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Archiv für April 14th, 2012

KONSUMVERWEIGERUNG – Eine Kurzgeschichte von Anna Breitzke

Erstellt von Anna Breitzke am 14. April 2012

KONSUMVERWEIGERUNG

Eine

Kurzgeschichte

von

Anna Breitzke

„Ich will, dass jeder erfasst ist – jeder, verstehen Sie?“ Desmond Clarke, der Generaldirektor von Buycom Unlimited schnauzte seinen Stellvertreter an und warf die Folie mit der Gesamtaufstellung der weltweiten Kunden zornig auf den Tisch. „Es gibt immer noch gut drei Prozent der Weltbevölkerung, die weder eine Kreditkarte haben, noch unsere Bonusprogramme nutzen. Drei Prozent, Smith, wissen Sie, was das heißt? Das sind rund zweihundert Millionen Menschen, die wir mit unseren gezielten Werbemaßnahmen nicht erreichen können. Wissen Sie, was das noch heißt? Unsere Kunden weigern sich, den Werbeetat zu erhöhen, weil es noch zu viele Leute gibt, die aus dem Raster fallen. Und als letztes heißt es, Smith, dass unsere Gehälter noch längst nicht ihre volle Höhe erreicht haben. – Also, wie wollen Sie diese drei Prozent in unser System integrieren? All das ist – Konsumverweigerung.“ Das letzte Wort brüllte er förmlich hervor und schlug mit der Faust auf den Tisch.

William Smith, der Stellvertreter, stand kerzengerade da und schluckte schwer. Er arbeitete nun schon seit fünf Jahren für und mit Clarke und hatte in dieser Zeit manchen Wutausbruch stoisch ertragen. In dieser Zeit hatten sie aber auch hervorragende Erfolge vorzuweisen. Die Buycom Unlimited kontrollierte jeden Einkauf, der mit einer Kredit- oder Bonuskarte getätigt wurde. Aus den Käufen wurde für jeden Kunden ein Profil erstellt, aus dem nicht nur hervorging, was wann wo konsumiert wurde, auch die Reisegewohnheiten, die Vorlieben und natürlich die Laster ließen sich aus diesem Programm ablesen. Die Menschen selbst schien es nicht zu stören, dass sie zu gläsernen Kunden mutierten, viele freuten sich sogar darüber, dass die Werbebotschaften deutlich weniger geworden waren. Nur einigen wenigen war bekannt, dass die Werbung jetzt subtil und passend auf den Einzelnen abgestimmt erfolgte – häufig genug nahmen die Menschen die versteckten Werbebotschaften gar nicht mehr wahr. Aber sie reagierten in der gewünschten Weise darauf. Die Gewinne der großen Konzerne, die das Bonusprogramm ursprünglich ins Leben gerufen hatten, waren in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Offenbar reichte das aber noch nicht, so dass der „Boss“ einen Wutanfall bekommen hatte. Der Druck von oben lastete schwer auf ihm.

Was sollte Smith tun? Es lief bereits eine weltweite Kampagne, um auch die letzten Konsumverweigerer zu bekehren, die tatsächlich noch immer Bargeld in der Tasche trugen, und die kostenlosen Karten – wie auch die kleinen Geschenke – einfach ablehnten. Offenbar gab es sogar in der Regierung einige von ihnen, denn trotz aller Bitten und Aufforderungen hatte sich der Finanzminister dem Druck der Werbeindustrie nicht gebeugt – das Bargeld wurde nicht abgeschafft. Auch war es den Geschäften untersagt worden, Kunden, die mit Bargeld statt Karte zahlen wollten, wegzuschicken. Aber halt, da konnte man vielleicht ansetzen.

„Sir, ich verstehe Ihre Empörung“, sagte Smith beschwichtigend. „Leider weigern sich Teile der Regierung, mit uns zu kooperieren, so dass wir das Geld noch immer nicht abschaffen konnten. Aber ich sehe da gerade eine gigantische Kampagne vor mir, die nur ein Minimum kostet, die Konsumverweigerer aber scharenweise in unser System treiben wird.“

„Ich höre“, grollte Clarke wenig überzeugt.

„Wir lassen einige der hartnäckigen Konsumverweigerer beschatten, um zunächst alles über sie zu erfahren. Dann werden sie vom Sender CNI eingeladen und quasi an den Pranger gestellt. Wir nehmen ihnen das Bargeld weg, sie bekommen nur eine einzige Karte mit eingeschränkter Funktion und müssen sich damit mindestens einen Monat selbst am Leben erhalten. Das wird sie die Vorteile der Bonusprogramme lehren, denn damit lässt sich auf der ganzen Welt alles kaufen, was ihnen jetzt natürlich verwehrt ist. Bei alledem sind selbstverständlich unsere mobilen Kameras im Einsatz, und die Werbung kann in diesem Fall konzentriert einsetzen. Man könnte den Probanden zum Beispiel untersagen, diese oder jene Waren zu kaufen – wie auch immer, Sir, die genaue Ausarbeitung können unsere Strategen übernehmen.“

„Was ist, wenn die Leute sich weigern?“, stellte Clarke eine wichtige Frage in den Raum. „Wenn ich richtig informiert bin, nehmen diese Leute auch nicht an Preisausschreiben oder Wettbewerben teil. Sie werden also auch kein Interesse daran haben, weltweit über unsere Sender zu gehen.“

Smith lächelte sardonisch. „Ich denke doch, dass sie mitmachen werden. Denn sehen Sie, Sir, es liegt tatsächlich in unserer Macht, diesen Menschen sonst alles zu nehmen, was ihnen lieb und teuer ist – ihre Arbeit, ihr Haus, ihre Existenz. Doch, Sir, ich bin überzeugt, sie alle werden hocherfreut sein, sich an unserer Aktion beteiligen zu dürfen.“

Clarke blickte noch ein wenig skeptisch drein, nickte dann aber. „Bereiten Sie alles vor, Sie haben drei Tage, dann werden wir die Aktion starten.“

Das war sehr knapp, wie Smith bei sich selbst feststellte, aber sie lebten nun einmal in einer schnelllebigen Zeit, er war sicher, dass er es schaffen würde. Zufrieden verließ er das Büro.

Desmond Clarke starrte seinem Assistenten nachdenklich hinterher. Der Mann war gut, sehr gut sogar. Aber immer noch nicht gut genug. Solange er selbst vom System noch nicht erfasst worden war, gab es noch immer Hoffnung, dass sich außer ihm selbst einige Menschen der allgemeinen Erfassung entziehen konnten. Er saß hier in der Schaltzentrale der Macht, trieb das System immer weiter voran, und entzog sich ihm trotzdem selbst. Er lächelte zufrieden, auch mit dieser Aktion bestand, seiner Meinung nach, noch keine Gefahr, dass er sich integrieren lassen musste. Mit einem guten Gefühl betastete er das Geld in seiner Tasche.

Zwei Tage später erhielt Desmond Clarke die Aufforderung, an der neuen sensationellen Unterhaltungsshow von CNI teilzunehmen. Selbstverständlich war die Teilnahme freiwillig, doch eine Weigerung würde unter Umständen schwer wiegende Folgen nach sich ziehen, da diese Sendung im Sinne der Allgemeinheit stattfand. Clarke kapitulierte, sein Stellvertreter hatte wirklich ganze Arbeit geleistet. Am nächsten Tag übernahm William Smith den Posten des Generaldirektors der Buycom Unlimited.

-Ende-

Copyright (c) 2012 by Anna Breitzke

Bildrechte: Coverillustration “Überraschungsgeschichten-der-besonderen-Art1.jpg ” () © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “ÜBERRASCHUNGSGESCHICHTEN-60-minus-90-0-20110114100400-0d964f2a.jpg” (Originaltitel: Alltag3.jpg) © 2012 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Die „FIFA-MAFIA“ erscheint am 2. Mai 2012 bei Droemer – Podiumsdiskussion: Freitag, 4. Mai 2012, 20 Uhr, Literaturhaus München mit Thomas Kistner, Albert Ostermaier und Günther Koch.

Erstellt von Detlef Hedderich am 14. April 2012

Rote Karte für die FIFA

Fußball ist die schönste Nebensache der Welt.

Für die FIFA aber geht es in der Hauptsache um Manipulation, Geld und Machterhalt.

Thomas Kistner deckt auf.

Die „FIFA-MAFIA“ erscheint am 2. Mai 2012 bei Droemer

Podiumsdiskussion: Freitag, 4. Mai 2012, 20 Uhr, Literaturhaus München

mit

Thomas Kistner, Albert Ostermaier und Günther Koch

„FIFA-Mafia“ ist die Kriminalgeschichte des weltgrößten Sportverbandes. Thomas Kistner  schildert, wie sich über die letzten vier Jahrzehnte unter dem aktuellen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter mafiöse Strukturen an der Spitze des Verbandes verfestigt haben.

Thomas Kistners akribische Recherchen verdeutlichen die bislang unbekannte Seite des Weltfußballs und seines Verbandes, wie den Verlust des Bälle-Symbols der FIFA, die besondere Vernetzung dieses Verbandes mit Interpol und Security-Firmen. Er skizziert die Entstehung eines global ausgerichteten Sport-Sicherheitsdienstes in Katar, berichtet von FBI-Ermittlungen rund um den Fußball und die Wettspielszene und von der Jagd auf eine CD mit sensiblen Bankdaten von hohen Fußballvertretern.

Interner FIFA-Briefverkehr belegt, wie die lukrativen Sportrechte an Freunde und Kollegen verschachert werden. Erhellend auch die Rolle Michel Platinis, heißer Kandidat für die Blatter-Nachfolge, der als französischer Fußballheroe enger mit Katar involviert ist, als man gemeinhin meint. Nun muss er zugeben, dass er selbst für die WM-Vergabe nach Katar votiert hat.

„FIFA-Mafia“ deckt die dunkle Seite dieses global auf Regierungsebene agierenden Verbandes auf und zeigt, warum nur internationale Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften dem Treiben der FIFA Einhalt gebieten können. Dieses Buch ist ein gedruckter Indizienprozess.

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RÜCKKEHR MIT HINDERNISSEN IV – eine Fantasy-Kurzgeschichte von little_wonni

Erstellt von little_wonni am 14. April 2012

Rückkehr mit Hindernissen IV


eine


Fantasy-Kurzgeschichte


von


little_wonni

>> Zum vorherigen Teil <<

Das war definitiv, die beschissenste Woche ihres ganzen verdammten Lebens. Dabei war ihre Woche noch keinen ganzen Tag alt und sie wusste noch nicht einmal was für ein Wochentag gerade war. Gerne hätte sie dafür alle Schuld ihrem Bruder in die Schuhe geschoben, aber hier hatte sie sich alleine reingeritten.

Die alte Frau hysterisch anzuschreien und mit Kleidungstücken aus ihrer Tasche zu bewerfen, war ihr zunächst wie eine richtig gute Idee vorgekommen. Dies fand aber ein jähes Ende, als die zum Hörer griff und die Polizei anrief. Hätte sie in dem Moment schnell genug geschaltet und wäre das Universum auch nur ein bisschen auf ihrer Seite gewesen, hätte sie es noch schaffen können sich aus dem Staub zu machen. Da aber das Universum im Moment vollkommen gegen sie arbeitete, war die nächste Polizeistreife gerade mal einen Block entfernt gewesen und fing sie am Hauseingang ab, als sie gerade mit den verbliebenen Kleidern in ihren Tragetaschen flüchten wollte.
Das Entgegenwerfen der Tragetasche wurde ihr dann auch noch als Widerstand gegen die Staatsgewalt gewertet und bescherte ihr gleich eine Fahrt ins Polizeirevier. Zu allem Übel hatte sie sich beim Einsteigen auch noch den Kopf angehauen und hatte nun üble Kopfschmerzen. Verzweifelt versuchte sie den Polizisten klarzumachen, dass nichts von dem ganzen Schlamassel ihre Schuld war, was sich aber als mehr als schwierig herausstellte, da sie  von den vielen Treppenstufen aus der Puste war.

“Wie oft soll ich Ihnen das jetzt noch erklären? Nichts von dem, was passiert ist, war meine Schuld! Meinen Bruder sollten sie verhaften, diesen elenden verlogen Mistkerl. Schließlich hat er mich …”

“Ja, ja in einen Frosch verwandelt”
, begann er entnervt. “Das hatten wir schon Miss Bloodstone. Und ich wiederhole mich da wirklich ungern: Zum einen haben wir ihren Bruder nicht in der Wohnung von Frau Rosenberg vorgefunden, also kann er nichts mit der Sache zu tun haben. Frau Rosenberg hat uns mittlerweile bestätigt, dass er vor 7 Monaten aus ihrem gemeinsamen Apartment ausgezogen ist. Er erwähnte auch gegenüber Frau Rosenberg, dass sie und ich zitiere an dieser Stelle “auf einem ganz komischen Trip wären und nicht mehr alle beisammen hätten”. Und zum anderen gibt es keine Menschen, die andere in Frösche verwandeln können!”, endete er brüllend.

“Er ist ja auch ein Elf! Die können zaubern. Und ich konnte auch zaubern, wenn ich meine Ohren noch hätte, würde ich sie auf der Stelle in einen Frosch verwandeln, damit sie mal sehen wie sehr sie sich irren!”
brüllte sie zurück.

In dem Moment öffnete sich die Tür des Befragungszimmers und ein anderer Polizist steckte seinen Kopf durch die Tür. Braune Haare, braune Augen und von der großen Nase einmal abgesehen, ziemlich niedlich.

“Brauchst du auch einen Kaffee, Dirk?”

“Ja bitte, Sam! Und ruf mir jemanden vom psychologischen Dienst.”

“Wieso, was haben wir denn?”, fragte der Braunhaarige.

“Das Übliche kurz vor Vollmond. Hausfriedensbruch, tätlicher Angriff und ach, ja einen bösen Bruder, der sie in einen Frosch verwandelt hat”
, sagte er und zog wissend die Augenbrauen nach oben, “Außerdem sollst du mich in der Dienstzeit nicht mit meinem Vornamen ansprechen.”

“Ja das könnte ein Grund sein den psychologischen Dienst anzurufen, Herr Petersen, Sir!”, frotzelte Sam und verschwand durch die Tür.

“McGrey gibt mir bei den Spätschichten wirklich den Rest”
, murmelte er und schaute Dahlia noch einmal mit einem resignierten Blick an, “Noch einmal von vorne Miss Bloodstone… ”

Dahlia war völlig am Ende. Ihr Kopf tat so unheimlich weh und pochte unaufhörlich. Sie war nicht in der Lage auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Wenigstens hatten sie sie im Beisein einer Polizisten duschen lassen, sodass sie jetzt nicht mehr den ganzen Schmutz vom Tümpel in den Haaren hatte und ihre Füße wieder schneeweiß waren. Auch hatten sie ihr erlaubt frische Kleidung aus ihrer Tasche zu kramen. Sie trug jetzt einen schwarzen Rock der Handbreit über den Knien endete und eine rote Bluse.
Allerdings verbesserte ihr frisches Aussehen, die Laune des grauhaarigen Polizisten nicht. Vielmehr schien es ihn noch wütender zu machen, als er eh schon war.

“Mein Bruder hat mich in …”, setzte sie erneut an.

“Ich werde mir den Scheiß nicht noch einmal anhören!”, rastete Dirk Petersen nun vollkommen aus.

Sam McGrey hörte die Wutschreie seines Kollegen, durch 2 Bürowände und die geschlossene Tür. Er musste etwas unternehmen, bevor sein Kollege die Kleine endgültig plattmachte. Leider fiel ihm für die Lösung dieses Problems nur eine Person ein. Er griff zum Telefon. Dieser Anruf würde ihn teuer zu stehen kommen …

FORTSETZUNG FOLGT…

>> Zum nächsten Teil <<

Copyright (c) 2012 by little_wonni

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Fremdwesen01-100-minus55-100.jpg” (Originaltitel: TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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