschützt sein und sich außerdem in der Nähe des freiliegenden Gesteins befinden, das wir untersuchen wollen.

„Du darfst mich töten wenn du mich liebst.“

„Du hast keine Ahnung!“ war meine Antwort.

Beine ausreißen wieder einsetzen ausreißen wieder einsetzen bis sie taub

geworden und mit Stofffetzen füllen dann schieße ich Ivan in den Kopf.

Ihn töten.

Ihn töten Teile von ihm nehmen.

Ich nehme nur Teile von ihm und baue weiter.

Laufe hinaus auf die Straße überall liegen Kirschkerne Berge von Kirschkernen

Berge toter Menschen am Himmel die Geier.

Ziehe mich aus will so viel Haut fühlen wie ich kann dringe in sie ein so tief ich

kann verschlinge sie lege sie übereinander die Körper wieder anwärmen und

schiebe mich dazwischen.

Bin ich glücklich!

Nehme Teile von ihnen mit nur Teile die Toten einsammeln meine Hände warm.

Ivan.

Streife durch leere Häuser schlage an Fensterscheiben „Wo seid ihr?“

„Wo?“

„Wie lange noch?“

„Wie lange?“

„Sagt!“

„Warum bin ich noch nicht tot?“

Scharfschützen tauchen auf ich knie vor ihnen nieder „Ich bitte euch schießt mir

in den Kopf ich bitte euch!“ sie gehen einfach weiter.

Rufe ihnen hinterher „Warum schießt mir keiner in den Kopf?“

„Warum?“

„Wie lange noch?“

„Ich möchte auch tot sein.“

„Möchte auch tot sein.“

Scharfschützen richten ihre Waffen auf uns die Bevölkerung wollen die Menge in

eine Ordnung bringen „Es sind noch so viele!“

* * *

Nachdem wir den gesamten Planeten gescannt und abgegrast haben, sind wir uns ziemlich sicher, keines dieser aus Eiern geschlüpften Lebewesen auf dem Planeten zurück gelassen haben. Nachdem wir den Planeten wieder verlassen haben teilt mir mein Puma mit, dass PanPan-Isote uns einen Gestaltwandler ins Sonnensystem schicken wird, dessen neu entwickelte Arche technisch so ausgerüstet sei, um damit den Planeten nach weiteren Gestaltwandlern abscannen würde, so dass wir danach absolute Gewissheit hätten, dass wir niemanden dieser einzigartigen Lebensform zurücklassen würden. Fünfzehn Minuten später erscheint dann tatsächlich ein Schiff in unserem Orbit:

 

das entfernt an den Archen-Prototyp der Wasserwelter erinnert:

und ein Wesen namens Frruuggg erscheint auf unseren Monitoren:

„Liebe Milena, ich soll Euch beste Grüsse von PanPan-Isote überbringen, der mich beauftragt hat, Euch bei der Rettung meiner Artgenossen zu unterstützen. Aber offenbar habt ihr alle Überlebenden bereits von der Oberfläche des Planeten isoliert.

„Richtig, lieber Frruuggg, ich danke dir für die Grüsse und dass es dich gibt ist für mich eine echte Überraschung!“

„Ja, für mich ist es auch eine Überraschung gewesen, als mich unser gemeinsamer Freund PanPan-Isote irgendwann aufgeweckt hat und ich ins Gesicht eines Pumas schauen musste, der mit mir sprach und mir mitteilte, dass er mich aus den Klauen der MARTURA-KONDIANZ gerettet hat, nachdem meine Arche im Kampf explodierte und meine Rettungssonde in die ich mich flüchten konnte, dabei beschädigt wurde.“

„Davon weiß ich gar nichts, aber die MARTURA-KONDIANZ haben wir inzwischen mit Hilfe PanPan-Isotes ruhigstellen können. Die gewaltige Flotte von Milliarden von Trägerschiffen wurde dabei von PanPan-Isote dabei zwischen zwei Galaxien transferiert, so dass von dieser vorerst keine Gefahr mehr ausgeht.“

„Weiß ich schon, hat mir das Pumawesen genauestens erklärt.“

„Du weißt, dass es am Ende nur noch das Eigelege auf diesem Planeten hier gab, dessen Besitzer sich für dessen Exsistenz geopfert hat?“

„Ja, Milena, habe ich auch erfahren. Und dass es nur noch zwei Gelege gibt, die übrig sind. Das eine, das hier jetzt in Teilen von Euch gerettet wurde und das meinige, welches ich mit in meine Rettungssonde genommen habe, bevor meine Arche vernichtet wurde.“

„Von deiner Existenz habe ich bis vor zwei Stunden gar nichts gewusst. Ich hoffe dein Gelege ist in Sicherheit. Und für das Verhalten meiner Artgenossen auf diesem Planeten kann ich mich nur entschuldigen. Ich wusste ja immer, das Menschen zu sehr viel Schlechtem fähig sind, aber was sich unsere menschlichen Siedler hier geleistet haben, ist gar nicht in Worte zu fassen, lieber Frruuggg!“

„Mach dir nichts draus, Milena, auch unser Volk hat in der Vergangenheit einige Dinge getan, auf die ich nicht stolz bin, mit meinem Dahinscheiden wäre ja davon auch nichts mehr zum Überliefern übrig geblieben, so aber muss auch ich mit einer solchen Schuld meines Volkes weiterleben, wie auch du, Milena. Was mein Gelege angeht, so verbleibt das zur Sicherheit in den Händen von PanPan-Isote. Darauf habe ich mich mit ihm geeinigt. Deshalb wollen wir mit vereinten Kräften versuchen aus den Geretteten wieder ein überlebensfähiges Volks zu machen. PanPan-Isote meinte, er hätte sich darum gekümmert, dass Einhundert Archen gebaut würden und wir vorerst in einem Sonnensystem, in dem es neben einer Wüstenwelt und einer Wasserwelt, die diese Einhundert Schiffe bauen würden, noch eine Dschungelwelt gäbe, auf die niemand Anspruch erhebt, weil deren Atmosphäre für Euch Menschen giftig sei.“

„Stimmt, dort gab es zwar auch eine Siedlung von Menschenabkömmlingen, auf die wir ebenfalls nicht gerade stolz sind, aber die wurden ans andere Ende der Milchstrasse transferiert, wo sie nun einen anderen Planeten bewohnen.“

„Aha, für uns Gestaltwandler heißt es ja jetzt auch, dass wir nach Norden der Milchstrasse umziehen, dort wo sich die Dschungelwelt befindet. Hier im Süden gibt es für uns ja auch nichts mehr zu holen, nachdem die Roboterkultur unsere Welten zerstört haben.“

„Ist klar, Frruuggg, unser Schiff wäre dann auch bereit zur Abreise. Sollen wir deine Arche in unser Schiff holen?“

„Das ist sehr nett von dir, Milena, aber diese Arche, in der ich mich befinde, ist eine ganz besondere, ein Einzelstück sozusagen. Im Grunde könnten wir damit sogar Euer Schiff huckepack transportieren und direkt ans andere Ende der Milchstrasse reisen, du wärst echt erstaunt, was sie alles leisten kann.“

„Das bin ich jetzt schon. Von mir aus können das gerne so machen, dann sparen wir uns den Weg zum und von den Transmittertoren des Kollektivs. Was müssen wir tun, um mit dir huckepack zu reisen?“

„Im Grunde brauche ich nur die Koordinaten des Sonnensystems im Norden der Milchstrasse. Dann spannt meine Arche ein Feld auf, das auch Euer Schiff umschließt und schon geht es los!“

„Na dann los. Meine KI-Partnerin hat dir soeben die Koordinaten transferiert!“

(wird fortgesetzt!)

Copyright © 2017 by Felis Breitendorf & Conchita Mendés„KRIEGER SEIN BRUDER SEIN – Manifest 47“ Copyright © 2015 by Michaela Falkner –  Mit freundlicher Genehmigung der Autorin, © 2015 by (Michaela) Falkner – ungekürzter Text auch als PDF

Bildrechte: AbenteuerMilenaHimikoKomore” (AbenteuerMilenaHimikoKomore11.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/ 

und: weitere Grafiken im Text von:

WhiskeySierra Grafics

 

Bildrechte: Die Raumfahrerin” (Raumfahrerin 22,5mm hoch.jpg) © 2013 by Detlef Hedderich/sfbasar.de

 

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BUCHTIPP DER REDAKTION:


Der Fisch in uns (Kartoniert)
Eine Reise durch die 3,5 Milliarden Jahre alte Geschichte unseres Körpers
von Shubin, Neil

Medium: Buch
Seiten: 288
Format: Kartoniert
Sprache: Deutsch
Erschienen: April 2009
Originaltitel: Your Inner Fish
Maße: 188 x 125 mm
Gewicht: 254 g
ISBN-10: 3596174422
ISBN-13: 9783596174423

Beschreibung
Wussten Sie, dass sich Ihre Zähne aus dem Panzer haiähnlicher Fische entwickelt haben? Und wussten Sie auch, dass Ihre Hände und Füße von einer Fischflosse abstammen? Der preisgekrönte Paläontologe Neil Shubin, der selbst spektakuläre Fossilien entdeckt hat, erzählt die spannende Geschichte unseres Körpers und seiner Evolution und zeigt, warum wir so aussehen, wie wir aussehen.

Autor
Neil Shubin ist Paläontologe und Leiter des Instituts für organische Biologie und Anatomie an der University of Chicago. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Beiträge, die in renommierten Fachzeitschriften wie Nature und Science erschienen sind. Mit zwei Kollegen gelang ihm die sensationelle Entdeckung eines Fossils, das den evolutionären Übergang von Fischen zu Landwirbeltieren belegte. Im April 2007 war er Fellow der American Academy in Berlin.

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