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BLUTIGE ENGELSTRÄNEN – Geschichte I – Eine Science-Fiction-Story von Miriam Kleve

Blutige Engelstränen

Eine Science-Fiction-Story
von
Miriam Kleve

Geschichte I

So einen dreckigen Scheiß wollte er nie wieder in seinem Leben erleben. Und so wie es aussah, würde dieses Leben in Kürze enden. Die Luft zerrte an Curtis Körper, während er unaufhaltsam in die Tiefe stürzte. Seine breite Nase war gebrochen, über dem linken Auge hatte er eine Platzwunde davongetragen und die ganze rechte Seite schmerzte höllisch. Dort, wo die sengende Hitze der Dämonenpeitsche seine Lederrüstung weggerissen und die nackte Haut verbrannt hatte. Und als Krönung sämtlicher Leider stak eine schmale Dolchklinge aus schwarzem Seelenstahl in seinem rechten Oberschenkel. Wenn Curtis so darüber nachdachte, dann war der schnell nahende Tod vielleicht eine Erlösung.

Gerade als er glaubte vor dem tödlichen Aufprall die Besinnung zu verlieren, hörte er ein Rauschen, das schnell näher kam. Es war nicht der Fallwind, der sich im alten und brüchigen Beton des Himmelsturmes fing. Es war nicht das Geschrei der verdammten Seelen, die den Streitwagen von Paliaff zogen, ein Ungetüm aus Blut, Knochen und Gedärmen. Nein. Es war das Rauschen eines Sommersturms, der sich in mächtigen Federn fing. Es war ein Geräusch, dass sich wie Balsam auf Curtis verwundete Seele legte und den Zweifel tilgte, den die Dämonen säten.

Und dann war das Rauschen heran, ganz nah. Ein Schatten jagte heran, holt den stürzenden Körper des Menschen ein. Zwei starke Arme umschlangen ihn, packten ihn, hielten ihn fest, geborgen und sicher wie ein Kind. Warmer Atem strich über Curtis‘ Nacken, umfloss das kurzgeschorene Haar und ließ es sich zur Gänsehaut aufrichten. Der Geruch von Maisfladen lag in der Luft, ein angenehmer Duft, der nach Zuhause roch, nach seiner Mutter, die am Herd stand und trotz der harten Arbeit stets ein Lächeln für ihn übrig hatte. Und dann wurde Curtis mit einem heftigen Ruck nach oben gezogen, wenige Augenblicke bevor er mit dem Kopf zuerst den Boden erreichte und sein Schädel auf dem alten, aufgebrochenem Asphalt blutig zersprang.

Innerhalb eines bewegenden Augenblick änderte sich die Perspektive, wurde unten wieder zu oben, folgten die Innereien der Schwerkraft und fielen regelrecht an ihren angestammten Platz. Bis zum Boden waren es nur noch wenige Schritte, die Curtis vorsichtig hinabschwebte, gehalten von den starken Armen seines Retters, der seine mächtigen Flügel weit ausbreitete und sanft hinab glitt.

„Das war eine verdammt knappe Kiste“, flüsterte eine dunkle, angenehme Männerstimme Curtis ins Ohr. Dann berührten ihre beider Füße auch schon bereits den Boden. Curtis‘ schwere Reiterstiefel, mit den außen liegenden Stahlkappen und die nackten Füßen des Engels, der im Auftrag Gottes erschien, um den Menschen vor dem Tod zu bewahren.

Der Engel ließ den Haltegriff langsam nach und Curtis somit vorsichtig zu Boden gleiten. Der Reiter stöhnte leise auf und wurde sich erneut seiner Verletzungen bewusst. Doch Angesichts eines Engels versuchte er die Schmerzen mühsam zu unterdrücken, was ihm jedoch misslang. Mit groß Augen musterte er seinen Retter, der aus dem Nichts erschienen war, um ihn zu retten.

Der Engel war von schlanker, aber muskulöser Gestalt. Er war offensichtlich männlich, wenn auch zart und weich gebaut. Sein feiner Kinnbart stand dem als Kontrast gegenüber, war aber durchaus passend. Das schwarze Haar fiel lockig bis zu seiner Hüfte hinab und harmonisierte perfekt mit seiner weißen Haut. Braune, warmherzige Augen blickten auf Curtis hinab, in denen Zuversicht und Vertrauen zu lesen waren. Die gewaltigen Flügel des Engels falteten sich in einem letzten Rauschen auf dem Rücken zusammen. Es waren mächtige, graugefiederte Schwingen, den Wildgänsen gleich.

Die einzige Bekleidung des Engels war ein weißer Lendenschurz und breite, aus Leinen geschnittene Streifen, die sich kunstvoll um den Körper und die Gliedmaßen wanden. In großen Lettern waren lateinische Worte darauf niedergeschrieben, segnende Sprüche aus dem Buch der Bücher.

„Und so sprach Gott zu Ismael in dessen Träumen, er solle fliegen und sich eilen, um den Menschen zu retten der Curtis genannt wird.“ Der Engel kniete sich nieder und lächelte. Er griff nach dem Dolch aus Seelenstahl und zog diesen mit einer schnellen, aber dennoch sanften Bewegung aus Curtis‘ Fleisch heraus. Dieser stöhnte vor Schmerz auf und Blut schoss aus der Wunde. Der Engel presste seine Hand auf die Verletzung und das Blut quoll nun zwischen seinen Fingern hervor. Er schloss die Augen und ein goldenes, warmes Licht legte sich über seine Hand. Es schien aus deren Innerem zu kommen, die Finger beinahe durchsichtig werden zu lassen. Die feinen Handknochen wurden als verschwimmende Schatten sichtbar. Und dann versiegte der Blutstrom langsam, setzte die Gerinnung und natürliche Heilung ein. Allerdings übernatürlich beschleunigt, denn ein Engel Gottes nahm sich der Verletzung an.

Curtis blickte auf die schmalen Lippen des Engels, die die Worte geformt hatten. Noch nie hatte der Reiter einen Engel leibhaftig gesehen. Und nun kniete einer neben ihm, hatte ihn gerettet und versorgte gar seine Wunden. Curtis erinnerte sich an die Worte der Priester und das keiner der Engel von sich in der ersten Person sprach, denn das war für Gesandten Gottes eines Sünde. „Ismael, ist das dein Name?“

Der Engel nickt, während er nun über die Brandwunden strich. Eine angenehme Kühle breitete sich in Curtis Körper aus und er wurde langsam müde. „So hat Gott Ismael benannt und so trägt Ismael diesen Namen mit stolz.“ Nun richtete der Engel mit der linken Hand sanft Curtis Nase, was diesen trotzdem höllisch schmerzte. Doch dann strich die rechte Hand des Engels über die Verletzung und auch hier trat rasch Heilung und Linderung ein. Der Engel strich dem Menschen sanft über das Haar.

Curtis blickte zum Himmel hinauf. Die toten Wolkenkratzer der Stadt zeichneten sich wie Knochenfinger scharf gegen den blutroten Mittagshimmel ab. Dutzende von Engeln waren gerade dabei und stießen aus dem Himmel hinab, um mit ihren blitzenden Schwertern die Dämonen in Asche zu verwandeln und die Herzen der Menschen gewaltsam zu zerteilen. Tränen schossen in die Augen des Reiters als er erkannte, dass keiner der Engel dort droben seinen Kameraden zur Hilfe eilte.

Ismael folgte Curtis Blick und ein Schatten legte sich über seine Seele. „Meine Geschwister sind vom Weg abgekommen und Mord ist zu ihrer Natur geworden. Deswegen erschien Gott in Ismaels Träumen, damit dieser den Nachfahren Mahalats suchen und retten solle, um die Ketten zu sprengen, in die er von Satana geschlagen wurde. Wirst du Ismael dabei helfen, Curtis?“

Die Augen des Reiters flatterten müde. Er nickte, die Lider schlossen sich und dann gingen Curtis‘ Atemzüge sanft und regelmäßig. Vorsichtig hob der Engel ihn auf und schritt dann die Straße entlang, mit Tränen in den Augen. Denn zurück ließ er Leid und Tod, denn es war ihm nur gestattet eines der Menschenkinder zu retten, um dieses der Rettung der Welt zu opfern. Auch hierfür vergoss der Engel Tränen …

Eingangsgrafik und Text Copyright (c) 2015 by Miriam Kleve, all rights reserved

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BUCHTIPP DER REDAKTION:

Himmelszeichen (Gebunden)
Blutmonde, Kometen und blaue Sterne: Die Weltenwende hat begonnen
von Orzechowski, Peter

Verlag:  Kopp Verlag
Medium:  Buch
Seiten:  223
Format:  Gebunden
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  Dezember 2014
Maße:  144 x 217 mm
Gewicht:  386 g
ISBN-10:  386445168X
ISBN-13:  9783864451683

Beschreibung
Zeichen am Himmel und auf Erden kündigen die Weltenwende an!

Befinden wir uns mitten in der biblischen Endzeit? Stehen wir vor einer neuen Ära in der Geschichte der Menschheit? Peter Orzechowski listet die Hinweise am Himmel und auf Erden auf, die diesen Schluss nahelegen. Die vielen Phänomene, die in diesem Buch vorgestellt werden, entsprechen genau den Zeichen, die uns Seher aus allen Kulturkreisen und Zeiten genannt haben als Vorläufer und Ankündiger einer neuen Welt.

Vergleichen Sie mithilfe dieses Buches die Ereignisse unserer Zeit mit den Visionen der Mönche und Medizinmänner, der Propheten und Medien und ziehen Sie daraus Ihre eigenen Schlüsse.

Zwei Vorhersagen tauchen bei nahezu allen Sehern auf, egal ob aus dem Kulturkreis der Naturvölker oder unseren eigenen geografischen Breiten. Die eine der globalen Prophezeiungen lautet: Wenn Erde und Mensch in ein neues Zeitalter eintreten, dann ist das mit starken Geburtswehen in Form von Naturkatastrophen und Kriegen verbunden. Die andere: Eine solche Weltenwende wird durch Zeichen am Himmel und auf Erden angekündigt.

Um diese Zeichen geht es in diesem Buch: Die Zeichen, die es auf unserer Erde gibt von der weltweiten Zunahme der Erdbeben bis zu den Rätseln der Kornkreise, von den häufigen Sturmkatastrophen bis zu den Geheimnissen der Orbs, von den Sturmfluten und Überschwemmungen bis zu den immer heftiger werdenden Vulkanausbrüchen. Weitere Zeichen für den Beginn eines neuen Zeitalters finden wir am Himmel ob Kometen oder Sonnenstürme, Meteoriten oder Blutmonde.

Alle diese Zeichen deuten darauf hin, dass die Weltenwende bereits begonnen hat. Mögen die Vorhersagen der Seher düster klingen, sie beinhalten aber immer auch die Hoffnung auf einen sanften Übergang in eine neue Welt.

Bevor sich in einer Stadt oder einer Provinz große Dinge ereignen, erscheinen Zeichen, die sie ankündigen, oder es tauchen Leute auf, die sie vorhersagen. Woher dies kommt, weiß ich nicht, aber was man an alten und neuen Zeichen sieht, ist, dass kein schwerwiegendes Ereignis geschehen kann, ohne dass ein Mensch, eine Offenbarung, ein Wunder oder ein Himmelszeichen es ankündigt.“ Machiavelli

„… draußen wird das Himmelszeichen stehen, das den Anfang vom großen Unheil ankündigt. Es steht gegen Norden ein Schein, wie ihn noch niemand gesehen hat, und dann wird ringsum das Feuer aufgehen.“ Sepp Wudy, 1912

Autor
Peter Orzechowski ist seit 1978 als Journalist und Sachbuchautor tätig. Er war Chefredakteur mehrerer Zeitschriften und hat bereits zahlreiche Sachbücher in den Bereichen Orakelsysteme, Prophezeiungen, Hypnose und Schamanismus veröffentlicht. Er veranstaltet Seminare und Coachings zur Selbstfindung und Selbsterfüllung. Mit der Weisheit der asiatischen Orakel kam er 1986 in Berührung und nutzt sie seither in der Beratung und für sich selbst.

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Updated: 3. März 2015 — 23:11

7 Comments

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  1. Ein(e) angenehme Kühle breitete sich in Curtis Körper aus und er wurde langsam müde.

  2. um die Ketten zu sprengen(,) in die er von Satana geschlagen wurde

  3. Bin gesapnnt, wie und ab welchem Teil sich diese Story als eine SF-Story zu erkennen gibt.

  4. Liebe Miriam,
    Die Geschichte gefällt mir gut. Nur die Science Fiktion Sache passt so gar nicht. Ich würde eher Mystik wählen oder Fantasy.
    Hatte kurz Angst jetzt gibt es eine Romanze zwischen Engel und Mensch. Bitte, bitte nicht.
    Storys von der Sorte gibt es einfach im Überfluss.
    Deine Protagonisten wirken glaubhaft und wecken Sympathien, gut gemacht.
    Freue mich auf die Fortsetzung. 🙂

  5. Huhu!

    Vielen dank für dein Lob. Ich wollt mal etwas anderes ausprobieren. Das hier ist ja „nur“ Geschichte I, andere werden folgen. Und eine Romanze ist nicht ausgeschlossen. 😉 🙂 🙂 <3 <3 y3

  6. Auch diese Story hat jetzt einen – hoffentlich passenden – Buchtipp!

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