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Archiv für März 21st, 2010

ZURÜCK AUF ANFANG – Science-Fiction-Story von Werner Karl

Erstellt von Galaxykarl am 21. März 2010

Uni Erlangen

Schwarzes Loch; Bildquelle: Uni Erlangen

Das Wesen betrachtete die uralte Galaxie mit einiger Aufmerksamkeit. Von seiner Beobachtungsposition aus wirkte die Sternansammlung wie ein Rad aus rund einem Dutzend zerfaserten Spiralarmen, welche den finsteren Kern in rasendem Wirbel umkreisten. Es hatte diesen Anblick schon unzählige Male gesehen, in verschiedensten Formen: Als Oval, als verrissenen Kreis, als hohle Kugel, als flache Linse und einer weiteren, unglaublichen Vielzahl von deformierten Körpern. Deformiert deshalb, weil ihnen allen ein ausschlaggebendes Merkmal gemein war. Der Kern, ansonsten ein hell strahlendes Zentrum dicht beieinander stehender Sterne, war schwarz. Der Grund dafür lag in der banalen Tatsache, dass diese Galaxien von einem Schwarzen Loch von innen aufgefressen wurden, wie eine biologische Lebensform von einem Parasiten.

Das Wesen, das unfreiwillig tausende von Namen trug, welche ihm viele natürliche Lebewesen verliehen hatten, sich selbst aber immer nur mit einem Begriff identifizierte, seufzte innerlich und schwebte einige Lichtjahre näher an die todgeweihte Welteninsel heran.

Und wieder wird man mir die Schuld an der Vernichtung geben.

Frustriert hielt es inne und nahm die lautlosen Zerstörungsgeräusche wahr, mit dem Sonnen und Planeten, Monde und Asteroiden, ja ganze Sternsysteme zu Myriaden, wie unter Schmerzen brüllend, in den scheinbar unersättlichen Schlund hineinstürzten. Unglaubliche Massen an Material und ungezählte Leben wurden von den gigantischen Kräften zermalmt, zu atomarem Staub zermahlen und verschwanden aus dem sichtbaren Universum.

Doch nichts geht verloren im All, dachte es zufrieden. Weder in der Vergangenheit, weder in der Gegenwart, noch irgendwann in der Zukunft. Ja, es kannte diese Begriffe, auch wenn es aufgrund seines eigenen Alters, das nach Äonen maß, sie als belanglos betrachtete.

Es schwebte soweit an das Schauspiel heran, dass es das ganze Szenario wahrnehmen konnte. Trotzdem war es immer noch Millionen von Lichtjahre entfernt. Es spürte mit allen seinen Sinnen die Macht des Schwarzen Loches, das wuchs und wuchs, zerrte und fraß, immer mehr, immer schneller. Zum Ende hin würde die Geschwindigkeit, mit der es fraß, in wahnwitzige Raserei münden.

Es war schon immer so und nie wird es anders sein.

Zum milliardsten Male fragte es sich, wie lange es wohl selbst existieren würde. Wie viele dieser Dramen würde es noch miterleben, bis es vielleicht seinen eigenen Tod erlitt? Dabei war sich das Wesen überhaupt nicht klar, ob es überhaupt sterben konnte. War es nicht selbst ein elementarer Bestandteil des Universums? Wer würde seine Aufgabe übernehmen, wenn es nicht mehr lebte? Traf der Begriff Leben auf das, was es war, überhaupt zu? Und wer oder was würde die unendliche Aufgabe übernehmen – und erfüllen! – wenn es selbst… starb? Sein scharfer Blick sah jedes Detail, jedes Staubkorn, das im Schlund des Schwarzen Loches starb.

Wenn ich dort hingehe, kann ich dann sterben? Will ich… sterben?

Im gleichen Augenblick verneinte es seine eigene Frage. Auch wenn es momentan keinen physikalischen Körper hatte – den es jederzeit und in jeder Form annehmen konnte -, so schob es doch mit aller Vehemenz den Gedanken an ein endgültiges Ende von sich.

Es ist meine Aufgabe! dachte es mit heftiger Intensität und spürte die eigenen Kräfte, welche die Macht des Schwarzen Loches vor ihm um ein Vielfaches überragten. Und wie immer folgte unausweichlich die drängende Frage.

Von wem habe ich diese Aufgabe übertragen bekommen? Wer oder was steht über mir, dass es MIR einen solchen Auftrag erteilen kann? Es konnte sich nicht mehr an das erste Mal erinnern, an dem es seine Aufgabe erfüllt hatte. Das Wesen konnte sich auch nicht erinnern, wie es wusste was es zu tun hatte und wie es den Auftrag bewältigen sollte.

ICH KANN ES! Das genügt.

Die ohnehin schon arg dezimierten Arme der Spiralgalaxie verloren rapide an Masse, das Loch schlang mit zunehmendem Appetit alles in sich hinein. Und dabei steigerte sich seine Gier in potentiellem Maße, so dass es immer rascher Materie einsaugte.

Es dauert nicht mehr lange…

Für einen Zeitraum, den eine biologische Existenz vielleicht als eine ganze Lebensspanne bezeichnet hätte, sinnierte das Wesen darüber nach, ob es seine Aufgabe irgendwann einmal als langweilig empfinden könnte. Doch sogleich verwarf es heftig diese Anwandlung.

Ohne mich gibt es kein Leben! Und Leben zu erschaffen, in all seiner Vielfalt, Außergewöhnlichkeit, Extremität, Normalität, Exklusivität, ist die edelste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann.

Für eine weitere unbestimmte Strecke des Zeitstroms dachte es darüber nach, das es in Wahrheit all diese Varianten des Lebens nicht bewusst formte, sondern es sich aus dem… Angebot definierte, welches schon vorher existiert hatte. Nur die Kombination des Materials wurde wieder und wieder und wieder, bis in alle Ewigkeiten, neu zusammengesetzt. Und das seit Äonen ohne einzige Wiederholung! Jeder Neuanfang war eine Premiere, jeder Akt eine Novität. Ja, es hatte Ähnlichkeiten gegeben. Immer. Wenn die Voraussetzungen ähnlich waren, lag das auf der Hand. Doch immer hatte es auch Unterschiede gegeben und würde es weiterhin geben. Der Einfallsreichtum der Natur war unendlich. Das Wesen konnte das aus Erfahrung nur bestätigen. In all den Epochen, die es durchlebt hatte, hatte es noch niemals Lebensformen entdeckt, die absolut identisch waren.

Es unterbrach seine Gedanken und nahm befriedigt zur Kenntnis, dass die Ausmaße des Schwarzen Loches nun mehr als die Hälfte der ursprünglichen Größe der Galaxie erreicht hatten und das Weltall dahinter wie ein unendlich großes ausgestanztes Loch wirkte. Die ehemals elegant geformten Spiralarme waren jetzt nicht mehr als zerfetzte, nur noch aus kümmerlichen Fasern bestehende Schwaden. Doch trotzdem waren dies noch Millionen von Himmelskörpern, die sich wie die Lemminge in den tödlichen Ozean stürzten. Das Tempo der Vernichtung hatte nun Dimensionen angenommen, die völlig ausschlossen, dass auf den Planeten noch irgendetwas am Leben sein konnte.

Geduld…der Neubeginn wird kommen… nur Geduld.

Es empfand ehrliches Mitleid mit all dem Leben, das vor seinen nicht existenten Augen zugrunde gegangen war.

Im Gegensatz zu IHM kümmere ich mich um das Leben! ER spielt nur herum und lässt es dann im Stich. ICH NICHT!

Das Ende kündigte sich an. Selbst seine Wahrnehmung nahm nun die irrwitzig in den Untergang stürmenden Objekte jetzt als farblich verschobene Striche wahr. Selbstverständlich konnte das Wesen auf mannigfache Art seine Betrachtungsweise wählen und es wäre ihm ein Leichtes gewesen auf Normalsicht zu wechseln. Doch immer wieder war es fasziniert vom Akt des Desasters, in dem schon jetzt der Keim des Anfangs schlummerte.

Jetzt geht es zu Ende…

Mit einem letzten zigtausendfachen Aufblitzen verschwanden die allerletzten Reste der einst gewaltigen Sternoase aus dem All. Für eine Zeitspanne, die selbst für das Wesen einen Lidschlag bedeuteten, blieb der Weltraum an dieser Stelle schwarz. Ein Schwarz, das eine Tiefe erreicht hatte, dies es unwirklich, bedrohlich, beängstigend erscheinen lies. Zumindest für Lebewesen, welche die Chance gehabt hätten, das kosmische Ereignis zu beachten.

Es mag welche geben, in anderen Galaxien. Wenn ihre Technik schon so weit fortgeschritten ist. Doch die Lebewesen, die jetzt – in diesem Augenblick – existieren, werden diese Spektakel niemals sehen können. Das Licht braucht seine Zeit. Und erst ihre entfernten Nachkommen wird das Licht erreichen. Werden sie es verstehen?

Das Wesen, das sich selbst als Luzifer bezeichnete, als Lichtbringer, machte sich bereit.
Dann sprach es die heiligen Worte.

„Es werde Licht!“

- Ende -

Copyright © 2010 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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PREISRÄTSEL / GEWINNSPIEL: 5 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Franck Thilliez: Blutträume

Erstellt von Detlef Hedderich am 21. März 2010

Franck Thilliez
Blutträume

Übersetzt von Kalbhen, Ingrid
Verlag :      Ullstein Taschenbuch Verlag
ISBN :      978-3-548-28145-2
Einband :      Paperback
Preisinfo :      9,95 Eur[D] / 10,30 Eur[A] / 18,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      ca. 256 S.
Erscheinungsdatum :      01.04.2010
Aus der Reihe :      Ullstein Taschenbuch
Ullstein Belletristik 28145
9,95 Eur[D]

Titel bei buch24.de
Titel bei booklooker.de

In seinen Alpträumen sieht sich Stéphane Kismet mit blutigen Händen, von der Polizei gejagt. Und beim Aufwachen glaubt er, dass er seine eigene Zukunft gesehen hat. Gemeinsam mit dem Polizisten Victor Marchal, der in einem bestialischen Frauenmord ermittelt, entdeckt Stéphane: Die Wirklichkeit entspricht tatsächlich seinen Visionen. Ist er ein Mörder, ohne es zu ahnen? Und wer kann verhindern, dass weitere Morde geschehen?

Preisrätsel 5 x 1 Exemplar: Wer ein Exemplar erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Wie heisst der Übersetzer dieses Titels? Sobald 40 richtige Mails eingetroffen sind, werden die Gewinner daraus gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen! Die Gewinner lauten: Mario Nordick, Heike Buchow, Patrick Wolter, Dennis Riebold und Wolfgang Wachter. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN AUCH DEM SPONSOREN!

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