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Literatur-Blog

Archiv für März, 2009

Lesung von Christine Lehmann im März und April

Erstellt von Günther Lietz am 18. März 2009

Freitag, 27.03.09, 19:30 Uhr, Christine Lehmann „Nachtkrater“,
Frauencafe Heidelberg, Heinrich-Fuchs-Str. 9, 69126 Heidelberg,
Eintritt 5 Euro/ermäßigt 4 Euro
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Freitag, 17.04.09, 19:30 Uhr, Christine Lehmann „Nachtkrater“,
Planetarium, Hindenburgstr. 1b, 22303 Hamburg,
Eintritt 8 Euro, Information und Reservierung ab 04. 03. 09 unter
Tel.: 01801/63 87 67
oder unter
www.vattenfall.de/lesetage
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Christine Lehmann
Nachtkrater

Ariadne Krimi 1173
Lisa Nerz’ 7. Fall
Argument Verlag 2008
TB, 472 Seiten
ISBN 978-3-86754-173-2
www.argument.de
www.lehmann-christine.de

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PREISRÄTSEL: Nachtkrater

Erstellt von Günther Lietz am 18. März 2009

In Zusammenarbeit mit dem Argument-Verlag verlosen wir drei Exemplare dieses hervorragenden Ariadne Krimis, der auf der Erde und auf dem Mond spielt.

Um ein Exemplar in die Finger zu bekommen, sind nur wenige Schritte zu gehen. Wir möchten einfach nur wissen, wie der Name des Staatsanwaltes lautet, mit dem Lisa eine Beziehung hat.

BITTE LÖSUNGEN ZUSENDEN AN: gewinnspiele (at) sfbasar.de
Das (at) bitte durch @ ersetzen (Spamschutz), Danke.

Im Betreff-Feld bitte “Preisrätsel Nachtkrater” angeben. Achtung: Diese E-Mail-Adresse gilt *nur* für Lösungen zum Bücherpreisrätsel.

Sobald 20 E-Mails mit richtiger Antwort vorliegen, werden die Gewinnexemplare unter diesen Einsendern verlost.

Bitte neben der Lösung auch die eigene Postanschrift nicht vergessen!

(Es nehmen nur Mitspieler teil, die Ihre Lösung plus komplette Postanschrift an diese E-Mail-Adresse mailen; Zusendungen an andere E-Mailadressen von sfbasar.de nehmen NICHT teil!)

Gewonnen haben: Karin Thöne, Agnes Riedel und Jessica Feldmann. Herzlichen Glückwunsch

Als kleine Hilfe findet Ihr hier eine Besprechung zu dem Titel:

Christine Lehmann
Nachtkrater

Ariadne Krimi 1173
Lisa Nerz’ 7. Fall
Argument Verlag 2008
TB, 472 Seiten
ISBN 978-3-86754-173-2
www.argument.de
www.lehmann-christine.de

Als Lisa Nerz wieder klar denken kann, befindet sie sich auf dem Weg zur Mondstation Artemis, trägt einen falschen Namen und wird für einen Experten zum Thema Schwarmbewusstsein gehalten. Dabei muss Lisa selbst erst einmal herausfinden, dass sie eine schwäbische Journalistin ist und keine Ahnung von der Raumfahrt oder gar Ameisen hat. Eine vertrackte Situation.

Doch kaum auf dem Mond angekommen, nimmt Lisas kriminalistische Spürnase die Fährte auf. Klar, es geht um den Mord an Astronaut Torsten Veith. Angeblich ein Unfall auf dem Mond, doch Lisa mag nicht so recht daran glauben. Und nach den ersten Stunden wird ihr klar, vom Alien bis hin zu intergalaktischen Geiselnahme ist alles möglich. Doch wer – zum Henker – ist der Mörder …?

Lisa Nerz kann es nicht lassen. Ihre Beziehung mit Staatsanwalt Richard Weber steht auf wackligen Beinen, da wird sie von Autorin Christine Lehmann erneut auf einen Mörder angesetzt. In ihrem nun mehr siebten Fall. Dabei verlässt Frau Lehmann mit einem Kunstgriff die Bodenständigkeit der Erde und schießt Heldin Lisa hinauf auf den Mond – gespickt mit Zitaten der Mondliteratur.

Was nun erst einmal wie Science Fiction oder nach einem verrückten Traum klingt, ist handfeste Lese- und Krimikost mit einem Schuss Action. Dabei ist der Roman auch noch witzig und mit einem Hauch Schwabenkultur versehen. Eine spannende Mischung.

Christine Lehmann lässt ihren Roman auf zwei Stützpfeilern ruhen. Da wäre erst einmal die fiktive internationale Raumstation Artemis, die in dieser Art durchaus vorstellbar ist. Die Autorin hat exzellent recherchiert und penibel auf wissenschaftliche Details geachtet. Manchmal kommt sie bei technischen Dingen etwas ins schweifen, findet aber stets zügig den Weg zurück zur Handlung. Überhaupt mutet vieles auf den ersten Blick unfassbar und an den Haare herbeigezogen an. Doch durch die Brille des Lesers wird die ausgesuchte Kulisse immer glaubhafter und gewinnt an Atmosphäre.

Der zweite Stützpfeiler sind die gut ausgearbeiteten Charaktere die im Roman erscheinen. Auf der Erde noch alles schön ländlich, auf dem Mond dann international. Dadurch sind viele Konflikte vorprogrammiert und Frau Lehmann kann genüsslich den ein oder anderen Verdächtigen präsentieren. Irgendwie haben sie doch alle Dreck am Stecken und an Zufall mag niemand mehr glauben. Nun ja, es ist ja auch ein Roman.

Die Figuren des Romans entwickeln sich zu lebendigen Persönlichkeiten, mit Stärken und – vor allem – Schwächen. Das Ganze ist gespickt mit Rückblenden zur Erde, denn dort hat alles seinen Anfang genommen. Und es ist Teil des Puzzles.

„Mondkrater“ folgt in seinem Aufbau dabei weitgehend dem Whodunnit-Konzep. Weitgehend. Ebenso wie Lisa der ein oder anderen falschen Spur hinterherjagt, ebenso wird der Leser von Christine Lehmann am Ende ein wenig an der Nase herumgeführt. Aha, hier kann bis zum Schluss und darüber hinaus mitgerätselt werden. Eine gelungene Idee. Somit beginnt und endet der Krimi also auf der Erde – und der kriminalistische Ausflug auf den Mond verblasst langsam zu einem Traum.

Handlung und Charaktere wären allerdings ein Nichts ohne den Mörtel, der alles zusammenhält: Lisa Nerz! Christine Lehmann porträtiert gelungen die scheinbar launisch zickige Journalistin, die von einem Trauma ins nächste rauscht und keine Pause zum Luft holen bekommt. Alles fein gewürzt mit einer direkten, aus dem Leben gegriffenen Sprache, die auch mal was derbe wird und dadurch um so realer wirkt. Erotische Szenen gibt es ebenfalls, lässt sich Lisa gar auf eine lesbische Liebschaft ein. Hier wird also für die gesamte Leserschaft etwas geboten. Obwohl „Nachtkrater“ vorrangig als Frauenkrimi einzustufen ist, können auch Männer gefahrlos zugreifen, ohne gleich ihr Augenlicht zu riskieren. Spannende Unterhaltung ist eben Geschlechter übergreifend.

Christine Lehmanns „Mondkrater“ ist jedenfalls ein klasse Krimi. Spannend geschrieben und trotz der Thematik glaubhaft. Wunderbar!
(Günther Lietz)

Bei Amazon.de
Nachtkrater: Lisa Nerz -ihr siebter Fall

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Zirkus Minimus – von großen Visionen in geschrumpften Märkten

Erstellt von Detlef Hedderich am 17. März 2009

Zirkus Minimus – von großen Visionen in geschrumpften Märkten

Die Grundidee ist denkbar simpel:
Da Kunstmessen eine ganz wunderbare Erfindung sind, sollte jeder so etwas haben. Auch dem Kunstraum “Walden Kunstausstellungen” wird deshalb zu einer hauseigenen Kunstmesse verholfen.

Doch da Walden mit dem Beherbergen einer großen Messe rein physisch an seine Grenzen stieße, muss das Messekonzept dezent modifiziert werden:
Der große Zirkus wird also geschrumpft. Und es wird zum Zirkus Minimus geladen, der auf rund 120 m² Ausstellungsfläche 35 Ausstellerinnen und Ausstellern die Möglichkeit bietet, Ihre Ideen einer Messepräsentation auszustellen.  Im Format 1:10.

Ob Besucherinnen  und Besucher dies als allgemein augenzwinkernden Kommentar zum aktuell implodierenden Marktgeschehen verstehen wollen oder sich bei Betreten des Kunstraums gar in die Rolle einer jener sagenumwobenen Sammler hineinversetzt fühlen, dem der Markt – hier im wahrsten Sinne des Wortes – zu Füßen liegt, kann nur gemutmaßt werden.

Ebenso könnte mans als Chance betrachten einmal einen Blick auf das zu erhaschen, was bei einem Ausstellungsbesuch für gewöhnlich verwehrt bleibt: Die Konzeption einer Ausstellung bzw. deren Visualisierung am Model. Oder  als eine willkommene Möglichkeit, diverse Akteure der Berliner Kunstlandschaft  kennenzulernen und zur Eröffnung am 03. April mit den jeweiligen Protagonisten ins Gespräch zu kommen.

Aber auch das bleibt jedem selbst überlassen. Denn man muss ja auch nicht immer reden. Und einfach nur der Musik vom Plattenteller lauschen, die Mike Riemel aka DJ Aussenborder zur Eröffnung kredenzt geht auch:

In der VIP Lounge.
In der Toreinfahrt zum Tuntenhaus.

Zirkus Minimus
Eröffnung: Freitag, den 03. April 2009 / 19 Uhr
Dauer: 04. – 12. April 2009
Öffnungszeiten: Fr, Sa, So 16 – 20 Uhr

Aufbauzeit für AusstellerInnen: 1. & 2. April nach Absprache

Walden Kunstausstellungen
Kastanienallee 86
10435 Berlin
www.galerie-walden.de
   
it’s a happy-pip-production
www.piper.at

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Ambience Minimus [Musikkassette] [US-Import]

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DAS KROKODIL – Science-Fiction-Story von Werner Karl (sfb-Preisträger Platz 1 im Storywettbewerb 1/2011)

Erstellt von Galaxykarl am 14. März 2009

DAS KROKODIL

eine

Science Fiction-Kurzgeschichte

von

Werner Karl

…17

Das Vieh war mindestens sechs Meter lang und sonnte sich am gegenüber liegenden Ufer des kleinen Sees. Sie beobachtete es, seit sie aus der Ohnmacht erwacht war, was nach ihrer groben Schätzung vielleicht zweieinhalb oder drei Stunden her sein musste. Ihre Zunge fühlte sich trocken und geschwollen an und sie litt fürchterlichen Durst. Der Durst war aber nicht der Punkt, der ihre Hoffnungslosigkeit nährte, sondern ein seltsames Gefühl der Vertrautheit. Alles um sie herum schien ihr irgendwie bekannt, ja sogar gewohnt. Sie versuchte den Kopf zu schütteln, was ihr aber ihre verspannten Hals- und Nackenmuskeln mit einem unangenehmen Krampf quittierten. Wieder – wieder? – stellte sie ernüchtert fest, dass sie ihre Fesseln nicht ohne Hilfe würde lösen können.

Als das Krokodil sich regte, wusste sie es einen Bruchteil einer Sekunde schon vorher.

Mit Entsetzen sah sie hilflos zu, wie sich das Tier gemächlich ein wenig zur Seite drehte und ihr nun direkt in die Augen sah. Fast eine Viertelstunde blickten sie sich gegenseitig an, das Tier mit kaltem, gefühllosem Ausdruck, die Frau mit immer heftiger werdendem Atem. Schließlich bewegte die Echse langsam seinen riesigen gepanzerten Körper und schob sich – fast ohne ein Geräusch zu erzeugen – in das brackig aussehende Wasser. Die Frau wusste nun, was folgen würde. Das Tier würde zwei, vielleicht drei Minuten brauchen, um den See zu durchqueren. In diesen Minuten würde sie um Hilfe schreien und niemand würde kommen, um sie zu retten. Mit panischer Angst und gleichzeitigen, völlig nüchternem Erstaunen darüber, dass sie bereits jede Bewegung, jedes noch so kleine Geräusch und vor allem ihre eigenen Reaktionen auf das Unvermeidliche wusste, beobachtete sie die Bestie, die nun langsam an ihr Ufer kroch.

Einen Moment schien das Krokodil unschlüssig darüber, ob ihm von seiner Beute vielleicht doch eine bisher unentdeckte Gefahr drohte, dann aber schoss es auf einmal blitzschnell nach vorn und schnappte das linke Bein der blonden Frau. In der Sekunde des größten Schmerzes, als das Bein in einer wilden, drehenden Bewegung vom Körper gerissen wurde, fiel ihr der eigene Name ein. Terence, von allen nur kurz Terry genannt.

Wer waren alle? Wo sind sie? Warum kommt niemand und knallt das Mistvieh über den Haufen?

Der Schock ihrer Verletzung raubte ihr für einige Sekunden den Atem. Sie war schweißgebadet und überall mit ihrem eigenen Blut besprenkelt. Das Krokodil warf seinen Rachen nach hinten und deutlich knackten die Knochen ihres abgetrennten Beines in seinem Schlund. Mit ruckartigen Bewegungen verschlang es das Bein und schluckte hörbar. Dem Herzstillstand nahe, betete Terry, die Bewusstlosigkeit aufgrund des enormen Blutverlustes möge diesmal schneller kommen als das Tier, das zum tödlichen Biss ansetzte. Woher wusste sie, dass der nächste Angriff sie töten würde? Wieso rechnete sie mit der Chance, dieses Mal vor dem Biss wegzutreten? Mit diesem Gedanken wurde es schwarz vor ihren Augen. Vor dem Biss.

18

Die Sonne brannte heiß auf die gefesselte Blondine am Strand des kleinen Gewässers. Sie erwachte und versuchte angestrengt ihre dicke Zunge vom Gaumen zu lösen, damit sie sich die Lippen lecken konnte. Nach einiger Anstrengung schaffte sie es, aber von Lecken konnte nicht die Rede sein. Zu trocken war ihr Mund. Sie blinzelte ins Licht und versuchte sich zu orientieren. Da lag der See mit seinem völlig unbewegten Wasser, auf dem viele Insekten tanzten. Sie hatte die Augen noch nicht an das blendend helle Sonnenlicht angepasst, als sie schon wusste, was sie am gegenüberliegenden Ufer entdecken würde. Sie schloss schnell wieder ihre Augen, um vielleicht so den Dingen eine andere Wendung geben zu können. Wieso denke ich – und dabei dachte sie bewusst von sich als Terry -, dass sich die Dinge ändern könnten? Mit geschlossenen Augen dachte sie über das Krokodil nach.

Es wird über den See schwimmen, einen Moment warten und mich dann fressen.

Die Angst ließ sie die Augen aufreißen, in der wilden Hoffnung, dass sie alles nur träumte. Nein. Da war das grünbraune Miststück und aalte sich in der Sonne. Döste vor sich hin und schien ebenfalls zu wissen, dass nach seinem Schlaf eine leichte Beute auf es wartete. Während sie heftig und mit plötzlich hervor schießenden Tränen an ihren Fesseln zerrte, arbeitete ihr Verstand und kämpfte mit der Tatsache, dass sie sich an ihren Tod erinnern konnte. Sie meinte sogar, die unsagbaren Qualen zu fühlen, welche die mit messerscharfen Zahnreihen bewehrten Kiefer des Untiers ihr zufügen würden, zugefügt hatten!

Sie keuchte heftig und ihr Atem ging stoßweise, so dass sich ihre Brust schnell hob und senkte, aber sie schaffte es nicht, die Fesseln auch nur ein wenig zu lockern. Erschöpft gab sie ihre Bemühungen auf und versuchte sich zu beruhigen. Wenn sie sich recht erinnerte, dauerte es noch einige Stunden, bis das Tier ausgeschlafen hatte. In dieser Zeit könnte jemand vorbeikommen oder ihr konnte etwas einfallen. Aber gleichzeitig wurde ihr klar, dass die letzten Male niemand gekommen war.

Die letzten Male? Wie oft habe ich meinen Tod schon erlebt oder überlebt? Bin ich etwa verrückt oder träume ich vielleicht doch?

Terry drehte ihren Kopf und versuchte irgendetwas zu entdecken, was ihr weiterhelfen könnte und in ihrem Innern tobte ein Kampf um die Frage, ob dies alles wirklich geschah oder eine Täuschung, eine Illusion oder sonst was war.

Sie musste mehr Zeit damit verbracht haben, als sie gedacht hatte, denn plötzlich regte sich das Krokodil und sah zu ihr herüber. Jetzt beginnt es wieder, dachte sie und wurde von einem Insekt abgelenkt, das schnurstracks zu ihr flog und sich auf ihren linken nackten Oberarm setzte. Mit Faszination musterte sie das Tierchen, das acht weite Flügel hatte, die äußerst filigran gewachsen waren und sie an irdische Libellen des Trias erinnerten.

Ich bin Terry van Dalen, Exo-Biologin an Bord des Forschungsraumschiffes U.N.S.S. GANDHI, fiel ihr plötzlich ein. Sie hatte gerade eine brillante Arbeit abgeliefert, in der sie die bisher ungeklärte Fortpflanzung der kyrrillianischen Wind‑Anemonen beschrieben hatte, was ihr einen der begehrten Plätze in der Mannschaft des Flaggschiffes der irdischen Forschungsflotte eingebracht hatte.

Das Insekt brachte sie mit einem Stich in die Realität zurück. Halb auf den überraschend heftigen Schmerz des Einstiches achtend, halb auf das auf sie zu schwimmende Krokodil starrend, blitzte ihr ein Gedanke durch den Kopf:

Der Stich war neu! In der Vergangenheit war dies nicht vorgekommen!

Fast war sie dem libellenähnlichen Ding dankbar, obwohl ihr Arm sich an der Stichstelle bereits bläulich verfärbt hatte, angeschwollen war und zunehmend mehr schmerzte. Mit Grauen sah Terry der Echse zu, wie sie sich ans Ufer schob und wie erwartet einen Augenblick zögerte. Sie schrie mit aller Kraft, als das Krokodil ihr das Bein abriss, aber ihr Schrei hatte einen neuen Ton angenommen. Unbestreitbar Schmerz und Todesangst, aber auch ein winziges Stück Gewissheit, dass der Ablauf der Dinge nicht unabänderlich war. Beim nächsten Mal würde es wieder ein klein wenig anders sein.

19

Die Hitze war unerträglich und der Rücken tat ihr weh. Terry van Dalen lag gefesselt am Ufer eines kleinen stehenden Gewässers. Noch bevor sie die Augen öffnete, hasste sie das Krokodil am anderen Ufer.

Wie oft frisst du mich noch auf, bis ich eine Chance bekomme, dir deine schuppige Haut abzuziehen und als Trophäe an meine Kabinenwand zu hängen? Vielleicht ändere ich die Zukunft schon, wenn ich einfach regungslos daliege und das Vieh nicht auf mich aufmerksam mache?

Mit fast unmenschlicher Geduld und einer Hartnäckigkeit, die nur bestimmten Frauen zu Eigen ist, lag sie Stunde um Stunde am sandigen Ufer. Der Gestank des unbewegten Wassers stieg ihr in die Nase und verlangte das letzte an Selbstbeherrschung von ihr ab. Wenn sie nicht gefesselt gewesen wäre, hätte sie längst von dem Wasser getrunken und sich wahrscheinlich alles Mögliche an fremden Bakterien einverleibt. Ein leises Summen näherte sich ihr und sie spürte die zarte Landung des Insekts. Diesmal war es ihr rechter Arm.

Die Zukunft ist in Bewegung, dachte sie triumphierend und hoffte, dass das leise Platschen nicht von der ins Wasser gleitenden Echse stammen möge.

Aber kurz darauf hörte sie Schritte an ihr Ufer kommen, die unüberhörbar von nassen, flachen Klauenfüßen stammten. Sie hielt die Luft an und erwartete das Reißen der Zähne an ihrem Bein, aber stattdessen wurde sie in der Mitte gepackt und von der Stelle weggerissen, an der sie gefesselt war. Es tat zwar fürchterlich weh, als ihre Hände in den Fesseln gefangen am Strand zurückblieben, aber die Kiefer zermalmten sie nicht, sondern hielten sie nur fest und das Tier zog sie unter Wasser. Wahrscheinlich wollte es sie in die Nahrungshöhle unterhalb der Wasserlinie schleppen und dort vorerst lagern. Sie glaubte sich zu erinnern, dass irdische Reptilien eine Vorliebe für mürbes Fleisch hatten. Kurz bevor sie ertrank, erstaunte sie der Gedanke an eine parallele Entwicklung dieser artverwandten Spezies auf verschiedenen Planeten.

20

Das ist es, dachte sie sofort nach dem Erwachen. Ich darf nicht ertrinken! Wenn der Ablauf sich nur in kleinen Veränderungen niederschlägt, dann habe ich eine Chance zu Überleben. Doch wie wird der Zeitstrom beeinflusst?

Sie war sich nach dem x-ten Male des Durchlebens von Erwachen, Warten und Gefressenwerden nunmehr sicher, dass sie sich in einer Art Zeitfalle oder Schleife befinden musste, die sie nur durchbrechen oder verlassen konnte, wenn sie den Angriff des Krokodils überlebte. Sie hatte auf der Akademie mehrere Physikvorlesungen erduldet, in denen sich die Professoren und interessierten Teilnehmer mit der Relativitätstheorie, Zeitabläufen, Zeitlöchern und Parallelwelten beschäftigt hatten. Terry hatte aber schon immer nur ihre Biologie im Kopf gehabt und die Vorlesungen nur deshalb besucht, um ihre Physikprüfung zu bestehen. Jetzt verfluchte sie sich, ob ihrer damaligen Unaufmerksamkeit. Sie glaubte sich zu erinnern, dass temporale Effekte auch räumlich begrenzt waren. Doch wie weit? Sie musste ihren Standort verändern, um aus dem Wirkungsbereich zu entkommen. Genügte es, sich von der Echse vom Strand zerren zu lassen? Und durch was entstanden die kleinen oder größeren Abweichungen des Geschehens? Nichtlineare Abläufe. Dieser Begriff der einfachen Chaostheorie fiel ihr wieder ein. Jede kleinste Varianz einer Situation, eines Gegenstandes oder einer menschlichen Handlung potenzierte sich zur veränderten – mitunter katastrophalen – Geschehnissen, dessen Ausgang nichts und niemand vorhersehen konnte. Das hieß aber auch, dass sie nicht sicher sein konnte, dass ein abzweigender Handlungsarm ihr tatsächlich irgendwann zur Rettung verhalf. Alles war möglich…

21

Sie musste eingenickt sein, denn sie erwachte durch Wasser, das auf ihre Füße tropfte. Woher?

Das verdammte Schuppenvieh ist schon wieder an meinem Strand, dachte sie und kochte innerlich vor Wut und Machtlosigkeit.

Einige Sekunden hoffte sie darauf, dass ihre Regungslosigkeit das Krokodil davon abhalten könnte zuzubeißen, aber dann spürte sie allzu deutlich das Zuschnappen der Kiefer in ihrer Körpermitte. Die grenzenlose Wut, die sie halb für das Tier, halb für ihre Situation empfand, half ihr sich tot zu stellen und die starken, aber ertragbaren Schmerzen des Zugriffes auszuhalten.

Ich bin nicht tödlich verletzt, dachte sie ununterbrochen, und versuchte nicht an ihre abgetrennten Hände in den Fesseln zu denken. Wenn ich es schaffe, so lange die Luft anzuhalten, bis das Vieh mich deponiert und wieder verlassen hat, könnte ich…

Doch die Zeit war zu lange und so musste sie wieder den Mund öffnen und ertrank bevor das Reptil seinen Bau erreicht hatte.

Abbildung von Antje Jürgens 2010

22

Terry van Dalen stieß einen triumphierenden Schrei aus, als sie erwachte und die mit ihren Füssen in den Sand gedrückten Striche sah. 21! Genau so viele hatte sie vor dem letzten Mal gemacht. Und sie konnte sich auch genau daran erinnern! Wieder und wieder hatte das Krokodil sie getötet, aber jedes Mal unter leicht veränderten Umständen. Einmal – war es das fünfzehnte oder sechzehnte Mal gewesen? – hatte sie schon gehofft, aus dem tödlichen Zeitablauf ohne Gefressen werden zu entkommen, als das Untier mitten im See einen anscheinend größeren Fisch fraß und danach eine Zeitlang im trüben, von Insekten umschwirrten Wasser dümpelte. Doch dann hatte es seinen ursprünglichen Weg wieder aufgenommen und war zu ihr an den Strand gewatschelt. Der Rest lief in wohlbekannter Weise ab. Inzwischen konnte sie es kaum erwarten, bis eine Situation durchgespielt war, und sie kam sich stellenweise wie eine Schauspielerin, nein, eher wie eine Statistin ohne Text vor.

Einzig die Schmerzen, die sie erdulden musste, machten das ganze zu einem nicht enden wollenden Alptraum. Doch sie fühlte in sich eine Stärke heranwachsen, eine Kraft, die nur Frauen eigen war. Ein Mann hätte solche Schmerzen nicht auf diese kalte, berechnende Art und Weise ertragen, die sie sich mittlerweile angewöhnt hatte. Terry hatte sich mental so abgestumpft, dass sie die Wunden und Verletzungen, das Eindringen der Zähne in ihr Fleisch, das eklig lauwarme, trübe Wasser, dass in ihren Mund, Hals und Lungen eindrang, schon fast beiseite schieben, ja manchmal sogar ignorieren konnte. Ein Mensch kann jeden Schmerz aushalten, hatte einer der Kampfausbilder an der Akademie zu ihnen gesagt und hatte einige beeindruckende Demonstrationen vorgeführt, so dass den Kadetten schaurigschöne Schauer über die Haut liefen.

Vor ihrem 21. Tod war es Terry zwar gelungen, nicht zu ertrinken, aber sie war dann – alleingelassen von der Bestie – an Blutverlust gestorben, da aus beiden Armstümpfen das Blut schneller schoss, als sie verhindern konnte. Sie hatte zwar die Stümpfe unter die Achseln gepresst, um die Blutung zu stoppen, aber trotzdem verlor sie kurze Zeit später das Bewusstsein und verblutete.

Wie kann ich das Blut stoppen? Wenn ich es soweit geschafft habe, dass ich weder gefressen oder zerrissen werde, noch ertrinke, all die Qualen ohne Bewusstlosigkeit überstehe, dann wird es mir doch verdammt noch mal auch gelingen, die Blutung aufzuhalten, dachte sie und sah zu dem immer noch dösenden Krokodil auf der anderen Seeseite hinüber. Sie durchforstete ihr Gedächtnis nach allen möglichen Methoden, Verletzungen abzubinden, offene Wunden provisorisch zu schließen, aber alles was ihr einfiel, verlangte zwingend den Gebrauch von mindestens einer brauchbaren Hand. Sie kochte innerlich vor Zorn, als das Tier sich aus seinem Schlaf erhob und damit den Startschuss für ihren 22. Tod gab. Mit aggressiven Bewegungen machte Terry einen neuen Strich in den Sand und verfluchte sich dafür, dass sie so einfallslos war. Sie schrie jetzt wieder das Krokodil an, das ungeachtet dessen langsam herüberschwamm und patschend auf sie zulief. Neue Hoffnungslosigkeit erfüllte sie und trieb ihre neue, heiße Tränen in die Augen. Mit aller Kraft der Verzweiflung warf sie sich hin und her und versuchte den Kiefern zu entkommen. Fast schien es, als ob das Krokodil einen Moment überrascht schien, dass sie sich wehren könnte, doch dann biss es entschlossen zu.

In dem Moment, als sie in der Mitte gepackt wurde und die Echse sie von ihren gefesselten Händen riss, schoss ihr ein Gedanke durch den Kopf: Erinnerte sich das Krokodil ebenfalls an die variierenden Szenen? Besaß es soviel Intelligenz, dass es die Situation als nicht normal erkannte? Nein, verwarf sie ihre Überlegung und hatte darüber vergessen, ausreichend Luft zu holen und ertrank diesmal folgerichtig noch auf dem Weg zum Nahrungsdepot, bevor sie dort ankamen. Ihr letzter Gedanke war: Warum hat das Drecksvieh gezögert, als ich herumstrampelte?

23 / 114

Warum hat das Drecksvieh gezögert, als ich herumstrampelte? Mit diesem ersten – letzten? – Gedanken erwachte Terry in der brütenden Hitze und registrierte nur noch nebenbei die 22 Striche im Sand. Böse funkelte sie zu der schlafenden Bestie hinüber und fing auf einmal zu rufen an:

„Hey, du schuppige Ausgeburt der Hölle! Wie oft willst du noch herüberkommen und mich auffressen? Gibt es auf deinem lausigen kleinen Planeten nicht genug zu fressen, dass du friedliche Besucher anfallen musst? Los, komm herüber und beiß mich, ich kann es kaum erwarten deine stinkenden Zähne in meinem Fleisch zu spüren!“

Sie holte ein wenig Luft und versuchte ihren trockenen Mund mit Speichel anzufeuchten, aber da kam nichts. Sie hatte Schwierigkeiten, die Worte klar auszusprechen, da ihre Lippen bereits aufsprangen und schmerzten. Aber diese Leiden waren nichts im Vergleich zu den Dutzenden Toden, die sie bisher durchlebt hatte. Als das Tier sich endlich erhob, wusste sie nicht, ob es durch ihr Rufen erwacht oder bereits die Zeit danach war.

„Na los schon, auf was wartest du noch? Schlepp deinen hässlichen Körper ins Wasser und komm her!“, rief sie weiter.

Als einzige Reaktion blieb das Tier stehen, anstatt sich ins Wasser gleiten zu lassen. Fast schien es Terry so, als ob es zuhörte. Ein wenig verdutzt fielen ihr keine weiteren Beschimpfungen ein, obwohl sie als langjährige Raumfahrerin über ein umfangreiches Vokabular einschlägiger Ausdrücke und Bemerkungen verfügte. Das Krokodil legte in einer seltsam anmutenden Geste seinen Kopf ein wenig schräg, so wie dies irdische Hunde, Katzen oder Vögel tun, wenn ihre menschlichern Halter sie ansprechen.

Kann das Vieh mich etwa verstehen? Unsere Scanner registrierten aber beim Anflug keinerlei technische Zivilisation. Sollte dieses Exemplar dort auf seinen krummen Beinen die vorherrschende Intelligenz auf diesem Planeten sein? Aber warum frisst es mich dann unentwegt und erkennt in mir nicht ebenfalls eine intelligente Lebensform?

„Kannst du mich verstehen?“, schrie sie über den kleinen See hinweg und ignorierte das Insekt, das plangemäß angeflogen kam, sich auf ihren rechten Arm setzte und sie stach.

Wie soll es mich auch verstehen können? Selbst wenn es intelligent wäre, versteht es sicher weder Interlingua noch Pan-Galactic. Trotzdem sprach sie weiter. Der Effekt, dass das Vieh stehen blieb und ihr offensichtlich zuhörte, war ihr lieber als die endlosen Schmerzen und Tode.

„Ich bin Terry van Dalen, Exo-Biologin an Bord der U.N.S.S. GANDHI. Wir sind eine Forschungsexpedition und suchen nach neuen Planeten für die Menschheit. Wir … wir haben beim Anflug keinerlei Zivilisation anmessen können und so sind wir gelandet. Ich weiß zwar nicht, wie ich hierher komme und wer mich gefesselt hat, aber wenn du das warst, dann… dann friss mich nicht.“

Ich bin ein Idiot, dachte sie. Ich sitze am Ufer eines Sees, auf einem schönen, aber kleinen erdähnlichen Planeten und schreie ein Krokodil an.

Bevor sie erneut mit ihrer einseitigen Unterhaltung fortfahren konnte, entschloss sich das Krokodil doch ins Wasser zu gehen. Schnurstracks hielt es auf sie zu. Auch dann, als der große Fisch, der bereits einige Male seine Zwischenmahlzeit darstellte dicht an ihm vorbeischwamm, reagierte es nicht entsprechend. Mit zielstrebigen Schritten lief es auf die junge Forscherin zu und blieb – wieder abweichend von früheren Durchläufen – kurz vor ihr stehen und legte wieder den Kopf schief.

„Äh … Hallo“, sagte Terry wenig intelligent und musste fast grinsen. Ich Jane, und wer bist du?

Sie blickte angestrengt in die Augen des Schuppenwesens und versuchte darin ein Anzeichen für Verstehen, für Bewusstsein zu entdecken. Aber das Tier gab den Blick ungerührt zurück.

„Vielleicht ist es gut, dass niemand mich sieht. Für wie blöde müssten die mich halten, wenn sie sehen würden, wie ich mich kurz vor dem Gefressenwerden noch meinem Mörder vorstelle.“

Es verwirrte sie aber doch, das seit ihrem ersten Erwachen, sie dieses Mal massiv den Ablauf der Dinge verändert hatte. Das Vieh stand ganz nah vor ihr und sie lebte noch. Sie erinnerte sich, auch früher das Krokodil angeschrieen zu haben, aber immer nur mit unartikulierten Lauten, nie mit Worten oder gar Sätzen.

Was soll ich bloß sagen? Halte ich es mit meinen Worten auf und bringe es womöglich gar dazu, mich in Ruhe zu lassen? Wenn ich aufhöre zu reden, frisst es mich wahrscheinlich wieder.

„Also, äh … wir sind Menschen, Humanoiden. Wie leben auf Sauerstoffplaneten, so wie dieser hier, wie dein Planet“, plapperte sie los. „Wir sind friedlich, leben auf über dreißig Kontaktplaneten auch mit anderen Spezies zusammen. Entgegen früherer Annahmen gibt es Tausende von bewohnbaren Planeten, die für eine Besiedlung durch den Menschen geeignet sind. Schöne, pflanzenreiche Planeten, so wie deiner hier. Wir fliegen die Nachbarsysteme unseres Heimatsystems an und scannen die in Frage kommenden Kandidaten. Wenn keine vorherrschende Spezies oder gar Zivilisation entdeckt wird, wird der Planet als Kolonialplanet markiert. Dann kommen Schiffe wie die U.N.S.S. GHANDI und machen eine Art Bestandsaufnahme. Aufgrund der ermittelten Daten wird dann die Ausrüstung der ersten Kolonisten zusammengestellt …“

Das Krokodil hatte plötzlich den Kopf gehoben und ein heißeres Fauchen ausgestoßen. Dann stand es wieder still und starrte Terry an. Die war so verdutzt über die überraschende Reaktion, dass ihr Wortschwall verstummte. Ein leises Rascheln hinter ihr verursachte ihr ein Kribbeln wie von tausend Ameisen auf ihrer Haut. Nach wenigen Augenblicken erkannte sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung.

Ein zweites Krokodil!

Das erste stand immer noch dicht bei ihr und wartete anscheinend auf das zweite, das sich nun langsam neben sie stellte. Das erste drehte seinen Kopf dem Neuankömmling zu und gab deutlich akzentuierte Fauch- und Zischlaute von sich, die Terry einwandfrei als Sprache erkannte, die sie aber logischerweise nicht verstehen konnte. Gleichzeitig erfolgte eine zweite, lautlose Unterhaltung, von der sie nichts mitbekam.

Dieses Wesen ist intelligent, Calesh.

Woher weißt du das?

Es hat erkannt, dass es in einer Zeitfalle sitzt.

Das können unsere Haustiere auch, selbst niedere Fleischlieferanten spüren die Wirbel eines Zeitloches. Wie lange hast du dich mit diesem Wesen amüsiert, bevor du erkanntest, dass es denkt?

Einhundertundvierzehn Mal, Calesh. Mir war so entsetzlich langweilig und diese Beute war die interessanteste, die ich in den letzten Jahren fing.

Ich habe schon immer gesagt, dass du genusssüchtig bist, Reshar. Aber warum hast du mich gerufen? Wenn es intelligent ist, lass es in Frieden ziehen. Such dir eine andere Beschäftigung.

Es beschrieb mir, wie es Vorbereitungen trifft, so dass viele seiner Art auf unsere Welt kommen können.

Das zweite Krokodil sagte und sendete auch nichts mehr, aber Terry hatte sowieso nur das Fauchen und Zischen gehört. Stattdessen machte Calesh eine ungewöhnliche Bewegung mit einer Klaue und ging danach einfach davon. Das erste Krokodil mit dem Namen Reshar sah die Frau mit einem Ausdruck von Bedauern und Konsequenz an, der dem Menschen nicht unbemerkt blieb. Terry kam nicht mehr dazu, irgendetwas Neues zu äußern, bevor ihr Reshar den Kopf abbiss. Mit wenig Appetit fraß Reshar die Frau vollständig auf und gab seinem Zeitorgan den bewussten Befehl die Schleife zu beenden. Es wäre schön gewesen, noch ein paar Perioden mit diesem Mensch-Wesen zu spielen, aber der Schutz des Planeten ging vor. Reshar empfing den allgemeinen Ruf, der von Calesh an Tausende in der Region befindliche Krokodile erging. Sie mussten so schnell wie möglich zu diesem Menschen-Schiff. Es brauchte schon eine Menge ihrer Art, um ein so großes Zeitfeld zu erzeugen, dass es das ganze Schiff erfassen konnte.

- Ende -

Copyright © 1998 by Werner Karl

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Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 30.11.2010
Seiten/Umfang :      ca. 400 S. – 20,0 x 13,8 cm
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      2. Aufl. 03.2010

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Sind Zeitreisen möglich? Öffnen Schwarze Löcher den Weg zu anderen Universen? Kann man doch schneller fliegen als das Licht? Was gestern noch wie Science-Fiction klang, wird heute von Wissenschaftlern ernsthaft erforscht. Der Wissenschaftsreporter Rüdiger Vaas berichtet über die verwegenen Theorien von Einstein, Hawking & Co., von der Suche nach einer “Weltformel” und den neuesten Erkenntnissen über Schwarze Löcher, Zeitschleifen und den Urknall. Ein spannender Streifzug durch die Rätsel von Raum und Zeit.

Rüdiger Vaas ist Wissenschaftsreporter, Astronomieredakteur bei der populären Monatszeitschrift “bild der wissenschaft” und einer der versiertesten Kenner der modernen Kosmologie.

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Space View 01/2009 (Januar – März 2009)

Erstellt von Detlef Hedderich am 14. März 2009

Space View 01/2009 (Januar – März 2009)
HEEL-Verlag Königswinter, 1/2009

Vollfarbiges A4-Magazin zum phantastischen Film & Literatur, SF, Fantasy, Horror, Thriller, ISSN 0949-8273, 80/490

www.space-view.de
www.heel-verlag.de

Aufgrund gesunkener Käuferzahlen erscheint die „Space View“ nur noch in dreimonatigem Abstand. Das macht aber nichts, da die Redakteure und Autoren längst nicht mehr brandaktuell sein müssen, sondern sich dabei eher auf die Highlights unter den Filmen und Serien eines Quartals konzentrieren und sich auch die Zeit nehmen, Hintergründe und zusätzliche Entwicklungen zu beleuchten.

Ein großes Thema dieser Ausgabe ist „Star Trek“, auch wenn es noch eine ganze Weile dauert, bis der Film in die Kinos kommt. Da ausgewähltem Pressepublikum bereits ausgesuchte Szenen gezeigt wurden, hat der Autor sich die Zeit genommen, diese ausführlich zu beschreiben und zu analysieren, aber auch auf die Unterschiede zu dem hinzuweisen, was die Fans seit vielen Jahren lieben, schätzen – und darum vielleicht auch nicht verdauen werden.

Doch der Regisseur des Films, J. J. Abrams, gibt in einem Interview durchaus zu, dass der Film in erster Linie für zukünftige Fans des Universums gemacht sei und nicht unbedingt für die, die dem Franchise schon lange folgen, auch wenn man diesen nicht völlig vor den Kopf stoßen will.

Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dem ‚Kanon’ im „Star Trek“-Universum und zeigt, welche Unterschiede in den Interpretationen sich nicht nur zwischen Filmen, Serien und Romanen sondern auch schon allein in den verschiedenen Produkten der visuellen Medien ergeben haben.

Nicht nur die endlich ins Kino kommende Verfilmung der „Watchmen“ wird genauer unter die Lupe genommen sondern auch seine Schöpfer Alan Moore und Dave Gibbons und das Kreuz mit den nicht unbedingt werkgerechten Verfilmungen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Heftes sind – bedingt durch den gerade aktuell im Kino laufenden Film „Twilight“: Vampire. Nicht nur der Streifen und seine literarische Vorlage werden ausführlich und außergewöhnlich kritisch vorgestellt, sondern auch der derzeit aktuelle Boom um die Blutsauger. Warum sind so viele Leute von den Wesen der Nacht fasziniert, in welchen Ausprägungen treten sie derzeit in den Medien auf, und wie konnte sich die Welle in den letzten Jahren überhaupt erst entwickeln?

Bei den Serien widmet man sich diesmal nur „Battlestar Galactica“, deren letzte Folgen nun im amerikanischen Bezahlfernsehen laufen, und nimmt wehmütig, wenn auch ein wenig kritisch, Abschied von „Stargate Atlantis“, die dort gerade ausgelaufen ist. Die aktuellen Arbeiten der Kostümbildnerin Valerie Halverson für letztere werden ebenfalls gezeigt. Beides ist ein interessanter Ausblick auf die Serien, deren letzte Staffeln noch der Ausstrahlung im deutschen Fernsehen harren.

Auch die Literatur wird nicht vergessen. Neben dem letzten Teil der Artikelserie über die Geschichte der Heftromane wird zudem noch ein humorvoller und atmosphärischer Blick auf die seit ungefähr 1980 auch in Deutschland durch die Regale der Buchhandlungen geisternden ‚Abenteuer-Spielbücher’ geworfen.
Gerade diese interessante Gewichtung macht die „Space View“ zum einzigen, auch in offenen Buchläden erhältlichen, Magazin für das phantastische Genre. Zwar kann man die Wurzeln nicht leugnen und beschäftigt sich immer noch mehr mit den visuellen Medien, schafft es aber auch, eine Brücke zu den Print-Medien zu schlagen.

Angenehmerweise gelingt es auch diesmal, die erfahrenen Fans genauso anzusprechen wie die jüngeren Leser, die sanft aber bestimmt darauf hingewiesen werden, dass es mehr zu entdecken gibt als Filme und Serien, denn die Phantastik in all ihren Ausprägungen regt immer wieder zum Nachdenken oder Austausch mit anderen an, manchmal auch dazu, selbst kreativ zu werden, indem auch immer wieder jüngere deutsche Autoren vorgestellt werden.

Deshalb lohnt es durchaus, der „Space View“ eine Chance zu geben, wenn man sich für Science Fiction, Fantasy und Horror interessiert, aber nicht nur ein Filmmagazin lesen möchte. (CS)

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Lesetour Edition Heikamp in der Stadtbibliothek Dormagen

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. März 2009

Der Herausgeber J. Heinrich Heikamp ist zur Zeit mit verschiedenen Autoren aus seiner Taschenheft-Reihe “Edition Heikamp” (Crago-Verlag) auf Lesetour. Am Dienstag, 17. März, 20 Uhr, macht die Tour Station in der Stadtbibliothek Dormagen. Mit dabei sind: Der Essener Karl Farr, der autobiografische Geschichten aus seiner Kindheit in Ostfriesland vorträgt (“Die Sache mit dem Floß”). Die Dormagener Schriftstellerin Gisela Schäfer, die humoristische und satirische Kurzgeschichten aus ihren Titeln “Peinlich, peinlich” und “Der Beste aller Männer” vorliest. Außerdem liest J. Heinrich Heikamp aus seinen Gedichten vor – unter anderem aus “Der Wind wirft Deinen Namen” und “Regen prasselt leise”. Eintritt frei!

Titel bei Amazon.de
Die Letzte Figur – Eine Weihnachtsgeschichte aus dem Gillbachland
Hume und Kant. Interpretation und Diskussion
Die Sache mit dem Floss – Kurzgeschichten
Der Wind wirft deinen Namen – Gedichte
Regen prasselt leise – Gedichte
1985 – Tage haben Flügel. Gedichte und Aphorismen

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PREISRÄSEL: Das tödliche Geschlecht

Erstellt von Günther Lietz am 9. März 2009

Michael Oliveri
Das tödliche Geschlecht

Otherworld Taschenbuch, Titelillustration von Claudia Flor
Deutsche Erstveröffentlichung
384 Seiten, ISBN-13 978-3-902607-06-5
http://www.otherworldverlag.at

Tim Wilders Leben gleicht einem Trümmerhaufen. Frisch geschieden und mit den letzten paar Dollars in der Tasche bricht er an die Westküste auf, um dort einen Neubeginn zu versuchen. Unterwegs übernachtet er in einer Kleinstadt mitten in der Wüste und wird prompt ausgeraubt.

Ohne Papiere, Auto und Geld hängt er fest und muss bald feststellen, dass einiges in der Stadt mehr als seltsam anmutet. Vor allem die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau wirkt völlig aus dem Lot geraten, doch niemand will darüber sprechen. Ein dunkles Geheimnis scheint sich dahinter zu verbergen – ein Geheimnis, in das Tim bald ausführlicher eingeweiht wird, als ihm lieb ist …

Wir verlosen in Zusammenarbeit mit dem Otherworld Verlag 3×1 Exemplar dieses Buches. Dazu einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte “Preisrätsel Otherworld” angeben): Wie heißt der Autor von “Amandus Greif und die Spur der Prinzen”?

Kleiner Tipp: Die Antwort findet man auf der Homepage des Verlags!

Sobald 20 E-Mails mit richtiger Antwort vorliegen, werden die Gewinnexemplare unter diesen Einsendern verlost.

Gewonnen haben: Jens Weigel, Petra Schläfer-Schmidt und Britta Holscher. Herzlichen Glückwunsch

Bei Amazon.de
Das tödliche Geschlecht

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PREISRÄTSEL: Sphären des Himmels

Erstellt von Günther Lietz am 9. März 2009

Charles Sheffield
Sphären des Himmels

Weit in der Zukunft steht die Erde unter Quarantäne. Eine pazifistische außerirdische Spezies hält die Menschheit für gefährlich und blockiert deren Raumfahrt. Dennoch hat das Militär der Erde hat einen Weg gefunden, die Quarantäne zu umgehen.

Als sowohl die Aliens als auch das Militär im Weltraum Schiffe verlieren, beauftragen beide den Experten Chan Dalton damit, die Vorfälle zu ergründen. Die Aliens befehlen ihm, gewaltfrei vorzugehen. Dumm nur, dass Chan Dalton bei seiner Ermittlung auf heftige Gegenwehr stößt. Fest steht: Wehrt er sich mit Gewalt, wird die Quarantäne der Erde vielleicht nie wieder aufgehoben …

5 Gewinner werden wieder aus den Einsendern, die uns die richtige Lösung nennen, ausgelost und dann hier bekannt gemacht.

Mitmachen können alle Leser, die uns einige von uns gestellte Fragen beantworten und damit einverstanden sind, dass ihr Name und die Stadt ihres Wohnortes hier aufgeführt werden.

5 Mitspieler können jeweils 1x im Bücherpreisrätsel gewinnen, wenn sie folgende Aufgaben bewältigen:

Wir möchten wissen: Wurde der jeweilige Gewinntitel von uns bislang rezensiert und von welchem/welchen Rezensenten jeweils? Zur Lösung einfach bei Buchrezicenter.de suchen.

Erschien ein Gewinntitel bei verschiedenen Verlagen, zählen diese ebenfalls mit, um die Lösung zu erhalten .

BITTE LÖSUNGEN ZUSENDEN AN: gewinnspiele@sfbasar.de

Im Betreff-Feld bitte angeben, auf was für eine Ausgabe des Bücherpreisrätsels sich Eure Lösung bezieht. Achtung: Diese E-Mail-Adresse gilt *nur* für Lösungen zum Bücherpreisrätsel.

Bitte neben der Lösung auch die eigene Postanschrift nicht vergessen!

(Es nehmen nur Mitspieler teil, die Ihre Lösung plus komplette Postanschrift an diese E-Mail-Adresse mailen; Zusendungen an andere E-Mailadressen von sfbasar.de nehmen NICHT teil!)

Gewonnen haben: Helga Pollmann, Ernst-Eberhard Manski, Stephan Bender, Wolfram Winkler und Petra Vitkus. Herzlichen Glückwunsch

Bei Amazon.de
Sphären des Himmels: Roman

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Space View 05/2008: Oktober – Dezember 2008

Erstellt von Detlef Hedderich am 8. März 2009

Space View 05/2008: Oktober – Dezember 2008
HEEL Verlag, Königswinter, 10/2008

Vollfarbiges A4-Magazin zum phantastischen Film & Literatur, SF, Fantasy, Horror, Thriller, ISSN 0949-8273, 80/390
Titelgestaltung von N. N.

www.space-view.de
www.heel-verlag.de

Die Rezession macht offensichtlich auch nicht vor den Zeitschriften halt, sind die Leser und Käufer doch offensichtlich wählerischer geworden. So erscheint auch die „Space View“ nicht mehr sechsmal sondern nur noch viermal im Jahr, um ihrer neuen Linie treu zu bleiben. Auch weiterhin will man sich nur noch auf die Highlights unter den Filmen und Serien des kommenden Vierteljahres konzentrieren und dafür andere Bereiche und Aspekte des phantastischen Genres unter die Lupe nehmen.

So beschäftigt man sich – nach dem Wegfall von „Harry Potter und der Halbblutprinz“ – mit dem letzten großen fantastischen Film des Herbstes. Auch „Hellboy“ geht schon in die zweite Kinorunde. Doch anders als im ersten Film spielen nicht mehr Menschen, sondern wahrhaft phantastische Wesen eine Rolle. Denn kein anderer als Guillermo del Toro, der durch „Pans Labyrinth“ Erfahrungen in der Fantasy sammelte, bringt nun seine Kenntnisse und seinen Ideenreichtum in Bezug auf die Wesen der Anderswelt in den zweiten Film nach der Comic-Vorlage von Mike Mignola mit ein. Zwei lange Artikel mit integrierten Interviews gehen ebenfalls ausführlich auf „Hellboy“ ein.

Ein weiterer Schwerpunkt sind die „Star-versen“. Wie haben sich „Star Trek“, „Stargate“ und „Star Wars“ in den letzten Jahren entwickelt? Sind die Serien- und Filmuniversen inzwischen am Ende, oder werden neue Projekte erfrischende Impulse in das Franchise bringen? Der Artikel ist sehr persönlich und kritisch gehalten und bindet auch Neuigkeiten wie Reviews zu „Star Trek 11“, „Stargate SG-1: Continuum“, „Star Wars: The Force Unleashed“, und „Star Wars: The Clone Wars“ mit ein.

An Serien wird der aktuellste und erfolgreichste Ableger von „Dr. Who“ vorgestellt. Denn auch „Torchwood“ soll in nicht all zu ferner Zukunft auf die deutschen Fernsehzuschauer losgelassen werden und ist nicht weniger abgedreht als die Mutterserie.

Weiter Artikel und Kolumnen gehen auf die Verschiebung von „Harry Potter“, die Schnitte in „Hulk“, die Geschichte des Horror-Heftromans, weitere Kleinverlage und nicht zuletzt Spezialeffekte ein, wo diesmal auch Mike Savela, der VFX-Supervisor von „Stargate Atlantis“ zu Wort kommt.

Die fünfte und letzte Ausgabe des Jahrs 2008 versucht erneut, ausgewogen zu sein und erfahrenen Fans wie auch jüngeren Lesern genügend Abwechslung zu bieten, was leider nicht so ganz gelingt, Auf der anderen Seite ist das vielleicht auch ein Zugeständnis an die visuell ausgerichtete Leserschaft, die eigentlich weniger mit Lesestoff anfangen kann und mehr auf Filme, Serien und Videospiele ausgerichtet ist. Dennoch lassen die Redakteure die Literatur nicht ganz außer Acht und widmen ihr immer noch einen Teil des Heftes.

Da die Artikel oftmals sehr persönlich geschrieben sind und auch schon einmal die Meinung des Verfassers vertreten, laden sie durchaus zu kontroversen Leserbriefen und Diskussionen ein, was man an der Leserbriefseite sehr gut merken kann. Das macht die „Space View“ zu einem weiterhin sehr eigenwilligen und interessanten Magazin.

Gerade wenn man dazu bereit ist, über den Tellerrand seiner eigenen Hauptinteressen zu schauen, kann die „Space View“ einen guten Einstieg in andere Bereiche der phantastischen Genre bieten, die man vorher vielleicht noch gar nicht wahrgenommen hat. Deshalb ist es dem Magazin nur zu wünschen, dass es auch weiterhin eine treue und engagierte Leserschaft findet, die das ungewöhnliche Konzept der „Space View“ weiter trägt. (CS)

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DIE DELIKATESSE – eine phantastische Story von Felis Breitendorf

Erstellt von Detlef Hedderich am 7. März 2009


D I E   D E L I K A T E S S E

Eine phantastische Story

von

Felis Breitendorf


In meinem Kopf drehten sich vom vielen Alkohol bereits die Sterne. Ich stierte vor mich hin, während sich der Nebel zusammenzog…

…da liegt sie.

Das schalenartige Äußere, der lange, immer dünner werdende, in einen leicht nach vorne gerichteten Schwanz übergehende Körper. Die Unbeweglichkeit ihrer Starre läßt die Eigenart ihres Daseins nur erahnen…

Das Wesen schimmert im Licht. Auf eine geheimnisvolle Weise wirkt der Körper des Langschwanzkrebses ständig feucht.

Stumm blickt die Languste ins dumpfe Licht der künstlichen Beleuchtung… Da! – Fast unmerklich: Eine leichte, zitternde Bewegung des rechten vorderen Fühlers. Zögernd bewegt sich der schwere Körper ruckig auf die Öffnung zu.

Nachdem sich das schwere Eisenschott der höhligen Unterkunft mit einem leisen Fauchen geöffnet hat, schreitet das Wesen aus seiner Wohneinheit heraus.

Ein leichter Niesel tropft von der Decke des Höhleneingangs herunter…

Ich hatte nicht gefressen.

Mir war gar nicht gut.

Mein Bauch schmerzte, und auch die Stirn war mit Schweiß bedeckt…

Ich wimmerte vor mich hin und auch das fürsorgliche Gehabe der Weibchen, die mir immer wieder meine Stirn mit einigen Pflanzenfasern trockenrieben, und mir von Mal zu Mal mit ihren teils schleimigen, teils rauhen Zungen ins Maul fuhren, um mir den bereits vorgekauten weichen Brei einzuflößen, konnten meinen Stolz nicht wiedererwecken. So lag ich in der Höhle und wartete darauf, daß sich die silbernen Himmelspforten öffneten und die Engel mit ihren langen, biegsamen Stacheln kämen, um mich mit ins Himmlische Reich zu nehmen…

Aufstöhnend schaute ich im Liegen an mir herab. Mein stolzer, kräftiger Körper bebte unter den Qualen meines Leidens… Mein Brusthaar, sonst immer golden, nun ganz matt, meine beiden Hände, die sonst so kraftvoll die Keule im Zweikampf führten, zuckten nur kraftlos. Das Zittern ließ sie wie die Hände eines Frischgeborenen erscheinen; das ab und an von den Engeln auserwählt wurde, um bereits im zarten Alter weniger Tage in ihre Obhut zu gelangen, um ihrer heiligen Bestimmung zugeführt zu werden…

Als das Wesen, das Langustenwesen mit dem Namen LO-CHHO, den Höhlenvorraum des Zucht- und Haltungstraktes der Vorratshöhle 4 betritt, um sich für die nächste Schlachtung vorzubereiten, lässt es noch einmal die Nachrichtenbilder des Info-Vid an seinem geistigen Auge vorüberziehen. Wieder einmal herrscht Krieg und wieder einmal wird intelligentes Leben vernichtet. Wieder einmal fragt sich LO-CHHO, warum die vielen Völker der bewohnten Galaxis so grausam zueinander sein müssen: sich mit solch schrecklichen Waffen – im Weltraum, auf Planeten, Monden und Raumstationen und unter dem Wasser – das Leben schwer machen. Seinem eigenen Volk ist dieser bei den meisten Lebensformen in der bewohnten Galaxis so weit verbreitete Drang zum Töten weitgehend unbekannt; außer natürlich, wenn es sich um Tiere handelt, die zur Nahrungsverwertung gebraucht werden. Aber selbst hier gibt es bereits Vorbehalte.

Einige besonders Affektierte Wissenschafts-Ethiker seines Volkes verlangen mittlerweile sogar schon, daß man die für die Nahrung benötigten hellhäutigen, zweibeinigen Säugetiere, die man auf diesem Planeten vor einigen Jahren vorgefunden hatte, nicht mehr töten, sondern wieder auf der Planetenoberfläche aussetzen und sich selbst überlassen sollte. Sie behaupteten, daß deren Ähnlichkeit mit einigen Vertretern anderer raumfahrender Völker wohl nicht von ungefähr kommen, daß durchaus die Möglichkeit besteht, dass es sich um direkte Nachkommen der Besatzung eines gestrandeten Schiffes einer raumfahrenden Rasse handeln könnte. LO-CHHO selbst hält allerdings nichts von dieser These. Für ihn ist das Ganze kompletter Blödsinn! – Schließlich wurde diese ungeheuere Behauptung dann ja auch wieder von einigen anderen angesehenen sachverständigen Wissenschafts-Ethikern dementiert.

Und was die Sache mit der Geheimhaltung angeht: dass sein Volk die lebenden Exemplare der Säuger vor den anderen Rassen verborgen hält, nun das hat einen ganz andere Hintergrund; so weiß gerade LO-CHHO, dass der Hauptgrund dafür eher in der Angst seiner langschwanzkrebsigen Artgenossen begründet liegt: irgendwelche Fremden würden sich der hellhäutigen Säuger bemächtigen und diese für den Export fertiger Fleischspezialitäten züchten und die Produkte in der gesamten Galaxis verkaufen und damit eine wirklich ernstzunehmende Konkurrenz aufbauen… Nun, schließlich wurden die zweibeinigen Säuger nach langen Debatten und Überlegungen von Staatsseite her dann doch zu Tieren erklärt und mit einer Geheimhaltungsauflage belegt. Glücklicherweise!, denkt LO-CHHO, denn das unendlich zarte Fleisch dieser Hellhäuter wird bei der Zubereitung – durch die Zangen eines Meisterkochs – zu einer wahren DELIKATESSE…

***

Ich war glücklich. Trotz meiner Schmerzen. Die Engel waren gekommen! Sie führten mich ins Jenseits! Endlich würde ich von meinem Leiden erlöst werden, das mich vor einigen Hell-Dunkel-Phasen befallen hatte und seither quälte. Jetzt würde ich endlich sehen können, wie der Himmel aussieht und wie die Engel lebten. Endlich würde ich ihn kennenlernen – den Erlöser, so wie es die alten Geschichten, die Überlieferungen, die von der Mutter an ihre Jungen weitergegeben wurden, vorhersagten…

Mit ihren langen biegsamen Stacheln standen sie plötzlich vor mir. Sie nahmen mich in ihre Mitte; mühelos hoben sie mich mit ihren Greifern hoch und trugen mich fort. Wir durchschritten die silbernen Himmelspforten, doch auf einmal blieben meine beiden Engel abrupt stehen und ich schaute noch einmal zurück, blickte auf Meine Welt, in die ich geboren wurde, getötet, gefressen, und meine Weibchen besprungen hatte; doch da schoben sich die silbernen Himmelspforten bereits, wie von Geisterhand bewegt, zusammen und schlossen sich. Trotz einer gewissen Trauer, und obwohl ich noch immer starke Schmerzen hatte, überkam mich ein Gefühl der Freude, auf ein nun folgendes, besseres, sorgenloses niemals endendes Dasein, das mich den Überlieferungen nach, nun im Himmel erwarten würde. Sicher, ich würde niemals mehr meine Welt betreten können, zumindest nicht mehr in meiner jetzigen Form, aber vielleicht würde ja auch ich Engel werden können; dann würde ich zurückkommen und meine Weibchen und ihre Jungen ebenfalls ins Himmlische Reich führen…

Nachdem LO-CHHO sich seinen Schlachtkittel übergehängt und die großen Messerzangen und Stecher aus den Halterungen genommen hat, überkommt ihn auf einmal doch der Skrupel und er fragt sich, ob an jenen merkwürdigen Gedanken, die ihn noch immer beschäftigen, vielleicht doch etwas dran sein könnte? Doch schnell verwirft er diese Überlegung dann wieder. – Schließlich waren es ja Kapazitäten auf ihrem Gebiet, die bewiesen hatten, daß es sich bei den Säugern tatsächlich nur um Tiere handelt…

Als ich wieder zu mir kam und ich in meiner Lethargie – durch die starken Schmerzen die mich quälten – an mir herunterschaute, sah ich zu meinem Erstaunen, daß die Engel dabei waren mich mit dem Rücken an ein metallenes Gitter anzuketten.

Da überfiel mich plötzlich die nackte Angst! – Mir wurde furchtbar Übel und es schnürte mir die Kehle zu… – Was, wenn das alles, die Geschichten und Überlieferungen, nun doch nicht stimmten? Wenn die Engel vielleicht gar keine…   -

…doch da sah ich IHN!!

Die schleusenartigen Türen des Schotts öffnen sich schmatzend.

LO-CHHO betritt die Schlachthöhle und beobachtet eingehend den hellhäutigen zweibeinigen Säuger, der von den Küchen- und Schlachthelfern für die Schlachtung vorbereitet wurde: Die Verschlüsse der Gelenk- und Knöchelmanschetten klacken in häßlicher Weise. Mit weit aufgerissenen Augen beobachtet der Säuger jede Bewegung um sich. Sonst aber scheint er ruhig. Sicherlich haben die Mittel, denkt LO-CHHO, die ich diesem männlichem Musterexemplar eines Säugers ins Futter habe mischen lassen, bereits ihre Wirkung getan, es derart geschwächt, daß bei der nun folgenden Schlachtung kaum noch mit Gegenwehr von Seiten dieses Tieres zu rechnen ist…

***

Diesem Wesen Auge in Auge gegenüberstehend, kommen dem Langustenwesen nun aber doch wieder Bedenken und es denkt: Was, wenn es sich bei diesem Säuger tatsächlich um ein Nachkommen einer intelligenten Rasse handelt? – Doch wie immer, wenn LO-CHHO eine Schlachtung vornimmt, beseitigt er jeden seine Bedenken, in dem er sich immer wieder selbst sagt, daß es sich bei diesen Wesen ja doch nur um “primitive Tiere” handelt – und es eben deren Sinn und Schicksal ist, evolutionär höherstehenden Lebensformen als Nahrung zu dienen. Wozu sollten Tiere denn sonst gut sein?

LO-CHHO’s Blick klärt sich und kehrt zurück in die Gegenwart, und als er an das zarte Fleisch dieses zukünftigen Bratens denkt, läuft ihm bereits jetzt das Wasser im Mund zusammen und er öffnet behutsam die große Messerzange, die er mitgenommen hat und setzt sie an die Kehle des Menschen…

Der große Engel mit der silbernen Kutte schritt langsam auf mich zu. Selbst die anderen beiden Engel wichen ehrfürchtig zur Seite und gaben den Weg frei…

Dann stand mir der große silberne Engel genau gegenüber und da begriff ich erst… Da schämte ich mich meiner anfänglichen Ängste, meiner Gedanken und Zweifel. Da spürte ich eine große Freude in mir aufsteigen, eine Zufriedenheit und ein beglückendes Gefühl, wie ich es nie zuvor verspürt hatte. Da wußte ich: vor mir stand der Erlöser…!

Weihevoll hielt er mir einen heiligen Gegenstand an die Kehle. Das kalte Metall beruhigte mich, und ich schloß kurz die Augen… Und als ich sie wieder aufmachte, da sah ich alles wie durch einen zähen Brei: Langsam, ganz langsam, schloß sich der Engelmacher um meinen Hals… Dann folgte ein häßliches Geräusch und eine blutige Fontäne spritzte aus meiner Kehle… – ‘Also doch!!’ – dachte ich voller Entsetzen, ‘alles Lüge!! Die Überlieferungen, der Glaube, Alles!!’ – Und da wurde es ganz still um mich herum. Und eine ganze Weile später wurde diese Stille noch stiller. Alle Dinge um mich herum schienen in ihrer momentanen Bewegung wie eingefroren. Nur die Lichter an der Decke der Höhle glitzerten wie Sterne; Sterne, dich ich selbst niemals gesehen hatte und nur aus den Überlieferungen kannte; Sterne, die die meisten meiner Artgenossen ebenfalls niemals gesehen hatten oder sehen werden; Sterne, von denen die Ahnen der Überlieferung nach vor langer Zeit einmal gekommen waren; Sterne, zu denen sie einmal voller Ehrfurcht und Hoffnung emporgeschaut hatten, dann aber doch das Glück nicht gefunden hatten… Da schrie ich lauthals, aber es kam nur ein heiseres Röcheln aus meiner Kehle… – Und schließlich fiel ich hinab – tauchte hinunter in die Dunkelheit, in die Schwärze, die letztendlich alles empfängt und in der alles endgültig und für immer sich auflöst…

…ein schwerer Nebel hing im Nichts. Langsam schälten sich die kantigen Konturen aus der schleierhaften Dunstigkeit hervor. Einige Lichter glitzerten wie Perlen, und ganz langsam kehrten auch die Farben zurück…das ganze Bild ergab sich seinem Sinn.

Eine feurige Wand stilisierte sich zu einer Flamme, die rhythmisch auf der Spitze einer langen weißen Kerze auf und ab hüpfend pulste.

Der Tisch mit den vielen schönen silbernen Dingen erinnerten mich an irgend etwas. Aber ich kam nicht drauf…

Erst die vertraute Stimme eines anderen Menschen und die leichte schüttelnde Berührung einer Hand an meiner Schulter führten mich vollends zurück in die Wirklichkeit:

“Sir! Sie waren eingenickt! Ihre bestellte Delikatesse ist bereits aufgetragen. Darf ich den Champagner öffnen?” Worauf der Kellner mir die Flasche zeigte und sie so drehte, daß ich das Etikett lesen konnte…und dabei geschah es – ich blickte auf den vor mir stehenden Teller …und entdeckte…die LANGUSTE!!!…

- Ende –

(Copyright 2009 by Felis Breitendorf)

Bildrechte: Coverillustration “TräumeundVisionen” (20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “TräumeundVisionen100-minus180-minus11.jpg” (Originaltitel: 20110122082624-7f63d0a3.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Leseempfehlung der Redaktion:

Ruhl, Thomas
Port Culinaire Seventeen – Band No. 17

Sicherer Hafen für Gourmets

Beiträge von Ackermann, Bernd / Kleger, Bernd / Reitbauer, Heinz / Straubinger, Rolf / Dollase, Jürgen / Elverfeld, Sven / Bos, Ralf / Kornmayer, Evert / Martin, Thomas / Weh, Lidwina
Verlag :      Verlag Gebrüder Kornmayer
ISBN :      978-3-942051-21-7
Einband :      Paperback
Preisinfo :      19,90 Eur[D] / 22,00 Eur[A] / 37,00 CHF UVP
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Letzte Preisänderung am 22.03.2011
Seiten/Umfang :      186 S. – 28,0 x 24,0 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      30.03.2011

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Kurzbeschreibung:
Gourmand World Cookbook Award 2007 “Special Award of the Jury” – Good Design Award 2007, Chicago Athenaeum – Port Culinaire ist für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland nominiert. Diese Auszeichnung gilt als der Preis der Preise in Deutschland, denn kein anderer Designpreis stellt ähnlich hohe Anforderungen. So kann nur ein Produkt nominiert werden, das schon andere bedeutsame Auszeichnungen erhalten hat. Eine Nominierung ist nur durch die Wirtschaftsministerien oder Senatoren der Länder oder das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie möglich. – Zuvor erhielt PORT CULINAIRE bereits eine Urkunde der Lead Academy, die Port Culinaire mit dem Lead Award als Newcomer Magazin auszeichnete. Der Lead Award ist Deutschlands führende Auszeichnung für Print- und Online Medien.

Inhaltsverzeichnis:
- Namibia
- Gipfelstürmer: 18. St. Moritz Gourmetfestival
- Die Käseweltmeister der Schweizer Käse, Rezepte von Bernd Ackermann und Bernhard Kleger
- Gegenbauer Wiener Essig Brauerei
- Heinz Reitbauer und das Steirereck
- Seafood Academy Part I Langschwanzkrebse, Rezepte von Rolf Straubinger
- Avantgarde Part Eight Jürgen Dollase über Sven Elverfeld
- Der Bocuse d’Or 2011 von Ralf Bos
- Gewinner des CHEF-SACHE Nachwuchspreises “Avantgarde” und “Regionale Küche”
- 12 Monkeys, Mich laust der Affe was für ein Gin! Evert Kornmayer
- Sommelier dieser Ausgabe: Lidwina Weh, Hotel Louis C. Jacob, Rezepte von Thomas Martin

Thomas Ruhl, Jahrgang 1956, studierte Grafik und Fotografie an der Folkwangschule in Essen, war Dozent für Druckgrafik und arbeitete als freier Art Director in großen internationalen Werbeagenturen in München, Düsseldorf und Köln. Mit 28 Jahren machte er sich mit einer eigenen Agentur und einem Fotostudio einen Namen und arbeitet für führende Marken-Unternehmen. Seine Bücher wurden mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Goldmedaille der gastronomischen Akademie Deutschlands, dem Prix Mazille, dem Gourmand World Cookbook Award, Best of the World Photography und vielen mehr.

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