Erstellt von Galaxykarl am 22. September 2011
Interview mit PERRY RHODAN-Autor Hubert Haensel
Das Interview führte Werner Karl
sfbasar: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum 50-jährigen Jubiläum der größten Science-Fiction-Serie der Welt!
HH: Ich sage herzlichen Dank im Namen aller an PERRY RHODAN beteiligten Mitarbeiter, und das sind nicht gerade wenige.
Ja, man muss sich die Zahl schon auf der Zunge zergehen lassen: fünfzig Jahre – ein halbes Jahrhundert. Schon in unserer realen Welt ist das ein geschichtlicher Zeitraum, in dem sich sehr viel zugetragen hat. Umso mehr in den mittlerweile über drei Jahrtausenden PERRY RHODAN-Historie. Für etliche unserer Leser ist die Serie mittlerweile nicht mehr nur ein sehr schönes Hobby, ein angenehmer Zeitvertreib oder auch Ablenkung vom Alltag, sondern ein Stück eigene Lebensgeschichte. Mir ergeht es selbst genauso.
sfbasar: Die Gretchenfrage zuerst: Wie sind Sie zu PR gestoßen und wie leicht oder schwer war Ihr eigener Einstieg in die Serie? Haben Sie das Perry-Rhodan-Lexikon zurate gezogen?
HH: ›Lächelt.‹ Nein, ich habe kein PERRY RHODAN-Lexikon zurate gezogen. Zur Zeit meines Einstiegs als Leser und Fan gab es noch gar kein Lexikon. All jenen, die heute zwar mit PERRY RHODAN liebäugeln, aber möglicherweise davor zurückschrecken, nach mehr als 2600 Heften, etlichen Spin-offs, Taschenbüchern usw. einzusteigen, möchte ich allerdings sagen, dass es so schwer nicht ist. Die wichtigsten Voraussetzungen sind der Wille, Neues kennenzulernen und ein klein wenig Durchhaltevermögen und Begeisterungsfähigkeit.
Mein erstes PERRY RHODAN-Heft war die Nummer 143 »Für Menschen verboten«. Eigentlich ein schöner Roman, doch warum ich nicht sofort infiziert wurde, kann ich heute nicht sagen. Vielleicht, weil das Heft schon am Zyklusende lag, vielleicht wegen äußerer (schulischer) Umstände. Trotzdem war die Faszination da. Bei Heft 209 »Im Banne der Scheintöter« griff ich wieder zu, und diesmal war es um mich geschehen. Von da an konnte ich das jeweils nächste Heft kaum mehr erwarten, ebenso die bald darauf startende zweite Auflage, die es mir ermöglichte, von Nummer 1 an mitzulesen.
sfbasar: Das bringt mich gleich zur drängendsten Frage: Bei so hohen Band-Nummern schreckt mancher SF-Fan zurück. Die, die es doch mittendrin wagen, sind aufgrund mangelnden Durchblicks überfordert und frustriert und retten sich in abwertende Urteile. Ist dieser erstaunliche Langzeiterfolg Fluch oder Segen?
HH: Egal, wo jemand einsteigt: Anfangs unbekannte Begriffe erklären sich nach und nach aus dem Kontext selbst. Der Neuleser muss nur ein klein wenig Stehvermögen mitbringen, dann erschließt sich die Faszination PERRY RHODAN. Natürlich sind lexikalische Werke wie die Perrypedia hilfreich, aber es geht auch ohne.
Eine hohe Band-Nummer wie z. B. 2614 ist doch kein Hindernis. Aufschlagen und lesen, mehr muss man nicht tun. Allerdings muss man ein durchs Fernsehen antrainiertes Gefühl ignorieren, nämlich das, schon nach zwei Minuten Vorspann eine Zigaretten- oder Toilettenpause von acht Minuten nötig zu haben. Ein klein wenig mehr Konzentrationsfähigkeit sollte schon da sein. Aber genau das ist weiß Gott nichts Schädliches, oder?
Einen Fluch sehe ich in der Hinsicht also keineswegs. Eher einen Segen. Denn welche Romanserie außer PERRY RHODAN kann auf einen ähnlich umfangreichen Kosmos aufbauen, bei dem man gleichzeitig auf Neues wie auf Altbekanntes stößt und sich immer neue Verknüpfungen ergeben? Ich liebe solche Aha-Erlebnisse beim Lesen, das ist Leben und Evolution gleichermaßen.
sfbasar: Schon zu Gründerzeiten scheinen sich K. H. Scheer und Clark Darlton – die beiden Urautoren – dessen bewusst gewesen zu sein. Nach einigen Mini-Reihen von Band 1 bis 99 folgten bis weit über Band 1.000 jeweils Zyklen mit 100 Heften zu einem komplexen Handlungsrahmen. Je weiter die Serie gedieh, desto mehr wurde dieses erfolgreiche Konzept aufgelöst. War diese Abkehr dem rasch wechselnden Zeitgeist oder wirtschaftlichen Interessen – also des einfacheren Einstiegs neuer Fans – geschuldet?
HH: Ein kleiner Wermutstropfen? Nein. Die Kontinuität ist doch nach wie vor vorhanden. Und wenn zu dem einen oder anderen Zyklusende bis dahin Vertrautes verschwunden ist – oder sollte ich besser sagen: verschwunden zu sein scheint? – dann heißt das keineswegs, dass es sich um einen endgültigen Prozess handelt. Dass allerdings mancher Zyklusanfang einsteigerfreundlich, also ohne Vorwissen zu lesen ist, das bietet schon eine ideale Möglichkeit, einfach und schnell in die Serie einzusteigen und sich darin zurechtzufinden.
sfbasar: Eine Möglichkeit des Einstiegs von Anfang an boten die Neuauflagen. Ich selbst hatte mir parallel zur 1. Auflage auch die Hefte der 2. und 3. gekauft, um Lücken zu schließen und kontinuierlich lesen zu können. Die 5. wurde gerade eingestellt, die 6. Auflage wird nicht mehr gedruckt, sondern erscheint als E-Book. Statt dessen gibt es einen völligen Neubeginn mit abgewandelter Handlung. Perry landet nicht im Jahr 1971 auf dem Mond, sondern im Jahre 2036. Fürchten Sie nicht, dass Sie hier vor einem neuen Problem stehen? Entweder Sie erzählen die bekannte Geschichte mit neuen Worten und man wirft Ihnen »aufpolieren« vor oder Sie entfernen sich vom bekannten Ablauf und man wirft Ihnen vor, sich nicht an das Original zu halten?
HH: Nein, ich sehe die Gefahr nicht. Gehe ich von mir als Fan aus – und das bin ich, auch wenn ich »die Seiten gewechselt« habe, seit 46 Jahren –, dann interessiert mich sogar, wie die Serie heute neu erzählt werden wird. Wir haben eine andere Zeit und dem wird Rechnung getragen. Für mich als Autor ist PERRY RHODAN Neo ohnehin eine Herausforderung. Außerdem bin ich der Meinung, dass beides sehr wohl nebeneinander bestehen kann. Neo ist doch auch für die Leser, die neu von Anfang an dabei sein wollen ohne das Gefühl, möglichst bald mehr als 2600 Hefte nachlesen zu müssen oder zu wollen.
sfbasar: Mussten Sie der Realität (Mondlandungen der Amerikaner, Raumstationen Skylab, MIR, ISS, Hubbleteleskop, Marssonden und zahlreichen anderen Sonden) Rechnung zollen? Haben Sie deswegen das »Startjahr« des Neubeginns in unsere allernächste Zukunft verlegt?
HH: Natürlich kann man heute nicht mehr mit der ersten Mondlandung beginnen. Das ließe sich beliebig fortsetzen mit Blick auf PCs, Handys, den Zustand der Weltwirtschaft, die Umwelt … Den Beginn ins Jahr 2100 oder später zu verschieben, das wäre wiederum zu weit vom Heute entfernt. Nein, ich denke, das passt genau so, wie es ist. Lasst euch einfach überraschen.
sfbasar: Perry Rhodan hat ja zu Beginn seiner Beutetour durchs All alles getan, um die Position der Erde geheim zu halten. Zumindest solange, bis er sich und die Terraner so gewappnet hatte, um wenigstens die ersten zu erwartenden Angriffe abwehren zu können. Einer der erfolgreichsten, ja fast schon legendären Zyklen, war der mit den »Meistern der Insel«. Er war wirklich düster. Ein Ambiente wie ein Film Noir, wie einer der besseren Batman-Filme. Mir läuft es allein bei manchen Hefttiteln auch heute noch kalt den Rücken hinunter. Wird der Neubeginn diese Chance auf ein wirklich düsteres Kapitel nutzen?
HH: Das greift vielleicht ein wenig weit vor. Ohnehin wäre das eine Frage für den Exposéautor. Aber ich kann mir vorstellen, dass diese Chance genutzt werden wird.
sfbasar: Apropos back-to-the-roots: Eine m. M. nach wirkliche Top-Idee war es, die immer weiter führenden Reisen selbst in entfernteste Galaxien abzubrechen. Je weiter PR kam, desto mehr hob er sich von seinem Volk und seinen Fans ab. Der Leser fragte sich – wahrscheinlich wie alle Terraner – was will PR dort? Wie kann ein Geschehen in Millionen Lichtjahren Entfernung Einfluss auf die Menschheit haben? Der Zusammenbruch der intergalaktischen Raumflüge hob dieses Dilemma auf. Gab es hier eine Parallelität zur Einstellung des realen Shuttle-Programms der Amerikaner?
HH: Auf gewisse Weise war Perry Rhodan immer ein Spiegel seiner Zeit. Ich lasse allerdings offen, ob gewollt oder zufällig. Das sind wohl Einflüsse, die sich niemals ganz vermeiden lassen, denn wir alle sind Kinder unserer jeweiligen Zeit. Die Einstellung des realen Shuttle-Programms war allerdings für die Erhöhung der Hyperimpedanz nicht ausschlaggebend, diese Entscheidung hatte andere Gründe.
sfbasar: Auch die dimensionale Steigerung in der Raumschiffstechnik von Zyklus zu Zyklus wahr irgendwann zu entfernt, zu abstrakt, fast schon esoterisch, statt physikalisch. Eine 5. Dimension (Hyperraum) zählt ja mittlerweile in der SF zum guten Ton und ist Standard, auch wenn wir sie in der Realität leider noch nicht entdeckt haben. Dann eine 6. Dimension (Pararaum), dann noch eine 7., 8., 9. usw. Irgendwann konnte der Leser nicht mehr folgen. Was halten Sie von diesen Dimensionen?
HH: Ich habe und hätte kein Problem mit weiteren Dimensionen, allerdings muss ich fragen, was damit bewirkt werden sollte. In der Serie spielt hauptsächlich die 5. Dimension eine tragende Rolle. Mit der sechsten werden wir hin und wieder konfrontiert, aber alles Weitere ist doch wirklich nicht tragendes Gestaltungsmerkmal. Niemand muss Angst davor haben, dass seine Fantasie überfordert wird. PERRY RHODAN ist in erster Linie Unterhaltung.
sfbasar: Wir haben in der Realität Raketen als Form für Raumschiffe. Hier gilt Form-follows-function. Bei einer Science-Fiction-Serie wie PR hat man diese Grenzen nicht. Alles war schon da: Weit vor den Borgs aus Star Trek flogen die Posbis mit ihren Fragmentraumern in Würfelform durchs All, die Gurrads hatten Birnenschiffe, die Terraner und Arkoniden Kugelraumer, die berühmte SOL in Hantelform, sogar lebende Raumschiffe (Dolans) gab es und auch die klassischen Disken allerlei anderer Völker kommen zuhauf vor. Es gibt kaum eine geometrische Form, die nicht in der Serie verwendet wurde. Was kommt als nächstes?
HH: Soll ich’s sagen? Nein. Als Koordinator der Risszeichnungen kann ich allerdings ausplaudern, dass ein wirklich schönes Fremdraumschiff in Arbeit ist, das mir ausnehmend gut gefällt. Aber zurück zur Frage: Perry Rhodan ist in erster Linie geschriebenes Wort. Kugelraumschiff oder Diskus umschreibt kurz und prägnant, was sich der Leser vorstellen darf. Jede bizarre Form bedarf deshalb einer eingängigen Benennung. Und bei der Konstruktion von Raumschiffen spielen ohnehin in erster Linie technische und wirtschaftliche Voraussetzungen eine Rolle. Die Kugel hat nun einmal den größten Rauminhalt bezogen auf die Oberfläche und damit wiederum auf Materialaufwand, Kosten usw. usf. Nur wäre es fad, wenn alle Völker die gleiche Bauweise benützten, ein wenig Individualismus wird sogar in der Zukunft das Zünglein an der Waage sein. Wir fahren auch nicht alle eine Automarke.
sfbasar: Auch dass die ewigen Freunde – die Arkoniden – plötzlich zu erbitterten Feinden wurden, gab der Serie Würze und Spannung zurück. Dieser Plot erinnerte mich ein wenig an den Aphilie-Zyklus, in dem einer der besten Freunde, Reginald Bull, zum Oberhaupt der gefühllosen Regierung wurde und alle gnadenlos jagte, die zu Recht gegen ihn rebellierten. Dieser Punkt – aus Freund wird Feind – hatte sogar schon etwas von George Orwells »1984«. Übrigens eine Tatsache, die von Kritikern gern übersehen wird. Niemand traut PR so viel Tiefgang zu. Wie gehen Sie überhaupt als Autor und Teammitglied mit dem Vorwurf der Trivialität – die, wie ich meine, längst nicht mehr gegeben ist – um?
HH: Wer der Serie Trivialität vorwirft, sollte wenigstens mal ein paar Romane lesen. Wenn derjenige den Begriff generell für Unterhaltungsliteratur verwendet, ist das für mich okay. Will er aber damit herabsetzen, habe ich ein Kopfschütteln für ihn. Perry Rhodan schildert eine kontinuierliche Geschichte, die Entwicklung und den Weg der Menschheit in die Zukunft. Dabei beschränken wir uns nicht auf einen Standpunkt, sondern beleuchten die Szene von vielen Seiten und schildern die Entwicklung von Charakteren, auch wenn das nicht immer innerhalb weniger Romane ersichtlich wird. Wer behauptet, das sei trivial, der muss dann wohl zugeben, dass sein Leben ebenfalls triviale Wurzeln hat.
sfbasar: Noch eine Befürchtung: Durch den unglaublichen Erfolg der »Star-Wars«-, »Star Trek«-, »Alien«-Filme und Kassenknüllern wie »Independence Day«, »Iron-Man«, »X-Men« usw. läuft Ihnen zumindest das Science-Fiction-Genre im Film voraus. Das Qualitätslevel – und die Erwartungshaltung der Fans – ist unglaublich hoch. Nachdem die ewige Frage nach einem PR-Film in den 60ern mit einem Fiasko endete, zuckten jahrzehntelang alle guten Regisseure und Geldgeber vor einem neuen Versuch zurück. Heute ist die Technik da, all das Fantastische zu zeigen, was damals unmöglich war. Heute ist es auch scheinbar kein Problem mehr, Millionen von Euro und Dollar aufzutreiben, wenn denn nur Drehbuch und Ideen überzeugen können. Zumindest an Ideen mangelt es PR nicht. Was tut sich in Sachen PR-Film konkret?
HH: Abwarten und hoffen. Wie schon James Bond wusste: Sag niemals nie! Die heutige Tricktechnik machte es sicherlich immer besser möglich, PERRY RHODAN zu verfilmen und unsere vielen Fremdintelligenzen gut darzustellen. Ich würde einen Film sehr gerne sehen, bin mir aber trotzdem sehr deutlich der Tatsache bewusst, dass PERRY RHODAN eine Romanserie ist. Jeder Leser hat seine ganz persönliche Vorstellung von den Protagonisten und Schauplätzen, da wird es enorm schwierig, wenn nicht unmöglich, alle Vorstellungen und Sehnsüchte zu erfüllen.
Wie viel leichter tut sich da z. B. Star Trek. Von vornherein hat jeder Zuschauer das gleiche fixe Bild vor Augen: So und nicht anders sehen die Personen, die Planeten usw. aus. Das ist ein Handicap. Wenn ich auch der Meinung bin, dass in PERRY RHODAN weit mehr Fantasie steckt.
sfbasar: Es gibt auch Gerüchte um eine PR-Fernsehserie. Über 2.600 Heftfolgen = 2.600 1-h-TV-Folgen? Bei »Raumschiff Enterprise« hat das erst im dritten Anlauf geklappt und danach ist die Serie in Spin-offs («Deep Space Nine«, »The Next Generation«, »Voyager«, »Star Trek«) zersplittert. Oder sehen Sie eine Folge von Spielfilm-Abenteuern – wiederum ähnlich wie die Star-Trek-Kinofilme – als bessere Lösung an?
HH: Jedes Romanheft eine Filmstunde? Nein, damit könnte ich mich nicht anfreunden. Allerdings wären zyklenbezogene Spielfilme prallvoll mit Handlung und würden der Sache ebenso wenig gerecht werden. Zum Glück muss ich mir aber darüber nicht den Kopf zerbrechen.
sfbasar: Bei den Filmen gibt es für eine Folge das Limit 1 Stunde, bei einem Spielfilm rund 2 Stunden. Ein Heft hat seit jeher 64 Seiten. Ich habe mich schon immer gefragt, wie das geht? Wie kann eine Teilgeschichte immer genau nach 64 Seiten zu Ende sein? Wird hier wild gestrichen oder haben Sie und Ihre Kollegen so eine Art »Innere Schreibuhr«, die Ihnen sagt: »Stopp, Seite 64 erreicht.«?
HH: Diese innere Uhr funktioniert zumeist nicht, die schreit viel zu spät »Stopp!«. Natürlich ist die Seitenzahl in jedem Heft konstant, aber zum Glück weder die Satzgröße noch die Zeilenanzahl. Aber vor allem gibt es die Möglichkeit, einen Text auch zu kürzen. Und das ist keineswegs die schlechteste Möglichkeit.
sfbasar: Dort wo Perry Rhodan hingeht, ist auch sein Mutantenfreund Gucky nicht weit. Er stand zumindest in den ersten Jahrzehnten als humoristischer Part zur Verfügung. Nun gibt es die sehr, sehr große Fraktion der Hardcore-SF-Fans, die so gar nichts mit humoristischer SF á la Douglas Adams anfangen kann. Der Grat zwischen echtem Witz, Humor und Lächerlichkeit ist hier sehr schmal. Nichts ist schwieriger, als echten Humor zu erschaffen; die Witzeschreiber der aktuellen Comedians können davon ein (Leid)Lied singen. Wird der Mausbiber Gucky im Neubeginn oder möglicherweise in einem Film, einer Serie, wieder der Hampelmann sein oder eher der paranormal hochbegabte Alien, der an den Menschen einen Narren gefressen hat?
HH: Ich weiß es nicht – und wenn ich es wüsste, würde ich es nicht ausplaudern. Ich habe über lange Jahre hinweg das Bankgeheimnis so verinnerlicht, dass ich nichts verrate, egal was kommen mag.
sfbasar: Schon lange wird der Heftmarkt totgesagt und doch gibt es ihn immer noch. Wie sehen Sie das Medium Heft in den nächsten Jahren? Neben Taschenbuch, Hardcover-Silberbänden und E-Books?
HH: Totgesagte leben länger. Ich glaube, dass das Heftmedium noch eine Vielzahl von Jahren überleben wird. Es ist handlich, überallhin mitzunehmen, man kann es überall lesen, sogar ohne Strom. Und wenn es zerfleddert aussieht und man dennoch eine tadellose Sammlung haben will, dann kauft man eben ein zweites Exemplar. Das ist dann das Scherflein, das viele beitragen können, um das Medium Heftroman zu erhalten.
sfbasar: Der Science-Fiction wird nachgesagt, sie sei ein Genre für Männer. Der Frauenanteil an Leserinnen und auch Autorinnen ist tatsächlich klein. In der Vergangenheit schrieben Susan Schwartz alias Uschi Zietsch, Marianne Sydow und Claudia Kern für Perry Rhodan. Momentan gibt es nur Uschi Zietsch und Verena Themsen. Finden sich keine Weiteren oder trifft das vorgenannte Klischee tatsächlich zu? Wie sehen Sie Frauen in der SF und bei PR?
HH: Ich kenne einige Frauen im näheren Umfeld, die Perry Rhodan und SF lesen. Dass sie in der prozentualen Minderheit sind, liegt aber wohl immer noch an verschiedenen Faktoren, die nicht zuletzt familiärer und beruflicher Natur sind.
sfbasar: Herr Haensel, was tun Sie, wenn denn mal wirklich Aliens auf der Erde landen? Stellen Sie dann die PR-Serie ein und machen so eine Art Tatsachenberichte über die Besucher?
HH: Dann liefern wir zumindest PERRY RHODAN Neo auf jenen Heimatplaneten aus. Neo deshalb, damit die Fremden von Anfang an mitlesen können. Und natürlich ist ziemlich sicher, dass sie sowohl in der Erstauflage als auch in Neo sehr bald als Handlungsträger auftauchen würden. Im Report gibt es dann bebilderte Reiseberichte, und den eBooks hängen jeweils kurze Datenfiles an, die über das Leben der Fremden informieren.
sfbasar: Allein schon, wenn es gelänge, Kontakt mit einer anderen realen Zivilisation aufzunehmen: Wie würde sich das Ihrer Meinung nach auf unsere Gesellschaft, unsere Zivilisation auswirken? Zukunftsforscher haben in der Vergangenheit immer mit ihren Prognosen massiv daneben gelegen. Hat hier ein SF-Autor mehr Fantasie, eine höhere Trefferquote für Voraussagen?
HH: Ich fürchte, PERRY RHODAN hat recht. Der Kontakt mit fremden Intelligenzen würde wohl einige Völker auf unserer guten alten und charakterlich rückständigen Erde gegeneinander aufbringen. Wer gönnt dem anderen schon eine solche Begegnung? Vielleicht lassen die Fremden deshalb auf sich warten, weil sie genau das erkannt haben.
Ein SF-Autor, und das gilt natürlich auch für unsere PERRY RHODAN-Leser, würde weder versuchen, die Fremden aus Furcht oder Habgier umzubringen, noch würde er dem Wahn verfallen, sie als Götter anzusehen und vor ihnen auf den Bauch zu sinken. Ich wünschte, wir bekämen bald die Gelegenheit, das zu beweisen. Eine solche Begegnung hätte auch das Potenzial, wie in PERRY RHODAN bewiesen, die Menschheit endlich in Frieden zu vereinen. Wenn all das zu diesem Punkt zuerst Gesagte vermieden werden könnte.
sfbasar: Herr Haensel, wir bedanken uns herzlich für Ihre Zeit und sehr interessanten Antworten. Viel Glück weiterhin mit der größten SF-Serie der Welt. Wir glauben, dass Ihnen diese Auszeichnung auch in ferner Zukunft keiner wird abjagen können.
HH: Ich bedanke mich für Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit. PERRY RHODAN bleibt die größte SF-Serie der Welt, davon bin ich überzeugt. Ich wünsche allen unseren Lesern und Freunden noch viele und schöne Leseerfahrungen mit unserer Welt der Zukunft, in der Hautfarbe und Religion längst kein Grund mehr sind, sich gegenseitig den Kopf einzuschlagen. Ad Astra!
Copyright © 2011 by Hubert Haensel und Werner Karl