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DAS 5. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 18) von Felis Breitendorf, Susan Ott & Conchita Mendés

DAS FÜNFTE ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE

Episodengeschichte (Teil 18)

von

von Felis Breitendorf, Susan Ott & Conchita Mendés

Vorlektorat: Barbara Wegener / Hauptlektorat: Detlef Hedderich / Schlusslektorat: Günter Maria Langhaus

(Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Fortsetzung Teil 2 zur Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children”, mit freundlicher Genehmigung des Rezensenten Gerhard Fröhlich.)

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(Zum vorherigen Teil)

Virtuelle Welt 5. Teil

Der Stock wirbelte immer stärker in dem Loch umher, bis er auf einmal daraus hervor geschossen kam, an den beiden vorbei durch die Luft flog und irgendwo nach unten verschwand. Das Loch indessen hatte sich auf merkwürdige Weise verändert: – Es sah nun gar nicht mehr wie ein großes Astloch oder wie der Eingang eines Bienen- oder Wespennestes aus. – Viel eher schon wie ein seltsames ledriges Gebilde, das irgendwie zu atmen schien; so als würde es selbst leben. Und tatsächlich bewegten sich da die schwulstigen Ränder des Loches und formten – wie die Lippen eines Mundes – einige Laute oder Wörter. Ashne und Baldar lauschten beide mit aufgerissenen Augen und Mündern…:


…UHHAHH…UUHHHAAHHHH … SOOOO LANGE WAR ICH FORT UND HAB’ GESCHLAFEN! …

WER WAGT ES MICH ZU WECKEN … ?

Ashne, die sich eben noch zitternd an ihren Bruder geklammert hatte, wandte sich – fast schon wieder frech – erneut dem merkwürdigen Loch zu.

Nachdem sie etwas näher daran herangerückt war, veränderte sich der lipprige Baummund erneut: Zuerst schloss er sich, danach verformte er sich auf merkwürdigste Weise und wurde schliesslich zu einem augenlidähnlichen Gebilde, das sich hob … –

Ein gewaltiges, blaues Auge kam zum Vorschein und Ashne gab einen erschrockenen Laut von sich, hielt sich aber die rechte Hand vor den Mund und schaute mutig in das riesige Ding, das sie müde anschaute und irgendwie abzuschätzen schien. –

Wer bist du?, entfuhr es ihr.

Was bist du?, wollte Baldar wissen.

Da schloss sich das Auge; und als es sich wieder geöffnet hatte, war es wieder zu dem Mund geworden; der ihnen antwortete: OHH, OOHH, IHR KENNT MICH ALSO WIRKLICH NICHT!? HAB’ ICH DENN TATSÄCHLICH SO LANGE GESCHLAFEN … ?

Das Mädchen und der Junge schauten sich stumm an, zuckten kurz mit ihren Schultern und verzogen ihre Gesichter zur Geste der Unwissenheit.

NA GUT, ICH WILL EUCH SAGEN, WER ICH BIN!, erklärte ihnen der Mund: ICH BIN NÄMLICH – MÜSST IHR WISSEN – `BRADLAKAKA’, DER `BAUMGEIST’ DER FRÜHEREN WÄLDER, DIE SICH HIER EINMAL VOR LANGER, LANGER ZEIT AUF DEN WIESEN UND HÜGELN, BIS WEIT IN DEN NORDEN HIN, ERSTRECKTEN…

Als der Baummund geendet hatte, schloss er sich kurz, worauf das große blaue Auge wieder zum Vorschein kam.

Aufgeregt und fast überschäumend vor Begeisterung und Eifer fragte das Mädchen: … und du bist ein richtiger Baumgeist? – Ich dachte immer, so etwas gäbe es nicht wirklich, höchstens im Märchen?! …

Wieder wechselte das Auge zum Mund und sagte: … JA, MEIN KIND, ICH BIN TATSÄCHLICH EIN RICHTIGER BAUMGEIST. FRÜHER WAR ES MEINE AUFGABE, HIER FÜR ORDNUNG ZU SORGEN; ABER DAS IST SCHON LANGE, SEHR LANGE HER … !

Wie alt bist du denn eigentlich?, fragte Baldar den Baumgeist.

OH, SEHR ALT; SO ALT, DASS ICH ES SELBST SOGAR SCHON NICHT MEHR WEIß  …

Die Neugierde der Kinder schien unerschöpflich, und so ging das Fragen und Antworten noch sehr lange weiter, bis es schließlich irgendwann zu dunkeln anfing und Ashne und Baldar nach Hause mussten.

Himiko und Mantana und das Kollektiv (Teil 5)

Als wir den Planeten betreten, habe ich das Gefühl unter Leuten zu sein, die eine fast natürliche Art haben, anderen ihre Freiheit zu lassen und für die der Begriff Toleranz nicht nur eine Floskel ist. Wir werden von Omega Killilus und ihrem Ururenkel Sebastian Fantanamas empfangen. Ich hatte mir so meine Gedanken gemacht, darüber, wieso uns die Gemeinschaft des Kollektivs so herzlich empfangen hat und uns so wenig Misstrauen entgegenbrachte. Das muss wohl damit zu tun haben, dass das Kollektiv schon sehr viele Jahre Erfahrung hat mit dem Verfahren, wie man fremden Kulturen das Gefühl gibt, willkommen zu sein. Mich würde interessieren, ob es in all den Jahren nicht auch Fälle gegeben hat in denen dieses Vertrauen missbraucht worden war. Ich gehe davon aus, dass das Kollektiv – abgesehen von der Aussicht, ewig zu existieren – den Angreifern auch auf andere Weise klargemacht haben dürfte, dass hier eine Invasion sinnlos weil zwecklos ist, das Kollektiv also noch etwas in der Hinterhand hat, was ihnen dabei geholfen hat, auch den noch so aggressivsten Eroberer handzahm zu machen.

Ich werde auf jeden Fall diesen Fragenkomplex irgendwann mal zur Sprache bringen. Ein anderer Grund für die Freundlichkeit des Kollektivs dürften unsere menschlichen Nachkommen auf diesem Planeten sein. Wenn man mit einer anderen Lebensform auf so engem Raum in einer gedanklichen Vernetzung, wie es hier der Fall ist, seit fast 1000 Jahren zusammenlebt, lernt man soviel über diese Wesen, dass man offensichtlich weiß, wie man sie im Falle eines Kontaktes zu nehmen hat. Was dem Kollektiv zugespielt haben dürfte, ist wohl der Umstand, dass ich selbst und auch meine Partnerin keine typischen Menschenvertreter sind, schon gar keine wie die sonst so typischen Vertreter des VPS-Militärs. Aber offenbar hat man im Rat der VPS auf den Rat der KIs gehört, die in vielen Belangen dem Misstrauen des VPS-Militärs entgegengewirkt haben dürften. Das vor allem dann, wenn es um Entscheidungen in Bezug auf das Handeln meiner Person oder der KIs ging, die  ja sozusagen alle immer in Person MANTANAs in Erscheinung treten. Soviel Kompetenz dürfte dann auch den Rat der VPS überzeugt haben um auf den Instinkt von mir und dem der KIs zu vertrauen. Denn – ohne jetzt überheblich zu klingen – finde ich, dass MANTANA und meine Wenigkeit ein hervorragendes Team abgeben. Wir werden schließlich zu unseren Ahnenvertretern geführt, die uns offenbar als eine Art Fremdenführer-Duo zur Verfügung stehen.

Wir werden von den beiden Nachkommen der menschlichen Siedler wirklich herzlich begrüßt und auf unseren Wunsch hin zeigen sie uns ihre Stadt. Wir erfahren eine Menge über das Leben in dieser Gemeinschaft, unter anderem auch, dass der Planet der neuen Heimat aus sechs Kontinenten besteht, auf denen sich jeweils sechs Distrikte befinden, wobei jeder Distrikt wiederum sechs großstädtische Bereiche besitzt. Man erklärt uns den Hang zur Zahl 6 damit, dass die Ureinwohner vor Hunderttausend Jahren offenbar über sechsfingrige Hände verfügt haben, allerdings lebten Sie damals noch auf Minerva und die alte Heimat hatte auch nur vier Kontinente. Aber auf Minerva gab es schon zu Beginn der Kultur der Urahnen diese sechs Distrikte die jeweils über sechs großstädtische Zentren verfügten, was sich aus der Tatsache entwickelte, dass man eine bestimmte Menge an großen Sternentoren fand, so dass man damals die Städte um die Sternentore herum aufbaute. Die Sternentore, die man auf dem neuen Heimatplaneten fand, waren baugleich mit denen der alten Heimat. Offenbar hatten die Erbauer der Sternentore bereits ihre Städte nach diesem Prinzip ausgerichtet. Jedenfalls ergaben das die Funde ihrer Hinterlassenschaften. Hier auf dem Planeten der Neuen Heimat „New Minerva“ genannt, hatte man sich ähnlich eingerichtet und bevor es auf dem Planeten der alten Heimat zur Bombardierung durch einen riesigen Schwarm von Kometen kam, der schließlich die alte Heimat komplett unter Wasser gesetzt hat, war man großzügig bei der Mitnahme von Materialien in die neue Heimat, so dass man nicht ganz bei Null anfangen musste. Der Stadtkern der unseren menschlichen Botschaftern als Heimat dient, ähnelt den der anderen fünf Großtädten dieses Distrikts wie ein Ei dem anderen, jedenfalls aus meiner bescheidenen Sicht.

Das Leben hier ist hauptsächlich durch Androiden bestimmt und nur die wenigsten Personen sind biologischen und /oder menschlichen Ursprungs. Auch finden sich viele Roboter – offenbar die Standard-Arbeitsroboter hier in der Gemeinschaft – die einem bei vielen technischen Problemen hilfreich zur Hand gehen und überall herumsitzen und stehen.

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Das ist deshalb so, so wird uns erklärt, weil viele Spezialisten sich mit ihren Bewusstseinen in sogenannten Kristallclustern binden würden und nicht in Androiden. Da man aber die Roboter von den Clustern aus fernsteuern könne, würde das auch zumeist so genutzt. Dadurch seien diese überall herumsitzenden und stehenden Roboter so etwas wie wandelnden Fachkräfte, Handwerker und Spezialisten für alle möglichen Belange. Egal welche Fragen oder Aufgaben man ihnen stellt, haben sie immer eine Lösung parat, denn hinter den Robotern stehen jeweils immer reihenweise Spezialisten aus den Clustern, die auf diese Art der Gemeinschaft dienen. Also im gewissen Sinne eine Nutzung der sogenannten Schwarmintelligenz. Für jedes noch so seltsame oder obskure Problem finden sich in den vielen Milliarden Bewussteinen der Gemeinschaft immer irgendwelche Personen, die einem weiterhelfen können. Wenn man allgemeine Fragen hat, die allgemeines Wissen angehen, können diese Fragen auch an das Netz aller Bewusstseine gestellt werden und man bekommt sogleich eine adäquarde Antwort. Da es seit der Entdeckung der Truhen, wie man allgemein die Vorrichtungen nennt, in denen sich biologische Wesen zu Kristallen kompensieren lassen, schon immerhin 100.000 Jahre vergangen sind, ist die Zahl derer, die sich in diesem Netz aufhalten, immens hoch. Ein Teil der Bewusstseine haben sich dabei auf Ruheposition gestellt, sind also nicht ansprechbar. Ein anderer Teil befindet sich in virtuellen Welten, um dort ihr Leben zu verbringen, wobei es auch davon Millionen verschiedener gibt, die alles das bieten, was sich ein jeder wünschen oder nur vorstellen mag. Dabei sind die Existenzen, die sich in virtuellen Welten bewegen genauso akzeptiert, wie die Bewusstseine in den Clustern oder wie die in den Androidenkörpern.  Die Truhen, die einem jeden zu existenzieller Unsterblichkeit verhelfen können, befinden sich immer im Bereich der kleineren Tore, die nur für den städtischen Verkehr benutzt werden und durch die man zumeist zu Fuß oder mittels kleiner Schwebefahrzeuge unterwegs ist; eine weitere Hinterlassenschaft der Konstrukteure der Sterntore. Auf unserer Städtetour wird uns deshalb auch eine solche Truhenaktivität vorgeführt, da es immer kränkelnde oder altersbedingte biologische Wesen/Personen gibt, die lieber diese Existenz aufgeben, um danach in einem Androidenkörper, in einem der Cluster der Gemeinschaft oder in einer virtuellen Welt eine neue Existenz beginnen.

Wer diese Möglichkeiten irgendwann ausgelebt hat, wird sich im Laufe der Jahre wohl letztlich in einen der Cluster verlegen lassen, die sich dezentral unter den Städten befinden und immer mindestens eine Milliarde Individuen beherbergen. Auch die Arbeiten in den Erholungsparks werden überwiegend von den üblichen Robotern verrichtet, wobei auch hier wieder wieder Bewusstsein dahintersteckt, von denen das eher als Muse denn als Arbeit angesehen wird.

Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass es so etwas wie höhere künstliche Intelligenzen mit tatsächlichem echtem Bewusstsein in dieser Kultur nicht gibt. Da für jeder Art Arbeit und jede Funktion irgendjemand sich berufen fühlt, aus dem Heer der tausenden von Milliarden Individuen, die in den Clustern ihr Dasein fristen, gab es niemals eine Notwendigkeit dafür diese zu entwickeln. Fast alles was in der menschlichen Kultur von Computerprogrammen erledigt wird, ist hier eine Arbeit eines oder mehrerer der Bewusstseine aus den Clustern. Wenn etwas speziellen Sicherheitsoptionen unterliegt, wird dies durch Bewusstseine erledigt, wobei ein Bewusstsein das andere kontrolliert, wenn nötig auch als Kaskade von vielen dieser Bewusstseine hintereinander. Je nach dem wie hoch das Sicherheitsprivileg einer Funktion festgelegt oder eingeschätzt wird oder wurde. So wundert es nicht, dass selbst die Raumschiffe der Gemeinschaft von Bewusstseinen gesteuert werden. Aus diesem Grund ist der Abstand, den die Raumjets zum Planeten einnehmen, limitiert. Denn hier bildet ja bekanntlich die Lichtgeschwindigkeit, mit der die Befehle von den Kristallbewusstseinen aus den Clustern an die Jets gehen, eine Grenze. In Ausnahmefällen, wenn es etwa darum geht, einen der weiter entfernten Planeten, Monde oder Stationen des eigenen Sonnensystems anzusteuern, wird entweder diese Zeitverzögerung hingenommen und vorher die Steuerungselektronik dahingehend eingerichtet, etwa bei einem Rundflug innerhalb des Systems. Oder es wird ein entsprechender Kristall aus dem Cluster entnommen und direkt in einen jeweiligen Jet eingesteckt. In einem solchen Fall kann ein Jet auch mal unabhängig vom Cluster, also vom Hauptplaneten Flugmanöver ausführen, doch spätestens nach einigen Monaten muss der Kristall wieder in die Nähe des Hauptplaneten gebracht werden, da ansonsten der Kristall in einen Ruhezustand versetzt wird. Dieser Umstand und die Tatsache, dass die Gemeinschaft tatsächlich niemals so was wie eine eigenständig denkende KI entwickelt hat, beschränkt die Existenzen des Kollektivs auf den unmittelbaren Planeten in dessen LG2-Punkt sich das große Sternentor befindet, das offenbar einen bestimmten Einfluss auf die Kristalle ausübt. Bei Ausbauten auf fremden Monden im System hat man auch schon mal ein Transportschiff mit Arbeitsrobotern, eines der kleineren Tore und einem mobilen Cluster mitgenommen, so das dadurch der Zeitpunkt, bei dem die Kristalle in den Ruhezustand gehen, bis auf einige Jahre verlängert werden konnte. Woher die Wirkung für diese Fristen nun ganz genau stammt, hat man uns vorerst nicht konkret erklärt. Unsere Botschafterfreunde vermuten, dass es was mit den Clustern und ihrer Nähe zu den Toren zu tun hat. Und offenbar ist die Größe des Tores und die Menge der Cluster ausschlaggebend, wie lange dieser Zeitraum möglich ist, indem die Kristalle fernab des Hauptplaneten mit seinem großen Sternentor zufriedenstellend arbeiten. Die Kommunikation innerhalb des Systems obliegt dabei natürlich  immer auch der Lichtgeschwindigkeit, so das Aktionen fernab des Hauptplaneten zuweilen immer gut geplant und verlässlich durchgeführt werden müssen, wenn man kein Desaster ernten möchte. Doch dazu ist es laut unseren Botschafterfreunden in den letzen Jahrhunderten nicht mehr gekommen. Die Probleme traten nur sehr früh und in der Anfangsphase des Kollektivs auf und von da ab wurden solche Aktionen fernab des Hauptplaneten, in der alten Heimat immer bis ins Detail geplant und durchgeführt.

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5.

Gentechnologisch verbesserte Menschen

Moravec diskutiert zwar auch die Möglichkeiten der Gentechnik zur Optimierung der Menschen, insbesondere ihrer Gehirne und Stoffwechsel, hält aber diese Entwicklungsmöglichkeiten, insbesondere bei der Eroberung des Weltalls, für ungenügend. Von gentechnologisch verbesserten künftigen Menschen vermutet Moravec:

“Wahrscheinlich beständen sie nach wie vor aus Proteinen, und die Grundbausteine ihres Gehirns wären immer noch die Neuronen. In nicht-irdischen Umwelten ist Protein ein ungeeignetes Material. Es ist nur in einem schmalen Temperatur- und Druckbereich stabil, reagiert sehr empfindlich auf Strahlung, lässt viele Herstellungsweisen nicht zu und ist mit einer großen Zahl von Bauelementen inkompatibel” (ebd., 151).

Vor allem wären menschliche Gehirne – im Vergleich zu Computern – viel zu langsam. Selbst die denkbare Transplantation menschlicher Gehirne in speziell konstruierte Roboterkörper würde am letztgenannten Manko nichts ändern. Moravec sucht daher nach Möglichkeiten, “unseren Geist aus unserem Gehirn zu befreien” (ebd., 152).

2.2) “Seelenwanderung” als Computer- Transplantation

Ein Szenario einer solchen “Seelenwanderung” (ebd., 151) schildert der Autor fast wollüstig-schauerlich:
“Man hat Sie gerade in den Operationssaal geschoben. Ein Roboter in der Funktion des Gehirnchirurgen wartet auf Sie. Neben Ihnen steht ein Computer bereit, ein menschliches Äquivalent zu werden, wozu ihm nur ein geeignetes Programm fehlt. Ihr Schädel, aber nicht Ihr Gehirn, wird betäubt. Sie sind bei vollem Bewusstsein. Der Roboterchirurg öffnet ihre Schädeldecke und legt die Hand auf die Oberfläche des Gehirns. Diese ungewöhnliche Hand ist dicht bestückt mit einer mikroskopischen Apparatur, und ein Kabel verbindet sie mit dem mobilen Computer an ihrer Seite. Die Instrumente der Roboterhand tasten die ersten Millimeter der Hirnoberfläche ab. Hochauflösende magnetische Resonanzmessungen entwickeln eine dreidimensionale chemische Landkarte, während Gruppen magnetischer und elektrischer Antennen Signale auffangen, die über die zwischen den Neuronen zuckenden Impulse Aufschluss geben. In Verbindung mit einem umfassenden Verständnis der menschlichen Neuronenstruktur ermöglichen diese Messergebnisse dem Chirurgen, ein Programm zu schreiben, das das Verhalten der obersten Schicht des abgetasteten Hirngewebes simuliert. Dieses Programm wird in einem kleinen Bereich des wartenden Computers installiert und aktiviert.” (ebd., 152f.)

Nach gewissen Anpassungskontrollen durch den zu transplantierenden Geist selbst entfernen mikroskopische Manipulatoren die Zellen dieser abgetasteten Hirnschicht.

“Die Hand des Roboterchirurgen senkt sich um den Bruchteil eines Millimeters tiefer in Ihr Gehirn … Der oben beschriebene Prozess wird für die nächste Schicht wiederholt.. Schicht um Schicht wird das Gehirn zunächst simuliert und dann abgetragen. Schließlich ist Ihr Schädel leer, und die Hand des Chirurgen befindet sich tief in Ihrem Hirnstamm. Dennoch haben Sie weder das Bewusstsein noch den Faden Ihrer Gedanken verloren. Ihr Geist ist einfach aus dem Gehirn in eine Maschine übertragen worden. In einem letzten unheimlich anmutenden Schritt nimmt der Chirurg seine Hand aus Ihrem Schädel. Ihr plötzlich sich selbst überlassener Körper verfällt in Krämpfe und stirbt… Ihr Geist ist jetzt an den glänzenden neuen Körper angeschlossen, dessen Form, Farbe und Material Sie selbst ausgesucht haben.” (ebd., 154)

Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children” von Gerhard Fröhlich*

*Für Anregungen und kritische Diskussionen des zugrundeliegenden (hier gekürzten, Anm.) Manuskripts, face-to-face oder per e-mail, danke ich Gerhard Dirmoser, Klaus Feldmann, Werner Höbart, Roland Lehner, Elisabeth Parzer, Richard Paulik. Die ungekürzte Fassung dieses Artikels ist einzusehen unter:

http://www.iwp.uni-linz.ac.at/lxe/wt2k/pdf/TechnoUtopUnsterb.pdf

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Virtuelle Welt 6. Teil.

An den folgenden Tagen kamen sie so oft es ging wieder, das heißt, wenn es ihre Zeit erlaubte; denn die beiden Kinder mussten bereits mit auf den Feldern helfen und hatten auch auf dem Hof und im Hause ihre festen Arbeiten zu verrichten.

Schließlich wurde der Baumgeist zu einer regelmäßigen Einrichtung, zu einem festen Bestandteil ihres Lebens, mit dem die Kinder den grössten Teil ihrer freien Zeit verbrachten.

Bradlakaka lehrte sie beide eine Menge Dinge, doch das meiste davon mussten sie für sich behalten und durften es niemandem erzählen, den anderen Kindern nicht, und vor allem nicht den Erwachsenen.

Schließlich sollte es ihr Geheimnis bleiben, und so veränderten sich die Beiden und wurden mit der Zeit zu klugen, ideenreichen jungen Menschen.

Eines Tages jedoch, als Ashne und Baldar wieder einmal mit Bradlakaka über alles mögliche gesprochen hatten, erklärte ihnen der Baumgeist, dass er bald schon für immer schlafen werde, da er so müde und eigentlich auch schon viel zu alt sei. Aber zum Abschied wollte er ihnen noch ein Geschenk überreichen.

Und als Bradlakaka seine Zunge aus seinem Mund herausschob, lagen darauf zwei glitzernde Ringe.

Ein goldener mit einem roten Stein in einer goldenen Einfassung und ein silberner mit einem blauen Stein in einer silbernen Einfassung. Beide Steine funkelten geheimnisvoll und überirdisch schön, das Licht der Sonne in allen Farben reflektierend.

Himiko und Mantana und das Kollektiv (Teil 6)

 Auf meine Frage an unsere beiden Botschafter, wie es denn mit den Künsten aussehen würde in dieser Gesellschaft, führt man uns einige Aktivitäten der Planetenbewohner vor. Als erstes machen wir Bekanntschaft mit der Kunst des Malens.

Zwei menschliche Vertreter des Kollektivs in Form von Robotern sowie Menschenabkömmlinge und Androidin auf einer von mir gemachten Aufnahme:

Es gibt auch Bewunderer des weiblichen Androiden-Geschlechts. Und offenbar hat sich auch eine uralte menschliche Geste hier durchgesetzt. Oder sie bedeutet hier vielleicht auch ganz etwas anderes?

Die Kunst der Bildhauerei als Teil der Kulturellen Identität:

Das Leben in und mit dem Kollektiv ist für mich etwas verwirrend: Einerseits sind alle Lebewesen, die zu Kristallen transformiert wurden, in diesen gefangen. Sie können aber aus den Clustern, in denen die Kristalle aufgereiht und eingesteckt sind, jeden nur denkbaren Roboter, jedes technische Gerät steuern oder sich in Form eines Teils einer Schwarmintelligenz in gemeinsamen Gedankenprozessen einbringen und dort auch Funktion in der realen Welt beeinflussen und übernehmen. Die Kristalle bieten den transformierten Lebewesen die verschiedensten Möglichkeiten um am realen Leben teilzunehmen. Entweder durch die besagten gemeinsamen gedanklichen Prozesse aber auch in kleineren Gruppen, die sich einer bestimmten Aufgabe verschrieben haben. Dabei wirken sie so auf die wirkliche Welt zurück, dass sie dort in Form der Standartroboter ins Geschehen eingreifen oder einfach nur hilfreich zur Verfügung stehen. Das Leben als kristallene Wesen bietet aber immer auch die Möglichkeit sich zurückzuziehen und /oder nur zu bestimmten Aufgaben der Gemeinschaft und dem Kollektiv zur Verfügung zu stehen. Eine Steigerung dieses Rückzugs  ist dann die völlige freiwillige Isolation um sich von dem Druck der Gemeinschaft zu befreien. Dann ist man überhaupt nicht mehr ansprechbar. Oder das Bewusstsein begibt sich in eine selbst konstruierte künstliche Welt oder Umgebung. Es gibt Abermillionen dieser künstlichen Orte, die man mit Einverständnis des jeweiligen Schöpfers und / oder Inhabers /Bewohners entweder besuchen darf oder auch nicht. Einige Bewusstseine, die zumeist schon über tausende von Jahren existieren, haben diesen Zustand als ihre normale Existenzebene auserwählt, leben schon sehr lange in ihrer künstlichen Welt und sehen dabei keinen qualitativen Nachteil gegenüber der existenten Welt mehr. Vielleicht muss man einfach auch nur sehr lange in so einer virtuellen Welt verbracht haben um diesem Unterschied seine Bedeutung zu nehmen. Jedenfalls gibt es unter den Bewusstseinen auch viele ehemalige Menschen/Siedler, vor allem auch diejenigen, die in der alten Heimat aufgefunden wurden und deren biologischer Körper nicht mehr gerettet werden konnten. Die sogenannten Truhen dienen nicht nur als Transformationsgeräte, in denen sich biologische Wesen „kristallisieren“ lassen können, sondern auch als Autodocs die laut Auskunft unserer Botschaftsfreunde für jegliche Lebensform vewendet werden können. In ihrere Funktion als Autodocs haben sie eine qualitative andere Bauweise und andere Möglichkeiten als die Autodocs, die man aus dem Menschenraum kennt. Bei Letzteren werden  Aufbesserungen und Ersatzorgane und Körperteile zumeist biologisch gezüchtet und dann versteckt angebracht, während die Truhen auf Anweisung hin auch schon mal großzügige Tendenzen zeigen, aus einem biologischen Wesen einen Cyborg oder eine Mensch-Maschine zu machen, bzw. eben auch aus nicht menschlichen Wesen das entsprechende Gegenstück. In dieser Gesellschaft trägt man seine technischen und mechanischen Bauteile mit mehr Selbstverständnis als man das im Menschenraum tut. So gesehen würde ich hier mit meinem künstlichen Arm bedeutend besser hineinpassen als im Menschenraum. Aber meine Existenz ist ja aus anderen Gründen eine, die die VPS gerne eher geheim halten möchte und das gilt auch für mich, denn meine sogenannte Aufrüstung ist da ja von einer ganz besonderen Qualität. Ist schon ungewohnt, dass mir solche Gedanken durch den Kopf gehen und dürfte in jedem Fall an der Andersartigkeit dieser Welt liegen, zu der ich mich intensiv hingezogen fühle. Trotzdem werde ich mich hier nur in einem Androidenkörper bewegen, was sich durch die Bedeutung, Einzigartigkeit und Wert des Artefakts in meinem künstlichen Arm letztlich von selbst erklärt.

6.

Der Computer entwickelt ein Modell der geistigen Aktivitäten

Moravec diskutiert auch noch andere, quasi ’sanftere’ Formen der Geist-Übertragung, etwa über das Corpus callosum, die massivste Fernverbindung des Gehirns zwischen rechter und linker Gehirnhälfte: Hier, so spekuliert er, könnte ein externer Computer zwischengeschaltet werden, der die Kommunikation zwischen den beiden Hemisphären abhöre und daraus ein Modell der geistigen Aktivitäten entwickle. Später mische sich der Computer in das Denken der betreffenden Person ein: “er stattet Sie (Moravec spricht die Leser in seinem Buch laufend suggestiv direkt an, G.F.) mit neuem Wissen und neuen Fähigkeiten aus. Wenn dann im Alter die Leistung Ihres Originalgehirns nachlässt, übernimmt der Computer nahtlos die absterbenden Funktionen.– Schließlich stirbt Ihr Gehirn, und ihr Geist befindet sich vollständig in dem Computer” (ebd., 156).

Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children” von Gerhard Fröhlich*

*Für Anregungen und kritische Diskussionen des zugrundeliegenden (hier gekürzten, Anm.) Manuskripts, face-to-face oder per e-mail, danke ich Gerhard Dirmoser, Klaus Feldmann, Werner Höbart, Roland Lehner, Elisabeth Parzer, Richard Paulik. Die ungekürzte Fassung dieses Artikels ist einzusehen unter:

http://www.iwp.uni-linz.ac.at/lxe/wt2k/pdf/TechnoUtopUnsterb.pdf

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Virtuelle Welt 7. Teil.

Bradlakaka erklärte seinen beiden Zöglingen, dass es sich bei den Geschenken um zwei Magische Ringe handele. Mit diesen könne man in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft schauen.

Außerdem verliehen sie ihren Trägern die Eigenschaft, von jedem, von dem sie wollten, die Wahrheit zu erfahren und dem anderen dabei das Gefühl zu geben, dass man einer Meinung sei. Zudem würden die Träger – wenn sie irgendwann das 30. Lebensjahr erreicht hätten – nicht mehr weiter altern. Funktionieren würde das alles aber nur, wenn die Träger Geschwister – Bruder und Schwester – wären. Und auch nur solange, wie sie noch unberührt blieben, das war die Bedingung dafür, sozusagen das Opfer.

Die Kinder nahmen die Ringe entgegen und schauten Bradlakaka an, der ihnen einbläute, die Zauberringe nur zu benutzen, wenn sie in Not gerieten, da mit der Verwendung auch ihre Zauberwirkung mit der Zeit immer schwächer und schließlich irgendwann die geballte Kraft der aufgehaltenen Alterung mit einem Schlage freigesetzt werden würde. Sparsamkeit war also erste Pflicht, und darüberhinaus sowieso ratsam, um nicht aufzufallen.

Baldar und Ashne waren völlig sprachlos …

Nachdem sie sich wieder einigermaßen gefasst hatten, versteckten sie auf Geheiß Bradlakakas die Geschenke in ihren Geheimtaschen innerhalb ihrer ledernen Gürteln, die sie auf Geheiß des Baumgeistes so modifiziert hatten, dass andere die Ringe nicht entdecken sollten.

Traurig schauten sie auf das große blaue Auge, das ihnen müde entgegenblickte.

Der Abschied von Bradlakaka war für die Zwei besonders schmerzvoll, und als sie auf dem Nachhauseweg waren, schwiegen sie beide. Keiner von ihnen wollte seine Trauer vor dem anderen zeigen, und doch sahen sie beide die Tränen in den Augen des anderen …

Auch die Sonne schien auf einmal traurig, irgendwie fehlte es ihr an Glanz und Leuchtstärke. Zudem schien sie heute auch früher untergehen zu wollen als sonst.

So sank sie tiefer, wurde rot und breit, und bald schon war sie nur noch ein schwach-glimmendes, schwammiges Gebilde am Horizont, das den Kampf um das Schwinden ihrer Form und Helligkeit längst verloren hatte …

Himiko und Mantana und das Kollektiv (Teil 7)

Die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen meiner Androidin und der meiner KI-Freundin machen es möglich, dass Außenstehende nicht mitbekommen, dass und  über was wir uns unterhalten. Jedenfalls frage ich MANTANA ob es nicht einmal an der Zeit wäre, festzustellen, wie weit weg sich die neue Heimat von der alten des Kollektivs befindet und welche Wegstrecke die Transmittertore am jeweiligen LG2-Punkt der beiden Systeme mit einander verbindet. MANTANA teilt mir mit, dass das schon geschehen sei und sie mit Hilfe der Rechenpower ihrer KI-Kolleginnen ausrechnen konnte, wo sich das Planetensystem, in dem wir uns momentan aufhalten, in Bezug zur alten Heimat befindet und wie wir durch das Sternentor hierher gereist sind.

Zum Verständnis hier erst einmal einige Daten dazu: Der Durchmesser  unserer Galaxis hat in etwa eine Spannweite von 100.000–120.000 Lichtjahren. Die Vertikale ist etwa 3.000–16.000 Lichtjahre stark, die weiter äußeren Zwerggalaxien jetzt mal nicht mitgerechnet. Die Sonne umkreist das Zentrum des Milchstraßensystems in einem Abstand von 25.000 bis 28.000 Lichtjahren (≈ 250 Em oder 7,94 ± 0,42 kpc)[18] und befindet sich nördlich der Mittelebene der galaktischen Scheibe innerhalb des Orion-Arms:

Die Zeichnung unten stellt den Aufbau des Milchstraßensystems schematisch dar. Das Zentrum ist im sichtbaren Licht nicht direkt beobachtbar, ebenso wie der hinter ihm liegende Bereich. Die Sonne (gelber Kreis) liegt zwischen den Spiralarmen Sagittarius (nach Sternbild Schütze) und Perseus im Orionarm. Vermutlich ist dieser Arm nicht vollständig, siehe braune Linie in der Abbildung. Im Verhältnis zu dieser unmittelbaren Umgebung bewegt sich die Sonne mit etwa 30 km/s in Richtung des Sternbildes Herkules. Der innerste Arm ist der Norma-Arm (nach Sternbild Winkelmaß, auch 3-kpc-Arm), der äußerste (nicht in der Abbildung) ist der Cygnus-Arm (nach Sternbild Schwan), welcher vermutlich die Fortsetzung des Scutum-Crux-Arms (nach Sternbildern Schild und Kreuz des Südens) ist.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Milchstra%C3%9Fe)

(Bildrechte mit freundlicher Genehmigung von: Von Milky_Way_Arms.svg: User:Rursusderivative work: Andys (talk) – derived from Milky_Way_Arms.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7008238)

Da sich die alte Heimat etwa bis auf 1000 Lichtjahre weiter zum äußeren Rand hin innerhalb des Orion-Arms befindet, gemessen vom Solsystem aus, ist sie vom Galaktischen Zentrum nicht wesentlich weiter entfernt als Sol. Da die Milchstrasse im Mittel etwa einen Radius von 55.000 Lichtjahren besitzt, sind das etwas mehr als die Hälfte der Wegstrecke zum äußeren Rand der Galaxis. Die Neue Heimat befindet sich also laut MANTANA innerhalb des Beobachtungsschattens und auch etwa 20.000 Lichtjahre zum gegenüberliegenden Südrand der Galaxis. Die Wegstrecke von der alten zu neuen Heimat dürfte demnach etwa zwischen 65.000 bis 70.000 Lichtjahre betragen. Genauer geht es im Moment nicht, weil die Neue Heimat wie gesagt im Beobachtungsschatten im Südviertel der Milchstrasse aus Sicht des vom Menschen besiedelten Raums innerhalb des Orion-Arms liegt. Erst wenn wir uns mittels eigener Kraft mal zwischen diesen beiden Sonnensystemen mit unserem Rochenschiff bewegen, stehen die genauen Daten dafür zur Verfügung, wobei wir beim ersten Flug diesen auch immer wieder in Etappen hinter uns legen müssen, um das alles zu vermessen, danach kann unser Schiff diese Strecke dann auch in einem Sprung zurücklegen. Für diese Entfernung, für die man mit einem Standartschlachtschiff der VPS mit Höchstgeschwindigkeit in ein Sternentor eintreten müsste, würde es dennoch einige Monate im Hyperraum unterwegs sein. Andere Schiffe mit Hyperraumkonverter, die es ja auch gibt und die die Hyperraumtore nicht verwenden können, sind diese Entfernungen quasi unerreichbar, da man auf diese Weise bestimmt Jahre unterwegs wäre und diese Strecke wohl kein eingebauter Konverter unbeschadet überstehen würde. Unser Rochenschiff mit seiner unbegrenzten Energiemenge des Artefaktes in meinem künstlichen Arm und seinem Quantensprungantrieb ist dabei eindeutig im Vorteil. Wobei eine solche Entfernung nur von unserem Schiff nach der Kartierung an einem Stück zurücklegbar wäre, da andere Gefährte zwischendrin einiger Wartungen und Energieaufladungen bedürften. Vielleicht ginge es auch mit einem bis an die Grenzen aufgeladenen anderen Mantaschiff, aber wahrscheinlich nicht einmal mit einem solchen. Die neue Heimat befindet sich demnach im Crux-Scutum Seitenarm im Süden unserer Galaxis. Dieser Arm wird auch Centaurus-Arm genannt und dürfte ähnliche Eigenschaften haben wie unser Orion-Arm. Meine Bewunderung für die Sternentransmitter am LG2 Punkt der beiden Sonnensysteme – Alte und Neue Heimat des Kollektivs hat sich damit vervielfacht. Unvorstellbar diese Distanz von  70.000 Lichtjahren.

*  *  *

7.

Wenn Menschen Computer wären, könnten sie schneller denken

2.3) Die Verwandlung von Materie in Geist: Die post-biologische Superzivilisation und ihr Preis

Nach erfolgter “Geistübertragung”. sind viele bisher unüberwindbare Grenzen obsolet. Moravec zeichnet eine Welt der unbegrenzten (geistigen) Möglichkeiten:

•          Die “Denk”-geschwindigkeit des Computers, bisher auf menschliche Langsamkeit eingestellt, könne vertausendfacht werden. Statt Sekundenbruchteilen würden subjektiv Stunden zum Denken zur Verfügung stehen:

“Während ein Gegenstand zu Boden fällt, haben Sie die Zeit, sich zu überlegen, welche Vor- und Nachteile es hat, ihn aufzufangen, vielleicht sogar, um die Differentialgleichungen seiner Bewegung zu lösen. Sie werden die Zeit haben, einen eingespeicherten Benimm-Ratgeber zu lesen und zu analysieren, wenn Sie sich in einer schwierigen gesellschaftlichen Situation befinden….Grundsätzlich hätten Sie bei jedem alltäglichen Problem die Zeit, einen theoretischen Aufwand zu treiben, den man heute noch als mittleres Forschungsunternehmen betrachten würde.” (ebd., 159)

Würde diese Geschwindigkeitszunahme nicht zu lähmender Langeweile führen? Moravec sieht hier keine Gefahr: Die Denkprozesse würden so komplex werden, so verwickelt, dass Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis ausgebaut werden müssten. Viele weitere Erneuerungen würden folgen.

mehrfach existieren

•          Unser Geist könne mehrfach kopiert werden, mit folgenden Vorteilen: Möglichkeiten mehrfacher Existenz, quasi als “eineiige” Drillinge; Kopierung auf extra gesicherte Speichermedien, um im Falle eines Unfalls in einen neuen, leeren Computer eingelesen werden zu können.

Auch gewohnte räumliche Schranken würden entfallen. Der als Computerprogramm “existierende” Geist könne auf allen Informationskanälen transportiert, z. B. als verschlüsselte Nachricht auf einem Laserstrahl in fremde Welten gesendet werden, etwa zum Zwecke einer Expedition zu einem Neutronenstern. Dort “würden Sie sich eine Methode einfallen lassen, um .. einen Roboter aus Neutronenmaterie zu bauen und anschließend ihren Geist in ihm zu installieren. Da Kernreaktionen ungefähr eine millionenmal schneller als chemische Reaktionen sind, könnte Ihr Neutronen-Selbst in der Lage sein, eine millionenmal schneller zu denken.” (ebd., 157)

sich fast unbegrenztes Wissen einverleiben

•          Die Übertragung der geistigen Hirnfunktionen müsse nicht auf Menschen beschränkt bleiben: Wir könnten uns auch das “Wissen” der Delphine, Elefanten, Wale oder Riesenkraken “einverleiben”; verschiedene New Age-Träume könnten so wahr werden. Moravec erhofft sich einiges vom Geist-Austausch mit Tieren mit großen Gehirnen:

“In den Genen, die für ihre Gehirnstruktur und ihr Gedächtnis verantwortlich sind, sind sicherlich sehr wichtige und mühsam erworbene Informationen verschlüsselt. Die Methoden für die Informationsübertragung vom Gehirn zum Computer …sollten sich auch bei diesen Tieren mit großen Gehirnen bewähren, so dass ihre Gedanken, Fähigkeiten und Motivationen in die Textur unserer Kultur eingewoben werden können.” (ebd., 161)

Auch die Informationen, die in einfacheren Lebewesen enthalten sind, könnten in Datenbanken eingelesen werden. Das “Wissen” der gesamten irdischen Biosphäre (New Age: “Gaia”; hier: die in Genen bzw, Nervensystemen gespeicherten Erfahrungen) könnte so konserviert, genutzt und allmählich über das Universum verbreitet werden – im Gegensatz zu heute, wo auf unserer “kleinen und anfälligen Erde viele Gene und Ideen verloren (gehen), wenn sich die Verhältnisse ändern, die einst zu ihrer Entstehung geführt haben.” (ebd., 161f.)

Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children” von Gerhard Fröhlich*

*Für Anregungen und kritische Diskussionen des zugrundeliegenden (hier gekürzten, Anm.) Manuskripts, face-to-face oder per e-mail, danke ich Gerhard Dirmoser, Klaus Feldmann, Werner Höbart, Roland Lehner, Elisabeth Parzer, Richard Paulik. Die ungekürzte Fassung dieses Artikels ist einzusehen unter:

http://www.iwp.uni-linz.ac.at/lxe/wt2k/pdf/TechnoUtopUnsterb.pdf

*  *  *

Virtuelle Welt 8. Teil.

… Beide schauen sie noch einmal auf.

Das rote Glimmen löst sich in nichts weiter als in einen schwachen Abdruck der Sehzellen der Augen auf, und langsam senken sich ihre Hände mit den Ringen.

Nachdenklich schreitet er vom Balkon in den Palast zurück, pflückt eine Frucht von den dargebotenen Trauben und schaut seine Schwester benommen an.

– Ja, die Macht war es, die sie wohl für immer verbinden würde; die es ihnen verwehrte, ein normales Leben zu leben, zu fühlen und danach zu handeln, wie es den anderen Menschen gestattet war.

Als sie ebenfalls wieder in den Tempel zurückgeht und sich umdreht, sieht er in ihren Augen, dass auch sie die schwere Last ihrer gemeinsamen Bürde zu erdrücken droht und tröstend legt er seinen Arm um ihre Schulter. Seufzend lehnt sie sich an ihn und schaut ihn fragend an. Er kann ihrem Blick nicht lange standhalten. Sie öffnet langsam den Mund und formt die Lippen zu Worten und haucht ihm leise zu:

Das Herrschen habe ich mir damals ganz anders vorgestellt …

Wir sind nicht mehr die Kinder von damals!,  flüstert er ihr zu, um sich für den Ausdruck in seinen Augen rechtfertigen zu wollen, und doch ist es eigentlich eine Lüge, denkt er, wenn ich so tue, als könnte ich noch ohne sie leben …

Es sind die Ringe!, hält sie ihm entgegen.

Nein, das weißt du auch! Er schiebt sie ein Stück von sich weg und schaut ihr in die Augen: Ohne die Ringe wäre alles noch viel schlimmer. Wir wären längst tot, erschlagen oder in die Sklaverei verkauft worden. (Aber wäre das so schlimm?), denkt er bei sich …

Himiko und Mantana und das Kollektiv (Teil 8)

Irgendwann verabschieden wir uns von unseren Freunden in der neuen Heimat und begeben uns zurück zu unserer Fähre:

Wir haben mit den Vertretern des Kollektiv vereinbart, dass wir uns, sobald wir zurück im System der alten Heimat sind, sofort darum kümmern werden, dass aus der alten Heimat wieder ein bewohnbarer Planet wird; dort schon planende spezielle Teams sollen von uns angeleitet werden. Man hat uns alle Vollmachten erteilt mit denen wir uns auch um die dortigen Tore kümmern können und sie vielleicht sogar weiter erforschen. Eine Gegenleistung verlangen wir als Vertreter der VPS nicht, denn sicherlich werden nach Fertigstellung des Planeten viele Menschen unter dem Schirm der VPS dem Angebot folgen um sich in Kristalle pressen zu lassen. Vor allem, wenn sie an einer unheilbaren Krankheit leiden oder bereits dahinsiechen und dem Tode nahe. Wir werden mit dem Kollektiv der neuen Heimat ständig über MANTANA in Kontakt bleiben. Dazu war es nötig, so wie bereits im Orbit der alten Heimat, auch in der neuen Heimat ein KI-Habitat in den Orbit des dortigen Planeten zu bringen und mit einer KI zu bestücken, die sich im Lager unseres Schiffes in Ruheposition befindet. Das gleiche gilt für die Habitate, die immer eine Tarnkappe besitzen, so dass sie von anderen nicht zu bemerken sind.

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Nachdem wir uns beide wieder in Person auf unserem Schiff der MORPHII S-121 befinden, durchfliegen wir den Grossen Transmitter am LG2 Punkt um praktisch in Jetztzeit die Entfernung zwischen der neuen und der alten Heimat von etwa 70.000 Lichtjahren zurückzulegen. Dies geschieht nicht mit diesem Schwindelgefühl, das man beim Sprung durch den Quantenraum erlebt, sondern ohne jegliche Begleiterscheinungen. Nachdem wir dort ausgetreten sind, befinden wir uns wieder im Orbit des Planeten der alten Heimat; die Arbeit kann losgehen: Schwere Bautrupps werden von uns aus dem Orbit heraus angewiesen, den abgesoffenen Planeten so zu verändern, dass zwar das Wasser der Kometen nicht verschwindet, aber ein Leben auf dem Planeten wieder möglich sein wird. Die vier Kontinente der alten Heimat besitzen wie auch die der neuen Heimat jeweils 6 Distrikte, die von 6 Großstädten beseelt sind. Diese befinden sich derzeit zwar noch komplett unter Wasser, weisen aber so gut wie keine Beschädigungen auf. Hier werden riesige Dränagen gelegt, um die Stadtbereiche zu entwässern. Die Großstädte werden praktisch mit einer ringförmigen Kaimauer umgeben und das Wasser dann in Areale außerhalb dieser Mauern gepumpt. So entstehen um jede Stadt Bereiche, die Küstenstädten gleichen und von denen man jetzt auch per Schiff zu den anderen Städten gelangen könnte.

Die Wasserwelt wird neu belebt

Die Vielfalt der Transmittertore ist auf diesem Planeten wie schon in der neuen Heimat immens: Das größte Tor ist natürlich immer das am LG2 Punkt des Planeten. Danach kommen die Kontinentaltore und die Distrikttore, die schon wieder etwas kleiner sind als die zuvor genannten. Beide Größen machen es möglich, dass auch größere Schiff von dort starten können, um am LG2 Punkt auf der falschen Seite des Tores dort auszutreten um möglicherweise einmal um das Tor herum zu fliegen und dann wieder in das Tor einzutreten. So wurde schon die alte Heimat vor fast tausend Jahren evakuiert. Praktischerweise sammelten sich damals die Schiffe in der Nähe der Distrikttore nachdem sie vorher alles aus den Städten herangeschafft hatten, was man mitnehmen würde in die neue Heimat. Dies geschah, so wie man uns das geschildert hatte, mittels kleiner Transportschiffe, die durch die kleineren Stadttore flogen um am Distrikttor herauszukommen, einmal um dieses herum zu fliegen um danach wieder in die andere Seite des jeweiligen Tores wieder einzutreten. Dabei kamen sie dann bei den größeren Kontinentaltoren heraus, um diese zu umrunden und wieder von der anderen Seite in dieses einzutreten. So gelangten alle Schiffe letztlich am LG2 Tor an, um ihre lange Reise in die neue Heimat anzutreten. Eine praktische Aufteilung, denn so hatte man ruckzuck den Planten evakuiert. So ähnlich wird es auch wieder geschehen, wenn etwa die Hälfte der Bewohner von der neuen Heimat zurück in die Alte reisen werden. Schaut man sich das System mal genauer an, wird klar, dass jeder Planet nicht nur ein riesiges LG2-Tor besitz, sondern 4-6 Kontinentaltore, 36 Distriktore,  216 Stadttore und 1296 Stadtteiltore und 7776 Fußgänger- und Gleitertore, die allerdings viel zu klein sind, um eventuelle Flugkörper aufzunehmen. Dazu kommen noch die Personentore, von denen es planetenweit genau 46656 Stück gibt, von denen es zwei unten auf der Abbildung exemplarisch zu sehen gibt:

Transmitterspiegel der Roboter-Kultur

Mit diesem System von insgesamt 55986 Toren sind solche Aktionen wie eine Evakuierung eines Planeten kein unmögliches Verfangen, wie es das ohne diese Technik wäre. Natürlich gibt es Einschränkungen: so kann man von einem Tor aus nur in das nächstgelegene kleinere oder nächstgelegene größeres oder gleichgroße Tor springen. Genauso ist es mit der Entfernung, die man mit Hilfe der Tore zurücklegen kann: je kleiner desto kürzer ist die Distanz , die zurücklegbar ist. Dieser Umstand wird in der Zukunft noch für einige Überraschungen sorgen, doch ich will hier nicht vorweggreifen und verweise damit auf mein nächstes Abenteuer …

*  *  *

8.

Superzivilisation

Der Mensch hat die Wahl: Künstliche Intelligenz oder Künstliche Intelligenz
Moravec’ Szenario gipfelt in einer Superzivilisation, “die alles Leben des Sonnensystems zusammenfasst, sich ständig vervollkommnet und ausdehnt, von der Sonne fortstrebt und leblose Materie in Geist verwandelt.” (ebd., 162; Herv. G, F.) Wenn diese Superzivilisation auf ihrer Expansion durch das All andere treffen würde, wäre ein vertraglich geregelter Einschmelzungsprozess möglich. “Dieser Vorgang, der sich eventuell schon an anderer Stelle des Universums ereignet, könnte das Universum in eine einzige gigantische denkende Einheit verwandeln, die Vorstufe zu noch größeren Dingen” (ebd., 162; Herv. G. F.). Moravec geht letztlich von der Unvermeidlichkeit dieser Entwicklung aus, vertritt also einen Art ‘historischen Computer-Materialismus’ :
“Die persönliche Unsterblichkeit durch Geisttransplantation (ist) eine Technik, deren Nutzen in erster Linie darin liegt, der Empfindlichkeit und Sentimentalität des menschlichen Individuums Rechnung zu tragen. Mir scheint, unsere Zivilisation wird sich so oder so in diese Richtung (= die post-biologische Superzivilisation, G. F.) entwickeln, ob wir nun unseren Geist übertragen und uns den Robotern zugesellen oder nicht” (ebd., 169)

Das heißt, die künstliche Intelligenz werde uns ohnehin unvermeidlich überflügeln; wir hätten demnach nur die Wahl, in ihr aufzugehen, uns an sie anzupassen, oder zu nachrangigen Lebewesen zu werden.

Der Geist als Hard- und Softwareproblem
Auch Computer-Unsterblichkeit habe ihren Preis: Der unsterbliche Geist müsste auf fortdauernde Anpassungsfähigkeit programmiert, zyklisch müssten Hard- und Software ausgetauscht werden. Das Reich der Notwendigkeit wird auch in Moravecs Szenario nicht vom Reich der Freiheit abgelöst, die Evolution gehe weiter:

“Auf lange Sicht wird unser Überleben Veränderungen erfordern, auf die wir keine Einflussmöglichkeit haben. Man wird Teile unseres Ichs eliminieren und durch neue ersetzen, damit wir mit den veränderten Verhältnissen Schritt halten können und den fortwährend verbesserten Konkurrenzen gewachsen sind. Der Kampf um unser Überleben wird zu einer Art kosmischer Olympiade, die jedes Jahr neue Wettkämpfe und neue Rekorde bringt. Obwohl wir unsterblich sind, müssen wir Stück für Stück sterben, wenn wir uns fürs Überleben qualifizieren wollen. Im Laufe der Zeit wird jeder von uns ein vollständig verändertes Wesen sein, stärker von den äußeren Notwendigkeiten gestaltet, als vom eigenen Willen beeinflussbar. Unsere gegenwärtigen Erinnerungen und Interessen verlieren ihre Bedeutung und landen bestenfalls in einem staubigen Archiv, wo sie vielleicht hin und wieder von einem Historiker zu Rate gezogen werden. Der persönliche Tod, wie wir ihn kennen, unterscheidet sich von dieser Unvermeidlichkeit nur durch seine relative Plötzlichkeit.” (ebd.., 169; Herv. G. F.)

Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children” von Gerhard Fröhlich*

*Für Anregungen und kritische Diskussionen des zugrundeliegenden (hier gekürzten, Anm.) Manuskripts, face-to-face oder per e-mail, danke ich Gerhard Dirmoser, Klaus Feldmann, Werner Höbart, Roland Lehner, Elisabeth Parzer, Richard Paulik. Die ungekürzte Fassung dieses Artikels ist einzusehen unter:

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(zum nächsten teil)

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Bildrechte: Die Raumfahrerin” (Raumfahrerin 22,5mm hoch.jpg) © 2013 by Detlef Hedderich/sfbasar.de

Wer sich noch eingehender mit dieser Thematik beschäftigen möchte, sollte sich den untenstehenden Titel über einen der Bestelllinks ordern:

Mind Children (Kartoniert)
Future of Robot and Human Intelligence (englischsprachig!)
von Moravec, Hans P.

.
Verlag:  Harvard University Press
Medium:  Buch
Seiten:  224
Format:  Kartoniert
Sprache:  Englisch
Erschienen:  Juli 1990
Auflage:  Revised.
Maße:  229 x 152 mm
Gewicht:  299 g
ISBN-10:  0674576187
ISBN-13:  9780674576186

Produktbeschreibungen
Pressestimmen
One would be making a mistake to let Mind Children recede unopened into a guiltless oblivion. It’s a tonic book, thought-provoking on every page. And it reminds us that, in our accelerating, headlong era, the future presses so close upon us that those who ignore it inhabit not the present but the past. — Brad Leithauser New Yorker A comprehensive and highly readable survey of the state of the art in robotics. — M. Mitchell Waldrop New York Times Book Review Moravec, by his own admission, is an intellectual joyrider, and riding his runaway trains of thought is an exhilarating experience…This is an intellectual party that shouldn’t be pooped, no matter how much it may disturb the neighbours and encourage over-indulgence. — Brian Woolley Guardian [Mind Children] has the accuracy of a college text and the can’t-put-it-down appeal of a good novel. Moravec has turned the flights of mind of one of the world’s foremost roboticists into hard copy. And he has written a tremendously good book in the process. — Eric Bobinsky Byte A dizzying display of intellect and wild imaginings by Moravec, a world-class roboticist who has himself developed clever beasts…Undeniably, Moravec comes across as a highly knowledgeable and creative talent–which is just what the field needs. Kirkus Reviews

Synopsis
Arguing that within the next fifty years machines will equal humans not only in reasoning power but also in their ability to perceive, interact with, and change their environment, the author describes the tremendous technological advances possible in thefield of robotics.

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DEUTSCHSPRACHIGE ÜBERSETZUNG:

Mind Children Gebundene Ausgabe – 1990
von Hans Moravec (Autor)
.

Produktinformation
Gebundene Ausgabe: 273 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe (1990)
ISBN-10: 3455083730
ISBN-13: 9783455083736
Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14,6 x 2,4 cm

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Beschreibung
Hans Moravec hat zwei Leidenschaften. Die eine gilt seinen Roboterkindern. Ihnen will er ein räumliches Bewusstsein geben, damit sie sich geschickt bewegen und nützliche Dinge tun können. Sie sollen etwa Botengänge durchführen und dabei einen Weg durch vollgestellte Büros finden, ohne mit herumeilenden Menschen zu kollidieren. So weit, so gut – die wissenschaftliche Arbeit zur Robotik hat dem Professor, der an der Eliteuniversität Carnegie-Mellon im US-amerikanischen Pittsburgh sitzt, große Meriten eingebracht.

Was man von seiner anderen Leidenschaft, der Zukunftsforschung, nicht sagen kann. Hans Moravec vertritt nämlich die Ansicht, die biologische Evolution werde von der geistigen abgelöst. Biologische Mutation und Selektion hätten keine Gelegenheit zum evolutionären Wechselschritt mehr, weil der Geist und die Kultur in Windeseile den Menschen und die Umwelt veränderten – bis zur Unkenntlichkeit. Die DNS als biologischer Vererbungsträger werde von Buch und Bit abgelöst. Immer klügere Computer und Roboter seien Zeichen dieses Umbruchs.

Während Moravec seine Visionen entfaltet, sprüht er vor Begeisterung; selbst die unglaublichsten Prognosen äußert er in freundlicher, unspektakulärer Art. Beim breiten Publikum rufen seine visionären Aktivitäten Abscheu und Empörung hervor, weshalb er sogar unter Forscherkollegen als gefährlich gilt.

Als vor einigen Jahren sein Buch “Mind Children” erschien, war der Aufschrei groß. Darin kündigt Moravec nichts Geringeres als einen Genozid am Menschengeschlecht an – und scheint sich darauf sogar noch zu freuen. Sobald wir der biologischen Zwänge ledig sind, werden wir laut Moravec unsterblich, indem unsere Persönlichkeit in Form von Software abgebildet wird, die auf “Robotercomputern” lauffähig ist. Beliebig kopierbar wären wir dann außerdem. Die letzten Exemplare unserer Gattung werden laut Moravec von den Robotern, die dann die Welt beherrschen, in einer Art Naturpark gehalten.

Die Ideen von Hans Moravec sind Wasser auf den Mühlen der “Transhumanisten”. Diese unverbesserlichen Optimisten bereiten sich auf die Zeit des Homo digitalis vor und glauben daran, dass durch High-Tech alles besser wird: Durch technische Mittel soll der Mensch seine genetischen, neuronalen, psychologischen und kulturellen Beschränkungen abstreifen. Als Forum dient den Transhumanisten das Magazin Extropy. Moravec ist wie Robert Anton Wilson, Paul M. Churchland, Richard Dawkins und Marvin Minsky einer ihrer Vordenker.

Die Leute des Daimler-Benz-Forschungszentrums hat das nicht daran gehindert, Hans Moravec für ein halbes Jahr nach Berlin zu holen. Er scheint den Daimler-Forschern der richtige Mann zu sein, um die Entwicklung von Inspektionsrobotern für Flugzeuge zu inspirieren. Diese Serviceautomaten sollen eines Tages selbständig um Flugzeuge wuseln, ganz im Unterschied zu den derzeit eingesetzten Fließbandrobotern. Bis freilich jede Gefährdung von Mensch und Flieger ausgeschlossen ist, wird man Moravec wohl noch öfter um Rat fragen müssen.

Moravec schätzt die Ruhe in dem Berliner Gewerbekomplex, wo das Daimler-Benz-Forschungszentrum untergebracht ist und wo er in einem schmucklos eingerichteten Zimmer arbeitet. Hier muss er sich kaum um Dinge kümmern, die ihn von seiner Arbeit abhalten. Ganz im Gegensatz zu Pittsburgh. Zwischenmenschliche Verpflichtungen sind Hans Moravec ein Greuel; freimütig gibt er zu, dass “der soziale Teil meines Gehirns unterentwickelt” ist. So hat sich der Eigenbrötler nie darum bemüht, immer mehr Forschungsmittel zu bekommen und einen möglichst großen Stab von Mitarbeitern zu dirigieren. “Ich bin ein furchtbarer Manager”, gesteht er. “Ich kann auch keine Gruppe führen. Mein Labor hatte 1985 zu Spitzenzeiten zwölf Leute. Ich habe es gehasst. Ich musste mir zuviel Sorgen um die Probleme anderer Leute machen.”

Spricht man ihn auf einzelne Kritiker an, reagiert er mit einem Hinweis auf seine chronische Vergesslichkeit im Umgang mit Menschen: Wer ihn nicht ständig auf sich aufmerksam mache, werde dauerhaft aus seinem Gedächtnis gelöscht. Und er selbst wirkt, als sei er nicht ganz von dieser Welt. Moravecs selbstkritisches Fazit: “Ich bin nur wenig begabt, mich in eine Gesellschaft einzugliedern.”

Neben einer seiner Computertastaturen liegt ein Lehrbuch der Programmiersprache C. Hier programmiert der Chef noch selbst, und über einen neuen Kniff seines Codes spricht Moravec mit der gleichen Begeisterung wie über die Zeit, in der uns die Roboter die Arbeit vollständig abgenommen haben werden. Die Wand seines Zimmers ziert nur ein Poster, auf dem gleichmäßige schwarze Punkte zu sehen sind. Eine darauf gerichtete Kamera verrät, dass es sich um kein Kunstwerk, sondern um das Mittel für ein Experiment handelt, denn die Kamera wiederum ist mit einem Computer verbunden.

Ein Mensch hat im Leben von Hans Moravec dennoch Platz gefunden: Es ist seine Frau, eine Theologin. Seit er mit ihr verheiratet ist, hat er, der seit einer schweren Krankheit keinen Nachwuchs mehr zeugen kann, zwei Stiefkinder. Vermutungen, dass seine Roboterbabys bloß kompensieren sollen, dass er unfruchtbar ist, begegnet Moravec mit dem Hinweis, bereits seine frühe Kindheit habe im Zeichen von Robotern gestanden.

Mit vier Jahren bastelt er aus Massivholzteilen sein erstes Modell, versieht es mit einer Kurbelsteuerung. Sechs Jahre später gelingt ihm eine Konstruktion aus Metallschrott; Blechdosen stellen Körper und Kopf dar, mit einem Schalter kann man den steifen Roboterarm auf- und abbewegen, mit einem anderen die Augen leuchten lassen. Befördert wird die Begeisterung für die Basteleien durch einschlägige Lektüre und durch seinen Vater – einen Elektroingenieur.

Hans Moravec wird in Österreich geboren und wohnt dort die ersten vier Jahre seines Lebens, gemeinsam mit seiner österreichischen Mutter und dem im zweiten Weltkrieg aus der Tschechoslowakei geflüchteten Vater. 1953 emigriert die Familie nach Montreal. Der junge Hans liest fast nur Science-fiction-Bücher; das einzige, das ihn daran interessiert, sind die technische Plausibilität und Machbarkeit der beschriebenen Dinge. Zeitmaschinen und Robotern gilt seine besondere Aufmerksamkeit. Die anderen Aspekte der Bücher treten deutlich in den Hintergrund: “Wenn ich ein Buch gelesen habe, könnte ich nie sagen, welche Rollen und Charaktere es darin gibt. Schon beim Lesen geht mir so etwas nicht in den Kopf, ich frage mich immer, wer wer ist.”

Während seine Mitschüler an der katholischen Ordensschule hinter Mädchen herlaufen, versucht der Einzelgänger, durch seine Elektrobasteleien Anerkennung zu erringen. Mit vierzehn baut er logische Schaltkreise aus Relais und setzt sie einer Roboterschildkröte ein, die auf der Suche nach Licht umherschleicht. Ein Jahr später entwickelt er auf der Basis eines Tonbandgeräts die Steuerung eines Roboterarms. 1965 schließlich – mit sechzehn Jahren – steht der Bau eines ausgewachsenen Computers sowie eines Spielautomaten (“Drei gewinnt”) auf dem Programm. Beide Projekte läßt Hans Moravec bleiben, als er Zugriff auf einen richtigen Computer (IBM 1620) bekommt. Dem widmet er ab sofort seine ganze Freizeit. Da der Bau von Zeitmaschinen wenig Erfolg verspricht, konzentriert sich Hans auf die Robotik.

Eine Lebensgefährtin haben ihm die Basteleien nicht eingebracht – seine Frau lernt Hans Moravec während seiner Zeit im Krankenhaus kennen. Doch bald stellt sich internationale Reputation ein. Über neun Jahre entwickelt er im Rahmen seiner Doktorarbeit den weltweit ersten “autonomen” Roboter, der nicht auf eine kontrollierte Laborumgebung angewiesen ist, sondern sich in einer natürlichen Umwelt mit aller ihrer Unberechenbarkeit leidlich zurechtfindet. Kein Wunder also, dass Hans, wie ihn die Studenten nennen, 1980 das mittlerweile größte Roboterlabor der USA in der alten Stahlmetropole Pittsburgh mitaufbauen darf.

Es ist paradox, dass Moravec als extremster Hardliner der Robotik manchmal zu den gleichen Folgerungen kommt wie seine tief gläubige Frau. So erläutert er in wenigen Sätzen, warum das Zuschreiben von Existenz bloß eine subjektive Interpretation ist und warum damit die Frage nach dem Weiterleben nach dem Tode auch jetzt schon vorsichtig positiv beantwortet werden kann. “Wenn die naturwissenschaftliche Interpretation einer Person als lebendes Wesen nicht mehr passt, weil er gestorben ist, werden statt dessen eine ganze Menge anderer Interpretationen sinnvoll.” Wie man sich vor dem noch kommenden Zeitalter der binären Unsterblichkeit diese Existenz nach dem Tode vorzustellen hat, lässt er allerdings offen.

Publizistisch hat Moravec nicht ganz soviel Glück wie in seiner Forschungsarbeit. Sein erstes Buch “Mind Children” macht ihn zwar in Humanistenkreisen zu einem vielgehaßten Mann, das zweite, fast fertige Werk namens “The Age of Mind” jedoch kommt nicht richtig in die Gänge. Sein amerikanischer Verlag Bantam wurde von Bertelsmann übernommen und Moravec in der Folge aus dem bestehenden Vertrag gedrängt. Obwohl es dort also keine Neuerscheinung von ihm geben wird, ist es juristisch noch nicht klar, ob er das Werk ohne Bantam-Genehmigung anderswo veröffentlichen darf.

Aufgrund der verzwickten Lage überlegt Moravec, das Buch ins Internet zu stellen. Tatsächlich sind schon jetzt zwei Buchkapitel im World Wide Web zu finden. Natürlich gibt es dafür derzeit kein Autorenhonorar.

Aber um Geld geht es Hans Moravec offensichtlich nicht. Er kann als Universitätsprofessor ohne materielle Sorgen erforschen, was ihm Spaß macht. Wer Moravec erlebt, wird den Verdacht nicht los, dass sich seine Motivation aus einer gewissen Langeweile am herkömmlichen Leben speist. Der hochintelligente “Sozialbehinderte” ist eines Lebens überdrüssig, in dem “gewöhnliche Leute gewöhnliche Dinge machen, die ganze Seifenoper immer und immer wieder.” Was sich daran ändern soll? “Ich hoffe, einmal einen guten Roboterfreund zu bekommen. Aber es dauert länger, als ich ursprünglich gedacht habe.”

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