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Literatur-Blog

Archiv für Juli 23rd, 2011

Weltennebel – Autorenlesung mit Aileen P. Roberts am Samstag, dem 20. August 2011 in Erlangen.

Erstellt von Galaxykarl am 23. Juli 2011

Vorankündigung

Am Samstag, dem 20. August 2011, findet in der Buchhandlung Thalia in Erlangen eine Autorenlesung mit Aileen P. Roberts statt. Beginn ist 15:00 Uhr, voraussichtliches Ende gegen 16:00 Uhr. Sie wird aus ihrem neuesten Fantasy-Dreiteiler “Weltennebel”, erschienen im Goldmann-Verlag, lesen. Der Eintritt ist frei.

Adresse:
Buchhandlung Thalia
Lesecafé (1. Stock)
Erlangen
Hugenottenplatz 6

Aufruf an alle fränkischen Magier, Druiden, Trolle und Orks: Kommt in Massen und taucht ein in fantastische Nebel, schreitet durch ein magisches Portal und hört die Geschichte …

Und wer es nicht schafft, seinen Drachen zu satteln und nach Erlangen zu fliegen, dem sei versichtert: Wir werden an dieser Stelle von diesem Ereignis berichten. Versprochen.

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PLOPP! – Science-Fiction-Kurzgeschichte von Günther Kurt Lietz (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 3/2011)

Erstellt von Günther Lietz am 23. Juli 2011

PLOPP!

Science-Fiction-Kurzgeschichte

von

Günther Kurt Lietz


Über den Bildschirm flimmerte das WM-Endspiel. Schneider flankte zu PussY3, der zog ab und versenkte den Ball sauber im Kasten. Die Menge tobte und sprang von den Sitzen auf. Margot tippte ihr Pad an und ein neongelbes “Nice!” flammte auf. Damit hatte die Teenagerin ihre Zustimmung kundgetan. Es wurde Zeit sich mit Anita und Udo zu treffen. Die beiden waren sicherlich bereits im Club.

Der Club war derzeit beliebt in ihrer Stufe und nach der Schule trafen sich fast alle dort. Die Musik war laut, schrill und ein Verbrechen an der Menschheit. Die Drinks wirbelten einem den Verstand durcheinander und die bekanntesten Künstler der Welt trafen im Club zusammen. Für Margot also genau das Richtige.

Anita und Udo standen auf der Galerie des Clubs und sahen den wogenden Massen beim Tanzen zu. Lichtblitze in schrillen Farben zuckten auf und erhellten nur für Augenblicke die Tanzfläche. Auf der Galerie ging es ruhiger zu, hier konnten sich die Leute wenigstens schreiend unterhalten.

“Ich habe was Neues für uns.” Margot zog ihre beiden Freunde mit sich in eines der Hinterzimmer. Sie schloss die Türe und stellte den Raum auf Privatmodus. Dann legte sie eine Schlüsselkarte auf den Tisch. “Mit dem Ding kommen wir problemlos an unsere Schulakten heran, Leute.”

Udo verzog skeptisch die Mine. “Wirklich? Ich weiß nicht. Ich habe andere Probleme.”

Anita legte tröstend ihre Hand auf seine Schulter. “Er hat eben den Status seiner Eltern abgerufen. Die beiden lassen sich scheiden.”

“Ich habe das ja schon geahnt.” Udo setzte sich. Seine Mundwinkel zeigten nach unten, er sah traurig aus. “Paps hat kaum noch in Mams Gästebuch geschrieben. Dann haben sie sich gegenseitig aus ihren Streams geworfen und gestern Abend konnte ich lange Flames von ihnen lesen. Opa hält natürlich zu Paps und hat ihm ein ‘Nice!’ gegeben, während Mam eine Abstimmung in der Familie gestartet hat. Die meisten waren für Scheidung und jetzt ist es halt passiert. So ein Scheiß!”

“Die Welt wird immer verrückter.” Margot setzte sich neben ihn. “Wenn du jemanden zum Reden brauchst oder einfach nur etwas Ablenkung, Mann, ich kenne da einen guten Stream im Netz. Der bringt dich auf andere Gedanken.”

Anita nickte und starrte auf ihr Pad. “Das solltest du machen. Hat mich auch auf andere Gedanken gebracht. Ihr wisst doch, letztes Jahr, die Sache mit meinem Frauenarzt.” Margot und Udo nickten. “War schon ärgerlich, dass der Kerl das Häkchen vergessen hat und das Untersuchungsvideo auf ‘Öffentlich’ stand. Ich meine, so was gehört sich doch nicht. Mir sind auf meinem Channel die ganzen Klicks verloren gegangen. Als ich das Material endlich selber hochladen konnte, da hat sich niemand mehr darum gekümmert.”

Die Teenager schwiegen kurz und fuhren mit den Fingern über ihre Pads. “Ich überlege eine Beziehung anzufangen.” Udo klang etwas gefasster. Anita und Margot hatten ihm ein “Nice!” gegeben. “Ich habe eben meine Songliste erweitert und da hat sich eine Übereinstimmung mit jemandem von unserer Schule ergeben. Sie hat ein wirklich süßes Bild von sich im Stream.” Udo teilte den Stream mit seinen Freundinnen und alle sahen sich das süße Mädchen an.

“Die hat persönliche Daten und Bilder gesperrt.” Margot rief den Stream eines Sellers auf, schob ein paar Bits in den Warenkorb und ging dann wieder zurück zum Ursprungsstream. “Ich schalte mich mal auf Premium.” Die Ansicht auf ihrem Pad veränderte sich. “Sieht ja ganz nett aus. Tatsächlich, die loggt sich auf unsere Schule ein. Da habt ihr ja schon was gemeinsam.”

Udo schickte die Anfrage raus. “Ich bin ganz nervös.” Es gab einen Signalton. “Da, sie hat akzeptiert. Wahnsinn. Sie will Morgen mit mir in einen Musical-Stream. Ihr Paps hat da wohl noch einige Karten frei.” Anita und Margot gaben ihr ‘Nice!’ dazu.

Die drei versanken wieder in der Betrachtung ihrer Pads. Ihre Finger fuhren über die Bildschirme, ihre Augen saugten die Informationen förmlich auf – beinahe eine Stunde lang. Es herrschte Schweigen im Raum, keiner sprach und dennoch war Kommunikation. Udo teilte einen witzigen Stream mit ihnen, Margot schickte ihm ein Lach-Icon und Anita bestätigte mit einem “Nice!”, bevor sie in den nächsten Stream abtauchte und dort ein schlüpfriges Bild von Udos Freundin veröffentlichte. Die reagierte prompt und versuchte Anitas Pad zu hacken, dann lieferten sich die beiden Mädchen im Stream ein hitziges Wortgefecht, um anschließend in der Arena gegeneinander anzutreten.

Udo verfolgte gespannt wie Anita seine neue Freundin mit explodierenden Fröschen eindeckte und aus dem Ring schoss. Zwanzig ihrer Klassenkameraden gaben ihr ‘Nice!”, in einem anderen Stream wurde die Scheidung rechtsgültig, Spam überwand die Firewall und bot billige Huren aus der Ukraine an, die USA verloren Streams in Nahost an China und Chinas Regierungsstreams waren hinterrücks aus Indien infiltriert worden. Terrorhacker von AnyoneRuleZDaWorld hatten russische Streams lahmgelegt und in Deutschland gab es immer mehr Montagsstreams, die gegen schlechte Arbeitsbedingungen auf Energiestreams demonstrierten.

Margots Pad piepste leise. “Verdammt, kaum noch Batterie. Ich muss eh nach Hause.” Sie drückte ihre beiden Freunde, dann verließ sie das Hinterzimmer. Auf der Galerie saßen noch immer die Punks mit ihren bizzarren Frisuren, während auf der Tanzfläche das Orchester Klassiker von Lady Gaga spielte. Einige weiße Tauben flogen durch den Club. Heute war kaum jemand hier.

Es machte plopp.

***

Kathrin rieb sich mit den Fingern über die Augen. Sie war müde, das Spiel hatte lange gedauert und am Ende war es ein wenig langweilig. Die Tauben hatten ihr gefallen, aber der Preis war doch zu hoch für so eine kleine Änderung im Programm.

Die junge Frau versuchte sich im Rollstuhl ein wenig aufzurichten, aber es misslang ihr. Sie hatte Hunger und steuerte zur Küche. Der Kühlschrank schwang auf und sie nahm sich eine Dose raus. EnergyBoostYou – schmeckte nach Gummibärchen, steckte voller Koffein und weckte die Lebensgeister auf. Kathrin ließ noch ein weiteres Päckchen Koffein hineinrieseln, um die Wirkung zu verstärken, dann rollte sie wieder an ihren Schreibtisch zurück. Arbeit wartete auf sie. Das Spiel hatte sie aber gebraucht, um ihre Gedanken wieder frei zu bekommen.

Margot, Anita und Udo hatten es einfacher, für sie lief alles rund. Aber sobald im Spiel ein bestimmter Punkt erreicht wurde kam Langeweile auf. Ob es für die Figuren ebenfalls langweilig war? Ob sie ahnten, dass sie nur Teil eines Spiels waren, eines viel größeren Ganzen? Kathrin kicherte und vom Saft sickerte ihr etwas aus den Mundwinkeln.

Sie schaltete sich ins System und begann mit der Arbeit. Die Katze kam herangelaufen und sprang auf Kathrins magere, gefühllose Beine. Sie schnurrte und forderte Zärtlichkeit ein. Mit ihren klugen Augen blickte sie zu ihrem Frauchen hoch. Es klingelte und die Katze sprang fauchend auf. Sie versteckte sich mit gesträubtem Fell hinter einer Bodenvase, während Kathrin zur Haustüre fuhr. Es war spät und sie fragte sich, wer da jetzt noch klingelte.

Die Türe schwang auf und ein muskulöser Mann stand vor ihr. Kathrin war erstaunt, denn es war der erste Mensch den sie sah, der auf zwei gesunden Beinen stand. Er trug eine alte Jeans, ein schmutziges Shirt, Sonnenbrille und Maschinengewehr. Seine Muskeln spannten sich an und der Satz “Ich spritz in dein Gesicht du Schlampe!” begleiteten die Feuerstöße.

Es machte plopp.

***

Wütend sprang Idris auf und stürmte an ihren beiden Miezen vorbei aus dem Zimmer. “Mamma! Kasper hat sich schon wieder in mein Spiel gehackt. Jetzt muss ich von vorne anfangen.”

Kasper sah aus seinem Zimmer den Flur hinab und streckte seine beiden Zungen heraus. “Ätsch! Musst du halt öfter mal Zwischenspeichern.”

“Außerdem hat er mich als Schlampe bezeichnet.” Idris Stimme sprühte voller Triumph. “Und das habe ich gespeichert.”

“Schlampe!” zischte Kasper wütend und die Stimme seiner Mutter wurde laut, die in der Brutkammer lag und sich um die Eier kümmerte.

“Was habe ich dir wegen deiner Schwester gesagt? Ihr sollt euch vertragen oder ich fresse euch beide auf. Keine Streitigkeiten mehr, ihr beiden!”

Grummelnd zog sich Idris in ihr Zimmer zurück und schloss die Türe. Immer das Gleiche mit Kasper. Wäre sie nur größer, dann könnte sie ihn einfach mit einem Hieb ihres Schwanzes umhauen. Bumms, einfach so. Sie lächelte. Das würde ihr gefallen. Sie fuhr das System hoch und sah nach neuen Nachrichten. Keine da. Papa war wohl noch immer unterwegs und musste diesen langweiligen Sektor kartographieren.

Idris überlegte, ob sie das Spiel nochmals starten sollte. Immerhin hatte sie noch einen alten Speicherstand. Vielleicht sollte sie diesmal anstatt einer Katze eine Schildkröte als stummen Beobachter wählen und alle Leute mit Flügeln ausstatten. Das würde ihr gefallen – Humanoide Schmetterlinge in einer grauen Stadt. Idris kicherte. Ob die Figuren im Spiel ahnten, dass sie künstlich waren und kein echtes Leben besaßen?

Es machte plopp.

***

Dimitri sah vom Monitor auf. Sein Dienst begann in zehn Minuten, also war es besser die Simulation zu beenden. Er liebte das Programm und lachte in sich hinein. Diese dummen künstlichen Intelligenzen hatten keine Ahnung, dass sie nur Teil eines großen Ganzen waren, dass sie keinen wahren Einfluss hatten und dass sie mit sich selbst spielten. Dimitri grinste und …

… es machte plopp!

ENDE

Copyright 2011 by Günther Kurt Lietz

Buchtipp der Redaktion:

Völker, Clara
Mobile Medien

Zur Genealogie des Mobilfunks und zur Ideengeschichte von Virtualität

Im Buch blättern

Verlag :      transcript
ISBN :      978-3-8376-1372-8
Einband :      Paperback
Preisinfo :      29,80 Eur[D] / 30,70 Eur[A] / 41,50 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 29.04.2011
Seiten/Umfang :      378 S. – 22,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 04.2010
Gewicht :      534 g
Aus der Reihe :      Kultur- und Medientheorie

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Mobile Medientechnologien wie Handys und Laptops sind allgegenwärtig geworden. Zugleich werden digitale Medien verdächtigt, als Virtualitätstechnologien die »Realität« zu bedrohen. Das wirft Fragen auf: Was hat es mit »Virtualität« auf sich? Und in welchem Zusammenhang stehen mobile Medientechnologien und ihre Informationsräume hierzu?

Clara Völker betrachtet Ideen des Virtuellen aus der Antike, der Neuzeit und dem 20. Jahrhundert. Damit verbunden rekonstruiert sie, wie mobile Medien als Folgetechnologien von optischer Telegrafie, elektrischer Telefonie und Radiotechnologie entstanden sind. Es zeigt sich, dass Wirklichkeit schon immer von Vorstellungen des abwesenden Anwesenden geprägt wurde und mobile Medien als Potentialitäten diese Form weiter wandeln.

Pressestimmen:
“Mobile Medien ist ein hochinteressanter und fundierter Einstieg in das Forschungsgebiet der Cell Phone Studies. Neben der exzellenten technologischen Recherche bietet das Buch einen tiefen Einblick in die Ideengeschichte der Virtualität.” Christian Alt, www.negativ-film.de

Clara Völker (Dr. phil.) lebt in Berlin und arbeitet im Bereich Musiktechnologien.

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ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

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Lea Korte – interviewt von Werner Karl

Erstellt von Galaxykarl am 23. Juli 2011

Interview mit Lea Korte

Das Interview führte Werner Karl

sfbasar: Hallo Lea, schön, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Erzähl doch mal ein wenig von dir selbst. Wo und wie lebst du?

LK:
Zusammen mit meiner Familie lebe ich seit vielen Jahren in Spanien – natürlich in einem Ort am Meer.

sfbasar: Wann hat dich das Virus Schreiben gepackt oder durch welches Erlebnis wurdest du zum Schreiben animiert?

LK:
Ich war einfach von klein auf eine Leseratte und habe es mir toll vorgestellt, immer nur lesen und schreiben zu müssen – was es auch ist! Gleich nach dem Studium habe ich dann ganz ernsthaft mit dem Schreiben begonnen und hatte das große Glück, auf Anhieb einen Agenten zu finden, mit dem ich auch heute noch zusammenarbeite.

sfbasar: Wie hast du das Handwerk Schreiben erlernt? Und: Hast du vor deinen Romanen schon andere Dinge geschrieben?

LK:
Ich habe in der Anfangszeit viele Kurse besucht, Fachbücher gelesen und mir das bewusste Lesen angewöhnt. Auch mit jedem neuen Buch – und dem dazugehörigen Verlagslektorat – habe ich viel gelernt. Inzwischen habe ich 10 Bücher geschrieben. Manchmal kann ich das Selbst kaum fassen.

sfbasar: Hast du dein Manuskript zu deinem Erstling einer Agentur präsentiert oder direkt einem Verlag angeboten? Beide Wege sind ja möglich; allerdings mit unterschiedlichen Chancen. Wie einfach oder mühsam war dein Weg?

LK:
Ich habe mich direkt an einen Agenten gewandt, und bin nach wie vor mit ihm „verbandelt“ und sehr zufrieden, dass ich diesen Weg gewählt habe. Ich hatte damit kaum Steine zu überwinden und weiß, dass dies eher die Ausnahme ist.

sfbasar: Über die Zusammenarbeit mit Lektoren hört man von der Horrorstory bis zum ausgerollten roten Teppich alle Varianten. Wie erlebst du die Arbeit mit den Agenturen und Verlagen?

LK: Ich war bisher mit meinen LektorInnen immer sehr, sehr zufrieden und mit zweien von ihnen verbindet mich inzwischen sogar eine wirklich gute Freundschaft.

sfbasar: „Die Maurin“ und „Die Nonne mit dem Schwert“ sind ja beides historische Romane. „Sommernacht auf Mallorca“ ist eindeutig der Bereich Sommer, Sonne, Liebe & Romantik. Fällt es dir leicht, diese beiden Genre voneinander zu trennen? Oder besteht immer die Gefahr, dass sich in einem, Elemente des anderen einschleichen?

LK:
Ich könnte sie nicht gleichzeitig schreiben, also morgens historisch und mittags zeitgenössisch, aber das ist auch schon die einzige Einschränkung. In verschiedenen Genre nacheinander zu schreiben finde ich dagegen sehr spannend. Es ist eine Herausforderung, sich immer wieder mal neu auszuprobieren!

sfbasar: Die beiden Historienbücher sind im Knaur-Verlag erschienen, „Sommernacht …“ bei Ruetten & Loening. Natürlich haben viele Verlage ein bestimmtes, manchmal recht konkret definiertes Verlagsprogramm. Andere Verlage publizieren aber mit verschiedenen Reihen in mehreren Genre. Bestand hier ein Abgrenzungswunsch durch die Verlage, die sich „ihr“ Bild von dir als Historien-Autorin, und umgekehrt nicht durch ein anderes Genre beeinflusst haben wollten, oder ergab sich das durch andere Faktoren?

LK:
Normalerweise ist das ein Problem, ja, aber in diesem Fall hat mein Agent da wohl die Wege geebnet.

sfbasar: Welche Anstrengungen hat z. B. Knaur getan, um dich als junge, neue Autorin dem Publikum vorzustellen? Hat man dich auf eine Tour mit Autorenlesungen geschickt?

LK: Ach, nein, das gibt es nur im Film und beinahe muss ich lachen, so weit ist diese Vorstellung von der Realität entfernt. Man muss sich selbst durchbeißen. Werbung und Hofierung gibt es nur für die ganz großen Bestsellerautoren!

sfbasar: Apropos Lesungen: Machst du das gerne und fällt es dir leicht, vor einem Publikum – i. d. R. ja lauter fremden Menschen – deine Texte zu lesen? Empfindest du z. B. ein modernes Headset als Anachronismus, wenn du aus deinen Historienbüchern liest?

LK: Dadurch, dass ich in Spanien lebe, mache ich nur sehr selten Lesungen. Letztes Jahr habe ich im Mai aber fast 4 Wochen am Stück Lesungen gemacht – und diese Zeit sehr genossen. Mich hat das Headset nicht gestört. Wenn man vor über 100 Leuten liest, geht das gar nicht anders.

sfbasar: Gibt es Termine und Orte, wo du in den nächsten Wochen und Monaten Lesungen hast?

LK: Derzeit nicht, nein. Die Entfernung ist schon ein Problem – zumal ich ja Familie habe.

sfbasar: Zurück zum Schreiben. Wenn du ein neues Buchprojekt in Angriff nimmst, bist du da eher die Aus-dem-Bauch-Schreiberin oder die akribische, strukturiert und geplant vorgehende Autorin?

LK: Das Letztere, und von Buch zu Buch plane ich mehr und überlasse weniger dem Zufall. Je mehr man über das Handwerk weiß, desto mehr Möglichkeiten hat man – und will diese dann auch schon bei Planung in das Projekt einfließen lassen.

sfbasar: Gerade deine historischen Bücher werden eine Menge an Recherche erfordern. Die Gefahr, sich in unnötigen Details zu verlieren, lauert ja in jedem, der fasziniert ist von Geschichte und den Tausenden Dingen, die uns modernen Menschen ja größtenteils fremd geworden sind. Wo und wie intensiv suchst du nach Informationen? Und ab welchem Punkt lässt du es gut sein?

LK: „Gut sein“ lasse ich es eher gar nicht. Für meine historischen Romane habe ich verschiedene fachliche Berater, auf die ich zurückgreifen kann, v. a. einen Arabistikprofessor von der Universität in Cadiz (Spanien), und diesen guten Freund löchere ich, bis mir auch noch die letzte Kleinigkeit klar ist. Außerdem lese ich auch Berge von Fachliteratur, ordne diese Infos mit Hilfe von einem tollen Computerprogramm, unternehme Recherchereisen und, und, und … Ich finde gerade die Recherche sehr spannend!

sfbasar: Wenn du die magischen vier Buchstaben ENDE unter deine Rohfassung setzt, lässt du dann einige Zeit den Text „sacken“, um einen Abstand zum gerade Geschriebenen zu finden? Oder machst du dich gleich an die Überarbeitungen? Und wie gehst du da vor?

LK: Ich lege den Text beiseite, ja – und schreibe dann, wie jetzt zum Beispiel, „zwischendurch“ einen anderen Roman. „Die Maurin – Teil II“ ist ja gerade am Entstehen, und während einer solchen Pause habe ich „Sommernacht auf Mallorca“ geschrieben – wofür übrigens auch eine Recherchereise nötig war.

sfbasar: Nun ist ja keine Geschichte wirklich jemals zu Ende, denn auch das Leben endet nicht mit dem Tod eines bestimmten Menschen oder Protagonisten. Wie groß ist die Versuchung – oder gar die Forderung des Verlages – eine Fortsetzung und evtl. weitere zu schreiben?

LK: Bei „Die Maurin“ war die Versuchung für mich zum ersten Mal wirklich groß – und deswegen schreibe ich jetzt auch an dem zweiten Teil, der nächstes Jahr erscheinen wird.

sfbasar: In diesem Zusammenhang steht auch eine Frage, wenn du von Anfang an mehrere Romane geplant hast. Reagiert ein Verlag eher erfreut oder ablehnend, wenn du sagst, dass es sich bei dem neuen Projekt um eine Trilogie oder noch mehr handelt?

LK: In der Regel schauen sie sich sicher immer erst an, wie sich der erste Teil verkauft. Da die Verkaufszahlen von „Die Maurin“ gut waren, wollte der Verlag dann auch gern den zweiten Teil haben. Mein nächstes historisches Projekt ist sogar ein Dreiteiler. Mal sehen, was daraus wird.

sfbasar: Schreiben erfordert eine Menge Zeit. Wann und wo schreibst du? Was macht deine Familie in dieser Zeit?

LK: Ich schreibe hauptberuflich, habe also wie jeder andere feste Arbeitszeiten (und ich bin da sehr streng mit mir!). Die Kinder gehen in der Zeit in die Schule oder sind bei Freunden zum Spielen, mein Mann geht seiner Beschäftigung nach.

sfbasar: Hattest du deine Texte immer schon geschrieben, bevor sie ein Verlag zu Gesicht bekam? Oder gab es „Auftragsarbeiten“? So in der Art: „Liebe Frau Korte, wir hätten hier eine Idee, machen Sie doch mal einen tollen Roman daraus!“

LK: Nein, ich habe immer nur Leseproben und ein Exposé vorgelegt und daraufhin dann den Vertrag bekommen. Bei dem Mallorcaroman war es anders: Da kam der Verlag auf mich zu.

sfbasar: An welchem Projekt arbeitest du gerade und wie viel darfst du hier verraten oder wenigstens andeuten?

LK: Ich arbeite an „Die Maurin – 2. Teil“ und erzähle darin die Fortsetzung von Zahra as-Sulamis Leben, es knüpft also direkt an den ersten Teil an, ist aber natürlich auch ohne den ersten Teil zu verstehen. Auch ein zweites, zeitgenössisches Romanprojekt mit einer Leseprobe ist derzeit beim Verlag zur „Prüfung“.

sfbasar: So ganz nebenbei bietest du auch Online-Schreibkurse an. Was beinhalten diese? Was kann ein angehender Autor von dir erwarten und wo liegen die Grenzen so eines Kurses?

LK: Ich biete sie zwar „nebenbei“ an, betreibe sie aber doch mit ganzem Herzen und Einsatz! Derzeit schreibe ich sogar eher „nebenbei“ und mache vor allem den Kurs, weil ich ja auch die Lektionen für den Onlinekurs erst einmal erstellen muss. Es gibt für die Teilnehmer nämlich einiges an Lesestoff, Material zum Handwerk des Schreibens, Beispiele aus der Literatur, etc. – und ich stelle dazu passende Aufgaben (z. B. ein Figurenentwurf, ein Dialog zu einem bestimmten Thema, eine Szene, etc. bis hin zur Krönung: dem Plotentwurf). Das alles geschieht im 14-tägigen Rhythmus. Ein besonderes „Zubrot“ ist der Austausch zwischen den Teilnehmern: Dazu werden wir zusätzlich zu den anderen Aufgaben einmal im Monat von den Teilnehmern selbstverfasste Texte zu bestimmten Aufgaben in der Gruppe diskutieren, damit jeder sieht, wie die eigenen Texte auf andere wirken und umgekehrt der Blick für Texte geschult wird. Ziel hierbei ist es NICHT, die Texte von jemandem zu verreißen, sondern aus den „Fehlern“  anderer auch selbst wieder lernen zu können und so schneller voranzukommen.

Der angehende Autor kann erwarten, dass er das Handwerk des Schreibens gründlich lernt und für seine Texte eine kompetente Rückmeldung mit konkreten Verbesserungsvorschlägen bis hin zu Übungsaufgaben und weiteren Informationen bekommt. Die Vorteile des Online-Verfahrens sind natürlich die freie Zeiteinteilung des Einzelnen, und dass er nirgends hinfahren muss – aber trotzdem sogar auch eine Gruppenresonanz hat.

Grenzen ehe ich erst einmal nicht. Wenn ich jemanden wirklich für ungeeignet halten sollte, würde ich dies sagen; alle anderen sollten später in der Lage sein, ihren Roman nach soliden Grundsätzen zu schreiben und auch einen Verlag dafür zu finden. Auch beim Manuskript bin ich behilflich, wenn es nötig sein sollte, und biete dann ein Coaching an.

Und last but noch least biete ich im Herbst auch einen Intensivkurs (3 Tage) in Spanien an.

sfbasar: Liebe Lea, wir bedanken uns ganz herzlich für deine interessanten Auskünfte über deine Arbeit und wünschen dir weiterhin viel Erfolg und noch mehr tolle Ideen für neue Bücher.

LK: Ich danke dir für die interessanten Fragen!

Copyright © 2011 by Lea Korte und Werner Karl

Autorenporträt Lea Korte im sfbasar

Aktuelles Buch: „Sommernacht auf Mallorca“ ISBN 978-3-352-00807-8
„Die Nonne mit dem Schwert“ ISBN 978-3-426-63386-1
„Die Maurin“ ISBN 9783426502303

Mehr Infos zu den Schreibkursen kann jeder gern unter www.schreibkurse.wordpress.com
oder einfach per Mail (leakorte@leakorte.de) bekommen.

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