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Literatur-Blog

Archiv für Juli 12th, 2012

DESPERATE ANGELS – Leseprobe des gleichnamigen Romans von E. M. Ross

Erstellt von Medu Verlag am 12. Juli 2012

DESPERATE ANGELS

Leseprobe des gleichnamigen Romans

von

E. M. Ross

Montag, 21. September 2009

Ich sitze alleine im Außenbereich der Kantine, vor mir ein Teller Spaghetti und Salat, muss zugeben, es schmeckt. Josh hat mich allein gelassen, hat etwas zu erledigen, so sagt er, doch ich bin der Überzeugung, er testet mich. Natürlich, es wäre für mich ein Leichtes, jetzt abzuhauen, weit genug weg, und dann könnte ich es tun, es ist immer noch in meinen Gedanken. Doch heute scheint die Sonne, wir haben einen Indian Summer, der Park ist wunderschön mit dem gefärbten Laub und das Licht irgendwie golden, abgesehen davon schmeckt mir das Essen einfach zu gut. Er wird bald wiederkommen und auf seinem Gesicht wird keine Überraschung zu sehen sein, mich hier vorzufinden, sondern reine Freude. Josh ist ein Menschenfreund und will helfen, einer von denen, die diesen schlecht bezahlten Job von Herzen gerne machen. Nach all dem Laufen mit Josh bin ich ungemein fit, ich ziehe immer noch meine Übungen durch, körperlich bin ich gesünder als jemals zuvor, nur meine Narben und das Kunstwerk auf meinem Rücken erinnern an andere Zeiten.

Die Therapiestunden mit Lydia Merkhem sind bisher okay, ich hatte es mir schlimmer vorgestellt, doch weiß ich von meinen eigenen Patienten, die ich als klinischer Psychologe in Stanford betreut habe, dass es sich noch um die Introphase bei der kognitiven Verhaltenstherapie handelt. Sie geht davon aus, dass meine eigenen Kognitionen krankhaft sind, und das versucht sie zu ändern. Wirklich beginnen kann die eigentliche Therapie erst, wenn es ihr gelungen ist, mich davon zu überzeugen, dass ich von dem Trauma rede, dann erst können Korrekturen durchgeführt werden. Doch das werde ich nicht. Ich weiß, dass meine Bewertung, was den Tod von Dra und besonders Tanja angeht, richtig ist. Ohne mich wären beide noch am Leben!

Für mich gibt es nur zwei Möglichkeiten: Irgendwann fange ich an, damit zu leben, oder ich entscheide mich dafür zu sterben, doch das ist meine Sache, nur meine.

Da kommt Josh mit seinem fröhlichen Gesicht.

„Hey, bin wieder da, wie war das Essen?“

Ich sehe ihn an.

„Gut.“

„Es freut mich, dass du nicht versucht hast zu türmen. Bist du fertig? Dr. Merkhem wartet.“

Ich nicke, stehe auf und nehme mein Tablett, um es zur Geschirrrückgabe zu bringen.

„Josh, wenn ich es gewollt hätte, dann hätte ich es tun können, denn die beiden, die du dort zu meiner Überwachung platziert hast, sind nicht schnell genug für mich.“ Dabei sehe ich auf die beiden jungen Pfleger am Nachbartisch.

Joshua schüttelt den Kopf.

„Das ist der Nachteil, wenn ein Patient mal beim FBI war, vormachen kann ich dir nichts. Das ist Krankenhausvorschrift, weißt du doch. Abgesehen davon wäre es mittlerweile ein Leichtes für dich, mich abzuhängen, wenn wir joggen. Darum bleibt es eine Vertrauenssache, und wie gesagt, ich freue mich, dass du noch da bist!“

„Hallo Dr. Caim.“

Sie erhebt sich aus ihrem Sessel, der in dem kleinen Arbeitszimmer vor dem Bücherregal steht, und schüttelt meine Hand. Ich muss wie immer grinsen, wenn sie mich Dr. Caim nennt.

„Warum amüsiert es Sie jedes Mal so, wenn ich Sie mit Doktor anrede, Sie sind doch ein Kollege, oder?“

Wir sitzen uns gegenüber, kein Schreibtisch zwischen uns, der Distanz schafft, es ist das ideale Ambiente für eine Therapie.

„Weil Sie so offensichtlich die gleichberechtigte Partnerschaft betonen, die bei der kognitiven Verhaltenstherapie empfohlen wird.“

„Ist das so falsch, wenn wir Partner sind anstatt Patient und Arzt?“

Ihre Stimme ist immer etwas weicher, wenn wir die Therapiestunden beginnen.

„Nein, aus ärztlicher Sicht nicht. Ich bin nun mal der Experte meiner Gedankenmuster, und Sie müssen mich aktiv beteiligen – Aaron Temkin Becks’ Theorie. Also, Doktor, Ihrer Meinung nach, bei welchem der sechs Schritte der kognitiven Umstrukturierung sind wir angekommen?“

Sie lehnt sich entspannt zurück, während ich auf der Stuhlkante sitze, leicht vorgebeugt, mit den Unterarmen auf meinen Oberschenkeln, die Hände ineinandergelegt. Ein Außenstehender könnte aufgrund der Körpersprache annehmen, ich wäre der Arzt und sie der Patient.

„Sagen Sie es mir, Dr. Caim.“

„Das Vorstellen des kognitiven Modells haben wir hinter uns, da ich als Psychologe weiß, was dieses Modell ist. Schritt zwei vielleicht …“ – ich bin sehr bewusst sarkastisch – „… Bewusstwerdung der dysfunktionalen Kognition? Ups! Das ist das Problem, ich glaube, die kann mir nicht bewusst werden, da ich sie nicht habe! Damit sind Schritt drei und vier, Infragestellung und Reflexion dieser, genauso hinfällig wie Schritt fünf und sechs, die Entwicklung alternativer Überzeugungen und deren Training.“

Sie sieht mich durchdringend an.

„Jetzt redet der FBI-Agent in Ihnen und nicht der Doktor.“

„Ach ja?“

„Ja. Denken Sie nochmals für einen Moment als Arzt. Wenn Sie einen sechsundzwanzigjährigen Menschen vor sich haben, von dem man nur weiß, dass er neunzig Tage gegen seinen Willen gefangen gehalten wurde …“

Sei still!, denke ich, Zorn kocht wieder hoch in mir …

„… den man gekreuzigt hat …“

„Hören Sie auf!“ Wut ballt sich in meinem Magen, das geht keinen was an!

„… und der, nachdem sein Leben wie durch ein Wunder gerettet wurde …“

Ich springe so heftig auf, dass der Stuhl umfällt, ich bin so wütend, dass sich meine Fäuste verkrampfen.

Auch sie erhebt sich, spricht aber gnadenlos weiter: „… nur auf eine Gelegenheit wartet, sich umbringen zu können – wie nennen Sie das dann?“

Die Tür öffnet sich und Josh tritt in den Raum.

„Alles in Ordnung, Doc?“

Er sieht mich mit ernstem Gesicht an, ich löse meine Fäuste und bücke mich, um den Stuhl aufzuheben, dann setzte ich mich, bin müde und die Kopfschmerzen fangen wieder an.

„Tut mir leid“, sage ich so leise, dass nur sie es hören kann.

„Alles okay, Josh, gehen Sie wieder.“

Die Tür schließt sich hinter ihm, wir sind wieder allein.

„Also, Dr. Caim, wie nennen Sie das dann?“

Ich beiße mir von innen in die Wangen, merke, dass mir Tränen in die Augen steigen. Sie wiederholt ihre Frage noch einmal sehr sanft. Ich blicke auf.

„Ein pathologisches Fehlverhalten aufgrund eines Traumas“, sage ich kleinlaut und kann es nicht verhindern, dass mir eine Träne über die Wange läuft.

Dr. Merkhem nickt, ich lege meine Handflächen auf mein Gesicht und wische darüber.

„Nate, Sie selbst haben gerade Schritt zwei der Therapie eingeleitet, die Bewusstwerdung Ihrer nicht funktionalen Gedanken und Bewertungen. Damit wir sie infrage stellen können, müssen Sie mir erzählen, warum Sie sich selbst töten wollten.“

Mein Kopf pocht, ich kann nicht mehr ruhig sitzen und stehe auf, gehe ans Fenster und sehe auf den Park der Klinik. Sie ist still, wartet darauf, dass ich rede. Keine Ahnung, wie lange ich ohne ein Wort aus dem Fenster blicke.

„Ich habe zwei Menschen getötet.“

„Wie haben Sie die beiden getötet?“

„Ich habe zugelassen, dass sie umgebracht wurden, sie sind gestorben wegen meiner Unzulänglichkeit. Ich hätte sie retten können.“

„Meinen Sie ihre Partnerin Agent Romano und das Mädchen Tanja Semonin?“

„Ja.“

Ich werde immer leiser und möchte mich wieder in Schweigen zurückziehen, doch sie merkt das genau.

„Hören Sie jetzt nicht auf, Nate. Was war Ihrer Meinung nach so unzulänglich, was hätten Sie tun können?“

Ich kann sie nicht ansehen.

„Wenn ich getan hätte, was man von mir verlangte, würde Tanja jetzt noch leben. Doch ich konnte nicht.“

„Was konnten Sie nicht?“

Mein Gott, ich sehe alles wieder vor mir, den Altar mit Tanja, den Meister mit dem Dolch, ich höre ihn sagen: „Geh zu ihr, Sohn des Camio, und zeuge das Kind, auf das wir warten.“ Noch mehr Tränen, ich muss mich an der Fensterbank festhalten, denn ich habe das Gefühl zu fallen.

„Mit ihr schlafen.“

Dr. Merkhem steht auf und kommt auf mich zu, sie bleibt hinter mir stehen.

„Diese Menschen haben von Ihnen verlangt, mit ihr Sex zu haben?!“

Ich nicke nur. Sie legt eine Hand auf meine Schulter, während ich ein Taschentuch aus meiner Jeans krame.

„Nate, Sie haben sich nur geweigert, ein dreizehnjähriges Kind zu vergewaltigen, das ist kein Fehler. Sie haben ihr nicht die Kehle durchgeschnitten, Sie haben sie nicht getötet.“

Ich drehe mich um, lehne mich gegen die Fensterbank, ich bin erschöpft.

„Nein, ich habe ihr nicht die Kehle durchgeschnitten, doch dieser perverse Kranke hat es getan, und zwar aufgrund meiner Worte! Ich wollte so schlau sein … dachte, wenn ich auf sein Spiel eingehe, dann kann ich ihn überzeugen …“

Sie sieht mir in die Augen.

„Wie?“

„Ich sagte, dass Tanja nicht die Richtige sei, um ein Kind zu zeugen, dass ich mir die Frau dafür selbst aussuchen müsse. Das war der Grund, warum sie getötet wurde!“

Dr. Merkhem schüttelt den Kopf, kann aber ein gewisses Entsetzen in ihrem Gesicht nicht verbergen.

„Nein, Nate, das war nicht der Grund, warum man sie tötete. Sie starb, weil sie in den Händen eines Mörders war, weil Tanja genau wie Sie ein Opfer war, nicht weil Sie versucht haben, ihr Leben zu retten. Kommen Sie, wir setzen uns wieder.“

Sie führt mich am Arm zurück zum Stuhl und ich lasse mich hineinfallen.

„Wie fühlen Sie sich?“

Komisch, die Frage macht mich gar nicht zornig, im Gegenteil, ich höre in mich hinein, um zu verstehen, wie ich mich fühle.

„Müde, traurig, hilflos und einsam.“

„Sie sind nicht allein, ich helfe Ihnen und die Trauer, die Sie fühlen, wird weniger werden. Nate, fangen Sie an zu erzählen, ganz von vorne.“

Ich atme tief ein und dann finde ich Worte, von denen ich dachte, dass sie mir nie über die Lippen kämen. Stück für Stück berichte ich ihr alles, was passiert ist in den schlimmsten neunzig Tagen meines Lebens. Es dauert genauso lange, meine Geschichte zu erzählen, wie meine Gefangenschaft gedauert hat. Immer wieder muss ich aufhören, da ich es nicht ertrage oder einfach nur Heulkrämpfe bekomme, doch am nächsten Tag geht es wieder. So erfährt Dr. Lydia Merkhem meine Geschichte und sie muss mir schwören, diese niemals, unter gar keinen Umständen vor irgendwem zu wiederholen.

(Zur nächsten Leseprobe)

Copyright © 2012 by E. M.  Ross / Abdruck mit freundlicher Genehmigung des MEDU-Verlages.

Bildrechte: “Psychogenese – Dem Wahnsinn auf der Spur” (Psychogenese5.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Psychogenese-50-minus150-0.jpg” (Originaltitel: Psychogenese5.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Lesetipp von E. M.  Ross:

Ross, E. M.
Desperate Angels

Verlag :      MEDU VERLAG
ISBN :      978-3-941955-57-8
Einband :      Paperback
Preisinfo :      11,95 Eur[D] / 12,30 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis

Letzte Preisänderung am 08.05.2012
Seiten/Umfang :      304 S. – 20,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Auflage 05.2012

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Drei tote Teenager in Virginia: blutjung, superreich und unschuldig. Man findet jedes der ermordeten Mädchen arrangiert als Engel in weißem Rüschenkleid mit betenden Händen, einem Engelsflügeltattoo – und Sperma.

Die Spezialeinheit des FBI rekrutiert den jungen Agenten Nathaniel Caim, der die Sonderkommission „Angel“ als Profiler unterstützen soll.

Als er undercover mit seiner abgebrühten Partnerin Tandra Romano okkulte Sekten infiltriert, fängt unerwartet für ihn selbst ein abartiger Albtraum an: Tandra wird während eines Rituals brutal vor seinen Augen abgeschlachtet, Nathaniel hält man anschließend monatelang in einer winzigen Zelle in Dunkelhaft, er wird allabendlich tätowiert und vergewaltigt.

Knapp mit dem Leben entkommen, doch psychisch wie physisch fürs Leben gezeichnet, muss er bald feststellen, dass er eine Art Galionsfigur der Sekte – der Desperate Angels – geworden ist.

Trotz neuer Identität und Zeugenschutzprogramm heften sich ihm die Desperate Angels und, wie es scheint, auch noch andere Mächte erneut an die Fersen. Der unfassbare Albtraum seines Lebens geht gnadenlos weiter …

E. M. Ross wurde 1962 im Ruhrgebiet geboren. Als Finance Manager war Ross für einen großen amerikanischen Konzern tätig und lebte unter anderem in Frankreich, England, Russland, Singapur, Thailand und China. Im Jahre 2006 kehrte Ross nach Deutschland zurück und wohnt seither im Großraum Frankfurt am Main. „Desperate Angels“ ist Ross’ erster Roman.

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der neue Roman TROJANER von B. Lampe

Erstellt von Bodo-Lampe am 12. Juli 2012

Der Roman spielt an einem schwülwarmen Sommertag in Hamburg. Er hat über 1000 Seiten und beschreibt die Entwicklung verschiedener Bewohner, wobei das Hauptaugenmerk auf der Sprache liegt.


Eine Leseprobe:

Im Raumschiff war es eng und gemütlich. Ein bisschen wie im alten Flottbeker Kino, fand sie, nur dass es hier kein Popcorn gab. Aber bevor sie ihm ein Kompliment wegen der Einrichtung machen konnte, zauberte er eine große Tüte Popcorn aus der Kombüse. Dann flogen sie los. Zuerst ging es nach Alpha Centauri und von dort weiter über Beteigeuze nach Gamma Pegasi. Zwischendurch wurden sie zwar einmal beschossen, aber es war nur ein kleiner Bananenbomber, der keinen großen Schaden anrichtete.
Bei der Landung wurden sie von den Eingeborenen herzlich begrüßt, die die ganze Zeit schon auf sie gewartet hatten. Fanfaren tönten, bunte Luftballons stiegen in den Himmel und die planetaren Nationalfahnen wehten weithin über die Steppe. Sonja bekam einen leichten, herrlich duftenden Blumenkranz umgehängt und durfte ihren neuesten Steptanz vorführen, erst letzte Woche frisch in der Tanzschule gelernt. Leider waren die Eingeborenen, die aussahen wie große fette Hühner, geistig etwas beschränkt und hatten den fremden Usurpatoren, die in glänzenden Rüstungen aus feinstem Niobium-Edelstahl quixotegleich durch die Landschaft stolzierten, nicht viel entgegenzusetzen.
-Darum sind wir hier, sagte ihr Reisegefährte, der sich als Kader Abd el XX7/Y-11 vorgestellt hatte.
Er trug jetzt, wegen des Windes, wie er sagte, einen grünen Filzhut, unter dem sein Schrumpfkopf nicht so auffiel. Gewissenhaft baute er eine große gut geschmierte Maschine zusammen, die aussah wie eine Flugzeugturbine und mit der er die herumirrenden Metallgeschöpfe eins nach dem Anderen ansaugte und zerschredderte. Zwischendurch erwischte er leider manchmal auch ein paar der Hühner, und dann flogen ihre Federn in der Landschaft herum und die Turbine musste kurz angehalten und gesäubert werden, denn organischen Dreck vertrug sie überhaupt nicht.

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DIE GLÄSERNE STADT – Romanauszug (Teil 1) von Christa Kuczinski (sfb-Preisträger Platz 2 im Storywettbewerb 3/2012)

Erstellt von Christa Kuczinski am 12. Juli 2012

DIE GLÄSERNE STADT

Romanauszug

(Teil 1)

von

Christa Kuczinski

1.

Nora war an diesem Abend früh zu Bett gegangen, doch die Kopfschmerzen, die sie über den ganzen Tag hinweg begleitet hatten, ließen sie dennoch nicht zur Ruhe kommen.

Klack, Klack, Klack.

Das immer wiederkehrende Geräusch weckte sie aus ihrem Dämmerschlaf. Nur zögerlich stand sie auf und tappte barfuß zum Fenster hinüber.

Kühle Nachtluft wehte ihr beim Öffnen des Fensterflügels entgegen, ließ sie in ihrem dünnen T-Shirt frösteln und verstärkte das dumpfe Pochen hinter ihrer Stirn.

Wenige Meter unter sich entdeckte sie Josh, der in der Dunkelheit nur schemenhaft zu erkennen war. Er stand auf dem Weg, und war gerade im Begriff einen weiteren Stein in ihre Richtung zu werfen, als er sie bemerkte.

„Ich dachte du würdest schon schlafen.“

Seine Stimme klang merkwürdig gepresst und ließ sie aufhorchen. Um ihn besser sehen zu können, beugte sie sich weiter vor und überging den stechenden Schmerz, der durch ihren Kopf schoss.

„Zumindest lag ich schon im Bett. Was gibt es denn so Wichtiges, das nicht Zeit bis morgen hätte?“

„So wie es aussieht hatten wir beide Recht. Im Arbeiterviertel braut sich tatsächlich etwas zusammen.“

Nora verstand nicht, auf was er hinaus wollte. Was hatten sie mit den Lohnarbeitern zu schaffen und wieso wurde sie den Eindruck nicht los, dass sie darüber Bescheid wissen sollte?

Mit Kopfschmerzen einen Salto rückwärts zu schlagen und darüber nachzudenken, ob ihr in den letzten Tagen etwas entgangen sein könnte, war eine Disziplin in der sie nicht besonders gut war. Danach fragen konnte sie nicht mehr. Das ganze Grundstück wurde von einem gleißenden Licht überflutet.

Irgendwo in der Nähe fiel eine Tür ins Schloss. Hastig trat sie einen Schritt vom Fenster zurück.

„Okay, Zeit zu verschwinden, bevor dein Vater mit seiner Knarre vor meiner Nase herumfuchtelt. Ich werde dich später auf dem Handy anrufen. Pass auf dich auf!“

Für einen kurzen Moment konnte sie sein blasses Gesicht erkennen, der gehetzte Ausdruck in seinen Augen erschreckte sie zutiefst.

Mit gemischten Gefühlen beobachtete sie, wie Josh quer über den gepflegten Rasen rannte und in den Schatten der Hecken eintauchte, die das Anwesen wie eine Mauer umgaben. Behutsam verriegelte sie das Fenster und hoffte, dass ihr Vater nichts von dem nächtlichen Besuch mitbekommen hatte.

Er mochte Josh nicht besonders, schlimmer noch, er hielt ihren Freund für einen Taugenichts, der seine Tochter früher oder später in ernsthafte Schwierigkeiten bringen würde. Seine Ansicht, die jeglicher Grundlage entbehrte, hatte bereits des Öfteren zu einem heftigen Streit zwischen Nora und ihrem Vater geführt. Das Letzte was sie jetzt gebrauchen konnte, war eine weitere Konfrontation mit ihm.

Nora legte ihr eingeschaltetes Handy direkt neben sich auf das Kopfkissen. Doch sie wartete vergeblich auf Joshs Anruf.

Während der Nacht schreckte sie mehrmals aus dem Schlaf, und jedes Mal fühlte sie sich aus den dunklen Ecken ihres Zimmers heraus beobachtet. Irgendwann hielt sie es nicht mehr aus, schaltete die Nachttischlampe ein und ließ sie brennen.

*

Am nächsten Morgen waren ihre Kopfschmerzen zwar verschwunden, doch mit ihnen hatte sich auch die gerahmte Fotografie von Josh, die auf ihrem Nachtisch gestanden hatte, in Luft aufgelöst. Den Verlust bemerkte sie jedoch erst am späten Nachmittag.

Zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung machte sie sich bereits große Sorgen. Josh war weder zum Unterricht erschienen noch über sein Handy telefonisch zu erreichen. Nora hatte ihm unzählige Nachrichten auf seiner Mailbox hinterlassen und bei ihrem letzten Versuch meldete sich eine monotone Computerstimme, die ihr mitteilte, dass die Nummer niemanden zugeordnet werden konnte.

Sein Verhalten am Vorabend und die Tatsache, dass er plötzlich nicht mehr erreichbar war, versetzten sie in Unruhe.

Perplex starrte sie eine gefühlte Ewigkeit auf die leere Stelle neben ihrem Wecker.

Ihre erste Annahme, dass einer der Hausangestellten das Foto versehentlich an einen anderen Platz gestellt haben könnte, zerschlug sich, da ihr Zimmer aufgeräumt und somit überschaubar war. Als sie das Bild weder im Bücherregal noch auf dem Schreibtisch entdeckte, richtete sich ihr Verdacht gegen ihren Vater. Scheinbar war ihm das nächtliche Date doch nicht verborgen geblieben. Normalerweise war ihr Vater jemand, der offen aussprach, was ihn störte. Einen solch cleveren Schachzug, die Fotografie zu entwenden, nur um Nora auf diese Weise aus der Reserve zu locken, hätte sie ihm niemals zugetraut.

Selbst auf die Gefahr hin eine Diskussion auszulösen, blieb ihr nichts anderes übrig, als ihn zur Rede zu stellen.

Sie lief die gewundene Marmortreppe hinunter, übersprang die beiden letzten Stufen und rannte durch die lichtdurchflutete Empfangshalle. Eine Ledersitzgruppe, der dazugehörige Glastisch und ein dunkler Perserteppich, der einen Großteil des Steinbodens bedeckte, erweckte den Anschein von Gemütlichkeit.

Hinter einer der zahlreichen geschlossenen Türen erklang geschäftiges Klappern von Geschirr und die gedämpften Stimmen der Angestellten. Die Vorbereitungen für das Abendessen waren bereits im vollem Gange, doch Nora empfand alles andere als Hunger.

Sie hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, den Blick auf die Ahnengalerie zu meiden. Die eindrucksvollen Porträts ihrer Vorfahren, die mit zeitlosen, strengen Mienen den Saal bis in den letzten Winkel auszuspähen schienen, riefen in ihr seit jeher einen starken Widerwillen hervor.

Nora versuchte ihren Unmut zu unterdrücken und verlangsamte ihre Schritte.

Das Büro ihres Vaters lag der Treppe direkt gegenüber. Die Tür war wider erwarten geschlossen, obwohl zu dieser Zeit die offizielle Sprechstunde längst vorüber war.

Nach kurzem Anklopfen betrat sie den Raum und blieb direkt an der Tür stehen.

Wie immer saß ihr Vater hinter Stapeln von Aktenordnern, und blickte erst auf, als sie wiederholt ungeduldig hüstelte. An seinem Gesichtsausdruck konnte sie erkennen, dass er sich gestört fühlte. Sein halbherziges Lächeln erwiderte sie sehr verhalten.

„Hallo! Schön dich auch mal wieder zu Gesicht zu bekommen.“

Nora verstand die Welt nicht mehr.

Erst gestern hatte sie mit ihrem Vater zu Abend gegessen. Ihre gemeinsamen und überaus schweigsamen Mahlzeiten beschränkten sich ausschließlich auf die Abendstunden und selbst dann aß Nora oftmals alleine in der Küche.

War es möglich, dass der heftige Kopfschmerz des gestrigen Tages bei ihr zu einer vorübergehenden Amnesie geführt hatte?

Da sie sich nicht sicher war, ignorierte sie den fragenden Blick ihres Vaters und kam gleich zur Sache.

„Könnte es sein, dass du das Foto von Josh, das auf meinem Nachtisch stand, an dich genommen hast?“

Das ihrer Meinung nach passendere Wort entwendet, verkniff sie sich gerade noch rechtzeitig.

„Seit wann steht ein Bild auf deinem Nachtisch und wer ist Josh?“

Nora verschlug es die Sprache.

Ihr Vater saß in seinem maßgeschneiderten, schwarzen Anzug, der ebenso perfekt wirkte wie alles an ihm, völlig entspannt in seinem Bürosessel und benahm sich, als wüsste er tatsächlich nicht, was sie meinte. Schlimmer noch, als würde es Josh gar nicht geben.

Irritiert über sein merkwürdiges Verhalten strich sich Nora eine ihrer langen, roten Haarsträhnen hinter das Ohr und blinzelte hektisch.

„Ich bin mir darüber im Klaren, dass du ihn nicht magst, aber das geht nun wirklich zu weit. Könntest du deinen absonderlichen Humor für jemand anderen aufheben und mir meine Frage beantworten?“

Seine unerwartete Reaktion auf ihre Streitlust brachte sie vollends aus dem Konzept. Normalerweise wäre jetzt der Zeitpunkt gewesen, an dem ihr Vater sie barsch zurechtgewiesen hätte. Stattdessen warf er ihr einen langen, nachdenklichen Blick zu und forderte sie mit einer einladenden Geste auf, ihm gegenüber Platz zu nehmen. Gerade so, als sei sie eine seiner stinkreichen Klienten, die es zu beschwichtigen galt, und nicht seine Tochter, die wutschnaubend an der Tür stand und eine simple Antwort verlangte. Geflissentlich übersah sie sein fragwürdiges Angebot und blieb, wo sie war.

„Kind, ich weiß wirklich nicht, worüber du dich so aufregst. Geht es dir nicht gut? Vielleicht sollte ich Dr. Faller anrufen. Wie ich aus den Nachrichten erfahren habe, grassiert zurzeit ein hartnäckiger Virus …“

Entgeistert verfolgte sie, wie die Hand ihres Vaters zum Telefon ging. Das beklemmende Gefühl, das sie bereits den ganzen Tag begleitete, verstärkte sich zusehends.

„Äh, nein, lass nur. Ich bin nur müde und deshalb etwas durcheinander.“

Nora flüchtete zurück in die Empfangshalle. Das dringende Bedürfnis laut zu schreien schnürte ihr die Kehle zu.

Dr. Faller war doch tot! Erst vor drei Wochen hatte sie, wenn auch nur widerwillig, mit ihrem Vater an dessen Beerdigung teilgenommen.

Der Hysterie nahe hastete sie unter den strafenden Blicken ihrer Ahnen die Treppenstufen hinauf. Rannte durch den langen Flur in ihr Zimmer, und warf die Tür mit einem lauten Knall hinter sich zu.

Sie musste unbedingt wissen, ob ihre Befürchtung, die sich wie eine beängstigende Wand in ihrem Kopf aufbaute und ihr den nüchternen Blick auf die zurückliegenden Ereignisse versperrte, der Wahrheit entsprach.

Nachdem ihr Computer betriebsbereit war, öffnete sie die Bildergalerie, mit ihren persönlichen Fotos. Mit Entsetzen stellte Nora fest, dass alle Aufnahmen auf denen Josh zu sehen war, nicht nur aus der Sammlung verschwunden, sondern anscheinend von der Festplatte gelöscht worden waren. Tränen der Wut und der Ohnmacht pulsierten hinter ihren Augenlidern und nahmen ihr die Sicht.

Hektisch loggte sie sich ins Internet ein und suchte nach der Facebook-Seite ihres Freundes.

Wie befürchtet, war diese ebenfalls nicht mehr auffindbar.

Mittlerweile panisch, wechselte sie auf ihre eigene Seite, die glücklicherweise dort war, wo sie hingehörte. Mit fliegenden Fingern hämmerte sie auf die Tastatur ein, schrieb eine kurze Anfrage und schickte diese an ihre Freunde. Ihren Blick starr auf den Bildschirm gerichtet, wartete Nora auf die ersten Rückmeldungen, die ihre düsteren Vorahnungen bestätigten.

Wie es aussah hatte sich ihr Vater keinen makaberen Scherz mit ihr erlaubt. Nicht nur er, auch ihr kompletter Freundeskreis, der Josh ebenfalls bestens kannte, reagierte mit völligem Unverständnis auf ihre Frage, wann sie ihn das letzte Mal gesehen hatten. Nicht einer von ihnen ließ erkennen, dass es Josh jemals gegeben hatte. Niemand erinnerte sich an ihn!

War etwa sie diejenige, die langsam verrückt wurde?

Zum ersten Mal kam ihr der schreckliche Gedanke, dass es durchaus im Bereich des Möglichen lag, dass sie sich, wie ihr Vater andeutete, einen grässlichen Virus eingefangen hatte. Die heftigen Kopfschmerzen ebenso wie ihre momentane Verwirrtheit könnten darauf hindeuten.

*

Sie stand kurz davor genau das zu glauben, doch ein zufälliger Blick auf das Bücherregal, änderte ihre Meinung.

Ihre Hand glitt die Reihen der Buchrücken entlang und stoppte bei einem schmalen, unscheinbaren Band. Seit jeher hatte sie ein Faible für die Architektur dieser Stadt. Josh wusste als Einziger von ihrer heimlichen Passion und hatte ihr erst vor einigen Monaten, dieses Buch zugesteckt. Ihre Handflächen wurden feucht, als sie das Buch aus dem Regal nahm und den Umschlag entfernte. In der oberen, rechten Ecke befanden sich die eingestanzten Initialen: N. und J.

Die Buchstaben verschwammen vor ihren Augen. Sie umklammerte den Bildband, als könnte er sich ebenfalls jeden Moment in Luft auflösen.

Endlich hatte sie den Beweis, dass mit ihr alles in bester Ordnung war und gleichzeitig die Gewissheit, dass etwas Schreckliches mit den Menschen in ihrer Umgebung passierte.

Ihr Freund, der seine Nase mit Vorliebe in Dinge steckte, die ihn nichts angingen, musste auf irgendeine Weise an bestimmte Informationen gekommen sein. Er hatte Nora warnen wollen und war seltsamerweise davon ausgegangen, dass sie darüber Bescheid wusste. Doch was genau war es, was sie scheinbar vergessen hatte?

Dass sie sich plötzlich nicht mehr daran erinnerte, bereitete ihr wahnsinnige Angst. Der einzige Hinweis über Joshs momentanen Aufenthaltsort, führte sie mitten in den fragwürdigsten Teil der Stadt.

2.

Zahlreiche Einwohner strömten wie ein Bienenschwarm aus ihren Wohneinheiten und schlossen sich stillschweigend einer wachsenden Menschentraube an. Offenbar bemühten sich die Menschen leise zu sein und nur ab und zu war ein Flüstern zu hören. Irgendwie fand es Nora gespenstisch, den stillen, fast apathisch wirkenden Menschen zu folgen. Als eine kleine Gruppe in eine Seitengasse abbog, schloss sie sich ihr an und achtete darauf, Abstand zu halten und niemandem zu nahe zu kommen. Zum ersten Mal befand sie sich in diesem heruntergekommenen Stadtviertel mitten unter namenlose Arbeitern, über die ihr Vater so abschätzig sprach.

Nora hatte seine Warnungen vor diesen fragwürdigen Gestalten stets beachtet und sich von diesem Bezirk ferngehalten. Es hatte für sie bisher auch keinen Grund gegeben sich mit diesem Gesindel abzugeben.

Doch nun war sie verzweifelt. Das plötzliche Verschwinden ihres Freundes Josh und die Tatsache, dass sich niemand mehr an ihn zu erinnern schien, ließen Noras Ängste gegenüber diesen Menschen in den Hintergrund treten.

Wie konnte jemand einfach so aus den Erinnerungen der ihm nahestehenden Personen verschwinden? Wie konnte er einfach weg sein und weshalb war sie die Einzige, die noch an ihn dachte?

Sie musste unbedingt herausfinden, was sich hinter all diesen Andeutungen und seltsamen Vorkommnissen verbarg. Und vor allem musste sie Josh wiederfinden!

Etwas streifte ihren Arm und riss Nora abrupt aus ihren trüben Gedanken. Automatisch wich sie aus, strauchelte und wäre fast mit jemandem zusammengestoßen.

Obwohl sie einen schlichten, dunklen Umhang trug und ihre roten Haare unter der Kapuze verbarg, hatte sie die Leute, die sich in ihrer unmittelbaren Nähe aufhielten, nicht lange täuschen können. Ihr blasser Teint und ihre zwei blau – grünen Augen verrieten eindeutig ihre Herkunft. Die überraschten und mitunter misstrauischen Blicke der Vorbeieilenden verstärkten Noras Drang, dieses düstere Stadtviertel so schnell wie möglich zu verlassen um in ihre gewohnte Umgebung zurückzukehren.

Doch ohne plausible Antworten auf all ihre Fragen, die ihr nur eine einzige Person geben konnte, würde sie nicht umkehren.

Endlich hatte sie das Ende der Gasse erreicht. Vor ihr breitete sich der Marktplatz aus, der trotz seiner beeindruckenden Größe überfüllt war. Erste schwache Sonnenstrahlen drangen durch die aufreißende Wolkendecke und dennoch lag eine bleierne Schwere über dem Platz.

Anstelle der von ihr erwarteten überladenen Obst- und Gemüsestände gab es vereinzelt, nachlässig zusammengeschobene Kisten, in denen nur wenige Frischwaren angeboten wurden. Einige der Holzkisten dienten sogar als Sitzgelegenheit, wie Nora überrascht feststellte.

Es musste einen weiteren Grund geben, warum die Menschen sich ausgerechnet an diesem trostlosen Ort eingefunden hatten.

Einige blieben vor den provisorischen Ständen stehen, andere formierten sich zu großen Gruppen. Und wie zuvor wurde nur geflüstert, als hätten die Menschen Angst ihre Meinungen frei zu äußern. Sie schlich zwischen ihnen umher und musterte sie so unauffällig wie möglich.

Je länger Nora jedoch ziellos umherstreifte, umso nervöser wurde sie.

Plötzlich bekam das Wort Paranoia eine völlig neue Bedeutung. Inzwischen glaubte sie unzählige, feindselige Blicke auf sich gerichtet zu spüren, die jede ihrer Bewegungen kontrollierten und nur darauf lauerten, dass sie einen Fehler beging.

Sie stand kurz davor ihre Suche abzubrechen und in eine der Seitengassen zu flüchten. Dass sie Josh innerhalb einer Ansammlung verwahrloster Gestalten erspähte, war reiner Zufall. Tränen der Erleichterung schossen ihr in die Augen, die sie nur mit Mühe zurückhalten konnte. Dem Gefühl der Befreiung folgte Verunsicherung.

Jetzt, da sie ihn endlich gefunden hatte, zögerte sie plötzlich, sich ihm gegenüber zu erkennen zu geben.

Josh wirkte verändert, er strahlte etwas Neues, Befremdliches aus. Ebenso wie die Anderen trug auch er schmutzige, zerschlissene Kleidung. Die ehemals gepflegten, schwarzen Haare standen ihm wirr vom Kopf ab und seine normalerweise gebräunte Haut wies einen ungesunden Grauton auf.

Unschlüssig verfolgte sie jede seiner Bewegungen, die ihr vertraut waren.

Während sich Josh seinen Weg zwischen den Menschen hindurch bahnte, bildeten die Leute fast schlafwandlerisch vor ihm eine schmale Gasse, die sich direkt hinter ihm wieder schloss. Niemand schien bewusst auf den jungen Mann zu reagieren oder ihn überhaupt wahrzunehmen.

Und plötzlich begriff sie. Niemand außer ihr konnte ihn sehen!

Schockiert über diese Erkenntnis, zog Nora die Kapuze vom Kopf, hielt inne bis sie sicher war, dass ihr Freund sie entdeckt hatte, und verschwand unauffällig im Schutz eines zurückgesetzten, düsteren Hauseingangs.

(wird fortgesetzt!)

Copyright (C) 2012 by Christa Kuczinski

Bildrechte: Coverillustration “Evolution. – Menschheitsgeschichten” (http://www.chaosrigger.org/pixel02/upload/2011/02/06/20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Cyborgs01-89-minus-114-minus54.jpg ” (Originaltitel: 20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Buchtipp der Redaktion:

Jänchen, Heidrun
Willkommen auf Aurora

Verlag :      Wurdack Verlag
ISBN :      978-3-938065-80-8
Einband :      Paperback
Preisinfo :      14,95 Eur[D] / 15,40 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Seiten/Umfang :      320 S. – 21,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 01.02.2012
Gewicht :      393 g
Aus der Reihe :      SF-Reihe 16

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»Ist das ihr Sohn?« Der Zollbeamte deutete auf das Kinderbett.

Maria nickte.

»Wir müssen ihn wegen Verstoßes gegen das Gesetz zum Schutze geistigen Eigentums beschlagnahmen. Er enthält die Gensequenz G93s4 und verstößt damit gegen das Patent WO 91174901. Über die eventuelle Vernichtung entscheidet der Patentinhaber.«

Sie sind Soldaten, Bergleute, Leihkörper, Piloten, Ärzte und Polizisten. Sie haben das Kleingedruckte nicht gelesen, verlieben sich zur Unzeit, verfügen über eine völlig unnütze Resistenz gegen Maiszünsler oder hören die Gedanken anderer Menschen. Sie stecken bis zum Hals in Ärger, und sie haben eines gemeinsam: Sie finden sich nicht damit ab.

In 17 Storys erzählt Kurd Laßwitz Preisträgerin Heidrun Jänchen, was aus der Welt werden könnte, wenn wir einfach so weitermachen – und was man dagegen tun kann.

Heidrun Jänchen wurde 1965 im Landkreis Karl-Marx-Stadt geboren. Sie studierte in Jena Physik und promovierte auf dem Gebiet der Dünnschichtoptik. Seither arbeitet sie als Optikentwicklerin.

Ihre erste Buchveröffentlichung hatte sie 1983 mit einem Gedicht. Nach einem Theaterstück und einem Krimi-Drehbuch folgten zwei Fantasy- und ein Science-Fiction-Roman. Science-Fiction-Storys erschienen seit 2003 bei Wurdack, Shayol, NOVA und in der Computerzeitschrift c’t.

Die Autorin arbeitete am futurologischen iknow-Projekt der EU mit, das sich mit Wild Cards, nicht sehr wahrscheinlichen, aber potenziell folgenschweren Ereignissen, beschäftigte.

Seit 2003 betreut sie mit Armin Rößler und Dieter Schmitt die Science Fiction-Reihe des Wurdack Verlags.

Kurd Laßwitz Preis für die beste Kurzgeschichte 2009, darüber hinaus achtzehn Nominierungen für den Deutschen Science Fiction Preis, Kurd Laßwitz Preis und Deutschen Phantastik Preis.

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