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Literatur-Blog

Archiv für Juni 22nd, 2012

DIE VIERTE GEWALT IM STAAT – Ein kritischer Kommentar von Yvonne Rheinganz

Erstellt von Yvonne Rheinganz am 22. Juni 2012

DIE VIERTE GEWALT IM STAAT

Ein kritischer Kommentar

von Yvonne Rheinganz

Ab und an überfällt einen die Erkenntnis, dass die Medien nicht ganz so objektiv berichten, wie man es im Allgemeinen zu wagen hofft.  Bisher hielt ich es so, dass ich dem Fernsehen keinen Glauben schenkte, aber dennoch etwas Vertrauen in die Printmedien besaß. Zwar nahm ich den Niedergang unseres Regionalblattes kritisch zur Kenntnis, ließ mich aber immer wieder dazu verführen ihm Glauben zu schenken. Da ich ein Mensch bin, der seine Meinung nur schwerlich für sich behalten kann, landete ich mit einem Kommentar zum Thema Zweitwohnsitzsteuer in dieser Zeitung. Leider vollkommen falsch zitiert. Zwar ärgerte ich mich etwas darüber, zumal der Kommentar mit Bild abgedruckt war, aber ich kehrte unserer Zeitung immer noch nicht den Rücken zu.

Seit dieser Woche traue ich unserer Zeitung nun nicht mehr weiter über den Weg, als ich meine Waschmaschine werfen kann. Einmal falsch zitieren schön und gut, ein zweites Mal war mir dann doch zu viel.

Nach einer studentischen Aktion unter dem Titel “Demokratie wagen – Transparenz zeigen”, bei der kurzzeitig die Hambacher Gespräche unterbrochen wurden, wurde eine ganze Gruppe von Studenten interviewt, darunter auch, wer hätte es gedacht, ich.

Der Reporter schien sehr interessiert, notierte sich seitenweise unsere Meinungen, Zitate und Hintergründe zur Aktion. Auch übersandten wir ihm unseren Pressebericht zur Aktion, bei dem wirklich alle Hintergründe und Forderungen dargestellt waren.

Der Bericht übertraf dann meine kühnsten Erwartungen, leider im negativen Sinne. Dies lag nicht nur daran, dass Hintergründe nicht tiefgreifend recherchiert waren, sondern auch daran, dass vollkommen sinnentstellt zitiert wurde.

So wurde aus meinem Kommentar, dass vor allem die Geisteswissenschaften von Kürzungen betroffen seien, weil dort keine Drittmittel zu erwarten wären, hingegen die Fächer, in denen gut Drittmittel akquiriert werden können nicht von Kürzungen betroffen seien vollkommen fehlerhaft verkürzt. Ich konnte dann folgendes Zitat von mir in der Zeitung lesen: “In den Geisteswissenschaften wir[d] ganz massiv gekürzt”, weiß die Studentin der Grundschulpädagogik Yvonne Rheinganz, “außer bei Drittmittelprojekten, dort bleibt alles beim [A]alten.”.

Man beachte an dieser Stelle auch die Rechtschreibfehler im Zitat, ich wünschte man hätte hier wenigstens nicht am Lektorat gespart.

So etwas lässt mich sprachlos zurück. Ich schreibe es einfach der konservativen Einstellungen unserer örtlichen Regionalzeitung zu. Und streiche nun auch die Zeitungen von der Liste der Medien, denen ich Vertrauen schenke. Dabei habe ich bisher schon immer fünf Artikel aus unterschiedlichen Zeitungen gelesen, um mich über ein und dasselbe Thema zu informieren. Schließlich hat jede Zeitung ihren Kundenstamm.

Was aber tun, wenn es eben nur einen Artikel zum Thema gibt?

Da hilft nur eins: Man wird zum Blogger.

In diesem Sinne: viel Spaß mit eurer örtlichen Zeitung.

© 2012 Yvonne Rheinganz

Kaufempfehlung der Autorin:

Arnsfeld, Andreas
Medien – Politik – Gesellschaft

Aspekte ihrer Wechselwirkungen unter dem Stichwort Politainment

ISBN :      978-3-8288-8920-0
Einband :      kartoniert
Preisinfo : 24,90 Eur[D]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Seiten/Umfang :      188 S.
Erscheinungsdatum :   2011

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Inhalt:

Politik wird heute vom Publikum fast ausschließlich medial erfahren. Es ist die Rede von einer “Talkshowisierung” des Politischen. Medien und Politik befinden sich in einem Verhältnis wechselseitiger Abhängigkeiten, das beide Seiten anfällig macht: den Politiker für eine Instrumentalisierung der Medien und den Journalisten für die Rolle als Mitpolitiker ohne Mandat. Gleichzeitig nehmen die Politikverdrossenheit und das Desinteresse des Bürgers zu. Trägt das Politainment, also die politische Unterhaltung beziehungsweise die unterhaltende Politik, eine Mitschuld an dieser Entwicklung? Oder ist das Politainment sogar geeignet, den Zugang zur politischen Welt zu ebnen? Andreas Arnsfeld geht diesen und weiteren Fragen nach. Insbesondere den Fragen, wie sich Medien, Politik und Gesellschaft gegenseitig beeinflussen und welche Folgen aus diesen Wechselbeziehungen erwachsen. Außerdem beschreibt er die vielseitigen Wege und Hindernisse der Politikvermittlung. Er sagt grundlegendes zur Rolle der Medien in der Demokratie und zu den Präsentationsweisen von Politik im Fernsehen. Im Buch werden Inszenierungsvarianten und der Prozess der Imagebildung von Spitzenpolitikern geschildert. Die Formen des Politainment werden anhand von Beispielen aus Fernsehserien, Talkshows, inszenierten Parteitagen und Wahlkämpfen gezeigt.

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TriBall – Eine moderne Variante des Fußballspieles

Erstellt von Galaxykarl am 22. Juni 2012

TriBall
Eine moderne Variante des Fußballspieles

Kurzfassung
• Dreieckiges Spielfeld
• Drei Mannschaften
• Drei Spieldrittel

Mir kam die Idee, als ich für einen Science-Fiction-Roman in relativ naher Zukunft über eine moderne Variante des Fußballspieles nachdachte. Plötzlich fand ich das klassische Rechteckfeld ziemlich langweilig und auch das ewige Hin und Her zwischen den Kontrahenten in vielen erlebten Spielen ermüdend. Wenn eine der Mannschaften „hinten dicht macht“, wird es erst recht öde. Also warum nicht ein Dreieck?

Ich will hier kein komplettes Regelwerk erstellen, aber nach einigem Nachdenken kommt man rasch auf Vorteile dieses Konzeptes und logische neue Spielelemente (s. u.).
• Selbstverständlich gibt es nur einen Ball, auch wenn der Name vielleicht drei Bälle suggeriert.
• Alle drei Mannschaften spielen gegeneinander, sozusagen „Jeder gegen Jeden“. Bündnisse „Zwei gegen Einen“ gibt es nicht.*
• Die klassischen 2 x 45 min. teilen sich in 3 x 30 min. auf; also drei Spieldrittel ähnlich wie beim Eishockey. Es ändert sich also nichts an der gewohnten Gesamtspielzeit.**
• Die Mannschaftsstärke von 11 Spielern reduziert sich auf 7 Spieler pro Mannschaft.***
• Aufgrund der Spielfeldform entfällt der Eckball.

Warum das alles?

Es kommen zwei neue – und wie ich finde – äußerst interessante Spielelemente zum Einsatz:
• Der „Bluff“: Die Mannschaft im Ballbesitz kann ein bestimmtes Tor anstürmen und plötzlich das zweite gegnerische Tor angreifen. Dies bedeutet schlichtweg, dass nicht nur der angegriffene Gegner aufpassen und eine Abwehr aufbauen muss, sondern auch die dritte Mannschaft, die scheinbar nicht angegriffen wird.
• Der „lachende Dritte“. Zwei Mannschaften beharken sich und achten nicht auf Spieler der dritten Mannschaft. Die schnappt sich den Ball, stößt in die freiwerdenden Räume und macht ein Tor.****

*zu Bündnissen … oder böse gesagt: Korruption, Absprachen vor dem Spiel:
Niemand kann Korruption verhindern, weder jetzt oder in der Zukunft. Sollte eine oder zwei Mannschaften – vielleicht auch nur einzelne Spieler – dabei erwischt werden (mit welchen Beweisen auch immer) werden ihr natürlich die Punkte aberkannt oder sie werden ggf. aus dem Turnier geworfen.

**zu Spieldritteln:
Ich bin der Meinung, dass es ein deutlich schnelleres Spiel werden würde. Das enge Dreieck am eigenen Tor macht es zwar leicht zu „mauern“. Aber wer mauert, schießt auch kein Tor! Also wird Mauern als Spielkonzept rasch verschwinden, zumindest deutlich weniger oft angewendet werden. Um dem höheren Laufpensum der Spieler Rechnung zu tragen, gibt es also zwei Pausen.

***zur Mannschaftsgröße:
Aktuell stehen 22 Mann auf dem Spielfeld. In meiner Variante sind es sogar einer weniger. Eine höhere Spielerzahl würde nur Chaos verursachen. Vor allem zwingt es eine angreifende Mannschaft Räume freizumachen, welche den Gegnern (Plural!) Konter ermöglicht. Ein Ausgleich – um als Verteidiger nicht völlig chancenlos dazustehen -, ergibt sich durch die Verengung des zu verteidigenden Raumes vor dem Tor.

****zu Toren:
Jedes erzielte Tor zählt, ob nun gegen Gegner B oder C erzielt.

Auch für das Publikum gibt es einen weiteren massiven Vorteil: Die neuen dreieckigen Stadien erlauben es den Zuschauern, viel näher am Geschehen zu sitzen und sie müssen nicht von einem weit entfernten Ende zu anderen schauen.

Selbst Vorteile wirtschaftlicher Natur gibt es: In den beiden Pausen kann man entweder zwei Werbeblöcke oder einen Werbeblock und einen Infoblock platzieren.

Aufruf:
Ich freue mich auf eine rege Diskussion mit allen Fußballbegeisterten (die sich jetzt zur EM häufiger finden werden, als sonst übers Jahr) und alle echten und gerne auch selbst ernannten (wie mich) Fußballstrategen. Feilt am Konzept, denkt über Spielzüge nach, über jede einzelne Variante. Vielleicht ergibt sich sozusagen ein Open-Source des Regelwerkes.

Ich habe tatsächlich eine Sekunde über eine Rechtesicherung nachgedacht, hab aber keine Ahnung, ob man sich so eine Spielidee, so ein Konzept überhaupt schützen lassen kann. Also werde ich mich damit begnügen müssen, dass ich vielleicht als „Vater des TriBall“ in die Sportgeschichte eingehe, hahahaha.

Copyright © 2012 by Werner Karl

Buchtipp zum Thema

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DAS LETZTE ZEICHEN – Leseprobe (Teil 1) aus dem gleichnamigen Roman von Gemma Malley

Erstellt von Detlef Hedderich am 22. Juni 2012

DAS LETZTE ZEICHEN

Leseprobe (Teil 1)

aus dem gleichnamigen Roman

von

Gemma Malley

Augen und Nase verklebt von Dreck und Staub. Sie ringt nach Atem. Eine Hand schließt sich um die ihre, zieht sie weiter, beruhigt sie. Aus Versehen bleibt sie an einem Stein hängen und fällt hin; sie knallt mit dem Gesicht auf den Boden. Sie hebt den Kopf und fährt sich über die Stirn – an ihrem Handrücken ist Blut. Ihre Lippen beben, aber noch bevor die Tränen kommen, wird sie hochgehoben. Ihre Arme legen sich um einen vertrauten Nacken und es geht weiter.

Sein rhythmisch schwingender Gang beruhigt sie. Sie fühlt sich geborgen. Sein Körper ist warm. Sie schmiegt sich an ihn. Sie kann ihn riechen – Schweiß, Hunger, Entschlossenheit, Liebe. »Wir sind bald da«, murmelt er ihr ins Ohr.

»Wir sind bald da, mein Liebling.«

Sie schließt die Augen, und als sie sie wieder öffnet, ist sie woanders, an einem sonnigen Ort mit grünem Gras, und im hellen Licht muss sie die Augen zusammenkneifen. Ein Gesicht beugt sich über sie. Sie lächelt und streckt die Hand aus. »Wir haben es geschafft, mein Liebling«, murmelt er. »Wir sind da …«

Evie öffnete die Augen und setzte sich kerzengerade auf. Sie hatte wieder einen Albtraum gehabt – er war so lebendig gewesen, dass sie sich kurz umblicken und sich vergewissern musste, dass sie allein war und im Bett lag. Natürlich lag sie im Bett.

Schnell kniete sie sich davor hin und flüsterte: »Ich reinige meinen Geist von schlimmen Gedanken. Ich reinige mein Gehirn vom Bösen. Ich schaue auf das Gute, ich stärke meine Seele, ich kämpfe gegen die Dämonen, die mich Tag und Nacht umkreisen. Ich bin stark. Ich bin gut. Ich bin in Sicherheit. Ich bin beschützt und Beschützerin zugleich.«

Fünf Mal sprach sie dieses Mantra. Sie verdrängte die Tatsache, dass ihre Laken schweißnass waren, und ging in das kleine Badezimmer nebenan, das einzige im ganzen Haus – wozu sollte mehr als eines auch gut sein? –, duschte kalt und wusch sich, wusch den Geruch des Mannes ab, der sie gehalten hatte. Dessen Gesicht sie nie sah, obwohl sie wusste, wer es war. Jede Nacht ging sie zu Bett und sagte sich, dass sie ihn nicht mehr sehen würde; und jede Nacht scheiterte sie mit ihrem Vorsatz, erwachte am Morgen voller Angst und sehnte sich danach, sich von alldem reinzuwaschen, um wieder so zu sein wie alle anderen, wieder gut zu sein – nicht geplagt von Albträumen, die sie ausgrenzten als fremd und gefährlich.

Dabei fühlten sie sich überhaupt nicht an wie Albträume. Nicht dunkel oder schaurig waren sie, sondern warm und voller Freude.

Aber das machte es nur noch schlimmer.

Sie war verderbt. Davon war sie überzeugt. Der Mann stand für das Böse in ihr. Er führte sie in Versuchung, das Gute zurückzuweisen; ihre Mutter hatte ihr das gesagt. Er war böse, und dass sie sich nach ihm sehnte, war ein Zeichen dafür, dass sie schwach war. Sie war eine Versagerin, verderbt und gefährlich. Doch sie  konnte dagegen ankämpfen, wenn sie es wirklich wollte. Das hatte ihre Mutter gesagt – aber immer mit dem vorwurfsvollen Unterton, dass sie  sich  nicht genügend bemühte, dass sie  selbst schuld war an diesen Träumen und dass sie diesen Weg höchstwahrscheinlich selbst gewählt hatte.

Deshalb war Evie erleichtert, dass ihre Mutter schon eifrig in der Küche werkelte, als sie am Morgen in die Küche kam. Auf dem Herd blubberte der Haferbrei und ihre Mutter schrubbte die Arbeitsflächen. Geschäftigkeit, Sauberkeit im Denken und im Handeln; Keuschheit, Barmherzigkeit und Ordnung – das war der Pfad der Tugend, so musste man sein Leben führen. Ihre Mutter war der Inbegriff von Tugend und wurde vom Bruder oft genug dafür gepriesen. Eine gute Frau, sagte er dann mit einem Seitenblick auf Evie und schüttelte kaum merklich den Kopf.

Mit einem Nicken zu Evies Platz stellte die Mutter eine dampfende Schale auf den Tisch  und machte sich sofort wieder an die Arbeit. »Es ist gleich sieben«, sagte sie unvermittelt. »Du musst dich beeilen.« Sie ging wieder zum Herd, dann drehte sich noch einmal um. »Du … hast im Schlaf wieder laut geschrien.« Ihre Stimme war plötzlich ganz kalt.

Evies Herz hämmerte heftig. Ihre Mutter hatte sie gehört. Sie wusste es.

Ihre Blicke trafen sich, und mit einem Mal hatte Evie das seltsame, aber ganz starke Bedürfnis, ihre Ängste zu teilen und ihrer Mutter alles zu erzählen, sich von ihr trösten und beruhigen zu lassen. Wenn sie die Arme um Evie legte, dann wäre es vielleicht wie in diesem Kokon, der sie im Traum so wunderbar berauschend und vollkommen umhüllt hatte. Aber das würde nie geschehen. Ihre Mutter würde sie nie verstehen, sie nie beruhigen. Sie würde ihr Urteil fällen und ihrer Tochter die Schuld geben. Und das völlig zu Recht.

»Ich …«, stotterte Evie. »Ich …«

»Du  musst das abstellen, Evie«, sagte ihre Mutter barsch. »Du musst gegen deine schlechten Neigungen ankämpfen. Vergiss nicht, dass du trotz allem einen guten Job und die Aussicht auf eine vorteilhafte Heirat hast. Wie willst du heiraten, wenn du im Schlaf schreist? Werden die Leute noch Achtung vor dir haben, wenn das herauskommt? Was werden sie von uns denken? Was werden sie sagen?«

»Dabei lese ich doch ständig die Betrachtungen«, erwiderte Evie  gequält. Sie biss sich auf die Unterlippe und fuhr mit der Hand unwillkürlich den Umriss der kleinen Narbe an ihrer rechten Schläfe nach, als müsste sie sich vergewissern.

Ihre Mutter nickte und verzog das Gesicht. Mit einem langen Seufzer meinte sie: »Die Betrachtungen zu lesen, reicht nicht. Du hast diese Träume, weil du sie zulässt.« Ihre Augen wurden schmal. »Weil du sie hereinlässt. Daran sieht man, wie schwach du bist. Einbildungskraft birgt die Veranlagung zum Lügen, Evie, eine Neigung, die Welt nicht so sehen zu wollen, wie sie ist. Du solltest dich wirklich vorsehen. Aber jetzt iss erst einmal deinen Haferbrei. Kein Grund, wertvolle Nahrung zu verschwenden.«

Evie nahm einen Löffel voll, aber der Brei kam ihr vor wie Pappe, ein Fremdkörper in ihrem Mund. Ihre Mutter hatte recht, obwohl sie eigentlich so gut wie nichts wusste. Ja, sie war schwach. Sie war abartig. Sie kaute auf dem Haferbrei herum und versuchte, ihn hinunterzuschlucken, aber es ging nicht. Es war, als würde ihr Magen ihn zurückweisen, als wüsste er, dass sie es nicht verdiente.

Auch ihrem Magen gelang es nicht, die Regeln der Stadt ordentlich zu befolgen, dachte sie bedrückt. Regeln für ein gutes Leben. Regeln, denen sich alle vorbehaltlos unterwarfen. Verschwende keine Nahrung. Lass keine Gefühle in deinem Herzen zu, denn sie sind das Tor zum Bösen. Streng dich an, halte dich an die Regeln, gehorche deinen Eltern, stell keine Fragen, hör auf den Bruder und beherzige seine Lehren, akzeptiere deinen Rang, aber strebe danach, ihn zu verbessern, hüte dich vor dem Bösen, denn es ist schädlich und hinterhältig, es ruht nie, und wenn es erst von dir Besitz ergreift, lässt es dich nie wieder los … Für die anderen war das alles so einfach, so klar, aber Evie empfand die Regeln wie eine Zwangsjacke, die ihren Geist und ihren Körper in eine unnatürliche Haltung zwang. Und sie konnte sich das nur damit erklären, dass das Böse bereits von ihr Besitz ergriffen hatte, und dass das Böse in ihr die Regeln ablehnte, obwohl sie doch zu ihrem eigenen Schutz und zum Schutz aller aufgestellt worden waren.

Verzagt legte sie den Löffel hin und schob die Schale von sich. Ihre Mutter warf ihr einen langen, eindringlichen Blick zu und meinte schließlich mit einem Achselzucken:

»Du gehst jetzt besser los, damit du nicht zu spät zur Arbeit kommst.«

Evie schlich aus der Küche, putzte sich die Zähne und zog einen dünnen Mantel über. Wie immer ging sie zu Fuß zur Arbeit. Sie würde noch härter arbeiten, nahm sie sich vor und schritt energisch aus. Zerstörerische Gedanken würde sie nicht mehr zulassen. Sie würde ein besserer Mensch werden. Sie würde die Regeln der Stadt befolgen, auch wenn sie sich davon gegängelt fühlte. Sie würde sich danach richten, gerade weil sie einengend waren, weil sie das Böse in sich bekämpfen, ein für alle Mal ausmerzen musste. Weil die Stadt das Einzige war, was sie vor der Selbstzerstörung bewahrte, vor dem Bösen, das diese zerbrechliche Gemeinschaft und alle ihre Bewohner zu vernichten trachtete.

Evie und alle anderen lebten in dieser Stadt – jedenfalls die Guten. Die hohen Mauern schützten sie vor den Bösen, die draußen auf Raubzug gingen, die sie alle umbringen und die Welt in Angst und Schrecken versetzen wollten, wie sie es auch vorher schon getan hatten.

Es waren die Bösen gewesen oder deren Vorfahren, die vor Jahren die  Welt  fast  zerstört hatten. Die die  Schreckenszeit entfesselt hatten. Bevor die Stadt entstand, war die Welt voll von Bösen gewesen, von Menschen ohne jede Liebe und Güte. Nicht alle Menschen waren dazu bestimmt, böse zu sein; nur einige waren gefühllos durch ihre verdrehten Gehirne, eigennützig oder gewalttätig. Andere wiederum ließen sich leicht beeinflussen, und die Geisteskranken waren sehr überzeugend, krempelten deren Verstand um und brachten sie dazu, schreckliche Dinge zu tun, während sie dachten, sie wären gut.

Die Schreckenszeit hatte als kleiner Kampf begonnen, sich dann aber zu einem gewaltigen Krieg ausgeweitet, der jahrelang getobt hatte. Millionen Menschen waren auf schreckliche Weise umgekommen, nur weil man sich nicht hatte einigen können. Ein Gutes jedoch war aus dem Schrecken entstanden: die  Stadt. Wie  Phönix aus der Asche, bemerkte der Große Anführer in seinen Betrachtungen. Außerhalb der Stadtmauer herrschte aber noch immer das Böse, und die Menschen lebten in einem ständigen Kampf um alles – Nahrung und Unterschlupf. Dort gab es keine Ordnung, keine Zivilisation. Dort gab es keinen Frieden.

Aber Evie brauchte sich keine Sorgen um die Welt dort draußen zu machen, weil sie zu den Glücklichen gehörte, die innerhalb der Stadtmauer lebte.

Die Stadt war der einzige gute, sichere Ort auf der Welt und deshalb stand er ständig unter Belagerung. Deshalb durften die Bürger nie vergessen, wie privilegiert sie waren, und mussten alles tun für die Sicherheit der Stadt. Sie mussten tugendhaft leben, um den Schutz der Stadt zu verdienen.

Denn schon ein einziger fauliger Apfel konnte den ganzen Korb verderben. (…)

Ende (von Leseprobe Teil 1)

Copyright (c) 2012 by Gemma Malley – Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Weiter zu Teil 2

Bildrechte: Coverillustration “Evolution. – Menschheitsgeschichten” (http://www.chaosrigger.org/pixel02/upload/2011/02/06/20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Cyborgs01-89-minus74-minus54” (Originaltitel: 20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Bildrechte: Cover-Apokalypsen.jpg © 2013 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: saargau-arts.de – http://saargau-arts.de/

Anmerkung der Redaktion: Wer wissen möchte, wie es weitergeht, der erfährt es in diesem Buch der Autorin, eine Rezension zur Unterstüzung anbei, Bestellmöglichkeiten über die Bestellinks:

Gemma Malley
Das letzte Zeichen
Band 1

The Killables (2012)
cbt Verlag
ISBN 978-3-570-30817-2
Science Fiction, Kinder & Jugend
Erschienen 2012
Übersetzer Friedrich Pflüger
Titelbild Shutterstock
Umschlaggestaltung/Illustrationen zeichenpool*
Umfang 352 Seiten

www.cbt-jugendbuch.de

Titel erhältlich bei Amazon.de
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de
Titel erhältlich bei Libri.de

Autorenporträt

Gemma Malley wusste schon als Kind, dass sie später Autorin werden würde. Sie studierte Philosophie in Reading, wo sie sich einer Band anschloss, mit der sie in Frankreich und Japan auf Tournee ging. Anschließend arbeitete sie als Journalistin und Beamtin, bevor sie sich endgültig dem Schreiben zuwandte. Gemma Malley lebt mit ihrer Familie in London.

Zum Buch

Das junge Mädchen Evie lebt im Jahr 2065. Die Welt wie wir sie kennen hat ein jähes Ende gefunden und Kriege haben den Planeten verwüstet. Nur die Stadtmauern bieten der Heranwachsenden Schutz vor der gefährlichen Wildnis jenseits der Mauern. Doch auch innerhalb der Mauern ist das Leben nicht gerade leicht. Ständige Überwachung, harte Arbeit und wenig Konsumgüter bestimmen den Alltag der Bürger. Außerdem schwebt über jedem Bürger die andauernde Gefahr der Herabstufung vom System. Alle sind in Kategorien eingeteilt A,B,C und D je nach Reinheit der Bürger. Evie ist ein kleines Rädchen im System und arbeitete in der Verwaltung. Sie ist eine normale Angestellte und der Kategorie B zugeordnet. Bald soll sie nun Lucas ehelichen, der einen hohen Posten im System innehat und der Kategorie A zugeteilt wurde. Doch bedauerlicherweise liebt sie dessen Bruder Raffy, der andauernd in Konflikte mit dem System gerät. Als Raffy dann vom System in die Kategorie K für Killable eingestuft wird bleibt Evie nur eine Möglichkeit …

Fazit

Eine neue Geschichte ganz im aktuellen Trend des Jugendromans. Diese Dystopie spielt sich in nicht einmal allzu ferner Zukunft ab und schafft einen aktuellen Bezug durch einen Wikipediaeintrag aus dem Jahr 2011 gleich zu beginn. Das Konzept an sich ist das übliche Muster: verschiedene Kasten, an deren oberster Spitze natürlich politische Funktionäre stehen. Überwachungsstaat und Verbot der Presse- und Meinungsfreiheit runden das ganze Bild ab. Auch das freie Bewegen ist nicht einmal innerhalb der Grenzen des Gebietes möglich. Inmitten des Ganzen spielt sich – ebenfalls typisch für einen Jugendroman, der sich an junge Mädchen richtet – eine Geschichte rund um Freundschaft und die erste Liebe ab. Trotz des bekannten Konzeptes konnte mich der Roman überzeugen.

Die Charaktere an sich waren stimmig und sorgten bei mir für einige Überraschungen, die ich wirklich nicht hatte kommen sehen. Auch konnte man hier gut dargestellt nachvollziehen, wie sehr Macht selbst gute Absichten korrumpiert und das beste System unterläuft. Ebenfalls konnte man herrlich sehen, wie schnell man Menschen zu Außenseitern macht, wenn sie nicht den eigenen Moralvorstellungen entsprechen. Der Einfluss, den die Kultur und die Gesellschaft auf den Einzelnen, sein Wissen, und seine Ansichten hat, war ebenfalls sehr eindrucksvoll dargestellt. Der offene Schluss frustrierte mich zugegebener Maßen: Denn ich hatte wirklich Blut geleckt und lust auf mehr.

Ein gutes Jugendbuch, rund um eine junge Liebe in einem düsteren Gesellschaftssystem.

Copyright © 2012 by Yvonne Rheinganz

Titel erhältlich bei Amazon.de
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Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Buchrezension, Bücher, Diskussionen, Jugend, Leseprobe, Science Fiction, Storys, cbt Verlag | 7 Kommentare »