Erstellt von Galaxykarl am 23. Juli 2011
Interview mit Lea Korte
Das Interview führte Werner Karl
sfbasar: Hallo Lea, schön, dass du dich zu diesem Interview bereit erklärt hast. Erzähl doch mal ein wenig von dir selbst. Wo und wie lebst du?
LK: Zusammen mit meiner Familie lebe ich seit vielen Jahren in Spanien – natürlich in einem Ort am Meer.
sfbasar: Wann hat dich das Virus Schreiben gepackt oder durch welches Erlebnis wurdest du zum Schreiben animiert?
LK: Ich war einfach von klein auf eine Leseratte und habe es mir toll vorgestellt, immer nur lesen und schreiben zu müssen – was es auch ist! Gleich nach dem Studium habe ich dann ganz ernsthaft mit dem Schreiben begonnen und hatte das große Glück, auf Anhieb einen Agenten zu finden, mit dem ich auch heute noch zusammenarbeite.
sfbasar: Wie hast du das Handwerk Schreiben erlernt? Und: Hast du vor deinen Romanen schon andere Dinge geschrieben?
LK: Ich habe in der Anfangszeit viele Kurse besucht, Fachbücher gelesen und mir das bewusste Lesen angewöhnt. Auch mit jedem neuen Buch – und dem dazugehörigen Verlagslektorat – habe ich viel gelernt. Inzwischen habe ich 10 Bücher geschrieben. Manchmal kann ich das Selbst kaum fassen.
sfbasar: Hast du dein Manuskript zu deinem Erstling einer Agentur präsentiert oder direkt einem Verlag angeboten? Beide Wege sind ja möglich; allerdings mit unterschiedlichen Chancen. Wie einfach oder mühsam war dein Weg?
LK: Ich habe mich direkt an einen Agenten gewandt, und bin nach wie vor mit ihm „verbandelt“ und sehr zufrieden, dass ich diesen Weg gewählt habe. Ich hatte damit kaum Steine zu überwinden und weiß, dass dies eher die Ausnahme ist.
sfbasar: Über die Zusammenarbeit mit Lektoren hört man von der Horrorstory bis zum ausgerollten roten Teppich alle Varianten. Wie erlebst du die Arbeit mit den Agenturen und Verlagen?
LK: Ich war bisher mit meinen LektorInnen immer sehr, sehr zufrieden und mit zweien von ihnen verbindet mich inzwischen sogar eine wirklich gute Freundschaft.
sfbasar: „Die Maurin“ und „Die Nonne mit dem Schwert“ sind ja beides historische Romane. „Sommernacht auf Mallorca“ ist eindeutig der Bereich Sommer, Sonne, Liebe & Romantik. Fällt es dir leicht, diese beiden Genre voneinander zu trennen? Oder besteht immer die Gefahr, dass sich in einem, Elemente des anderen einschleichen?
LK: Ich könnte sie nicht gleichzeitig schreiben, also morgens historisch und mittags zeitgenössisch, aber das ist auch schon die einzige Einschränkung. In verschiedenen Genre nacheinander zu schreiben finde ich dagegen sehr spannend. Es ist eine Herausforderung, sich immer wieder mal neu auszuprobieren!
sfbasar: Die beiden Historienbücher sind im Knaur-Verlag erschienen, „Sommernacht …“ bei Ruetten & Loening. Natürlich haben viele Verlage ein bestimmtes, manchmal recht konkret definiertes Verlagsprogramm. Andere Verlage publizieren aber mit verschiedenen Reihen in mehreren Genre. Bestand hier ein Abgrenzungswunsch durch die Verlage, die sich „ihr“ Bild von dir als Historien-Autorin, und umgekehrt nicht durch ein anderes Genre beeinflusst haben wollten, oder ergab sich das durch andere Faktoren?
LK: Normalerweise ist das ein Problem, ja, aber in diesem Fall hat mein Agent da wohl die Wege geebnet.
sfbasar: Welche Anstrengungen hat z. B. Knaur getan, um dich als junge, neue Autorin dem Publikum vorzustellen? Hat man dich auf eine Tour mit Autorenlesungen geschickt?
LK: Ach, nein, das gibt es nur im Film und beinahe muss ich lachen, so weit ist diese Vorstellung von der Realität entfernt. Man muss sich selbst durchbeißen. Werbung und Hofierung gibt es nur für die ganz großen Bestsellerautoren!
sfbasar: Apropos Lesungen: Machst du das gerne und fällt es dir leicht, vor einem Publikum – i. d. R. ja lauter fremden Menschen – deine Texte zu lesen? Empfindest du z. B. ein modernes Headset als Anachronismus, wenn du aus deinen Historienbüchern liest?
LK: Dadurch, dass ich in Spanien lebe, mache ich nur sehr selten Lesungen. Letztes Jahr habe ich im Mai aber fast 4 Wochen am Stück Lesungen gemacht – und diese Zeit sehr genossen. Mich hat das Headset nicht gestört. Wenn man vor über 100 Leuten liest, geht das gar nicht anders.
sfbasar: Gibt es Termine und Orte, wo du in den nächsten Wochen und Monaten Lesungen hast?
LK: Derzeit nicht, nein. Die Entfernung ist schon ein Problem – zumal ich ja Familie habe.
sfbasar: Zurück zum Schreiben. Wenn du ein neues Buchprojekt in Angriff nimmst, bist du da eher die Aus-dem-Bauch-Schreiberin oder die akribische, strukturiert und geplant vorgehende Autorin?
LK: Das Letztere, und von Buch zu Buch plane ich mehr und überlasse weniger dem Zufall. Je mehr man über das Handwerk weiß, desto mehr Möglichkeiten hat man – und will diese dann auch schon bei Planung in das Projekt einfließen lassen.
sfbasar: Gerade deine historischen Bücher werden eine Menge an Recherche erfordern. Die Gefahr, sich in unnötigen Details zu verlieren, lauert ja in jedem, der fasziniert ist von Geschichte und den Tausenden Dingen, die uns modernen Menschen ja größtenteils fremd geworden sind. Wo und wie intensiv suchst du nach Informationen? Und ab welchem Punkt lässt du es gut sein?
LK: „Gut sein“ lasse ich es eher gar nicht. Für meine historischen Romane habe ich verschiedene fachliche Berater, auf die ich zurückgreifen kann, v. a. einen Arabistikprofessor von der Universität in Cadiz (Spanien), und diesen guten Freund löchere ich, bis mir auch noch die letzte Kleinigkeit klar ist. Außerdem lese ich auch Berge von Fachliteratur, ordne diese Infos mit Hilfe von einem tollen Computerprogramm, unternehme Recherchereisen und, und, und … Ich finde gerade die Recherche sehr spannend!
sfbasar: Wenn du die magischen vier Buchstaben ENDE unter deine Rohfassung setzt, lässt du dann einige Zeit den Text „sacken“, um einen Abstand zum gerade Geschriebenen zu finden? Oder machst du dich gleich an die Überarbeitungen? Und wie gehst du da vor?
LK: Ich lege den Text beiseite, ja – und schreibe dann, wie jetzt zum Beispiel, „zwischendurch“ einen anderen Roman. „Die Maurin – Teil II“ ist ja gerade am Entstehen, und während einer solchen Pause habe ich „Sommernacht auf Mallorca“ geschrieben – wofür übrigens auch eine Recherchereise nötig war.
sfbasar: Nun ist ja keine Geschichte wirklich jemals zu Ende, denn auch das Leben endet nicht mit dem Tod eines bestimmten Menschen oder Protagonisten. Wie groß ist die Versuchung – oder gar die Forderung des Verlages – eine Fortsetzung und evtl. weitere zu schreiben?
LK: Bei „Die Maurin“ war die Versuchung für mich zum ersten Mal wirklich groß – und deswegen schreibe ich jetzt auch an dem zweiten Teil, der nächstes Jahr erscheinen wird.
sfbasar: In diesem Zusammenhang steht auch eine Frage, wenn du von Anfang an mehrere Romane geplant hast. Reagiert ein Verlag eher erfreut oder ablehnend, wenn du sagst, dass es sich bei dem neuen Projekt um eine Trilogie oder noch mehr handelt?
LK: In der Regel schauen sie sich sicher immer erst an, wie sich der erste Teil verkauft. Da die Verkaufszahlen von „Die Maurin“ gut waren, wollte der Verlag dann auch gern den zweiten Teil haben. Mein nächstes historisches Projekt ist sogar ein Dreiteiler. Mal sehen, was daraus wird.
sfbasar: Schreiben erfordert eine Menge Zeit. Wann und wo schreibst du? Was macht deine Familie in dieser Zeit?
LK: Ich schreibe hauptberuflich, habe also wie jeder andere feste Arbeitszeiten (und ich bin da sehr streng mit mir!). Die Kinder gehen in der Zeit in die Schule oder sind bei Freunden zum Spielen, mein Mann geht seiner Beschäftigung nach.
sfbasar: Hattest du deine Texte immer schon geschrieben, bevor sie ein Verlag zu Gesicht bekam? Oder gab es „Auftragsarbeiten“? So in der Art: „Liebe Frau Korte, wir hätten hier eine Idee, machen Sie doch mal einen tollen Roman daraus!“
LK: Nein, ich habe immer nur Leseproben und ein Exposé vorgelegt und daraufhin dann den Vertrag bekommen. Bei dem Mallorcaroman war es anders: Da kam der Verlag auf mich zu.
sfbasar: An welchem Projekt arbeitest du gerade und wie viel darfst du hier verraten oder wenigstens andeuten?
LK: Ich arbeite an „Die Maurin – 2. Teil“ und erzähle darin die Fortsetzung von Zahra as-Sulamis Leben, es knüpft also direkt an den ersten Teil an, ist aber natürlich auch ohne den ersten Teil zu verstehen. Auch ein zweites, zeitgenössisches Romanprojekt mit einer Leseprobe ist derzeit beim Verlag zur „Prüfung“.
sfbasar: So ganz nebenbei bietest du auch Online-Schreibkurse an. Was beinhalten diese? Was kann ein angehender Autor von dir erwarten und wo liegen die Grenzen so eines Kurses?
LK: Ich biete sie zwar „nebenbei“ an, betreibe sie aber doch mit ganzem Herzen und Einsatz! Derzeit schreibe ich sogar eher „nebenbei“ und mache vor allem den Kurs, weil ich ja auch die Lektionen für den Onlinekurs erst einmal erstellen muss. Es gibt für die Teilnehmer nämlich einiges an Lesestoff, Material zum Handwerk des Schreibens, Beispiele aus der Literatur, etc. – und ich stelle dazu passende Aufgaben (z. B. ein Figurenentwurf, ein Dialog zu einem bestimmten Thema, eine Szene, etc. bis hin zur Krönung: dem Plotentwurf). Das alles geschieht im 14-tägigen Rhythmus. Ein besonderes „Zubrot“ ist der Austausch zwischen den Teilnehmern: Dazu werden wir zusätzlich zu den anderen Aufgaben einmal im Monat von den Teilnehmern selbstverfasste Texte zu bestimmten Aufgaben in der Gruppe diskutieren, damit jeder sieht, wie die eigenen Texte auf andere wirken und umgekehrt der Blick für Texte geschult wird. Ziel hierbei ist es NICHT, die Texte von jemandem zu verreißen, sondern aus den „Fehlern“ anderer auch selbst wieder lernen zu können und so schneller voranzukommen.
Der angehende Autor kann erwarten, dass er das Handwerk des Schreibens gründlich lernt und für seine Texte eine kompetente Rückmeldung mit konkreten Verbesserungsvorschlägen bis hin zu Übungsaufgaben und weiteren Informationen bekommt. Die Vorteile des Online-Verfahrens sind natürlich die freie Zeiteinteilung des Einzelnen, und dass er nirgends hinfahren muss – aber trotzdem sogar auch eine Gruppenresonanz hat.
Grenzen ehe ich erst einmal nicht. Wenn ich jemanden wirklich für ungeeignet halten sollte, würde ich dies sagen; alle anderen sollten später in der Lage sein, ihren Roman nach soliden Grundsätzen zu schreiben und auch einen Verlag dafür zu finden. Auch beim Manuskript bin ich behilflich, wenn es nötig sein sollte, und biete dann ein Coaching an.
Und last but noch least biete ich im Herbst auch einen Intensivkurs (3 Tage) in Spanien an.
sfbasar: Liebe Lea, wir bedanken uns ganz herzlich für deine interessanten Auskünfte über deine Arbeit und wünschen dir weiterhin viel Erfolg und noch mehr tolle Ideen für neue Bücher.
LK: Ich danke dir für die interessanten Fragen!
Copyright © 2011 by Lea Korte und Werner Karl
Autorenporträt Lea Korte im sfbasar
Aktuelles Buch: „Sommernacht auf Mallorca“ ISBN 978-3-352-00807-8
„Die Nonne mit dem Schwert“ ISBN 978-3-426-63386-1
„Die Maurin“ ISBN 9783426502303
Mehr Infos zu den Schreibkursen kann jeder gern unter www.schreibkurse.wordpress.com
oder einfach per Mail (leakorte@leakorte.de) bekommen.