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ANDERSRAUM – Eine Fantasy-Geschichte der ungewöhnlichen Art von Michael Bahner (II)

ANDERSRAUM

Eine Fantasy-Geschichte der ungewöhnlichen Art

von

Michael Bahner (II)

[Autor] kurzes vorwort – ich habe in der folgenden geschichte eine geheime botschaft versteckt. wer sie findet, weiß was zu tun ist. und wer sie findet, hat zuviel zeit. [/autor]

Charlotte schreckte aus ihrem Schlaf auf und griff nach ihrem Selbst-Kristall. Ohne Nachklang war sie sofort hellwach.

Offenbar hatte sie bei ihrem letzten Aufenthalt im Andersraum einen gewaltigen Fehler gemacht.

Leise stand sie auf und untersuchte ihre Talismane, die sie in der weltlichen Unordnung zwischen ihren unzähligen Habseligkeiten in einem raffinierten Muster versteckt hatte. Ihr fein gestricktes Netz zwischen ihnen war unversehrt; nicht umsonst hatte sie darauf viele Wochen verwendet.

Hastig blickte sie in den Andersraum. Rein gar nichts war seit ihrem letzten Aufenthalt geschehen. Die Weltenfäden liefen noch immer in ihrer gewohnten Form durch die physische Welt. Überall bildeten sich unentwegt Knotenpunkte, während anderswo welche auseinanderdrifteten.

Ratlos sah Charlotte sich um.

Funken stoben kurz um sie herum auf, als sie sich mit einem mentalen Schwung in den Andersraum hineinkatapultierte.

Tausende der Weltenfäden kamen dazu, als sich ihre Sinne voll auf den Andersraum eingestellt hatten. Einzelne verbogen sich, als sie mit der Hand durch sie hindurchfuhr.

Unauffällig passte sie sich dem Flux an und bewegte sich gemächlich zwischen den Weltenfäden hindurch, die durch die hastige Bewegung gerade eben in langen Wellen nachschwangen und in einiger Entfernung noch klar erkennbare Störungen an der Struktur des Andersraumes vollzogen.

Charlotte drehte sich langsam um ihre eigene Achse und bemühte sich, keine weiteren Störungen zu verursachen.

Hinter ihr ertönte ein helles violettes Geräusch.

Als sie sie umdrehte, gewahrte sie einen freien Geist, der gerade im Begriff war, sich im Andersraum zu manifestieren.

Langsam griff sie in ihren Avatarkörper und beförderte einige Rohstränge zutage. Sie zog die Stränge etwas, bog sie zurecht, flechtete sie in den Andersraum und hauchte ihnen ein Wort der Gestaltung ein.

Bedrohlich formte sich der freie Geist weiter, während Charlotte in ihre Arbeit vertieft war.

Einige Sekunden, bevor sie ihr Projekt abgeschlossen hatte, glühten die Ränder des freien Geistes auf, und eine gewaltige Erschütterung lief durch den Andersraum. Lichtblitze umspielten die Weltlinien, als sie wild nach allen Richtungen auspeitschend von dem Körper des neu erschaffenen Eindringlings zur Seite gedrückt wurden.

Ohne in ihrer Arbeit inne zu halten, schrie sie dem freien Geist eine saure Farbe entgegen.

Hass tropfte aus dem Mund des freien Geistes, als er die Quelle der Störung auszumachen versuchte.

Nun begann das von Charlotte geschaffene Andersraum-Konstrukt zu glühen und die Farbe der Weltlinien anzunehmen. Umständlich klaubte sie es wieder aus der rötlich duftenden Verbindung zu den Weltlinien heraus.

Noch wenige Sekunden blieben ihr, und sie griff abermals in ihren Avatarkörper. Geschosse, zur Sicherheit von Charlotte bereits vor Monaten vorgefertigt, strahlten mit einer süßlichen Farbe auf. Eines der Projektile steckte sie in ihr neues Konstrukt.

In dem Moment erfasste der freie Geist die Spur und donnerte in ihre Richtung.

Nach links ausweichend, stieg sie zwischen den Weltfäden hindurch und glitt einige Meter weiter außer Reichweite. Ein weiteres der Projektile wurde auf die Reise geschickt. Grünlicher Rauch waberte hinter dem Geschoss auf, als es quer zu den Weltlinien in Richtung des Konstruktes glitt.

Es sah aus, als würde es treffen, und so huschte Charlotte parallel zu den Weltlinien an dem herannahenden freien Geist vorbei. Sie bemühte sich, keine Schwingungen an den Weltlinien hervorzurufen, und so blieb sie von dem Geist unentdeckt. Charlotte warf einen Blick auf ihr Konstrukt, das in diesem Moment gleichzeitig von dem Geist und dem Projektil erreicht wurde.

Himmelblaue Klänge ertönten, und der freie Geist wurde von einigen psychischen Speeren aus dem Konstrukt getroffen.

Ihr Plan war offensichtlich aufgegangen, denn der Geist rührte sich nicht mehr, während sich einige neu entstandene Weltlinien um den Geist herum zu formen begannen. Charlotte warf erneut zwei der Geschosse in Richtung des immobilisierten Andersraumgeschöpfes. Hastig stieg sie wieder zwischen den Weltlinien hindurch auf die andere Seite des Geistes.

Trotzdem schien etwas nicht so perfekt gelaufen zu sein, denn der Geist gewahrte die Bewegungen der Weltlinien, die durch die Geschosse hervorgerufen wurden.

Es schien Glück zu sein, dass Charlotte bereits den Platz gewechselt hatte, denn der Geist riss sich aus den Speeren los und schickte seinerseits einen gewaltigen pinken Schrei auf die Reise, der sowohl die Geschosse als auch einige Partien der Weltlinien geradezu zerstörte. Wiederum griff Charlotte nach drei der Projektile, die sie diesmal allerdings nur ganz sachte und langsam in Richtung des Geistes driften ließ.

Überall schwangen die Weltlinien von dem Schrei nach, sodass diese sehr geringe Schwingung nicht auffallen sollte. Natürlich glitt Charlotte ebenfalls wieder davon und bereitete eine weitere Salve vor, die sie auf die selbe Art folgen ließ. Sie stupste aus verschiedenen Winkeln noch drei weitere Projektile, dann erschöpfte sich langsam ihr Vorrat.

Charlotte beobachtete aus sicherer Entfernung, wie der Geist versuchte, die sich stetig wieder formende Kugel aus Weltlinien um ihn herum zu zerstören und damit die momentan noch schwächlichen Ketten zu sprengen.

Hilflos wartete sie auf den Einschlag der ersten Salve von Projektilen und hoffte, dass der Geist bis dahin nicht wirklich das noch im Aufbau befindliche Netz zerstört hätte. Endlich blitzte die bittere Farbe auf und der Geist wurde in sich hinein geschleudert. Nur eine knappe Sekunde später schlugen zwei weitere Salven ein, und der freie Geist richtete seine Aufmerksamkeit auf die schwachen Störungen, die die Richtung angaben, aus der die Geschosse getrieben kamen. In alle drei Richtungen donnerte eine mächtige Welle violetter Gerüche, doch sie streifte Charlotte nicht einmal.

Chöre aus wütenden Schreien entsprangen dem Biest, als sich ein weiteres Geschoss von hinten in seine Aura bohrte.

Heimlich berührte Charlotte eine der Weltlinien und zog sachte an ihr, bis sie etwas gespannt war. Sie verankerte die Weltlinie im Flux und brachte eines ihrer letzten Projektile daran an.

Charlotte glitt zitternd an dem Geist vorbei, der gerade wieder einen sinnlosen Angriff in eine der Richtungen startete. Hinter dem Geist schickte sie ihr vorletztes Geschoss auf den Weg zu der gespannten Weltlinie.

Rein gar keine Schwingung entstand, als das leuchtende Etwas zurück glitt und auf den Knotenpunkt zuschwebte, an dem die Weltlinie mit dem anderen Geschoss verankert war. Etwas nervös, begann Charlotte erneut, an einem Konstrukt zu arbeiten, diesmal in unmittelbarer Nähe des freien Geistes, der soeben das letzte Projektil abbekam. In diesem Moment traf das vorletzte Geschoss auf den Knotenpunkt, und mit einer duftenden Schwingung explodierte es. Bedrohlich wurde die Weltlinie belastet, aber sie hielt stand und vibrierte stark.

Entspannt bemerkte Charlotte, wie der freie Geist seine Aufmerksamkeit auf diesen Punkt richtete, und nun fast vollständig von den Weltlinien aus ihrem Konstrukt umgeben war. Sie arbeitete etwas fahrloser, und streifte mit dem Ellenbogen aus versehen eine Weltlinie des Käfigs.

Irritiert fuhr der Geist sofort herum und sondierte den Raum.

Erschrocken, und unfähig, einen Finger zu rühren, starrte sie dem Geist direkt durch die letzte vorhandene Lücke im Käfig in die Augen.

Es dauerte keine Sekunde, bis der Geist den Schock seinerseits überwunden hatte und einen grellgrünen Schrei fahren ließ.

Unter normalen Umständen hätte der Geist sie damit vermutlich getötet, aber so erlitt ihr Avatarkörper nur einen schweren Stoß und wurde durch ein dutzend Weltlinien hindurch nach hinten geschleudert. Charlotte hatte ihr fast vollendetes zweites Konstrukt an sich gepresst, und in der Hoffnung, es würde sich alleine fertigstellen, gab sie ihm einen leisen Energieton.

Himmelblaue Geräusche ertönten aus dem Konstrukt, als sie es durch die wild schwingenen Weltlinien hindurch auf den Käfig schleuderte, der soeben im Begriff war, sich zu schließen.

Das Konstrukt traf auf den Käfig, und der Andersraum erbebte, als der freie Geist in einer weiteren Lage Weltlinien eingeschlossen wurde.

Alles andere konnte Charlotte dem freien Geist überlassen, der nun wie wild auf die dichten Lagen aus Weltlinien einschrie und sie in den süßesten Farben bombardierte.

Natürlich würde er damit die Weltlinien nur noch mehr stärken und verdichten, doch wie jeder freie Geist würde auch er es erst bemerken, wenn die Weltlinien ein komplett autarkes System gebildet hätten, aus dem es kein Entkommen gab.

Nachdenklich begab sich Charlotte zurück in die physische Welt und beschloss, noch einige Stunden zu schlafen, bevor sie wieder aufstehen musste, um in die Schule zu gehen.

Ende

Copyright © 2008/2016 by Michael Bahner. Mit freundlicher Genehmigung durch http://warbunny.de/ (Dreamlake Industries)

Bildrechte: “Virtuelle Welten” (http://sfbasar.filmbesprechungen.de/wp-content/uploads/virtuelle-welten-cover.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

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buch. (Kartoniert)
von Bahner, Michael

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Verlag:  Books on Demand
Medium:  Buch
Seiten:  188
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  Juli 2009
Maße:  212 x 151 mm
Gewicht:  283 g
ISBN-10:  3839113512
ISBN-13:  9783839113516

Beschreibung
Viele Kurzgeschichten, viele dahingeschmissene Gedanken, Unmengen an Kopfbildern und Träumen und Wünschen.Thematisch angesiedelt irgendwo zwischen Leben und Tod, Traum und Realität, Liebe und Verzweiflung, Ankunft und Flucht.

Über den Autor (Interview)
Seit wann schreibst du deine Geschichten?

Ich schreibe jetzt schon, seit ich 16 bin. Seither gab es immer wieder Phasen, in denen ich mehr geschrieben habe, und Phasen, in denen … weniger zustande kam. Aber die erste Geschichte kam eben wie gesagt mit sechzehn.

Und wie kamst du dann auf die Idee, ein Buch zu schreiben?

Naja, eigentlich geschrieben habe ich das Buch ja nicht aktiv. Ich habe einfach alle Geschichten genommen, die ich bisher geschrieben habe, und habe gemerkt, dass es eigentlich ziemlich viele sind. Und dann kam die Überlegung, dass ich die eigentlich in Buchform bringen könnte. Daher kann ich auch nicht sagen, wie lange ich effektiv gebraucht habe, weil zum Beispiel die ersten beiden Geschichten gar nicht im Buch vorkommen, und ich wie gesagt Phasen hatte, in denen ich fast täglich eine Geschichte schrieb.

Seit ich das Buch rausgebracht habe, habe ich zum Beispiel nur zwei oder drei kleine Texte geschafft, und das war vor über einem Jahr.

Und wie viele Geschichten hast du insgesamt so geschrieben?

Knapp über sechzig Geschichten. Ein paar davon sind Gedichte, ein paar sind unvollendet, und ich schätze mal zehn weitere habe ich nicht in die Öffentlichkeit entlassen, weil sie doch zu privat sind.

Und alle Geschichten sind in dem Buch veröffentlicht?

Nein, natürlich nicht. Ich habe, weil meine Freunde das nicht machen wollten, selbst entscheiden müssen, welche Geschichten es wert sind, und welche nicht. Ich habe viel Blödsinn geschrieben, der in der Weite des Internets glücklicherweise untergeht. Von den ganzen Geschichten gibt es genau genommen nur relativ wenige, die ich auch selbst wirklich gut gelungen finde. Wen es aber interessiert, kann sich gerne auf meiner Homepage vergnügen und sich in den Geschichten dort verlieren. Aber ich darf vorwarnen, auf der Homepage sind die unkorrigierten Texte, bei denen ich nicht auf Rechtschreibung und Grammatik geachtet habe. Leider sind auch im Buch selbst viele Fehler, die ich aber erst gefunden habe, nachdem ich es auf Papier hatte.

Um was geht es so in deinen Geschichten?

Eine gute Frage. Eigentlich schreibe ich über alles Mögliche, was mir gerade durch den Kopf geht.

Ich habe einige Geschichten über die Liebe, oder über die Abwesenheit der Liebe. Ich habe relativ viele Geschichten, die einen düsteren Nachgeschmack haben. Ich habe ein paar lustige Texte, und ein paar ruhige, in denen es um gar nichts geht und ich nur eine Situation beschreibe. Ein paar Mal habe ich einfach meine Gefühle niedergeschrieben, andere Male habe ich über das Schreiben geschrieben. Ich kann nicht einen gemeinsamen Nenner finden, um was es insgesamt geht. Um Krieg und Frieden, hassen und lieben, Tod und Leben, Aktivität und Passivität, um Gefühle, um Bilder, und oft um Stimmung. Das geht vielleicht durch, denn ich versuche oft eine bestimmte Stimmung hervorzurufen. Leider ist es oft keine schöne Stimmung, das muss ich zugeben.

Also schreibst du auch über aktuelle Ereignisse?

Also Wirtschaftskrise, Köhlers Rücktritt oder 9/11? Nein. Aktuelle Ereignisse höchstens im Sinne von „das Gefühl beschäftigt mich gerade sehr“. Ich habe Träume, Wünsche, Hoffnungen – natürlich geht das nicht spurlos an mir vorbei, ich habe eine Menge darüber geschrieben, wie schön es wäre, eine Freundin zu haben. Ich habe auch meine Gefühle ausgedrückt, als ich seinerzeit mal eine Freundin hatte, und als sie mich dann verlassen hat. Das ist ein ziemlich bewegendes Ereignis, und solche Dinge nehme ich oft als Aufhänger, um eine Geschichte zu schreiben. Ob man das dann aber noch als Geschichte betrachten kann, weiß ich nicht. Das wäre dann ja eher ein Essay oder so.

(Mit frerundlicher Genehmigung von http://www.scheffel-gymnasium.de/faecher/deutsch/Bahner_Wacker_2010/Bahner_Wacker_2010.htm)

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