Erstellt von Galaxykarl am 1. Februar 2009
Auf der Frankfurter Buchmesse 2010 waren gerade Ebook-Geräte – laut Aussagen aller befragten Fachleute und Verlage – der Renner schlechthin. Unten stehenden Artikel habe ich schon vor Jahren geschrieben, an meiner Einstellung und Meinung zu dem Gerät Ebook hat sich trotzdem nichts geändert. Ich bin immer noch ein Freund und Befürworter klassischer – also gedruckter – Bücher. Nichtsdestotrotz sind eBooks – als “nur” digital publizierte Titel – mittlerweile Bestandteil vieler Verlagsangebote.
Selbst ich habe mit “Danger Zone – Science Fiction Stories” ein eBook veröffentlicht. Ich sehe es allerdings im Besten Falle als eine Ergänzung der Möglichkeiten an, welcher ein Autor nutzen kann, um seine Texte einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.
Werner Karl, Oktober 2010
Von allen Seiten wird uns Lesefans die neue Technik angepriesen. Ebooks – also elektronische Lesegeräte – seien hip, cool, zeigen uns als moderne Menschen, voll auf der Höhe der Zeit, der modernsten Technik. Der Besitz solcher Teile – natürlich benutzt in aller Öffentlichkeit – beweist allen neidischen Beobachtern: Dort sitzt ein moderner Mensch, ein Homo Electricus. Mein Gott, was muss das für ein wichtiger Mensch sein, dass er auch am Flughafen, am Strand oder in der Bahn mit so einem Ding arbeitet?
Um es vorauszuschicken: ich mag die Dinger nicht. Aber dazu später. Nach einigem Nachdenken fand ich eigentlich nur einen Bereich, in dem ich den Einsatz von ebooks für sinnvoll halte. Nämlich immer dann, wenn man an irgendeinem Punkt der Erde Zugriff auf aktuelle Daten benötigt. Nehmen wir Servicetechniker, Monteure oder ähnliche Berufe, die am Einsatzort beim Kunden bestimmte technische Daten benötigen. Vorausgesetzt, jemand pflegt die Daten und stellt sie immer aktuell ins Netz, und weiterhin vorausgesetzt, der Suchende hat – an jeden Punkt der Erde! – Web-Empfang für seinen Laptop oder eben sein ebook. Sicher ist es dann sehr komfortabel, wenn man nicht dicke technische Handbücher mit sich schleppen muss, die aufgrund rasanter Entwicklung eigentlich schon bei Drucklegung überholt sind.
Upps! Habe ich da gerade den Laptop erwähnt? Fast jeder Geschäftsmann, Servicetechniker u.v.a. besitzen mittlerweile einen. Und das macht wirklich Sinn. Man kann damit nicht nur LESEN, sondern auch kalkulieren, rechnen, Angebote erstellen, Briefe schreiben, Datenbanken einsehen und abrufen, Bilder zeigen, Powerpoint-Präsentationen zeigen und… und… und unendlich viel mehr. Und was kann das ebook?
Doch die ebook-Verlage wollen auch Unterhaltungsliteratur in Massen als ebook veröffentlichen. Man spare sich dabei doch unglaublich viel Geld. Viele ebooks sind (noch) kostenlos, aber wie lange denn? Wenn die Auflagen von gedruckten Büchern bei möglicherweise zunehmender Beliebtheit von ebooks abnimmt, dann werden sehr rasch auch ebooks kostenpflichtig sein. Und wo bleibt dann die Ersparnis für arme Studenten oder die Oma, welche ihre Lieblingsromane nicht mehr als preisgünstiges Taschenbuch erstehen kann, weil diese nur noch als ebooks erscheinen?
Um es abzukürzen, möchte ich die – aus meiner Sicht – erheblichen Nachteile von ebooks stichpunktartig auflisten:
1. Ein ebook kostet sicher mehr Geld als ein Buch. Das Argument, dass ich nur einmal ein ebook erstehen muss und Bücher in der Summe mehr kosten, wird durch folgende Nachteile locker aufgehoben.
2. Ein ebook verbraucht Strom. Auch die besten Akkus müssen immer wieder aufgeladen werden. Und gerade dann, wenn ich vielleicht das ebook nutzen will, sind die Akkus leer. Und im Dschungel gibt es keine Steckdosen.
3. Ebooks tragen also – vor allem bei zukünftigem möglichen Massengebrauch – erheblich zum Energiehunger der Menschheit bei. Bäume zur Papierproduktion sind nachwachsende Rohstoffe, deren Recyclinganteil extrem hoch ist, der Rest sogar noch zu Heizprodukten verarbeitet werden kann.
4. Ein ebook – selbst mit dem besten Monitor – wird bei direkter Sonneneinstrahlung nicht perfekt zu lesen sein. Ein Buch hat so ein Problem nicht. Sicher wird es die Augen – Bildwiederholfrequenz top oder nicht – mehr belasten und ermüden als eine ruhig daliegende Buchseite.
5. Ein ebook kann schlicht einen technischen Defekt haben, ein Buch nicht. Feuchtigkeit, Sand, Sonnencreme und ähnliche Dinge lassen ein Buch meinetwegen ein wenig schmuddelig werden, aber das ebook wird rasch den Geist aufgeben.
6. Die technische Entwicklung schreitet nicht voran, sie rast! Wer will uns garantieren, das das erstandene ebook auch in 5 Jahren noch funktioniert, die Software nicht hoffnungslos überholt ist und die angebotenen Programme auch darauf noch zuverlässig laufen? Denken Sie nur an Betriebssysteme, Spiele, umfangreiche Datenbanken, CD´s und DVD´s. Ein gedrucktes Buch kann Jahrhunderte lang gelesen werden, ihm ist die Technik egal.
7. Wie immer bei neuen technischen Innovationen, gibt es mehrere Typen in Funktion und damit verschiedenen Datei-Formaten; wie z.B. bei Videosystemen, damals Beta, VHS und Video 2000 in Konkurrenz, um nur ein Beispiel zu nennen. Soll ich also mit der Wahl des ebooks eines Anbieters auch nur Zugriff auf dessen Angebot nehmen können? Unterliege ich hier nicht schon einer Zensur, auch wenn es „nur“ aufgrund des Verlagsprofils etwa ein Sachbuchverlag ist, der keine Science-Fiction veröffentlicht oder ein anderer Verlag der dies anbietet aber keine „Hoch“-Literatur führt? Ein Standard ist erst mal nicht vorhanden, jeder Hersteller hofft darauf, dass sich sein System im Markt platziert und alle anderen verdrängt. Siehe wiederum Video, wo das technisch schlechtere Produkt VHS aufgrund hoher Filmanzahl des überlegene System Video 2000 vom Markt verschwinden ließ.
8. Ein ebook hat einen begrenzten Speicher, eine Bibliothek nicht. Soll ich dann ein zweites, ein drittes oder noch mehr ebooks kaufen, wenn mein ebook-Speicher voll ist? Oder die gelesenen Bücherdateien löschen? Ich will sie aber behalten.
9. Apropos Speicher. Wem ist es noch nicht passiert, dass das komplette Verzeichnis der letzten Italien-Urlaubsbilder mit einem Mausklick gelöscht war? Oder nach einiger Zeit die elektronischen Bilder Pixelausfälle und andere Macken aufwiesen? Ein gedrucktes Bild/Buch kann ich immer betrachten, ein Pixelchaos nicht.
10. Wenn sich mehr und mehr Wissen der Menschheit auf elektronische Speicher ansammelt, ist es in kürzester Zeit möglich, dieses Wissen zu vernichten. Ich denke da z.B. an einen elektro-magnetischen Impuls bei einem Atomunfall oder –krieg. Im Krisenfall bricht das Internet ohnehin zusammen oder wird schlichtweg abgeschaltet. Büchern ist dies egal, ihre möglichst hohe Auflage und Verbreitung verhindert einen Verlust an Wissen. Übrigens ganz nett dargestellt im Film „Rollerball“ mit James Caan in der Hauptrolle, der eine supermoderne Bibliothek mit Flüssigkeitsspeichern besucht. Leider muss ihm der schon fast priesterhaft auftretende „Bibliothekar“ eröffnen, dass er ihm keine Auskunft geben kann und ganz nebenbei bedauert, dass er das ganze 17. Jahrhundert verloren hat.
11. Bei einem ebook ist es ein Leichtes, Daten zu manipulieren, schlicht zu lügen, den wirtschaftlichen/militärischen Gegner in die Irre oder in die Falle zu führen. Dies wird bei einem Buch nur sehr schwer, eigentlich gar unmöglich sein. Zu viele Personen, Kontrolleure und Instanzen haben Zugriff auf ein Werk. Gerade schon bei der Vorbereitung, Produktion und am meisten bei der Verbreitung. Die – möglicherweise manipulierten – Daten eines ebooks sind sofort im Netz und können sofort Schaden verursachen. Bis es irgendwann jemand auffällt und korrigierend einschreitet. Hoffentlich.
12. Mit einem Buch erfahre ich auch ein haptisches Erlebnis, das Berühren der Buchseiten, das Rascheln des Papiers, der edle Einband, das rasche Finden des Lesezeichens. Ein elektronisches Teil bietet all dies nicht.
13. Ein Buch bietet dem Leser einen Komfort: Es ist leise, es summt nicht, das Blättern erinnert an die Geräusche des Waldes, ein Tippen mit einem Lesestift oder ein Mausklicken nerven sehr schnell. Vor allem einen neben dir schlafenden Partner.
Wenn man länger über die Sache nachdenkt, werden sich sicher noch etliche weitere Nachteile von ebooks gegenüber gedruckten Büchern finden lassen, aber o.g. gute Dutzend reicht mir persönlich, um meiner Hoffnung und Forderung an die Verlage Ausdruck zu verleihen: Hört niemals auf Bücher zu drucken!
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