sfbasar.de

Literatur-Blog

DAS 5. ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE – Episodengeschichte (Teil 17) von Felis Breitendorf, Susan Ott & Conchita Mendés

DAS FÜNFTE ABENTEUER DER MILENA HIMIKO KOMORE

Episodengeschichte (Teil 17)

von

von Felis BreitendorfSusan Ott & Conchita Mendés

Vorlektorat: Barbara Wegener / Lektorat: Detlef Hedderich / Schlusslektorat: Günter Maria Langhaus

(Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children”, mit freundlicher Genehmigung des Rezensenten Gerhard Fröhlich.)

featering by

logo-top

*  *  *

(Zurück zum vorherigen Teil)

Virtuelle Welt 1. Teil

Die Herberge ist einfach, aber relativ sauber, und sie hat einen Stall, in dem man sich um die nötige Pflege seines Tieres kümmert.

Der Fremde isst eilig eine heiße, scharfe Suppe, die man ihm in dem Wirtsraum zusammen mit einem Stück Brot und einem kräftigen roten Wein auf einem der hölzernen Tische serviert. Nachdem er fertig ist und bezahlt hat, geht er auf sein Zimmer.

Aus einem seiner mitgebrachten Säcke holt er eine kleine, mit einem Messingschloss versehene Schmuckschatulle hervor.

Vorsichtig öffnet er sie und entnimmt ihr einen silberfarbenen Ring, der einen blauen, funkelnden Stein in einer glänzenden Fassung trägt. Hastig streift er ihn über den Finger, und nachdem er die kleine Truhe hinter einem lockeren Ziegel in der Wand versteckt hat, verlässt er seine Unterkunft wieder.

*  *  *

Der Tempel lag in der Nähe des Herrscherhauses; er hatte immense Ausmaße, und doch war er nicht so gewaltig, wie das Herrscherhaus selbst. Dieses beanspruchte mehr Platz als alle anderen Gebäude innerhalb der Stadtmauern und strahlte mit seinen gewaltigen, säulenartigen Türmen, zwischen denen sich eine ganze Reihe hoher Gebäude zwängte, eine bedrohliche Stärke aus. Der Tempel dagegen vermittelte eher den Eindruck von Erhabenheit. Die schlichte Bauweise, die in nur einer einzigen großen Gebetshalle zum Ausdruck kam, verbarg den größten, den wichtigsten Teil dieser Kultstätte. Das Bauwerk setzte sich noch viele Längen unter der Erde fort und mündete in gewaltigen Arsenalen vieler kleinerer und größerer Kellerräume und Verliese. Hier war das eigentliche Machtzentrum der Stadt; doch davon wussten nur die wenigsten, nicht einmal die Mitglieder der Herrscherclique selbst.

 

Himiko und Mantana und das Kollektiv (Teil 1)

“Was steht an, MANTANA? Hättest mich doch ruhig auch wecken können!”

“DER AUFTRAG IST JETZT NICHT SO EILIG, DENKE ICH, DASS ICH MEINE PARTNERIN NICHT AUCH AUSSCHLAFEN LASSEN KANN!”

“Das war ganz reizend von dir (grinst). Ich habe, als ich mich ins Schiffs-Netz eingeklinkt habe, deine Nachricht bekommen. Wir werden also wieder nach Kolonisten unterwegs sein.“

“DIE KOLONIE HAT IHRE ANKUNFTS-NACHRICHT VOR 954 JAHREN AN TERRA GESENDET. IST ALSO DAMIT AUCH SCHON ÄLTER SCHÄTZE ICH ALS ALLE IM NEUEN SYSTEM NOCH LEBENDEN SIEDLER.”

“Also ist das System dann auch so um die 954 Lichtjahre entfernt.”

“STIMMT. DAS NEUE SYSTEM LIEGT GROBE RICHTUNG PLEJADEN. SEINE SONNE WURDE VON DEN SIEDLERN >MINERA< GETAUFT. WIR WERDEN UNS DEM NEUEN SYSTEM ÜBER EIN SYSTEM NAMENS >SABIK< UND EINEM WEITEREN SYSTEM IM BEREICH DER >HYADEN< NÄHERN. DREI STOPPS SIND EINGEPLANT. DA WIR IM BEREICH DER HYADEN EINE VIELZAHL VON SONNENSYSTEMEN BEREITS KARTOGRAFIERT UND  SOGAR EIN GUTES DUTZEND BESIEDELT HABEN, DÜRFTE ES DIESMAL UNPROBLEMATISCH SEIN, DAS MINERA-SYSTEM ZU FINDEN, DA IN DIESEM FALL DIE DATEN VON TERRA RECHT GENAU ZU SEIN SCHEINEN.”

“Ok. Dann geht es los sobald ich in der Steuerzentrale das ARTEFAKT aktiviert habe. Werde mir nur noch schnell einen Kaffee holen und mitnehmen.”

Gesagt, getan. Ich platziere mich diesmal im Sessel links außen um nicht immer an der gleichen Stelle zu sitzen. Als der Arm mit dem ARTEFAKT auf der Auflage eingeklinkt ist und ich den Startknopf gedrückt habe, geht es los, ein kurzes Schwindelgefühl und auf den Displays öffnen sich die Grafiken und kurz danach die Echtzeitbilder soweit vorliegend und aktualisiert von der dortigen Sprungtor-KI.

“HIMIKO, TAMARA, DIE SPRUNGTOR-KI DES SYSTEMS, BITTET UNS KURZ BEI DER HIESIGEN BASEPLATTFORM H2 VORBEIZUSCHAUEN. DORT STEHEN 20 SCHLEPPER FÜR DIE PLATTFORM S4 UNSERES NÄCHSTEN ZIELES, DIE WIR FREUNDLICHERWEISE DORT HINBRINGEN MÖCHTEN.”

“Na klar, MANTANA. Schönen Gruß noch an TAMARA!”

Manchmal ist es schon recht praktisch nicht auf den Energieverbrauch unseres Antriebs achten zu müssen und anderen dadurch den einen oder anderen Gefallen tun zu können. Da das einige Zeit dauern wird, bis die Roboter uns beladen haben und MANTANA für mögliche Kurskorrekturen zur Handelsplattform hin meinen Arm nicht benötigt, sondern die Energie aus unseren Akkumulatoren verwenden kann, nehme ich mir eine Auszeit und lasse mir ein schönes Aprikosen-Schaumbad ein, ein Geschenk der VPs zu meiner Beförderung. Ich sage meiner Freundin bescheid und verlasse die Steuerzentrale wieder, um mich hier in etwa 1 1/2 Stunden wieder einzufinden.

Als wir unser nächstes Ziel erreicht haben, geht es auch in diesem Sonnensystem zuerst wieder in Richtung BASE-PLATTFORMEN um die mitgenommenen Schlepper auszuladen. Auch hier nutze ich die Zeit und schaue mich im örtlichen Plattform-Netzwerk um; ich finde ein schönes Geschenk für meine Mutter in eine der Kuppelwelten. Ein von mir beauftragter Kurier muss das bestellte Geschenk auf die Plattform liefern, auf die wir die 20 Schlepper ausladen sollen. Zum Glück haben wir ein wenig Wartezeit bevor wir entladen werden, und nur so schafft es der Kurier noch rechtzeitig zu erscheinen.  Ich schnalle mir einen meiner LANDER um und ziehe natürlich einen Raumanzug der leichten Sorte an, meinen Helm und schon stehe ich dem Kurierschiff gegenüber. Nach der Übergabe bin ich so neugierig, dass ich bereits auf dem Weg zurück in mein Habitat auf dem Schiff das Gemälde einer mittelalterlichen Dorfszene in den Händen halte. Ich weiß, dass meine Mutter solche Bilder sammelt, deswegen möchte ich ihr eins zum Geburtstag schenken. Am rechen oberen Rand befindet sich sogar ein Signum und Echtheitszertifikat des Künstlers. Es enthält alle nötigen Daten was Materialbeschaffenheit der Leinwand und Farben angeht:

Nicht, dass es von einem berühmten Maler stammt. Es hat mich beim Durchblättern des Bestellkataloges, der alle vorhandenen und zum Verkauf stehenden Werke der sechs örtlichen Kuppelwelten auflistet, einfach angesprochen. Meine Entscheidung traf ich aus dem Bauch heraus. Und da das Werk jetzt auch kein Vermögen gekostet hat, habe ich es einfach erstanden. Natürlich hätte ich das Geschenk auch mit der Schiffsfracht eines Spediteurs an meine Mutter senden lassen können. Aber die Versandkosten dafür wären immens und natürlich wollte ich vorher das Teil mal anfassen, seine Farben und seine Struktur wahrnehmen und ein persönliches Gefühl zu dem Objekt aufbauen; ich hasse nichts so sehr, wie jemanden einen Gegenstand zu schenken, den man nicht mal selbst in den Händen gehalten hat. Es ist mir eben wichtig, eine Beziehung zu den Dingen aufzunehmen auch wenn sie nicht zu den lebenden Objekten zählen. Ich werde das Bild meiner Mutter persönlich übergeben, wenn ich irgendwie eine Gelegenheit dazu erhalte. Um meiner Mutti schon mal Lust auf ihr Geschenk zu machen, nehme ich mit Hilfe des KI-Netzwerkes Kontakt auf und klingle bei ihr an. Es dauert einige Zeit, dann geht meine Mutter an ihr Videophon. Ich sehe wie sie mit einem Kopftuch und einer Gartenschere bewaffnet auf dem Monitor erscheint:

“Hallo Mama, ich wollte mich mal melden.”

“Hallo Schatz, das ist aber lieb. Wo bist du denn, oder ist das wieder geheim?”

“Ach, ich bin irgendwo unterwegs um eine alte Siedlergemeinde, die vor rund 1000 Jahren einen Funkspruch an Terra abgesetzt hat, aufzusuchen um zu sehen, was aus ihr geworden ist. Wir machen aber, wie immer wenn wir das System noch nie besucht haben, einen Umweg über einige besiedelte Sonnensysteme.”

“Ich bin wirklich so stolz auf dich, Schatz, dass du solch verantwortungsstarke Handlungen ausrichtest, die ja für die Siedler immens bedeutend sein werden. Denke ich jedenfalls.”

“Na, ja, Mami. Wie geht es dir eigentlich auf Sombero? Was macht dein neues Zuhause? Hast du dich eingelebt in dieser Kuppelwelt? Ich sehe du bist grad am Gärtnern, gibt es da irgendeinen Unterschied zum Gärtnern auf einem Planeten?”

“Also mir geht es wirklich gut hier auf Sombero. Eine kleine Umstellung ist es schon in einer Kuppelwelt zu leben. Das mit dem Himmel und dem schiefen Horizont ist ja wirklich gewöhnungsbedürftig. Und auch das mit der Schwerkraft ist nicht so wie auf einem Planeten, auch wenn man potentiellen Bewohnern von Kuppelwelten das immer einreden will. Ich bin nach wie vor im Winter auf Santos 3 wenn es dort in unserem Haus auf dem Nordkontinent des Planeten nicht mehr so tropisch heiß ist. Dann lässt es sich dort auch gut aushalten und der Wechsel zwischen sechs Monaten Kuppelwelt und sechs Monaten Planet ist schon sehr schön und abwechslungsreich. Natürlich sind die Bedingungen grundverschieden und damit wir die beiden Ökosphären nicht gegenseitig verseuchen muss man beim Verlassen und Betreten einer der beiden Welten durch eine Biofilteranlage gehen, damit keine Organismen  eingeschleppt werden. Das bedingt natürlich, dass auch die Ernährung grundverschieden ist, da man sich immer von dem ernährt, was um einen herum wächst. Du weißt ja, dass ich kein Freund von bestrahlten Produkten bin, bei denen fremde Keime abgetötet wurden, nur damit wir Menschen eine Köstlichkeit einer anderen Ökosphäre  genießen können. Ich finde, man kann sich ganz gut und auch abwechslungsreich von dem ernähren, was um einen herum wächst, egal ob man auf einer Kuppelwelt oder einem Planeten lebt. Deshalb bin ich auch im Moment mit den Tomaten in meinem Garten hier auf Sombero beschäftigt. Aber deshalb hast du sicherlich nicht angerufen. Was also war der Grund?”

“Das ist dein Geburtstag nächsten Monat.”

“Ach du liebe Zeit, erinnere mich bloß nicht daran, schon wieder ein Jahr älter. Bald bin ich ein Relikt aus einer anderen Zeit.”

“Mamilein, du sollst nicht so reden, Du bist noch immer gut in Schuss und eine sehr attraktive Frau, nach der sich viele Männer und Frauen die Finger lecken!”

“Also Schatz, das ist ja lieb, aber nicht so ganz realistisch.”

“Mami, ich wollte dir eigentlich nur kurz dein Geschenk für deinen nächsten Geburtstag zeigen …”

“Ja, zeig her, du weißt doch wie neugierig ich bin. (grinst)”

Ich zeige ihr also das Gemälde und sie ist total aus dem Häuschen. Sie sagt, dass sie sich sehr drauf freut, auch darauf, dass ich mal wieder persönlich vorbei kommen werde, wenn ich kann. Wir reden noch so über das Übliche und über Dies und Das und schließlich verabschieden wir uns; zufällig fällt mein Blick auf die Verrechnungsanzeige und ich sehe, dass ich soeben einen Wochenlohn vertelefoniert habe. Na gut, denke ich. Einmal im Jahr kann man das schon mal machen.

Schließlich ist es Zeit und ich werde auf der Brücke gebraucht, denn es soll weitergehen ins nächste Sonnensystem.

*  *  *

1.

Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children” von Gerhard Fröhlich aus den 90er Jahren, in welchen auch der Buchtitel erschien und ziemlich viele Kontroversen hervorrief. Wir wollen heute einmal im Abstand von über 20 Jahren sehen, was davon bereits eingetreten ist und was nicht und was von der Kritik des Buches heute noch standhalten kann. Außerdem werden die zukünftigen Themen des Buch auch durch die Geschichte hier aufgenommen und wir wollen sehen, was davon sich in vielen Jahren als möglich erweist und was nicht, und vor allem, wie das Selbstverständnis der Menschen später einmal zu solcher Thematik sein wird oder sein könnte.

Techno-Utopien der Unsterblichkeit

Manchmal geht die Angst um, dass Menschen in Zukunft von Robotern beherrscht werden könnten. Aber es wird noch viel schlimmer, oder mit Hans Moravec gesprochen, noch viel besser kommen: Wir werden uns selbst zu Robotern umformen und unser Gehirn auf einen Datenträger kopieren. Und dann werden wir – von ein paar Problemen wie Computerviren einmal abgesehen – eine Ewigkeit lang so weiterleben.

1.) Techno-Utopien und Techno-Optimismus

Technische Errungenschaften sind Gegenstand heftiger politischer, sozialer und weltanschaulicher Auseinandersetzungen. Während die Gegner sich nicht selten Horror-Szenarien ausmalen (1), entwickeln die Protagonisten neuer Technologien Techno-Utopien als Sozial-Utopien: Sie versuchen vielfältigste soziale, ökonomische etc. positive Effekte bei Einführung, Weiterentwicklung, massenhafter Verbreitung der von ihnen forcierten neuen Technologie glaubhaft zu machen und versichern für gewöhnlich, dass die  bei dieser Technologie – eingestandenermaßen – ungelösten Probleme mit Sicherheit in absehbarer Zeit gelöst werden könnten (“Techno-Optimismus”).

Auch mit der Entwicklung der Computer- bzw. digitalen Informationstechnologien sind von Anbeginn an vielfältigste Hoffnungen bzw. positive Inaussichtstellungen verbunden worden. Computern, Datenbanken, Expertensystemen, Computernetzen wurden und werden Potentiale zur Demokratisierung gesellschaftlicher Strukturen, zur Aufhebung der Machtgefälle zwischen Mann und Frau, Stadt und Land, Metropole und Provinz, Erster und Dritter Welt, zur umgehenden und mühelosen Bereitstellung des “Wissens der Menschheit” an jeden an ein Computernetz angeschlossenen Benützer, die erfolgreiche Bekämpfung der Überbevölkerung u.v.a.m. zugeschrieben (vgl.. dazu Fröhlich 1995).

Anmerkungen:

(1) Vgl.. z, B. zu Verdrossenheit und Kritik an Wissenschaft und Technik in den 70er- und 80er-Jahren Schneeberger / Fröhlich / Stagel 1985.

Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children” von Gerhard Fröhlich*

*Für Anregungen und kritische Diskussionen des zugrunde liegenden (hier gekürzten, Anm.) Manuskripts, face-to-face oder per e-mail, danke ich Gerhard Dirmoser, Klaus Feldmann, Werner Höbart, Roland Lehner, Elisabeth Parzer, Richard Paulik. Die ungekürzte Fassung dieses Artikels ist einzusehen unter:

http://www.iwp.uni-linz.ac.at/lxe/wt2k/pdf/TechnoUtopUnsterb.pdf

*  *  *

Virtuelle Welt 2. Teil

Eilig steigt der Fremde die wenigen Stufen des Tempels empor, wo er bereits von einem Tempeldiener, der mit einer dunklen Kutte mit Kapuze bekleidet ist, erwartet wird. Er führt ihn wortlos in die Tiefe der modrig-tümpelhaft riechenden Schwärze. Nur die wenigen, brennenden Fackeln, die in Halterungen an den Wänden hängen, beleuchten die düstere Szenerie.

Der Tempeldiener führt den Fremden in einen kleinen Raum, der nur mit einem einfachen Holztisch und zwei Schemeln ausgestattet ist. Auf dem wackeligen Tisch steht eine dicke Kerze, die den gesamten Raum beleuchtet und einen nach Honig riechenden Duft verströmt; ein Fenster gibt es hier unten, unter der Erde, nicht. Als die knarrende Holztür sich ein weiteres Mal öffnet, dreht sich der Fremde um. Vor ihm steht eine in seidene Umhänge gekleidete Gestalt. Die weichen runden Formen ihrer Figur sind nur undeutlich unter ihrem Gewand zu erahnen. Als sie den Schleier vor ihrem Gesicht lüftet, entfährt dem Fremden ein Laut der Verwunderung: Er blickt in sein eigenes Gesicht! – Nicht ganz: Es ist um den Hauch der Weiblichkeit weicher – er blickt in das Gesicht seiner Zwillingsschwester. Sie schaut zu ihm auf, und ein Lächeln des Verstehens strahlt in ihren braunen Augen, trifft ihn tief im Innersten und rüttelt bebend an den längst verloren geglaubten Erinnerungen seiner Kindheit.

Voller Trauer um die vergessenen Jahre hebt er seine rechte Hand mit dem Ring, der darauf schwachblau zu glimmen anfängt.

Auch an ihrer Rechten, die sie zaghaft, fast anmutig erhebt, befindet sich ein Ring: Er glänzt in edlem Gold und trägt einen roten Stein in einer güldenen Fassung. Als das Glimmen des blauen Steines immer stärker wird, fängt auch der rote Stein zu glühen an …

Himiko und Mantana und das Kollektiv (Teil 2)

Als wir in das Zielsystem eindringen, gehen wir wie immer vor: Wir durchqueren es mit vielen kleinen Sprüngen und kartieren es dabei gleich, damit nachfolgende Rochenschiffe direkte Sprungdaten zur Verfügung haben. Das System besteht aus sieben Gasriesen und sechs Gesteinsplaneten. Davon scheint der vierte der Hauptplanet zu sein, denn unsere Kontrollinstrumente sprechen direkt auf die vielen Satelliten an, die sich um diesen drehen. Um möglicherweise an Vorabinformationen zu gelangen versucht meine KI-Partnerin etwaige Netze zu orten, in die sie sich hacken könnte. Derweil überfliegen wir den vermuteten Hauptplaneten, auf dem es wohl eine schlimme Katastrophe gegeben haben muss, denn alle Städte und jegliche technische Einrichtungen stehen offenbar unter Wasser:

“ERSTAUNLICH HIMIKO, ABER MIR SCHEINT, DASS DAS PLANETENNETZ IM MOMENT OFFLINE IST. DIE BILDER SEHEN TATSÄCHLICH NACH EINER KATASTROPHE AUS.

ICH WERDE EINFACH MAL AKTIV ALLE FREQUENZEN ANSPRECHEN UND EINE GRUSSBOTSCHAFT AUSSTRAHLEN. MOMENT. ES MELDET SICH JEMAND. ICH WERDE EIN ÜBERSETZUNGSPROGRAMM STARTEN. SO, MAN HAT UNS TATSÄCHLICH IN EINER ALTERTÜMLICHEN MENSCHLICHEN SPRACHE GEANTWORTET. ICH WERDE DAS SIMULTAN INS INTERKOSMO ÜBERSETZEN, SO DASS WIR DIREKT LOSLEGEN KÖNNEN. DU KANNST DANN EINFACH DARAUF ANTWORTEN, ICH ÜBERSETZE ES AUF DER STELLE ZURÜCK AN DEN VERSENDER:

HIER SPRICHT DAS KOLLEKTIV. WENN IHR MENSCHEN SEIT ODER VON DEN MENSCHEN KOMMT, HEISSEN WIR EUCH HERZLICH WILLKOMMEN! WIR KÖNNEN ALLERDINGS KEIN OBJEKT ENTDECKEN. HABT IHR EINE ART TARNVORRICHTUNG?”

Meine Antwort folgt sofort nachdem ich MANTANA ein Zeichen gegeben habe, unsere Tarnung runterzunehmen: “Wir kommen tatsächlich von der Menschheit um unsere Siedler, die vor vielen Jahren hier eintrafen, ins Netz der Menschheit aufzunehmen. Was bedeutet der Begriff Kollektiv?”

“DANKE, DASS IHR EURE TARNVORRICHTUNG DEAKTIVIERT HABT. EUER SCHIFF HAT JA GEWALTIGE AUSMASSE. ABER HIER DROHT EUCH KEINERLEI GEFAHR. WIR SELBST SIND TEIL EINES KOLLEKTIVES, DAS  URSPRÜNGLICH VON DIESEM PLANETEN STAMMT. VOR EINIGEN JAHRHUNDERTEN HABEN WIR UNSERE HEIMAT ÜBER EIN STERNENTOR VERLASSEN, UM UNSERE KULTUR ZU RETTEN. WIR SIND DAMALS MIT HILFE VERSCHIEDENDER KLEINERER STERNENTORE, DIE WIR AUF DIESEM PLANETEN VORFANDEN ZUM LAGRANGE-PUNKT L2 GEREIST; DORT HABEN WIR DAS RELIKT EINER ANDEREN ALTEN OFFENBAR AUSGESTORBENEN RASSE VERWENDET: EIN WEITERES STERNENTOR VON EINER GRÖSSE DIE WIR BIS DAHIN NICHT KANNTEN. AUF DER ANDEREN SEITE DIESES STERNENTORES FANDEN WIR UNSERE NEUE HEIMAT. DORT HABEN WIR IN DEN LETZTEN HUNDERTEN VON JAHREN EINIGE STÄDTE GEBAUT, DIE BEWOHNT WERDEN VON DEN MITGLIEDERN UNSERES KOLLEKTIVS. WIE IHR MÖGLICHERWEISE GESEHEN HABT STEHT UNSER GESAMTER ALTE PLANET UNTER WASSER. DAS IST DIE FOLGE EINES BOMBARDEMENTS VON KOMETEN UND ASTEROIDEN, DAS NACH UNSERER UMSIEDLUNG DEN PLANETEN HEIMSUCHTE: TROTZDEM PLANEN WIR DORTHIN ZURÜCKZUKEHREN; DER WIEDERAUFBAU DIESER WELT ERFORDERT ABER NEUE STRATEGIEN UND EINE MENGE ZEIT. ABER JETZT LADEN WIR EUCH ERST MAL EIN UNS IN UNSERE NEUE HEIMAT ZU BEGLEITEN, DAMIT UNSERE ALTVORDEREN EUCH NOCH MEHR VON UNSEREM WISSEN MITTEILEN KÖNNEN. MÖCHTET IHR UNS DORTHIN BEGLEITEN?”

(NUR FÜR MILENA HÖRBAR ÄUSSERT SICH MANTANA): “ICH WÜRDE VORSCHLAGEN, ERST EINMAL MIT EINER DROHNE DURCH DAS STERNENTOR ZU FLIEGEN, DORT ALLES AUFZUZEICHNEN UND DANN ZURÜCK ZU KEHREN. ERST DANN SOLLTEN WIR MIT DEM MUTTERSCHIFF FOLGEN. SICHER IST SICHER. NICHT DAS WIR IN EINE FALLE LAUFEN, HIMIKO.”

“An das Kollektiv: Wir sind einverstanden, möchten euch aber zunächst nur mit einem unserer Drohnenschiffe begleiten damit wir einen ersten Eindruck von eurer neuen Welt bekommen. Danach werden wir mit unserem Mutterschiff folgen.

“EINVERSTANDEN. SCHICKEN SIE IHR DROHNENSCHIFF, ES SOLL UNS EINFACH FOLGEN.”

“Wird gemacht; wird sofort ausgeschleust.”


Nachdem das Drohnenschiff instruiert wurde folgt es dem Schiff des Kollektivs und fliegt gemeinsam mit ihm durch das große Sternentor, auch Transmitter-Tor genannt.

Wir nutzen die Zeit derweil um eines der vielen mitgebrachten KI-Habitate in den Orbit dieser Welt auszusenden und es durch sein Tarnfeld für alle Augen unsichtbar zu machen:

Anschließend schauen wir uns einmal auf dem Planeten um und sehen unter anderem folgende Bilder:

Die Bilder sind ernüchternd und ich frage meine Partnerin, ob wir nicht helfen können, denn immerhin hat die Menschheit viel mehr Erfahrung mit solchen Situationen und insgesamt auch mit Methoden des Terraforming, welche hier sicherlich zur Anwendung kommen sollten. Meine Partnerin gibt mir recht und sie veranlasst über das KI-Netz schon mal nachprüfen zu lassen, in welcher Form wir Hilfe leisten könnten.

Schließlich kommt unser Drohnenschiff zurück zusammen mit einem der Schiffe der Kollektiv-Kultur. Wir nehmen unser Schiff auf und durchfliegen gemeinsam mit dem Kollektiv-Schiff das große Sternentor …

*  *  *

2.

Computer als Mittel zur Unsterblichkeit
Weniger bekannt ist (weil diesbezüglich im “Windschatten” der heftiger diskutierten Gentechnologie), dass diverse Autoren mit der Weiterentwicklung der Computer- bzw. digitalen Technologien auch die Unsterblichkeit der Menschen bzw. ihre Wiedererweckung von den Toten verbinden. Eine dieser Techno-Utopien soll im folgenden skizzenhaft vorgestellt werden: Hans Moravecs “Mind Children”

[Anm.: In der längeren Version dieses Artikels führt der Autor noch eine weitere Utopie auf, die sich auf Frank Tiplers Buch „Die Physik der Unsterblichkeit“ bezieht, siehe unten].
Dabei geht es im folgenden nicht um die formal-, natur- bzw. ingenieurwissenschaftliche Haltbarkeit dieses Szenarios, welches sich als wissenschaftlich seriöses Modell der künftigen Entwicklung versteht, sondern um seine weltanschaulichen Konnotationen. Welche Sehnsüchte werden mit dieser Techno-Utopie angesprochen, welche Ideologien propagiert?

Dabei soll auf süffisante Kommentare und billige Polemik möglichst verzichtet und versucht werden, die (soweit nachvollziehbare) Stärke der Argumente von Moravec darzustellen.(2) Aus diesem Versuch einer möglichst distanzierten Darstellung sollten die Leser jedoch nicht vorschnell schließen, der Autor sei Moravec als Jünger verfallen. Zur Distanzierung wurden viele Formulierungen in den Konjunktiv gesetzt, während sie bei bei Moravec zumeist – sehr sicher und überzeugt – im Indikativ formuliert sind. Es wird so weit wie möglich auf Originalzitate zurückgegriffen und Darstellung und anschließende Diskussion sind textlich getrennt.

Anmerkungen:

(2) Zweifellos könnten Kabarettisten (oder Erzähler von Horrorgeschichten) bereits durch das Vorlesen ausgewählter Textabschnitte der beiden Bücher entsprechende Heiterkeits- oder Horroreffekte erzielen.

Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children” von Gerhard Fröhlich*

*Für Anregungen und kritische Diskussionen des zugrundeliegenden (hier gekürzten, Anm.) Manuskripts, face-to-face oder per e-mail, danke ich Gerhard Dirmoser, Klaus Feldmann, Werner Höbart, Roland Lehner, Elisabeth Parzer, Richard Paulik. Die ungekürzte Fassung dieses Artikels ist einzusehen unter:

http://www.iwp.uni-linz.ac.at/lxe/wt2k/pdf/TechnoUtopUnsterb.pdf

*  *  *

Virtuelle Welt 3. Teil

Die Strahlen der beiden Steine spiegeln sich in den Gesichtern der Geschwister wider, wirbeln in dem kleinen Raum umher und verdrängen nach und nach das gelblich matte Flackern der Kerze. Immer stärker vereinigen sich die blauen und roten Strahlen, bis das grelle Licht mit einem mal mehrfarbig erscheint und alle weiteren Konturen im Raum auszulöschen beginnt … Alles wird zu Helligkeit, die sich immer weiter auf ein Zentrum hin, zu einer gelben leuchtenden Scheibe verdichtet …


*  *  *

… Schützend, die flache Hand über seine Augen haltend, konnte er wieder ihre Konturen erkennen: Mutter Sonne stand hoch am Himmel. Erst als er seinen Blick von ihr abwandte, merkte er, dass Ashne, seine Zwillingsschwester, nach ihm rief:

“… Baldar!, komm’ her! Ich möchte, dass du dir das anschaust …!”

Er drehte sich um und schaute zu seiner Schwester hinauf. Sie saß auf einem der Äste des großen Milonienbaumes und stocherte mit einem Stock in einem Astloch herum. Geschickt zog er sich an einem der tiefer gelegenen Äste hoch. Schon wurde er von ihr mit einer Aufgabe in Beschlag genommen:

“Baldar, wir brauchen einen längeren Ast! Ich kann mit diesem hier nichts ausrichten!”

Er schenkte ihr ein Lächeln, das sie aber nicht bemerkte, da sie ihre Bemühungen weiter fortsetzte, obwohl es doch offensichtlich sinnlos schien …

Himiko und Mantana und das Kollektiv (Teil 3)

Als wir das Gegentor verlassen, werden wir schon von freundlichen Stimmen empfangen:

Hallo, ich heiße Omega Killilus und hier zu meiner Linken das ist mein Ururenkel Sebastian Fantanamas. Wir sind Nachkommen der Menschen, die vor Jahrhunderten vom Kollektiv aufgenommen wurden. Wir fungieren im Kollektiv als eine Art ad-hoc-Botschafter, für den Fall, dass sich tatsächlich noch irgendwann nach der langen Zeit echte Menschen hierher verirren und nach uns suchen, wie es uns ergangen ist.

Auf unserem Bildschirm erscheinen folgende Personen:

Ich antworte: “Nett Sie zu sehen! Wir hatten jetzt eigentlich Vertreter des Kollektivs erwartet.”

Die weibliche Androidin antwortet: “Wir werden Sie auch gleich mit den Verantwortlichen verbinden. Wir wollten Ihnen nur mal ein menschliches Gesicht zeigen. Äh, auch wenn ich selbst einen künstlichen Körper besitze. Mein Ururenkel hier ist zumindest noch stolzer Besitzer eines menschlichen Körpers. Vielleicht können wir uns später zusammensetzen, denn wir sind unglaublich neugierig, was die Menschheit so macht. Wir kennen alle unsere Vorfahren, die älter als 1000 Jahre sind, ja nur aus den Überlieferungen und den wenigen Geschichtsbändern, die uns erhalten blieben.

Ich antworte: “Sehr gerne.”

Es meldet sich eine andere Stimme zu der eine Bildübertragung folgendes zeigt:

“LIEBE MENSCHEN VON DER ERDE, ICH BIN DIE STIMME DES KOLLEKTIVS. SICHER HABT IHR GENAUSO VIELE FRAGEN AN UNS WIE WIR AN EUCH. WIE DARF ICH EUCH NENNEN?”

“Liebes Kollektiv, ich heiße Milena Himiko Komore und bin ein geborener Mensch, bzw. eine Frau. Du darfst mich Milena nennen. Hier bei mir befindet sich die schiffseigene Persönlichkeit, die aus einer Künstlichen Intelligenz besteht und das Gehirn dieses riesigen Raumschiffes darstellt. Der Einfachheit halber zeigen wir dir das Abbild ihrer mobilen Androidin. Über Funkverbindung, solange das möglich ist, überträgt sie bei Ausseinsätzen Teile ihres Ichs, um so auch ausserhalb ihres Schiffes als Gesprächspartnerin zur Verfügung zu stehen. Du Darfst sie gerne MANTANA nennen und auch direkt ansprechen.”

“HALLO MILENA. HALLO MANTANA! BIST DU MILENA BIOLOGISCH VON EINER MENSCHIN GEBOREN WORDEN?”

“Ja, das bin ich. Wir gebrauchen den Begriff Frau und biologische Mutter, nicht Menschin.”

“ACH SO. DAS GANZE WIRD JA OFFENBAR AUS EINER ALTEN MENSCHLICHEN SPRACHE IN EURE JETZIGE SPRACHE ÜBERSETZT. MACHT DAS EIN COMPUTERPROGRAMM?”

“NEIN, LIEBE KOLLEKTIV-SPRECHERIN. DA ICH SELBST ALS KÜNSTLICHE INTELLIGENTZ AUCH EIN COMPUTER BIN, MACHE ICH DAS SELBST. WENN DU MÖCHTEST, KANN ICH DIR DEN SPRACH-INDEX UNSERER MOMENTAN GÄNGIGEN SPRACHE >INTERKOSMO< ÜBERTRAGEN. MÖCHTEST DU?”

JA, SEHR GERNE. – OK. IST ANGEKOMMEN UND WIRD NUN IN UNSEREM KOLLEKTIV VERARBEITET. ES WIRD EINIGE AUGENBLICKE DAUERN, DANN KÖNNEN WIR INS INTERKOSMO ÜBERWECHSELN.”

“IST KEIN DING LIEBE KOLLEKTIV-SPRECHERIN. IST EINERLEI, DA ES FÜR MICH KEINEN UNTERSCHIED MACHT.”

“DU BIST EIN SEHR SCHNELLER RECHNER, ODER?”

“JA, SEHR SCHNELL.”

“BIST DU EINE MASCHINE ODER EIN WESEN?”

“ICH BIN BEIDES. ICH HABE VERSCHIEDENE EINHEITEN, BIOLOGISCHE UND TECHNISCHE, DIE ZUSAMMENGESCHALTET SIND UND DADURCH DIE VORZÜGE VON BEIDEM DARSTELLEN.”

“GILST DU BEI DEN MENSCHEN ALS GERÄT ODER ALS PERSON?”

“BEI DEN MENSCHEN HABE ICH PERSONENSTATUS. BEI DEN MENSCHEN GIBT ES AUCH SCHON SEHR LANGE SEHR VIELE VON UNS. WIR TEILEN UNS MIT DEN MENSCHEN DIE LEITUNG UNSERER ORGANISATION.”

“IHR SEID NICHT GLEICHZEITIG AUCH DIE REGIERUNGSVERTRETER EURER ART UND RASSE?”

“NEIN, DA WIR IM GEGENSATZ ZU EUCH NICHT NUR EIN ODER ZWEI SYSTEME BEWOHNEN SONDERN HUNDERTE UND FAST JEDES SONNENSYSTEM SEINE EIGENE REGIERUNG UND OFT AUCH SEINE EIGENE REGIERUNGSFORM HAT UND WIR DARAN OFT GAR NICHT BETEILIGT SIND, IST DAS NICHT GANZ SO EINFACH. EIGENTLICH SIND WIR EINE ORGANISATION, DIE SICH VPS NENNT UND FÜR DIE GENANNTEN REGIERUNGEN DIE KOMMUNIKATION UND DIE TRANSPORTTORE DURCH DEN HYPER-RAUM ZUR VERFÜGUNG STELLT. SO SIND WIR NICHTMAL EINE REGIERUNG, SONDERN STRENG GENOMMEN EINE FIRMA, DIE SICH DURCH IHRE AKTIVITÄTEN FINANZIERT. WIR BIETEN NICHT NUR ÜBERLICHT-SCHNELLE KOMMUNIKATION UND DEN ZUGANG ZUM HYPERRAUM FÜR JEDERMANN, SONDERN AUCH MILITÄRISCHEN SCHUTZ FÜR DIE SONNENSYSTEME, DIE WIR BETREUEN. DIE MEISTEN DAVON HABEN WIR AUF UNSERE KOSTEN ERSCHLOSSEN. WIR TRAGEN DAFÜR DIE VERANTWORTUNG UND SIE SIND UNSER BESITZ, DEN WIR GEGEN EINE GEBÜHR VERMIETEN. DIE DIENSTLEISTUNGEN WERDEN AUCH AN UNS VERGÜTET. WIR SIND DIE EINZIGE ORGANISATION, IN DER ES KI´S MIT PERSONENSTATUS GIBT. UND NUR WIR KI´S KÖNNEN ZEITLOSE KOMMUNIKATION MÖGLICH MACHEN.”

“DAS PRINZIP DES HYPERRAUMFLUGES IST UNS BEKANNT, DA EINIGE UNSERER VÖLKER AUF DIESEM WEG ZU UNS GELANGT SIND. DURCH IHREN ZUSAMMENSCHLUSS MIT UNS GING AUCH DIESES WISSEN AN UNS ÜBER. WIR SELBST BETREIBEN ABER KEINE RAUMFAHRT AUSSERHALB DES EINFLUSSBEREICHES UNSERER BEIDEN SONNENSYSTEME.”

“OFFENBAR STAMMT EUER WISSEN ÜBER HOCHLEISTUNGSCOMPUTERTECHNOLOGIE AUS DERSELBEN QUELLE.”

“RICHTIG. WIR HABEN ALLERDINGS AUCH DIESE TECHNOLOGIE NICHT WEITERENTWICKELT. WIR HABEN ARTEFAKTE GEFUNDEN, ZU DENEN NICHT NUR DIE VERSCHIEDEN GROSSEN STERNENTORE GEHÖREN, SONDERN AUCH VIELE KLEINERE. DIESE TECHNOLOGIE REICHT AUS FÜR UNSERE AKTIVITÄTEN IM RAUM. IM BEREICH DER MINI-STERNENTORE BEFINDET SICH EINE GROSSE ANZAHL VON TRUHEN.  ALS UNSERE VORFAHREN DIESE TRUHEN AUSPROBIERTEN, EVOZIERTEN DIESE EINE ART SCHRUMPFUNGSPROZESS VON BIOLOGISCHEN KÖRPERN; SIE WURDEN VON DER TRUHE ZU KRISTALLEN KOMPRIMIERT.  BEI EINSATZ VON ELEKTROMAGNETISCHER ENERGIE ZU DIESEN KRISTALLEN ZEIGTE SICH, DASS ES SICH UM BEWUSSTSEINSBESITZENDE INFORMATIONSTRÄGER HANDELN MUSSTE. SIE ZEIGTEN EINBLICKE IN DIE BEWUSSTSEINE IHRER VORHERIGEN BESITZER.”

“SIE WOLLEN SAGEN, DIESE TRUHEN MACHEN AUS ALLEN BIOLOGISCHEN LEBEWESEN KRISTALLE? KRISTALLE, DIE DIE BEWUSSTSEINE DER EHEMALIGEN KÖRPER KONSERVIEREN UND DIESE BEI ANBRINGEN EINER SPANNUNG WIE EIN COMPUTERCHIP ZU VERWENDEN SIND?”

“RICHTIG ALLE BIOLOGISCHEN BEWUSSTSEINSBESITZENDEN WESEN SIND SEIT DIESER ZEIT – ES DÜRFTEN JETZT ETWA 100.000 JAHRE SEIN – NOCH EXISTENT, LEBEND SOZUSAGEN UND QUASI UNSTERBLICH.”

“MIT ANDEREN WORTEN: DIE BEWUSSTSEINE ALL DIESER LEBEWESEN, DIE AUF DIESE WEISE BEHANDELT WURDEN STEHEN NOCH ZUR VERFÜGUNG UND SIND JEDERZEIT ABRUFBAR?“

“RICHTIG. WIR ALLE, SAMT UNSEREN VORFAHREN UND ALLEN FREMDEN LEBENSFORMEN, DIE UNS  SEITDEM BESUCHTEN, SIND AUF DIESE WEISE KONSERVIERT UND UNSTERBLICH UND EXISTIEREN WENN MAN SO WILL NOCH IMMER …”

* * *

3.

Der Wettlauf zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz

2) Unsterblichkeit mittels Mensch-Computer-Symbiosen

“Eine Ewigkeit rein zerebraler Existenz – das mag Intellektuellen als Paradies erscheinen, anderen Menschen als Hölle.” (Hans Moravec 1990, 206) .

2.1) Der Kampf zwischen Körper und Geist

Hans Moravec, Direktor des Mobile Laboratory der Carnegie Mellon University (USA), geht davon aus, dass es “in Jahrmilliarden unermüdlichen Wettrüstens” unseren Genen “endlich gelungen (ist), sich selbst auszubooten” (Moravec 1990, 9), nämlich mit der Entwicklung der Computer und Roboter. Moravec behauptet einen Wettlauf zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz. Nach Moravecs Prognose werden Roboter, deren Intelligenz der menschlichen gleichkommt, in fünfzig Jahren eine “ganz alltägliche Errungenschaft” sein (ebd.., 16). Dies führe objektiv zu einer Konkurrenz zwischen Mensch und Computer: “intelligente Maschinen – mögen sie auch noch so gutartig sein – bedrohen unsere Existenz, weil sie Mitbewohner unserer ‘ökologischen’ Nische sind.” (ebd., 140)

Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children” von Gerhard Fröhlich*

*Für Anregungen und kritische Diskussionen des zugrundeliegenden (hier gekürzten, Anm.) Manuskripts, face-to-face oder per e-mail, danke ich Gerhard Dirmoser, Klaus Feldmann, Werner Höbart, Roland Lehner, Elisabeth Parzer, Richard Paulik. Die ungekürzte Fassung dieses Artikels ist einzusehen unter:

http://www.iwp.uni-linz.ac.at/lxe/wt2k/pdf/TechnoUtopUnsterb.pdf

*  *  *

Virtuelle Welt 4. Teil

So ist Ashne eben. – Nie gibt sie auf oder sieht etwas Unmögliches ein, dachte Baldar und hangelte sich einige Äste höher in das Blätterreich hinein. Krachend brach er einen der längeren dünneren morschen Äste ab …

Als er diesen seiner Schwester reichte, sah sie ihn nur kurz, doch mit glänzenden Augen an.

Sie hatte hochrote Wangen und schien wieder einmal etwas entdeckt zu haben, von dem sie ganz und gar eingenommen wurde …

“… warte nur Bruder, gleich wirst du sehen, dass sich meine Hartnäckigkeit auszahlen wird; wir werden sicher einen Schatz oder etwas Ähnliches finden …”

Baldar, mehr mit den Füssen auf der Erde und den Sinnen bei praktischeren Dingen, konnte den Phantastereien seiner Schwester nur selten etwas abgewinnen: “Ich glaube eher, dass du da in einem Wespennest herumstocherst und wir dafür gleich die schmerzhafte Belohnung bekommen werden!”

“Ach Bruder, dass du immer so trampel-herzig sein und mir den Spaß verderben musst!”

Baldar wollte seiner Schwester gerade etwas darauf erwidern, als sich der Ast mit dem Ashne in dem Loch herumstocherte, plötzlich selbständig machte und wie wild zu wackeln anfing, so dass Ashne einen erschreckten Schrei von sich gab und sich ängstlich an ihren Bruder klammerte, der nun ebenfalls mit aufgerissenen Augen auf dieses merkwürdige Schauspiel starrte …

Himiko und Mantana und das Kollektiv (Teil 4)

Das hat mich als sterblicher Mensch natürlich erstmal umgehauen: Existentielle Unsterblichkeit. Etwas woran man als Mensch erstmal nicht glauben kann und auch nicht zu hoffen wagt. Sicher, die Menschen sind im Durchschnitt seit Jahrhunderten oder sogar seit Jahrtausenden immer älter geworden. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Menschen im von uns besiedelten Bereich dürfte inzwischen so um die 300 Jahre sein. Aber existentiell unsterblich, das ist schon eine ganz andere Nummer. Nach dem Austausch erster Informationen hat man uns dann eingeladen auf den Planeten ihrer neuen Heimat persönlich herunterzukommen damit wir uns das Leben auf dieser Welt einmal von Angesicht zu Angesicht anzusehen können. Immerhin besteht sie aus sehr vielen Individuen, die jetzt schon seit 100.000 Jahren zusammenleben und viele der Völker und Lebensformen sind wohl inzwischen selbst Teil dieses Kollektivs.

Ich habe mich dahingehend mit meiner Partnerin MANTANA abgesprochen, dass wir tatsächlich dem Planeten einen Besuch abstatten werden. Allerdings werden wir das in Androidenkörpern tun. MANTANA kann ja anders gar nicht und ich selbst möchte jetzt nicht bekannt werden wie ein bunter Hund, als Mitentdeckerin dieses Kollektives.

Ich bitte meine Partnerin mir zu helfen, mit der Steuerung eines Androiden-Körpers klar zu kommen. Ich habe sowas zwar in meiner Laufbahn als ERK-Beamtin schon des Öfteren gemacht, aber noch niemals im Angesicht einer solchen Situation und im Kontakt mit Ausserirdischen. Dafür setze ich mich in eine spezielle Vorrichtung , die sich in der Kommandozentrale aus dem Boden erhebt. Ich muss eine Vielzahl von Sensoren an meinen Körper anbringen, denn es soll ja auch einigermaßen echt wirken, wie meine eigene Androidin sich gebärdet. Wie gesagt, wir haben das Angebot angenommen und auch erklärt, dass wir das nur in Androidenkörpern machen können, da meine Partnerin eine riesige Recheneinheit an Bord dieses Schiffe ist und ich selbst aus einigen anderen Gründen persönlich nicht von Bord kann und ebenfalls in Androidenform erscheinen werde, aber die Stimme des Kollektiv war damit sofort einverstanden, denn offenbar ist es auf diesem Planeten etwas völlig normales in einem Androidenkörper herum zu laufen.

Was unser Hilfsangebote zur Wiederherstellung ihres alten Planeten angeht, ist man sehr erstaunt darüber. Doch man ist sofort einverstanden. MANTANA veranlasst also, dass ein Team von Spezialisten beim alten Planeten eintreffen wird um dort mit den Vertretern des Kollektivs abzusprechen, wie denn unsere Hilfe genau aussehen könnte. Die Kollektiv-Sprecherin ist sehr angetan von unserem Hilfsangebot. Sie stellt in Aussicht, dass die Menschheit, das heißt der Teil der Menschheit, der durch die VPS vertreten wird, gerne als Partner in allen Belangen akzeptiert werden wird. Dazu gehört auch, dass Menschen, die sich dem Kollektiv anschließen möchten, das auch gerne tun dürfen. Und selbstverständlich wird man die Menschen, die bei uns kurz vor dem Versterben stehen, in Form von Kristallen weiterexistieren lassen, entweder durch die Aufnahme in das Kollektiv der vielen Bewusstseine oder in einem Androidenkörper.

Schließlich ist es soweit. Ich begebe mich mit meiner Partnerin in zwei weiblichen Androidenkörpern auf eine Fähre, die sich im Hangar meines Habitats an Bord unseres Rochenschiffes befindet. Der Hangar ist so angebracht, dass wir ihn auch bei laufendem Betrieb des Habitats benutzen können; dieses dreht sich ja um Schwerkraft zu erzeugen um seine eigene Achse. Auch die Fähre dreht sich aus diesem Grund um sich selbst. Nachdem sie aus dem Tor des Hangars herausgeflogen ist, benutzt sie den Weg bis zum Maul des Mantaschiffes als Beschleunigungsstrecke um dann das Maul des Rochens zu passieren, welches sich danach sofort wieder schließt.

Da MANTANA und ich in Androidenkörpern stecken, benötigen wir keine Schwerkraft an Bord der Fähre und neutralisieren die Drehung durch einige wohl-dosierte Schübe aus den Steuerdüsen der Fähre. Nachdem die Kreiselbewegung beendet ist, können wir nun auch einen Blick auf den Planeten werfen. Dieser ist gekennzeichnet durch eine sanfte rötliche Färbung. Nicht so stark wie der Mars im Heimatsystem sondern eher dezent. Meistenteils handelt es sich um steinige Landmasse, die immer wieder durchsetzt ist von vielen grösseren und kleineren Seen.

Es gibt auch einen Ozean, der allerdings nicht wie auf Terra den größten Teil der Planetenoberfläche ausmacht, sondern sich nur eher spielerisch um die verschiedenen Kontinente schmiegt. Die beiden Pole besitzen offenbar nur geringe Anteile an Eis und im Norden glitzert es durch den Aufgang der Sonne, was ein sehr malerisches und romantisches Bild abgibt, fast so wie in einer Werbung eines Reisebüros. Aber natürlich sind wir hier nicht auf Urlaub, sondern vor uns steht eine gewaltige Aufgabe: ein Paradigmenwechsel für uns Menschen und dasselbe dürfte auch für das Leben des Kollektivs gelten. Schließlich treten wir in die Planetenatmosphäre ein, und wir nähern uns einem Kontinent, auf dem eindeutig eine riesige Stadtstruktur zu erkennen ist …

4.

Unsterblichkeit bei Moravec heißt: Die Befreiung des menschlichen Geistes aus dem Körper

Der menschliche Geist entspricht dem Rechenvorgang eines Computers und kann somit als Datei in einen Roboter übertragen werden. Moravec sieht in dieser Entwicklung jedoch auch eine große Chance. Er erhofft sich – mit Hilfe ebendieser Computer und Roboter – die Unsterblichkeit des Menschen – genauer: des menschlichen Geistes, aufgrund der Befreiung des menschlichen Geistes aus dem menschlichen Körper. In explizit dualistischer Manier (Trennung Körper/Geist) und dezidiert leibfeindlicher Argumentation geht Moravec von einem Kampf zwischen Verstand und Genen, zwischen Körper und Geist aus:

“Unser Verstand und unsere Gene mögen im Laufe unseres Lebens viele gemeinsame Ziele verfolgen, doch es gibt ein Spannungsverhältnis zwischen der Zeit und Energie, die wir in den Erwerb, die Entwicklung und die Verbreitung von Ideen investieren, und der Mühe, die wir für unseren Körper und die Aufzucht einer neuen Generation aufwenden (wie alle Eltern halbwüchsiger Kinder bestätigten können)” (ebd., 13; Herv.G. F.).

Moravec sieht die Lösung in einer postbiologischen Welt, die “von sich selbst vervollkommnenden, denkenden Maschinen beherrscht würde.” (ebd., 14). Quasi ein “Nebenprodukt” dieser Maschinenwelt wäre die Unsterblichkeit des menschlichen Geistes.

Hans Moravec fällt es nicht schwer, sich – unter expliziter Berufung auf den Unsterblichkeitsglauben – menschliches Denken “frei von der Bindung an einen sterblichen Körper” vorzustellen: “schließlich glauben viele Menschen an ein Leben nach dem Tode” (ebd., 13f.). Moravec geht in seiner Argumentation von der Analogie mit dem Rechenvorgang eines Computers aus (eine derzeit inbes. in den sog. cognitive sciences durchaus übliche Vorgangsweise): dieser könne an einer beliebigen Stelle unterbrochen, als Programm und Datei aus dem Speicher eines Computers auf einen unabhängigen anderen Computer übertragen und dort fortgesetzt werden, “als sei nichts geschehen … man braucht sich nur vorzustellen, daß der menschliche Geist in ähnlicher (wenn auch technisch sehr viel komplizierterer) Weise aus seinem Gehirn befreit wird” (ebd., 14; Herv. G. F.).

Techno-Utopien der Unsterblichkeit – Eine Kritik zu Hans Moravec’ Buch “Mind Children” von Gerhard Fröhlich*

*Für Anregungen und kritische Diskussionen des zugrundeliegenden (hier gekürzten, Anm.) Manuskripts, face-to-face oder per e-mail, danke ich Gerhard Dirmoser, Klaus Feldmann, Werner Höbart, Roland Lehner, Elisabeth Parzer, Richard Paulik. Die ungekürzte Fassung dieses Artikels ist einzusehen unter:

http://www.iwp.uni-linz.ac.at/lxe/wt2k/pdf/TechnoUtopUnsterb.pdf

(Zum nächsten Teil)

Copyright © 2015 by Felis Breitendorf, Susan Ott & Conchita Mendés

Copyright und Bildrechte alle Grafiken und Gemälde sind 2015  Copyright © 2015 by Lothar Bauer (http://www.chaosrigger.org/chaosblog) oder WhiskeySierraGrafics, wolfgang Sigl (http://www.wolfgangsigl-grafiken.de/) Mit freundlicher Genehmigung der Künstler.

Bildrechte: AbenteuerMilenaHimikoKomore” (AbenteuerMilenaHimikoKomore11.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildrechte: Die Raumfahrerin” (Raumfahrerin 22,5mm hoch.jpg) © 2013 by Detlef Hedderich/sfbasar.de

 

Wer sich noch eingehender mit dieser Thematik beschäftigen möchte, sollte sich den untenstehenden Titel über einen der Bestelllinks ordern:

Mind Children (Kartoniert)
Future of Robot and Human Intelligence (englischsprachig!)
von Moravec, Hans P.

.
Verlag:  Harvard University Press
Medium:  Buch
Seiten:  224
Format:  Kartoniert
Sprache:  Englisch
Erschienen:  Juli 1990
Auflage:  Revised.
Maße:  229 x 152 mm
Gewicht:  299 g
ISBN-10:  0674576187
ISBN-13:  9780674576186

Produktbeschreibungen
Pressestimmen
One would be making a mistake to let Mind Children recede unopened into a guiltless oblivion. It’s a tonic book, thought-provoking on every page. And it reminds us that, in our accelerating, headlong era, the future presses so close upon us that those who ignore it inhabit not the present but the past. — Brad Leithauser New Yorker A comprehensive and highly readable survey of the state of the art in robotics. — M. Mitchell Waldrop New York Times Book Review Moravec, by his own admission, is an intellectual joyrider, and riding his runaway trains of thought is an exhilarating experience…This is an intellectual party that shouldn’t be pooped, no matter how much it may disturb the neighbours and encourage over-indulgence. — Brian Woolley Guardian [Mind Children] has the accuracy of a college text and the can’t-put-it-down appeal of a good novel. Moravec has turned the flights of mind of one of the world’s foremost roboticists into hard copy. And he has written a tremendously good book in the process. — Eric Bobinsky Byte A dizzying display of intellect and wild imaginings by Moravec, a world-class roboticist who has himself developed clever beasts…Undeniably, Moravec comes across as a highly knowledgeable and creative talent–which is just what the field needs. Kirkus Reviews

Synopsis
Arguing that within the next fifty years machines will equal humans not only in reasoning power but also in their ability to perceive, interact with, and change their environment, the author describes the tremendous technological advances possible in thefield of robotics.

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei ebook.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter NEUAUFLAGEN, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

DEUTSCHSPRACHIGE ÜBERSETZUNG:

Mind Children Gebundene Ausgabe – 1990
von Hans Moravec (Autor)
.

Produktinformation
Gebundene Ausgabe: 273 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe (1990)
ISBN-10: 3455083730
ISBN-13: 9783455083736
Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14,6 x 2,4 cm

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei ebook.de

Beschreibung
Hans Moravec hat zwei Leidenschaften. Die eine gilt seinen Roboterkindern. Ihnen will er ein räumliches Bewusstsein geben, damit sie sich geschickt bewegen und nützliche Dinge tun können. Sie sollen etwa Botengänge durchführen und dabei einen Weg durch vollgestellte Büros finden, ohne mit herumeilenden Menschen zu kollidieren. So weit, so gut – die wissenschaftliche Arbeit zur Robotik hat dem Professor, der an der Eliteuniversität Carnegie-Mellon im US-amerikanischen Pittsburgh sitzt, große Meriten eingebracht.

Was man von seiner anderen Leidenschaft, der Zukunftsforschung, nicht sagen kann. Hans Moravec vertritt nämlich die Ansicht, die biologische Evolution werde von der geistigen abgelöst. Biologische Mutation und Selektion hätten keine Gelegenheit zum evolutionären Wechselschritt mehr, weil der Geist und die Kultur in Windeseile den Menschen und die Umwelt veränderten – bis zur Unkenntlichkeit. Die DNS als biologischer Vererbungsträger werde von Buch und Bit abgelöst. Immer klügere Computer und Roboter seien Zeichen dieses Umbruchs.

Während Moravec seine Visionen entfaltet, sprüht er vor Begeisterung; selbst die unglaublichsten Prognosen äußert er in freundlicher, unspektakulärer Art. Beim breiten Publikum rufen seine visionären Aktivitäten Abscheu und Empörung hervor, weshalb er sogar unter Forscherkollegen als gefährlich gilt.

Als vor einigen Jahren sein Buch “Mind Children” erschien, war der Aufschrei groß. Darin kündigt Moravec nichts Geringeres als einen Genozid am Menschengeschlecht an – und scheint sich darauf sogar noch zu freuen. Sobald wir der biologischen Zwänge ledig sind, werden wir laut Moravec unsterblich, indem unsere Persönlichkeit in Form von Software abgebildet wird, die auf “Robotercomputern” lauffähig ist. Beliebig kopierbar wären wir dann außerdem. Die letzten Exemplare unserer Gattung werden laut Moravec von den Robotern, die dann die Welt beherrschen, in einer Art Naturpark gehalten.

Die Ideen von Hans Moravec sind Wasser auf den Mühlen der “Transhumanisten”. Diese unverbesserlichen Optimisten bereiten sich auf die Zeit des Homo digitalis vor und glauben daran, dass durch High-Tech alles besser wird: Durch technische Mittel soll der Mensch seine genetischen, neuronalen, psychologischen und kulturellen Beschränkungen abstreifen. Als Forum dient den Transhumanisten das Magazin Extropy. Moravec ist wie Robert Anton Wilson, Paul M. Churchland, Richard Dawkins und Marvin Minsky einer ihrer Vordenker.

Die Leute des Daimler-Benz-Forschungszentrums hat das nicht daran gehindert, Hans Moravec für ein halbes Jahr nach Berlin zu holen. Er scheint den Daimler-Forschern der richtige Mann zu sein, um die Entwicklung von Inspektionsrobotern für Flugzeuge zu inspirieren. Diese Serviceautomaten sollen eines Tages selbständig um Flugzeuge wuseln, ganz im Unterschied zu den derzeit eingesetzten Fließbandrobotern. Bis freilich jede Gefährdung von Mensch und Flieger ausgeschlossen ist, wird man Moravec wohl noch öfter um Rat fragen müssen.

Moravec schätzt die Ruhe in dem Berliner Gewerbekomplex, wo das Daimler-Benz-Forschungszentrum untergebracht ist und wo er in einem schmucklos eingerichteten Zimmer arbeitet. Hier muss er sich kaum um Dinge kümmern, die ihn von seiner Arbeit abhalten. Ganz im Gegensatz zu Pittsburgh. Zwischenmenschliche Verpflichtungen sind Hans Moravec ein Greuel; freimütig gibt er zu, dass “der soziale Teil meines Gehirns unterentwickelt” ist. So hat sich der Eigenbrötler nie darum bemüht, immer mehr Forschungsmittel zu bekommen und einen möglichst großen Stab von Mitarbeitern zu dirigieren. “Ich bin ein furchtbarer Manager”, gesteht er. “Ich kann auch keine Gruppe führen. Mein Labor hatte 1985 zu Spitzenzeiten zwölf Leute. Ich habe es gehasst. Ich musste mir zuviel Sorgen um die Probleme anderer Leute machen.”

Spricht man ihn auf einzelne Kritiker an, reagiert er mit einem Hinweis auf seine chronische Vergesslichkeit im Umgang mit Menschen: Wer ihn nicht ständig auf sich aufmerksam mache, werde dauerhaft aus seinem Gedächtnis gelöscht. Und er selbst wirkt, als sei er nicht ganz von dieser Welt. Moravecs selbstkritisches Fazit: “Ich bin nur wenig begabt, mich in eine Gesellschaft einzugliedern.”

Neben einer seiner Computertastaturen liegt ein Lehrbuch der Programmiersprache C. Hier programmiert der Chef noch selbst, und über einen neuen Kniff seines Codes spricht Moravec mit der gleichen Begeisterung wie über die Zeit, in der uns die Roboter die Arbeit vollständig abgenommen haben werden. Die Wand seines Zimmers ziert nur ein Poster, auf dem gleichmäßige schwarze Punkte zu sehen sind. Eine darauf gerichtete Kamera verrät, dass es sich um kein Kunstwerk, sondern um das Mittel für ein Experiment handelt, denn die Kamera wiederum ist mit einem Computer verbunden.

Ein Mensch hat im Leben von Hans Moravec dennoch Platz gefunden: Es ist seine Frau, eine Theologin. Seit er mit ihr verheiratet ist, hat er, der seit einer schweren Krankheit keinen Nachwuchs mehr zeugen kann, zwei Stiefkinder. Vermutungen, dass seine Roboterbabys bloß kompensieren sollen, dass er unfruchtbar ist, begegnet Moravec mit dem Hinweis, bereits seine frühe Kindheit habe im Zeichen von Robotern gestanden.

Mit vier Jahren bastelt er aus Massivholzteilen sein erstes Modell, versieht es mit einer Kurbelsteuerung. Sechs Jahre später gelingt ihm eine Konstruktion aus Metallschrott; Blechdosen stellen Körper und Kopf dar, mit einem Schalter kann man den steifen Roboterarm auf- und abbewegen, mit einem anderen die Augen leuchten lassen. Befördert wird die Begeisterung für die Basteleien durch einschlägige Lektüre und durch seinen Vater – einen Elektroingenieur.

Hans Moravec wird in Österreich geboren und wohnt dort die ersten vier Jahre seines Lebens, gemeinsam mit seiner österreichischen Mutter und dem im zweiten Weltkrieg aus der Tschechoslowakei geflüchteten Vater. 1953 emigriert die Familie nach Montreal. Der junge Hans liest fast nur Science-fiction-Bücher; das einzige, das ihn daran interessiert, sind die technische Plausibilität und Machbarkeit der beschriebenen Dinge. Zeitmaschinen und Robotern gilt seine besondere Aufmerksamkeit. Die anderen Aspekte der Bücher treten deutlich in den Hintergrund: “Wenn ich ein Buch gelesen habe, könnte ich nie sagen, welche Rollen und Charaktere es darin gibt. Schon beim Lesen geht mir so etwas nicht in den Kopf, ich frage mich immer, wer wer ist.”

Während seine Mitschüler an der katholischen Ordensschule hinter Mädchen herlaufen, versucht der Einzelgänger, durch seine Elektrobasteleien Anerkennung zu erringen. Mit vierzehn baut er logische Schaltkreise aus Relais und setzt sie einer Roboterschildkröte ein, die auf der Suche nach Licht umherschleicht. Ein Jahr später entwickelt er auf der Basis eines Tonbandgeräts die Steuerung eines Roboterarms. 1965 schließlich – mit sechzehn Jahren – steht der Bau eines ausgewachsenen Computers sowie eines Spielautomaten (“Drei gewinnt”) auf dem Programm. Beide Projekte läßt Hans Moravec bleiben, als er Zugriff auf einen richtigen Computer (IBM 1620) bekommt. Dem widmet er ab sofort seine ganze Freizeit. Da der Bau von Zeitmaschinen wenig Erfolg verspricht, konzentriert sich Hans auf die Robotik.

Eine Lebensgefährtin haben ihm die Basteleien nicht eingebracht – seine Frau lernt Hans Moravec während seiner Zeit im Krankenhaus kennen. Doch bald stellt sich internationale Reputation ein. Über neun Jahre entwickelt er im Rahmen seiner Doktorarbeit den weltweit ersten “autonomen” Roboter, der nicht auf eine kontrollierte Laborumgebung angewiesen ist, sondern sich in einer natürlichen Umwelt mit aller ihrer Unberechenbarkeit leidlich zurechtfindet. Kein Wunder also, dass Hans, wie ihn die Studenten nennen, 1980 das mittlerweile größte Roboterlabor der USA in der alten Stahlmetropole Pittsburgh mitaufbauen darf.

Es ist paradox, dass Moravec als extremster Hardliner der Robotik manchmal zu den gleichen Folgerungen kommt wie seine tief gläubige Frau. So erläutert er in wenigen Sätzen, warum das Zuschreiben von Existenz bloß eine subjektive Interpretation ist und warum damit die Frage nach dem Weiterleben nach dem Tode auch jetzt schon vorsichtig positiv beantwortet werden kann. “Wenn die naturwissenschaftliche Interpretation einer Person als lebendes Wesen nicht mehr passt, weil er gestorben ist, werden statt dessen eine ganze Menge anderer Interpretationen sinnvoll.” Wie man sich vor dem noch kommenden Zeitalter der binären Unsterblichkeit diese Existenz nach dem Tode vorzustellen hat, lässt er allerdings offen.

Publizistisch hat Moravec nicht ganz soviel Glück wie in seiner Forschungsarbeit. Sein erstes Buch “Mind Children” macht ihn zwar in Humanistenkreisen zu einem vielgehaßten Mann, das zweite, fast fertige Werk namens “The Age of Mind” jedoch kommt nicht richtig in die Gänge. Sein amerikanischer Verlag Bantam wurde von Bertelsmann übernommen und Moravec in der Folge aus dem bestehenden Vertrag gedrängt. Obwohl es dort also keine Neuerscheinung von ihm geben wird, ist es juristisch noch nicht klar, ob er das Werk ohne Bantam-Genehmigung anderswo veröffentlichen darf.

Aufgrund der verzwickten Lage überlegt Moravec, das Buch ins Internet zu stellen. Tatsächlich sind schon jetzt zwei Buchkapitel im World Wide Web zu finden. Natürlich gibt es dafür derzeit kein Autorenhonorar.

Aber um Geld geht es Hans Moravec offensichtlich nicht. Er kann als Universitätsprofessor ohne materielle Sorgen erforschen, was ihm Spaß macht. Wer Moravec erlebt, wird den Verdacht nicht los, dass sich seine Motivation aus einer gewissen Langeweile am herkömmlichen Leben speist. Der hochintelligente “Sozialbehinderte” ist eines Lebens überdrüssig, in dem “gewöhnliche Leute gewöhnliche Dinge machen, die ganze Seifenoper immer und immer wieder.” Was sich daran ändern soll? “Ich hoffe, einmal einen guten Roboterfreund zu bekommen. Aber es dauert länger, als ich ursprünglich gedacht habe.”

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei ebook.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter NEUAUFLAGEN, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme