Ende des drei Monate dauernden Mars – Isolationsexperiments der Raumfahrtagentur ESA
Erstellt von Detlef Hedderich am 14. Juli 2009
Um 12.00 Uhr MESZ öffneten sich in Moskau die Türen des Isolationsmoduls eines über drei Monate dauernden Isolationsexperiments der Raumfahrtagentur ESA
Für den deutschen Teilnehmer eines über drei Monate dauernden Isolationsexperiments der Raumfahrtagentur ESA ist die Zeit schneller vergangen als gedacht. “Ich muss zugeben, dass ich jegliche langfristige Wahrnehmung für Zeit verloren habe”, schrieb Oliver Knickel kurz vor dem Ausstieg aus dem Isolationsmodul in Moskau. “Mir erscheint es wie drei bis vier Wochen, aber der Kalender beweist, dass es 105 Tage waren.” Um 12.00 Uhr MESZ öffneten sich in Moskau die Türen des Isolationsmoduls.
Knickel stieg an der Seite seiner Kollegen aus Frankreich und Russland aus dem Raumschiffnachbau. Die Männer lächelten und schienen in guter körperlicher Verfassung zu sein. Mit dem Experiment in einem Raumschiffnachbau hat die ESA testen wollen, wie Menschen sich unter den extremen Bedingungen eines langen Weltraumflugs verhalten. Der Versuch dient insbesondere zur Vorbereitung eines Flugs zum Mars.
Der 29-jährige Bundeswehr-Ingenieur Knickel war Ende März mit vier russischen und einem französischen Kollegen in den Raumschiffnachbau gestiegen. Damals habe “auf den Straßen noch Schnee und Eis gelegen”, schreibt Knickel. Dass es jetzt bereits Sommer sei, könne er kaum glauben, nachdem er dreieinhalb Monate kein Tageslicht gesehen habe. Er freue sich jetzt darauf, seine Freundin wiederzusehen. Merkwürdig sei aber, dass er noch überhaupt nicht darüber nachgedacht habe, was er in den nächsten Tagen und Wochen tun werde. Der Gedanke, dass der zur Gewohnheit gewordene Aufenthalt in den engen Modulen nun ein Ende habe, mache ihn “etwas melancholisch”.
Die ESA hatte Knickel unter mehr als 5600 Kandidaten für das Experiment ausgewählt. Es fand am Sitz des russischen Instituts für Biomedizinische Probleme (IBMP) statt. Wegen des Platzmangels war auch die Nahrung strikt kalkuliert; die einzig frische Kost kam aus einem kleinen Gewächshaus. Mit der “Bodenstation” konnten die Teilnehmer wie bei einem echten Marsflug nur mit 20-minütiger Zeitverzögerung über Funk Kontakt aufnehmen. Noch vor Jahresende soll mit einer anderen Crew ein noch längeres Isolationsexperiment von 520 Tagen beginnen – das entspräche einem Hin- und Rückflug zum Mars einschließlich 30 Tagen Aufenthalt.
Titel zum Thema bei Amazon.de
Der Flug zum Mars. Die erste bemannte Marsmission
Klassische Mechanik: Vom Weitsprung zum Marsflug (de Gruyter Lehrbuch)
Abgelegt unter Bücher, Diskussionen, News, Science Fiction, Wissenschaftliche Spekulationen | Keine Kommentare »









