EXPEDITION INS BLAUE – Science Fiction-Story von Günther Kurt Lietz
Erstellt von Günther Lietz am 20. März 2009
Expedition ins Blaue
Erinnerung an alte Teddies
von
Günther Kurt Lietz
Die silbrige Landefähre fiel aus dem grünen Himmel herab, zog einen rötlichen Kondensstreifen hinter sich her und landete sanft auf einem der Felsen, der aus dem gelben Gräsermeer emporragte. Ein Stück der Außenhülle verformte sich und bildete eine kreisrunde Öffnung. Eine pummelige Gestalt, gerade mal einen Schritt hoch, mit einem braunen flauschigen Pelz bewachsen und in eine viel zu große Teerjacke gekleidet, trat in die Öffnung.
„Mein Hut!“ Die Gestalt, von Freunden und Mannschaft nur Kapitän Teddy genannt, nahm vom ersten Maat einen Dreispitz entgegen und positionierte ihn akkurat zwischen den runden Flauscheohren. Zwei schwarze Knopfaugen blickten neugierig in die neue Welt hinaus. „Meine Augenklappe!“
Mit der Klappe über dem rechten Auge, dem ersten Maat Long John Sliver und zwei namenlosen Matrosen im Schlepptau, stapfte Kapitän Teddy los. In seinen kleinen Pranken hielt er dabei eine auf altem Papier gezeichnete Karte. Gestrichelte Linien zeigten ein wirre Muster und in der Mitte prangte ein großes X. Daneben hatte jemand notiert: „X bedeutet meistens Schatz, aber nicht immer“.
Die Reise ging erst einmal eine Stunde ins Gräsermeer hinein, dann wurden die selbsternannten Weltraumpiraten müde und beschlossen zu rasten. Also plumpsten sie einfach zu Boden, gähnten und schlossen ihre Augen für eine Weile. Als sie erwachten standen die beiden Sonnen des Systems schon tief am Horizont und die Gräser waren nun blau. Kapitän Teddy gefiel das sehr gut.
„Nun ist das Meer genau so, wie es sein soll – nämlich blau.“
Long John Sliver richtete seine Ohren auf. „Kameraden, ich höre da ein komisches Geräusch von Rechts. Verdammt, ich meine: Arrrrrr, komisches Geräusch von Steuerbord!“
Kapitän Teddy blieb die Ruhe selbst. Er hatte noch keine derartige Situation erlebt und war zuversichtlich, dass es ein harmloses Fauchen war, das sich langsam näherte. Aber er wollte auf alle Fälle sichergehen: „Namenloser Matrose Nummer Eins, schau mal nach was das ist!“
Namenloser Matrose Eins schluckte. Er glaubte ein Fellknäuel ballte sich in seinem Magen zusammen – was durchaus stimmen konnte. Während er den Tag verfluchte an dem er das kurze Kabelende gezogen hatte, stapfte er auch schon durch das hohe Gras. Wenig später meldete er erleichtert „eine große Miezekatze“ und begann dann fürchterlich zu schreien.
Erschüttert vom Verlust eines wichtigen Mitglieds des Besatzung, stoppte Kapitän Teddy nach einer halben Stunde die heillose Flucht. „Das hätte aber ins Auge gehen können.“ Er rückte nun die Augenklappe von Rechts nach Links. „Aber wir wussten ja, was auf uns zukommt.“ Es herrschte betretenes Schweigen unter der Besatzung. „Oder?“
Long John Sliver stieß Namenlosen Matrosen Zwei mit dem Ellbogen an. Dieser seufzte ergeben. „Ja, Kapitän, aber ich möchte anmerken …“ Ein lauter Knall und viel Rauch beendeten den Satz für ihn und der Pirat plumpste tot nach hinten, wo er sich mit letzter Kraft zu einem Knäuel zusammenrollte.
„Möchte noch jemand meutern?“ Kapitän Teddy ließ seine doppelläufige Pistole um Long John Slivers Nase kreisen. „Hm?“
„Nein, mein Kapitän. Ich bin ganz auf ihrer Seite.“ Die Nasenhaare des älteren Piraten zitterten leicht und seine Knopfaugen wurden ein wenig kleiner. „Und: Arrrr!“
„Arrrrrrrrr, gut so. Machen wir weiter. Ich will den Schatz heben, bevor wir wieder an Bord sind.“ Also stapften sie los, immer der Karte nach, bis sie am Ende des Weges waren. Vor ihnen das blaue Gräsermeer, ein wunderschönes Panorama, für das die beiden Piraten aber kein Auge hatten – vor allem Kapitän Teddy nicht.
„Hier sind wir also angekommen, um einen wertvollen Schatz zu heben. Einen Schatz der so wertvoll ist, das ihn jeder haben möchte. Ein Schatz, wie es keinen zweiten Schatz gibt. Fangen wir an zu graben, Männer!“
„Es gibt keine Männer mehr, Kapitän.“
„Dann grab alleine. Ich passe auf, dass nichts passiert.“ Kapitän Teddy ließ sich auf den verlängerten Steiß plumpsen und lud seine Pistole nach. „Arrr.“
Es dauerte knapp zwei Stunden, bis die beiden Piraten aufgaben. Long John Sliver stand bis zum schwarzweißen Kinn in einem tiefen Loch, Kapitän Teddy breitbeinig über ihm. „Was meinst du mit keine Lust mehr genau?“
„Mit keine Lust mehr meine ich keine Lust mehr, Kapitän. Hier ist kein Schatz, hier sind nur Steine, Wurzeln und Gräser.“
Kapitän Teddy dachte nach. „Na ja, sehen die Steine denn wertvoll aus?“
„Ich würde sagen ja, doch, schon, sehen wertvoll aus. Arrrr.“ Long John Sliver drehte einige dreckige Brocken geschickt in seinen Pranken. Er wollte lieber ein Mafiosi sein oder ein Cowboy.
„Würdest du dir so was denn einstecken, also, sind die Steine wertvoll genug?“ Long John Sliver nickte, da schoss im Kapitän Teddy auch schon eine Kugel durch den Kopf. „Gierschlund!“
Nach dem er Schatz und ersten Maat vergraben hatte, machte sich Kapitän Teddy auf den Rückweg. Da er sich auf dem Hinweg schon verlaufen hatte, gab es für ihn auch keinen Rückweg. Einzig ein Fauchen in der Dunkelheit, das ihm folgte …
* * *
Auf der Brücke des Tiefenraumers MONDWACHT herrschte große Aufregung. Die Besatzung hatte ein Signal empfangen und somit den Beweis, dass es weiteres intelligentes Leben im Universum gab. Der Mensch war nicht alleine.
„Woher kommt das Signal?“ Captain Cloister war neugierig und angespannt.
„Der Peilung nach … Sir, das Signal stammt aus genau dem Sektor, in dem vor zwanzig Jahren unser Bibliotheksschiff verschollen ist, die WISDOM THREE. Die Nachricht ist audiovisuell und sie ist in Englisch.“
„Kann es etwas sein, dass die Besatzung überlebt hat? Kommen sie etwa zurück?“
Der Kommunikationsoffizier schüttelte den Kopf. „Nein, falscher Code und falsche Signatur. Soll ich durchstellen?“
„Ja, machen sie schon. Ich denke diesen Erstkontakt werden wir nie vergessen.“ Cloister lächelte. Er war sich der Bedeutung dieses Augenblicks sehr bewusst.
Der große Frontschirm flackerte kurz, dann wurde das Bild berechnet. Alle erstarrten. Zu sehen war eine kleine Brücke, auf der sich ein halbes Dutzend bärenartiger Wesen tummelten, die man nach menschlichen Maßstäben durchaus als niedlich bezeichnen konnte. Alle trugen rote oder blaue Uniformen. Einer sogar eine goldene. Sein Kopffell war straff nach hinten gegelt und auf seiner Brust prangte ein silbernes Abzeichen: „Meine menschlichen Brüder. Ich bin Captain Kork an Bord der Entenpreis. Wir haben eure Nachricht erhalten und hier sind wir endlich.“
Ende
Teddies bei Amazon.de
WC Toilettensitz Teddys – Sitting Art 3D
Steiff 012280 – Teddy Petsy blond
Abgelegt unter Allgemein, Autorenwerkstatt, Science Fiction, Storys | 11 Kommentare »









