STAR TREK: Einige Informationen für viel Geld – Vier Handbücher zu einem Mythos
Erstellt von Detlef Hedderich am 24. Januar 2009
Gross, Edward / Altman, Mark A.
Captain’s Logbuch (Star Trek) (Captain’s Log, 1993)
HEEL Verlag, Schindellegi 1994 285 Seiten, DM 29,80
Übersetzung: Bernd Beissel, Claudia Kern, Beate Moll
Altman, Mark A. / Gross, Edward
Deep Space Logbuch (Deep Space Log, 1994)
HEEL Verlag, Schindellegi 1994
114 Seiten, DM 24,80
Übersetzung: Claudia Kern, Beate Moll
Sander, Ralph
Das Star Trek – Universum
Wilhelm Heyne Verlag, Muenchen 1994
DM 44.-
Shatner, William / Kreski, Chris
Star Trek Erinnerungen. (Star Trek Memories, 1993)
Wilhelm Heyne Verlag, Muenchen
1994 Heyne Science Fiction & Fantasy 06/5188 400 S., DM 19,90
Aus dem Amerikanischen von Andreas Brandhorst

Die Aufgabe eines Logbuchs ist es ja bekanntermassen, die Abenteuer eines Raumschiffs Enterprise aufzuzeichnen, alles Wissenswerte ueber seine Reisen zu notieren, die Gedankengaenge seines Captain’s zu fixieren und das Ganze mit der richtigen Sternzeit zu versehen. So gesehen sind einige der Sachbuecher, die im Fruehjahr und Herbst ‚94 ueber Star Trek erschienen sind, gar nicht schlecht, und obendrein erfuellen sie auch noch die oberste Direktive des Buchmarktes, das Geldscheffeln mit Star Trek- Devotionalien. Captain’s Logbuch sowie Deep Space Logbuch des Autorengespanns Edward Gross/Mark Altman (beide HEEL-Verlag, 285 S., DM 29,80; bzw. 114 S., DM 24,80) bieten auf einfoermig layouteten Seiten dreispaltig gesetzte Texte unterschiedlicher Laenge, in denen ueber die Idee, Planung, Realisation und Aspekte der Produktion von Star Trek und seiner diversen Keimlinge im lockeren Plauderton berichtet wird, wobei die Autoren ihre Texte um die woertlich wiedergegebenen Statements beteiligter Produzenten, Regisseure,Kameraleute, Techniker und auch Schauspieler bauen.
Auf diese Weise Authentizitaet vortaeuschend, wirken beide Baende ueber Gebuehr geschwaetzig. Die Haelfte der Baende nimmt jedoch ein sog. “Episodenfuehrer” ein, in dem auf minimalste Stabdaten und in fetten Lettern gedruckter baerbeissiger Inhaltsangabe stets das Zitat eines Beteiligten (in der Regel Regie oder Drehb.) folgt, das Hintergrundinformationen zur jeweiligen Folge enthaelt. Die Monotonie der Bleiwueste wird dabei nur ab und an recht halbherzig von einigen Schwarzweissfotografien unterbrochen, die die bekannten Darsteller (aus fotorechtlichen Gruenden) in allen moeglichen nur nicht in Star Trek-Situationen oder -Kostuemen zeigen. Dass die Bilder zudem so reproduziert sind, dass sie wie aus dem Kopierer gezogen wirken, ist angesichts des publizistischen Schnellschuss (der ferner in keiner Weise von Paramount Pictures lizensiert wurde) nur folgerichtig.
Da der Episode Guide fuer TNG lediglich fuenf, fuer DS9 gar nur die erste Season umfasst, werden beide Logbuecher ueberhaupt erst in einer zweiten erweiterten Auflage einen Sinn machen. Dagegen erscheint die mittlerweile dritte, wiederum um etliche Seiten erweiterte Ausgabe von Ralph Sanders unentwegtem Star Trek- Universum (Heyne 06/5150, DM 44.-) wie eine von Quarks Holosuiten: Ein mit allem technischen Raffinement ausgestattetes und auf Hochglanz gestyltes HighTech-Produkt schoenster Oberflaeche, in dessen Inneren jedoch das allbekannte Programm in ewiger Selbstrefe renzialitaet ablaeuft. Nach wie vor weist das sog. “Handbuch” die alten konzeptionellen Fehler auf, die bereits die 89er Erstausgabe schlicht unbrauchbar gemacht hatten. Die juengste Aufteilung in zwei Baende ist dabei lediglich auf das Anwachsen des verarbeiteten Datenmaterials (TV-Episoden, Buecher) zurueckzufuehren denn auf eine Konzeptaenderung. Dass der Episode Guide jedoch auf dem Stand von 1993 gehalten ist, mithin die 7.Season von TNG und die 2. von DS9 nicht erwaehnt, ist im Oktober 1994 (dem Monat des offiziellen Erscheinens) angesichts des horrenden Preises laengst mehr als eine Unverschaemtheit. Es ist die konsequente UEbertragung Ferengi’scher Erwerbsregeln auf das Buchmarketing: Um mit noch einer Ausgabe noch mal Geld zu machen.
Nach all dem geldgeilen Geschwafel ist die persoenlich geschriebene Innenansicht William Shatners ueber seine Star Trek Erinnerungen (Heyne 06/5188, 400 S., DM 19,90) eine Wohltat. In fuer Shatner charakteristischer eitellarmoyanter Weise breitet er seine Gedanken, Gefuehle, An- und Einsichten waehrend der dreijaehrigen Produktionszeit von Star Trek aus. Im nettem Plauderton schildert er dabei Anekdoten, Begebenheiten und seine Sicht der Dinge von den ersten Vorbereitungen ueber die Produktionszeit bis zu dem Moment, an dem fuer die Serie die letzte Klappe fiel und sich die grosse Familie aus Schauspielern, Technikern und Produzenten voneinander verabschiedete. In unterschiedlich langen Interviews laesst er dabei all seine “alten Freunde” selbst zu Wort kommen, nicht ohne Ausfuehrungen, die ihn als auf sich selbst fixierten unfreundlichen Faun beschreiben (S.389), schnell wieder zu relativieren. Geschrieben wie ein Roman, lesen sich Shatners Memoiren unterhaltsam und fluessig.
Das sie darueberhinaus einen Blick auf den Humor von Star Trek gewaehren, der dem dt. Zuschauer aufgrund der Bloedelsynchronisation aus den ‚70er Jahren bisher verborgen war, macht sie noch zu dem interessantesten der vier Buecher. Faszinierenderweise hat Shatner bei seinen Star Trek-Erinnerungen im Unterschied zu seiner Tek-Serie auch nicht den Namen seines Mit-Autors zu erwaehnen vergessen; Chris Kreski klingt allerdings so offensichtlich nach Pseudonym, dass dahinter wohl wieder der bestaendige Ghostwriter Ron Goulart stecken duerfte. So schalkhaft wird es allerdings erst wieder mit dem fuer April’95 avisierten CAP’N BECKMESSERS FUEHRER DURCH STAR TREK – DIE NAECHSTE GENERATION (Heyne, DM 17,80), zuvor jedoch versuchen sich Sternbach & Okuda mit Star Trek – Die Technik der U.S.S. Enterprise und Thomas Maxwell mit Das grosse Trek-Lexikon (beide Heel) recht technisch und Ralph Sanders memoriert Die Star Trek Biographien (HEYNE, DM 19,90, Feb.’95). (TR)/(DH)
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