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Literatur-Blog

ALMAKHAN – Fantasy-Märchen von Felis Breitendorf (NEUE FASSUNG!)

A L M A K H A N

Fantasy-Märchen

von

Felis Breitendorf

PROLOG
Der Reiter erscheint am Horizont, eilt, eine staubige Fontäne hinter sich herziehend, noch ein ganzes Stück weiter, ändert schliesslich seine Richtung und reitet nun direkt, seine Geschwindigkeit einen Hauch langsamer, auf die Mauern der Stadt zu, die mit ihren hohen, zwiebeldächernen Türmen über diese hinaus schauen.

An dem grossen Holztor steigt er von seinem Reittier, zieht einen Lederbeutel unter seinen Umhängen hervor und schreitet selbstsicher auf die behelmten und mit langen Speeren bewaffneten Wächter zu. Eine kurze Debatte, ein Griff in den Beutel – einige zinnfarbene Münzen wechseln den Besitzer – und dem Fremden wird Einzug in Stadt gewährt.

Jenseit der Mauern begann eine völlig andere Welt; eine Welt voller Farben, Gerüche und Laute.

Stimmengewirr mischte sich mit den Hufschlägen der Reittiere und dem Trommeln und Rasseln der Schausteller, die mit den leiernden Klängen ihrer Seiteninstrumente und ihren auf- und abschwellenden Gesängen die anmutigen, jungen Tänzerinnen bei ihren Hüfttänzen begleiteten. Der Fremde schritt lässig zwischen den mit Zelttüchern bespannten Verkaufsständen hindurch, sein Tier am Zaumzeug hinter sich herführend. Er roch die Düfte der feilgebotenen Speisen und Getränke und hatte manches Mal merkliche Schwierigkeiten, sich seinen Weg durch die Menge der Menschen und der aufdringlich schreienden Händler zu bahnen. Nur wenn der Wind sich drehte, veränderte sich auch die Form der Hintergrundgeräusche: das Stimmengewirr wurde faserig und manchmal schwamm, ganz undeutlich, fast schon an der Grenze des Hörbaren, kicherndes Frauengelächter an sein Ohr.

Eilig zog er seine Umhänge wieder etwas dichter vor sein Gesicht und machte sich auf die Suche nach einer Unterkunft.

1.
Die Herberge war einfach, aber relativ sauber, und sie hatte einen Stall, wo man sich um die nötige Pflege seines Tieres kümmerte.

Der Fremde ass eilig eine heisse, scharfe Suppe, die man ihm in dem Wirtsraum, zusammen mit einem Stück Brot und einem kräftigen roten Wein auf einem der hölzernen Tische serviert hatte. Nachdem er fertig war und bezahlt hatte, ging er auf sein Zimmer.

Aus einem seiner mitgebrachten Säcke holt er eine kleine, mit einer Messingschliesse versehene Schmuckschatulle hervor.

Vorsichtig öffnet er sie und entnimmt ihr einen silberfarbenen Ring, der einen blauen, funkelnden Stein in einer silbernen Fassung trägt. Hastig streift er ihn über den Finger, und nachdem er die kleine Truhe hinter einem lockeren Ziegel in der Wand versteckt hat, verlässt er seine Unterkunft wieder.

Der Tempel lag in der Nähe des Herrscherhauses und hatte immense Ausmasse, und doch war er nicht so gewaltig, wie das Herrscherhaus selbst, das mit seinen säulenrunden, gewaltigen Türmen – zwischen denen sich eine ganze Reihe hoher Gebäude zwängten – mehr Platz als alle anderen Gebäude innerhalb der Stadtmauern beanspruchte und einen bedrohlichen Anblick von Stärke ausstrahlte. Der Tempel zeigte dagegen eher einen Anblick der Erhabenheit. Die schlichte Bauweise, die in nur einer einzigen grossen Gebetshalle zum Ausdruck kam, verbarg den grössten, den eigentlichen Teil dieser Kultstätte, die sich noch viele Längen unter der Erde fortsetzte und in gewaltigen Arsenalen vieler kleinerer und grösserer Kellerräume und Verliesse mündete. Hier war das eigentliche Machtzentrum der Stadt; doch davon wussten nur die wenigsten, nicht einmal das Herrscherhaus selbst.

Eilig steigt der Fremde die wenigen Stufen des Tempels empor, wo er bereits von einem Tempeldiener, der mit einer dunklen Kutte mit Kapuze bekleidet ist, erwartet wird und der ihn wortlos in die Tiefe der modrig-tümpelhaft riechenden Schwärze führt. Nur die wenigen, brennenden Fackeln, die in Halterungen an den Wänden hängen, beleuchten die düstere Szenerie.

Der Tempeldiener führt den Fremden in einen kleinen Raum, der nur mit einem einfachen Holztisch und zwei Schemeln ausgestattet ist. Auf dem wackeligen Tisch steht eine dicke Kerze, die den gesamten Raum beleuchtet und einen nach Honig riechenden Duft verströmt; ein Fenster gibt es hier unten, unter der Erde, nicht. Als die knarrende Holztür sich ein weiteres Mal öffnet, dreht sich der Fremde um. Vor ihm steht eine in seidenen Umhängen gekleidete Gestalt. Die weichen runden Formen ihrer Figur zeichnen sich nur undeutlich unter ihrem Gewand hervor. Als sie den Schleier vor ihrem Gesicht lüftet, entfährt dem Fremden ein Laut der Verwunderung: – Er blickt… – in sein eigenes Gesicht! – Nicht ganz: Nur um den Hauch der Weiblichkeit weicher – in das Gesiht seiner Zwillingsschwester. Sie schaut zu ihm auf, und ein Lächeln des Verstehens entsteigt ihren braunen Augen, trifft ihn tief im Innersten und rüttelt bebend an den längst verlorengeglaubten Erinnerungen seiner Kindheit.

Voller Traurigkeit der vergessenen Jahre, hebt er seine rechte Hand mit dem Ring, der darauf schwachblau zu glimmen anfängt.

Auch an ihrer Rechten, die sie zaghaft, fast anmutig erhebt, befindet sich ein Ring: Er ist von goldener Farbe und trägt einen roten Stein in einer goldenen Fassung. Als das Glimmen des blauen Steines immer stärker wird, fängt auch der rote Stein zu glühen an.

2.
Die Strahlen der beiden Steine spiegeln sich in den Gesichtern der Geschwister wider, wirbeln in dem kleinen Raum umher und verdrängen nach und nach das gelblich matte Flackern der Kerze. Immer stärker vermischen sich die blauen und roten Strahlen, bis das grelle Licht mit einem mal mehrfarbig erscheint und alle weiteren Konturen im Raum auszulöschen beginnt… Alles wird zu Helligkeit, die sich immer weiter auf ein Zentrum hin, zu einer gelben leuchtenden Scheibe verdichtet…

...Schützend, die flache Hand über seine Augen haltend, konnte er wieder ihre Konturen erkennen: Mutter Sonne stand hoch am Himmel. Erst als er seinen Blick von ihr abwandte, merkte er, dass Ashne, seine Zwillingsschwester, nach ihm rief:

…Baldar!, komm‘ her! Ich möchte, dass du dir das anschaust…!

Er drehte sich um und schaute zu seiner kleinen Schwester hinauf. Sie sass auf einem der Äste des grossen Milonienbaumes und stocherte mit einem Stock in einem Astloch herum. Geschickt zog er sich an einem der tiefergelegenen Äste hoch. Schon wurde er von ihr mit einer Aufgabe in Beschlag genommen:

Baldar, wir brauchen einen längeren Ast! Ich kann mit diesem hier nichts ausrichten!

Er schenkte ihr ein Lächeln, das sie aber nicht bemerkte, da sie ihre Bemühungen noch immer fortsetzte, obwohl es doch offensichtlich sinnlos schien.

So ist Ashne eben. – Nie gibt sie auf oder sieht etwas Unmögliches ein, dachte Baldar und hangelte sich einige Äste höher in das Blätterreich hinein. Krachend brach er einen der dickeren morschen Äste ab…

Als er diesen seiner Schwester reichte, sah sie ihn nur kurz, doch mit glänzenden Augen an.

Sie hatte hochrote Backen und schien wieder einmal etwas entdeckt zu haben, von dem sie ganz und gar eingenommen wurde…

…warte nur Bruder, gleich wirst du sehen, dass sich meine Hartnäckigkeit gelohnt hat; wir werden sicher einen Schatz oder etwas ähnliches finden…

Baldar, mehr mit den Füssen auf der Erde und den Sinnen bei praktischeren Dingen, konnte den Phantastereien seiner Schwester nur selten etwas abgewinnen: Ich glaube eher, dass du da in einem Wespennest herumstocherst und wir dafür gleich die schmerzhafte Belohnung bekommen werden!

Ach Bruder, dass du immer so trampelherzig sein und mir den Spass verderben musst!

Baldar wollte seiner Schwester gerade etwas darauf erwidern, als sich der dicke Ast mit dem Ashne in dem Loch herumstocherte, plötzlich selbständig machte und wie wild zu wackeln anfing, so dass Ashne einen erschreckten Schrei von sich gab und sich ängstlich an ihren Bruder klammerte, der nun ebenfalls mit aufgerissenen Augen auf dieses merkwürdige Schauspiel starrte…

3.
Der Stock wirbelte immer stärker in dem Loch umher, bis er auf einmal daraus hervorgeschossen kam, an den beiden vorbei durch die Luft flog und irgendwo nach unten verschwand. Das Loch indessen hatte sich auf merkwürdige Weise verändert: – Es sah nun gar nicht mehr wie ein grosses Astloch oder wie der Eingang eines Bienen- oder Wespennestes aus. – Viel eher schon wie ein merkwürdiges ledriges Gebilde, das irgendwie zu atmen schien; so als würde es selbst leben. Und tatsächlich bewegten sich da die schwulstigen Ränder des Loches und formten – wie die Lippen eines Mundes – einige Laute oder Wörter. Ashne und Baldar lauschten beide mit aufgerissenen Augen und Mündern…:

…UHHAHH…UUHHHAAHHHH…SOOOO LANGE WAR ICH FORT UND HAB‘ GESCHLAFEN!…WER WAGT ES MICH ZU WECKEN…?

Ashne, die sich eben noch zitternd an ihren Bruder geklammert hatte, wandte sich – fast schon wieder frech – erneut dem merkwürdigen Loch zu.

Nachdem sie etwas näher daran herangerückt war, veränderte sich der lipprige Baummund erneut: Zuerst schloss er sich, danach verformte er sich auf merkwürdigste Weise und wurde schliesslich zu einem augenlidähnlichen Gebilde, das sich plötzlich hob… –

Ein gewaltiges, blaues Auge kam zum Vorschein und Ashne gab einen erschrockenen Laut von sich, hielt sich aber die rechte Hand vor den Mund und schaute mutig in das riesige Gebilde, das sie müde anschaute und irgendwie abzuschätzen schien. –

Wer bist du?, entfuhr es ihr.

Was bist du?, wollte Baldar wissen.

Da schloss sich das Auge; und als es sich wieder geöffnet hatte, war es wieder zu dem Mund geworden; der ihnen antwortete: OHH, OOHH, IHR KENNT MICH ALSO WIRKLICH NICHT!? HAB‘ ICH DENN TATSÄCHLICH SO LANGE GESCHLAFEN…?

Das Mädchen und der Junge schauten sich stumm an, zuckten kurz mit ihren Schultern und verzogen ihre Gesichter zur Geste der Unwissenheit.

NA GUT, ICH WILL EUCH SAGEN, WER ICH BIN!, erklärte ihnen der Mund: ICH BIN NÄMLICH – MUESST IHR WISSEN – `BRADLAKAKA‘, DER `BAUMGEIST‘ DER FRUEHEREN WÄLDER, DIE SICH HIER EINMAL VOR LANGER, LANGER ZEIT AUF DEN WIESEN UND HUEGELN, BIS WEIT IN DEN NORDEN HIN, ERSTRECKTEN…

Als der Baummund geendet hatte, schloss er sich kurz, worauf das grosse blaue Auge wieder zum Vorschein kam.

Aufgeregt und fast überschäumend vor Begeisterung und Eifer fragte das Mädchen: …und du bist ein richtiger Baumgeist? – Ich dachte immer, so etwas gäbe es nicht wirklich, höchstens im Märchen?!…

Wieder wechselte das Auge zum Mund und sagte: …JA, MEIN KIND, ICH BIN TATSÄCHLICH EIN RICHTIGER BAUMGEIST. FRUEHER WAR ES MEINE AUFGABE, HIER FUER ORDNUNG ZU SORGEN; ABER DAS IST SCHON LANGE, SEHR LANGE HER…!

Wie alt bist du denn eigentlich?, fragte Baldar den sich wieder in das Auge verwandelnden Mund.

OH, SEHR ALT; SO ALT, DASS ICH ES SELBST SOGAR SCHON NICHT MEHR WEISS…

Die Neugierde der Kinder schien unerschöpflich, und so ging das Fragen und Antworten noch sehr lange weiter, bis es schliesslich irgendwann zu dunkeln anfing und Ashne und Baldar nach Hause mussten.

Aber an den folgenden Tagen kamen sie so oft es ging wieder, das heisst, wenn es ihre Zeit erlaubte; denn die beiden Kinder mussten bereits mit auf den Feldern helfen und hatten auch auf dem Hof und im Hause ihre festen Arbeiten zu verrichten.

Schliesslich wurde der Baumgeist zu einer regelmässigen Einrichtung, zu einem festen Bestandteil ihres Lebens, mit dem die Kinder den grössten Teil ihrer freien Zeit verbrachten.

Bradlakaka lehrte sie eine Menge Dinge, doch das meiste davon mussten sie für sich behalten und durften es niemandem erzählen, den anderen Kindern nicht, und vor allem nicht den Erwachsenen.

Schliesslich sollte es ihr Geheimnis bleiben, und so veränderten sich die Beiden und wurden mit der Zeit zu klugen, ideenreichen jungen Menschen.

Eines Tages jedoch, als Ashne und Baldar wieder einmal mit Bradlakaka über alles mögliche gesprochen hatte, erklärte ihnen der Baumgeist, dass er bald schon für immer schlafen werde, da er so müde und eigentlich auch schon viel zu alt sei. Aber zum Abschied wollte er ihnen noch ein Geschenk überreichen.

Und als Bradlakaka seine Zunge aus seinem Mund herausschob, lagen darauf zwei glitzernde Ringe.

Ein goldener mit einem roten Stein in einer goldenen Einfassung und ein silberner mit einem blauen Stein in einer silbernen Einfassung. Beide Steine funkelten geheimnisvoll und überirdisch schön, das Licht der Sonne in allen Farben reflektierend.

4.
Bradlakaka erklärte seinen beiden Zöglingen, dass es sich bei den Geschenken um zwei Magische Ringe handelte. Mit diesen könne man in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft schauen.

Ausserdem verliehen sie ihren Trägern die Eigenschaft, von jedem von dem sie wollten, die Wahrheit zu erfahren und dem anderen das Gefühl zu geben, dass man einer Meinung sei. Zudem würden die Träger – wenn sie irgendwann das 30. Lebensjahr erreicht hatten – nicht mehr weiteraltern. Funktionieren würde das alles aber nur, wenn die Träger Geschwister – Bruder und Schwester – wären. Und auch nur solange, wie sie noch unberührt blieben, das war dafür Bedingung, sozusagen das Opfer.

Die Kinder nahmen die Ringe entgegen und schauten Bradlakaka an, der ihnen einbleute, die Zauberringe nur zu benutzen, wenn sie in Not gerieten, da mit der Verwendung auch ihre Zauberwirkung mit der Zeit immer schwächer und schliesslich irgendwann die geballte Kraft der aufgehaltenen Alterung mit einem Schlage freigesetzt werden würde. Sparsamkeit war also erste Pflicht, und darüberhinaus sowieso ratsam, um nicht aufzufallen.

Baldar und Ashne waren völlig sprachlos.

Nachdem sie sich wieder einigermassen gefasst hatten, versteckten sie auf Geheiss Bradlakakas die Geschenke in ihren ledernen Gürteln.

Traurig schauten sie auf das grosse blauen Auge, das ihnen müde entgegenblickte.

Der Abschied von Bradlakaka war für die Zwei besonders schmerzvoll, und als sie auf dem Nachhauseweg waren, schwiegen sie beide. Keiner von ihnen wollte seine Traür vor dem anderen zeigen, und doch sahen sie beide die Tränen in den Augen des anderen…

Auch die Sonne schien auf einmal traurig, irgendwie fehlte es ihr auf einmal an Glanz. Zudem schien sie heute auch früher untergehen zu wollen als sonst.

So sank sie immer tiefer, wurde rot und breit, und bald schon war sie nur noch ein schwachglimmendes, schwammiges Gebilde am Horizont, das den Kampf um das Schwinden ihrer Form und Helligkeit längst verloren hatte…

5.
…Beide schauen sie noch einmal (als Erwachsene) auf.

Das rote Glimmen löst sich in nichts weiter als in einen schwachen Abdruck der Sehzellen der Augen auf, und langsam senken sich ihre Hände mit den Ringen.

Nachdenklich schreitet er vom Balkon in den Palast zurück, pflückt eine Frucht von den dargebotenen Trauben und schaut sie benommen an.

– Ja, die Macht war es, die sie wohl für immer verbinden würde; die es ihnen verwehrte, ein normales Leben zu leben, zu fühlen und danach zu handeln, wie es den anderen Menschen gestattet war.

Als sie ebenfalls wieder in den Tempel zurückgeht und sich umdreht, sieht er in ihren Augen, dass auch sie die schwere Last ihrer gemeinsamen Bürde zu erdrücken droht und tröstend legt er seinen Arm um ihre Schulter. Seufzend lehnt sie sich an ihn und schaut ihn fragend an. Er kann ihrem Blick nicht lange standhalten. Sie öffnet langsam den Mund und formt die Lippen zu Worten und haucht ihm leise zu:

Das Herrschen habe ich mir damals anders vorgestellt…

Wir sind nicht mehr die Kinder von damals!, flüstert er ihr zu, um sich für den Ausdruck in seinen Augen rechtfertigen zu wollen, und doch ist es eigentlich eine Lüge, denkt er, wenn ich so tue, als könnte ich noch ohne sie leben…

Es sind die Ringe!, hält sie ihm entgegen.

Nein, das weisst du auch! Er schiebt sie ein Stück von sich weg und schaut ihr in die Augen: Ohne die Ringe wäre alles noch viel schlimmer. Wir wären längst tot, erschlagen oder in die Sklaverei verkauft worden. Aber wäre das so schlimm, denkt er bei sich…

Trotzig und böse schaut sie zu ihm auf: Und wäre das wirklich so schlimm…?

Du weisst dass uns die Priester seit langem für diese Aufgabe auserwählt hatten; lange schon bevor wir selbst es wussten.

Aber das ist es ja, was mich so stört. – Vorbestimmt! – Ich möchte lieber selbst entscheiden, was mit meinem Leben geschieht!

Er versteht sie ja. Aber das kann er ihr nicht sagen. Er will wenigstens so tun als wenn er selbst die Kraft noch aufzubringen in der Lage ist, obwohl all das längst auch über seine Kräfte geht. Doch sie Beide haben eine Aufgabe. – Und Verantwortung.

Du musst dich entscheiden! Wenn du willst, dass es dem Volk wieder so schlecht wie damals gehen soll, dann können wir ja abdanken und einem anderen die Aufgabe des Herrschens überantworten.

Du weisst, dass das nicht geht!, faucht sie ihm entgegen: Die Herrschenden können nur durch den Tod aus ihrer Verantwortung entlassen werden!

Dann lass uns fliehen!

Das wird uns ebensowenig helfen. Die Priesterschaft hat ihre Fühler über das ganze Land verteilt. Praktisch überall, in jedem Dorf sind ihre Leute vertreten.

Das ist ja das Schlimme, flüstert er, die wirkliche Macht in diesem Land liegt bei der Priesterschaft…!

Ja!, pflichtet sie ihm bei, Jedoch nicht bei den einzelnen Personen, sondern in ihrer Struktur. Und deshalb sind wir nicht in der Lage – auch mit Hilfe der Ringe nicht – daran zu rütteln.

Wir können die Dinge die in unserer Macht liegen verbessern!

Um als Spielball der Priesterschaft wie ein Steinchen in einem Mosaik zu funktionieren…?

Wir werden die Priesterschaft überleben!

Wenn wir nicht vorher umgebracht werden.

Das ist nun mal das Risiko, wenn man auf der richtigen Seite stehen will.

Welche ist denn die richtige Seite? – Hat der Begriff der Seite für uns nicht längst seine Bedeutung verloren?, denkt sie.

Wir können immer versuchen, die Dinge die in unserer Macht liegen noch ein wenig besser zu machen.

Du meinst, auch wenn wir ewig leben – und auch mit der Kraft der Ringe -, wird es uns doch nie möglich sein, die Welt besser zu machen, sondern, dass wir immer nur dabeistehen und ab und an eine hilfreiche Geste vollführen können?

So drastisch habe ich das eigentlich nicht gemeint. Aber sagen wir mal so: Wir können die Menschen nicht ändern, sondern nur hoffen, dass sie das mit der Zeit selbst tun. Wir können ihnen nur den Weg ein wenig ebnen, mehr nicht…

Sind wir den selbst überhaupt schon so weit? Müssen nicht auch wir uns noch ändern?

Wieder geht er auf sie zu und nimmt sie in die Arme, küsst ihr auf die Stirn, und beide heben sie ihre Hände mit den Zauberringen, von denen bereits ein starkes Leuchten ausgeht…

6.
Die huschenden Gestalten sind in der Dunkelheit kaum zu erkennen. Ihre schwarzen Gewänder verschlucken das wenige Licht, das der Sternenhimmel, die dünne Sichel des Neumondes und der Dunst der Atmosphäre von sich geben.

Lautlos werden die Palastwachen ausgeschaltet, die vor dem Herrscherhaus patrouillen. Vorbei an den inneren Wachen, über Gemäür, hinter Gebüschen versteckt, dringen die Schwarzgekleideten in den inneren Palasthof ein. Extra für diese Aufgabe ausgebildet, aus den Tiefen unter dem Tempel stammend, dienen sie der Priesterschaft und haben sich dieser Aufgabe verschrieben, mit ihren Fähigkeiten zum Wohle des Ordens alles zu geben, falls nötig sogar ihr eigenes Leben. Unsichtbar, Leise und Tödlich führen sie ihr Handwerk aus, bis zum Äussersten gehend. Als sie endlich vor den Türen des Privatgemachs des Herrschers stehen und alle strategisch wichtigen Schlüsselpositionen des Palastes unter ihre Kontrolle gebracht haben, melden sie den Erfolg an die obere Priesterschaft, die das ganze Schauspiel aus sicherer Entfernung geleitet hat.

Schliesslich treten die Schwarzgekleideten beiseite, bilden eine Art Gasse, die von den äusseren Gemäuern des Palastes bis hin zu den Türen des Privatgemachs des Herrschers von Almakhan reichen.

Zusammen mit den Höchsten der Priesterkaste schreiten Baldar und Ashne umringt von Tempeldienern, die ihnen und den Würdenträgern als menschliche Schutzschilde dienen, auf die schweren Holztüren zu. Doch auch als die Leibgarde des Herrschers von Almakhan ihren Herrn Bescheid geben, dass diesem geboten wird in der grossen Tempelhalle zu erscheinen, ist die Gefahr dieser Situation noch nicht gebannt. Noch immer besteht die Möglichkeit, dass das Volk, die reichen Edelleute und auch die Kämpfertruppen ihrem König beizustehen versuchen. Aus diesem Grund haben sich die beiden Geschwister dazu entschlossen einen Teil des Geheimnisses ihrer Zauberringe zu lüften und daher auch von jeder gesellschaftlichen Gruppe einige Vertreter in die Tempelhalle gebeten.

Schliesslich erscheint auch der Herrscher, jener grosse und starke Mann, der noch immer keine Ahnung davon zu haben scheint, dass seine Richter gerade jene jungen Leute sind, denen er selbst so gut als ihr Elternmörder in Erinnerung geblieben ist. Endlich sind sie am Ziel und können den Mörder zur Verantwortung ziehen, das Volk und die Kaufleute und auch die Truppen auf ihre Seite ziehen, indem sie nichts weiter als die Wahrheit sagen, besser noch: diese Wahrheit zeigen, im richtigen Moment, was vielleicht die Gefahr eines blutigen Gemetzels verringern hilft. Schwester und Bruder sind es, die hier ihr lange entbehrtes Recht einzuklagen versuchen, und zwar ohne Blutvergiessen, auch wenn der Hass den Magen umzudrehen droht und Ashne mit verkrampften Fäusten an den Seiten, den Herrscher mit ihren Blicken in den Boden zu rammen scheint, und auch ihr Bruder (der sonst so kühle und beherrschte Baldar) instinktiv an die Seite seines Gürtels nach seinem Schwert zu fassen versucht. Erst die Stimme des Höchsten Priesters bringt sie zurück, zurück an die Stelle ihrer Vorsehung, zurück zum ruhigen Denken und Handeln, das Ashne unter dem Tempel der Stadt und Baldar in den Gemäürn des Klosters in den Bergen, als Endziel ihrer Ausbildung durch die Priesterschaft erfahren haben und sie befähigt, ihre neue Rolle aufzunehmen…

Beide treten sie in die Mitte der Halle, erheben jeweils ihre rechte Hand, bis die Ringe für alle sichtbar werden. Lautlos beginnen sie ihr Werk: glimmend, dann glühend, leuchtend, bis der ganze Saal vor Helligkeit zu bersten scheint…

7.
…Und wieder verdichtet sich dieses Leuchten zu einer gelben heissen Scheibe, die über einer hügeligen Landschaft – hier und dort von kräftigem Baumwuchs befruchtet – ihre träge Bahn zieht…

Beide lagen sie im Gras, unweit der knorrigen Äste einer ganzen Gruppe von Obstbäumen. Der Junge war inzwischen hochgeschossen, glich kaum noch seinem wesentlich kindlicherem Ebenbild vor wenigen Jahren. Sein Gesicht war eine Maske ständigen Zweifelns, Misstraüns oder vielleicht auch nur die von Traurigkeit. Das Mädchen wirkte lebendiger, war jedoch wesentlich kleiner; aber dafür zeigten sich bei ihr bereits die ersten Anzeichen von weiblicher Reife: die ersten Rundungen an den Hüften, Brüsten und am Po.

Sie diskutierten. Wieder einmal. Leise. Schliesslich durften sie sich nicht verraten. Denn vertrauen konnten sie sich nur gegenseitig…

Ashne blickte zu ihm auf, die Spitze einer wilden Ähre im Mund, die sie mit den Fingern spielerisch hin und her drehte:

Was meinst du Bruderherz, ob es nicht mal langsam an der Zeit wäre die Ringe auszuprobieren…?

Baldar blickte sie nicht an, schaute in eine andere Richtung, warf mit irgendwelchen Steinchen und Holzstücken nach einem von Gräsern umsäumten Holzstumpf eines schon lange gefällten Baumes:

Schwesterchen, du weisst doch, dass wir sie nur im Notfall einsetzen dürfen…!

Du meinst sollen nicht dürfen! Und ausserdem, was ist schon dabei, sie mal auf ihre Wirkung zu testen?; ich meine nur ein Mal, damit wir auch sicher gehen können, ob sie im Notfall auch wirken!

Ach Ashne, du willst doch nur deine Neugierde befriedigen; in Wirklichkeit glaubst du selbst nicht mal an das was du da erzählst. Gib doch einfach offen zu, dass du neugierig bist! Was ist schon dabei?

Dass du immer gleich so hartherzig sein musst, mich immer so hinstellst, als wenn ich hinterlistig wäre!

Das hast du gesagt!

Ich…, doch weiter kam Ashne nicht.

Als sich ihr Blick auf etwas hinter Baldar fixierte, drehte auch er sich um und schaute nach dem, was seine Schwester da wohl erblickt hatte, was so eine starke Wirkung hatte, dass es selbst sie am Weiterreden hinderte!

Zuerst sahen sie nur die Staubwolke; erst danach hörten sie die Geräusche: vereinzelte Hufschläge, das Rauschen der Umhänge im Wind, Menschenstimmen. Aber erst ihr Anblick, – von der kleinen Anhöhe ihres Lieblingsplatzes unentdeckt zu beobachten – rief diese furchtbare Panik in ihnen hervor, die es einem Menschen der von ihr befallen wird, so gut wie unmöglich macht, darauf zu reagieren…

An der Spitze der Reiter sahen sie einen riesigen, athletischen Mann, ganz anders als seine Begleiter in nur wenige Umhänge gehüllt, den muskulösen Oberkörper frei, die Zügel seines braunen Reittiers fest in der Linken – den anderen stets ein Stück voraus…

Die Richtung der Reiterschar war auch für die beiden stillen Beobachter nicht zu leugnen: sie führte geradewegs auf ihren Hof zu!

Ashne sah ihren Bruder an, der aber nickte nur. Sie wussten nun, dass es kein Zufall war, als sie vor wenigen Tagen an ihren Eltern eine Veränderung wahrgenommen hatten: (Die Benachrichtigung war eingetroffen!!) – Die Eltern hatten sich plötzlich viel mehr um sie gekümmert, ihnen mehr Freiheiten gewährt, als sonst… –

Es war also wirklich so – wie der Baumgeist ihnen verheissen hatte: Sie waren auserwählt; sie waren auserwählt, am Hofe des Stadtpalastes von Almakhan die Herrschaft anzutreten. Zuvor jedoch würden sie erst einmal einige Jahre in der Obhut der mitherrschenden Priesterschaft die wichtigsten Dinge für eine solch hohe Stellung erlernen müssen. Natürlich freuten sich die beiden. Doch sie mussten auch an die Warnung des Baumgeistes denken: dass andere Mächte die den selben Anspruch an dieser Herrschaft hegten, sich so leicht nicht geschlagen geben würden, und im ungünstigsten Falle auch vor einem Meuchelmord nicht zurückschrecken würden:

Die Macht über das Land war der Gewinn; dass Leben der Preis…!

8.
Ashne und Baldar waren sich insofern schon sicher: sie würden diese Herrschaft nicht ablehnen, sondern annehmen!

– Beide wollten einiges verändern in diesem Land, was sich so richtig effektiv natürlich nur vom Herrscherhaus aus bewerkstelligen liesse.

Sie erhoben sich rasch und rannten über den wesentlich kürzeren jedoch äusserst steilen Abhang ihres Hügels – der mit einem Pferd kein besonders bequemer Weg war und deshalb auch von den Reitern gemieden wurde – über die angrenzenden Felder zum Hof zurück. Das heisst, das wollten sie eigentlich, bis Baldar auf die Idee verfiel, dem Enthusiasmus seiner Schwester nicht gleich nachzugeben.

Er wollte – wie es ihm fast zur zweiten Natur geworden war – erst einmal misstrauisch an die Sache herangehen, dass bedeutete: von der Rückseite des Hügels aus die auf den Hof zureitenden Männer beobachten, was sicherlich genügend Aufschluss auf ihre Absichten geben würde. Hinunterlaufen konnten sie ja immer noch!

Ashne gefiel das überhaupt nicht! Sie wollte nichts verpassen. – `Dabeisein‘ war stets ihre erste Devise…: …und wenn sie ohne uns zurückkehren und uns vielleicht nicht ans Herrscherhaus berufen?!

Doch Baldar liess sich nicht erweichen:

Das glaubst du doch selbst nicht! Du möchtest doch nur deshalb jetzt dort hin, weil du weisst, dass sie alle schauen werden: die Stallburschen, die Mägde, und auch die Nachbarn. Du möchtest im Mittelpunkt stehen und es geniessen! Und das kannst du nicht, wenn sie uns hier oben wegholen, nachdem sie erfahren haben, wo wir sind…

Aber eben dieser Umstand machte ihm selbst so zu schaffen. – Wenn die Fremden tatsächlich erfuhren wo sie waren und nicht die Absicht hatten sie in den Palast zu holen…!

Ashne wollte darauf gerade etwas erwidern, als Baldar sie zum Schweigen brachte, er ihr zu verstehen gab, dass sie sich ducken sollten und anschliessend zum Haus des Hofes deutete…

Die Reiter wurden von den Burschen im Hof empfangen, die den Pferden zuerst aus der Tränke Wasser saufen liessen. Die Mägde hingegen kümmerten sich um den Durst der Männer, denen sie schwere Schläuche mit vergorenem Saft und selbstgebrautem Bier reichten.

Der Anführer des vierzehn Mann starken Trupps war dagegen bereits von seinem Reittier gestiegen und vor Ashnes und Baldars Vater und Mutter – welche noch immer ihre Küchenschürze umgehängt hatte, getreten. Er überragte die Eltern um mindestens zwei Kopfeslängen…

Nachdem er ihnen einige Fragen gestellt hatte, auf die der Vater antwortete und in ihre Richtung zeigte – worauf Ashne und Baldar sich unwillkürlich noch ein wenig tiefer ins Gras duckten – rief er einigen Männern etwas zu, die sofort auf ihre Tiere stiegen und im Galopp vom Hof und in ihre Richtung, das heisst, um den Berg herum, auf sie zuritten…

Anschliessend wurde der Anführer von den Eltern ins Haus gebeten, der mit zwei seiner Gefolgsleute eintrat…

Nach einer Weile, in der die Geschwister gespannt auf den Eingang des Hauses schauten, wandte Ashne sich ängstlich um und schaute sich um. Unwillkürlich rückte sie noch ein Stück näher an ihren Bruder heran, der sie mit einem mitleidigen Blick anschaute, worauf sie kleinlaut und mit leiser Stimme seinen Befürchtungen Auftrieb gab: …Und was machen wir, wenn du tatsächlich recht haben solltest?…

Baldar schaute nachdenklich drein, bis sich sein Blick klärte und er mit fester Stimme vorschlug: Vielleicht sollten wir sofort von hier verschwinden und uns erst einmal woanders verstecken?

Und wenn alles nur Hirngespinste sind und wir tatsächlich in den Palast geholt werden sollen?

…Na, dann macht’s ja wohl auch nichts, wenn wir nicht gleich zu finden sind…

Schliesslich gab Ashne nach: An was für ein Versteck hast du gedacht?

Ich denke wir könnten uns erst einmal in der kleinen Höhle an den Grotten verstecken, bis sich die Lage eindeutig geklärt hat.

Ashne war einverstanden; und gerade in dem Moment als sich die Beiden erheben wollten, da geschah es: – Ashnes Blick fiel wieder auf den Eingang ihres Hauses, gerade in dem Moment als die Tür zu ihrem Haus aufgerissen wurde und der Anführer der Männer mit seinen beiden Männer stürzte, seinen anderen Männern im Hof etwas zurief, die darauf die Burschen und Mägde erbarmungslos niedermetzelten und dabei ein wahres Blutbad zurückliessen, wieder auf ihre Tiere stiegen und im Eiltempo den bereits fortgerittenen Männern folgten…

9.
Ashne und Baldar schauten sich gegenseitig mit weit aufgerissenen Augen an, sofort packten sie sich bei den Händen und stürmten den Abhang ihres Verstecks hinunter.

Als sie schliesslich unten angekommen, durch die Äcker gerannt und wieder auf ihrem Hof waren, fühlten sie sich wie Fremde zwischen all den Toten und dem vielen Blut. Zwar hatten sie beide schon viel Blut bei den Tierschlachtungen gesehen, doch hier war es etwas anderes. Es waren ihre Leute, ihre Mägde und Burschen die hier lagen, mit denen sie vor wenigen Stunden noch gesprochen hatten. Hastig rissen sie die Tür des Haupthauses auf und eilten in die Stube…

Vielleicht hatte das, was sie sahen, sie augenblicklich erwachsen werden lassen, vielleicht war es auch einfach nur der Schock, der sie daran hinderte auf der Stelle zusammenzubrechen und vor sich hinzuschreien und zu heulen, jedenfalls war der Anblick für die beiden so schrecklich, dass sie sich bei den Händen nahmen und sofort aus dem Haus rannten, ihre zwei Tiere sattelten und flugs in Richtung der Grotten ritten…

Schliesslich war es soweit, nachdem sie wortlos die Tiere festgemacht, ein Feür angezündet und einige der Pferdedecken als Unterlage ausgebreitet hatten, holten sie ihre Ringe aus den Gürteln, zogen sie über ihre Finger und hielten sie wortlos in die Höhe, nur beschienen von den flackernden, blakenden Flammen des Feuers…

Die Strahlen der beiden Steine spiegeln sich in den Gesichtern der beiden Geschwister wider, wirbeln in der kleinen Höhle umher und verdrängen nach und nach das gelblich matte Flackern des Feürs. Immer stärker vermischen sich die blaün und roten Strahlen, bis dass das grelle Licht mehrfarbig erscheint und alle weiteren Konturen auszulöschen beginnt…

Alles wird zu Helligkeit, die sich immer weiter auf ein Zentrum hin, zu einer gelben leuchtenden Scheibe verdichtet…

EPILOG
...Der Reiter erscheint am Horizont, eilt, eine staubige Fontäne hinter sich herziehend, noch ein ganzes Stück weiter, ändert schliesslich seine Richtung und reitet nun direkt, seine Geschwindigkeit einen Hauch langsamer, auf die Mauern der Stadt zu, die mit ihren hohen, zwiebeldächernen Türmen über diese hinaus schauen.

An dem grossen Holztor steigt er von seinem Reittier, zieht einen Lederbeutel unter seinen Umhängen hervor und schreitet selbstsicher auf die behelmten und mit langen Speeren bewaffneten Wächter zu. Eine kurze Debatte, ein Griff in den Beutel – einige zinnfarbene Münzen wechseln den Besitzer – und dem Fremden wird Einzug in Stadt gewährt.

Jenseit der Mauern begann eine völlig andere Welt; eine Welt voller Farben, Gerüche und Laute.

Stimmengewirr mischte sich mit den Hufschlägen der Reittiere und dem Trommeln und Rasseln der Schaustellertruppen, die mit den leiernden Klängen ihrer Seiteninstrumente und den auf und abschwellenden Gesängen die anmutigen, jungen Tänzerinnen bei ihren Hüftkreisbewegungen begleiteten. Der Fremde schritt weiter zwischen den aus Zelttüchern bespannten Verkaufsständen, sein Tier am Zaumzeug hinter sich herführend, roch die Düfte der feilgebotenen Speisen und Getränke, und hatte manches Mal merkliche Schwierigkeiten, sich seinen Weg durch die Menge der Menschen und der aufdringlich schreienden Händler zu bahnen. Nur wenn der Wind sich drehte, veränderte sich auch die Form der Hintergrundgeräusche; das Stimmengewirr wurde faserig, und manchmal schwamm ganz undeutlich, fast schon an der Grenze des Hörbaren, kicherndes Frauengelächter an sein Ohr. Eilig zog der Fremde seine Umhänge wieder etwas dichter vor sein Gesicht und machte sich auf die Suche nach einer Unterkunft…

– Ende –

Copyright (C) 1992/2009/2011 by Felis Breitendorf

Eingangsgrafik von Wolfgang Sigl Copyright (c) 2015 mit freundlicher Genehmigung des Künstlers (http://l.facebook.com/l/QAQHMFqo3AQFBYdEG4PZt_VvU8_aeYhCENEM-qNuD3_b-pg/www.whiskey-sierra.com/Images___Stuff/Images/NEU__16_9_/MIXED/16_9/16_9_121.html)

Bildrechte: Coverillustration “Märchen.jpg” (Originaltitel: nixe01.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Märchen-72-155-100.jpg” (Originaltitel: nixe01.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Bildrechte: “Zeitlinien – manchmal gehen Uhren anders (Zeitlinien5.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Kaufempfehlung des Autors:

Maier, Uta
Amiga und die Suche nach dem Goldenen Turm

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Verlag :      AAVAA Verlag UG
ISBN :      978-3-86254-815-6
Einband :      Paperback
Preisinfo :      11,95 Eur[D] / 12,30 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 30.08.2011
Seiten/Umfang :      ca. 239 S. – 20,0 x 14,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 18.07.2011
Gewicht :      240 g

Medien :
Leseprobe(PDF)

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Wem man Einlass in den Goldenen Turm gewährt, wer über seine glänzende Schwelle tritt, der wird nie wieder so sein wie zuvor …

Als ihr Freund Amante sich in die nahe gelegene Stadt Mainstream aufmacht, bricht für Amiga eine Welt zusammen. Ahnt sie doch, dass es in der bunten Prachtstadt nicht mit rechten Dingen zugeht. Entgegen aller Vernunft folgt sie Amante wenige Tage später in die Glitzerwelt, um ihn vor möglichen Gefahren zu retten. Kaum angekommen, trifft sie auf den mysteriösen Jesko, der sie eindringlich vor König Acheloos und seiner schwarzen Wacht, der mächtigen Vigilia, warnt – zu Recht! Denn jeder, der den dunklen Wächtern in die Quere kommt, landet ganz schnell hinter der Pforte der Dunkelheit. Und Amigas sehnsüchtige Suche nach Amante passt ihnen überhaupt nicht.

Doch warum es die Wächter ausgerechnet auf Amiga abgesehen haben und wieso Jesko sie so verzweifelt beschützen möchte, erfährt Amiga erst, als die selbst an der Schwelle des Goldenen Turms angelangt ist. Doch da ist es für sie und Amante schon fast zu spät…

Uta Maier lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern am Rande des sagenumwobenen Odenwalds. Schon in ihrer Kindheit schrieb sie kurze Erzählungen, verlor dieses Hobby aber lange Zeit aus den Augen und stellte sich dem realen Leben.

Erst eine langwierige Erkrankung, die Suche und das Finden von Spiritualität und der Wunsch, andere Menschen mit ihren Geschichten zu berühren, führten sie letztendlich zu ihrer früheren Leidenschaft, dem Schreiben, zurück. So entstand ihr erster Fantasy-Roman „Triklin“, der fantastische und spirituelle Elemente in sich vereint und im Oktober 2011 im Papierfresserchens MTM-Verlag erscheint.

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6 Comments

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  1. Wer hat mir hier mein Cover geklaut, muß ich wohl nochmal reinstellen, hat bestimmt der Computer-Gremlin gefressen! 🙁

  2. Christa Kuczinski

    Hallo Felis,

    diese Geschichte ist ganz nach meinem Geschmack* 😉
    Besonders gut gefallen hat mir, dass du Prolog und Epilog einander gleichgesetzt hast.
    Durchaus gelungen!

    Lg Christa

  3. Martina Möchel

    Da kann ich mich nur anschliessend, ausserdem finde ich die überarbeitete Fassung wesentlich besser als die ursprüngliche, die ich auch schon gelesen hatte. Schade dass Felis nichts mehr in Richtung Märchen oder Fantasy macht, echt schade drum. Aber vielleicht haben wir ja Glück und Felis greift zur Feder und bringt doch noch mal was Unerwartetes in dieser Richtung aufs Papier?

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