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Der nette Nachbar von Nebenan
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Eine obsessive Kurzgeschichte
(Überarbeitete Fassung!)

Sie wissen nicht, wer ich bin? Sie möchten das wissen? Ich werde es Ihnen sagen! – Ich bin der nette Nachbar von Nebenan: Aber ich bin das, was man einen Psychopathen und auch einen Soziopathen nennt. Mein Name ist Olaf Bullowski, ich bin 24 Jahre alt und bewohne mit meiner Mutter Irene eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung in einem achtstöckigen Wohnhaus. Auf unserem Stockwerk gibt es drei Mietparteien. Wir wohnen in der Mitte. Rechts von uns wohnen drei Frauen. Eine türkischstämmige Mutter, geschieden, mit ihren beiden Töchtern. Sie sind etwa in meinem Alter und studieren beide an der Musikhochschule. Man hört aus dieser Wohnung immer wieder Klaviermusik, jene, von der edleren Sorte: klassische Musik eben.
Auf der anderen Seite wohnt eine Familie mit zwei Kindern. Einem 16-jährigen Rotzlöffel, der ständig in Motorradkleidung herumläuft und selbstgedrehte Zigaretten raucht. Mit Vorliebe im Treppenvorraum vor dem Aufzug, wo es dann immer danach stinkt, wenn man die Wohnungstür öffnet. Das andere Balg ist ein achtjähriges Mädchen, das ständig einen kleinen weißen Hund mit sich führt, der beim Bellen Geräusche macht wie eine Bohrmaschine, die sich in dem Stahlbeton festgefressen hat, aus dem unser Hochhaus aus den 1960ern besteht. Als es gebaut wurde, war es eines der Ersten, das aus Stahlbeton-Fertigteilen hochgezogen wurde, in die man später kein einziges Loch in die Wand bekam, ohne einen ganzen Satz Bohrer zu verunstalten oder abzubrechen oder einfach nur zu überhitzen.
Über die Eltern der beiden Bälger kann ich nicht viel sagen. Einfache Leute halt. Der Mann ist vielleicht 20 Jahre älter als seine ca. 35-jährige Frau. Beide arbeiten bei der Post. Sie ist Briefsortiererin, er Hausmeister und Heizer. Beide arbeiten Schichtdienst und schlafen daher oft auch am Tage. Und weil der Junge ständig mit seinen Kumpels von der Motorradgang unterwegs ist, hat man dem kleinen Mädchen einen weißen Hund geschenkt, der aussieht wie ein Wollknäuel.
Kennen Sie das Gefühl völlig genervt zu sein? Dieses Vieh nervt mich total! Nicht nur, dass diese Töle in den Treppenhausvorraum pinkelt, wenn sein kleines Frauchen mal wieder zu langsam war mit dem “Gassigehen”. Nein! Dieses Drecksvieh bellt, jault und quietscht den lieben langen Tag lang, dass es einem aus den Ohren rauskommt. Wenn die Eltern nach einer Nachtschicht schlafen wollen, dann schicken sie ihre Göre mit dem Hund nach draussen, damit sie sich in Ruhe aufs Kissen legen können. Dass aber Ruhe auch für die Nachbarn von Nöten wäre, wenn diese nachts schlafen wollen, während die Eltern auf Schichtarbeit sind, das kümmert sie wenig.
Auch jetzt bellt diese Missgeburt wieder ununterbrochen, und jetzt reicht es: Ich werde für ein Ende sorgen. Ein Ende mit Schrecken, damit das nervtötende Geräuscheknäuel ein für alle mal ausgehaucht hat.
So nehme ich mir also meine große Machete aus dem Schrank, ziehe mir den Plastikoverall an, damit ich das Teil hinterher wieder vom Blut abwaschen kann, greife in die Schublade vom kleinen Schrank im Flur, wo sich meine Handschuhe und meine Wollmütze befinden. Schnell habe ich mit der Nagelschere zwei Sehschlitze hineingeschnitten, die Mütze vor dem Spiegel über den Kopf gezogen, die Handschuhe übergestreift, die Machete zur Hand genommen und kann mir ein Grinsen nicht verkneifen, doch dieses Grinsen kann man im Spiegel nicht sehen, denn ich habe die Wollmütze über das ganze Gesicht gezogen.
Das kleine Mädchen sitzt auf dem Boden in seinem Spielzimmer, seine Eltern sind auf Schicht, ihr Bruder ist mit seiner Bande unterwegs. Das Mädchen probt kleine Kunststückchen mit seinem winzigen weißen Hund. Es lässt ihn “sitz” machen und dafür bekommt der kleine Hund eine Belohnung in Form eines kleinen Käsehäppchens. Es weiß, dass es seinem Hund keinen Käse geben soll, das hat ihr ihre Mutter eigentlich verboten. Erstens ist das zu teuer, und zweitens bekommt das dem Tier überhaupt nicht. Aber der Hund liebt es, Käsehäppchen zu bekommen und bedankt sich jedes Mal mit einem kurzen Bellen, um erneut das Kunststückchen, das von ihm verlangt wird, immer und immer wieder vorzuführen.
Als es unverhofft an der Tür klingelt, erschrickt das Mädchen, hält mit der Hundedressur inne, versteckt schnell den restlichen Käse und begibt sich zur Tür.
Was es etwas verwundert, ist die Tatsache, dass die Klingel direkt oben an der Wohnungstür läutet und nicht unten an der Haustür, so dass es an der Sprechanlage nachfragen könnte.
Bestimmt steht die Tür unten wieder offen und es ist nur der Postbote, der wieder mal ein Päckchen bringt, das nicht in den Briefkasten passt, denkt es so bei sich, als es die Tür öffnet.
Als es erkennt, dass vor ihm eine vermummte Gestalt in sehr merkwürdiger Kleidung steht und es einfach zur Seite drängt, um sich Zugang in die Wohnung zu verschaffen, fällt ihm erschrocken ein, was seine Mutter und sein Vater ihm immer wieder eingebläut haben: Dass es erst durch den Spion schauen soll, bevor es die Wohnungstür öffnet. Die Person schubst es gerade so heftig, dass es rückwärts auf seinem Hintern landet.
Schnell verbeißt sich der kleine Hund, der dem Mädchen auf Schritt und Tritt folgt, in das Hosenbein des Eindringlings. Der hebt das Bein laut schimpfend und schüttelt es, mit dem Hund daran, in der Luft hin und her. Plötzlich sieht das Mädchen, wie die fremde Person hinter ihrem Rücken ein riesiges Messer, fast schon ein Schwert, hervorholt und damit auf den Hund ziehlt. Offenbar will sie damit den Hund verletzen, nach ihm schlagen, zögert dann aber doch, da sie wohl befürchtet, auch ihr eigenes Bein zu treffen.
Plötzlich sind Schließgeräusche an der Tür zu hören, von der sich alle bei der Rangelei ein wenig entfernt haben. Die Tür wird aufgeschlossen und vorsichtig geöffnet…
Olaf Bullowski sah, dass seine Mutter Irene mit einigen Taschen und Tüten ihre gemeinsame Wohnung betrat und zu ihrem Sohn kam und ihm einen dicken Schmatzer auf die Backe gab. “Ich hoffe mein Schatz, dass du dich nicht gelangweilt hast. Mama musste schnell mal was einkaufen und dich alleine lassen.” Dabei ging sie weiter in die Küche und räumte schnell alles Gekaufte in Schrank und Kühlschrank. Danach wandte sie sich wieder Olaf zu. Sie schob lächelnd den Rollstuhl mit ihrem Sohn in Richtung Wohnungstür. „So mein Schatz, jetzt darfst du auch nach draußen. Wir machen einen kleinen Spaziergang, und wenn wir zurückkommen, kocht die Mama etwas für sich und du bekommst dein Breichen aus der Tube…”
Als Irene den Rollstuhl in den Treppenvorraum schob und den Knopf vom Aufzug drückte, kam das kleine Mädchen mit ihrem Hund aus der Nachbarswohnung und begrüßte sie und ihren Sohn mit den Worten: “Guten Tag Frau Bullowski, hallo Olaf, wie geht es dir…?” Wobei sie ihn übertrieben anlächelte.
Olafs Mutter antwortete: “Du weisst doch, ich habe es dir doch schon mal erklärt, Olaf kann dich zwar verstehen, aber er ist komplett gelähmt und kann dir daher nicht antworten!”
Das Mädchen schaute Irene neugierig an, zeigte auf das Beatmungsgerät und fragte nach seiner Bedeutung. Irene erklärte dem Mädchen, dass ihr Sohn nicht von selbst atmen könnte und deshalb das Beatmungsgerät benötigte. Als endlich der Aufzug da war, stiegen alle drei ein. Auch der Hund kam mit, wobei dieser ständig bellte und am Rollstuhl von Olaf hoch zu springen versuchte, doch dafür einfach zu klein war, so dass er Olaf nicht erreichen konnte.
Ich weiß, das Sie jetzt denken, dass ich ein armes Würstchen bin. Ich kann ihnen aber versichern, dass das nicht stimmt. Ich werde mich eines Tages dafür rächen. Irgendwann wird es eine Gelegenheit geben, dann werde ich diesen blöden Köter in Stücke hacken und ich werde auch vor dieser Göre nicht halt machen…
Bei diesen Gedanken wurde Olaf unterbrochen, da der Aufzug im Erdgeschoss ankam und seine Mutter Irene die Kleine bat, die Aufzugstür aufzuhalten. Anschließend schob sie ihren Sohn in dem Rollstuhl über die Behindertenrampe nach draußen und Olaf konnte seinen Gedanken weiter nachhängen. Gedanken, die er bislang noch niemanden auf der Welt mitgeteilt hatte.
Copyright (C) 2010 by Felis Breitendorf
Bildrechte: Coverillustration “TräumeundVisionen” (20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog
Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “TräumeundVisionen100-minus141-0.jpg” (Originaltitel: 20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.
Anmerkung des Verfassers zur überarbeiteten Version der Story:
Habe mit Atis Hilfe die Story nochmal überarbeitet. Das war ganz schön anstrengend! Nach dem erneuten Lesen, finde ich sie inzwischen besser als die alte Fassung, obwohl ich am Anfang doch ziemlich skeptisch war. Doch welcher Autor läßt sich schon gerne reinreden? Aber mal im Ernst: Ich finde sie ist besser geworden! Wer ist anderer Meinung, was meint Ihr?? Gebt doch unten mal Eure Meinung als Kommentar ab!
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