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Archiv für Oktober 29th, 2012

foodwatch e.V. bittet um Unterstützung – 10 EXEMPLARE von “foodwatch – Die Hungermacher” bei uns im Preisrätsel!

Erstellt von Detlef Hedderich am 29. Oktober 2012

Es bleiben nur noch wenige Tage: Die Finanzminister der EU beraten am 13. November über die so genannte MiFID-Richtlinie zur Regulierung der Finanzmärkte. Hierbei entscheidet sich, ob die exzessiven Wetten auf Nahrungsmittelpreise mit ihren fatalen Folgen endlich eingedämmt werden. Die französische Regierung macht Druck, aber das Ergebnis ist völlig offen. Eine wichtige Rolle kommt daher Wolfgang Schäuble zu, der sich öffentlich noch nicht festgelegt hat. Bitte helfen Sie mit, dass der Bundesfinanzminister in wenigen Tagen eine effektive Regulierung der Agrar-Spekulation durchsetzt!

Vor wenigen Minuten haben wir eine E-Mail-Aktion an Herrn Schäuble gestartet. Er selbst hat vor kurzem über die Deregulierung der Finanzmärkte in den vergangenen Jahren gesagt: “Alle haben bei diesem Wahnsinn mitgemacht, ich auch.” Wir fordern: Herr Schäuble, stoppen Sie den Wahnsinn jetzt!

Bitte unterstützen Sie unsere E-Mail-Aktion, indem Sie auf Ihrer Seite oder in Ihrem Blog auf die Aktion hinweisen – entweder mit dem Link

www.foodwatch.de/wahnsinn-stoppen

oder mit einem Widget. Sie binden es einfach wie Banner in Websites und Blogs ein – damit können Ihre Besucher die E-Mail-Aktion direkt unterzeichnen, ohne Ihre Seite zu verlassen. So sieht das Widget aus (alternativ gibt es auch eines im Hochformat):

Zum Einbinden verwenden Sie einfach einen der folgenden HTML-Codes:

Widget im Querformat (468×220px):

<iframe height=”220″ width=”468″ scrolling=”no” frameborder=”0″ name=”Mitmachaktion” src=”http://www.foodwatch.de/e10/e45260/e53787/e53819/formular” class=”"><p>Ihr Browser kann leider keine eingebetteten Frames anzeigen</p> </iframe>

Widget im Hochformat (160×600px):

<iframe height=”600″ width=”160″ scrolling=”no” frameborder=”0″ src=”http://www.foodwatch.de/e10/e45260/e53787/e53819/formular” class=”"><p>Ihr Browser kann leider keine eingebetteten Frames anzeigen</p> </iframe>

Darum geht es bei der E-Mail-Aktion:

Ein entscheidendes Mittel gegen die ausufernde Spekulation mit Nahrungsmitteln sind so genannte Positionslimits. Sie sind bewährte Instrumente, um das Handelsvolumen an den Rohstoff-Terminbörsen zu begrenzen und damit exzessive Spekulation zu verhindern. Das Europäische Parlament und der Europäische Rat haben sich bereits für Positionslimits ausgesprochen – allerdings nur für solche, die riesige Schlupflöcher offen lassen. Die Limits sollen zwar für den Börsenhandel gelten, nicht aber für die so genannten “Over-the-counter”-Geschäfte. Dabei handelt es sich um eine Art Schattenhandel: Wetten auf Nahrungsmittelpreise, die außerhalb der Börsen laufen und damit weitgehend einer Kontrolle entzogen sind. Mittlerweile macht dieser Schattenhandel einen großen Teil der Spekulation mit Agrarrohstoffen aus. Er ist wesentlich dafür verantwortlich, dass Preise stark schwanken oder schlagartig nach oben getrieben werden – und sich Menschen in den ärmsten Ländern der Welt Lebensmittel nicht mehr leisten können.

In unserer vor wenigen Minuten gestarteten E-Mail-Aktion fordern wir Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auf, diesen Schattenhandel zu regulieren. Die E-Mail-Aktion haben wir in Kooperation mit elf anderen Organisationen gestartet: Dabei sind Hilfsorganisationen wie Oxfam, Terre des Hommes, Misereor, Medico International und die Welthungerhilfe genauso wie die Finanzexperten von Weed. Zu den Partnern gehören Attac, Campact, die Katholische Arbeitnehmerbewegung, die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und das Institut Südwind. Zum Teil sammeln unsere Partner auf ihren eigenen Internetseiten Unterschriften. Am Ende wird zusammengezählt – je mehr mitmachen, umso deutlicher das Signal an Herrn Schäuble.

Die Zeit dafür drängt: Schon in wenigen Tagen - wahrscheinlich am 13. November – entscheiden die Finanzminister, ob sie den Mut für wirksame Maßnahmen gegen die Auswüchse an den Warenterminbörsen haben. Bitte helfen Sie mit und weisen Sie auf unsere Aktion hin.

foodwatch sagt herzlichen Dank für die Unterstützung!

Mit besten Grüßen,
Martin Rücker, foodwatch

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie funktionieren die Widgets?
Sie können die Widgets mit einem der oben genannten HTML-Codes wie ein Banner auf Ihrer Seite einbinden. Die Widgets enthalten ein Formular, über das die Besucher Ihrer Seite direkt an der E-Mail-Aktion teilnehmen können. Hinweise zum Datenschutz finden Sie hier.

Warum erhalten Sie diese E-Mail?
Wir schreiben Sie gezielt an, weil Sie bereits über foodwatch bzw. über das Thema Nahrungsmittel-Spekulation berichtet haben. Daher hoffen wir, dass unsere Widgets auf Ihr Interesse stoßen.

Und wenn Sie weitere Fragen haben?
Dann kommen Sie gerne auf mich zu! Sie erreichen mich direkt über die E-Mail-Adresse martin.ruecker@foodwatch.de oder telefonisch unter +49 (0)30 / 24 04 76 – 291.

**********************
foodwatch e.V.
brunnenstr. 181
10119 berlin
germany
fon: +49 (0)30 / 240 476-291
fax: +49 (0)30 / 240 476-26
e-mail: martin.ruecker@foodwatch.de
internet: www.foodwatch.de
**********************
Eingetragener Verein, Sitz Berlin VR 21908 Nz AG Charlottenburg,
Geschäftsführer: Dr. Thilo Bode
**********************

Preisrätsel 10 x 1 Exemplar von “foodwatch – Die Hungermacher“: Wer eines dieser Exemplare erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Wann beraten die Finanzminister der EU über die so genannte MiFID-Richtlinie zur Regulierung der Finanzmärkte? (Antwort auf unserer Homepage zu finden!) Sobald 100 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! BITTE NICHT VERGESSEN, DIE ANSCHRIFT UND E-MAIL-ADRESSE MIT ANZUGEBEN!

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GEWONNEN HAT: Matthias Sperber, Alfred Pecha, Johannes Silberhorn, Kirsch Klara, Christiane Holländer, Monika Meyer, Karin Emmerich, Dieter Grotzke, Markus Heerdt und Morten Ernst. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! Wir danken allen Teilnehmern und Foodwatch recht herzlich für die vielen Gewinnpreise!

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SCHLAG AUF SCHLAG – Leseprobe aus dem gleichnamigen Krimi von Becca Raven

Erstellt von Barbara Wegener am 29. Oktober 2012

SCHLAG AUF SCHLAG

Leseprobe aus dem gleichnamigen Krimi

von

Becca Raven (Barbara Wegener)

London

Die Holztäfelung und die Teppiche des Pubs verbreiteten eine gemütliche Atmosphäre. An den Wänden hingen Schals und Banner des Manchester United Football Club.

Nazar Tisizov saß auf einem Barhocker am Tresen und blickte nervös auf seine Uhr. Vor zehn Minuten hätte sein Kontaktmann eintreffen sollen. Er winkte dem Kellner und bestellte noch einen Wodka. Es war der vierte. Augenblicke später stand das klare, kalte Getränk vor ihm.

„Sie sollten nicht so viel trinken.“

Nazar zuckte zusammen. „Sie hätten schon viel früher hier sein sollen“, entgegnete er.

„Der Verkehr. In London gibt es kein Durchkommen. Nun zum Geschäft. Steht der Deal? Die Hälfte des Geldes ist vereinbarungsgemäß hier.“

„Setzen sie sich. Wir müssen noch einiges abklären.“

Dorney Lake

Eine leichte Brise wehte über dem Dorney Lake und nur einige Schäfchenwolken tummelten sich am ansonsten blauen Himmel. Elf Uhr. Gleich würde es losgehen.

Die Boote lagen ruhig im Wasser und konzentriert wartete der Deutschlandachter auf das Startsignal. Monatelang hatten sie sich auf diesen Augenblick vorbereitet. Olympia 2012 in Großbritannien.

Ihnen war die linke äußere Bahn zugeteilt worden. Neben ihnen Kanadier, die Australier und die Niederländer. Es würde ein hartes Rennen werden. Deutschland und Kanada galten als Favoriten.

Christoph Kleine, der Schlagmann, schwor die Mannschaft noch einmal ein, alles zu geben. „Wir werden gewinnen, wenn jeder alles gibt. Ab der 1000 Metermarke sollen die anderen nur noch unser Heck sehen. Los, Jungs! Hauen wir rein!“

Das Startsignal ertönte.

„Und zieh! Und zieh!“, kam es vom Schlagmann und in dem von ihm vorgegebenen Rhythmus tauchten die Ruder ins Wasser. Vom Start weg wollten sie das Rennen kontrollieren und gleich Druck machen.

Die Startphase glückte sehr gut. Nach 300 Metern lagen sie gleichauf mit den Niederländern, dicht gefolgt von den Kanadiern. Die Australier lagen eine halbe Bootslänge hinter ihnen.

Wieder und wieder durchstießen die Ruder gleichmäßig die Wasseroberfläche und brachten die Boote auf eine Geschwindigkeit von annähernd 20 Stundenkilometern.

„Und zieh! Und zieh!“ Wieder und Wieder erfolgte die Anweisung Kleines. Er konzentrierte sich voll auf das Rennen. Aus den Augenwinkeln bemerkte er aber, dass die anderen Boote leicht zurückfielen. Jetzt nur nicht nachlassen.

Die 1000 Metermarke, die Hälfte der Regattastrecke, war erreicht. Der Deutschlandachter lag in Führung.

Kleine wollte gerade wieder seine Anweisung herausschreien, als das Boot plötzlich durchgerüttelt wurde, einen leichten Satz im Wasser machte und dann nach rechts ausbrach. Der Steuermann hatte keine Kontrolle mehr.

Mit voller Wucht prallten sie gegen die Kanadier, die ihrerseits das Niederländische Boot rammten. Lediglich die Australier, die mittlerweile eine volle Bootslänge abgeschlagen waren, konnten der Karambolage ausweichen.

Die Besatzungen der drei anderen Boote fanden sich, nach Luft schnappend, im Wasser wieder.

Ein Aufschrei ging durch die Zuschauermenge. So etwas hatte es noch nicht gegeben. Blitzlichter flammten auf und Reporter sprachen aufgeregt in Richtung ihrer Kameras.

Schnell liefen die Offiziellen zum Ufer des künstlichen Sees, um die zum Land schwimmenden Athleten zu empfangen.

Kleine rief den Australiern, die wie versteinert in ihrem Boot saßen zu, dass ein Gegenstand gerammt worden wäre. Umständlich drehte das niederländische Boot und hielt auf die Bahn der Deutschen zu.

Kleine sah, dass der australische Schlagmann ins Wasser griff und die übrigen Ruderer anschließend langsam auf das Ufer zuhielten. Er konnte nicht erkennen, was der Australier da gepackt hatte.

Schnell schwamm er, wie die anderen gekenterten Athleten zum Ufer, wo ihnen schon Hände entgegengestreckt wurden, die sie aus dem Wasser zogen. An Land wurden den tropfnassen Sportlern Decken gereicht.

Gespannt beobachten Zuschauer und Athleten das australische Boot, das sich langsam dem Ufer näherte. Der australische Schlagmann, der eine Hand immer noch über den Süllrand des Bootes hielt, war kreidebleich. Seine Mannschaftskollegen ruderten langsam und vorsichtig.

Alle wirkten erschüttert.

Und das, was vom australischen Schlagmann dann ans Ufer gereicht wurde, ließ auch die übrigen Athleten und Offiziellen erbleichen. Schnell legte man eine Decke über die tropfnasse Gestalt, die leblos im Gras lag.

„Ein Arzt! Holt doch jemand einen Arzt!“ Aufgeregt sah Kleine  in die Runde. Endlich sah er den Mannschaftsarzt der Kanadier auf das Ufer zulaufen.

„Was ist passiert? Hat sich jemand verletzt?“ Der Kanadier hatte nur den Zusammenstoß gesehen, nicht aber, wie es dazu gekommen war.

„Kommen sie! Schnell!“ Kleine zeigte auf die bedeckte Gestalt.

Der Mediziner kniete sich neben den Körper und hob die Decke leicht an. Sekunden später ließ er sie wieder zurück fallen.

„Die Polizei muss verständigt werden.“ Er flüsterte fast.

„Ist schon unterwegs.“ Ein Mitarbeiter des Olympischen Komitees hielt sein Handy in die Höhe und zu den mittlerweile zahlreichen Sicherheitskräften gewandt: „Sorgen sie dafür, dass die Meute da nicht zu nahe kommt.“

Eine Gruppe Journalisten rannte mit gezückten Kameras und Aufnahmegeräten auf sie zu, wurde aber, wie angewiesen, zurückgehalten.

„Und jetzt? Was machen wir jetzt?“ fragte ein niederländischer Betreuer, dem die Tränen in den Augen standen.

„Die Polizei sagte, wir sollen nichts anrühren und alle hier bleiben. Sie werden so schnell wie möglich bei uns sein.“

Dankbar nahm Kleine den Becher mit heißem Tee entgegen. Er zitterte leicht.

Die deutschen Ruderer standen etwas abseits und konnten nicht erkennen, um wen es sich bei dem Toten handelte.

Scotland Yard

Chiefinspektor Horatio Holmes saß in seinem Büro und schaute sich die Judowettkämpfe an. Er war ein begeisterter Fan der Kampfsportart und ließ keine Berichterstattung darüber aus.

„Horatio.“ Inspektor Berrent betrat sein Büro. „Hast du die Akte vom Bankraub letzten Donnerstag hier? Hey was siehst du dir denn an?“

Berrent trat hinter Holmes.

„Judo. Ich liebe diesen Sport. Bin seit zehn Jahren in ´nem  Verein, aber zu Wettkämpfen reicht es nicht. Aber, was diese Jungs hier gerade abliefern, das ist einfach traumhaft.“

„Aha. Judo. Ist nichts für mich. Ich bin Fußballfan. Machester City. Ich hab sogar Dauerkarten für mich und meinen Sohn. Wir sind bei jedem Heimspiel da. Und auch bei einigen Auswärtsspielen.“

Holmes wollte gerade seine Meinung zu Fußball äußern, als das Telefon auf seinem Schreibtisch klingelte. Er stellte den Ton des Fernsehers leiser.

„Holmes. Ja, ich verstehe. Gut, bin sofort unten.“

Holmes seufzte und schaltete das Fernsehgerät aus.

„Eine Leiche am Dorney Lake. Während eines Ruderwettkampfes haben sie da eine Leiche gefunden. Ich muss sofort los. Die anderen warten schon unten im Fahrzeug.“

Bedauernd schaute er noch einmal in Richtung des ausgeschalteten Fernsehers und verließ dann zusammen mit seinem Kollegen das Büro.

Dorney Lake

Kleine hatte seinen Tee noch nicht vollständig getrunken, als die Beamten auch schon angekommen waren.

„Ich bin Chiefinspektor Horatio Holmes von Scotland Yard. Und nein, ich bin nicht mit Sherlock verwandt.“ Offensichtlich gebrauchte er diese Begrüßung und Erklärung oft, denn sie kam ihm flüssig von den Lippen. „Wo ist die Leiche?“

Der kanadische Arzt zeigte auf die Decke, unter der sich ein menschlicher Körper abzeichnete.

„Dr. Watson, was haben wir hier?“ Holmes sah die Anwesenden streng an, so dass niemand auch nur auf die Idee kam nachzufragen oder zu schmunzeln.

Der Gerichtsmediziner begann sofort mit seiner Arbeit und kniete sich neben die Leiche.

„Sie“, Holmes zeigte auf den immer noch vor Kälte und Anspannung zitternden Kleine. „Kommen Sie mit. Und kann mir bitte jemand einen Tee bringen?“

Er entfernte sich mit Kleine einige Meter von den anderen, zückte Notizblock und Kugelschreiber und sah Kleine an. „Wer sind Sie und was ist hier genau geschehen?“

„Mein Name ist Christoph Kleine und ich bin Schlagmann des deutschen Achters. Was geschehen ist? Wir sind ungefähr bei Meter 1000 gegen diesen Mann da gekracht. Wir waren mit fast 20 Stundenkilometer Geschwindigkeit unterwegs.

Wir… Ich hab ihn nicht gesehen. Alles war wie immer, bei einer Regatta. Was hat der Kerl im Wasser zu suchen? Ich…“ Kleine versagte die Stimme. Er war fest davon überzeugt, dass der Mann durch den Zusammenstoß mit dem Boot ums Leben gekommen war.

Copyright © 2012 by Becca Raven (Barbara Wegener)

Wer wissen will, wie es weitergeht, kann den folgenden Titel als ebook bestellen:

Im Schatten der Medaille #4 – Schlag auf Schlag  (ebook)
ISBN-10: 3-8450-0831-8
EAN:     9783845008318
Erschienen: 24.07.2012
Verlag: Satzweiss.com-chichili agency
Medium EPUB

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Auch als Gesamtausgabe erhältlich:

Im Schatten der Medaille #1-8 – Gesamtausgabe (ebook)
eBook
Medium: EPUB
ISBN-10:     3-8450-0839-3
EAN:     9783845008394
Erschienen:     24.07.2012
Verlag:     Satzweiss.com-chichili agency
Einband:     EPUB
Sprache(n):     Deutsch
Erschienen bei:     Satzweiss.com-chichili agency
Medium:     EPUB
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DER GEFANGENE – Leseprobe aus: “Rettungskreuzer Ikarus 46: Welt der Schlafenden” von Irene Salzmann

Erstellt von Irene Salzmann am 29. Oktober 2012

DER GEFANGENE

Leseprobe aus:
“Rettungskreuzer Ikarus 46: Welt der Schlafenden”
von
Irene Salzmann

Auf Wunsch von Captain Hellerman brachte der Roboter aus der Kosang den einzigen Überlebenden des Wracks an Bord der Phoenix.

Was die Maschine – Cornelius hatte seine Zweifel, dass es sich wirklich um einen reinen Roboter und nicht um einen weiteren selbständigen, intelligenten Ableger Kosangs handelte – zuvor an Informationen gesandt hatte, war erschreckend.

Die Kamera zeigte ein heilloses Chaos: aufgeworfene Böden, geborstene Wände, eingestürzte Decken, brennende Aggregate, funkensprühende Leitungen, von den Sprinkleranlagen erzeugte Dampfschwaden und Wasserlachen. Und überall Leichen. Nicht alle von ihnen waren durch den Beschuss der Kosang und den Folgen davon gestorben. Die meisten wiesen Verletzungen auf, wie sie nur von einem Handstrahler stammen konnten. Demnach hatten die Überlebenden ausnahmslos Selbstmord begangen, oder ein Amokläufer hatte seine Kameraden abgeschlachtet.

„Aber warum?“, flüsterte Hellerman betroffen.

Allein der Gefangene mochte diese Frage vielleicht zu beantworten.

Vergeblich hatte der Roboter versucht, die Datenbank des Kriegsschiffs anzuzapfen. Sie war, offenbar durch einen kleinen Sprengsatz, zerstört worden, so dass weder der Name des Raumers und seine Herkunft noch die Absichten seiner Crew aufgedeckt werden konnten.

„Ich möchte, dass Sie sich den Gefangenen vorknöpfen“, sagte Hellerman zu Pakcheon. „Freiwillig wird er gewiss nicht sprechen, wenn er und seine Leute zu solchen … extremen Maßnahmen fähig sind. Mich wundert, dass er nicht versucht hat, sich umzubringen, bevor der Roboter ihn in Gewahrsam nahm.“

Das fand auch Cornelius seltsam. Der Fremde war bei Bewusstsein gewesen, anscheinend nicht schwer oder gar nicht verwundet. Er hatte sich bloß halbherzig gewehrt, während der Roboter ihn auf Verletzungen untersuchte und ihm ein leichtes Betäubungsmittel gab, um ihn ruhig zu stellen. Anschließend wurde der Gefangene in einer Rettungszelle untergebracht. Hätte ein Mann, der offenbar strikte Befehle und diese bislang durchgezogen hatte, nicht viel aggressiver reagieren oder Suizid begehen müssen, als die Maschine auftauchte? Hatte er vielleicht alle Beweise vernichtet, seine Kameraden umgebracht und dann die Courage verloren? Möglich, aber unwahrscheinlich.

„Was glauben Sie, Pakcheon?“ Cornelius hatte dem Freund seine Überlegungen mitgeteilt.

„Ihre Sorge ist berechtigt. Ich finde das ebenfalls sehr merkwürdig. Allerdings hat Kosang nichts Verdächtiges an dem Mann registriert: keine Krankheitskeime, keine verborgenen Waffen und auch keine Sendegeräte. Wir werden erst dann mehr wissen, wenn ich mit ihm gesprochen habe. Da er nicht kooperativ sein wird, befürchte ich, dass dies ein wenig dauern kann.“

„Kosang wird gleich mit der Rettungszelle andocken. Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl.“

„Geht mir nicht anders. Am liebsten würde ich den Mann lassen, wo er gerade ist. Oder ihn auf der Kosang in eine Isolierzelle stecken. Aber jetzt muss ich wohl erst Sympathiepunkte sammeln, bevor … bevor man mich für ein Monster hält.“ Pakcheon wandte sich an Hellerman. „Der Gefangene hat nur geringe Blessuren davon getragen. Bitte bringen Sie ihn in einem ausbruchssicheren Raum unter. Höchstmögliche Sicherheitsstufe.“

„Ich hatte nichts anderes vor“, erwiderte Hellerman. „Die Sache … stinkt. Haben Sie etwas entdeckt, das Anlass zur Besorgnis gibt?“

Die ganze Situation gibt Anlass zur Besorgnis, dachte Cornelius. Allerdings galt die Sorge nicht seiner Person sondern der Phoenix, den Menschen an Bord und ihrer Mission. Die Begegnung mit den beiden Kriegsschiffen, der Angriff, die Vernichtung aller Hinweise, die Aufschluss über die Unbekannten hätten geben können, ein einziger Überlebender, Pakcheons Misstrauen – die Summe daraus verhieß nichts Gutes. Oder hören wir schon die Flöhe im Catzig-Fell husten?

Pakcheon schüttelte den Kopf. „Mir wäre wohler, wenn es so wäre. Dann wüsste ich, welche Maßnahmen zu ergreifen wären. So hingegen hängen wir in der Luft und gehen ein Risiko mit nicht abschätzbaren Folgen ein.“

„Bringen wir es hinter uns“, sagte Hellerman. „Dr. Singer, Sie kommen mit mir. Mr. Cornelius? Mr. Pakcheon?“ Da der Captain über seine Gäste keine Befehlsgewalt hatte – der Alarm war aufgehoben worden -, konnte er nur eine Einladung aussprechen. „Mr. Alaya, schicken Sie einen Kampfroboter zur Schleuse.“

Cornelius und Pakcheon schlossen sich Hellerman und Laini Singer an.

In der Zwischenzeit hatte der Ableger mit der Rettungszelle die Phoenix erreicht und den Gefangenen in der Luftschleuse abgelegt. Die Kampfmaschine stand am inneren Schott bereit.

„Der Unbekannte kommt langsam zu sich“, stellte Pakcheon fest. „Wir sollten uns beeilen, damit er nicht außerhalb seiner Arrestzelle erwacht.“

„Öffnen“, befahl Hellerman.

Das Schott glitt beiseite und gab den Blick auf eine ellipsoide Maschine frei, die aus ihrem Innern eine dünne Faltliege gefahren hatte, auf der angeschnallt ein großer, kräftiger Mann mit kurzem, dunklen Haar lag. Er trug eine schlichte, zweckmäßige Kombination ohne irgendwelche Abzeichen. Kosangs Ableger schwebte über der zerknautschten Hülle der Rettungszelle.

Ein Durchschnitts-Typ mit einem Durchschnittsgesicht, dachte Cornelius. Für seine Herkunft kommen viele Planeten infrage. An Flotten oder Organisationen, für die er arbeiten könnte, fallen mir gleichfalls mehrere ein.

Laini Singer kniete neben dem Gefangenen nieder und untersuchte ihn oberflächlich auf Verletzungen, obwohl sie das Dossier von Kosang erhalten hatte. „Schmutzig, einige Hämatome, aber ansonsten gesund“, bestätigte sie das erste Ergebnis.

„Kosang“, wies Pakcheon den Roboter an, „bitte, folge uns mit dem Fremden.“

Hellerman und Laini Singer gingen voraus, der Kampfroboter positionierte sich hinter seinem Kollegen, der den Bewusstlosen zur Sicherheitszelle transportierte. Cornelius und Pakcheon bildeten den Schluss.

„Schon etwas entdeckt?“, fragte Cornelius.

„Nein, die Gedanken eines Schlafenden zu lesen, ist genauso schwierig wie die Suche nach geheimen Informationen, derer sich derjenige, den man befragen will, nicht bewusst ist. Der Mann träumt wirre Dinge: von unserem Angriff, von anderen Kämpfen, von einem Wüstenplaneten mit unterirdischen Städten – vielleicht seine Heimat -, von Menschen und anderen Spezies, die ihm begegnet sind. Das alles überlagert die Dinge, die wir erfahren wollen.“

„Ich danke Ihnen, dass Sie sich die Mühe machen, den Gefangenen zu befragen, und uns auf diese Weise helfen.“

Pakcheon lächelte. „Das ist selbstverständlich. Buchstäblich sitzen wir alle in demselben Boot; ich handle also auch im eigenen Interesse.“

Trotzdem, dachte Cornelius, sprach es aber nicht direkt aus. Der Freund wusste, wie es gemeint war. Während des Gehens berührten sich flüchtig ihre Hände. Und er tut es für mich.

Die Gefängniszelle unterschied sich kaum von den Kabinen der Crewmitglieder. Es gab eine Liege, einen kleinen Tisch, einen Stuhl, ein Regal für Wechselwäsche, eine winzige Hygienezelle und sogar ein Terminal, mit dem man ausschließlich Zugriff auf die unterhaltsamen Titel der Bordbibliothek hatte. Eine Kamera überwachte die Aktivitäten des Insassen und zeichnete sie auf. Allein die Toilette blieb ausgespart. Über ein Fenster und eine Sprechanlage konnte man kommunizieren, ohne den Raum betreten zu müssen. Das Essen wurde bei den Kontrollgängen durch eine Schleuse serviert.

Kosangs Ableger lud den Mann auf der Liege ab und zog sich zurück. Der Raum wurde verriegelt.

Der Häftling zuckte. Unter den Lidern bewegten sich seine Augen hin und her.

„Gleich wird er erwachen“, flüsterte Pakcheon. „Gleich.“

„Verlieren Sie keine Zeit“, verlangte Hellerman. „Holen Sie aus ihm raus, was wir wissen wollen. Wir müssen Klarheit haben.“

„Kosang“, wandte sich Cornelius an den Ableger. „Kannst du die Liege in einen Sitz umfunktionieren? Ich denke, dass sich Pakcheon dann leichter zu entspannen vermag, um seine Aufgabe zu erledigen.“

„Natürlich“, erwiderte der Ableger.

Pakcheon sah Cornelius dankbar an. Dann ließ er sich auf der Sitzgelegenheit nieder, rutschte kurz hin und her, bis er eine bequeme Position gefunden hatte, und schloss die Augen.

Der Gefangene bewegte sich. Seine Augen flogen auf, er nahm die fremde Umgebung zur Kenntnis und schwang sofort die Beine nach unten, die Hand an der Hüfte, doch war seine Waffe nicht mehr vorhanden. Durch das Fenster konnte er sehen, wer ihn beobachtete.

Plötzlich grinste er. Seine Muskeln lockerten sich, er gab die aggressive Haltung auf und lehnte sich lässig an die Wand.

Cornelius schauderte unwillkürlich. Das Grinsen war wissend und böse.

„Sie befinden sich an Bord des Rettungskreuzers Phoenix“, erklärte Hellerman. „Ich bin Captain Hellerman. Wir haben Ihnen per Funk mitgeteilt, dass wir keine feindlichen Absichten hegen und den Sektor lediglich durchqueren wollen. Wer sind Sie? Warum haben Sie unseren Ruf ignoriert und angegriffen?“

Der Mann verschränkte die Arme vor seiner Brust und schwieg.

„Es wäre besser, Sie würden meine Fragen freiwillig beantworten“, fuhr Hellerman fort. „Ihr Schweigen ist nutzlos, da wir einen Telepathen an Bord haben, der Ihnen Ihre Geheimnisse entreißen wird.“ Er trat zur Seite, so dass der Häftling Pakcheon sehen konnte.

Offenbar hatte der Unbekannte von den Vizianern gehört. Er beugte sich vor und wurde blass.

„Nein!“

Cornelius war sofort an Pakcheons Seite. Anscheinend hatte nur er dessen Aufschrei gehört.

„Nein!“, rief plötzlich auch Laini Singer.

Hellerman fluchte.

Kosang war verwirrt. „Pakcheon“, kam es aus dem Lautsprecher des Ablegers, „was ist mit dir? Wie kann ich helfen?“

Der Körper des Vizianers bäumte sich auf, seine Augen blieben jedoch geschlossen, und die Lippen waren so fest aufeinander gepresst, dass sie einen schmalen Strich bildeten. Cornelius glaubte, die Zähne dahinter knirschen zu hören.

„Pakcheon?“ Cornelius packte ihn an den Schultern und spürte harte, verkrampfte Muskeln.

„Ich muss ihn anschnallen, damit er nicht herunter fällt“, sagte Kosang und beförderte den Vizianer in eine liegende Position.

Wie durch Watte vernahm Cornelius die aufgeregten Stimmen der anderen. Er achtete kaum auf die Worte.

„Entriegeln Sie das Sicherheitsschott.“

„Das könnte eine Falle sein.“

„Schauen Sie doch hin: Er stirbt!“

„Na gut, aber der Kampfroboter und ich begleiten Sie.“

Pakcheon lag reglos da. Sein sonst hellblauer Teint wirkte grau.

Cornelius setzte sich auf den Rand der Liege, die Hände immer noch auf den Schultern des Vizianers. „Das ist nicht nötig. Er ist wieder ruhig. Zu ruhig.“

„Seine Vitalwerte werden schwächer“, bemerkte Kosang besorgt. „Aber es liegt keine organische Ursache vor.“

„Aus seinem Mund tritt Schaum. Eine Giftkapsel?“

„Ich helfe Ihnen. Vielleicht können wir seine Kiefer öffnen und seinen Magen auspumpen.“

„Ich fürchte, das wird nichts nutzen. Das Gift scheint über die Schleimhäute absorbiert zu werden.“

„Verdammt. Wo ist der vizianische Roboter, wenn man ihn braucht?“

„Oh …“

Cornelius Finger strichen über Pakcheons Gesicht, glitten durch sein langes Haar. „Antworte mir!“, rief er eindringlich. „Du hörst mich, ich weiß es.“

„Warum“, Kosang klang verzweifelt, „stirbt er? Das darf nicht sein! Pakcheon? Pakcheon!“ (…)

ENDE

Zum nächsten Teil

Copyright (C) 2012 by Irene Salzmann, Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

Wer wissen möchte, was vorher passierte und wie es weitergeht, kann das Nachlesen in:

Welt der Schlafenden
Rettungskreuzer Ikarus 46.
von Irene Salzmann

ebook:
EAN: 9783864020315
Format:  EPUB
Rettungskreuzer Ikarus 46.
Atlantis Verlag
epub eBook – 114 Seiten
.

Print:
Verlag: Atlantis Verlag Guido Latz (2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 386402014X
ISBN-13: 9783864020148
Größe und/oder Gewicht: 21,2 x 14,4 x 1,2 cm

Die verzweifelte Lage der vom Wanderlustvirus befallenen galaktischen Zivilisationen bedarf neuer Lösungen. Während die Söldnerin Skyta versucht, die Schwarze Flamme vor dem Untergang zu retten, entsendet das Raumcorps den Rettungskreuzer Phönix auf eine ungewisse Mission: Die Welt der Schlafenden aufzusuchen, in der Hoffnung, dort das Gegenmittel gegen die Seuche zu finden…

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ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

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HABEN SIE ETWAS GEGEN ANTIAUTORITÄT? – Eine Kurzgeschichte von Irene Salzmann

Erstellt von Irene Salzmann am 29. Oktober 2012

HABEN SIE ETWAS GEGEN ANTIAUTORITÄT?

Eine Kurzgeschichte
von
Irene Salzmann
(1987/93)

Ich hielt das breite Schmuckband an meinem rechten Handgelenk dicht vor die Augen, um die winzigen Buchstaben auf dem Minimonitor des Personalcomputers erkennen zu können. Zu dumm, daß ich meine Kontaktlinsen auf der Ablage im Bad hatte liegen lassen. Da mein Mann als erster aufgestanden war, für gewöhnlich weder etwas sah noch hörte, waren sie natürlich weg gewesen, futsch, um genau zu sein. Die neuen würden erst morgen fertig werden, und bis dahin mußte ich mich ohne sie zurechtfinden.

Sorgfältig ging ich die Einkaufsliste durch, um nichts Wichtiges zu vergessen, denn am Wochenende hatte nur der Galactoshop offen, und der war fast doppelt so teuer wie die anderen Einkaufscenter. Tatsächlich fehlten die Charachips, die mein Mann so gerne aß. Bah, dieses neumodische Zeug aus gepreßten Armleuchteralgen – einfach widerlich! Aber ihm und Millionen anderen Naschern, wenn man den Statistiken Glauben schenken durfte, schmeckten sie unverständlicherweise.

Mit der Nase suchte ich die Regale entlang, bis ich die Tüten gefunden hatte. Während ich zwei in meine Schwebetasche packte, hörte ich ein lautes “Ssssssssss – bang, bang!” Unwillkürlich drehte ich mich in die Richtung, aus der das Geräusch kam und konnte gerade noch zur Seite springen, als ein sechs- oder siebenjähriger Junge wie ein Laserstrahl durch den Gang geschossen kam, meine Tasche umstieß, so daß die Hälfte ihres Inhalts auf den Boden polterte, und fast noch eine alte Frau aus dem Gleichgewicht brachte. Schon war er um die Ecke, und das “Ssssssssss – batsch, boing, bumm!” entfernte sich so schnell, wie es gekommen war. Schimpfend rieb sich die Frau das linke Schienbein.

Kopfschüttelnd fragte ich mich, wo die Mutter des Bengels stecken mochte. Statt sich um ihn zu kümmern, tratschte sie gewiß mit einer Bekannten; so war das immer. Na ja, was ging es mich an. Ich sammelte die verstreuten Sachen ein und wandte mich wieder meiner Liste zu. Da war doch noch etwas gewesen …? Richtig, Gänseblümchensalat und Tang für die Fischaugensuppe mußte ich noch besorgen.

Unterwegs entdeckte ich das Früchtchen in der Spielwarenabteilung. Er riß gerade den Karton eines Plastikstrahlers auf und war gleich darauf mit der Beute verschwunden. Schade, daß gerade niemand vom Aufsichtspersonal in der Nähe war. Manche Eltern haben wirklich Nerven …

An den Automatkassen war nicht viel los. Um die Mittagszeit besuchten wenig Kunden das Center, und diejenigen, die vor mir standen, hatten keine vollen Schwebetaschen. Ich schloß mich einer Schlange an und bewegte mich genauso träge vorwärts wie die anderen.

Plötzlich hatte ich das Gefühl, meine Haare würden sich steil aufrichten. “Bang, bang – psch!” machte das ungezogene Kind unmittelbar hinter meinem Rücken. Mehr Worte schien sein Vokabular nicht zu umfassen.

Ich wollte mich nicht umdrehen, da man mich sonst für neugierig gehalten hätte und ich, kurzsichtig, wie ich ohne Kontaktlinsen nun mal bin, auch nicht viel hätte erkennen können. Aber zu gern wollte ich wissen, wie die Eltern des Kindes ausschauten. So drehte ich mich ein wenig zur Seite, als würde ich prüfen, ob es an der Nachbarschlange schneller ging, und blickte dabei kurz über die Schulter.

Zwischen dem zischenden Kind und einer überladenen Schwebetasche stand eine junge Frau, groß, knabenhaft schlank, topmodern gekleidet und grell geschminkt; zweifellos die Mutter. Spontan kam mir ein tropischer Vogel in den Sinn, vielleicht ihrer bunten, aufwendig gestylten Frisur oder des gelangweilten, hochnäsigen Gesichtsausdrucks wegen.

Da es an der Kasse weiterging, beachtete ich die beiden nicht länger und schob meine Tasche vor, damit der Scanner ihren Inhalt erfassen konnte. Die Summe würde von meinem Guthaben abgebucht werden, sobald ich die Kreditkarte in den Schlitz der Maschine steckte.

“Psch – rrrrr!” machte es hinter mir: Das typische Geräusch eines Spielzeuglasers. Diesmal sträubten sich meine Haare wirklich, denn diese Dinger haben einen Akku und verschießen kleine, harmlose Elektroblitze, und von einem solchen war ich soeben getroffen worden. Vor Schreck fiel mir die Kreditkarte fast aus der Hand, und die Maschine forderte mich streng auf, endlich zu zahlen oder aus der Schlange zu treten. Etwas hilflos erwiderte ich den Blick des Mannes vor mir, der wie ich das zweibeinigen Ärgernis beobachtet hatte, während er auf seine Karte warten mußte.

Es kann ja ein Versehen gewesen sein, versuchte ich, mich zu beruhigen, schließlich will ich nicht durch eine unfreundliche Bemerkung zu einer Kinderfeindin abgestempelt werden. Wenn man selbst keine hat, geht das sehr schnell. Als wäre nichts geschehen, schob ich die Karte in den Automaten und wartete darauf, daß sich die Schranken öffneten und ich mit meinen Einkäufen passieren durfte.

Da traf mich ein zweiter Stromstoß, und der kleine Unhold lachte meckernd. Nun wurde ich allmählich wütend, denn alles muß man sich wirklich nicht bieten lassen.

Ich drehte mich um und sagte mit dem letzten Rest Gelassenheit, den ich noch aufbringen konnte, zu der Mutter: “Bitte geben Sie auf Ihr Kind acht. Das ist bereits das zweite Mal, daß ich mit dem Laser beschossen wurde.”

Die Frau sah mich an wie eine Amöbe, wenn ihre Pfütze austrocknet. “Mein Sohn darf tun, was er will”, entgegnete sie spitz, “wir erziehen ihn antiautoritär.” Demonstrativ schaute sie zur Seite, als ich “psch – rrrrr!” die nächste Salve verpaßt bekam.

Was macht man nur mit einem so schrecklichen Kind? Während ich noch überlegte, ob ich nach Rückerhalt meiner Kreditkarte so schnell wie möglich den Center verlassen sollte, dem kleinen Ungeheuer den Laser abnahm und ihm, seiner Mutter oder am besten beiden eine klebte, oder mir auch so ein Ding besorgte, um zurückzuschießen, betrat der Mann nochmals den Einkaufsbereich. Scheinbar hatte er etwas vergessen, denn er kam mit einer Familienpackung Entengrütze aus dem Sonderangebot zurück. Seelenruhig stellte er sich hinter der jungen Frau in die Schlange, schraubte den Deckel der Drei-Liter-Dose ab und leerte den klebrigen Inhalt über der Überraschten aus.

Mit schriller Stimme schrie sie: “Was fällt Ihnen ein, Sie … Sie … unverschämter Kerl, Sie! Sind Sie verrückt?”

“Nein”, der Mann grinste breit, “antiautoritär erzogen.”

Er zahlte an der Kasse die Entengrütze und hatte den Center bereits verlassen, als meine Nase endlich auf den Ausgang gestoßen war. Gern hätte ich mich bei ihm bedankt.

ENDE

Copyright (C) Kranzberg, 1987/93 by Irene Salzmann

Bildrechte: “Tabu-Brecher” (tes-tabu2.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Bildrechte: Lustige und satirische Geschichten aus dem sfbasar” (Lustige-in-schwarz.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Lustige Geschichten aus dem sfbasar – subcover-65-minus-80-0.jpg” (Originaltitel: Lustige-in-schwarz.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Buchtipp der Redaktion:



Immler, Veronika / Steinhäuser, Antje
Die Monster anderer Eltern

Von Sandkastenterroristen, Schulhofgangstern und anderen Nervensägen aus der erziehungsfreien Zone

Verlag :      mvg
ISBN :      978-3-86882-279-3
Einband :      Paperback
Preisinfo :      9,99 Eur[D] / 10,30 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 14.09.2012
Seiten/Umfang :      ca. 208 S. – 18,7 x 12,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      07.09.2012

Von Schulhofterroristen und Störenfriedas…

Renitente Gören, die im Sandkasten tränenreich Machtkämpfe anzetteln, übellaunige Teenies, die rudelweise die Innenstädte belagern, oder zahnspangige Bälger, die alles besser wissen – die kleinen und großen Monster sind überall. Es fühlt sich an, als würde die »erziehungsfreie Zone« immer größer und die nächste Generation noch sonderbarer als alle jemals zuvor. Dabei ist es egal, ob man kinderlos ist oder als Elternteil der Meinung ist, dass vor allem die Kinder der anderen Eltern unerträglich sind. Veronika Immler und Antje Steinhäuser – beide hingebungsvolle Mütter – schildern brüllend komisch die Auswüchse der pädagogischen Wüste für uns alle.

VERONIKA IMMLER , geboren 1968, studierte an der FH München und arbeitete bis zur Geburt ihrer ersten Tochter als Architektin. Seither widmet sie sich schwerpunktmäßig der Familie und ihrer Leidenschaft für Fotografie. ANTJE STEINHÄUSER, Jahrgang 1964, studierte Germanistik und Anglistik in Freiburg. Sie lebt und arbeitet als freie Lektorin und Autorin in München und ist selbst Mutter.

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