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Archiv für August 5th, 2012

Peter Abrahams: Verblendet. – BEI UNS FÜNF EXEMPLARE IM PREISRÄTSEL!

Erstellt von Detlef Hedderich am 5. August 2012

Peter Abrahams
Verblendet

Originaltitel: Nerve Damage (New York : William Morrow 2007)
Übersetzung: Frauke Czwikla
Deutsche Erstausgabe: Juni 2012 (Knaur Taschenbuch Verlag/TB Nr. 50770)
413 S.
ISBN-13: 978-3-426-50770-4
Als eBook: Juni 2012 (Knaur eBook)
479 KB
ISBN-13: 978-3-426-41294-7

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Das geschieht:

Bildhauer Roy Valois lebt und arbeitet abgeschieden aber inzwischen berühmt und wohlhabend geworden in Ethan Valley, einem Städtchen im US-Staat Vermont. Als bei ihm eine fortgeschrittene Lungenkrebserkrankung festgestellt wird, beginnt Valois sein Leben neu zu ordnen. Außerdem plagt ihn die Neugier: Wie wird die Nachwelt über ihn denken? Mit ein wenig Unterstützung bricht er in die Datenbank einer großen Zeitung ein, um seinen eigenen Nachruf zu lesen, der dort für den Fall der Fälle auf seinen Abruf wartet.

Valois ist zufrieden, doch ein Fehler stört ihn: Delia, seine immer noch geliebte, vor 15 Jahren bei einem Helikopter-Absturz in Venezuela umgekommene Gattin, habe nicht für die Vereinten Nationen, sondern für das private Hobbs-Institut als Beraterin gearbeitet, informiert er Jack Gold, den Reporter, der den Nachruf verfasste. Gold verspricht nachzuforschen. Wenig später wird er überfallen, ermordet und seiner Unterlagen beraubt.

Im Rahmen einer experimentellen Therapie reist Valois nach Baltimore. Zwischen den Behandlungen sucht er in Washington nach Spuren. Dort will man allerdings von einem Hobbes-Institut niemals gehört haben. Als Valois zufällig Tom Parish, Delias Chef, ausfindig machen kann, leugnet dieser jede Bekanntschaft ab und taucht unter. Da Valois mit Beweisen nicht dienen kann, glaubt ihm die Polizei seine Geschichte nicht.

Frustriert kehrt Valois nach Ethan Valley zurück. Dort muss er feststellen, dass jemand sich Einlass in sein Haus verschafft und es durchsucht hat; eine Skizze des Hobbs-Instituts ist verschwunden. Kurz darauf meldet sich der Geschäftstycoon Calvin Truesdale bei Valois. Der als Kunstsammler bekannte Milliardär interessiert sich angeblich für eine von seinen Arbeiten. Doch Valois ist im Besitz eines alten Fotos, dass Truesdale zusammen mit Parish zeigt …

Mit dem Rücken zur brüchigen Wand

Der Durchschnittsmensch in einer Ausnahmesituation ist die perfekte Identifikationsfigur für diejenigen Leser, die gern davon träumen, dass ein Abenteuer Abwechslung in ihren Alltag bringt, ohne die damit verbundenen Risiken eingehen zu müssen. Der Plot sorgt für den doppelten „Suspense“-Faktor, geht es doch nicht nur um die spannende Frage, ob der unerfahrene ‚Held‘ entkommt, sondern auch und vor allem, wie ihm, der in Sachen Täuschung und Gewalt weder ausgebildet ist noch über entsprechende Erfahrungen verfügt, dies gelingt.

Peter Abrahams verschärft die Krise, indem er eine Hauptfigur präsentiert, die an zwei tödlichen Fronten kämpft. Roy Valois ist nicht nur einer Verschwörer-Gruppe auf die Spur geraten, die ihn gern aus dem Weg geräumt sähe. Ihm sitzt ohnehin Gevatter Tod im Nacken bzw. im Brustkorb, wo dieser – gern in sowieso gefährlichen Situationen – die asbestkrebsbefallenen Lungen zwischen seinen Knochenfingern walkt, sodass dem armen Valois buchstäblich die Luft dort wegbleibt, wo es lebenswichtig wäre zu handeln.

„Verblendet“ ist als Roman eine vollständige Sammlung sämtlicher Wendungen bzw. Klischees, die das „Allein-gegen-alle“-Genre hervorgebracht hat. Deshalb erstaunt es besonders, wie gut sich Abrahams ihrer bedient hat: „Verblendet“ ist eine wunderbare, d. h. spannende, rasante, und wendungsreiche Verfolgungsjagd, die darüber hinaus einen wichtigen Faktor vorbildlich berücksichtigt: Wir Leser bangen um die Hauptfigur. Der Verfasser musste sie uns dafür ans Herz legen. Roy Valois ist weder ein sentimentaler noch ein herausragend sympathischer Mann. Trotzdem wollen wir, dass er obsiegt: gegen seine unsichtbaren Feinde und gegen den Krebs.

Wo kann ich mich verstecken?

Abrahams ist als Erzähler ein Profi, der auf eine mehrere Jahrzehnte währende Schriftstellerkarriere zurückblicken kann. Wo andere Autoren allmählich auslaugen, ist er gereift. „Verblendet“ beweist, dass der Autor genau weiß, wie man eine solche Geschichte (beinahe) über die volle Distanz bringt. Dies bedeutet in erster Linie eine Variation des Bekannten, das neu arrangiert sichtlich den bewährten Unterhaltung-Sog ausüben kann.

Zur Spannung kommt mehr als ein Quäntchen Paranoia. In der multimedialen Welt des 21. Jahrhunderts muss sich Mr. Jedermann besonders hilflos und ausgespäht vorkommen. Die technischen Mittel, die Valois gestatten, die Spur des Gegners aufzunehmen, stehen auch diesem zur Verfügung, um den neugierigen Schnüffler ausfindig zu machen. Das Internet entwickelt sich dank des Erfindungsgeistes eines geschickten Verfassers zur Höllengrube. Für die Zündung sorgt die unschuldige Neugier eines kranken Mannes, der nur seinen Nachruf lesen wollte.

Längst zum zweiten Teufelswerkzeug ist im modernen Thriller das Handy geworden, weil es eher der verräterischen Ortung als der Kommunikation dient. Gemeinsam sorgt die geballte Hightech für einen dem Verfasser nützlichen Effekt: Irgendwann erkennt der flüchtige Held, dass er sich nur verstecken kann, wenn er sich ihrer entledigt. Damit kann das gute, alte Katz-und-Maus-Spiel wieder beginnen; in unserem Fall bedeutet dies, dass sich Roy Valois von verlässlichen Freunden zum Finalkampf autofahren lässt.

Wem kann ich trauen?

Die Antwort muss in einem guten Thriller selbstverständlich lauten: Niemandem! Es ist Teil der Spannung, dass sich Roy Valois‘ menschliches Umfeld in ein gesichtsloses Heer potenzieller Feinde verwandelt. Die meisten seiner Freunde sind und bleiben Freunde, doch Abrahams kreiert und schürt eine Atmosphäre, in der jedes Wort, jede Handlung eine unterschwellige und bedrohliche Zweitbedeutung gewinnt. Valois nimmt Menschen, die er seit Jahrzehnten kennt bzw. zu kennen glaubt, unter die Lupe und meint plötzlich Fremde zu sehen.

Vertrackterweise geht sein Misstrauen nicht tief genug oder besser gesagt: in die falsche Richtung. Hierin wird abermals die verständliche Ratlosigkeit eines Menschen deutlich, der im postulierten Sumpf korrupter Politiker, selbstherrlicher Konzern-Könige und unkontrollierbarer Geheimdienstlern umherirrt und unterzugehen droht. Der Feind hat dieses Problem nicht und ist Valois deshalb immer einen Schritt voraus.

Was zu der Frage führt, wieso ausgerechnet ein todkranker Bildhauer seinen zudem schwer bewaffneten Verfolgern nicht nur immer wieder ein Schnippchen, sondern ihnen auch die Schädel einschlagen kann. Dies ist eine typische Schwachstelle solcher Thriller: Das Opfer muss über sich hinauswachsen und dabei auch sich selbst unbekannte Kräfte entwickeln; für den Rest sorgt der Faktor „Gerechtigkeit“, eine romantische Vorstellung, der auch Abrahams sich nicht entziehen kann: Roy Valois zerschlägt den gordischen Knoten, weil er im Recht ist. Allerdings muss man dem Verfasser zugestehen, dass es der Leserschaft sicherlich nicht recht wäre, würden Valois und dieser Roman realistisch etwa auf Seite 100 durch eine gut gezielte Schurkenkugel ausklingen.

Was ist eigentlich geschehen?

Das in festen Bahnen laufende und ruhige Leben des Roy Valois verwandelt sich in Treibsand – ein Vorgang, den Abrahams mit großem Geschick und fast sadistisch als Kettenreaktion zu schildern weiß. Nicht einmal auf seine Erinnerungen kann Valois sich berufen, denn diese sind falsch. Zu Krankheit und Todesgefahr kommt die Erkenntnis, ausgerechnet von der geliebten Frau, nach der Valois sich seit 15 Jahren in Trauer verzehrt, belogen worden zu sein.

Aus dieser Not muss Valois eine typische Thriller-Tugend machen und sich neue Verbündete suchen. Denen kann er – wahrscheinlich – zwar trauen, hat sich jedoch damit abzufinden, dass sie auch keine Profis in Sachen Lug & Trug sind, weshalb gut gemeinte aber schlecht durchdachte Pläne die Lage für den Helden noch brenzliger gestalten.

Aber auch in diesem Punkt meint es das kosmische Schicksal im trauten Bund mit dem vielbeschäftigten Zufall gut mit Valois: Im Alleingang rollt er die dunkle Vergangenheit des Hobbs-Instituts und seiner Betreiber auf, die selbstverständlich immer noch im Untergrund tücken. Bis zum Oberschurken muss er sich dabei durch ein Feld immer gefährlicherer Schergen schlagen, wobei Autor Abrahams hin und wieder keinen echten Rat weiß und beispielsweise ein aufgeregtes Pferd mit harten Hufen eine lebensgefährliche Situation klären lässt.

Wie soll das enden?

Die vor allem auf Dauer wenig überzeugenden Stehaufmännchen-Qualitäten des Roy Valois wurden bereits negativ angemerkt. Dieser Schwachpunkt artet leider ausgerechnet im Finale zum Logikloch aus. Abrahams scheinen schließlich die Ideen ausgegangen zu sein. Was sonst könnte eine Erklärung für die peinlich primitive Weise sein, auf die sich Valois Zugang zum Stützpunkt des bösen Drahtziehers verschafft, der doch über ein Heer bestens ausgebildeter Leibwächter gebietet, wie Abrahams nie müde wurde uns vor Augen zu führen? Innen wird er nicht etwa sofort geschnappt, sondern kann sich frank & frei bewegen und binnen weniger Minuten nicht nur die letzten Rätsel lösen, sondern auch eine entlarvende Botschaft finden, nach der sein Widersacher – auf dem eigenen Grundstück! – seit anderthalb Jahrzehnten vergeblich gesucht hat.

Dass alles in einem simplen Faustkampf zwischen Gut & Böse gipfelt, könnte dieser Geschichte den Rest geben. Aber in letzter Sekunde, mit den letzten Zeilen besinnt sich Abrahams eines Besseren. Die große Verschwörung wird aufgedeckt, aber ein Happy-End für Roy Valois wird es wohl nicht geben. Es wäre in der Tat ein wenig zu viel jener naiven Gerechtigkeit gewesen, über der man im Geiste stets das Sternenbanner im Wind knattern hört. So aber überwiegt die positive Erinnerung an einen Roman, dessen Pageturner-Qualitäten nicht von der Werbung behauptet, sondern von einem talentierten Autoren verwirklicht wurden, und der es daher nicht verdient, in einem Meer ähnlich lieblos gestalteter aber tatsächlich langweiliger Verbrauchs-Taschenbücher unterzugehen.

Autor

Peter Abrahams wurde am 28. Juni 1947 in Boston, US-Staat Massachussetts, geboren, verlegte seinen Wohnort jedoch nach dem Studium beruflich bedingt ins kanadische Ottawa, wo er für den Sender CBS als TV-Produzent arbeitete.

Als Schriftsteller ist Abrahams für seine solide geplotteten, sorgfältig umgesetzten, klassischen Thriller bekannt, für die er als literarische Vorbilder Graham Greene und Ross Macdonald nennt. Abrahams verzichtet auf überzogene Effekte und versteht es, Spannung auch oder gerade aus dem Verhalten glaubwürdig gezeichneter Menschen in einer lebensverändernden und -bedrohlichen Situation zu ziehen.

Das hierin seit Jahrzehnten gezeigte Talent weiß Abrahams auch in die auf fünf Bände angelegte „Young-Adult“-Krimi-Serie „Echo Falls Mysteries“ einzubringen, mit der er nicht nur die Kritik, sondern auch das anvisierte jugendliche Publikum überzeugen konnte. Sorgfältig geheim hielt Abrahams dagegen seine Urheberschaft an der „Chet-&-Bernie“-Mystery-Serie: Unter dem Pseudonym „Spencer Quinn“ beschreibt er die Abenteuer eines Privatdetektivs, die aus der Sicht seines Hundes (!) geschildert werden.

Mit seiner Familie lebt und arbeitet Abrahams heute wieder in Massachusetts und hier in Falmouth oder auf Cape Cod. Über seine Arbeit informiert er auf dieser Website.

[md]

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Preisrätsel 5 x 1 Exemplar: Wer ein Exemplar erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Bildhauer Roy Valois lebt und arbeitet abgeschieden aber inzwischen berühmt und wohlhabend geworden in Ethan Valley, einem Städtchen in welchem US-Staat? Sobald 500 richtige Mails eingetroffen sind, werden die Gewinner daraus gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen!

DIE GEWINNER LAUTEN: Marcel Schreiber, Benjamin Bachfeld, Axel Hanz, Nadin Becker und Michaela Fiesen. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN UNSEREM SPONSOREN UND ALLEN TEILNEHMERN!

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Willkommen im Lesegarten von Michael Drewniok

Erstellt von Michael Drewniok am 5. August 2012

Willkommen im Lesegarten

von Michael Drewniok

Willkommen im Heim des armen Poeten (Außenstelle)

Blick in den Garten des Rezensenten: ein sommerliches Stilleben mit entsprechendem & weiterhin analogen Inventar, bestehend aus gedrucktem Buch (!), Stift (!!) und Schreibblock (!!!); hinzu kommt Kaffee als Hirntreibstoff – selbst gekocht, da das Rezensieren eine brotlose Kunst ist. Den Lärm der allzu nahen Autobahn gibt’s immerhin gratis.

Sobald die Tageshitze nachzulassen beginnt, vertiefe ich mich an dieser Stelle in Bücher wie diese:

Joe R. Lansdale
Ein feiner dunkler Riss

(sfbentry)
Originaltitel: A Fine Dark Line (New York : Mysterious Press 2003)
Übersetzung: Heide Franck
Deutsche Erstausgabe (Paperback): März 2012 (Golkonda Verlag)
275 S.
ISBN-13: 978-3-942396-19-6

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Das geschieht:

13 Jahre ist Stanley jung, als die Familie Mitchel – Vater Stanley, Mutter Gal und Schwester Caldonia, frühreife 16 – in die kleine Stadt Dewmont im US-Staat Texas ziehen. Dort übernimmt der Senior das örtliche Autokino; ein Geschäft, das gut läuft, denn wir schreiben das Jahr 1958.

Allmählich lebt die Familie sich ein. Beim neugierigen Streifzug durch die Wälder der Umgebung stoßen Stanley Junior und Caldonia auf die Ruinen eines Hauses. Hier ging vierzehn Jahre zuvor die Villa der Stilwinds, der ersten Familie des Ortes, in Flammen auf; dabei starb die Tochter Juwel Ellen. Die Tragödie blieb der Bevölkerung auch deshalb im Gedächtnis, weil man in derselben Nacht die junge Margret Wood vergewaltigt und kopflos auf dem Bahngleis fand; der Täter wurde niemals ermittelt. Seitdem spuke Margrets Geist an der Mordstätte umher, heißt es.

Stanley findet an der Brandstätte ein Kästchen mit alten Briefen, die eine verbotene und nicht folgenlos gebliebene Liebesbeziehung zwischen Margret und James Stilwind, Juwel Ellens Bruder, dokumentieren könnten. Hat sich James Margrets durch Mord entledigt, weil sie Ansprüche stellte? Der faszinierte Stanley will sich als Detektiv versuchen. Ausgerechnet der mürrische Buster Smith, der für Vater Stanley den Filmprojektor des Kinos bedient, will ihm helfen. Der farbige Mann hat vor Jahren als Hilfspolizist gearbeitet und weiß Fachkenntnis und Lebenserfahrung gut zu kombinieren.

Das ungleiche Paar findet weitere Spuren, die Vater und Sohn Stilwell als moralisch korrupte Wüstlinge zeigen, die sich seit jeher von den Folgen ihrer Taten freikaufen. Wer ihnen in die Quere kommt, gerät in ernste Schwierigkeiten, was allerdings nicht so gefährlich wird wie ein verhängnisvoller Fehlschluss, der Amateur-Ermittler Stanley einem wahren Monster in Menschengestalt begegnen lässt …

Frieden oder Totenstille?

„Die Farbigen wussten, wo sie hingehörten. Frauen wussten, wo sie hingehörten. Das amerikanische Wörtchen ‚gay‘ bedeutete noch schlicht und einfach ‚fröhlich‘. Viele Leute waren immer noch der Ansicht, dass man Kinder sehen, aber nicht hören sollte. Sonntags waren die Geschäfte geschlossen. Unsere Bombe war größer als die Bombe der anderen, und niemand konnte unsere United States Army besiegen, nicht einmal die Marsmenschen. Der Präsident der Vereinigten Staaten war ein freundlicher, großväterlicher, dicker, glatzköpfiger Mann, der gerne Golf spielte und im Krieg zu Ruhm und Ehre gelangt war.“ (S. 14/15)

Die beiden Jahrzehnte nach 1945 waren in den USA eine Ära offenbar unendlichen wirtschaftlichen Wachstums. Zum ersten Mal schien der amerikanische Traum tatsächlich für alle real zu werden, die sich fleißig um ihn bemühten. Vor allem in der Provinz abseits der großen Städte herrschte Ruhe im Land. Noch ließ sich allmählich unruhig werdende, weil mit den etablierten Verhältnissen zunehmend unzufriedene Gruppen übersehen oder besser: in Schach halten. Der zunehmend aus dem Ruder laufende Krieg in Korea wurde schöngeredet. Insgesamt galt, was Lansdale Stanley Mitchel in simple aber eindeutige Worte fassen lässt.

Unter der Oberfläche bot diese Epoche des Fortschritts und inneren Friedens allerdings einen unschönen Anblick. Ganze Gesellschaftsschichten blieben von den Errungenschaften der Gegenwart ausgespart; die erfolgreichen Entscheidungsträger koppelten sie einfach ab. In Dewmont, Texas, betrifft dies nicht nur die farbigen ‚Mitbürger‘, die seit jeher als Menschen zweiter Klasse betrachtet und be- bzw. misshandelt werden, sondern auch den „white trash“, zu dem sich Stanley geworfen sieht.

Das Risiko, aus der Reihe zu tanzen

Das soziale Gefüge von Dewmont bleibt deshalb stabil, weil es mit Gewalt gewahrt wird. ‚Verstöße‘ werden von den Reichen und Mächtigen, die um ihre Privilegien fürchten, mit hoffentlich abschreckender Brutalität geahndet. Die vornehme Stadtprominenz kleidet sich nachts in die Kutten des Ku-Klux-Klans. Wo nicht Terror für Einschüchterung sorgt, wird geschmiert und vertuscht. 1944 starben zwei Mädchen unter Umständen, die womöglich gar nicht so mysteriös waren, wie dies die örtliche Überlieferung behauptet.

Stanley Mitchel stößt auf dieses Geheimnis, das ihn mit seinen 13 Jahren faszinieren muss. Allerdings ist Stanley nicht nur ein Neuling in Dewmont, sondern auch und buchstäblich ein Kind seiner Zeit. Er glaubt noch an ‚sein‘ Amerika. Auf ihn wartet deshalb in mehrfacher Hinsicht ein böses Erwachen. „Ein feiner dunkler Riss“ ist wie so oft bei Joe Lansdale nicht ‚nur‘ ein Krimi, sondern auch ein „Coming-of-Age“-Roman. Stanley Mitchel betritt im Sommer 1958 die Welt der Erwachsenen. Was ohnehin eine schwierige Phase ist, wird hier sogar lebensgefährlich. Stanley muss lernen, dass nur ein feiner, dunkler Riss die Welt, die Stanley bisher kannte, von einem Abgrund trennt, in dem keine Geister oder Monster, sondern das tödliche Böse in menschlicher Gestalt lauert.

Zu den vielen positiven Aspekten dieses Romans gehört die (trügerische) Leichtigkeit, mit der Lansdale diesen Lernprozess in eine spannende Geschichte kleidet, die er zusätzlich in den historischen Hintergrund des Jahres 1958 einbettet. Die Realität dieser höchstens in der Erinnerung guten, alten Zeit erhöht die Schärfe, denn Stanley wird nicht nur von ‚richtigen‘ Verbrechern verfolgt. Viel härter trifft ihn die Erkenntnis, dass man die echten Ungeheuer oft nicht erkennt, weil sie sich gut getarnt in den dunklen Falten einer selbstgerechten Gesellschaft einnisten können.

In Dewmont gibt es keine Geister, die nachts nach ihren Köpfen suchen. Stattdessen treiben Negativ-Kräfte namens Rassismus, Missbrauch oder Wahnsinn ihr Unwesen. Stanley öffnet nicht nur eine Schachtel mit alten Briefen, sondern die Büchse der Pandora, deren Inhalt über ihn kommt, weil ihm und Buster Smith ein folgenschwerer Irrtum unterläuft.

Der Weg in die Wirklichkeit

Buster Smith wird Stanleys Führer auf dem Weg zur Erkenntnis. Er ist ein innerlich zerrissener Mensch, weil lebenslange Ungerechtigkeit ihre Spuren hinterlassen hat. In einer gerechten Welt wäre Smith womöglich ein Virgil Tibbs geworden; Intellekt und Stolz sind vorhanden, doch nachdem Smith einst miterleben musste, wie ein farbiger Pechvogel gelyncht wurde, hat er resigniert – und hasst sich dafür. Smith ist Stanley kein einfacher Freund. Einmal bringt er den Jungen in Lebensgefahr, als er ihn in einem depressiven Anfall aus seinem Haus und direkt in die Arme des Mörders Bubba Joe jagt. Selbst dieser ist kein eindimensionaler Schurke; ihn haben die ständigen Demütigungen gebrochen und bösartig werden lassen.

Joe Lansdale versteht die Kunst, Figuren zum Leben zu erwecken, indem er Schwarz-Weiß-Zeichnung vermeidet. Vielleicht sind ihm Gal Mitchel und Rosy Mae ein wenig zu gutmenschlich geraten, aber sogar ein düsterer Roman verträgt ein wenig Optimismus, wenn die emotionale Balance gewahrt bleibt. „Ein feiner dunkler Riss“ ist jederzeit im Gleichgewicht. Die scheinbaren Abschweifungen wie Stanleys Ausflüge in die Stadt, seine Streifzüge durch die Wälder der Umgebung oder die breiten Schilderungen seines Familienlebens sind tatsächlich integrale Bestandteile dieser Geschichte, die lebensnah zwischen Krimi-Geschehen und Handlung keinen Unterschied macht, sondern zwischen diesen beiden Polen beliebig wandert.

Lernen kann schmerzhaft sein

Das Ende ist natürlich nicht happy; es ist konsequent und stellt zufrieden. Offene Fragen beantwortet Lansdale wie nebenbei in einem Epilog, der schildert, was nach dem Sommer von 1958 geschah und der es in sich hat. Wie nebenbei wirft Lansdale gleich mehrere Twist-Granaten, die dem Romangeschehen noch einmal eine neue Dimension verleihen. Der älter gewordene Stanley Mitchel erkennt, dass der feine, dunkle Riss keineswegs verschwunden ist, weil er 1958 einem Gewaltverbrecher das Handwerk legen konnte. Er ist geblieben, er wird immer bleiben, denn er gehört zum Leben, wie Stanley es begriffen hat: „Buster lag nicht mit allem richtig, und manchmal waren seine Antworten etwas konfus. Aber was mich stets begleitet, worauf man sich anscheinend getrost verlassen kann, ist seine Bemerkung darüber, dass das Leben nicht immer ganz befriedigend ist, und am Ende ist Fleisch und Dreck doch alles wieder eins.“ (S. 275)

Die Lakonie, die in dieser Schlussbemerkung liegt, zieht sich durch das gesamte Buch. Nicht zuletzt dank einer hervorragenden Übersetzung wirkt sie nie aufdringlich. Der erinnerungsschwere und schwermütige Tenor passt zur Geschichte, die aus der Sicht eines 13-jährigen Jungen erzählt wird. Zudem wirkt Wahrheit in simplen Worten stärker. „Ein feiner dunkler Riss“ bietet Hochspannung und echte Gefühle ohne Folterorgien und Blutkaskaden, ohne Figuren in künstlich entworfenen, homöopathisch über viele Serienbände verdünnten Beziehungskrisen.

Dargeboten wird dieser Roman zu guter Letzt nicht als Allerwelts-Taschenbuch mit Fotostock-Coversurrogat, sondern als schön gestaltetes Paperback mit Klappenbroschur. Schon optisch wirken die Bestseller von den Abkauf-Paletten deutscher Buchketten-Filialen kümmerlich gegen dieses Buch. Im inhaltlichen Vergleich wird endgültig deutlich, wieso sie zu Recht nach einem halben Jahr auf Grabbeltischen verramscht werden.

Autor

Joe Richard Harold Lansdale wurde 1951 in Gladewater im US-Staat Texas geboren. Als Autor trat Lansdale ab 1972 in Erscheinung. Gemeinsam mit seiner Mutter veröffentlichte er einen Artikel, der viel Anerkennung fand und preisgekrönt wurde. Mitte der 1970er Jahre begann er sich der Kurzgeschichte zu widmen. Auch hier stellte sich der Erfolg bald ein. Lansdale wurde ein Meister der kurzen, knappen Form. In rasantem Tempo, mit einer unbändigen Freude am Genre-Mix und am Auf-die-Spitze-Treiben (dem „Mojo-Storytelling“) legte er Story auf Story vor.

Texas, sein Heimatstaat, war und ist die Quelle seiner Inspiration – ein weites Land mit einer farbigen Geschichte, erfüllt von Mythen und Legenden. Lansdale ist fasziniert davon und lässt die reale mit der imaginären Welt immer wieder in Kontakt treten. In seinen Geschichten ersteht der Wilde Westen wieder neu. Allerdings kann es durchaus geschehen, dass dessen Bewohner Besuch vom Teufel und seinen Spießgesellen bekommen. Es könnten auch Außerirdische landen.

Nach zwei Lansdale-Kurzgeschichten entstanden Kurzfilme („Drive-In Date“, „The Job“). Kultstatus erreichte Don Coscarellis Verfilmung (2002) der Story „Bubba Ho-tep“: Ein alter Elvis Presley und ein farbiger John F. Kennedy jagen eine mordlustige Dämonen-Mumie. Lansdale schrieb außerdem Drehbücher für diverse Folgen der Serien „Batman: The Animated Series“ und „Superman: The Animated Series“.

Der private Joe R. Lonsdale lebt mit seiner Frau Karen und den Kindern heute in Nacogdoches, gelegen selbstverständlich in Texas. Er schreibt fleißig weiter und gibt ebenso fleißig Kurzgeschichtensammlungen heraus. Außerdem gehören Lansdale einige Kampfsportschulen, in denen diverse Künste der Selbstverteidigung gelehrt werden.

Homepage von Joe Lansdale

[md]

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UND / ODER:

Carsten Stroud
Niceville

(sfbentry)
Originaltitel: Niceville (New York : Albert A. Knopf 2012)
Übersetzung: Dirk van Gunsteren
Deutsche Erstausgabe (geb.): Februar 2012 (Dumont Buchverlag)
506 S.
ISBN-13: 978-3-8321-9646-2
Als eBook: März 2012 (Dumont Buchverlag)
ISBN: 978-3-8321-8621-0
Als Hörbuch: März 2012 (Random House Audio)
Gesprochen von Michael Hansonis
6 Audio-CDs, ca. 420 min. (gekürzte Lesung)
ISBN-13: 978-3-8371-1351-8

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Das geschieht:

Niceville ist nur auf den ersten Blick eine idyllische Kleinstadt in den US-amerikanischen Südstaaten. Ihre Weste weist mehr als einige schwarze Flecken auf. Düstere Legenden ranken sich meist um Tallulah’s Wall, eine Bergwand, die Niceville hoch überragt. Auf dem Scheitel liegt Crater Sink, ein scheinbar bodenloser, mit pechschwarzem Wasser gefüllter Teich, um den bereits die Ureinwohner einst einen weiten Bogen schlugen.

Ex-Elitesoldat Nick Kavenaugh rechnete mit einem ruhigen Leben, nachdem er die Anwältin Kate Walker geheiratet, den Dienst quittiert und als Detective bei der County Police angeheuert hatte. Doch Niceville ist ein Ort, der das Böse ebenso wie das Mysteriöse anzieht. Hier verschwinden deutlich mehr Menschen als es die Statistik erlaubt. Erst im Vorjahr ermittelte Kavenaugh im Fall des achtjährigen Rainey Teague, der sich buchstäblich in Nichts auflöste und später im Inneren einer unterirdischen, seit neunzig Jahren fest verschlossenen Gruft auftauchte. Dieses Rätsel blieb ebenso ungelöst wie der Selbstmord des Vaters und das Verschwinden der Mutter, die sich womöglich im Crater Sink ertränkt hat.

Aktuell fordert das reale Verbrechen Kavenaughs Aufmerksamkeit. Eine Bank wurde überfallen, über 2 Mio. Dollar griffen sich die Räuber, die auf der Flucht vier Polizeibeamte förmlich hinrichteten. Der korrupte Polizist Coker und sein Kumpan Danzinger wollten ihren Komplizen Zane umbringen. Der Anschlag misslang, und nun lauert Zane auf seine Gelegenheit zur Rache. Ebenfalls in das mörderische Spiel verwickelt sind Kavenaughs krimineller Schwager Byron Deitz und der Psychopath Tony Bock, dem Kate vor Gericht eine empfindliche Niederlage bereitet hat. Weitere Beteiligte sind nicht von dieser Welt. Schattenhafte Kreaturen mischen sich mörderisch ins ohnehin undurchsichtige Geschehen, bis man einander in und um Niceville endgültig nicht mehr trauen kann …

Unsere kleine aber wenig feine Stadt

Wenn eine mit ‚Fakten‘ gespickte Geschichte erzählt wird und trotzdem Gespenster im Spiel sind, wird das Schubladendenken von Verlagswerbern und Lesern auf eine harte Probe gestellt. Sind besagte Gespenster geile/frigide, schuhkaufsüchtige oder blutabstinente Vampire (bzw. Hexen und Werwölfe), greift die Eselsbrücke „urban (chick) fantasy“. Ansonsten werfen ratlose Kritiker die Story in das Sammelbecken „Mystery“.

Carsten Stroud macht es den Erbsenzählern voller Bosheit und Einfallsreichtum richtig schwer. „Niceville“ ist ebenso lupenreiner Thriller, besetzt mit moralfreien Berufskriminellen, für die Mord und Totschlag zum ‚Arbeitsalltag‘ gehören, wie harter Horror, dessen Spukgestalten ähnlich rigoros gegen ihre Opfer vorgehen. Ein bisschen Lee Child hier, ein wenig Stephen King dort, und abgeschmeckt wird das Ganze mit einer ordentlichen Prise Joe R. Lansdale. Wer’s ein wenig ‚literarischer‘ mag (bzw. mit literaturhistorischer Bildung angeben möchte), lässt die Namen höher gesetzter und schreibender Südstaaten-Prominenz einfließen; William Faulkner (Nobelpreis 1949) macht sich immer gut.

Im Falle Thornton Wilders (Pulitzer-Preis 1938) ergibt solches „name dropping“ sogar Sinn: Den genannten Preis erhielt dieser Autor für sein Theaterstück „Our Town“ (dt. „Unsere kleine Stadt“), das Panorama der (allerdings neuenglischen) Kleinstadt Grover’s Corners, hinter deren traulicher Kulisse dramatische und hässliche Wahrheiten ans Tageslicht drängen.

Vergangenheit und Gegenwart in unguter Verbindung

In Grover’s Corners gehen keine Geister um, weshalb „Niceville“ ein besonders zynisch gewählter Stadtname ist: „Nett“ im Sinne von gutnachbarschaftlicher Nähe ging es hier nach Auskunft des Verfassers wohl niemals zu. Schon bevor das Hightech-Verbrechen des 21. Jahrhunderts in Niceville Fuß fasste, war diese Stadt kein angenehmes Pflaster. Die vier Gründerfamilien hassten einander buchstäblich bis aufs Blut sowie über den Tod hinaus, was bis in die Gegenwart so geblieben ist.

Darüber hinaus gründeten sie Niceville an einem Ort, den man besser gemieden hätte. Was die Archive nicht hergeben, ergänzen Legenden: Im Schatten von Tallulah’s Wall ging es schon vor dem Bürgerkrieg des 19. Jahrhunderts mächtig um. Die diesseitige Welt hat hier sogar ein Loch: Crater Sink ist das Schnittzentrum von Hüben und Drüben, was durch die Angewohnheit, sich hier zu ertränken oder kriminelles Beweisgut zu entsorgen, zusätzlich verstärkt wird.

Nicevilles richtig üble Schurken sind ebenso schwer zu fassen wie Nicevilles Geister. Verfasser Stroud postuliert eine ganze Welt doppelter Identitäten. Der mörderische Bankräuber-Chef ist ein hochrangiger Polizist, der nach sich selbst fahndet und diese Chance gut zu nutzen weiß; sein Komplize arbeitet für die Firma, die den überfallenen Geldtransport organsierte; ein bestohlener Sicherheitsmann verdient als Wirtschaftsspion dazu, ein Psychopath schwärzt anonym Mitbürger an. Selbst Kriegsheld und Ehrenmann Nick Kavenaugh hütet ein übles Geheimnis und übt sich darüber hinaus nach Feierabend in Selbstjustiz.

Vielversprechender Auftakt zu deutlich Größerem

„Niceville“ bildet den Auftakt zu einer Roman-Trilogie, weshalb Autor Stroud sich viel Zeit nimmt, uns die Stadt und ihre Bewohner vorzustellen. Es macht außerdem deutlich, dass der Zickzackkurs der hier erzählten Geschichte möglicherweise Absicht ist und diese letztlich doch irgendwohin führen wird. In der Tat zeichnen sich schon in der zweiten Hälfte dieses ersten Teils weitreichende Verbindungen ab. Nicht nur die lebenden Figuren sind durch verwandtschaftliche oder freundschaftliche/feindschaftliche, jedenfalls selten zufällige Bande miteinander verknüpft. Auch die eindeutig toten Bürger von Niceville und ihre menschlich wirkenden aber alles andere als menschlich handelnden Handlanger passen sich in dieses Gefüge ein. Zu allem Überfluss geraten sowohl Gauner als auch Gendarmen in Nicevilles übernatürliche Gefilde, was die Lage kompliziert werden lässt.

Denn zwar manipuliert aber zunächst quasi unabhängig von dem, was im Crater Sink wartet, erzählt der ‚übernatürliche‘ Handlungsstrang eine Rachegeschichte, die vor einem Jahrhundert begann und sich ungebrochen fortsetzt. Schon hier gelingt Stroud nicht nur eine solide Gruselstory. Er versteht es, sie zusätzlich mit wahrlich schauerlichen Elementen aufzuwerten: Das Bild der Pechvögel, die der Niceville-Fehden zum Opfer fielen, und sich nun untot immer wieder gegenseitig begraben und exhumieren, ist ungemein einprägsam.

Bemerkenswert ist die Eleganz, mit der Stroud auch den ‚realen‘ Ereignissen Glaubwürdigkeit verleiht. Er kennt sich im Polizei- und Geheimdienst-Milieu aus, kennt die Arbeitsweisen von Fahndern aller Art und kann sich erschreckend gut in die Köpfe ihrer Gegner versetzen: Noch der übelste Strolch wird dank Stroud zur Persönlichkeit, sogar Schwächen werden offenbart, ohne dass damit eine Läuterung verbunden wäre. Ganz nüchtern stellt Mehrfach-Mörder Croker fest, dass der böse Einfluss von Niceville ihn womöglich zu einem richtig schlechten Menschen werden ließ – ein skrupelfreier Krimineller sei er jedoch schon vorher gewesen.

Wie soll & wird dies enden?

Der Tenor ist völlig frei von Sentimentalitäten, Seifenschaum und Leerlauf lässt Stroud ebenfalls außen vor; man kann ihm dafür nicht dankbar genug sein. Ein knochentrockener und rabenschwarzer Humor – gut gewahrt in der Übersetzung –  ist nicht Selbstzweck, sondern passt in Strouds Welt. Der beinahe dokumentarische Stil darf aber keineswegs mit Emotionslosigkeit verwechselt werden: Stroud vermag Gefühle sehr gut zum Ausdruck zu bringen. Er suhlt sich jedoch nicht darin, denn er hat Wichtigeres zu tun: Er erzählt eine Geschichte.

Im letzten Drittel geschieht deshalb, was der Leser kaum für möglich hält: Die ohnehin jederzeit rasante Handlung nimmt noch einmal Tempo auf. Erste Schicksale erfüllen sich, was in „Niceville“ freilich kein Grund ist, aus der Handlung auszusteigen: Die Toten kehren zurück, und manchmal wissen sie nicht einmal, dass sie tot sind, was für zusätzliche Verwirrung sorgt.

Wer dachte, die Karten seien mit diesem Auftaktband gemischt und verteilt, sieht sich angenehm getäuscht: Dieses Spiel unterteilt sich in Runden, und es wird lang dauern, da die Teilnehmer etwa gleichstark sind. Stroud liebt die Bewegung, und er beherrscht sie als Stilmittel perfekt. Von einem Kapitel zum nächsten wirft er scheinbar tief fundamentierte Verhältnisse einfach um und gruppiert ihre Einzelteile neu. Im Hintergrund läuft das große Geschehen weiter. Strouds Story läuft wie auf Schienen, die sich allerdings immer wieder kreuzen, ineinanderlaufen und trennen.

Dies rührt ein zumindest für altgediente Leser selten gewordenes Gefühl auf: Muss man „Niceville“ schließlich verlassen, ist da sofort die Ungeduld zu erfahren, wie es weitergeht. Stroud bringt die Handlung zu einem Abschluss, der gleichzeitig zur Basis für die Fortsetzung wird. Es gibt Hinweise darauf, wie die Geschichte weitergeht; man ahnt bzw. weiß, dass dabei echte Spannung im Spiel sein wird. Hoffentlich bleibt Stroud gesund und munter, um sein „Niceville“-Garn bis zum sicherlich bitteren, dramatischen Ende spinnen zu können!

Autor

„Carsten Stroud war Surfer, Bootsbauer an der Baja California und Berufstaucher in der US Army. Er hielt sich in geheimer Mission in den gefährlichsten Gegenden der Dritten Welt auf. Er ist Journalist und preisgekrönter Sachbuchautor, seine Romane sind Bestseller in den USA.“

Auf solchen wohl als werbewirksam erachteten Dummfug beschränken sich die derzeit kreisenden ‚Infos‘ über den Journalisten, Sachbuch- und Romanautoren Stroud, der übrigens 1946 geboren wurde. Auch auf seiner eigenen Website gefällt der Verfasser sich darin, seine ‚Biografie‘ als primär humorvolle Fingerübung abzufassen. Also beschränken auch wir uns an dieser Stelle darauf zu erwähnen, dass Stroud ein Faible für Uniformen – Polizei und Militär – besitzt, deren Träger in mehreren Büchern und zahlreichen Artikeln ins rechte Licht setzt sowie seit 1990 mehrere Thriller veröffentlicht hat, in denen Polizisten u. a. Uniformträger abenteuerlich ihren Jobs nachgehen und von denen es „Cuba Strait“ (2003) zum Stolz seines Verfassers auf „Fidel Castros Liste verbotener Bücher“ – nähere Informationen fehlen wohl nicht grundlos – geschafft haben soll.

[md]

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UND / ODER:

Jesse Bullington
Die traurige Geschichte der Brüder Grossbart

(sfbentry)
Originaltitel: The Sad Story of the Brothers Grossbart (New York : Orbit 2009)
Übersetzung: Eva Bauche-Eppers
Cover: Oliver Wetter
Deutsche Erstausgabe: Mai 2011 (Bastei-Lübbe-Verlag/Paperback Nr. 28550)
541 S.
ISBN-13: 978-3-404-28550-1

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Das geschieht:

Vermutlich in einem der deutschen Länder – sämtliche Zeitgenossen weigern sich später, sie als Landsleute anzuerkennen – werden die Zwillingsbrüder Hegel und Manfried Großbart um 1340 geboren. Die ersten 25 Jahre ihres Lebens verdingen sie sich als Grabräuber. Nach dem Tod der Mutter satteln sie um und überfallen lebende Zeitgenossen. Schon der erste Versuch gipfelt in einem Gemetzel, dem die flüchtenden Brüder ein Massaker an ihren Verfolgern folgen lassen.

Über die Alpen zieht es sie in den warmen Süden Europas und weiter nach Ägypten, wo ihr Vater es angeblich zu einem kleinen Königreich gebracht hat – eine barmherzige Lüge der Mutter, weshalb die Großbarts unverdrossen daran gehen, unter Anwendung brutaler Gewalt ihre eigene Vision von einem bequemen Dasein zu verwirklichen. Nicht nur die Zahl ihrer Opfer steigt kontinuierlich. Sie geraten an menschenfressende Ungeheuer, einen Pest-Dämonen und eine Hexe, die sie obendrein mit einem Fluch belegt. Stets den Großbarts hart auf den Fersen reitet Bauer Heinrich, der sich für den Mord an seiner Familie rächen will.

In Venedig, wo sie sich von den Strapazen der Alpenreise erholen, wird den Großbarts der Boden heiß unter den Füßen, als die Kunde ihrer Übeltaten sich verbreitet. Bevor sie verhaftet werden können, schiffen sie sich nach Ägypten ein. Dort wollen sie das eine oder andere Grabmal schänden. Stattdessen sorgt eine zaubermächtige Sirene für unerwartete Turbulenzen und weitere gewaltsame Todesfälle. Unerschütterlich morden und lügen die Großbarts sich durch das Chaos, das ihnen auch in Ägypten treu bleibt, wo sie einen bizarren Kreuzzug geraten und Heinrich, der wütende Pest-Dämon und zwei grässliche Homunkuli sie endlich einholen …

Ein ganz besonderer Blick in die Vergangenheit

Das Mittelalter ist ab 1350 nicht nur eine exotische Ära, sondern zeigt eine Welt im Ausnahmezustand. Ursprünglich in Asien ausgebrochen, rast die Pest, der „Schwarze Tod“, ab 1347 durch Europa. Ganze Landstriche werden entvölkert, 25 Mio. Menschen – ein Drittel der Gesamtbevölkerung – sterben. Die Überlebenden sind durch das erlebte Grauen gezeichnet. Kaum eine Familie ist ohne Opfer und die Angst vor der Seuche so groß, dass sie in Hysterie umschlägt. Ohne Kenntnis der Ursachen oder medizinisch wirksamer Gegenmittel, auf der verzweifelten Suche nach Heilung oder wenigstens einer Erklärung verfallen die Menschen Scharlatanen und Weltuntergangs-Propheten. Auf der Suche nach ‚Schuldigen‘ brennen ‚Ketzer‘ und Juden. Als dieser Pestzug 1351 abklingt, folgen nach kurzen Jahren der Ruhe neue Wellen. Die Ratlosigkeit und die daraus resultierende Angst erhalten sich bis in die Neuzeit, und noch heute, da die Krankheit beinahe ausgerottet sowie heilbar ist, sorgt schon das Wort „Pest“ für Gänsehaut.

Eine ohnehin aus den Fugen geratene Welt wird bei Jesse Bullington zur Kulisse eines bemerkenswerten Fantasy-Romans. Nicht Schwertkämpfer, Dämonen-Fürsten oder von Tolkien plagiierte Orks/Zwergen/Elben/Etc.-Klone treiben ihr Unwesen in einer verfremdeten Märchen-Welt, sondern simple Menschen als Produkte ihrer turbulenten Gegenwart. Bullington, der als studierter Historiker das Mittelalter nicht nur als simple Folie benutzt, sondern in Kenntnis der historischen Realität einsetzt, gelingt das Kunststück, die zeitgenössische Gedankenwelt so zu verfremden, dass sie die zeitgenössische Realität umso deutlicher herausstellt. Darüber hinaus gelingt ihm eine ungemein unterhaltsame Geschichte.

Gott, der Teufel und der arme Mensch

Die Welt des Mittelalters muss man mit der Allgegenwärtigkeit von Religion und – aus heutiger Sicht – Aberglauben gleichsetzen. Gott und vor allem der Teufel und seine Geschöpfe waren überall. Die Kirche lehrte die Lebenden, sich dem schlauen, in vielen Verkleidungen auftretenden Bösen zu entziehen. Für die Toten bzw. deren Seelen wurde gebetet, denn das Höllenfeuer loderte stets in Reichweite. Angesichts einer Lebenserwartung, die durchschnittlich bei 35 oder 40 Jahren lag, war der Tod den Zeitgenossen eine Selbstverständlichkeit.

Nur der bedingungslose Glaube bot einen Ausweg, während sehr reale Missstände als Ausdruck einer vorgegebenen Ordnung zu akzeptieren waren. Also sind die Großbarts einerseits durchaus ehrlich fromm und andererseits ungebildete, grobe, schmutzige Lumpen. Im Mittelalter war dies kein Widerspruch. Die meisten Zeitgenossen Hegels und Manfrieds würden aus heutiger Sicht in diese Kategorie fallen.

Gleichzeitig steckte die Wissenschaft in den Kinderschuhen. Das Mittelalter war vor allem in Europa sprichwörtlich dunkel, während Forschung und Lehre ausgerechnet in den ‚heidnischen‘ arabischen Ländern blühte. Der Zusammenhang zwischen Ansteckung und Hygiene blieb unerkannt, Zauberei bzw. Hexerei galt als Tatsache, und die meist unbekannte Welt wurde von gefährlichen Kreaturen bevölkert. Bullington geht nur einen Schritt weiter und nimmt diesen Aberglauben für bare Münze. Die Großbarts oder Bruder Martin entsetzen sich daher nicht vor eingebildeten, sondern vor ‚echten‘ Ungeheuern und Dämonen.

Zwei brutale Schelme auf privatem Kreuzzug

Hegel und Manfried Großbart begeben sich auf eine lange Reise, die ihnen jedoch keine geistige Reifung bringen wird. Bullington karikiert das Motiv der Queste, wie er überhaupt sorgfältig darauf achtet, jeglichen Gedanken an positive Werte zu tilgen. Moralische Integrität, Frömmigkeit, Liebe – immer verbergen sich hinter solcher Anständigkeit Bigotterie, Lüge und Eigennutz. In dieser Beziehung ist Bullington modern: Seine Leser sollen durch die Lektüre nicht belehrt werden. Mit Vorsicht sei deshalb das umfangreiche Literaturverzeichnis betrachtet: Zwischen tatsächlich existierenden Werken verbergen sich geschickt erfundene Werke, die eine Existenz von Grossbart-Überlieferungen vorspiegeln

Hegel und Manfried sind Räuber und Mörder, aber als solche passen sie in ihre Welt. Selbst der unglückliche Heinrich paktiert für seine Rache mit einer Hexe und einem Dämonen. So kann man den Zwillingen nicht wirklich böse sein. Zwischen Anfällen eingetrichterter (und köstlich fehlinterpretierter) Glaubensstärke sind sie konsequent ehrlich. Sie wollen ihren Zipfel von der Wurst. Nach einem Leben in Elend haben sie begriffen, dass niemand mit ihnen teilen wird. Also nehmen sie sich, was sie begehren, und geben sich dabei nicht einmal den Anschein, Robin Hoods zu sein. Wenn eine ganze Welt sich in ein Irrenhaus verwandelt, sind Hegel und Manfried exemplarische Bewohner.

Der Zug ins „Gypterland“ ist ihr einziger Traum oder besser: eine vage Wunschvorstellung. Mitte des 14. Jahrhunderts lagen die ‚klassischen‘ Kreuzzüge ins längst sarazenische Morgenland schon viele Jahrzehnte zurück. Geblieben waren nur geschönte Erinnerungen an ein hehres Ziel, das tatsächlich in eine endlose Kette blutiger Sinnlosigkeiten ausgeartet war. Als die Großbarts 1365 tatsächlich ihr Ziel erreichen, geraten sie in den aberwitzigen „Kreuzzug gegen Alexandria“, den König Peter I. von Zypern angezettelt hat. Dieser will nicht die Wiege der Christenheit befreien, sondern lässt Alexandria sowie 1366 Tripolis und Tartus überfallen, plündern und zerstören – ein reales, durch und durch verlogenes Unternehmen, dem schließlich sogar der Papst seine Unterstützung verweigerte.

Eine traurige Geschichte aber ein tolles Buch

„Die traurige Geschichte …“ erzählt nicht nur eine kurzweilige Geschichte, die ihrem Titel erst auf der letzten Seite gerecht wird und selbst dabei heiter wirkt. Weitere und längst nicht selbstverständliche Vorteile tragen zur Freude des Lesers bei. Da ist vor allem die fabelhafte Übersetzung hervorzuheben. Der Name Eva Bauche-Eppers sorgt für Erwartungen, denn diese Frau versteht ihr Handwerk, was u. a. daraus ersichtlich wird, dass sie 2003 für ihre Übertragung von China Miévilles Roman „Perdido Street Station“ mit dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet wurde. Sie mit der Übersetzung zu beauftragen, war eine wirklich gute Entscheidung, weil die Vorlage sprachlich eine Herausforderung darstellt. Bullington wandelt bunt auf einem schmalen Grat zwischen ‚originaler‘ mittelalterlicher und lesbar moderner Ausdrucksweise. Bauche-Eppers vermag ihm dorthin zu folgen. Die Übersetzung wirkt durch geschickt eingeflochtene altertümliche oder altertümlich erscheinende Redewendungen und Ausdrücke zeitgemäß, ohne es zu sein, es sein zu müssen oder den Leser zu überfordern. „Die traurige Geschichte …“ liest sich reibungslos, und der historisch oder sprachlich Bewanderte freut sich über Neu- und Wiederentdeckungen als Boni.

Das Auge isst nicht nur in der Küche mit. Auch der Leser freut sich über Bücher, die ihm solide aber geschmeidig in der Hand liegen, bei Öffnen und Blättern nicht spröde krachen sowie schön aufgemacht sind. „Die traurige Geschichte …“ bietet sich durch ihren Umfang für ein Paperback geradezu an, weshalb ihm dieses Gewand gut steht. Hier musste kein Text durch Großschrift, Leerseiten und gewaltige Zeilenabstände künstlich aufgeblasen werden. Darüber hinaus gibt es nicht nur ein ‚richtiges‘, also gemaltes Cover, sondern eigens angefertigte Innenzeichnungen. Man kann es prosaisch auch so ausdrücken: Hier bekommt der Leser wirklich etwas für sein Geld!

Autor

Jesse Bullington wurde in Boulder, US-Staat Colorado geboren. Nach einem Umzug wuchs er zunächst in Pennsylvania auf, bevor die Familie für mehrere Jahre in die Niederlande übersiedelte. Nach der Rückkehr in die USA beendete Bullington die High School und studierte Englische Literatur und Geschichte an der Florida State University. Beide Fächer schloss er 2005 ab.

Bereits in seiner High-School-Zeit lernte Bullington den Fantasy-Autoren Jeff Vandermeer kennen. Sie wurden Freunde, und Vandermeer wurde Bullingtons Mentor, als dieser eigene schriftstellerische Pläne entwickelte. Mit der Arbeit an seinem Debütroman „The Sad Story of the Brothers Grossbart“ (dt. „Die traurige Geschichte der Brüder Grossbart“) begann Bullington unmittelbar nach dem Studium. Das opulente, inhaltlich wie formal vom Fantasy-Mainstream abweichende Werk erregte bei Kritik und Publikum großes Aufsehen.

Über sein Werk informiert Jesse Bullington auf dieser Website.

[md]

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Viel Spass beim Lesen!
Michael.

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GARTENLANDIA IST ÜBERALL – von Michael Bahner

Erstellt von Michael Bahner am 5. August 2012

Gartenlandia ist überall

von Michael Bahner

ganz links ist Nacht, deshalb dunkel ;-)

Ist der Garten zu klein, der Urlaub zu teuer oder (wie bei mir) schon vorbei? Dann holt euch die fremden Lande einfach in den Garten. Wer keine Kühe, Pferde oder Schafe mag kann es ja mit Delfinen, Korallen, mit bunten Fischen, einer Krake oder Haien probieren – Taucherbrille und Schnorchel nicht vergessen ;-) . Mit Kindern macht die Sache nochmal soviel Spaß (die Putzaktionen danach sind längst verdrängt).

Vorher noch ein paar Fingerübungen ;-) :

Copyright (c) 2011 by Michael Bahner

Copyright (c) 2011 by Michael Bahner

An die Pinsel – fertig – LOS!

Lasst euch von den unten aufgeführten Büchern inspirieren und viel Spaß beim kreativen Urlaub in eurem neuen Domizil.

Euer Mit-Community-Autor Micha

Gecko Keck
Erfolgreich zeichnen: Blumen, Landschaften, Porträts, Tiere (TOPP 6054)

Frechverlag GmbH
ISBN: 978-3772460548
Malen & Zeichnen
Erschienen: 1. Auflage 2012
Umfang: 216 Seiten, 21 x 28 cm, Hardcover mit Halbleinen-Einband

www.topp-kreativ.de
www.geckokeck.de

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Titel erhältlich bei Libri.de

Der Autor

„Der Autor Gerhard Wörner, geboren 1967 in Stuttgart, ist unter seinem Künstlernamen GECKO längst aus der kreativen Szene Deutschlands nicht mehr wegzudenken. Schon 1989 gründete er eine Agentur für Karikatur und Illustration und lernte dann als Grafiker den Alltag in der Produktion kennen. Seit 1993 ist er wieder selbstständig und hat mehr als 5.000 Entwurfszeichnungen und über 300 Modelle für die heiß begehrten Überraschungseier gefertigt sowie an allen großen Lizenzen wie „Herr der Ringe“, „Asterix“, „Tabaluga“, „Sendung mit der Maus“, „Peanuts“, „Incredibles“, „Harry Potter“, „Sponge Bob“, „Bob der Baumeister“ und „Winnie Pooh“ mitgearbeitet. 1998 eröffnete er eine eigene Kunstgalerie in Stuttgart (Malerei, Grafik, Skulpturen) und veröffentlichte sein erstes Buch „Comic-Zeichnen für Einsteiger“ im frechverlag. Seit 2004 arbeitet er im eigenen Kieselsteiner Verlag und gibt Kurse zum Thema Malen und Zeichnen u.a. auf der Insel Elba.“
(Quelle: Frechverlag)

Vorbemerkung

Das vorliegende Buch ist eine Zusammenstellung folgender Titel von Gecko Keck:

Tiere – TOPP 6237, ISBN 9783772462375
Landschaften – TOPP 6236, ISBN 9783772462368
Porträts – TOPP 6231, ISBN: 9783772462313 (nicht mehr im Verlagssortiment)
Blumen – TOPP 6232, ISBN 9783772462320
Pferde – TOPP 6239, ISBN 9783772462399
Akt – TOPP 6234, ISBN 9783772462344 (nicht mehr im Verlagssortiment)

Diese Titel sind in der Reihe “Werkstatt Zeichnen” ebenfalls im Frechverlag erschienen. Daraus sind im vorliegenden Buch die Einführungen in die jeweiligen Themen enthalten, sowie etwa ein Drittel der Motive, die dem Leser als Vorlagen dienen.

Zum Buch

„Erfolgreich zeichnen – Blumen, Landschaft, Porträts, Akt, Tiere“ bietet einen Zeichenkurs für Anfänger oder Wiedereinsteiger, die ihre verschüttgegangenen oder schlummernden Fähigkeiten reaktivieren oder aufspüren wollen. Wie üblich wird mit einer allgemeinen Einführung in die Materie des Zeichnens begonnen: verschiedene Materialen werden ebenso vorgestellt, wie auch verschiedene Zeichenwerkzeuge und deren Handhabung. Die ersten Übungen in diesem Teil machen den Leser mit Schraffuren, Darstellung verschiedener Oberflächenstrukturen, Farbe, der Wirkung von Zeichnungen auf farbigem oder schwarzem Zeichengrund, Licht und Schatten und Perspektive vertraut. Dies alles ist auf zwanzig Seiten recht kompakt, aber dennoch übersichtlich und im Allgemeinen ausführlich genug dargestellt, zumal keine malerischen Aspekte, wie beispielsweise die Verwendung von flächenhaft aufgetragener Farbe, behandelt werden müssen. Es folgen einige Tipps, wie das Sehen geschult werden kann, sich schnelle Skizzen erstellen lassen und Motive beispielsweise vom Foto auf einen Zeichengrund übertragen werden können. Zum Abschluss dieser Einführung wird noch die Verwendung der Motivvorlagen des Hauptteils beschrieben.

Der Hauptteil gliedert sich in fünf Kapitel, die jeweils eines der Themen – Blumen, Landschaft, Porträts, Akt oder Tiere – abdecken. Bevor es hier richtig zur Sache geht, werden in jedem Kapitel die besonderen Merkmale des Themenbereichs erläutert, auf Schwierigkeiten hingewiesen und Impulse gegeben, wie sich die Zeichnungen nach eigenen Vorstellungen variieren lassen. Schließlich kommen die Motive an die Reihe, an denen sich der Leser selbst üben kann. Auf jeweils zwei Doppelseiten wird die Erstellung jeder Zeichnung Schritt für Schritt erklärt mit kleinen Tipps und Detailbetrachtungen. Jedem Motiv ist ein Schwierigkeitsgrad zugeordnet, dazu die Angabe der ungefähren Dauer zur Erstellung der Zeichnung und eine Liste der benötigten Werkzeuge und Materialien. Allerdings ist gerade die Dauer eine sehr individuelle Größe und hängt ganz entscheidend von der persönlichen Arbeitsweise und von der Erfahrung ab. Man sollte sie daher nicht als absolutes Maß sehen, sondern eher als Orientierung. Wenn man einmal seinen „individuellen Zeitfaktor” bestimmt hat, kann man in etwa einschätzen, wie lange ein Motiv tatsächlich in Anspruch nimmt.

Fazit

Der Einband ist stabil und die Seiten klappen, wenn das Buch aufgeschlagen ist, nicht zurück. Das ist wichtig, wenn man die Motive als Vorlage verwenden möchte. In angenehm lockerem Stil, mit fundiertem Wissen und sicherem Blick für das Wesentliche führt der Autor durch den Kurs; die Zeichungen sind gekonnt und spornen an, sofort mit dem Zeichnen zu beginnen. Und die Vorlagen mit den Schritt-für-Schritt-Anleitungen bieten alles, was für die ersten Erfolgserlebnisse nötig ist. Wenn also Wert darauf gelegt wird, dass der Zeichenkurs mehrere Motivthemen abdeckt, sollte man dieses Buch unbedingt in die engere Wahl ziehen.

Zwei Kleinigkeiten seien noch angemerkt, die der Verlag beziehungsweise der Autor für die nächste Auflage beherzigen könnten: Vorlagen in Form von Fotos bei den Motiven wären hübsch. Wenn der Autor beispielswiese schreibt, man solle die Umrisse skizzieren, dann ist das im Grunde nur mit der originalen Vorlage, in diesem Fall mit einem Foto möglich. Nicht essenziell, aber eine gute Abrundung wäre noch die Angabe der Größe des vom Künstler erstellten Werks. Bei jedem Motiv werden Details verschiedener Zeichenphase vergrößert und kommentiert. Möchte man diese Tipps entsprechend umsetzen, tut man sich auf einem DIN A4-Blatt schwer, dieselbe Detailtreue zu erzielen, wenn der Künstler auf DIN A3 oder größer gearbeitet hat.

Copyright © 2012 by Michael Bahner

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Rosa M. Curto
Mein erster Mal- und Zeichenkurs: Dschungelabenteuer

Originaltitel: Learn To Draw The Jungle (2009)
Edition Michael Fischer
ISBN: 978-3-939817-87-1
Sachbuch, Malen & Zeichnen, Kinder & Jugend
Erschienen: 1. Auflage 2011
Umfang: ca. 96 S., durchg. vierfarb. – 28,0 x 23,0 cm; B: Einband – fest (Hardcover)

www.edition-m-fischer.de/

Titel erhältlich bei Buch24.de
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Titel erhältlich bei Libri.de

Vorbemerkung

Aus der Reihe “Mein erster Mal- und Zeichenkurs” gibt es in der Edition Michael Fischer zwei Bände: der erste Band heißt “Mein erster Mal- und Zeichenkurs” ohne Zusatztitel. Der zweite Band, der hier rezensiert wird, trägt neben den Zusatztitel “Dschungelabenteuer”.

(Link Rezension: Mein erster Mal- und Zeichenkurs)

Das Buch

Wie schon im ersten Band zeigt die Autorin auch hier auf vielen bunten Seiten, wie aus einfachen Formen schrittweise lustige Gegenstände und Pflanzen und herrliche Figuren entstehen.

Dieser Band – “Dschungelabenteuer” – enthält allerlei typische Dschungel-Motive wie Palmen, Affen und Tiger, aber auch alles, was man im weitesten Sinne mit Urwald in Verbindung bringen kann: wilde Tiere aus Afrika und Südamerika, Eingeborene, Forscher und deren Fortbewegungsmittel.

Die Autorin entwickelt auch hier alle Zeichnungen in mehreren Schritten von der ersten einfachen Skizze bis zur fertig kolorierten Zeichnung. Dabei ist keine Anleitung länger als eine Doppelseite. Lästiges Vor- und Zurückblättern erübrigt sich also, was bei der Bearbeitung einer Vorlage nicht nur für Kinder sehr angenehm ist. Im Laufe des Buches werden die Motive immer komplexer und auch schwieriger, wobei der Schwierigkeitsgrad insgesamt moderat bleibt. Am Ende des Buches gibt die Autorin noch eine Einführung, wie man Perspektive in seine Zeichnungen bringen kann.

Die Texte sind kindgerecht, nicht zu tiefgreifend, die Illustrationen machen Spaß und das Ausprobieren und Nachahmen sowieso. Kinder im Grundschulalter werden mit diesem Buch sicherlich gefordert, aber nicht überfordert. Es ist eines jener Bücher, die bestimmt nicht im Regal verstauben. Ob man sich diesen zweiten Band anschaffen möchte, wenn man den ersten schon besitzt, mag jeder selbst entscheiden. Ich finde, als Fundus für Motive lohnen sich beide.

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Rosa Maria Curto
Mein erster Mal- und Zeichenkurs

Originaltitel: Let’s Draw Together (2007)
Edition Michael Fischer
ISBN: 978-3-939817-86-4
Sachbuch, Malen & Zeichnen, Kinder & Jugend
Erschienen: 1. Auflage 2011
Übersetzerin: Hanne Henninger
Umfang: ca. 96 S., durchg. vierfarb. – 28,0 x 23,0 cm; B: Einband – fest (Hardcover)

www.edition-m-fischer.de/

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Vorbemerkung

Aus der Reihe “Mein erster Mal- und Zeichenkurs” gibt es in der Edition Michael Fischer zwei Bände: der erste Band, der hier rezensiert wird, heißt “Mein erster Mal- und Zeichenkurs” ohne Zusatztitel. Der zweite Band trägt den Zusatztitel “Dschungelabenteuer”.

(Link Rezension: Mein erster Mal- und Zeichenkurs: Dschungelabenteuer)

Das Buch

Ein paar einfache Formen, Füße anfügen, Hände oder Flügel, dann noch die Farbe – je nach Geschmack – und schon sind sie fertig: die Tiere, Menschen oder Pflanzen.

“Mein erster Mal- und Zeichenkurs” beginnt mit den einfachsten Objekten, verschiedenen Blättern, Bäumen und Pilzen, die in wenigen Zeichenschritten erstellt werden können. Jeder Schritt ist dabei in einer eigenen kleinen Skizze dargestellt. Vor allem für Kinder ist diese Vorgehensweise gut nachvollziehbar. Bei etwas fortgeschritteneren Motiven wie Vogel, Wolf und Hirsch wird es dann schon schwieriger, was auch daran zu erkennen ist, dass sich die Zahl der Schritte bis zur fertigen Zeichnung erhöht. Eine kleine Herausforderung sind schließlich die Anleitungen für die Märchenwesen mit noch mehr Schritten und noch mehr Details. Wirklich kompliziert oder unverständlich sind die Anleitungen jedoch nie. Alle Darstellungen sind kindgerecht gehalten, manchmal beinahe comichaft.

Daneben zeigt die Autorin noch, wie man durch Veränderung von Gesichtsmerkmalen Stimmungen ausdrücken und verändern kann, und sie macht mit Hilfe eines Strichmännchens Bewegung und Stellung von Körper und Gliedmaßen deutlich.

Am Ende des Buches findet sich außerdem ein kleiner Exkurs in die Farbenlehre: der Farbkreis wird vorgestellt; ebenso wird erklärt, welche Farben warm und welche kalt sind.

Fazit

Für Kinder im Grundschulalter bietet das Buch eine Menge Material zum schrittweisen Erstellen der unterschiedlichsten Objekte aus Flora und Fauna. Alle Zeichnungen und Texte sind kindgerecht gestaltet, in der Auswahl der Motive fehlen weder Hexen noch Zauberer oder Feen. Ich finde das Buch toll für Kinder zum Stöbern und Ausprobieren, und empfehlenswert für Eltern, die mehr wollen, als ihren Kindern nur den obligatorischen “Hasen von hinten” zu präsentieren – der im Übrigen auch enthalten ist.

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Fiona Watt
365 Ideen zum Malen und Zeichnen
TOPP 5734

Originaltitel: 365 things to draw and paint (Usborne Publishing Ltd., 2009)
Verlag: frechverlag GmbH
ISBN: 978-3772457340
Malen & Zeichnen, Kinder & Jugend
Erschienen: 2011
Hardcover, 128 Seiten, 25 x 27,7 cm, mit verdeckter Spiralbindung

www.topp-kreativ.de/

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“Du möchtest gerne etwas zeichnen oder malen und weißt nicht was? Dann ist dieses Buch genau das richtige für dich! 365 tolle Ideen für jeden Tag im Jahr.”
(Covertext)

Bunt geht es jedenfalls zu in Fiona Watts Buch “365 Ideen zum Malen und Zeichnen”, und es bietet ein Sammelsurium an kreativen Vorschlägen, Vorlagen und Anleitungen unter Verwendung der verschiedensten Materialien und Techniken.

Gegliedert ist das Buch in 60 doppelseitige farbige Themenseiten, auf die die erwähnten 365 Ideen oder Tipps verteilt sind. Man findet skurrile Hunde in allen Größen und Formen; mit Hilfe von Pappschablonen und Radiergummis werden Haie und andere Fische gepinselt; einmal sind es mit Pastellkreide gemalte Katzen, die einen Hinterhof bevölkern, ein  anderes mal Telefonleitungen, auf denen Scharen von Vögeln aus Stoffresten hocken. Der Ideenreichtum der Autorin ist wirklich sehr groß und verleitet nicht nur Kinder dazu, das Buch immer wieder durch zu blättern.

Alle Zeichnungen sind kindgerecht einfach und witzig. Manche, wie beispielsweise die Flamingos aus Seifenfarbe, könnte man ohne Weiteres als Illustrationen eines Kinderbuches hernehmen. Dennoch sind auch sie, folgt man der Anleitung und den Tipps, im Grunde genommen einfach herzustellen. Jede Themenseite hat ihre eigene Farbgebung und ihren eigenen Stil. Manche wirken wie Kritzeleien in einem Schulheft, wie beispielsweise die Blumenkinder mit ihren runden Köpfchen, die auf verzierten Filzstiftblüten balancieren – und Röckchen und Kopfschmuck aus echten Blüten tragen. Fiona Watt macht auch vor der Küche nicht halt und erschafft aus aufgeschnittenen Gemüsen skurrile gedruckte Monster.

Das Buch ist mit einem stabilen Einband und einer Ringbindung ausgestattet, sodass es bequem als Vorlage auf den Tisch gelegt werden kann, und die robusten Seiten halten auch dem herzhaften Griff von Kinderhänden stand. Für Kinder oder Eltern mit Kindern, hält das Buch so viele Ideen bereit, dass beim Zeichnen, Malen oder Basteln so schnell keine Langeweile mehr aufkommt.

Copyright © 2011 by Michael Bahner

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Die Kunst des Zeichnens: Menschen
Die große Zeichenschule: praxisnah & gut erklärt

frechverlag GmbH
ISBN 978-3-77246-072-2
Malen & Zeichnen, Comic & Manga
3. Auflage 2011
Konzept, Übersetzung, Lektorat: Verena Zemme, punktum. Text- & PR-Agentur, Miesbach
Gebunden, 22.9 x 30.5 cm, 240 Seiten

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Vorbemerkung

Das vorliegende Buch ist wie der Band “Die Kunst des Zeichnens: Tiere” dieser Reihe eine Zusammenstellung verschiedener Titel der Zeichenbücher von Walter Foster.

Zum Buch

Nach einer kurzen Einführung in die Grundbegriffe des Zeichnens im Allgemeinen werden die Proportionen des Kopfes, sowie die Stellung und Abstände der Gesichtsmerkmale herausgearbeitet. Hier kommt die bekannte Aufteilung des Kopfes in dreieinhalb übereinander liegende Abschnitte zur Anwendung. Verwirrenderweise werden aber noch Hilfslinien verwendet, die den Kopf vertikal halbieren beziehungsweise vierteln. Für den Einsteiger ist das äußerst irritierend, und so wird er eine Weile benötigen, um die verschiedenen Aufteilungen auseinander zu halten.

Zusammen mit dem ersten Skizzieren von Mund, Nase und Augen werden die Grundlagen geschaffen für die “Wege zum perfekten Porträt”. Kopfform und Gesichtsdetails werden hier noch genauer vorgestellt und in zahlreichen Abbildungen illustriert. Die in jedem Kapitel eingestreuten Übungen zu den verschiedenen Themen sind in an dieser Stelle besonders hilfreich. Schließlich werden in den bewährten Schritt-für-Schritt-Anleitungen diverse Beispiele der Erstellung von Porträts vorgeführt.

Ein eigenes Kapitel ist dem Kinderporträt gewidmet und das aus gutem Grund. Es zeigt sich, dass es deutliche Unterschiede in den für ein Porträt relevanten Details zwischen Erwachsenen und Kindern unterschiedlicher Altersstufen gibt. Nicht zuletzt wird darauf hingewiesen, dass Kinder Emotionen ganz anders zeigen als Erwachsene, was ein Porträt ebenfalls vermitteln sollte.

“Dem Menschen auf der Spur” ist man im nächsten Kapitel, das zeigt, wie der menschliche Körper als Ganzes dargestellt wird. Ein mehrseitiger Ausflug in die Anatomie hilft dem Verständnis auf die Sprünge, wie diverse Stellungen von Gliedmaßen zustande kommen oder Wölbungen und Kuhlen von Muskeln, Knochen und Sehnen gebildet werden. So schärft man den Blick für Details, die teilweise unauffällig sind, also leicht übersehen werden, durch ihr Fehlen jedoch das Gefühl eines “komischen Körpers” vermitteln würden. Schließlich werden mit einfachen Formen Menschen in Bewegung in Szene gesetzt. Viele Beispiele mit Detailansichten helfen auch hier den Blick auf das Wesentliche zu lenken. Einige Anleitungen von der ersten Skizze bis zur fertigen Zeichnung schließen das Kapitel ab.

Beim “Aktzeichnen für Einsteiger” werden verschiedene Techniken besprochen, wie ein unbekleideter Körper in verschiedenen Posen dargestellt werden kann. (Da es mitunter schwierig ist, hierfür geeignete oder überhaupt Modelle zu finden, bietet es sich beim diesem Thema an, einen Kurs zu besuchen. Die Modelle sind routiniert und die Kosten für die Sitzungen in der Regel in der Kursgebühr enthalten.)

Im Kapitel “Meisterklasse Porträtieren” wird das Erlernte aus den vorherigen Kapiteln aufgegriffen, werden Techniken wiederholt und verfeinert, damit den eigenen Porträts der letzte Schliff verpasst werden kann.

Den Abschluss des Buches bildet ein Kapitel über “Comics und Cartoons”, und ein zweites verspricht, Einsteigern das Zeichnen von Mangas bei zu bringen. Beide bieten Entspannung pur. Hier kann man, zumindest bei Comics und Cartoons, ohne sich an allzu feste Vorlagen halten zu müssen, seiner Fantasie freien Lauf lassen und gegebenenfalls das bisher Erlernte bis zum Exzess karikieren.

Fazit / Meine Meinung

Das Buch führt auch Anfänger sehr gut an die einzelnen Aufgaben heran. Es ist reich an Beispielen, Übungen und Detailbetrachtungen. Dabei ist es nicht schlimm, wenn das eine oder andere nicht von Anfang an verstanden wird. Die Vielfalt an Zeichnungen und Erklärungen über viele Kapitel verteilt hilft dabei, den Faden und – was noch wichtiger ist – die Geduld und den Spaß nicht zu verlieren.

Ich schätze es sehr, dass in diesem Handbuch nicht so linear vorgegangen wird wie in manch anderem Zeichenbuch, und deshalb ist für mich dieses “Walter Foster-Buch” wieder eine klare Empfehlung – und ein rundum zufriedenes Porträt wert!

Copyright © 2011 by Michael Bahner (MB)

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Die Kunst des Zeichnens: Tiere
Die große Zeichenschule: praxisnah & gut erklärt

frechverlag GmbH
ISBN 978-3-7724-6073-9
Genres: Malen & Zeichnen, Natur & Tiere, Comic & Manga
1.Auflage 2011
Übersetzung: Wiebke Krabbe und Verena Zemme
Gebunden, 22.9 x 30.5 cm, 240 Seiten

http://www.frech.de/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Vorbemerkung:
Als Basis für das vorliegende Buch dienten verschiedene Titel von Walter Fosters Zeichenbüchern.

Zum Buch:
Zu den reizvollsten aber gleichzeitig auch zu den schwierigsten Zeichenmotiven gehören Tiere. Das vorliegende Buch verspricht, dem interessierten Hobbykünstler bei diesen Motiven mit Tipps und Übungen zur Seite zu stehen.

Am Anfang werden viele allgemeine Themen angesprochen, mit denen man sich beschäftigen sollte – von der Auswahl der Zeichenmaterialien, über das Arbeiten mit einfachen Grundformen bis hin zur Beobachtung von Tieren. Einsteiger sollten sich die Übungen in diesem Teil zu Herzen nehmen, die sie mit der Handhabung und der Wirkung ihrer Materialiensammlung vertraut machen. So simpel diese anfangs auch zu sein scheinen, so wertvoll sind die eigenen Erkenntnisse und Fertigkeiten, die man daraus erhält. Und daraus macht das Buch im Übrigen keinen Hehl: nur durch genaues Beobachten und geduldiges Ausprobieren erlangt man immer bessere Ergebnisse und kann so seinen Zeichnungen Leben einhauchen und Charakter verleihen. Interessant und hilfreich sind die Anleitungen zum Darstellen der verschiedenen Arten von  Fell und Haut. Davon gibt es mehrere über das ganze Buch verteilt. Die speziellen Anleitungen über Hunde-, Katzen- und Pferdefell findet man in den entsprechenden Kapiteln.

Den Hauptteil bilden vier Kapitel über Tiere: “Tiere aus aller Welt” mit den Unterkapiteln “Wilde Tiere” und “Haustiere”, sowie die Einzelabhandlungen über Hunde, Katzen und Pferde in eigenen Kapiteln. Den größten Teil nehmen dabei die Schritt-für-Schritt-Anleitungen ein. Auf einer oder mehreren Seiten sind die Entstehungsphasen einer Zeichnung dargestellt, von der ersten groben Skizze bis hin zur fertigen Zeichnung. Damit wird auch dem Einsteiger ein Werkzeug an die Hand gegeben, sodass er direkt mit dem Zeichnen loslegen kann. Der Text ist ebenso locker geschrieben wie er zwischen den einzelnen Skizzen eingestreut ist.

Zu Beginn der Einzelkapitel über Hund, Katze und Pferd befinden sich kurze Einführungen in die Anatomie des jeweiligen Tieres. Details von Augen, Ohren und Kopf werden ebenfalls eingehender betrachtet. Insgesamt bekommt man einen reichhaltigen Fundus von nachahmenswerten Ideen präsentiert.

Den Abschluss der realistisch dargestellten und der realen Tiere bildet das Kapitel “Meisterklasse: Tiere zeichnen”. Dort werden wieder allgemeinere Themen behandelt, beispielsweise Bildkomposition, die Grundlagen der Perspektive, aber auch wie man Tiere in einer Landschaft in Szene setzt, was in vier mehrseitigen Beispielen eindrucksvoll gezeigt wird.

Zwei kleinere Kapitel über die Darstellung von Tieren in Comics sowie über “Fantastische Tiergestalten” finden sich schließlich am Ende des Buches.

Fazit:
Ich finde das Buch überaus ansprechend und die Zusammenstellung sehr gelungen. Die Zeichnungen sind durchweg von hervorragender handwerklicher Qualität, wobei mir persönlich der gekonnte und dennoch lockere Stil Walter T. Fosters am besten gefällt. Die Texte lassen sich flüssig lesen und bilden mit den Zeichnungen und Bildern eine harmonische Einheit.

Ab und zu allerdings stößt man auf unklare Begriffe, wenn beispielsweise auf den “Schraffurgriff” oder die “Unterhand-Position” bei der Stifthaltung verwiesen wird. Beides wird zwar im Kasten “Den Stift halten” beschrieben, unglücklicherweise jedoch nicht benannt. Und dass gerade beim Stichwort “Fell” im Register nur auf die Anleitung im allgemeinen Teil zu Beginn des Buches verweisen wird, ist verwunderlich, da das Buch mehrere Anleitungen dieser Art enthält.

Die beiden letzten Kapitel sind eine nette Ergänzung. Vor allem der Ausflug in die Welt der Comics lädt zum unverkrampften Skizzieren ein. Hierzu gibt es allerdings ausführlichere Zeichenbücher.

Trotz allem ist das Buch sehr empfehlenswert – so macht zeichnen Spaß!

Copyright © 2011 by Michael Bahner

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de


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Federwelt Nr. 95, August / September 2012 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

Erstellt von Galaxykarl am 5. August 2012

Federwelt Nr. 95, August / September 2012 – Zeitschrift für Autorinnen und Autoren

(sfbentry)
Uschtrin Verlag, August / September 2012
Heft, 19 x 27 cm, 66 Seiten
Literatur
ISSN 1439-8362
Artikel & Interviews: Sandra Uschtrin
Layout & Satz: Vogt und Boerboom
Titelfoto: Sandra Uschtrin

www.federwelt.de
www.facebook.com/uschtrin.verlag/
www.boerboom-vogt.de

Einen guten Roman zu schreiben, ist ja schon ein hartes Stück Arbeit und gelingt natürlich nicht jedem. Da kommt man schnell auf die Idee, sich mit einem anderen Autor zusammenzutun und so sich gegenseitig zu inspirieren und zu korrigieren. Außerdem haben zwei Köpfe mehr Einfälle als nur einer. So weit so gut. Ich hab das mal mit einem Autorenfreund probiert. Schon nach wenigen Kapiteln drifteten wir auseinander, wie die Geschichte ablaufen sollte. Auch unsere Stile waren schwer aufeinander abstimmbar. Und jetzt haben das 12 (!) AutorInnen getan. Wie das gehen kann, lesen Sie in diesem Beitrag:
• “Hurra, wir schreiben einen Gemeinschaftsroman!” – Aus zwölf Federn: “Die vierte Zeugin” (Teil 1)

Ein Interview geben? Gerne. Nur ein Bruchteil der Interviews entstehen live, auf einer Messe, in einer Buchhandlung, wo auch immer. Die meisten laufen heutzutage online ab: Man schickt dem Verlag oder Autor die Fragen und bekommt sie irgendwann mit den Antworten zurück. Man hat Zeit sich eine wohlformulierte Antwort auszudenken. Aber im Radio? Da ist jedes lange Nachdenken ein Interesse-Killer und langweilt Zuhörer und Interviewer. Wie man sich darauf vorbereiten kann, finden Sie hier:
• Erfolgreich Radiointerviews geben und akquirieren

„Ich Tarzan, du Jane!“ Ja, wenn Dialoge so einfach wären wie in den guten alten Tarzan-Abenteuern. Oder lieber doch nicht, denn die Handlung und weitere Erkenntnisse haben diese vier Wörter nicht ausgelöst, auch wenn sie uns als TV-Publikum heute noch geläufig sind. Wie es richtig geht, steht hier:
• Textküche (4): Dialoge schreiben

Wann ist ein Autor ein Autor? Erst dann, wenn er eines seiner Werke veröffentlicht hat? Nein, er ist es dann, wenn er sich hinsetzt und zu schreiben beginnt. Über die Qualität sagt das natürlich erst mal nichts aus. Aber jeder Autor, auch die Berühmten, die Reichen, die Bewunderten, haben einmal so angefangen. Einem unveröffentlichten Autor gleich in die Schublade „Nicht publiziert = schlecht“ zu stecken, ist schlichtweg falsch und vor allem: dumm. Nach harter Arbeit, viel Üben und Lernen werden aus Anfängern Profis, manchmal sogar Spitzenautoren, viele andere schaffen es nicht. Sie aber von Anfang an abzukanzeln, macht keinen Sinn und zeugt nur von Einfallslosigkeit oder Neid derjenigen, die sie schlecht reden. Eine Lanze für „erfolglose“ Autoren wird von David Schmidhofer gebrochen:
• „Hören wir auf, erfolglose Autoren zu verspotten“

Und das – und noch mehr – gibt es in der Federwelt 95:
• Wecke den Coach in dir! Interview mit Sabine Asgodom
• Wie man ein gutes Theaterstück schreibt
• 66 Verlagsadressen für SF, Horror, Fantasy, Mystery
• Der Seraph, Phantastische Literatur
• Kommentierter Normvertrag: §5 Nebenrechtsverwertung
• Terminkalender mit Wettbewerben und Stipendien
• Kolumnen von Oliver Uschmann, Goetz Buchholz, Michael Rossié u.v.m.

Copyright © 2012 by Werner Karl

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