sfbasar.de

Literatur-Blog

ALLEINE ZURÜCKGELASSEN – Science Fiction-Kurzgeschichte (Teil 1) von Angela Fleischer

ALLEINE ZURÜCKGELASSEN

Science Fiction-Kurzgeschichte (Teil 1)

von

Angela Fleischer

(Ergänzung zu “Vagabunden des Alls” (Mai 2012), Science Fiction-Roman von Angela Fleischer)

 

Die Rekruten in dem Warteraum stimmten ein fröhliches Liedchen an, das Pevra zum Lächeln brachte. Es wunderte sie noch immer, dass sie es geschafft hatte, in die stawischen Streitkräfte aufgenommen zu werden. Vor einer Woche war sie noch am Strand gelegen, und hatte sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.

Viele von denen werden nicht nach Hause zurückkehren.

Die Stawin fiel in die Kriegshymne mit ein und sah sich gleichzeitig um. Auf den Glatzen ihrer Kameraden prangten schwarze Tätowierungen, die sie als Rekruten kennzeichneten. »Hallo du, auch schon nervös?«, fragte sie einen athletischen Burschen, der sich in der Versammlung nicht wohl zu fühlen schien.

»Wer wäre das nicht?« Er lächelte unsicher. »Wie heißt du?«

»Pevra. Und du?«

»Klervor. Bin da, um meinen Beitrag zu leisten. Ist das nicht verrückt?« Er zeigte ein weiteres banges Lächeln. »Und was hat dich veranlasst, dein Leben dem Militär zu verpfänden?«

Pevra grinste. »Ich will Offizier werden. Ich schätze, das ist der blödeste Grund von allen, was? Aber die anderen Berufsmöglichkeiten sprechen mich einfach nicht an. Ich habe keine Lust, mein Leben lang vor einem Computer zu vergammeln.«

Ein Sergeant in Uniform betrat den Raum. Die Rekruten verstummten, stellten sich in Reih und Glied auf, und salutierten, indem sie ihre Fäuste senkrecht aufeinander klopften.

Der Oka-Offizier ließ seinen Blick durch den ganzen Raum schweifen, und hüllte sich in minutenlanges Schweigen. Seine grimmige Miene bildete einen krassen Gegensatz zu den perfekten, ästhetischen Gesichtszügen.

»Rekruten!«, brüllte er. »Ihr seid für tauglich befunden worden, in der besten Armee der Milchstraße zu Infanteristen ausgebildet zu werden! Und jetzt denkt ihr natürlich, dass euer Arsch deswegen etwas wert sei!« Sein Blick durchbohrte eine schlanke Stawin in der vordersten Reihe. »Und ihr glaubt, weil ihr Stawen seid, schafft ihr das locker! Aber wisst ihr was? Das ist nicht der Fall! Eure genetisch optimierten Ärsche sind hier keinen Pfifferling wert! Ihr werdet genauso weinen, zittern und plärren wie all die anderen, das verspreche ich euch, denn das Trainingsprogramm ist an euer genetisches Potential angepasst, sodass nur die Härtesten der Harten durchkommen!«

Die Stimme des Mannes kam Pevra seltsam feminin vor. Auf Zolk begegneten ihr hauptsächlich Stawen, die wegen ihrer Körpergröße längere Stimmbänder und somit auch tiefere Stimmen besaßen.

Im Hintergrund murrte jemand.

»Wer war das?«, schrie der Ausbilder, stampfte in eine der hinteren Reihen, und blieb vor einem Burschen stehen. Der Rekrut überragte seinen Ausbilder um gut 45 Zentimeter. »Denkst du, dass ich dich unfair behandle, Mikrohirn? Willst du mich jetzt ansülzen?«

»Nein, Sir!«, rief der Stawe. »Es ist nur…«

»Es ist nur was?«, fragte der Ausbilder mit erhobenem Zeigefinger.

Die Augen des Stawen funkelten trotzig, aber er sagte nichts.

»Fünfzig Liegestütze! Los!«, befahl der Sergeant. Er sah zu den anderen. »Das sind meine Regeln: Einmal Dummheiten – fünfzig Liegestütze. Zwei Mal Dummheiten, und ich packe den Schockstab aus. Drei Mal Dummheiten, und ich verwandle euch in einen wimmernden Haufen Dung. Haben das alle kapiert!?«

»Jawohl!«, schrie die Menge aus vollen Lungen.

»Wie schön, dass wir alle so gut miteinander auskommen. Ihr werdet gleich abgeholt und euren Quartieren zugewiesen. Um sechs Uhr morgens ist Tagwache. Wegtreten!«

Der Sergeant verließ den Raum, Pevra wandte sich dem attraktiven Stawen von vorhin zu. »Ein reizender Typ, er ist mir jetzt schon sympathisch.«

»Ich hab es mir schlimmer vorgestellt«, sagte Klervor. »Er macht sich wenigstens nicht über uns lustig. Ich hoffe nur, dass unsere Kameraden ihr Temperament im Zaum halten können. Ich habe keine Lust, wegen irgendwelcher blöden Aktionen Kollektivstrafen ertragen zu müssen.«

Pevra nickte. Ihre Spezies hatte einen ausgeprägten Unabhängigkeitssinn, der vor allem den Jungen oft Probleme einbrachte.

* * *

Pevra saß auf dem Boden und reinigte mit einem geriffelten Mikrofasertuch ihr Gewehr. Die eigene Waffe in einem Topzustand zu halten, war zwischen Gefechten unumgänglich, da jede Fehlfunktion den Tod zur Folge haben konnte.

»He Pevra, du wärst in unserer Gemeinschaft ein wertvolles Mitglied«, sprach sie von hinten ein Mitglied ihrer Truppe an.

»Zieh Leine«, entgegnete sie, ohne dem Sprecher den Kopf zuzuwenden.

Der Stawe baute sich demonstrativ vor ihr auf, sodass sie ihn nicht ignorieren konnte.

»Du hältst uns für Spinner, aber das sind wir nicht! Du hast es nur noch nicht erlebt, deswegen erscheint es dir fremdartig und barbarisch. Aber sobald das Blut des Feindes erst einmal deine Lippen benetzt hat, ändert sich alles – ein Teil seiner Essenz, seiner Stärke, geht auf dich über. Die Veteranen bestätigen das, und die müssen es wissen.«

»Zisch ab!«, fauchte sie. »Wenn dich der Spieß hört, zieht er uns die Ohren lang.

Weißt du was, schieb dir deinen Blutkult sonst wo hin, Psycho.«

Er schüttelte betont herablassend den Kopf. »Du siehst es einfach nicht ein, was? Na ja, dann lasse ich dich mal in Ruhe brüten, vielleicht änderst du ja eines Tages deine Meinung doch.« Er ging.

Pevra konzentrierte sich wieder auf ihr Gewehr. »Verfluchte Spinner.«

»Es ist schon ein bisschen komplizierter«, widersprach Klervor, der neben ihr saß.

Sie ließ ihre Waffe sinken und starrte ihm direkt ins Gesicht, obwohl sie dann die Sonne blendete. »Jetzt hör aber auf. Sag bloß, du glaubst auch an diesen Müll!«

Klervor zuckte mit den Schultern und blickte kurz in die Ferne, wo ein Soldatentrupp vorbeirannte. »Das nicht gerade. Aber ich verstehe, warum es diesen Blutkult gibt.«

»Ach ja?«

»Ja.« Der Stawe hob eine Handvoll Dreck hoch, und zerbröselte ihn zwischen seinen gepanzerten Fingern. »Es gibt keinen Staatsglauben auf Zolk, keine zentrale, spirituelle Institution. Aber die Leute brauchen trotzdem irgendetwas, das ihnen Kraft und Hoffnung verleiht. Hast du dich noch nie gefragt, warum auf unserer Heimatwelt so viele Sekten ihren Hauptsitz haben?«

»Nein. Für mich sind das einfach nur Spinner. Dass Blut-trinken irre ist, verrät mir schon mein Hausverstand.«

Klervor lachte leise. »Du glaubst also an gar nichts?«

Sie wandte den Kopf gen Himmel und beschattete mit der Hand ihre Augen. »Ich glaube schon, dass es irgendwen gibt, der uns von da oben zusieht. Aber sein helfendes Händchen reicht offensichtlich nicht zu uns, sonst sähe es in der Milchstraße anders aus.

Im Krieg hilft mir das«, sie hob ihr Gewehr an, »das« sie spannte den Bizeps des rechten Arms an, »das«, sie klopfte sich auf die Rüstung, »und das.« Sie tippte sich gegen die Stirn. »Alles andere ist Gesülze.«

Klervor schwieg ein Weilchen. »Manchmal denke ich auch an das Universum, und seine gewaltige Größe. Wir sind nur winzige Mikroben im Vergleich zu den Sternen und Galaxien.«

Pevra knuffte ihn. »Lass das schwermütige Gerede, Soldat! Immerhin haben wir bald unseren großen Auftritt.«

* * *

Pevra schloss per Knopfdruck das Helmvisier und folgte ihren Kameraden ins Feindgebiet, wobei sie ständig nach Gefahren Ausschau hielt. Aber auch das bot eigentlich keinen ausreichenden Schutz. Ein einziger direkter Sprenggranatentreffer konnte einen humanoiden Körper so vollständig atomisieren, dass die Überreste nicht einmal für ein Begräbnis reichten. Die Stawin erinnerte sich mit Schaudern an Major Graslins Truppe, die ein Kampfschweber niedergemäht hatte.

Die Gruppe nutzte bei ihrer Vorwärtsbewegung einen Erdhügel als Deckung und blieb dabei immer wieder stehen, um sicherzustellen, dass keine Feinde auf sie lauerten. Der Wald, in dem sie waren, böte dem Gegner viele Verstecke.

»Zoom 20, Infrarot«, sprach Pevra in ihren Helm. Diese Vergrößerungsstufe zeigte ihr mehr vom Wald, ohne die Nahsicht merklich zu beeinträchtigen, da die Elektronik des Helms automatisch auf ihre Augenakkommodation reagierte. Eine gewisse Verzögerung gab es aber dennoch, weswegen sie bei nahen Schusswechseln die Normalsicht bevorzugte.

Die Soldaten verließen ihre Deckung und marschierten zügig durch den Wald. Noch konnten sie keine Feinde entdecken, und Leutnant Tesz, ein Gomap, leitete das auch an Basis »Hütte« weiter. Beim Bach blieb der Trupp kurz stehen und kontrollierte die Gegend, ehe ihn alle durchquerten. Der Matsch des dünnen Rinnsals befleckte Pevras Stiefel, aber wegen der Wasserundurchlässigkeit ihrer Stiefel störte sie das nicht.

Tesz’ Schritte verlangsamten sich. »Aufpassen«, kommandierte er über Helmfunk in den brummenden Lauten des Standard-3. Sie näherten sich nun dem zerstörten Lager, einem ihrer Kontrollpunkte, der außerdem der perfekte Ort für einen Hinterhalt wäre. Pevra folgte ihrem Kommandanten in die traurigen Hinterlassenschaften des einstigen Militärpostens. Löchrige und verlotterte Baracken ragten vor ihr auf und legten über die Fragilität aller Siedlungen Zeugnis ab.

»Zoom 5, Elektromag.« Der Helm zeigte die elektromagnetische Strahlung in der Umgebung an, vermochte aber leider nicht die Signale, die von den eigenen Kameraden kamen, herauszufiltern. Pevra betrat mit ihren Mitsoldaten das ehemalige Flugfeld. Auf dem Gelände standen die Wracks etlicher Kampfflieger, manche von ihnen Bomber, andere Abfangjäger. Die Piloten hatten die Flieger nicht rechtzeitig starten können, und nun schmückten deren ausgebrannte Skelette die Gegend.

»Wartet!«, befahl Tesz.

Pevra blieb sofort stehen.

»Da war etwas auf fünf Uhr. Penack, Leimar, Wetrapol, schießt ein paar Granaten ab, sie verstecken sich hinter dem Hochbomber. Ihr anderen geht weiter, wir werden sie überraschen. Flexies, an die Spitze.«

»Adrenalin.« Der Helm spritzte Pevra eine Stress-Dosis in den Zugang, sie fühlte sich augenblicklich wacher und leistungsfähiger. Die Soldaten mit den Flex-Schildern gingen voran, und gaben ihren schlechter geschützten Kameraden Deckung. Die Grenadiere zielten mit den tragbaren Granatenwerfern auf den Hochbomber. Mit einem leisen Ploppgeräusch feuerten sie ihre tödlichen Ladungen ab. Die Granaten trafen beim Bomber auf und explodierten. Sofort stoben die feindlichen Soldaten aus ihrer Deckung hervor und verteilten sich.

Pevra verschanzte sich hinter einem Flexie und gab ein paar Schüsse ab. Einer der Galaktasoldaten rannte auf den Abfangjäger zu ihrer Rechten zu. Es war ein Semarphan, mit Schnabel und Membranaugen, die sich hinter einem Helm versteckten. Sie zielte auf ihn und drückte den Abzug. Das Plasmagewehr knatterte. Die Projektile beutelten ihren Gegner, er konnte nicht mehr rennen. Der Feind feuerte vage in ihre Richtung zurück.

Pevra schoss weiter auf seine Brust und die Waffe vibrierte zwischen ihren Fingern. Der Semarphan ging zu Boden, seine Rüstung voller Löcher.

Pevra wechselte ihre Position, versteckte sich hinter einem Truppentransporter. Ihre Kameraden hatten den gegnerischen Trupp dezimiert, doch er verschanzte sich jetzt hinter den Wracks. Das hieß, sie mussten mit Sperrfeuer einen Rückzug verhindern und gleichzeitig die gegnerischen Stellungen einnehmen.

»Anderas, Schmitt, Kral, Bissta, ihr geht von Nordwesten auf sie zu. Versucht sie aus der Reserve zu locken«, befahl Tesz.

Anderas, ein Flexie und Stawe, marschierte voran, und sie hetzten von Deckung zu Deckung. Pevra hörte einen Knall. In Anderas Schild klaffte plötzlich ein großes Loch, obwohl es gegen Plasmafeuer beständig sein sollte.

Eiterwarz! Ein Antimat-Gewehr!

Gegen Antimat-Waffen waren weder Schilde noch Rüstungen wirksam. Pevra löste eine Granate von ihrem Gürtel und warf sie in Richtung des unbekannten Schützen. Ein weiterer Knall ertönte und Anderas ging zu Boden. Die Stawin zwang sich, nicht hinzusehen. Sie duckte sich unter ein Wrack. Dann explodierte ihre Granate. Pevra nahm das Gewehr in die Linke, und streckte ihre Rechte aus der Deckung heraus. Die Optiksensoren des Handschuhs zeigten ihr – nichts. Nur Trümmer, aber keine Leiche …

Der Mistkerl lebte also noch. Wahrscheinlich versteckte er sich hinter dem Jäger schräg links zu ihrer Position. »Kral, Bissta, wir stürmen schnell vor, er ist links hinter dem Jäger.

Er kann uns nicht alle erwischen.«

»Aber Anderas!«, widersprach Kral, der Appianer ihrer Gruppe, in schrillem Standard-1.

»Wir können Anderas nicht helfen, solange uns der Feind auflauert!«

Kral wandte den Blick ab. »Okay«, gab er zerknirscht klein bei.

In Pevras Ohren rauschte das Blut. Wenn sie sich irrte, waren sie geliefert. »Eins, zwei, drei!« Sie sprintete los.

Ein ohrenbetäubender Knall ertönte. Pevra vermeinte, Bissta stürzen zu sehen. Der feindliche Schütze floh aus seiner Deckung. Sie schoss … und verfehlte ihn. Kral traf und der Gegner stürzte zu Boden. Die Stawin und Kral begannen nun damit, die unmittelbare Umgebung zu sichern, doch sie stießen nur noch auf feindliche Leichen. Der Antimat-Schütze war offenbar zurückgeblieben, um dem Rest seiner Einheit den Rückzug zu ermöglichen. Pevra seufzte. Sie hatte ihr Möglichstes getan, aber Bissta und Anderas hatten dennoch daran glauben müssen, zwei Kumpels, mit denen sie tags zuvor noch geplaudert hatte.

* * *

Pevra plumpste unsanft auf den Boden. Ihr war nicht nach Gemütlichkeit, denn vor ein paar Stunden hatte sie ihren ersten Intelligenzler getötet. Sie sicherte ihr Gewehr, und zog sich die Rüstung aus. Sofort schlug ihr intensiver Schweißgeruch entgegen.

Ich rieche mal wieder so richtig lecker.

Die Stawin inspizierte ihre Rüstung, die mehrere Löcher davongetragen hatte, welche ausgebessert werden mussten. Sie steckte durch das größte Loch ihren kleinen Finger durch. Es gab ihr eine Vorstellung davon, was passiert wäre, wenn sie ungeschützt gewesen wäre.

Sie erinnerte sich an den Semarphan zurück, diesem Wesen mit Schnabel, menschenähnlichen Membranaugen, braun geflecktem Fell und rötlichen Streckfühlern. Im Kampf hatte sie davon nur einen Teil des Gesichts gesehen. Wahrscheinlich hatte es ihr das Töten erleichtert.

Pevra schüttelte den Kopf. Zum einen war der Tod von Intelligenzlern im Krieg unvermeidbar und zum anderen kämpfte sie für Toleranz und Gleichheit. Es gab zwar einige Aspekte am Stawenreich, die sie schockierten und verunsicherten, aber prinzipiell standen die Tenekan für eine gerechte Sache ein. Systematischer Rassismus hatte in einer modernen galaktischen Gesellschaft nichts mehr verloren. Es war inakzeptabel, dass Ressentiments immer noch das Schicksal ganzer Völker beeinflussten.

Alana klopfte ihr mit ihrer weichen Hand auf die Schulter. »Aller Anfang ist schwer. Als ich gleich drei Galaktas auf einmal töten musste, habe ich mich in eine Ecke verkrochen und geheult wie ein kleines Mädchen.«

Pevra nickte schwach. »Ich werde mich schon daran gewöhnen.«

»Mit der Zeit, sicher.« Alana trank ausgiebig aus ihrer Wasserflasche und reichte sie anschließend Pevra, die ebenfalls einen großen Schluck nahm.

»Danke«, murmelte sie. »Es war ein Semarphan. Sie haben uns beim zerstörten Flugstützpunkt aufgelauert, wollten nicht, dass wir Quadrant W auskundschaften.« Sie fletschte die Zähne. »Tesz hat die Falle gerochen, und wir konnten sie mit ein paar Granaten rauslocken. Ziemlich üble Geschichte, meine Rüstung hat einige Löcher abbekommen.«

»Ist schon gut, Pevra. Ich weiß, wie diese Dinge laufen.«

Pevra leerte den Rest der Flasche und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Sie trank ständig, selbst wenn sie keinen Durst verspürte. »Ich hoffe, die genehmigen meine Versetzung. Artillerie bewachen wäre eher mein Ding, bei den Aufklärungstrupps spiele ich doch nur das Kanonenfutter, und darauf habe ich keine Lust mehr.«

»Wird schon, wird schon«, tröstete Alana sanft.

Pevra zog die Augenbrauen zusammen. Es war typisch für Alana, Mutter zu spielen und jedem Beliebigen Durchhalteparolen an den Kopf zu werfen. Aber das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es ihr in Wirklichkeit darum ging, das eigene Ego aufzupolieren.

Die Stawin lud die Munition in ihrem Gewehr nach und dachte an Zuhause. Das gab ihr echte Kraft, und die brauchte sie jetzt.

* * *

»Folgt mir!«, befahl Pevra über Helmfunk ihrer Truppe, und marschierte wachsam voran. Bei jedem Schritt knirschte der Sand der Wüste unter ihren Stiefeln, das lauteste Geräusch in dieser Einöde. Sie warf einen Blick zurück zu ihren Soldaten. Diese wirkten alle noch frisch, dank der Kühlsysteme in ihren Rüstungen. Das System beruhte auf der Sublimation eines Feststoffs mit hoher Wärmekapazität.

Schließlich blieb die Stawin vor dem Luftabwehrgeschütz stehen, das vollautomatisch den Himmel überwachte.

Seltsam.

General Irrol hatte ihr befohlen, nach dem Rechten zu sehen, denn der Kontakt zu den Einheiten, die diesen Stützpunkt bewachen sollten, war abgerissen. Aber wenn es tatsächlich ein Gefecht gegeben hatte, müssten eigentlich Leichen oder Schmauchspuren zu sehen sein…

»Hier stimmt was nicht«, murmelte Pevra so laut, dass ihre Truppe sie hörte. »Ich weiß zwar nicht, was passiert ist, aber wir sollten besonders vorsichtig sein.« Sie schritt auf den Eingang des Bunkers neben dem Geschützturm zu. Dann gab sie mit gepanzerten Fingern einen Code in die Türkontrollen ein und hob ihr Gewehr auf Schulterhöhe an. Falls nötig, würde sie sofort schießen. Die Türe glitt auf, und das fleischige Gesicht eines Solchtaq starrte Pevra entgegen. Der Fremde trug zwar die Tätowierung eines Leutnants am Kopf, glich mit seiner zusammengesunkenen Körperhaltung aber eher einem verängstigten Zivilisten.

Die Stawin zog die Augenbrauen zusammen. Sie hatte normalerweise wenig Geduld mit Soldaten, die sich gehen ließen. »Ich bin Major Schmitt und soll hier nach dem Rechten sehen. Was zur Hölle ist hier los?«

»Wie, was?«, schmatzte der Solchtaq in Standard-4 und starrte sie aus trüben Facettenaugen an.

»Ich sagte: Was zur Hölle ist hier los? Wo ist Korporal Russant? Warum ist der Kontakt zum Hauptstützpunkt abgerissen? Warum bewacht niemand den Stützpunkt?«

»Äh … hast du Wasser?«

Pevra nahm die Wasserflasche von ihrem Gürtel und reichte sie dem durstigen Soldaten.

Der Leutnant stürzte das Wasser hinunter, wollte die Flasche scheinbar gar nicht mehr absetzen. Bevor er sie ganz leeren konnte, entriss Pevra sie ihm wieder. »So! Du sagst mir jetzt, was passiert ist, dann bekommst du den Rest der Flasche.«

(Weiter zu Teil 2)

(Diese Kurzgeschichte gehört zu “Vagabunden des Alls” (Mai 2012), Science Fiction-Roman von Angela Fleischer, siehe weiter unten!)

Copyright der Kurzgeschichte und Bild (Pevra-Soldat.jpg) © 2012 by Angela Fleischer

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Bildrechte: “Waffentod – Im Meer der Zeiten” (Waffentod41.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Bildrechte: “Geheimnisse Fremder Welten” (GeheimnisseFremderWelten2.jpg) © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: http://saargau-arts.de/

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit, eine kleine Summe über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

 

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Rebellion der Synthetiker (Kartoniert)
SF-Roman
von Fleischer, Angela

.
Verlag:  Begedia
Medium:  Buch
Format:  Kartoniert
Sprache:  Deutsch
Erschienen:  2012
Gewicht:  366 g
ISBN-10:  3943795268
ISBN-13:  9783943795264

Beschreibung
Es ist das Jahr 2904. Die Milchstraße wird vom Galaktareich beherrscht, einem demokratischen Zusammenschluss verschiedener Planeten, der insgeheim von Großkonzernen gesteuert wird.
Die Synthetiker, durch genetische Manipulation erschaffenen Wesen, leben in tiefster Armut. Für das Galaktareich sind sie nichts anderes als Sklaven. Ijon Asstur, ein Mann, der sich schon seit seiner Jugend politisch engagiert, möchte sich das nicht mehr gefallen lassen. Er gründet die Rebellen Valerios, die dafür kämpfen, den Synthetikern mehr Freiheit zu verschaffen. Doch der Traum scheint zu zerbröckeln, bevor er begonnen hat, als Ijon gefangengenommen wird. Tamian Gerrboden, seine Geliebte, will das nicht hinnehmen. Sie stellt ein Team zusammen, das aus ihr selbst, einem ehrgeizigen Fabrikarbeiter und einer gutmütigen Nachtwächterin besteht. Drei Individuen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Gemeinsam müssen sie gefährliche Herausforderungen bestehen und exotische Welten bereisen, wobei sie nicht nur physisch auf die Probe gestellt werden, sondern auch mental. Am Ende stehen sie jedoch vor der Entscheidung, wie weit sie tatsächlich gehen würden, um Ijon Asstur zu befreien…

Angela Fleischer wurde am 05.08.1986 in Wien als Tochter einer Französin und eines Österreichers geboren. Dort besuchte sie Volksschule und Gymnasium, um sich anschließend dem Studium der Chemie an der Uni Wien zu widmen. Sie hat drei Geschwister und eine Katze mit übernatürlich lauter Stimme. Ihre Lieblingsbeschäftigungen sind das Kochen, das Lesen und das Schreiben. Außerdem nimmt sie häufig an Turnieren des Sammelkartenspiels Magic, the Gathering, teil. Nicht so gerne befasst sie sich mit dem Aufräumen ihrer Wohnung, sodass diese zyklisch in einen Zustand gerät, der nur als apokalyptisches Chaos beschrieben werden kann …

Titel erhältlich als Print- oder ebook-Version bei Amazon.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

13 Comments

Add a Comment
  1. Sehr schöne Geschichte, etwas wenig Tiefgang, aber der wird ja noch folgen, da es eine Forsetzungsgeschichte ist. Der Cliffhanger macht Hunger auf mehr, baut eine echte Spannung auf.
    Ansonsten mag ich den Schreibstil sehr, hier und da hätte ich vielleicht etwas anders gemacht, aber das sind wirklich nur Nuancen.

    Einige Fragen hätte ich dennoch:

    – Standard-3 (klingt wie ein Funkgerät Typ)… Weiter unten jedoch scheint mir „Standard-1“ eine Sprache zu sein. Das ist mir nicht ganz klar.
    – Ist „Ausbildner“ gemeint, kommt öfter vor, oder eher „Ausbilder“?
    – Der Mistkerl lebte also noch. Wahrscheinlich versteckte er sich hinter dem Jäger schräg links zu ihrer Position. »Kral, Bissta, wir stürmen schnell vor, er ist links hinter dem Jäger.
    Er kann uns nicht alle erwischen.«… Wird das Kommando von Pevra gegeben? Konnte ich bestenfalls erahnen, denn heraus lesen.
    – »Aber Anderas!«, widersprach Kral, der Appianer ihrer Gruppe, in schrillem Standard-1.«… Das « am Satzende ist denke ich falsch.
    – Zu Beginn der Story ist sie knapp eine Woche bei der Truppe, zum Ende hin erscheint es mir, als wäre schon sehr lange dabei. Wie viel Zeit liegt zwischen Anfang und Ende der Geschichte?

    Insgesamt sehr schöne Story, die eine baldige Forsetzung verlangt, vielleicht noch mehr auf das Leid der Hauptprotagonisten eingeht und ihre Probleme, intelligente Wesen sterben zu sehen. Vielleicht stumpft sie aber auch ab, wer weiß? 🙂

  2. Lieber Werner Karl: diese Story dürfte ja dann wohl auch deinen Nerv treffen, oder?

  3. Daniel, die Fortsetung folgt definitiv, nur als einzel-Story fand ich es zu lang, aber so macht es ja auch Hunger auf die Fortsetzung. Diese Story spielt überigens im selben Universum wie: http://sfbasar.filmbesprechungen.de/buecher/vagabunden-des-alls-leseprobe-teil-1-des-gleichnamigen-romans-von-angela-fleischer/

    Ansonsten solltest du mal auf das Bild klicken, dahinter versteckt sich ein seite, die ein ausführliches Lexikon für diese Welt und ihre Bewohner beinhaltet und die vielleicht einige der fragen beantwortet. Aber ich werde die autoin mal fragen, ob sie hier ein Antort postet.

  4. Standard 1
    Hohe, zwitschernde Sprache der Appianer und Fermat.

  5. Standard 3
    Sprache aus Brumm- und Klicklauten, die vor allem von Timianerten-Abkömmlingen wie den Löpern oder den Gomap gesprochen wird. Zählt zu den Standardsprachen.

  6. „Ausbildner“ habe ich geändert in Ausbilder.

  7. Standard-1.« heisst jetzt Standard-1. War ein Übertragungsfehler aus dem pdf.

  8. Für deine anderen Fragen frage ich die Autorin!

  9. Danke für das erste Feedback 🙂

    Btw; die Milena Story, die ich am schreiben bin ist zu 50% fertig *grins* Hoffe, dir gehts bis dahin besser Detlef 🙂

  10. Meine Krankheit „Chronischer Schmerz nach Motoradunfall mit nicht ortenbarer Verletzung“ ist angeblich heute noch unheilbar, sagte man mir. Ich solle damit leben lernen, so die Spezialisten.

  11. Am ärgerlichsten ist leider, dass mein Unfallgegner nicht bestraft wurde weil er Sonderrechte hatte und ich als Einzelperson zu wenig Beweiskraft habe. Bei solchen Urteilen werden Personen mit Sonderrecht so behandelt als wenn dieser zwei weitere Zeugen hätte.

  12. Hallo!

    Vielen Dank für das Lob und die Kritik. Wegen der „babylonischen Sprachverwirrung“ schlage ich euch vor, die Wiki von Vagabunden des Alls zu besuchen. 😉 Es gibt dort viele Infos zur Welt und eben auch in Bezug auf die Sprachen meiner lieben Aliens.

    http://vagabunden.wikispaces.com/

    Mein zweiter Roman, Rebellion der Synthetiker, spielt übrigens im selben Universum, aber zirka 100 Jahre vor „Vagabunden“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sfbasar.de © 2016 Frontier Theme