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Archiv für Oktober, 2011

DAS WESEN DES HÜTERS – Eine Science-Fiction-Geschichte von Günther Kurt Lietz (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 4/2011)

Erstellt von Günther Lietz am 31. Oktober 2011

DAS WESEN DES HÜTERS

Science-Fiction-Geschichte
von
Günther Kurt Lietz
2002/2011

Die letzten Sonnenstrahlen des Tages brachen sich in der Atmosphäre und ließen die kahle Wüstenlandschaft von Kadira in einem sanften Orange erstrahlen, das sich zum Himmel hin in ein goldenes Licht wandelte. In weiter Ferne stieg ein kleiner Modulfrachter der Ediken auf gleißenden Flammensäulen in die Höhe empor und ließ den lebensfeindlichen Planeten unter sich.

Nascha-Ra-Hua bedeutet wörtlich übersetzt „Hüter vom Wind“ und war der Name des schlanken Mannes, der einsam auf einer der unzähligen Klippen stand, die das weite Land wie ein gezackter Rahmen umgaben.

Bis auf einen kleinen Lendenschurz war sein gelenkiger Körper nackt und die schwarzviolette Haut badete in der untergehenden Sonne, sog die letzte, energiespendende Strahlung in sich auf. Die Atmung des einsamen Manns war flach und seine Brust hob sich nur unmerklich. Die Borsten im Nacken hatten sich aufgerichtet und filterten lebenswichtige Mineralien aus der Luft.

Der starke Hornkamm Nascha-Ra-Huas zitterte unmerklich. Dort wo er in die Stirn überging prangte eine kleine rote Narbe. Einst hatte sich an dieser Stelle das Nikar-Ra-Kima befunden, eine Körperdrüse. Doch war sie ihm bereits im Kindesalter entfernt worden und hatte so aus dem gewaltbereiten Vokadi einen friedlichen Vokadi-Ras geformt.

Nascha-Ra-Hua spürte den heißen Stein unter seinen Füßen. Er spürte wie der warme Wind über seinen Rücken strich und den Brutbeutel umschmeichelte. Der Blick seiner gelben Echsenaugen folgte dem Frachter, dessen menschlichen Mannschaft und der kostbaren Fracht.

Sie würde ihn finden, das wusste Nascha-Ra-Hua. Doch als sie kam war er trotzdem überrascht. Mit bebenden Nasenlöchern nahm er ihre Witterung auf und spürte dann die Anwesenheit der anderen auf seiner Haut, noch bevor sich eine feingliedrige Hand auf seine Schulter legte.

„Du hast dem Gesetz widersprochen und die Reliquie den Menschen ausgehändigt.“, sagte eine tiefe, warme Stimme. Es war die Stimme von Nima-Natul-Horan, seiner Geliebten.

Nascha-Ra-Hua drehte sich langsam zu ihr um. Seine Augen suchten die Ihren und er versank für einen kurzen Augenblick in ihrer Seele, bevor er sich an einer Erklärung versuchte. „Es stand uns nicht zu, die Reliquie zu besitzen. Sie gehört nicht unserem Volk. Wo war da Recht, frage ich dich? Ich bin der sanfte Wind der Frieden bringt und nicht der Sturm, der Zorn über seine Feinde wirft.“

Nima-Natul-Horan schmiegte sich an ihren Geliebten. Auch sie trug nur einen Lendenschurz und die Reibung ihrer nackten Körper aneinander hatte etwas erregendes an sich. Trotz der gefährlichen Situation. „Das Gesetz schützt unser Volk vor den Außerirdischen. Und vor unseren dunklen Brüdern.“ Sie atmete tief durch ihr drei Nasenlöcher ein und hauchte warme Luft in Nascha-Ra-Huas Mundhöhle. „Ich kenne dich, mein Geliebter. Deswegen fand ich dich vor ihnen. Aber es wird nicht lange dauern bis die Adepten dich gefangen nehmen. Du hast dich dem Hochverrat schuldig gemacht.“

„Habe ich das wirklich?“ Er lachte leise und strich mit der linken Hand über ihren Hornkamm, der sich durch einen starken Knochenschild und scharfe Konturen auszeichnete. Die Ausläufer endeten tief im Nacken, nur zwei Handbreit über dem Geschlechterbeutel. „Wir sind nicht die Richter dieses Universums. Ich kann den Gedanken kaum ertragen, dass wir uns schuldig machen, anderen Spezies ihr Erbe vorzuenthalten.“

Nun war Nima-Natul-Horan daran zu lachen. „Du bist so wunderbar ehrlich.“, sagte sie und schüttelte sanft den Kopf. In diesem Augenblick erlosch das Licht der Sonne endgültig und die Sterne begannen am Nachthimmel zu erblühen.

Die Augen der beiden Vokadi-Ras veränderten sich unmerklich. Das Gelb wurde leuchtender und glitzerte im Sternenlicht. Nascha-Ra-Hua liebte den Augenblick, wenn sich das Sichtspektrum verschob. Er bewunderte die Natur gerne bei Nacht, in der er sah wie am Tage. Nein, in der er besser sah als am Tage. Er glaubte die Wärme sehen zu können, die sich nun aus dem Boden löste und in die kühler werdende Nacht entfloh.

Nima-Natul-Horan schob ihre Hand unter Nascha-Ra-Huas Kinn und schmiegte ihre Wange an die seine. „Erinnerst du dich manchmal an die Kima-Zeremonie? An den Schwur in Frieden zu leben und dem Gesetz zu gehorchen? Nicht nur uns, sondern auch die anderen Wesen des Universums zu schützen? Was du getan hast erschüttert das Gesetz. Vielleicht führt uns deine Tat ins Verderben.“ Ihre Worte waren immer leiser geworden und kaum noch zu vernehmen. Sie glichen einem Flüstern. „Ich habe Angst, Nascha-Ra-Hua. Ich habe Angst, dich zu verlieren. Und ich habe Angst, unseren Frieden zu verlieren.“

„Warum? Was hat die Reliquie mit unserem Volk zu schaffen? Die Ältesten verbergen sich gerne hinter ihren Traditionen. Sie meiden den Kontakt mit den Außerirdischen. Aber diese Menschen sind doch gar nicht so übel. Ich habe sie von einer friedfertigen Seite kennengelernt.“

„Vielleicht trübt deine Zeit als Adept des Botschafters deine Objektivität.“, entgegnete Nima-Natul-Horan schärfer als sie eigentlich wollte. „Die Ediken führen ständig Krieg und verbannen, was sie nicht haben wollen. Und ausgerechnet jetzt sollen sie den Frieden akzeptiert haben? Mein Liebster, die Außerirdischen denken nur an sich selbst. An ihre Macht und an ihren Einfluss.“

Er liebte ihre wütende Art. Vorsichtig strich er mit seinen Fingerkrallen über ihren Hals und lächelte. „Auch wir leben in ständigem Krieg. Nur an der Oberfläche unterscheiden sich unsere Schlachtfelder und Absichten. Doch tief im Inneren ist es nur Tod und Verderben. Auch die Ältesten trachten nach Macht.“

„Vielleicht. Das gebe ich gerne zu. Vielleicht hast du richtig gehandelt. Aber sollten wir uns darüber wirklich Gedanken machen?“ Sie war besorgt. „Lass uns gehen. Lass uns gehen, bevor die Adepten zu nahe sind. Wir könnten in die Wüste fliehen. Ich kenne eine kleine Höhle. Es gibt dort ein wenig Wasser. Irgendwann haben sich die Gemüter abgekühlt und wir können vielleicht zurückkehren. Doch jetzt sind die Leute aufgebracht und werden dich richten wollen. Wir müssen ihnen Zeit geben, um sich zu beruhigen.“

Nascha-Ra-Hua schob sie ein Stück von sich weg und starrte sie fassungslos an. „Was sagst du da? Ich werde mich auf keinen Fall verstecken. Ich habe nichts getan und stehe zu meiner Tat. Ich habe dem Gesetz widersprochen, aber ich hatte Gründe. Die Ältesten werden diese Gründe akzeptieren müssen. Irgendwann werden sie mich verstehen und die Richtigkeit meiner Tat einsehen.“

„Und was ist wenn du erkennst, dass es falsch ist?

„Das werde ich nicht, meine Liebste. Glaub mir.“

„Ras selbst hat die Reliquie empfangen und vor den Menschen verborgen. Willst du ihn in Frage stellen?“

„Ich stelle nicht Ras sondern seine Propheten in Frage. Ich glaube sie kennen die wahre Lehre, aber sie gehen einen falschen Weg.“

„Die Menschen haben dich verdorben.“, warf ihm Nima-Natul-Horan bitter vor. In ihren Augen spiegelte sich eine tiefe Traurigkeit. „Lass uns von hier verschwinden. Bitte, ich flehe dich an.“

Nascha-Ra-Hua fasst sie mit den Händen an den Schultern. „Es wäre falsch, Liebste. Glaub mir. Jeder muss seinen Weg gehen. Ich muss es. Und du musst es auch. Nun bitte ich dich allerdings, deiner Pflicht nachzukommen. Es ist für uns alle das Beste.“

Eine Träne stahl sich aus ihrem Augenwinkel und rann über die zart gezeichnete Wange. Sie stoppte kurz in einem winzigen Grübchen, um dann ihren Weg fortzusetzen. „Sie werden es nicht verstehen.“, sagte sie leise und traurig, schüttelte sanft ihren Hornkamm und löste sich von ihm.

Nima-Natul-Horan trat einen Schritt zurück und tastete zu ihrem Lendenschurz hinunter. Nur zögerlich betätigte sie den Signalgeber und gab ihren Kameraden damit ihre Position und auch die seine bekannt. Sie tastete zu ihrer Stirn hoch und berührte den Sensor unter der Kopfhaut. „Adeptin Nima-Natul-Horan meldet den Gesuchten gefunden zu haben. Er hat sich freiwillig gestellt. Ich bitte um einen Transport zur Hauptstadt.“

Sie lauschte den Worten in ihrem Ohr, nickte mehrmals leicht und schaltete dann das Kommunikationsimplantat wieder ab. „Sie werden es nicht verstehen.“, flüsterte sie und ließ dann stumm ihren Tränen den Lauf. Nascha-Ra-Hua fasste sie sanft am Kinn und drückte seine Stirn an die ihre.

***

Die Zelle war klein und kahl. Sie war aus Sandstein erbaut und mit Bakterien gesichert worden. Eine in der Decke verborgene Beleuchtung spendete sanftes, orangenfarbenes Licht. Die einzige Türe nach draußen bestand aus Kunstfasern und war geschlossen.

An einer Seite des Raums war ein Quader aus der Wand gefahren, auf dem ein dünner Kalkstein lag. Nascha-Ra-Hua hatte es sich darauf bequem gemacht und ließ die letzten Tage vor seinem Auge nochmals vorbeiziehen.

Die Ältesten hatten sich stumm seine Worte angehört und zur Beratung zurückgezogen. Das war mehr als er verlangen konnte. Und obwohl ihn Nima-Natul-Horan gewarnt hatte, war die Verkündung des Urteils für ihn ein Schock.

Die Ältesten sahen vom Todesurteil ab, straften ihn aber mit dem Exil. Nascha-Ra-Hua war verdammt worden, auf einer entlegenen Kolonie sein Dasein zu fristen. Auf den ersten Blick war es eine schwere Strafe, fernab der Heimat und Muttersonne leben zu müssen. Doch konnte er aus dem Exil weiterhin wirken. Vielleicht konnte er sein Volk sogar aufrütteln und sie aus der Isolation führen.

Nascha-Ra-Hua erschrak als die Türe mit einem schabenden Geräusch zur Seite glitt. Vor ihm stand Nima-Natul-Horan, gekleidet in einen sandfarbenen Tarnanzug. Hinter ihr standen zwei Männer und blickten sich nervös um.

Nima-Natul-Horan stürzte auf Nascha-Ra-Huar zu, der aufgesprungen war, und fiel in seine Arme. „Wir müssen uns beeilen, Geliebter.“, flüsterte sie und hauchte ihm warm ins Gesicht. „Wir haben nur ein kleines Zeitfenster, bis die Sensoren wieder normal arbeiten.“

Nascha-Ra-Hua war froh Nima-Natul-Horan zu sehen. Dennoch schob er sie von sich weg. Er schüttelte heftig den Kopf. „Zu fliehen wäre der falsche Weg. Ich nehme die Strafe an. Egal wohin sie mich schicken, ich werde kämpfen, um den Vodokai-Ras meine Ansichten zu verdeutlichen.“

„Jetzt ist keine Zeit zum Diskutieren. Es ist nicht von Belang was Recht ist. Nascha-Ra-Hua, wenn du hier bleibst wirst du wirklich kämpfen müssen. Die Ältesten haben dich verschont, weil sie keinen Märtyrer gebären wollen. Sie schicken dich ins Exil, um den Mantel des Vergessens über dich auszubreiten. Sie wollen dich nach Amar-Kadi schicken.“ Sie schluckte schwer und ihr Hornkamm zitterte. „Nach Amar-Kadi.“, wiederholte sie ängstlich.

Schreckliche Bilder von einem verwüsteten Planeten und blutigen Schlachtfeldern blitzten vor Nascha-Ra-Huas Augen auf. Bilder von Tod und Verderben. Brüder die gegeneinander kämpften. Licht und Schatten eines Volks schlugen dort eine immerwährende Schlacht. „Ist das wahr?“ fragte er, um Beherrschung ringend.

Nima-Natul-Horan nickte. „Ich habe es eben erfahren. Freunde die mir teuer sind werden uns bei der Flucht helfen. Lass uns gehen. Bitte.“

Wieder nickte er, ließ sich von ihr an der Hand nehmen und aus der Zelle führen. Nima-Natul-Horan klebte einen Signalgeber an die Wand, der Nascha-Ra-Huas Lebenszeichen vortäuschen würde. So konnten sie sich ein wenig Zeit erkaufen.

Die beiden Nascha-Ra-Hua fremden Männer führten die Flüchtlinge sicher durch die unterirdische Anlage nach oben. Sie kannten sich aus und umgingen die Alarmsensoren. Ihre Hilfe konnte mit dem Tod bestraft werden. Doch sie schienen vor einer Strafe keine Angst zu haben, sondern sorgten sich vielmehr um Nascha-Ra-Huas Leben.

Am Ziel angelangt standen sie auf einem kleinen Sandplatz. Ein zweisitziges Schwebekrad stand bereit, die Packtaschen prall gefüllt. Während Nascha-Ra-Hua hinten aufsaß und die Sicherheitsgurte anlegte, verabschiedete sich Nima-Natul-Horan von den beiden Männern.

„Wir sind euch für eure Hilfe dankbar. Ihr habt selbstlos gehandelt.“

Einer der Männer schüttelte sanft den Kopf. „Nein, das war nicht selbstlos. Nascha-Ra-Hua ist ein wahrer Hüter des Wissens. Er weiß wann es Zeit ist loszulassen. Wir leben in selbstgewählter Isolation, spielen uns arrogant als Hüter des Universums auf und vergessen dabei, dass wir die anderen Völker nicht vor sich selbst, sondern vor uns schützen sollten. Seine Ideen und Erkenntnisse sind auch die unseren. Mit ihm haben wir einen Mann, dem wir lauschen und von dem wir lernen können. Vielleicht wird es ihm irgendwann gelingen, ein Umdenken zu erreichen. Wir dürfen nicht gegen die anderen Völker leben, sondern wir müssen mit den anderen Völkern leben. Nur so kann es uns gelingen der Bedrohung Herr zu werden, die aus unseren eigenen Reihen kommt.“

Nima-Natul-Horan drückte ihm sanft die Schulter. „Gut gesprochen, mein Freund. Unsere Herzen schlagen in einem gemeinsamen Wohlklang. Ich liebe Nascha-Ra-Hua und werde ihm helfen. Ob wahr oder falsch ist mir egal. Gemeinsam sollten wir alle unsere Ziele erreichen. Auch wenn sie verschieden aussehen, so sind sie doch alle gleich. Wir wollen in Frieden leben. Jeder.“

Nima-Natul-Horan drehte sich um, lief auf das Schwebekrad zu und ließ ihr altes Leben zurück, um ihrem Herzen zu folgen.

Ende

Copyright (c) 2002/2011 by Günther Kurt Lietz

Bildrechte: Coverillustration “TräumeundVisionen” (20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “TräumeundVisionen20110122082624-7f63d0a3-100-30-100.jpg” (Originaltitel: 20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

BUCHEMPFEHLUNG DER REDAKTION:

DAS BUCH AUS DEM DIE VORLIEGENDE STORY STAMMT IST NOCH LIEFERBAR UND KANN BESTELLT WERDEN!

Welten voller Hoffnung
Anthologie. Sciencefiction, Fantasy, Phantastik. Kurzgeschichten

Herausgegeben von Jung, Barbara / Brüschke, Olaf
Verlag :      BeJot-Verlag
ISBN :      978-3-934582-11-8
Einband :      Paperback
Preisinfo :      13,00 Eur[D] / 13,40 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Seiten/Umfang :      228 S. – 15,5 x 22 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      09.2002
Gewicht :      370 g

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Die verschiedenen Geschichten (auch Gedichte) dieser Anthologie entstammen den Genres Science Fiction, Fantasy, Phantastik und Horror. Für das Projekt konnten zahlreiche Autorinnen und Autoren gewonnen werden, die sich in der Science Fiction bereits einen gewissen Namen gemacht haben. …

Sie beschäftigen sich auf unterhaltsame und spannende Weise sowohl mit zwischenmenschlichen als auch sozialen Problemen unserer künftigen oder einer fiktiven, fremden Welt. Dabei wird von Hoffnungen erzählt, die Lebewesen hegen, seien sie nun Bewohner eines realen oder eines fiktiven, phantastischen Lebensraums. Manche dieser Hoffnungen gehen in Erfüllung, andere nicht … Nicht zuletzt zeigen einige Geschichten, dass es auch in Zukunft möglich sein wird, mit ein wenig Nächstenliebe oder Menschlichkeit viel Not und Leid zu lindern.

Die großen, gesellschaftlichen Zusammenhänge finden nur am Rande Berücksichtigung. Vielmehr drehen sich die unterschiedlichen Beiträge um das Verhalten gegenüber dem direkten Kontrahenten, sei es Freund oder Feind, wobei es durchaus vorkommen mag, dass es sich bei dem Widersacher um die eigene Person handelt.

Leseproben:

“Imago
Claudia Toman

Die Rufe waren laut und ängstlich, überall im Berg verbreitete sich das unheimliche Gerücht und wurde zur schrecklichen Gewissheit. Etwas Furchtbares war bei den Arbeiten im ersten Stollen gefunden worden, etwas so Entsetzliches, dass ihr gesamtes Zuhause in Gefahr war. Niemand konnte diese Gefahr beim Namen nennen, und keiner wusste genau, was das für eine Entdeckung war, aber als man es zur Maahm gebracht hatte, war die Alte in Tränen ausgebrochen, und nun war man sicher, dass es nichts Schlimmeres geben konnte als das Ding aus dem ersten Stollen.

Die Maahm war die Älteste der Überlebenden im Berg, meist schlief sie oder sang vor sich hin, und nur ganz selten schrie sie noch oder jammerte. Für die Menschen war sie eine Heilige, eine Lebende der letzten und ersten Stunde, sie war die Einzige, die sich noch daran erinnern konnte, wie die Überlebenden vor vielen Dutzenden von Jahren in den Berg geflohen waren, alle anderen, die mit ihr gekommen waren, waren längst tot. Schon seit langem hatte die Maahm nicht von früher gesprochen, es war, als hätte sie ihre Geschichten mit der Zeit verloren, und ein halbes Jahrzehnt war sie nun völlig  …”

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“Die Zeit des Peter W.
Bodo Kroll

Alles war ganz harmlos! Ich stand gerade in der Küche, als mir plötzlich schwindlig wurde. Mein Sehvermögen trübte sich für einen kurzen Moment. Es war, als ob der Bildschirm meines Computers nur noch eine ganz große Pixelauflösung hätte. Die Konturen wurden rasterhaft, die Farben reduzierten sich auf Schwarz und Weiß.

Auf einmal war alles wieder ganz normal.

Verwundert griff ich nach dem Wasserkocher, um den Tee für meine Frau und mich aufzugießen. Die Tassen standen vor mir auf der blau gesprenkelten Arbeitsplatte der weißen Einbauküche.

Der Kocher war irrsinnig schwer! Es war, als ob meine Hand überhaupt keine Kraft mehr hatte. Mühselig drückte ich den Wasserkocher in Richtung Tassen wie durch einen zähen Schleim.

Meinem Gefühl nach hatte ich Minuten gebraucht, um das Gefäß über die Tassen zu bekommen. Schweißperlen standen mir auf der Stirn.

Noch verrückter verhielt sich das Wasser! Es …”

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“Logbuch
Corina Bomann

Washington Post, 27. Mai 2005
Sensationeller Fund in der Wüste von Nevada

Wie unsere Korrespondenten melden, handelte es sich bei der Kapsel, die Forscher bei Ausgrabungen zutage gefördert haben, wahrscheinlich um eine Botschaft außerirdischer Wesen, die, sofern ihre Echtheit bestätigt wird, unsere Theorien von der Evolution vollständig über den Haufen werfen und eine neue Debatte in der Erforschung der Menschheitsgeschichte entfachen wird. Noch wird die gesamte Angelegenheit top secret behandelt, unseren Reportern ist es allerdings gelungen, einen kleinen Blick auf das Material zu werfen, das unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen von internationalen Expertenteams untersucht wird.

Hier ein Teil der Übersetzung, die mit Hilfe modernster Computertechnologien erstellt wurden.

*
Ausriss aus dem Logbuch der Askareon, Tag 32 des Monats Dekaron, 6. Jahr nach Exodus

Nachdem nun genau fünf Jahresspannen vergangen sind, seit wir unseren Heimatplaneten Terra Numera verlassen haben, möchte ich diesen Tag dazu nutzen, neben den kalten technischen Daten unserer Reise etwas von unserer Geschichte zu erzählen. Der Grund ist simpel: Die Hoffnung, einen geeigneten Planeten zu finden, auf dem wir uns niederlassen können, schwindet mit jedem Tag …”

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“Tausend Stimmen, längst verstummt
Armin Rößler

Flood fühlte seine Ohnmacht wachsen. Unbedeutend stand er da, ein winziger Punkt, und vor ihm ragte mächtig die Zitadelle auf. Das imposante Bauwerk war viel zu groß, um von einem Menschen in seiner Gesamtheit überblickt werden zu können. Sein Herz pochte laut, doch seine Gedanken waren halb betäubt. Ein lang ersehnter Traum ging in Erfüllung, aber just in diesem Moment erfüllte ihn nur noch Hilflosigkeit. Die unmittelbare Nähe zu seinem großen Ziel ließ ihn fast zurückschrecken. Wie viel einfacher wäre es, diesen letzten Schritt nicht zu tun! Der Antrieb, der ihn seine Zweifel überwinden ließ, kam letztlich aus ihm selbst. Jetzt aufzugeben, hieße, das Sehnen und Bangen beinahe seines ganzen Lebens zu verraten.

Das Tor, breit und hoch, öffnete sich geräuschlos. Nur ein schwacher Lichtschimmer drang aus dem Loch in der schwarzen Mauer. Bewegung kam in die kleine Menschengruppe, die andächtig davor verharrt hatte. Flood folgte den anderen wie ein Schaf seiner Herde. Ein alter Mann erwartete sie. Schon rein äußerlich kein Aurel. Zumindest nicht, wenn die vagen Berichte die Wahrheit erzählt hatten, denen Flood in der Vergangenheit so fasziniert gelauscht hatte. Dennoch musste der Alte offensichtlich ein Mensch sein, der schon seit langer Zeit im Inneren der Zitadelle lebte. Die Farbe seiner …”

Biographie:

Barbara Jung, wohnt und arbeitet in Frankfurt am Main. Die Protagonisten ihrer Bücher und Geschichten rekrutieren sich zumeist aus Vertretern von Minderheiten. Veröffentlichung von Science-Fiction-Romanen und Fantastik-Thrillern (sämtlich auch als eBooks) und Kinderbüchern, ferner zahlreiche Kurzgeschichten und Lyrik in Anthologien und Magazinen sowie Artikel in Literaturzeitschriften.

Bibliographie:

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Trauermarsch
296 S., 15,24 €, ISBN 3-93482-03-6
Im Buchhandel als Libri Book on Demand
Preis für die eBook-Editionen: 5,09 €

Tattoos
312 Seiten, 15,85 € – ISBN 3-934582-05-2
In jeder Buchhandlung als LIBRI Book on Demand
Preis für die eBook-Editionen: 5,09 €

Kreuzzug des Hasses
297 Seiten, 14,78 € – ISBN 3-934582-00-1
In jeder Buchhandlung als LIBRI Book on Demand
Preis für die eBook-Editionen: 5,09 €

SAKOTA’S PARADISE
LOST PLANETS Bd.1
Book on Demand
BeJot-Verlag Frankfurt am Main, September 2000
Paperback
ISBN 3-934582-07-9 – 530 Seiten – 25,51 €
Preis für die eBook-Editionen: 6,60 €

RRIXSIEH = HOFFNUNG
Lost Planets Bd.2
Book on Demand
BeJot-Verlag Frankfurt am Main, Oktober 2000
Paperback
ISBN 3-934582-08-7 – 600 Seiten – 27,61 €
Preis für die eBook-Editionen: 6,60 €

SPACE ROVERS
Lost Planets Bd.3
Book on Demand
BeJot-Verlag Frankfurt am Main, November 2000
Paperback
ISBN 3-934582-09-5 – 384 Seiten – 19,17 €
Preis für die eBook-Editionen: 6,60 €

PLANETS OF NO RETURN
Lost Planets Bd.4
Book on Demand
BeJot-Verlag Frankfurt am Main, Dezember 2000
Paperback
ISBN 3-934582-10-9 – 386 Seiten – 19,17 €
Preis für die eBook-Editionen: 6,60 €

Welten voller Hoffnung
Hrsg.: Barbara Jung / Olaf Brüschke
Kurzgeschichten aus den Genres
Sciencefiction / Fantasy / Phantastik
BeJot-Verlag Frankfurt am Main 2002
Paperback, 228 Seiten; ISBN: 3-934582-11-7
Preis: 13,00 Euro

DELFINE IM NEBEL
Hrsg.: Udo Mörsch
Geschichten von Emily
Unterhaltsame und fantastische Geschichten aus der Welt eines kleinen Mädchens,
ab ca. 4 J., 100 Seiten,
liebevoll illustriert mit vielen lustigen Zeichnungen.
ISBN 3-934582-04-4,
7,62 Euro Bestellen beim Buchhandel als Book on Demand

Marco Mars
Bd. 1: Die Entführung
BeJot Frankfurt a. Main 2003,
ISBN 3-93458216-8, 124 Seiten,
8.00 EURO

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STERNENBRAUT LOVISA UND DER PLANET DER UNSTERBLICHEN – KAPITEL 2 – Eine Science-Fiction Erzählung von Miriam Kleve (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 4/2011)

Erstellt von Miriam Kleve am 31. Oktober 2011

STERNENBRAUT LOVISA

UND

DER PLANET DER UNSTERBLICHEN

KAPITEL 2

Science-Fiction Erzählung
von
Miriam Kleve



Sie wusste nicht, wie lange sie ohne Bewusstsein gewesen war. Aber Lovisa fühlte sich ausgeruht. Ihre Ohnmacht war in einen tiefen Schlaf übergegangen, den sie die letzten Tage so sehr gebraucht hatte. Doch um so wohltuender der Schlaf, um so schlimmer das Erwachen.

Sie hatte Zeit verloren. Vielleicht sogar zu viel Zeit. Und da war noch dieser tote Junge, der plötzlich vor ihr stand und den Morle mit den Sensoren der SKUNKKALLA nicht erfassen konnte. Lovisa hatte schon viele Gruselgeschichten von der Erde gehört. Doch die meisten waren als Aberglaube enttarnt oder von schlimmen Weltraumgeschichten abgelöst worden. Trotzdem war sich Lovisa sicher,  dass dieser Junge ein Vampir sein musste.

Lovisa hörte es Rascheln. Jemand war mit ihr im Raum. Vorsichtig öffnete sie die Augen einen Spalt und blinzelte. Sie lag in ihrer Kabine. Jemand hatte sie hergebracht, in ihre Koje gelegt und zugedeckt. Das Licht war gedimmt.

Nur zwei Schritte entfernt saß der Vampirjunge und blätterte in einem alten Buch, dass Lovisa zu ihrem zehnten Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Es war uralt und erzählte das Märchen von einem kleinen Jungen, der unbedingt Zauberer werden wollte. Lovisa hatte die Geschichte sehr gut gefallen, doch niemand hatte die fehlenden Bücher der Reihe mehr auftreiben können.

Genau in diesem Buch las der Junge, der sich als Bernard vorgestellt hatte. Lovisa schluckte und ihr Herz ging schneller. Was sollte sie nur machen? Morle war keine Hilfe. Vorsichtig sah sich die angehende Piratin um. Am Ende der Koje lehnte ihr Säbel. Wenn sie schnell genug war, konnte sie den Vampir sicherlich überraschen.

„Du brauchst dich nicht schlafen zu stellen.“ Die Stimme des Jungen klang fröhlich. Er schob das Buch zur Seite und drehte sich um. Sein Gesicht lag im Schatten und wirkte fremdartig und beängstigend. Zu Lovisas Überraschung konnte sie ihn verstehen. „Ich habe gehört, dass du aufgewacht bist. Irgendwie habe ich das Gefühl, zwischen uns beiden gibt es ein Missverständnis.“ Er lächelte und erneut sah Lovisa die beiden spitzen Eckzähne.

„Du bist ein Vampir.“, stieß sie atemlos hervor. „Ein echter Vampir. Du bis tot. Nein. Ich meine, du bist untot.“

Der Vampir strich sich mit dem Zeigefinger über eine der Augenbrauen. „Ich verstehe. Das hat sich also nicht geändert. Ich dachte die Menschen würden heutzutage anders über meine Spezies denken. Ich bin jedenfalls davon ausgegangen. Immerhin sind wir an Bord eines Raumschiffs. Das bedeutet einen großen Sprung in eurer Entwicklung. Dachte ich jedenfalls.“

„Deine Spezies? Ihr seid Monster.“

„Monster? Also erst einmal sind wir keine Monster. Mein Spezies nennt sich Vampyr. Und ich bin erst recht kein Monster, sondern Bernard. Bernard Tailleur, das habe ich dir doch gesagt.“

„Das macht es nicht besser. Der Name Tailleur genießt hier an Bord keinen guten Ruf. Im Gegenteil. Aber das erklärt einiges. Sicherlich ist Gouverneur Tailleur auch ein Vampir.“ Lovisa strampelte mit den Beinen die Decke weg. Glücklicherweise war sie darunter angezogen. Nur ihre Stiefel fehlten. Die standen vor dem Bett.

Bernard legte die Stirn in steile Falten. Etwas bereitete ihm offensichtlich Sorge. „Irgendwie habe ich mir das Aufwachen anders vorgestellt. Ganz anders.“

„Ich mir auch.“ Lovisa tastete mit den Händen ihren Hals ab. Sie fand keine Bissspuren und war erleichtert. „Und damit du es weißt, ich schmecke schrecklich. Und jeden Morgen frühstücke ich Knoblauch und Thymian.“

„Was? Wie kommst du denn jetzt darauf? Oh.“ Seine Miene hellte sich auf und er brach in schallendes Gelächter aus. „Ich verstehe, das hatte ich ja ganz vergessen. Wegen den spitzen Zähnen glaubt ihr ja, wir würden uns von Blut ernähren. Das mit dem Knoblauch habe ich auch gehört, aber die Sache mit dem Thymian ist mir neu.“ Bernard lächelte. „Keine Bange, Vampyre sind keine Blutsauger.“

Sein Lächeln war ansteckend und bisher hatte er keine Anstalten gemacht, Lovisa anzugreifen und seine Zähne in ihren Hals zu schlagen. Sie entspannte sich ein wenig und schwang ihre Beine über den Rand der Koje, um besser zu sitzen. Lovisa legte die Hände in den Schoß und betrachtete Bernard eingehend. „Wo kommst du eigentlich genau her? Wo ist deine Familie? Und warum hast du in einer Kiste geschlafen?“

„Bitte, langsam. Ich beantworte gerne deine Fragen. Aber ich brauche auch ein paar Antworten. Ich fühle mich momentan ziemlich verwirrt.“

Lovisa nickte. „Das geht mir genauso. Also in Ordnung, wie du mir, so ich dir. Du gibst mir Antworten und ich dir dann auch.“

„Einverstanden. Also, meinen Namen kennst du ja schon. Wie ist denn deiner?“

Lovisa wurde rot. Trotz dem großen Schrecken einem Vampir gegenüber zu stehen, hielt sie es plötzlich für unhöflich, sich nicht vorgestellt zu haben. „Lovisa Larsson. Und das Schiff hier, das ist die SKUNKKALLA.“ Sie reichte Bernard ihre Hand, die er ergriff und sanft drückte. Es war ein angenehmes Gefühl. Die Hand war zwar kühl, aber keinesfalls kalt, wie Lovisa befürchtet hatte.

„Freut mich dich kennenzulernen, Lovisa. Also, ich bin ein Vampyr und stamme von dem Planeten Illthanséa. Ich bin vor sehr langer Zeit auf euren Planeten gekommen. Damals sind die Menschen ebenfalls mit Schiffen gefahren, doch die hatten gewaltige Segel und dienten dazu, die Meere eures Planeten zu bereisen.“

Lovisa guckte Bernard verblüfft an. „Das ist aber ziemlich lange her. Du bist ja uralt. So siehst du gar nicht aus.“

„Um ehrlich zu sein, so groß ist der Unterschied zwischen und beiden gar nicht. Ich altere beinahe wie ein Mensch. Aber wenn wir schlafen, dann setzt der Alterungsprozess aus. Und manchmal vergessen wir regelrecht aufzuwachen. Ich habe aber wohl länger als jeder andere meiner Art geschlafen. Du hast gesagt, es gäbe einen Gouverneur Tailleur? Das ist sicherlich ein Verwandter von mir. Ich sollte unbedingt mit ihm reden.“

„Nein!“ stieß Lovisa hervor und ihre Stimme überschlug sich dabei fast. „Niemals! Ich kehre niemals wieder in die Nähe dieses Mannes zurück!“

Bernard war unter der dem plötzlichen heftigen Ausbruch zusammengezuckt und sah Lovisa erschrocken an. In seinen Augen wirbelten goldene Punkte umher. „Was hat er dir angetan?“ Aufrichtiges Mitgefühl schwang in Bernards Stimme mit. „Was war so Schreckliches, dass du so viel Angst vor ihm hast?“

„Er, er …“ Lovisa atmete tief durch. Dann begann sie zu erzählen. Erst langsam und stockend, dann immer schneller und schluchzend. Die Tränen rannen ihr übers Gesicht, als sie von Tailleurs Verbrechen erzählte, wie sehr sie ihren Pappa, Nils und die ganze Mannschaft der SKUNKKALLA vermisste. Am Ende saß sie auf der Kante ihrer Koje, nur mehr ein Häufchen elend, mit verweinten Augen, die Arme um ihren Oberkörper geschlungen.

„Entschuldige, dass wusste ich nicht.“ Bernards Stimme war tonlos. Mitgefühl lag in seinem Blick, als er zu Lovisa hinüberging und sich neben sie setzte. Bernard starrte einige Sekunden zu Boden, dann legte er seinen Arm um sie. „Was dieser Mann getan hat ist schrecklich und entehrt den Namen Tailleur. Egal was geschieht, ich werde dir beistehen, Lovisa. Versprochen. Bei meiner Ehre, ich werde erst ruhen, wenn die Gerechtigkeit wieder hergestellt ist.“

Seine Worte klangen stark und aufrichtig. Tief im Inneren wusste Lovisa, dass es Bernard ehrlich meinte. Es war gut, jemanden zum Anlehnen zu haben und sie legte ihren Kopf an seine Schulter. Obwohl sie den Vampyr erst seit kurzer Zeit kannte, kam er in diesem Augenblick einem Freund am nächsten.

„Und was ist mir dir?“ fragte Lovisa und blickte ihn an.

Bernard lächelte und stupste mit dem Zeigefinger leicht gegen ihre gerötete Nase. „Unwichtig. Wir kümmern uns erst einmal um dich. Einverstanden?“

Lovisa seufzte. „Ich habe keine Ahnung, was ich machen soll.“

„Ich glaube, das kommt von alleine, sobald du ein Ziel hast. Etwas, auf das du zulaufen kannst, das du erreichen willst. Was ist dein Ziel? Hast du schon eins?“

„Nils, mein kleiner Bruder. Er ist mir als einziges geblieben. Ich will ihn zurück.“

„Ja, das kann ich verstehen. Familie ist wichtig, sie ist Teil des Herzens und Teil der Seele. Sie hat uns zu dem gemacht, was wir sind. Das ist ein gutes Ziel.“

„Aber wie soll ich ihn finden? Das Universum ist so groß.“

Bernard dachte nach. „Stimmt. Aber wir sind bereits zu zweit. Und das macht dich stärker als noch vor einigen Stunden.“

„Wir sind zu dritt. Morle ist auch dabei.“

Kaum hatte Lovisa Morles Namen ausgesprochen, flammte der Bildschirm an ihrem Bett auf und die virtuelle Katze sprang herbei. „Du hast mich gerufen? Wollen wir spielen?“

Bernard betrachtete die Animation eingehend, während Lovisa über den Bildschirm streichelte. „Morle ist eine künstliche Intelligenz. Sie hilft mir die SKUNKKALLA zu steuern. Ohne Mannschaft ist das ziemlich schwer. Ich weiß auch gar nicht alles. Morle wird immer aktiviert, wenn ich ihren Namen laut ausspreche. Das Programm ist da viel zu empfindlich.“

„Lovisa, bist du krank? Die Sensoren der SKUNKALLA haben merkwürdige Lebenszeichen bei dir festgestellt. Ich kann nichts richtig zuordnen. Mein Lernprogramm spielt verrückt.“ Morle schmollte und verzog sich in eine Ecke des Bildschirms.

„Wie funktioniert das?“ fragte Bernard und versuchte Morle zu berühren. Seine Finger erreichten den Bildschirm und die künstliche Katze fauchte erschrocken auf. Mit einem Satz war sie in der nächsten Ecke. Lovisa lachte.

„Wie ulkig.“, meinte sie. „Das hat sie noch nie gemacht. Das ist neu.“

Morle war offensichtlich verwirrt. „Miau! Warum lachst du? Was ist hier los? Wer spricht hier noch außer uns?“

Jetzt lachte auch Bernard. „Entschuldige, Morle. Mein Name ist Bernard. Ich gehöre zur Spezies der Vampyre. Sensoren können uns nur sehr schwer wahrnehmen. Um mich zu lokalisieren, musst du dich an meiner Stimme orientieren.“

„Ein Vampyr?“ Morle schien erstaunt. Auf dem Bildschirm explodierten plötzlich hunderte von Bällen.

„Morles Programm arbeitet.“, erklärte Lovisa. „Entweder rechnet sie gerade oder fragt eine Datenbank ab. Ah, da ist sie ja wieder.“

Die Bälle verschwanden so plötzlich, wie sie gekommen waren. Morle sprang in die Mitte des Bildschirms. „Es gibt keine Spezies mit der Bezeichnung Vampyr. Es gibt nur Vampire in meiner Datenbank. Und dabei handelt es sich um Fiktion.“

Bernard blickte erstaunt auf den Bildschirm. „Ich kenne Computer, aber solche Systeme waren mir bisher unbekannt. Kann Morle nach allen Informationen suchen, die jemand will?“

„Morle kann nach allen Informationen suchen, die Morle will.“, fauchte Morle und zog eine Schnute. Ihre Augen verengten sich dabei zu schmalen Schlitzen. „Morle ist eine künstliche Intelligenz und besitzt als virtuelle Wesenheit sogar Rechte.“ Das Kätzchen war sauer.

„Entschuldige“, meine Bernard. „Ich muss mich erst daran gewöhnen. Hier ist einiges anders als ich es kenne. Aber ich lerne schnell.“

Lovisa nickte. „Das habe ich gemerkt. Du sprichst meine Sprache mit jeder Minute besser. Wie machst du das?“

„Vampyre lernen sehr schnell. Ich habe mich ein wenig in deinem Zimmer umgesehen. Und dann dieses wunderbare Buch gefunden. Vampyre und Menschen sind sich in einigen Dingen recht ähnlich und ich kannte ja noch die alten Sprachen. Deswegen ist es sehr einfach, deine Sprache zu lernen.“

„Verstehe.“ Lovisa blickte sich um. „Und wie hast du mein Zimmer gefunden?“

Bernard strich sich mit dem rechten Zeigefinger über die rechte Augenbraue. „Du musstest ja irgendwohin. Also habe ich dich durch das Schiff getragen. Es gibt an Bord viele Räume. Aber der hier schien zu dir zu passen.“

„Ja. Tailleurs Leute hatten noch keine Zeit, um hier klarschiff zu machen.“

„Ihr Menschen habt zwar den Weltraum erobert, aber ich habe das Gefühl, ihr liebt noch immer eure See.“

Nun war es an Lovisa zu lachen. „Das stimmt. Aber das liegt daran, dass wir gerne alte Sachen auf neue Dinge ummünzen. Das spart Zeit und diese Bildnisse machen es leichter, Sachen zu verstehen. Deswegen pflastern wir den Weltraum mit unseren nautischen Begriffen regelrecht zu. Und bei einem Segler wie der SKUNKKALLA, bieten sich der Vergleich mit einem Segelschiff doch auch an.“

Bernard kam aus dem Staunen kaum heraus. „Die SKUNKKALLA ist ein Segler? Wie funktioniert das?“

Lovisa stand auf und ging zu ihrem Schreibtisch. Sie kramte in der Schublade und holte das alte Modell des Frachters hervor. „Siehst du, das Raumschiff hat Segel. Sie haben eine Multifunktion. Innerhalb eines Systems setzen wir die Segel und der Sonnenwind fängt sich darin. Er bläst uns regelrecht voran. Gleichzeitig wird so Energie gewonnen und in den Sprungantrieb gespeist. Der ist wichtig, um große Entfernungen zurückzulegen. Das Universum liegt nämlich in Wellen und Falten. Mit genug Energie und einem passenden Sprunggenerator, kann ein Raumschiff das ausnutzen. Allerdings muss der Kurs gut berechnet werden und gute Routen sind teuer.“

„Das klingt ziemlich simpel.“, sagte Bernard skeptisch. „Irgendwie zu simpel.“

„Frag mich lieber nicht. Mit dem Computer kann ich zwar einen Sprung berechnen, aber wie das alles wirklich funktioniert, da habe ich keine Ahnung. Wir hatten an Bord einen Ingenieur, der sich um alles gekümmert hat. Jetzt versucht Morle ihn zu ersetzen.“ Lovisa zeigte auf den Bildschirm.

Morle war gerade dabei und lief einem virtuellen Wollknäuel hinterher, das ständig seine Farbe änderte. „Miau!“

„Aber ein richtiger Ersatz ist das auf keinen Fall.“, erklärte Lovisa weiter.

„Das wird unser nächster Schritt sein.“ Bernard klatschte laut in die Hände. Lovisa und Morle zuckten vor Schreck zusammen. „Du bist eine Kapitänin mit einem Schiff. Jetzt brauchst du noch eine Mannschaft, um Gouverneur Tailleur ein Schnippchen zu schlagen und Nils zu befreien.“

„Stimmt. Eigentlich liegt das auf der Hand. Aber woher soll ich eine Mannschaft bekommen? Sich mit Gouverneur Tailleur anzulegen bedeutet, sich eine Menge Ärger einzuhandeln. Da brauche ich mutige Leute.“

Bernard dachte darüber nach. „Gibt es einen Piratenhafen? Einen Treffpunkt für Schmuggler und Gauner?“

„Sicherlich, aber mir sind die Sprungpunkte unbekannt. Pappa hat solche Stationen gemieden. Wir sind einfache Kauffahrer. Wir waren es jedenfalls.“, erklärte Lovisa mit bedrückter Stimme. „Aber vielleicht kann uns Slim helfen.“ Ihre Miene hellte sich auf. „Er war bis vor zwei Jahren Mechaniker auf der SKUNKKALLA. Dann hatte er Streit mit meinem Pappa und wurde gefeuert.“

Morle tauchte fauchend auf. „Achtung, negativer Eintrag in der Datenbank. Die SKUNKKALLA erzwingt bei Nennung des Namens Slim eine Warnmeldung. Achtung.“ Das virtuelle Kätzchen rollte sich über den Bildschirm, bis es an den Rand stieß und dann mit gesträubtem Fell zurücksprang. „Laut Datenbank ist Slim Jorgenson ein unzuverlässiger Trinker.“

Bernard zuckte mit den Schultern. „Das mag sein. Aber wir sollten mit dem Mann reden. Auch wenn er nicht anheuert oder du dich gegen ihn entscheidest, so hat er doch zur Mannschaft gehört. Er kennt sich an Bord aus, kann dir Tipps geben und weiß vielleicht, wen du an Bord nehmen kannst.“

„Das ist eine gute Idee, Bernard.“ Lovisa gab dem verdutzten Vampyr einen flüchtigen Kuss auf die Stirn. „Lass uns auf die Brücke gehen und ich setze den Kurs. Ich weiß noch wie Pappa sagte, Slim würde auf ANDORRA arbeiten. Das ist eine kleine Raumstation. Sobald die SKUNKKALLA genug Energie hat, werden wir springen.“

Sie verließen Lovisas Zimmer und marschierten auf die Brücke. Morle folgte ihnen über die Bildschirme an den Wänden und Bernard sah sich staunend die SKUNKKALLA an. Obwohl er Raumschiffe kannte, faszinierte ihn der kleine Frachter.

Lovisa ging zum Kompass hinüber und aktivierte den Astrogationscomputer. Konzentriert suchte sie nach den Koordinaten von ANDORRA und ließ sich von Morle die Sprungparameter anzeigen. Lovisa entschied sich für eine sichere Route über zwei Sprungpunkte. Das sie dann einige Tage länger unterwegs waren, nahmen die junge Kapitänin in kauf.

„Ziel ist ausgewählt und Kurs gesetzt. In einer Stunde ist die SKUNKKALLA bereit zum Sprung.“ Lovisa ging zum großen Panoramafenster hinüber. Mit verschränkten Armen sah sie in den Weltraum hinaus. „Zwei Leute habe ich ja schon. Das ist ein Anfang. Schritt für Schritt auf mein Ziel zu.“ Ihr Stimme hatte an Zuversicht gewonnen.

Lovisa griff sich an die Stirn und schob ihre Augenklappe über das linke Auge. „Ha, hier kommt die Piratenbraut Lovisa mit ihrer furchtlosen Crew!“

„Ich glaube du bist keine Piratenbraut.“, sagte Bernard und lächelte Lovisa an. Dann stellte er sich neben sie und legte seine Hand auf ihre Schulter. „Du bist mehr. Du bist eine Sternenbraut.“

ENDE


Copyright (c) 2011 by Miriam Kleve

BUCHTIPP DER REDAKTION:

Gußmack, Norbert K.
Die Ankunft der Lichtbringer

Verlag :      Re Di Roma-Verlag
ISBN :      978-3-86870-268-2
Einband :      Paperback
Preisinfo :      13,95 Eur[D] / 14,40 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 18.08.2011
Seiten/Umfang :      ca. 232 S. – 19,0 x 12,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 31.08.2011

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»Man nennt uns die Lichtbringer , denn viele Völker lehrten wir die Beherrschung des Feuers und nahmen ihnen so die Furcht vor der Finsternis.« -Mahra, hohe Ratsfrau der Candareen Mit der Ankunft der Lichtbringer scheint für die Menschheit ein neues Goldenes Zeitalter anzubrechen. Die Candareen zeigen sich großzügig, für ihre wundervollen Geschenke verlangen sie keine Gegenleistung. Die Herzen der Menschen fliegen ihnen zu, nur eine kleine Minderheit misstraut den Besuchern. Doch weder die Anhänger der Candareen noch ihre Gegner begreifen, worum es den fremden Wesen wirklich geht.

Kurzbiografie:
Geboren am 30. März 1987 im österreichischen Köflach, dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. In seiner Jugendzeit mehrfach Mitarbeit an archäologischen Ausgrabungen. Volontär am Institut für Genomik und Bioinformatik, TU Graz. Studium der Geschichte in Graz (schreibt derzeit an seiner Diplomarbeit), gleichzeitig Ausbildung zum akademischen Medienfachmann (erfolgreich beendet im Sommersemester 2011). Kurzpraktikum bei einer großen österreichischen Tageszeitung. Wintersemester 2011: beginnt mit einem Molekularbiologie-Studium. Am 31. August erschien sein Erstlingswerk mit dem Titel “Die Ankunft der Lichtbringer”.

Zum Interview: 10 Fragen an Norbert K. Gußmack

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SCHWARZ & WEISS – eine Kurzgeschichte von Simone Wilhelmy

Erstellt von Simone Wilhelmy am 31. Oktober 2011

SCHWARZ & WEISS

eine Kurzgeschichte
von
Simone Wilhelmy

*

Eisig kalt hing die Stille über dem staubigen Marmorboden. Sie hatte sich in jede Ecke, in jede Rille gedrängt und erdrückte das leise Knistern der Fackeln, die hier und da an den groben Felswänden hingen. In der Ungestörtheit vergessener Orte wuchs die Stille heran, bis sie so dicht war wie die Schatten.

Das Knarren verwitterter Türangeln drängte sich in die Ruhe und plötzlich strömte laute Rockmusik in den Gang. Eine Welle von lärmenden Stimmen und Gelächter brach sich an den steinernen Wänden, brachte die Fackeln zum Flackern und wirbelte den Staub vom Boden auf. Partymusik dröhnte von Wand zu Wand und ihr Echo verebbte als zorniges Grollen in den düsteren Tiefen des Ganges.

„Fängt jetzt die Suche an?“ Die Stimme der jungen Frau mit den kristallblauen Augen hinter der Maske klang nach dem Champagner, der ihr Blut zum Rauschen brachte. Sie fühlte sich leicht und wach, aber in die Aufregung über das bevorstehende Abenteuer mischte sich auch Angst.

Weiß noch jemand, wie das Rätsel hieß?

*

„Ein silbern Band
an keuscher Hand
soll Lohn dem sein
der ihn dort fand
wo Himmelstor
und Höllenpforte
an einem längst vergessnem Orte
sich streiten um der Seelen Pfand.“

*

Der Vers war Teil der Einladung gewesen, die die Gäste zusammen mit den Masken erhielten. Weiße Seidenmasken für die Damen, verziert mit Federn und kleinen weißen Edelsteinen, jede für sich ein Kleinod und ein Unikat. Im Gegensatz dazu waren die schwarzen Seidenmasken der Herren schlicht, edel und alle identisch. Die Einladung war unterschrieben mit Schwarz & Weiß Gesellschaft. Niemand wusste, wer sich hinter dem Namen verbarg, doch wenn die Schwarz & Weiß Gesellschaft eine Party gab, fragte man nicht, sondern warf sich in Schale. Die Garderobe war vorgeschrieben, die Herren im schwarzen Anzug mit Zylinder, die Damen mit weißem Abendkleid und Handschuhe.

Zu den Klängen des Monster Mashs drängten sie sich durch die Geheimtür die dunkle Marmortreppe hinunter. Viele von ihnen hatten Champagnerflaschen mitgenommen und das Klirren der Gläser und das Lachen der von zu viel Alkohol überdrehten Männer und Frauen hallten durch die verwinkelten Tunnel.

Das schummrige Licht der Fackeln spendete mehr Schatten als Helligkeit. Die kleine Gruppe rückte trotz der Breite des Ganges enger zusammen und genoss es sich zu gruseln. Der anonyme Gastgeber wusste, wie man sich amüsierte und war bekannt für seine formidablen Partyspiele. Ein Suchspiel, ein geheimnisvolles Rätsel und als Belohnung durfte man den Schatz behalten.

Niemand zeigte sich eingeschüchtert von der Düsternis des Ortes. Der Hauch des Makabren, der spürbar in der Luft hing, regte im Gegenteil die Feierlaune noch weiter an.

Ein junger Mann mit keckem Dreitagebart erzählte mit leiser Stimme eine Schauergeschichte und die kleine Rothaarige, die sich bei zwei Männern untergehakt hatte, kicherte schrill.

Eine weitere Treppe führte hinunter zu einem Gewölbe. An den Wänden, auf dem Boden und sogar an der Decke befanden sich verwitterte Steintafeln. Ein Mann ging auf die Knie und wischte über die kaum lesbaren Buchstaben, während die anderen ausgelassen über den unebenen Boden tanzten. Ein halbleeres Glas fiel jemanden aus der Hand und landete klirrend auf einer kleinen Tafel auf dem ein Engel eingraviert war.

„Es sind die Grabinschriften.“ Der Mann auf dem Boden schrie triumphierend auf. „Wo Himmelstor und Höllenpforte sich streiten um der Seelen Pfand. Das hier ist ein Mausoleum!“

Für einen kurzen Moment tanzten sie noch weiter über die Gräber, doch dann erinnerte sie das Zitat aus dem Rätsel an die Schatzsuche. Irgendwo war hier ein kostbarer Schatz. Vielleicht war es ein ein silberner Ring, der womöglich ein Vermögen wert war.

„Hier muss irgendwo ein Versteck sein.“ vermutete eine Honigstimme. In ihrem weißen Hosenanzug stach sie aus der Gruppe hervor. Etwas war in ihrer Stimme, etwas Verlockendes, ein Versprechen, welches an den Reichtum erinnerte, den sie hier zu finden glaubten. Es wirkte wie ein Startschuss für die aufgekratzte Menge. Hektisch begannen sie nach verborgenen Nischen zu suchen. Niemand sah, wer die Urne umwarf, die mit einem Knall auf den Boden auftraf und dort eine der Grabinschriften zerbrach. Eine schwarzhaarige Schönheit durchwühlte mit kaltem Blick die Scherben. Sie zögerte, als sie die Inschrift der zerbrochenen Tafel betrachtete.

„ … unserem geliebten Kinde …“, las sie mit verunsicherter Stimme, doch dann blitzte eine Erkenntnis in ihren Augen auf.

„An keuscher Hand“ zitierte auch sie das Rätsel und sah sich dann fragend um. Sie konnte kaum verbergen, wie die Gier an ihr nagte, doch noch hielt sie die Scham zurück.

Die Frau im Hosenanzug nickte bestätigend. „So sagte der Reim….“

Niemand nahm sich mehr die Zeit den Hinweis mit den Inschriften zu vergleichen. Ein Mann, der auf der Party mit Kunststücken mit seinem Gehstock angegeben hatte, rammte diesen brutal in eine Marmorplatte und scharrte mit seinen Händen in dem Grab. Egal ob Mann oder Frau, alle versuchten nun so viele Gräber wie möglich zu öffnen und nach den Schätzen zu greifen, die sich darin befanden. Der versprochene Ring war vergessen, denn es gab genug anderes, was man finden konnte. Der hochhackige Absatz einer Frau mit braunen Locken und warmen braunen Augen zermalmte einen Handknochen. Das Knirschen ging im allgemeinen Trubel unter. Immer mehr Gräber wurden geschändet. Nicht einer zeigte auch nur den Ansatz eines schlechten Gewissens.

Von allen unbemerkt bewegte sich der Staub der zerborstenen und zertreten Knochen. Er zog sich zu kleinen Wölkchen zusammen, schlängelte um die bleichen Gebeine, die verstreut herum lagen und züngelte unter den Sohlen der gierigen Meute hervor. Dichte graue Schwaden erhoben sich und vernebelte die Luft im Mausoleum. Die Grabräuber unterbrachen hustend und würgend ihre Zerstörungsorgie.

Aus den Ritzen und Löchern der geöffneten Gräber krabbelten winzige graue Punkte, im dichten Knochenstaub kaum zu erkennen. Sie strömten aus einem Schädel, der von dem Gehstock gespalten wurde, als ein Mann in Panik damit um sich schlug. Sie flirren umher auf einer Vielzahl von Beinen. Es waren Tausende, die sich auf die Partygäste stürzten und sie bissen.

Der Staub brannte in den Augen und auf der Haut. Wo die Bisse sich entzündeten, breiteten sich gräuliche Flechten aus. Die Feiernden schrien und versuchten in blinder Panik zu fliehen. Rücksichtlos trampelten sie einander nieder, stießen blind um sich und versuchten sich und nur sich zu retten. Am Ende des Ganges führte die schmale Treppe zurück in den Ballsaal, doch sie war viel zu eng für sie alle zusammen.

Die Frau in dem anmutigen Hosenanzug, der ganz grau war vor Staub, wurde abgedrängt und eingekeilt. Ihr Vordermann drehte sich zu ihr um, die Augen seltsam verdreht. Er schnaubte und stöhnte vor Schmerzen. Dann knurrte er sie unvermittelt an und kam drohend auf sie zu. Die Augen waren blutunterlaufen und die Zähne gefletscht. Jetzt sah sie die spitzen Eckzähne.

„Ein Vampir“ erschrocken versuchte sie zurück zu weichen, doch hinter ihr war die Wand. Instinktiv hob sie die Hand und zog mit dem Daumen auf seiner Stirn ein Kreuz nach.

„Sei gesegnet“ rief sie und der Vampir wandte sich panisch ab. Während er davon lief, wischten seine Hände immer wieder über das glühende Kreuz auf seiner Stirn.

Immer mehr Menschen verwandelten sich in erschreckende Wesen und gingen aufeinander los. Sie schaffte es einen weiteren Vampir mit ihrem Segen abzuwehren, doch der nächste Angreifer hatte keine Eckzähne, dafür eine grünliche Gesichtsfarbe. Sie zeichnete das Kreuz auf seine Stirn, aber sein Grinsen verriet, dass ihm das gar nichts ausmachte. Ohne nachzudenken fragte sie: „Willst du bei mir einziehen?
Verwirrt stutzte der Kerl, der sich gerade in einen Zombie verwandelte. „Öhm, du willst etwas Festes?
Sie nickte und hauchte ihm ein „Ich liebe dich.“ in die Ohren. Das war so wirksam, wie die Segnungen bei den Vampiren.

Die Geister vertrieb sie mit Zitaten aus den Ghostbusters – Filmen und als ihr ein Werwolf mit vor Sabber triefenden Zähne entgegen trat, drohte sie ihm mit der Glitzerbodylotion der Marke Edward. Kein Werwolf, der etwas auf sich hielt, würde glitzern wie ein Vampir. Niemals!

Der letzte der unheimlichen Gestalten war ganz rot und ihm wuchsen kleine Hörnchen auf der Stirn. In den dunklen Augenhöhlen lagen seine Augen schwarz wie Kohlestücke.

„Und wie willst du mich abwehren?“, fragte er amüsiert.

„Finden wir es raus.“ Sie packte ihn an den Hörnern, zog ihn dicht an sich heran und küsst ihn leidenschaftlich, höllisch.

Als sie die Augen wieder öffnete, schlugen Flammen daraus hervor.

*

Copyright © 2011 by Simone Wilhelmy

Bildrechte: Coverillustration “Fremdwesen01” (TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Fremdwesen01-100-100-100.jpg” (Originaltitel: TN-20110131041632-4c05fc6e.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.


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Im Norden Amerikas ist der Winter die Zeit, in der Ungeheuer durch die Wälder streifen. Ungeheuer, die sich einmal als Riesen zeigen, dann wieder als Gerippe aus Eis. Es sind die Windigos, die bösen Geister des Winters. Nur dann, wenn sein Eisherz schmilzt, kann ein Windigo besiegt werden Auch anderswo auf der Welt gibt es böse Geister: in Indien ebenso wie in Ungarn, in der Südsee oder in Deutschland. Spannend, unheimlich und lustig sind die Gruselmärchen aus aller Welt, die Friedl Hofbauer und Käthe Recheis gesammelt und für Kinder neu erzählt haben. Eine Fundgrube für Fans des Unheimlichen, reich ausgestattet mit vielen prachtvollen Illustrationen von Annett Stolarski.

Käthe Recheis, geboren 1928, lebt seit 1961 als freie Schriftstellerin in Wien und in Hörsching (Oberösterreich). Sie erhielt eine große Anzahl in- und ausländischer Preise und Auszeichnungen. In vielen ihrer Bücher, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden und von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen gelesen werden, setzt sie sich mit den Indianern Nordamerikas auseinander.

Friedl Hofbauer, geb. in Wien, Studium der Germanistik an der Universität Wien. Sie begann als freie Schriftstellerin, schreibt für Erwachsene und Kinder. Friedl Hofbauer wurde mehrfach mit dem Kinderbuchpreis der Stadt Wien ausgezeichnet.

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Der WDR 5 bringt am Di. 15.11.2011 um 20:05 den Science-Fiction-Thriller POLYPLAY von Marcus Hammerschmitt als Hörspiel!

Erstellt von Detlef Hedderich am 30. Oktober 2011

WDR 5 – Das Hörspiel am Dienstag (15.11.2011 20:05)

Polyplay
Von Marcus Hammerschmitt

Komposition: Martin Daske
Bearbeitung und Regie:
Barbara Meerkötter
Produktion: WDR 2008/54’

Mit Judith Engel, Ulrich Matthes, Horst Kotterba, Steffen Scheumann, Suzanne von Borsody u.a.

Redaktion:
Georg Bühren

http://www.wdr5.de/sendungen/hoerspiel-am-dienstag/s/d/15.11.2011-20.05.html

Die Buchvorlage für dieses Hörspiel zum Bestellen:

Hammerschmitt, Marcus
Polyplay

Im Buch blättern

Verlag :      Argument Hamburg
ISBN :      978-3-88619-974-7
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,00 Eur[D] / 12,40 Eur[A] / 17,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 09.06.2011
Seiten/Umfang :      192 S. – 20,0 x 13,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      2002
Gewicht :      194 g
Aus der Reihe :      Social Fantasies 5006

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Auferstanden aus Ruinen?

Rüdiger Kramer, Oberleutnant der Volkspolizei, wird am 3.4.2000 zu einem Tatort gerufen: Der 16-jährige Michael Abusch liegt mit zertrümmertem Schädel vor den Computerspielautomaten eines Jugendclubs. Erste Zeugenbefragungen ergeben, dass der Junge geradezu besessen war von einem altertümlichen Computerspiel namens »Polyplay«. Kramer beginnt zu ermitteln, doch schlagartig lösen sich alle Spuren in Luft auf. Und man munkelt, der Fall habe politische Implikationen …

Volkspolizei? Im April des Jahres 2000? In Marcus Hammerschmitts Alternativwelt-Thriller konnte der historische Börsenkrach von 1987 nicht abgefedert werden, sondern mündete in eine Weltwirtschaftskrise. Die DDR-Ökonomie erholte sich aber überraschend schnell: Die Entdeckung einer revolutionären Energiequelle schuf unbegrenzte Energiereserven – und so nahm die Geschichte einen anderen Verlauf: Die DDR schluckte die BRD und übernahm die wirtschaftliche und politische Führung in Europa.

Dies alles ist für Oberleutnant Kramer selbstverständlich. Und doch droht der von höchster Instanz blockierte Mordfall Abusch seine Normalität auf den Kopf zu stellen. Was für ein Spiel wird hier gespielt?

Marcus Hammerschmitt, 1967 in Saarbrücken geboren, studierte in Tübingen Philosophie und Literaturwissenschaft. Seit 1994 ist er freier Schriftsteller. Er wurde mit dem Essaypreis der Büchergilde Gutenberg und dem Würther Literaturpreis ausgezeichnet. Bisher im Argument Verlag: Der Opal (SF 2060) und Der Zensor (SF 5003).

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Der richtige Dreh – Tipps & Tricks für ‚Rubik’s Cube’! * KAUFTIPP DER REDAKTION: Schöttke, Henning – Geschenkset Gulas Cube zum Buch Gulas Menü.

Erstellt von Detlef Hedderich am 29. Oktober 2011

PRESSEMELDUNG (ZITAT): yahoo.com – “Wussten Sie, dass ‘Rubik’s Cube’ das meistverkaufte Spielzeug auf der ganzen Welt ist? Das geniale Puzzlespiel, das sich aus 26 einzelnen Würfeln zusammensetzt, wurde 1974 von dem ungarischen Architektur-Professor Ernő Rubik erfunden. In Deutschland ist das Knobelspiel auch unter dem Namen Zauberwürfel bekannt und seit seinem Erscheinen vor 37 Jahren hat sich Rubiks Erfindung sagenhafte 350 Millionen Mal verkauft. (…)”

Quellenangabe zur Veröffentlichung (gesamte Pressemeldung)

BESTELLTIPP DER REDAKTION:

Schöttke, Henning
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Verlag :      Stories u. Friends Verlag
ISBN :      978-3-942181-10-5
Einband :      gebunden
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Letzte Preisänderung am 24.08.2011
Seiten/Umfang :      220 S. – 11,5 x 18,5 cm
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      18.09.2011

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GESCHENKSET MIT BUCH: Gulas Menü von Henning Schöttke (ISBN 978-3-942181-09-9), 1 x Magic Cube 3×3x3, STORIES & FRIENDS Geschenkbox orange mit Lederband verschlossen und Goldfolie ausgelegt.

DAS BUCH: “Gulas Menü” zeigt in 16 Geschichten, welche Bedeutung Essen für den Menschen spielen kann und welchen Einflüssen es unterliegt. Und was hat der Zauberwürfel damit zu tun? “Gulas Menü” ist auch die Geschichte eines Lebens und eine Zeitreise, die in den 70er Jahren beginnt und in der Zukunft endet. Wie Gula den Rubik’s Cube bezwingt, lesen Sie im Kapitel “Rubik’s Cube”.

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ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln mit Pressemeldungen, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens 1 Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

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Nichts als Erlösung – Premierenlesung der Autorin Gisa Klönne. Ein Bericht von Iris Gasper.

Erstellt von Galaxykarl am 29. Oktober 2011

Nichts als Erlösung – Premierenlesung der Autorin Gisa Klönne am 19.10.2011 im Buchladen Neusser Straße in Köln-Nippes

160 Besucher waren gekommen um der Premierenlesung zu Gisa Klönnes neuestem Kriminalroman „Nichts als Erlösung“ zu lauschen. Der rote Teppich wurde ausgerollt und die Autorin fand im Publikum neben vielen fremden Gesichtern auch Bekannte, Freunde und Nachbarn wieder, was ja auch kein Wunder ist, wenn man als in Köln lebende Autorin ein „Heimspiel“ hat.

Moderiert wurde der Abend von Antje Deistler (WDR), die zwischen den einzelnen Lesungsausschnitten immer wieder das Gespräch mit der Autorin suchte. So kam zur Sprache, dass „Nichts als Erlösung“ als 5. Band der Reihe rund um die Protagonistin Judith Krieger vom Cover her einfach ganz anders ist als die Vorgängerbände, weil hier erstmalig kein Tier abgebildet wird. Diese Änderung im äußeren Erscheinungsbild ist aber vom Verlag ausdrücklich gewollt und von der Autorin für gut befunden. Beim Schreiben des ersten Bandes der Reihe war für Gisa Klönne noch gar nicht klar, dass sich hier einmal eine Reihe entwickeln würde. Der Autorin ist Judith Krieger aber mittlerweile ans Herz gewachsen. Judith ist eine Protagonistin mit Stärken und viel Tiefe, eine Frau, die auch immer wieder einiges zu erleiden hat.

Im vorliegenden Buch geht es um einen aktuellen Todesfall und ein damit im Zusammenhang stehendes Familiendrama, welches sich vor vielen Jahren in einem Haus in Hürth, in der Nähe von Köln, zugetragen hat. Dieses Haus wirkt auf eine besondere Art auch bedrohlich. Die Ermittler finden Hinweise auf Zusammenhänge mit einem Kinderheim, die zurückreichen bis in die Zeit des Nationalsozialismus. Mit dem Thema Kinderheime beschäftigt sich Frau Klönne schon sehr lange und hier nun konnte sie dieses Thema einarbeiten in einen Mordfall mit gesellschaftlicher Relevanz und dabei noch verschiedene Zeitebenen berücksichtigen.

Auf Nachfrage durch Frau Deistler erläutert die Autorin, dass sie das Düstere in ihren Kriminalromanen einfach braucht. Früher einmal, während ihrer Tätigkeit als Journalistin, wollte sie selbst die Welt verbessern. Nun aber braucht sie das nicht mehr. Ihre Rolle hat Judith Krieger übernommen und die macht das ganz gut.

Derzeit arbeitet die Autorin an einem ganz anderen Buchprojekt, weil sie nach 5 Romanen mit Judith Krieger einfach einmal eine Pause machen will. Die Lesereise zu ihrem Roman „Nichts als Erlösung“ wird sie aber nach der Premiere in Köln noch in viele weitere Städte und schließlich sogar nach Großbritannien und Dänemark führen.

Die Premierenlesung im Buchladen Nippes zu „Nichts als Erlösung“ war ein rundum gelungener Abend, mit einer tollen Moderatorin und einer lockeren und fröhlichen Autorin, der man angemerkt hat, wie viel Herzblut sie in ihre Bücher und in die von ihr geschaffenen Charaktere investiert.

Man darf gespannt sein, was die Leser der Reihe zukünftig noch erwarten wird.

Danke an den Ullstein Verlag für die Bereitstellung der Karten für diese Lesung, an den Buchladen Nippes für einen rundum gelungenen Abend, an die Moderatorin Antje Deistler für die tollen Gesprächsideen und natürlich an die Autorin Gisa Klönne, die den Zuhörern ihr düsteres Werk sehr schmackhaft gemacht hat.

Copyright © 2011 by Iris Gasper

Ein Titel der Autorin bei Buchrezicenter:
Der Wald ist Schweigen

BUCHEMPFEHLUNG DER AUTORIN UND DER REDAKTION:


Klönne, Gisa
Nichts als Erlösung

Judith Kriegers fünfter Fall

Verlag :      Ullstein Buchverlage
ISBN :      978-3-550-08777-6
Einband :      gebunden
Preisinfo :      19,99 Eur[D] / 20,60 Eur[A] / 27,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 01.08.2011
Seiten/Umfang :      ca. 352 S.
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      10.10.2011

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Hauptkommissarin Judith Krieger bekommt ein zerschnittenes Foto zugeschickt. Gleichzeitig wird in der Kölner Altstadt ein ermordeter Mann gefunden. Sein Gesicht ist brutal entstellt. Als Judith eines Tages vor dem Haus steht, das auf dem Foto zu sehen ist, setzt sich das Puzzle zusammen: Es ist das Elternhaus des Toten und war Jahre zuvor Schauplatz eines ungeklärten Verbrechens. Die Eltern sind bis heute spurlos verschwunden. Judith findet heraus, dass sie früher ein höchst umstrittenes Kinderheim leiteten. Ist der Täter derselbe wie damals? Ist Rache sein Motiv? Und warum schickt er das Foto an Judith?

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RENO – Kapitel 2 – Eine Science-Fiction-Fortsetzungsgeschichte von Michael Bahner

Erstellt von Michael Bahner am 29. Oktober 2011

Reno

Kapitel 2

Eine Science-Fiction-Fortsetzungsgeschichte

von

Michael Bahner

Was bisher geschah …

Kilometerweit zog sich eine rauchende Schneise durch das Buschland. Überall lagen brennende Äste und Sträucher auf den Böschungen und in deren näherer Umgebung. Im einsetzenden Nieselregen verwandelten sie sich schnell in qualmendes und stinkendes Holz. Die aufgeworfene Erde war übersät mit glitzernden Glaspartikeln, geschmolzen im heißen Strahl der Plasmajets. Sie zischten und klirrten leise im Regen.

Am Ende der Furche steckte der Hopper in einer Moräne aus Dreck, Steinen und Wurzeln. Ein kokelndes, zerfetztes Stück Weltraumschrott, bei dem die Pilotenzelle das einzige Teil zu sein schien, das einigermaßen intakt geblieben war. Was von dem Wrack noch heraus schaute war über und über bedeckt von einer pulsierenden Schicht dicker, weißer Raupen. Ein letztes klägliches Fauchen drang noch tief aus den Eingeweiden der Jets, dann regte sich nichts mehr.

Der Regen wurde allmählich stärker, bis er zu einem undurchdringlichen Schauer angeschwollen war, mit rauschenden grauen Schleiern, die den Hopper bald vollständig eingehüllt hatten und den Graben, in dem er lag, schnell mit schlammiger Brühe füllten.

Jetzt konnte die Libelle nichts mehr erkennen, aber sie fühlte, dass alle Informationen ihr Medium erreicht hatten. Außerdem wurde es immer schwieriger, im strömenden Regen zu manövrieren. Ihr Pelz, obwohl gut eingefettet, begann schon merklich schwerer zu werden. Wenn sie noch länger in diesem Unwetter blieb, würde sie überhaupt nicht mehr fliegen können und kriechen müssen.

Hier, in diesem von Arachniden verseuchten Land kann das tödlich sein!

Sie selbst konnte diese komplexen Überlegungen nicht anstellen, sie selbst hatte nichts von den Arachniden zu befürchten, aber sie spürte die dunkle Angst in den Gedanken ihres Mediums. Sie waren in dieser Mission ein untrennbarer Teil von ihr. Daher schwirrte sie so weit und so schnell, wie es ihr möglich war, in die Höhe und machte sie sich eilig auf den Rückweg.

Ihre wilden Artgenossen waren schon lange verschwunden.

***

Von Westen her soll ein Unwetter aufziehen? Ich hoffe, dass unser Unternehmen dadurch nicht gefährdet wird.

Kaiser Nangklao stand auf dem Balkon des Audienzsaals und wartete einen Moment, bis der kaiserliche Berater, der Spähmeister und das Medium des Spähers den Saal verlassen hatten.

Die tiefstehende Abendsonne wärmte ihm die Stirn, und er genoss den lauen Wind, der von der Ebene herauf wehte. Ihr Licht verwandelte die Dächer und Mauern unterhalb des Palastes in ein Pastellbild aus unwirklichem Rot; grobkörnig und verschwommen schimmerte es durch die Dampfwolken, die aus den Fahrzeugen, den Maschinen und den Schornsteinen der Häuser pulsierten. Und es zauberte funkelnde Splitter auf die Schindeln und Metallverkleidungen von hunderten von Türmchen und Giebeln.

Obwohl der Palast hoch über der Stadt lag, konnte der Kaiser noch den Gestank der Abgase und des Öls wahrnehmen. Er spürte auch die Feuchtigkeit, die die vielen Dampfmaschinen erzeugten. Aber es zogen auch andere Gerüche heran: von Pulver und Raketenbrennstoff. Es roch nach Ärger – nach Krieg.

Vielleicht auch nach beidem, sinnierte der Kaiser und musste unwillkürlich lächeln.

Als das erste Objekt vom Himmel gestürzt war, hatten sie zwei Späher losgeschickt. Schnelle Libellen, die zu klein waren, um Menschen tragen zu können. Stattdessen waren sie so gezüchtet und trainiert, dass sie eine Reihe simpler Befehle verstanden und einfache Aufträge, wie das Beobachten bestimmter Regionen aus großer Höhe, selbstständig ausführen konnten. Allen diesen Tieren waren Medien zugeteilt, die sich mit deren Gedanken verbinden konnten. Auf diese Art war ein Medium in der Lage, alle Sinneseindrücke seines Spähers zu empfangen und das zu fühlen und zu sehen, was auch das Tier fühlte und sah.

Es gab nur wenige Menschen, die diese wunderbare Gabe hatten; sie konnte weder erlernt noch vererbt werden. Es handelte sich um eine Mutation, eine äußerst seltene Laune der Natur, die einerseits kostbarer war als irgendein Metall auf dieser Welt, aber andererseits auch gefährlicher als die schärfste Klinge oder das größte Schlachtschiff, wenn sie richtig eingesetzt wurde. Niemand außer dem Kaiser selbst oder von ihm ernannte Personen waren befugt, über die Medien und ihre Späher zu verfügen.

Einer der Libellenspäher, die sie losgeschickt hatten, war aus heiterem Himmel von einem zweiten Himmelsobjekt getroffen worden, als sie dabei gewesen waren, die Landestelle des ersten zu erkunden. Der Schock hatte sich sofort auf das Medium übertragen und es auf der Stelle getötet. Der zweite Späher hatte sich noch aus der Gefahrenzone retten und beobachten können, wie das Objekt von dem Schwarm wilder Libellen angegriffen worden war, bei denen sie sich verborgen hatten. Die letzten Bilder, die er seinem Medium übermittelt hatte, waren jedoch umso interessanter und wichtiger: es handelte sich tatsächlich um ein Gefährt, das von Menschen gesteuert wurde. Ein Gefährt, das womöglich in den Himmel und zu den Sternen fliegen konnte – oder von dort kam!

Ich muss diese Fluggeräte besitzen, dachte der Kaiser. Wenn diese Menschen noch leben, muss ich sie mir zu Verbündeten machen – oder gefügig. Wer solche Fluggerräte bauen kann, muss auch Waffen haben, die allen unseren überlegen sind. Ich muss ihre Technik besitzen, ihre Macht. Unbewusst ballte er die Fäuste, und sein Mund verengte sich zu einem schmalen Strich. Diese Macht wird es mir ermöglichen, in jedem Land dieses Planeten die Herrschaft zu übernehmen.

Die weite Ebene hinter der Stadtmauer lag golden da und breitete sich bis zum Horizont aus. Irgendwo dort draußen waren die Grenzen seines Reiches und dahinter lagen die Objekte, die für ihn so unsagbar wichtig waren. Irgendwo dort draußen würde sich auch die Zukunft seines Reiches entscheiden.

Was für eine friedliche Szenerie, dachte er bei sich und entspannte sich wieder. Fast zu friedlich. Die Stadtwachen sind in Alarmbereitschaft und mein Heer und die Luftwaffe sind schon mobilisiert. Wir wissen ja nicht, mit wem wir es zu tun haben.

In diesem Moment schob sich von Norden ein riesiger zigarrenförmiger Schatten vor den glühenden Himmel. Er breitete sich schwarz über die Stadt aus, wild umschwirrt von einer Eskorte Libellen. Dieser Blimp war das größte der kaiserlichen Luftschiffe und maß von Bug bis zum Heck über tausend Ellen. Ein Titan von einem Schlachtschiff – aber was für ein Spielzeug mochte es gegen die Macht der Himmelsmenschen sein?

An der Seite seiner Gashülle prangte golden das geschwungene kaiserliche Wappen. Drohend und majestätisch schwebte er beinahe lautlos dahin auf seinem Weg zurück zu den Hangars, die im Windschatten der Berge auf der anderen Seite der Stadt lagen. Nur das dumpfe Brummen der Rotoren und das auf- und abschwellende Surren der Libellenflügel drang aus der Ferne zum Balkon herüber.

Jäh riss ihn ein kurzes hohes Zischen aus seinen Gedanken und signalisierte ihm, dass sich die Türen bewegt hatten. Er vernahm das leise Knirschen von Stiefeln. Leichte Schritte in geschmeidigem Leder: Mom Chao. Die Tochter seiner sechsten Konkubine, stand hinter ihm und betrachtete ihn schweigend: seine hagere Gestalt, seinen langen Umhang mit den roten samtenen Streifen, die wie Lava von innen heraus zu leuchten schienen, und seinen schmalen Kopf, der bis auf den Spitzbart umbehaart war.

Was will er nur von mir? Wie Respekt einflösend er aussieht, sein sehniger Körper, seine erhabene Haltung, seine ganze Erscheinung, dachte sie bitter. Ein großer, hagerer, alter, widerlicher Despot – und doch stark und mächtig.

An seiner Seite sah sie einen kleinen mit Saphiren besetzten Dolch in den Falten seines Umhangs funkeln. Sie wusste, dass sie trotz ihrer Jugend, ihrer Kraft und ihrer Gewandtheit einen Zweikampf nicht gewinnen würde; sie wusste auch, dass der Kaiser keine Gnade kannte, nicht für seine Feinde und nicht für sie, sein Blut.

„Das ist die Himmelsglanz”, erklärte der Kaiser unnötigerweise. „Sie ist das größte Luftschiff unserer Streitkräfte.”

Ich weiß, alter Mann, dachte Mom Chao, und sie sollte von Rechts wegen mir unterstehen, mein Schiff sein. „Ja, Vater”, antwortete sie stattdessen nach einer kurzen Pause.

Der Kaiser ahnte, was in ihr vorging. Sie war Leutnant bei seinen Luftstreitkräften und befehligte dort eine Kompanie Libellen. Aber sie war auch die Tochter des Kaisers, und als solche hätte ihr eine höhere Stellung zugestanden. Dennoch wollte er ihr nicht mehr Verantwortung übertragen – noch nicht. Sie hatte zwar ein gutes Gespür für Strategie und Taktik und war auch sehr versiert im Umgang mit Waffen. Aber sie besaß auch noch diese jugendliche Arroganz, alles besser wissen zu wollen, widersprach in ihrem Jähzorn Befehlen und ließ sich noch zu oft von ihrem Enthusiasmus hinreißen. Solche Ausbrüche konnte sie am Hof ausleben, wo außer gebrochenen Herzen oder Kränkungen kein Schaden entstand. Hier konnte sich ihr Verhalten glattschleifen, bis sie sich ganz und gar auf ihr Talent konzentrieren konnte. Aber bis es soweit war, musste sie der Kaiser bei der Stange halten.

Er lächelte verhalten. „Unsere dringendste Aufgabe ist die Untersuchung dieser seltsamen Fluggeräte.” Er überlegte einen Moment. „Wir werden umgehend eine Expedition ausrüsten, ein Bergungskommando. Es darf uns niemand zuvor kommen.”

Mom Chao stutzte. „In diesem von Arachniden verseuchten Gebiet? Wer soll uns da schon zuvor kommen?”

„Ich … wir müssen diese Geräte haben und die Menschen, die darin waren. Ich bin mir sicher, dass wir nicht die einzigen sind, die hinter diesen Fremdweltlern und ihren Maschinen her sind. Aber wir müssen die ersten sein, um jeden Preis”, zischte der Kaiser. „Die Arachniden sind dabei nebensächlich, auch wenn sie nicht leicht abzuwehren sind. Aber diesen Preis müssen wir zahlen. Durch die Beobachtung unserer Späher kennen wir den genauen Standort, wo die Fremdweltler gelandet sind”, fuhr der Kaiser ungerührt fort. „In der Morgendämmerung wird die Expedition aufbrechen.”

„Es sind mehrere Tagesreisen bis dorthin”, gab Mom Chao zu bedenken, „eine lange Reise. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir so lange gegen die Spinnen bestehen können.”

„… was es unumgänglich macht, dass wir aus der Luft operieren. Und sie …”, er zeigte auf die Himmelsglanz, die sich eben zu den Hangars senkte, „… sie wird das Herzstück der Operation sein. Im Übrigen habe ich angeordnet, dass sie in der Nacht ausgerüstet wird.”

Und ich befehlige sicher wieder einen Schwarm mickriger Libellen, dachte Mom Chao und presste die Lippen aufeinander.

Kaiser Nangklao drehte sich um und fixierte seine Tochter, die sich bemühte, sich ihre Verärgerung nicht anmerken zu lassen.

Ein kleiner, begrenzter Einsatz als Kommandantin ist genau die Art Geschenk, die sie wieder gefügig macht und ihre Aufsässigkeit im Zaum hält, überlegte der Kaiser. Laut sagte er: „Es erübrigt sich vermutlich, dich zu fragen, ob du dir das Kommando zutraust?”

Mom Chao war völlig verblüfft. Sie sollte das Kommando über die Himmelsglanz bekommen, hatte sie das richtig verstanden? Sie hätte in die Luft springen mögen, vor Freude schreien, aber sie hielt sich zurück und erwiderte stattdessen mit rauer Stimme: „Natürlich traue ich es mir zu – Vater.”

JA. Es geht voran, aber das ist nur der Anfang. Und wenn du glaubst, mich mit diesem Zuckerbrot abspeisen zu können, hast du dich getäuscht, alter Mann. Die Himmelsglanz habe ich, und die Fremdweltler, wie du sie nennst … nun, was für dich so wunderbar und wertvoll ist, kann für mich nur von Vorteil sein.

„Und wenn ihnen etwas zustößt?”

„Den Fremdweltlern?”

„Ja. Wenn sich die Arachniden vor uns um sie kümmern.”

„Das wäre bedauerlich, und ich wünsche es nicht.” Die letzten Worte murmelte der Kaiser nur noch, dann wandte er sich wieder um und beobachtete, wie die Himmelsglanz mit ersterbendem Motorengeräuschen hinter den Bergen verschwand.

Sonst was, alter Mann?

Aber der Kaiser schwieg. Die Unterredung war beendet.

***

„Licht …“, stöhnte Reno, aber nichts geschah.

Obwohl er die Augen geöffnet hatte, konnte er rein gar nichts sehen. Es roch stumpf und muffig wie in einem alten Keller. Er hing vorne über in den Gurten und fühlte sich wie ein Fisch im Netz. Der Hopper hatte wenigstens zwanzig Grad Neigung und steckte vermutlich wie ein Pfeil im Boden. Mit wenigen Handgriffen hatte er sich von seinem Gurt befreit. Aber er konnte er seine Beine kaum bewegen. Als er nach unten griff, bemerkte er, dass sie mit Erde bedeckt waren. Neben seinem Sessel war ebenfalls alles voll. Das erklärte auch den Gestank. Die Schicht, die jetzt den Boden des Cockpits bedeckte, war vielleicht einen Meter tief, glücklicherweise nicht mehr.

Langsam kam ihm wieder in Erinnerung, dass sie abgestürzt waren. Wie lange mochte das her sein? Mit Mühe befreite er seine Beine und suchte in der Dunkelheit nach dem Pilotensessel. Dort fand er Lena immer noch vorschriftsmäßig angeschnallt und offenbar ohnmächtig. Sie rührte sich nicht und gab auch keinen Laut von sich als er sie berührte. Es dauerte ein paar hundert nervige Sekunden bis er sie losgefummelt hatte. Er musste aufpassen, dass sie nicht mit dem Kopf auf den Boden fiel.

Schließlich zog er sie nach achtern, wo der Untergrund frei von Erdreich war. Ihre Atemmaske baumelte nutzlos an der Seite ihres Anzugs herunter; beim Ziehen schlug sie ständig gegen sein Knie.

Was soll’s, dachte Reno. Wozu noch die Maske? Er hatte es während ihrer sauberen Landung nicht mal geschafft, seine überzuziehen, also konnte die Luft nicht so schlimm sein. Trotzdem checkte er sie sicherheitshalber. Der Anzug gab sein Okay.

„Hey, Süße”, flüsterte er, den Kopf ganz nah an ihrem Gesicht. „Mach jetzt nicht schlapp. Komm schon, wach auf.” Er fühlte ihren schwachen Puls, aber sonst keine Reaktion. „Warte einen Moment …” – was für eine bescheuerte Bemerkung! – „… ich hole Licht und … und die Med-Ausrüstung.”

Vorsichtig tastete er sich weiter in die Richtung, in der er die Schleuse vermutete, als ihn ein kurzer durchdringender Schrei zusammenzucken ließ.

Lena? – Nein!

Ein fahler, Faden dünner Lichtstrahl befand sich plötzlich direkt vor ihm in der staubigen Luft und verband Backbord mit Steuerbord. In rascher Folge erschienen immer mehr, jedesmal von einem unangenehmen Quietschen begleitet. Doch bevor Reno sich orientieren konnte, um zu erkennen, woher sie kamen, brach ein mannshohes Stück kreischend aus der Seitenwand. Nur durch einen beherzten Sprung konnte er sich in letzter Sekunde in Sicherheit bringen. Das Bruchstück schlug gegen einen Sitz, der ohne nennenswerten Widerstand zusammenknickte.

Wenigstens hatten sie jetzt Licht und einen Ausgang gefunden – doch die Ränder dieser neuen Öffnung wimmelten und sonderten zähflüssiges Sekret ab, und an hauchdünnen Fäden baumelten winzige, sich krümmende Leiber.

„Verdammt, die Mistkäfer“, entfuhr es Reno. Sie mussten so schnell wie möglich raus. „Ich möchte nicht wissen, worauf die sonst noch Appetit haben – außer auf Raumboote.”

Ein leises Stöhnen drang aus dem Komm-Interface an seinem Anzug. Lena war erwacht. Gottseidank! Sie war noch vollkommen desorientiert und ließ sich mehr ziehen und schleppen, da sie noch nicht in der Lage war, ihren Beinen Befehle zu erteilen. Durch die neue Öffnung war bereits wieder Erde eingedrungen, matschiger als die im Cockpit und durchsetzt von weißen zuckenden Maden. Sie drohte, immer weiter zu rutschen und das Loch wieder zu verschließen.

Reno kämpfte sich mit seiner Pilotin über die glitschigen Massen nach draußen. Er zog und ruderte und versuchte mit den glatten Sohlen seiner Raumstiefel auf der rutschigen Oberfläche nicht den Halt zu verlieren. Plötzlich merkte er, dass Lena nicht mehr schlaff an seinem Arm hing. Offensichtlich hatte sie sich wieder einigermaßen berappelt. Sie war neben ihm und stapfte mühsam nach oben. Ihre Pistole benutzte sie wie einen Eispickel, mit dem sie sich Stück für Stück bergan zog.

„Eine der wenigen sinnvollen Anwendungen für die Dinger”, keuchte sie und schaffte es trotz der Anstrengung, über ihre Bemerkung zu kichern.

Schnell hatte Reno seine Waffe ebenfalls gezogen. Eigentlich ein Sakrileg, dachte er, machte es ihr aber nach. Dann waren sie oben, wo sie sich erschöpft auf die nasse Erde fallen ließen.

Allerdings blieb ihnen nicht viel Zeit zum Verschnaufen, denn im nächsten Moment wurde Reno von kräftigen Händen gepackt und den Abhang hinunter geschleift. Er fingerte hektisch an seiner Pistole herum, während ihm Steine und Gestrüpp gegen den Kopf knallten, wollte sich aufrichten und den Angreifer ins Visier nehmen, aber die Waffe entglitt seinem Griff. Eben hatte er sie wieder umklammert, da sah er dicht vor sich die Mündung eines Sturmgewehrs auftauchen und hörte, wie jemand in seiner Nähe „Feuer!” befahl.

Dann rollte eine Welle wie eine Feuerwalze über ihn hinweg. Reno spürte die Gluthitze noch durch den Anzug, also behielt er zur Sicherheit den Kopf unten. Über und hinter ihm knisterte und ploppte und zischte es. Schließlich verebbte das fauchende Geräusch des Feuerwerfers, nur das Poppcorn-Ploppen der zerplatzenden Raupen blieb.

Reno reagierte blitzschnell. Mit der Linken schlug er den Gewehrlauf weg und rammte seine Pistole in das, was er für Kniekehlen hielt. Die Gestalt knickte sofort ein – es war ein Mensch. Im nächsten Moment war er auf ihm und raufte mit ihm im Morast herum. Bald hatte er ihm das Gewehr entrungen und weggeschleudert, da ertönte das beißende Knacken einer Laserpistole, und auf dem Brustharnisch einer der Leute, die sie beobachteten, erblühte ein blauer Fleck, der sich schnell verflüchtigte.

Lena hatte geschossen! Aber als Reno überrascht zu ihr hinüberblickte, hing sie schon im Schwitzkasten eines anderen Soldaten.

Die Kerle ist gut gepanzert – das müssen Tschangs Leute sein! schlussfolgerte er messerscharf. Leider war das genau die Ablenkung, die sein Sparringpartner benutzte, um ihn zu überwältigen.

„Hätten wir die Formalitäten also geklärt.” Nicht weit von der Böschung entfernt stand noch ein Soldat – auf wackeligen Beinen, mit hilflos baumelnden Armen – und versuchte mäßig erfolgreich, seinen irren Blick auf die Neuankömmlinge zu heften.

Himmel, auch das noch, durchfuhr es Reno, ein ferngelenkter Sklave, ein Besessener! Dieser Mistkerl übernimmt tatsächlich Menschen.

„Ich heiße sie herzlich Willkommen auf Aladin I, meine Dame und mein Herr“, verkündete der Mann die Worte seines Meisters. „Mein Name ist Aristoteles Robert Tschang.”

Fortsetzung folgt …

Copyright © 2011 by Michael Bahner

NEU Download der Story als: mobi (Kindle)

Leseempfehlung des Autors:

Flugmaschinen

Verlag : Dorling Kindersley
ISBN : 978-3-8310-1880-2
Einband : gebunden
Seiten/Umfang : ca. 72 S., durchg. farb. Fotos, Ill. – 28,0 x 21,6 cm
Produktform : B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum : 09.2011
Aus der Reihe : memo 41

Titel bei buch24.de
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Titel bei Libri.de

Seit Jahrtausenden wollen sich die Menschen wie Vögel in den Himmel erheben, doch erst vor gut 200 Jahren ermöglichten Ballons, die leichter als Luft waren, das Fliegen. Welche Flugmaschinen gibt es? Wie fliegt ein Flugzeug? Und was ist ein künstlicher Horizont? Auf diese und viele weitere Fragen bekommen Kinder in Band 41 der großen neuen Wissensreihe memo Antworten. Spektakuläre Bilder von Doppeldeckern, Propellermaschinen und superschnellen Düsenjets sind mit gut gegliederten, kurzen Texten kombiniert. So werden auch schwierigere Sachverhalte leichter begreifbar. Rubriken wie “Erstaunliche Fakten”, “Fragen und Antworten” oder “Rekordverdächtig” vertiefen das vermittelte Wissen. Ein Glossar am Ende des Buches gibt noch einmal einen Überblick über das ganze Thema. Ideal auch für Referate und Schulprojekte.

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sfbasar.de-Story-Wettbewerb 4/2011 – Sponsoring durch den Droemer Knaur Verlag!

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. Oktober 2011

Der Droemer Knaur Verlag hat uns freundlicherweise ein Hardcover zur Verfügung gestellt, das der Gewinner der Story für den 6. Platz direkt vom Verlag erhalten wird. Wir danken dem Verlag recht herzlich für seine Unterstützung! Frau Patricia Keßler vom Droemer Knaur Verlag hat sich ausserdem bereit erklärt, bei der Abstimmung mit in der Jury die besten Storys zu bewerten. Vielen Dank dafür schon mal im Voraus. Jetzt aber zum Hardcover, das der Gewinner auf Platz 6 erhalten wird:

Lorentz, Iny
Töchter der Sünde

Roman

Im Buch blättern

Verlag :      Droemer Knaur
ISBN :      978-3-426-66245-8
Einband :      gebunden
Preisinfo :      19,99 Eur[D] / 20,60 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
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Letzte Preisänderung am 18.10.2011
Seiten/Umfang :      784 S. – 21,5 x 14,0 cm
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      04.10.2011
Aus der Reihe :      Wanderhure 5

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Die Geschichte der Wanderhure geht weiter …

Die ehemalige Wanderhure Marie lebt glücklich auf Burg Kibitzstein. Ihre Kinder sind erwachsen, die Töchter bereits verheiratet, und nun soll auch ihr Sohn Falko unter die Haube. Doch Falko ist ein Heißsporn, und als er sich bei einem Turnier erbitterte Feinde macht, schickt ihn der Fürstbischof von Würzburg mit seiner Nichte Elisabeth nach Rom. Dort soll das junge Mädchen Vorsteherin in einem Nonnenkloster werden. Zwar kann Falko zunächst der Versuchung widerstehen, die Schöne zu verführen, stürzt sich jedoch in Rom in eine Affäre mit der Tochter seines Todfeindes. Damit gefährdet er die Aufgabe, die dort auf ihn wartet: Er soll den Besuch des deutschen Königs Friedrich II. und seine Kaiserkrönung vorbereiten, und die Widersacher lauern schon…

Der neue große historische Roman der Bestsellerautorin!

Hinter dem Namen Iny Lorentz verbirgt sich ein Münchner Autorenpaar, dessen erster historischer Roman “Die Kastratin” die Leser auf Anhieb begeisterte. Mit “Der Wanderhure” gelang ihnen der Durchbruch; der Roman erreichte ein Millionenpublikum. Seither folgt Bestseller auf Bestseller. Die Romane von Iny Lorentz wurden in zahlreiche Länder verkauft.

Besuchen Sie auch die Homepage der Autoren: www.iny-lorentz.de

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ROSWITHAS GESCHENK – Eine Kurzgeschichte von Ariana Lazar

Erstellt von Ariana Lazar am 26. Oktober 2011

ROSWITHAS GESCHENK

eine Kurzgeschichte

von

Ariana Lazar

Seit einer geschlagenen halben Stunde sitze ich im „Café de Paris“ und warte auf meine alte Freundin Roswitha. Sie ist einfach nie pünktlich, war es in den fast dreißig Jahren, die wir uns inzwischen kennen, auch nie und das einzig verwunderliche an der Sache ist, dass ich noch immer auf ihr pünktliches Erscheinen hoffe. So bin ich eben, eine hoffnungslose Optimistin, zumindest was Roswitha betrifft.

Wenigstens sagt mir die Umgebung zu, in der ich die Wartezeit verbringe. Das „Café de Paris“ ist eines der wenigen Cafés in dem man noch von menschlichem Personal bedient wird. Eine echte Rarität, denn die meisten anderen Gaststätten verfügen, abgesehen vom Inhaber, zum größten Teil nur noch aus Robo-Servicekräften. Auch wenn diese mittlerweile über angenehm modulierte Stimmen verfügen, mir sind echte Menschen wesentlich lieber.  Da bin und bleibe ich der typische „Dino“, jemand, der sich nicht jeder Neuerung unterwirft und auf seine Menschlichkeit beharrt.

Natürlich entspricht auch meine äußere Erscheinung meinem Selbstbild. Mein Körper ist noch das Original Geburtsmodell. Kein Schönheitschirurg durfte sein Skalpell auch nur in meine Nähe bringen und auch Neurochirurgen hofften bisher vergeblich darauf, dass ich mir einen dieser heute üblichen Chips in mein Gehirn einpflanzen lasse. Die Langzeitfolgen eines derartigen Eingriffs sind immer noch nicht ausgiebig erforscht und ich behalte nun mal ganz gerne selber die Kontrolle über meine Gehirntätigkeit.

Ein Herumfahren der Köpfe an den anderen Tischen lässt mich in Richtung Tür blicken. Da ist sie ja! Roswitha wie sie leibt und lebt. Ein „Neuro“ durch und durch! Ein typisches Produkt der heutigen Zeit, durchgestylt bis zur letzten Zelle. Glatt und makellos trotz ihrer 63 Jahre, absolut „in“ was Kleidung, Stil und Auftreten angeht.

Ihr maskenhaft starres Gesicht versucht ein Lächeln, durch die vielen OPs wird jedoch nur eine Grimasse daraus. Das letzte Lifting war eindeutig zu viel.

Wir umarmen uns herzlich und bevor Roswitha, die darauf beharrt, dass man sie Rose nennt, den Stuhl unter ihr zurechtgerückt hat, legt sie auch schon los. Das hat sich in all den Jahren nicht geändert. Sie ist einer der wenigen Menschen, die es schafft, sogar mich in Grund und Boden zu quatschen. Und das will etwas heißen!

Nach fünf Minuten bin ich über die neuesten Trends der Neuro-Szene informiert, bekomme einen Überblick über die innovativsten Chirurgiepraktiken inklusive ihrer derzeitigen Anwendungsmöglichkeiten und erfahre, dass Roswitha in eine dieser hypermodernen Neubauten eingezogen ist, bei denen es so gut wie nichts gibt, was nicht automatisiert ist.

Das meiste davon ist mir gleichgültig und plätschert deshalb an mir vorbei, wie ein warmer Sommerregen. Als Roswitha, ich bin die Einzige, die sie so nennen darf, jedoch diesen bestimmten schmachtenden Blick bekommt, schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken und sie bekommt sofort meine volle Aufmerksamkeit. Wenn Roswitha diesen Blick bekommt, dann ist was im Busch.

„Ach übrigens, ich habe mir jetzt doch so einen Haushaltsroboter gekauft. Das neueste  Modell der Corona-Klasse. Du kannst sagen, was Du willst, aber dieses Mal ist es kein Fehlkauf!“

„Wozu brauchst Du noch einen Haushaltsroboter, wenn Deine Wohnung voll automatisiert funktioniert?“

Mein Gesicht bildet ein einziges Fragezeichen in dem sich Erstaunen und Unverständnis ein Stelldichein geben.

„Guck nicht so vorwurfsvoll! Du weißt doch, dass ich immer das Neueste haben muss! Im Übrigen kannst Du Dich ab sofort selbst von der Nützlichkeit des Coronas überzeugen, ich habe Dir einen zu Deinem Geburtstag gekauft! Natürlich die Spezial-Ausführung“

Mit diesen Worten tippt sie kurz auf Ihr Neuroband an der linken Hand und Augenblicke später tritt ein Roboter, dem man ein geradezu unverschämt gutes Aussehen verpasst hat, an unseren Tisch. Nur an dem auffällig silbernen Mittelstreifen in seinen Haaren ist das Modell als Roboter zu erkennen. Dann singt der auch noch „Happy birthday“.

Bevor ich noch Luft holen und meiner Empörung freien Lauf lassen kann, hält Roswitha meine Hand fest und bettelt:
„Bitte Süße, probier ihn wenigstens ein paar Wochen aus! Ich weiß, Du kannst Roboter nicht leiden, aber ich verspreche Dir, dieser wird Dir gefallen! Er wird Dir jeden, wirklich jeden Wunsch von den Augen ablesen, das verspreche ich Dir! Wenn Du ihn bei unserem nächsten Treffen immer noch nicht leiden kannst, nehme ich ihn zurück. Ehrenwort!“

Mein Mund klappt wieder zu. Was soll ich machen? Immerhin ist sie meine beste und älteste Freundin, ich hab sie gern, und wenn ich ihr den Blechkerl in ein paar Wochen wieder mitbringe, habe ich wenigstens hinterher meine Ruhe vor ihren ausgefallenen Ideen.

Wir sitzen noch lange zusammen, bevor ich mein Geburtstagsgeschenk mit nach Hause nehme.

-

Meine Kinder staunen nicht schlecht, als sie bei ihrem nächsten Besuch den Robo entdecken. Natürlich finden sie es toll, dass ich jetzt das neueste Modell zu Hause habe, ganz im Gegensatz zu mir. Sie finden, dass ich mit meiner Ablehnung übertreibe. Kinder eben!

Mir ist es am liebsten, wenn ich das Blechdings außer meiner Sichtweite weiß und das am allerliebsten im Off-Modus. Habe ich schon erwähnt, dass ich Roboter nicht ausstehen kann? Von dieser „Spezial-Ausführung“ habe ich auch noch nichts bemerkt.

-

Roswitha hat bei unserem heutigen Treffen nur vielsagend gegrinst, als ich ohne den Blechmann gekommen bin. Ein Süffisantes: „Na, hatte ich Dir zuviel versprochen?“ kann sie sich verständlicherweise jedoch nicht verkneifen.

Immerhin hat sich ihr letztes Geschenk dann doch noch als absolut genial erwiesen. Oh ja! Mein leicht verlegener Blick sagt wohl alles.

Es ist schon erstaunlich, wie sich manches ändert. Coro, so nenne ich den Robo inzwischen, hat sich als überraschend vielseitig erwiesen. Rowithas Versprechen, dass er mir „jeden Wunsch von den Augen abliest“ hat sich bewahrheitet.

Nachdem ich den Haushaltsroboter anfangs nur als störend empfand, änderte sich das, als ich eines Nachts feststellte, worin die „Spezial-Ausführung“ des Corona-Modells besteht.

Die Spezial-Klasse unterscheidet sich nämlich in einem Punkt grundlegend von den Normal-Modellen: Sie sind anatomisch korrekt! Ein Modell, das jeden, absolut jeden Wunsch einer Frau erfüllt!

Copyright © by Ariana Lazar 2011

Bildrechte: Coverillustration “roboter-cover1.jpg” (Originaltitel: robotwalk.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “robotwalk01blaustark.jpg” (Originaltitel: robotwalk.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

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Durch den Austausch von Gaben und Gefälligkeiten fand man auch in mittelalterlichen Gesellschaften eine gemeinsame Ebene der Verständigung. Forscherinnen und Forscher aus mehreren mediävistischen Disziplinen beleuchteten im Rahmen eines internationalen Kolloquiums des Medieval Friendship Network Aspekte des hoch- und spätmittelalterlichen Schenkens in privaten und öffentlichen Beziehungen.

Michael Grünbart hat seit 2008 den Lehrstuhl für Byzantinistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität inne. Seine Forschungsschwerpunkte betreffen die byzantinische Aristokratie, mittelgriechische Briefliteratur sowie die materielle Kultur von Byzanz.

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