sfbasar.de

Literatur-Blog

Aveleen Avide – interviewt von Iris Gasper und Preisrätsel: 1x “Purpurne Lust” und eine handsignierte Autorenkarte zu gewinnen!

Erstellt von Galaxykarl am Dienstag 24. Januar 2012

Interview mit Aveleen Avide

sfbasar: Liebe Aveleen, zunächst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst. Ich finde es toll wie offen und locker du Kontakt zu deinen Leserinnen und Lesern pflegst. Das führt mich auch zu meiner einleitenden Frage. Du hast ja einen eigenen Blog und interviewst auch ganz viele deiner Autorenkolleginnen und –kollegen. Wie viel Zeit investierst du in deinen Blog, in soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter und überhaupt in den Kontakt zum Leser und wie viel Freude oder vielleicht manchmal auch Ärger beschert dir das?

Aveleen Avide: Ich freue mich, dass du mich interviewst (lächelt). Und mir ist tatsächlich der direkte Kontakt zu meinen Leserinnen und Lesern sehr wichtig. Wie viel ich in sozialen Netzwerken unterwegs bin, kann ich gar nicht genau feststellen. Da kommen aber mindestens 3 Stunden die Woche, eher mehr zusammen. Allerdings, seit mein iPhone-App verschlimmbessert wurde, bin ich weniger in Facebook unterwegs, da es nervt, dass der App so unhandlich und lahm geworden ist. Mein Blog, das dürfte wöchentlich zwischen zwei bis zehn Stunden sein. Eher zehn Stunden, wenn ich zusätzlich über Lesungen berichte und eher zwei Stunden, wenn ich „nur“ ein Interview online stelle. Ärger hatte ich bisher Gott sei Dank herzlich wenig. Ein paar Neider wollten Kommentare auf meinem Blog hinterlassen, ein paar unerfreuliche Mails, aber das ist mehr als verschwindend gering, sozusagen kaum der Rede wert.

sfbasar: Erotische Literatur ist ja ein ganz besonderes Genre für das sich auch nicht jeder, der gerne Bücher liest, erwärmen kann. Wie würdest du solchen Menschen deine Bücher und ihre Inhalte schmackhaft machen wollen?

Aveleen Avide: Wer z.B. gerne Liebesromane liest und in den Liebesromanen zu wenig erotische Liebesszenen findet, hier geht es in meinen erotischen Geschichten weiter. Hier gibt es – jedenfalls in den Büchern, die ich schreibe oder auch bei vielen Büchern, die meine Kolleginnen schreiben – viel Lust, viele erotische Sexszenen und eine Rahmenhandlung dazu, die mal mehr und mal weniger Platz einnimmt. Ich schreibe aber nicht nur Liebesroman-Erotik, ich schreibe auch Geschichten, in denen ich die Leser mit der Art, wie die Erotik zu Stande kommt, mit der Art der Location überraschen.

sfbasar:
Erotik, das ist ein Thema was Männer und Frauen sicherlich mit ganz anderen Augen betrachten. Wie würdest du persönlich da deine Bücher „Seidene Küsse“, „Samtene Nächte“ und „Purpurne Lust“ einordnen. Sind sie mehr für den Mann oder mehr für die Frau bestimmt?

Aveleen Avide: Schwierige Frage. „Seidene Küsse“ kam bei Heyne raus und dort waren die Erotikszenen sehr kurz. Ich war deshalb mehr als überrascht, wie viele Männer trotzdem dieses Buch gelesen haben. Zuschriften für all meine Bücher bekomme ich mehr von Männern als von Frauen. Da ich ja selbst keine Auswertung der Verkäufe nach Gebieten und falls es das gibt, nach Geschlecht bekomme, deshalb ist es sicher nur ein subjektives Empfinden meinerseits. Da ich mich sehr mit dem Thema Erotik auseinandergesetzt habe, würde ich sagen, dass sowohl Geschichten für Männer als auch für Frauen in meinen Büchern zu finden sind und das versuche ich erst einmal weiterhin so zu halten. So sind zwei Frauen der Traum vieler Männer – natürlich nicht aller, aber es ist eine geliebte Männerphantasie. Was mir oft von Männern gesagt wird: „Es ist so spannend, dass man in deinen Büchern erfährt, wie Frauen das sehen und was Frauen wollen.“ Selbst in Men‘s Health im Onlineartikel „Was Frauen sich wirklich wünschen“, wurde mein Band mit erotischen Kurzgeschichten „Samtene Nächte“ als Tipp genannt. Also sind meine Bücher, aus den verschiedensten Gründen definitiv auch Bücher für Männer.

sfbasar: Viele Menschen denken ja, dass Autoren von ihren Büchern leben können. Oft ist das aber nicht der Fall. Gehst du noch anderen Tätigkeiten nach und willst deinen Lesern darüber etwas verraten?

Aveleen Avide: Ich werde zwar nicht verraten, wo ich arbeite, aber was ich arbeite, das muss ich nicht geheim halten. (lächelt). Ich habe noch fünf Tage die Woche einen 20-25-Stunden-Job auf selbständiger Basis im Büro und dann noch pro Woche einmal einen 4-Stunden-Job, ebenfalls auf selbständiger Basis und auch im Büro. Meist fange ich bei meinem ca. 20-Stunden-Job um acht Uhr an, aber ich kann auch erst am Nachmittag arbeiten, um zehn Uhr anfangen, ganz, wie es mir beliebt, ausgenommen, ich habe dort geschäftliche Termine wahrzunehmen. Das hat natürlich für mich als Autorin viele Vorteile. Vor allem, wenn ich einen zusätzlichen Job suche, dann kann ich diesen arbeitszeitmäßig annehmen, egal, wie es zeitlich gewünscht wird. Da habe ich sehr großes Glück. Ab und an bekomme ich noch Aufträge, die mit meinen Internetaktivitäten zu tun haben. Leider kann ich noch nicht vom Schreiben leben. Ich bin aber schon sehr glücklich, dass ich tolle Kunden in meinem Bürojob habe und dass diese Arbeiten sehr abwechslungsreich sind.

sfbasar: Wie stelle ich mir überhaupt einen Tag im Leben der Autorin Aveleen Avide vor?

Aveleen Avide: Ich bin eine Phasenschreiberin. Das heißt, ich schreibe nicht kontinuierlich das ganze Jahr durch. Allerdings schreibe ich kontinuierlich, sobald ich ein Buch zu schreiben begonnen habe. Ich brauche immer ein paar Wochen, in denen ich regelmäßig Zeit zu schreiben habe, danach kann ich auch mal hier eine Stunde und da eine Stunde am Tag schreiben. Ich muss morgens geschrieben haben, damit ich abends wieder schreibe. Oder aber ich muss an einer erotischen Stelle sein, dann kann ich sogar abends schreiben, auch wenn ich morgens nichts geschrieben habe. Denn ich liebe die erotischen Sexszenen. Hört sich das jetzt kompliziert an? (Augenzwinkern).
Derzeit schreibe ich an einem Buch, also schreibe ich kontinuierlich. Ich habe auch eine schöne Anfangsphase, denn innerhalb von sechs Wochen, fährt mein 4-Stunden-Nachmittags-Job fünf Wochen in den Urlaub und ich arbeite in dieser Zeit dort nachmittags nicht. Diese Zeit nutze ich, um mich einzuschreiben und mich zu disziplinieren. Ich kann auch sehr oft nicht gut durchschlafen, bin dann schon um ca. vier Uhr dreißig auf, dann schreibe ich bis ca. sieben/sieben Uhr dreißig, danach gehe ich in die Arbeit. Da ich nachmittags um ein/zwei Uhr einen langen Arbeitstag hinter mir habe, mache ich eine lange Pause bis ca. siebzehn Uhr dreißig und dann schreibe ich weiter oder ich bereite Interviews vor, beantworte überfällige E-Mails, Schreibe Texte für meine Webseite oder meinen Blog usw. Wenn ich an einem Buch schreibe, so wie jetzt, gehe ich höchstens zwei Mal die Woche aus.
Auch wenn mir schreiben Spaß macht, so ist es bei mir doch mit sehr viel Disziplin verbunden. Da ich eine Leseratte bin, viele Ideen für meinen Blog und meine Homepage habe, auch gerne fern sehe und gerne ausgehe, brauche ich wirklich Disziplin, denn ich muss, wenn ich an einem Buch schreibe, drastisch all meine anderen Aktivitäten reduzieren, die ich auch sehr gerne mache. Aber um des Schreibens Willen halt dann sein lasse oder eben auf ein äußerstes Minimum reduziere. Ich habe keine Zeit zu schreiben gibt es also bei mir nicht. Aber für Sport bleibt keine Zeit und darauf zu verzichten fällt mir nun gar nicht schwer.

sfbasar: Die Ideen für deine erotischen Kurzgeschichten nimmst du sicherlich irgendwoher. Was inspiriert dich dabei? Sind es eigene Erfahrungen? Eigene Wünsche? Bestimmt Orte, die du toll findest?

Aveleen Avide: Ich würde nur zu gerne sagen, es sind die Charaktere, es sind die Protagonisten, mir drängt sich eine Geschichte förmlich auf, aber so ist es nicht. Mich inspirieren tatsächlich Orte. Ich habe einen fantastischen Ort gesehen und das bringt mein Kopfkino zum Laufen, sehr langsam, aber eben zum Laufen. In ganz seltenen Fällen, passiert jemanden etwas und ich denke, wow!, geile Idee. Also nicht dass du jetzt denkst, ich meine erotische Momente. Da ist meist nichts dabei, was ich mir nicht schon selbst ausgedacht oder was es so nicht schon gegeben hätte.
Beispiel für eine Idee zu einer meiner Geschichten: In dem Haus, in dem ich wohne, lebt eine Freundin von mir und zwei ehemalige Kolleginnen. Zufällig, wie ich auch noch betonen möchte. Kollegin – ich nenne sie mal A und B – haben normalerweise gegenseitig den Schlüssel. Da aber einige Wochen vorher Kollegin B im Urlaub war, hat mir Kollegin A ihren Schlüssel gegeben. Kollegin B hat einen Mitbewohner und der hatte seine Freundin zu Besuch, brach aber ganz in der Frühe nach Hamburg auf und hat, so wie er es gewohnt war, genau, die Wohnung abgeschlossen, nachdem seine Mitbewohnerin schon in die Berge unterwegs war. Kollegin A und B fuhren an diesem morgen gemeinsam in die Berge. Ups! Die Freundin des Mitbewohners war eingesperrt in der Wohnung B und vor dem Abend wäre niemand an diesem Werktag zurück gekommen. Ich bekam einen Anruf von meinen ehemaligen Kolleginnen. Ob ich wohl mit meinem Schlüssel Wohnung A aufschließen, dort den Schlüssel für Wohnung B holen und die Dame in die Freiheit entlassen könnte.
Eingeschlossen! Das hat bei mir Klick gemacht. Ausschließen, das hört man ja sehr oft (ist mir in 20 Jahren auch erst 3 Mal passiert), aber einschließen! Das fand ich klasse! Mir war sofort klar, das wird eine Geschichte. Ich musste also „nur“ überlegen, wie bekomme ich einen Mann und eine Frau in die gleiche Wohnung und warum werden sie eingeschlossen? Diese Geschichte gibt es nun in „Samtene Nächte“.

sfbasar: Kannst du dir vorstellen etwas in einem ganz anderen Genre zu schreiben und in welche Richtung würde das eventuell gehen?

Aveleen Avide: Aber ja, klar kann ich mir das vorstellen. Am liebsten würde ich einen Serienmörderkrimi schreiben oder einen Liebesroman. Allerdings muss ich dazu zusätzliche Zeit freischaufeln und das habe ich noch nicht geschafft. Deshalb bleibe ich erst einmal bei erotischen Kurzgeschichten. Die mir, wie ich zugeben muss, auch riesigen Spaß machen.

sfbasar: Wie sieht es denn bei dir selbst so mit Erotik und mehr aus? Ist dir der Märchenprinz schon über den Weg gelaufen?

Aveleen Avide: Ah, du meinst den tollen, gut aussehenden Mann, der auf einem weißen Schimmel angeritten kommt? Bisher ist noch keiner an mir vorbeigeritten. Wohl auch etwas schwierig in München. Ich habe mir aber auch sagen lassen, dass ein Märchenprinz nicht so leicht herfindet. Vielleicht braucht es dazu einen besonderen Navi?  Oder eine eigene App?
Aus eigener Erfahrung weiß ich, die Märchenprinzen in meinem Alter haben schon ihre Prinzessin gefunden oder sich gerade getrennt und wollen sich deshalb erst einmal „die Hörner abstoßen“, oder sollte ich sagen, ein paar Runden durch den Park reiten? Das stört mich aber auch nicht. Ich meine, dass es in meinem Leben keinen Märchenprinzen gibt. Wobei mir ein Mann aus Fleisch und Blut sowieso lieber wäre. Egal ob mit oder ohne Pferd. Mein Leben ist dermaßen ausgefüllt, dass ich derzeit keinen Märchenprinzen vermisse. Erotik – ich genieße und schweige.

sfbasar: Es wäre schön, wenn du vielleicht selbst eine Frage hättest, die du schon immer gerne jemandem beantworten wolltest, die dir aber noch nie jemand gestellt hat. Dann übernehme das doch an dieser Stelle selbst und gib dir sofort die Antwort auf die Frage.

Aveleen Avide: Da gibt es tatsächlich eine Frage. Die Frage könnte in etwa lauten: Kann man in deinen Büchern auch etwas lernen? Wie schon gesagt, in Men‘s Health wurde mein Buch als Tipp genannt für „Was Frauen sich wirklich wünschen.“ Aber das ist nicht alles. Ich sehe mir alle Sendungen an über Zwischenmenschliches, neue Erkenntnisse über alles was mit Sex zu tun hat und mit der Psyche zur Sexualität. Ich finde dies ist ein unglaublich spannendes Feld, gerade für mich als Erotikautorin. Nicht, dass ich die Protagonistinnen jetzt etwas erklären lassen würde. Manchmal kommt es vor, dass eine Protagonistin plötzlich und unerwartet eine Äußerung macht und ich dann denke, oh, dazu habe ich doch etwas gesehen, gelesen oder gehört, dann kann ich es mit in ihren Charakter einfließen lassen, ohne, dass es erklärend wirkt.
Wobei der „Lernfaktor“ natürlich nur ein Zusatznutzen ist. In erster Linie will ich, dass Männern und Frauen mächtig heiß wird, wenn sie meine erotischen Bücher lesen. Sie sind auch geeignet, sie zu Zweit zu lesen, habe ich mir schon des Öfteren sagen lassen. Sie fördern also das Zwischenmenschliche.

sfbasar: Was sind für dich die erotischsten Orte auf der Welt und wo verbringst du selbst deinen Urlaub am allerliebsten?

Aveleen Avide: Ich muss gestehen, nach den erotischsten Orten der Welt habe ich noch gar nicht gesucht. Gute Idee! Aber gibt es das? Ich meine jetzt außerhalb von Swingerclubs und entsprechenden Foren? Ich selbst liebe die Wärme und da es in München an meinen freien Tagen meist kalt ist oder regnet oder beides, auch deshalb sehne ich mich nach Wärme.
Dies ist das erste Kriterium nach dem ich mir den Urlaubsort aussuche. Außerdem fahre ich gerne weiter weg, da ich mir denke, im Alter kann ich dann in der Nähe Urlaub machen. Ich liebe Städtereisen, die vielleicht auch noch am Meer liegen. Ich liebe Sonne, das Meer, gutes Essen, Seitengässchen, in die keine Touristen vordringen, Lokale, in denen einheimisches Essen serviert wird, Bars, in die auch Einheimische gehen. Für mich waren meine bisher nachhaltigsten Urlaube New York (2000, da gab es das World Trade Center noch), Florida (von Orlando – schrecklich – bis runter zu den Keys, traumhaft), Barcelona und Santorini. Wahrscheinlich, weil ich dort so unglaublich tolle Dinge erlebt und auch gesehen habe. Die Locations in Florida in meinem Buch „Purpurne Lust“ habe ich fast alle selbst gesehen, allerdings diese Abenteuer habe ich nicht erlebt, die sind meiner Phantasie entsprungen.

sfbasar: Ach und da fällt mir noch etwas ein. Aveleen Avide, das hört sich schon so schön erotisch an. Wie kommt man auf einen solchen Namen?

Aveleen Avide: Ich liebe diesen Namen, schon vom ersten Moment an. Ich habe zwei Wochen recherchiert, welcher Name zu mir und zu meinen Büchern passen könnte und das Wichtigste: Ich wollte mich damit identifizieren können, hatte aber noch viele andere Ansprüche an den Namen, den ich wählen wollte. Diesen Namen habe ich gefunden. Es freut mich, dass ich die richtige Wahl getroffen habe und dass Aveleen Avide als erotischer Name wahrgenommen wird.

sfbasar: Zum Abschluss möchte ich dich bitten, die folgenden Satzanfänge zu ergänzen:

Buchstaben sind … der Beginn für Sätze.
Worte sind … der Beginn für Geschichten.
Bücher sind … zum Träumen, zum Lieben, zum Abenteuer erleben, zum Reisen in ferne Galaxien, sie sind der Stoff aus dem die Träume sind. Und was gibt es Schöneres und Befriedigenderes für einen Autor, als wenn er unter sein Buch „Ende“ tippen kann oder wenn die Leser auf ihn zu kommen und sagen: „Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen“…

Aveleen Avide: Liebe Iris, vielen Dank für die Fragen. Es hat mir Spaß gemacht, sie zu beantworten.

sfbasar: Liebe Aveleen, auch ich danke für die Möglichkeit dich interviewen zu dürfen und deine umfangreichen und tollen Antworten

Copyright © 2012 by Aveleen Avide und Iris Gasper

Zur Rezension von Purpurne Lust

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Weitere Bücher der Autorin:

Seidene Küsse
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Samtene Nächte
Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Weitere Infos über die Autorin:
www.aveleen-avide.com
www.aveleen-avide.blog.de

Preisrätsel 1  Exemplar von Purpurne Lust: Wer  dieses Exemplare zusammen mit einer handsignierten Autorenkarte erhalten möchte einfach folgende Frage richtig beantworten und einsenden an sfbgewinne@buchrezicenter.de (im Betreff bitte den Gewinntitel angeben!): Welche Farbe kommt in einem Romantitel der Autorin vor? (Die Antwort ist im Interview zu finden!) Sobald 100 Mails eingetroffen sind, werden daraus  die Gewinner mit der richtigen Lösung gezogen, wie immer ist der Rechtsweg ausgeschlossen!

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Bücher, Interviews, laufende Preisrätsel, sfb-Interviews | 7 Kommentare »

SFBASAR.DE-ANTHOLOGIE (mit Themenschwerpunkt): “Evolution. – Menschheitsgeschichten”

Erstellt von Felis Breitendorf am Montag 23. Januar 2012

“Evolution. – Menschheitsgeschichten”

sfbasar.de-Anthologie Band 7

mit Beiträgen der Community-Autoren

des Literatur-Blogs “sfbasar.de”

Editorial: Liebe Freunde, liebe Besucher und liebe Leser: Heute gibt es wieder einen neuen Beitrag in unserer Anthologie, die nach und nach mit immer weiteren Beiträgen und Kurzgeschichten unserer Autoren gefüllt werden soll, die den Themenschwerpunkt “Evolution. – Menschheitsgeschichten” beinhalten. Dabei geht es nicht so sehr darum in eine bestimmte Kerbe zu hauen, sondern es geht um Viefalt, darum, was uns diese Themen alles bieten können. “Evolution. – Menschheitsgeschichten” meint Geschichten/Beiträge, die unser Leben als gesamte Menschheit betreffen oder die Entwicklung von einzelnen Menschen, durch die sie verändert, weiterentwickelt oder auch in die Irre gelenkt wurden. Gemeint ist die Entwicklung unserer Art aber nicht nur in technischer oder biologischer Hinsicht, sondern auch in gesellschaftlicher oder politischer Weise ..

Menschheitsgeschichten sind aber auch banale Geschehnisse, die einen Einfluß auf unsere Lebensart und Lebensform beinhalten. Dazu gehören Veränderungen, die in schneller sowie in ganz langsamer Form das Menschsein verändern oder verändert haben. Viele Ideen lassen sich hier verwirklichen, vieles passt dann auch sicherlich in diese Anthologie, von dem man erstmal nicht ausgehen dürfte. Diese Anthologie soll jedenfalls offenstehen für Beiträge, Geschichte, Artikel, Leseproben und auch anderen Formen der Literatur. Dabei sehe ich die Grenzen eher fliessend zu anderen Themen. Ich werde also sehr großzügig mit der Beurteilung sein, ob eine Story hier hineinpasst oder vielleicht doch nicht so ganz. Habt Mut und bietet mir Eure Geschichten an, von denen Ihr meint, dass sie das Menschsein betreffen und/oder dass Aspekte der Evolution angesprochen werden, die uns Menschen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ausmachen oder ausmachen werden. Aber genug der Worte. Lassen wir jetzt die Beiträge zum Themenkreis: “Evolution. – Menschheitsgeschichten” sprechen; der neueste Beitrag ist übrigens wieder rot gekennzeichnet:

AUFERSTANDEN (Leseprobe zu:) DER FÜRST DER SKORPIONE – Science Fiction-Roman von Marcus Hammerschmitt

DAS GOLDENE LICHT DES EWIGEN LEBENS – Science-Fiction-Story von Werner Karl

DAS SPÄTE ERBE DER ROTEN KHMER – ein Science Fiction-Szenarium von Felis Breitendorf

DER SCHÖPFUNGSMYTHOS DER BIDJOGOS – eine mündliche Überlieferung, interpretiert und wiedergegeben von Detlef Hedderich

DER SCHÖPFUNGSMYTHOS DER TUPARI – eine mündliche Überlieferung, interpretiert und wiedergegeben von Detlef Hedderich

DIE BLASE – eine Fantasy-Kurzgeschichte von Cameo Flush

DIE LOKOMOTIVE (Leseprobe:) Auftrag – Eine Erzählung von Marcus Hammerschmitt

HERRSCHAFT DER ALTEN – Zukunftsroman von Alfred Bekker (Leseprobe)

MAGIE – Leseprobe von Susan Ott

NEU – NEWROPA – Science Fiction Roman von Michael Pick (Leseprobe)

ZURÜCK AUF ANFANG – Science-Fiction-Story von Werner Karl

Liebe Community-Autoren: Weitere Beiträge sind erwünscht und sollen diese Anthologie ergänzen. Wir planen bei genügend Beiträgen, diese Anthologie hier auch als PDF-File zusammen mit einem Spendenbutton (für kleine Beträge zum jeweiligen Storywettbewerb) anzubieten. Ausserdem planen wir davon ein ebook und am Ende vielleicht sogar eine Printausgabe erscheinen zu lassen! Es liegt ganz an euch und eurer Teilnahme an den Anthologien! Wer also teilhaben möchte, der schreibt eine Geschichte oder einen Sachbeitrag zum Thema und stellt ihn bei uns als Artikel oder Story ein. Bei einer Story kann diese auch an den Storywettbewerben teilnehmen, muss das aber nicht zwingend! Wir hoffen auf eure Hilfe!

Liebe Besucher, Leser und Unterstützer unseres Literaturblogs, wenn Ihr unseren Autoren ein wenig Unterstützung bieten möchtet, so gibt es jetzt die Möglichkeit eine kleine Spende über den unten stehenden Button per Paypal in die Kasse einzuzahlen, aus der dann die Preisgelder für die Gewinner des nächsten Storywettbewerbs mitfinanziert werden:

Herzlichen Dank auch im Namen aller unserer Autoren!

Das sfbasar.de-Team
i.A. Felis Breitendorf

Bildrechte: Coverillustration “Evolution. – Menschheitsgeschichten” (Evolution2.jpg) © 2012 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Bücher, Diskussionen, Esoterik, Fantasy, Horror, Jugend, Leseprobe, Phantastik, Science Fiction, sfb-Anthologien | 12 Kommentare »

NEWROPA – Science Fiction Roman von Michael Pick (Leseprobe)

Erstellt von Michael Pick am Montag 23. Januar 2012

NEWROPA

Science Fiction Roman

von

Michael Pick

(Leseprobe)

Auf Sirius` persönlicher Landkarte war Taranjuk ein blinder Fleck. Es wäre klug gewesen, Meyer intensiver nach dem Auftrag und der Stadt zu befragen, doch der Leiter des Geheimdienstes war in den Tagen vor Sirius Abreise merkwürdig zurückhaltend. Gut sollte Sirius der Aufenthalt unter Menschen tun. Alles, was Meyer zum Reiseziel über die Lippen kam, war, dass Taranjuk im Sommer einer altmodischen zinnernen Badewanne glich. Mit dieser Aussage war wenig anzufangen. Vielleicht war gemeint, dass die Menschen aus allen Richtungen in die weitläufige Senke unter der Lena strömten. Allerdings dürfte die alte Königin Sibiriens heute nicht mehr als ein Rinnsal sein.

Sehr wahrscheinlich, vermutete Sirius, war der Metroknotenpunkt Taranjuk zu keiner Zeit erfrischender als irgendein anderer Ort im Untergrund. Meyer aber tat, als wäre es ein Heiligtum, ein Erlösungsort. Wohlmöglich lag es daran, dass die Stadt früher, vor der Sonnenexploration, ein Weltraumbahnhof gewesen war. Einen knappen Kilometer nördlich der Stadt waren vor mehr als einhundert Jahren die Sojus-Raketen der Russischen Förderation ins All gestartet. Ein Ort, an dem die Sehnsucht schon immer zu Hause gewesen war. Meyer hatte Sirius wissen lassen, dass man ihn dort erwartete.

Als Sirius seinen Fuß auf den Bahnsteig setzte, jaulten die Klimaanlagen wie Sirenen bei einem Bombenangriff. Die Luft flimmerte. Über die Senke zwischen seinen Schulterblättern floss der Schweiß wie früher die Lena nach der Eisschmelze. An seinem Poloshirt, unter der pastellfarbenen Jacke mit Schulterpolstern, gab es jedenfalls keine trockene Faser mehr.

Mit einem wimmernden Ton verabschiedete sich die Metro, mit der Sirius gekommen war. Eine Wolke glühendheißer Luft zog ihr wie ein Schweif hinterher. Schweißtropfen sprangen von Sirius` braunen Haaren, krauchten über die vernarbte Haut, bis sie sich in den kurzen Stoppeln an Wange und Kinn auflösten.

Im schwachen Dämmerlicht lagen zwei Bahnsteige vor ihm. Ein weißes Schild mit einem großen, kohleschwarzen A hing zwischen einem Getränke- und einem Süssigkeitenautomat. Ein Bahnhof wie es ihn in tausend anderen Untergrundstationen gab, und dennoch war hier etwas sonderbar. Es dauerte einen Wimpernschlag, bis Sirius begriff, dass sich außer ihm nur zwei Personen im Gebäude befanden.

Im schalen Licht der Bahnhofslaternen erwartete ihn ein Pärchen. Den Mann erkannte Sirius sofort. Sein Name war Stanislaw Fedorow. Zuletzt hatte Sirius ihn, vor einem Jahr gesehen. Fedorow als Leibwächter von Präsident Salusconi; und Sirius der Pilot der EUROPE, der Metro des Staatsoberhauptes. Sirius hatte einen Unfall verursachen müssen, bei dem der Präsident um ein Haar tödlich verunglückt wäre. Die Angelegenheit hatte einen Riesenwirbel verursacht. Fedorow verlor wegen der Sache seinen Job. Aber Sirius Verlust war größer gewesen. Irgendwie verlor man andauernd etwas.

Fedorow stand wie ein Stier auf dem Bahnsteig, breitbeinig, den feisten Nacken bis unter die Ohren geschoben. Sein Gehabe wirkte umso lächerlicher, als der Mann gerade so groß wie ein durchschnittlicher Elfjähriger war. An einem Typ wie Fedorow biss sich die Zeit die Zähne aus. Das kantige Gesicht mit dem spitzen Kinn wie frisch aus einer Brotbackform gepresst. Wenn er lachte, entblößte er schiefe, gelbe Zähne. Der schwarze Rollkragenpullover dämmte mühsam die Muskelberge und jeden Augenblick war zu befürchten, dass die Nähte platzten. Sport war eine von vielen Aktivitäten, die Sirius gleichgültig ließen.

Fedorows Begleiterin lehnte an einem Stützpfeiler. Die blonden Haare schimmerten im fahlen Licht. Sie hatte es kurzgeschnitten, aber nicht militärisch. Der angedeutete Mittelscheitel glich einem zugewachsenen Dschungelpfad. Zwei, drei Strähnen fielen über die glatte Stirn bis zu den hellblauen Augen, deren Blick missmutig auf Sirius lag. Sie trug Jeans und ein frostblaues T-Shirt.

„Savic“, Fedorow spuckte den Namen auf die grauen Betonplatten.

Sirius hievte die Reisetasche über die Schulter, „Fedorow. Welche Überraschung.“

„Nicht für mich“, Fedorows Oberlippe bleckte wie ein Schäferhund, der seinem Gegner zur Begrüßung die Schneidezähne zeigte, „ich wusste, dass wir uns wegen der Sache mit Salusconi wiedersehen. Da ist einiges offen geblieben. Es war ein verdammt guter Job beim Präsidenten.“

Die Blonde räusperte sich. Fedorow schürzte die Lippen und glotzte wie eine Scholle. Er stellte die Frau als Elena Hammarby vor.

„Ich habe alles über Sie gehört“, sagte sie mit der Betonung auf ALLES. Dann streckte sie Sirius demonstrativ nicht die Hand hin.

„Tatsächlich? Ich hoffe, nicht nur Fedorow hat von mir erzählt.“

„Seien Sie froh, dass er es getan hat. Seine Beiträge waren noch am schmeichelhaftesten. Wo haben Sie Ihre Klamotten her? Frisch von einer Zeitreise? Oder halt“, sie zupfte an den Schulterpolstern von Sirius Jacke, „das Zeug war hoffentlich nie modern.“

Fedorow grunzte. Er wirkte sehr zufrieden.

„Wir sollten jetzt gehen. Der General wartet nicht gerne.“

Das Bahnhofsgebäude gähnte öde. Am Ausgang lungerten zwei Sicherheitsbeamte, der kleine runde Platz und der Tunnel davor waren leergefegt, als hätte alles Lebende diesen Ort verlassen. Sirius fragte sich, wo sich die Menschenmassen versteckt hielten, die angeblich Taranjuk zu dieser Jahreszeit überrennen sollten. Oder war es nur die falsche Tageszeit?

Vor der Metrostation parkte ein ETSIEBEN, ein Elektrotransporter der mittleren Kategorie, viersitzig, kastenförmig. Als Fedorow ihn startete, surrte der Motor wie eine Katze und die kleinen breiten, schwarzen Reifen zitterten. Sirius verstaute seine Tasche im Frachtraum. Er setzte sich zu Hammarby auf die lederbezogene Rückbank. Die Frau duftete nach Erdnüssen, die Flanken der klobigen Nase bebten, als scheuten sie vor seinem Geruch.

„Wissen Sie“, sagte Sirius, „mein Abteilungsleiter ist ein merkwürdiger Mensch. Manchmal redet er tagelang nicht oder verschweigt das Wichtigste. Von Ihnen zum Beispiel hat er mir nicht erzählt. Im Vergleich dazu, faselte er von einer bedeutenden Mission in Taranjuk. Lebenswichtig. Fast hätte er mich neugierig gemacht.“

Sirius erinnerte sich lebhaft an die zuckenden Finger von Meyer, als dieser von dem Auftrag berichtet hatte. Abteilungsleiter Meyer war ein Kerl von einhundertzwanzig Kilogramm und zeigte für gewöhnlich das Gemüt einer dösenden Riesenschildkröte.

„Er wird seine Gründe gehabt haben“, Hammarby zog einen Bleistift aus ihrer Hosentasche und kaute darauf herum.

„Sicherlich.“

„Es ist Colonel Fraziers Aufgabe, es ihm zu sagen“, mischte sich Fedorow ein, während er den Transporter aus dem Haupttunnel in eine Seitengasse steuerte. Dieser Tunnel war kaum breiter als der ETSIEBEN und dürftig beleuchtet. Seitdem die Menschheit wegen der gestiegenen Sonnentemperatur unter die Erdoberfläche flüchten musste, war Licht eines der größten Probleme.

„Ihm WAS zu sagen?“, aber die ohnehin dünne Unterhaltung war eingeschlafen und das Surren des Transporters bedeutete das einzige Geräusch, das die Stille begleitete. Die Scheinwerfer des Wagens bestrahlten die Wände mit einem diffusen Licht.

Nach einhundert Metern wurde der Transporter langsamer, ohne dass Sirius einen Grund dafür ausmachen konnte. Zwischen handbreiten weißen Linien, die ein Quadrat auf den Boden zeichneten, blieb der Wagen stehen und Fedorow wandte sich Sirius zu.

„Anschnallen und festhalten.“

Sirius kniff die Augen zusammen und stutzte über Fedorows sonderbares Ansinnen. Er bemerkte, dass Hammarby tatsächlich einen Gurt über ihren Oberkörper streifte. Die Angelegenheit klärte sich, als über ihnen eine Deckenplatte verschoben wurde und der Transporter samt der Platte, auf der er stand, empor stieß, als wäre er ein Helikopter oder wenigstens ein Fahrstuhl. Sirius, der mit einer solchen Boshaftigkeit nicht gerechnet hatte, kugelte über die Rückbank, bis er mit dem Kopf in Hammarbys Schoß landete.

„Haben Sie noch alle Blätter am Baum?“, Sirius spürte kleine, harte Fäuste in seinen Seiten.

Soweit er begreifen konnte, befanden sie sich in einem engen Schacht, der steil nach oben führte. Es war stockdunkel, was besonders unangenehm war, denn so konnte er Hammarbys Fäuste nicht sehen, die pausenlos auf ihn eintrommelten.

Fedorow knipste die Innenbeleuchtung des ETSIEBEN an. Als er Sirius auf Hammarby liegen sah, lachte er auf. Hammarby schnaufte und versuchte Sirius an seinem Kopf fortzustoßen, was dazu führte, dass sich die Verwicklungen verkomplizierten. Endlich gelang es Sirius, sich zu befreien.

„Machen Sie so was nicht noch einmal“, grunzte Hammarby und blitzte Sirius gewittrig an.

„Gewiss“, sagte Sirius und setzte sich gerade hin.

Die Elevation des ETSIEBEN fand ein Ende. Unvermutet strahlte Licht von Deckenlampen und über Wandreflektoren in den Transporter. Sie befanden sich in einer Halle mit hoher Decke. Fünfzehn Meter oder mehr, schätzte Sirius. Die Höhe wirkte, als befände sich ein Himmel über ihren Köpfen.

Fedorow steuerte zwischen Bergen von Paketen hindurch, die sich links und rechts von ihnen bis unter die Decke türmten, als hätte er nie etwas anderes getan. Bei der Halle könnte es sich genauso gut um das Lager eines Exportunternehmens handeln, dachte Sirius.

„Willkommen in der Dockstation“, rief Fedorow nach der ersten Linkskurve.

„Dockstation von was?“

„Er hat wirklich keine Ahnung“, sagte Fedorow, „das kann ja noch lustig werden. Ein Pilot, der die Richtung nicht kennt.“

Ich könnte immer noch umkehren und zurückfahren, dachte Sirius. Graubraune Pakete in unterschiedlichen Größen, wo auch immer er hinsah. Hammarby schwieg wie ein Stein. Hinter einer Pappwand schälte sich ein Container heraus, vor dem der Transporter zum Stehen kam.

„Wir sind da“, erklärte Fedorow.

Hammarby sprang aus dem Transporter und hämmerte gegen die Stahltür. Der Container war aus Blechplatten zusammengeschweißt und nachlässig weiß gespritzt, als wäre er sich seiner provisorischen Funktion bewusst. Auf der Tür klebte ein kleinkariertes Papier mit der Aufschrift: Colonel Connor Frazier. Ein schnittiges „Herein!“ donnerte durch das Metall.

Hinter der Tür war es schummrig, sodass Sirius nur grau und hell unterscheiden vermochte. Rechts von ihnen sprang schattenhaft ein Schreibtisch aus dem Dunst. Fedorow, in strammer Haltung, erstattete augenblicklich Bericht und gab Sirius Gelegenheit, den Offizier hinter dem Schreibtisch näher zu betrachten. Er schätzte ihn auf Mitte Vierzig, dem Ende der Dekade näher als dem Anfang. Sein Gesicht sah aus wie die gezeichnete Karte eines Schlachtfeldes. Aus dunkler Haut blitzten braune Augen wie zwei Artilleriebattalione. Tiefe Gräben durchzogen die Stirn und verliehen dem Antlitz den erforderlichen strengen Anstrich. Weiter unten lagen Lippen wie wulstige Infanterieregimenter in Reserve, dunkelrot gewandet, überschattet von einer knorpeligen, weitläufigen Nase als Reiterei. Hautkrater, wie sie Sirius aus den Lehrbüchern über Pockennarben kannte, puderten das schwarze Gesicht. Ein Schlachtfeld gespickt mit Einschüssen.

Stanislaw Fedorow beendete seinen Bericht, indem er auf Sirius zeigte. Der Colonel wirkte unzufrieden, aber das mochte ein Dauerzustand sein.

„Ich kann Sie nicht leiden, Savic. Ihr Ruf ist miserabel. Ich hätte Sie wegen der Sache mit Präsident Salusconi eher umgebracht, als Sie mit auf diese Mission zu nehmen, aber Sie sind mir von oberster Stelle aufgezwungen worden“, die klare Stimme erhob sich laut in dem Raum, als spräche er zu hundert statt zu drei Personen. Die braunen Augen blickten Sirius trocken an. „Ich sage es, damit wir klar sind.“

„Sonnenklar. Besser als ein verlogenes Willkommen“, konstatierte Sirius. Er kannte diese Reaktion zu Genüge. Der Unfall, den er mit der EUROPE verursachen musste, ging damals durch alle Medien. Selbstverständlich die offizielle Version, die mit der Wirklichkeit soviel gemein hatte wie Sirius mit einem blondierten Strahlemann.

„Um was für eine Mission handelt es sich?“

Der Colonel blickte Sirius mit einem seltsam gespannten Ausdruck an, als wäre er zufrieden, einen Wissensvorsprung zu haben.

„Damit wir uns von Anfang an verstehen, Sie unterstehen meiner direkten …“

Ein Schrei unterbrach den Colonel. Ein zweiter folgte. Direkt vor dem Container. Etwas oder jemand schlug gegen die Tür. Der Colonel sprang auf und warf Fedorow einen besorgten Blick zu. Hammarby dagegen schienen die Geräusche nicht zu beunruhigen, sie lehnte an der Containerwand, als wäre sie kurz davor, sich zu Tode zu langweilen.

Die Tür wurde aufgestoßen und eine kleine, schwarzhaarige Frau stürmte in das Büro. Mit dunkelbraunen Hotpans und einem Trägerhemd, das sich eng um ihren knabenhaft schlanken Körper schmiegte, sah sie aus, als käme sie direkt von einer Tanzvorstellung. Schulterlange Haare fielen in leichten Wellen bis über die Scapula. Sie blickte kurz um sich, blieb eine Zehntelsekunde länger an Sirius hängen, richtete den Oberkörper auf und verschränkte die Arme vor der Brust. Sirius prüfte aus Gewohnheit, empfand aber keinerlei körperliche Erregung bei ihrem Anblick. Er fühlte sich wie ein Eunuch, auf jeden Fall furchtbar alt.

„Sie müssen diesen Idioten von mir fernhalten“, rief das Mädchen Colonel Frazier zu.

Die Sprecherin rückte den Stuhl, der an der gegenüberliegenden Seite von Fraziers Schreibtisch stand, drehte ihn mit der Sitzfläche zur Tür und setzte sich. Obgleich sie allem Anschein nach auf der Flucht war, wirkte sie jetzt ruhiger als Fedorow, dessen Gesicht, seit die Frau den Container betreten hatte, von tiefer Röte überzogen war.

„Was soll das Theater, Dominic?“, der Colonel schien nicht überrascht, mehr verärgert, vielleicht angesichts Sirius` Anwesenheit.

„Sie können machen, was Sie wollen. Ich werde mich von diesem Idioten nicht bespringen lassen. Mission hin oder her. Der ist so vollkommen schwanzgesteuert, dass in seinem Kopf ein zweites Spermalager eingerichtet sein muss.“

„Warum auch nicht“, rief ein junger Mann, der in der Zwischenzeit unbemerkt den Container betreten hatte. Gebaut wie ein Boxer, wie er Sirius unter T-Shirt und Jeans schien. „Praktisch wär`s allemal.“

Sein Mund reichte von einem Ohr zu anderen. Bewunderns-, fast schon beneidenswert, registrierte Sirius den dichten, blonden Haarwuchs des Neuankömmlings. Die Augen schimmerten im leichten Blau, marmorne Haut; die ganze Erscheinung gereichte einem griechischen Gott oder wenigstens einem schwedischen Hochspringer zur Ehre.

„Befehl ist Befehl, Dominic. Ich würde Ihnen vielleicht recht geben, wenn es nur Sie und Cedric betreffen würde. Aber so ist es nicht. Sie wissen das; Sie sind ein kluges Mädchen.“

Die Frau auf dem Stuhl, die der Colonel mit Dominic angesprochen hatte, verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln.

„Ernsthaft, Colonel. Stellen Sie sich ein halbes Dutzend Kinder von Cedrics Intelligenz, äh, besser von Cedrics Nichtintelligenz, vor. Wenn das die Zukunft der Menschheit werden soll, dann wäre es besser, wir sterben aus. Schleunigst.“

Der Blonde, dessen Name Sirius mit Cedric vermutete, grinste verlegen oder betroffen oder beides.

„Sie vergessen“, der Colonel erhob sich, „dass diese Kinder zur Hälfte von Ihnen wären. Und jetzt möchte ich sie beide bitten, das letzte Mitglied unserer Crew zu begrüßen: Sirius Savic. Er ist Pilot und wird Elena Hammarby unterstützen.“

„Das wüsste ich aber“, grummelte Hammarby laut genug, dass alle im Raum es hören konnten.

„Willkommen“, rief Cedric und stakte auf Sirius zu. „Savic? Der Name kommt mir bekannt vor.“

„Er ist ein Idiot“, Dominic schüttelte den Kopf und sah den Colonel mit hochgezogenen Augenbrauen an. So, als wollte sie sagen, sie hätte es immer schon gewusst.

„Cedric ist nur dumm, Savic ist der Idiot“, ergänzte Hammarby.

„Savic“, als hätte Fedorow darauf gewartet, sich hervortun zu können, „hat vor einem Jahr beinahe Präsident Salusconi umgebracht“, Fedorow mühte sich wenig, seine Verachtung für Sirius zu verbergen, „er hat die EUROPE, die Untergrundbahn des Präsidenten, zum Entgleisen gebracht und dabei zehn Menschen getötet.“

„Sie haben nicht erwähnt, dass der Unfall Ihnen den Job gekostet hat“, Sirius hielt Fedorows Blick stand.

„Savic gehört zur Besatzung, ob es gefällt oder nicht. Hammarby, Sie zeigen ihm die NEWROPA. Und Elena“, der Colonel wirkte für Sirius` Geschmack eine Spur zu ernsthaft, „bringen Sie ihn nicht schon am ersten Tag um.“

Die blonde Frau grunzte, was alles bedeuten konnte. Sirius folgte ihr wie ein ertappter Hund, behielt aber die Augen geschärft, sofern seine Führerin es mit den Befehlen des Colonels nicht allzu sorgfältig nehmen sollte.

Die junge Pilotin verschlang den Raum mit ihren Schritten und achtete nicht darauf, ob Sirius mit ihr mithalten konnte. Sie liefen durch ein Labyrinth, dessen Wände gestapelte graubraune Pappkartons formten. Die Pfade, die diesen Pappdschungel durchdrangen, kannten nicht einen geraden Meter. Die Richtung änderte sich stetig, sodass der Benutzer nicht weiter als ein oder zwei Meter im Voraus schauen konnte. Am Ende verschwand gar der ganze Gang hinter einer graubraunen Kartonwand.

Sirius hatte gerade Zeit sich zu fragen, was wohl zu tun wäre, als Hammarby drei Kartons aus der Mauer stieß und auf diese Weise die Sicht auf eine Halle freigab. Ihre hochgezogenen Augenbrauen schienen eine Art Erlaubnis zum Eintritt. Im Vorbeigehen steckte Sirius einen Signalsender zwischen die Pakete. Nachdem er die Halle betreten hatte, schob Hammarby die Kartons wieder zurück in die Mauer.

(wird fortgesetzt)

Copyright (c) 2012 by Michael Pick

Bildrechte: Coverillustration “Evolution. – Menschheitsgeschichten” (http://www.chaosrigger.org/pixel02/upload/2011/02/06/20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Lothar Bauer. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Künstlers unter Nennung seiner Webseite: Chaosriggers kleine Welt Blog – http://www.chaosrigger.org/chaosblog

Bildbearbeitung: Bearbeitete Coverillustration “Cyborgs01-89-46-minus54.jpg” (Originaltitel: 20110206232618-23a74ac6.jpg) © 2011 by Detlef Hedderich. Nutzung nur mit Genehmigung des Künstlers Lothar Bauer unter Verwendung des Originals.

Kaufempfehlung des Autors:

Abnett, Dan
Planet 86
Roman

Übersetzt von Winkelmann, Alfons
Verlag :  Heyne, W
ISBN :  978-3-453-52913-7
Einband :  Paperback
Preisinfo :  8,99 Eur[D] / 9,30 Eur[A] / 13,50 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 03.11.2011
Seiten/Umfang :  432 S. – 18,7 x 11,8 cm
Produktform :  B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :  09.11.2011

Medien (Leseprobe)

Journalist Lex Falk würde für eine gute Story einfach alles tun. Als er die Gelegenheit bekommt, sich durch einen Computerchip mit dem Gehirn eines Frontsoldaten zu verbinden, ist er sich sicher, den ganz großen Coup gelandet zu haben. Doch dann wird der Soldat getötet und Lex muss sich in Sicherheit bringen…

Dan Abnett ist der Superstar von “Warhammer 40.000″, dem bekanntesten und faszinierendsten Science-Fiction-Rollenspiel! Angesiedelt in einer archaischen Zukunftswelt, in der sich die Menschheit in der Galaxis ausgebreitet hat und nun den Mächten des Chaos gegenübersteht, haben seine Romane inzwischen auch in Deutschland eine riesige Fangemeinde.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Autorenwerkstatt, Bücher, Diskussionen, Leseprobe, Nominierungen (sfb), Science Fiction, Storys | 3 Kommentare »

FAHRRADTOUR ZUM GOETHETURM – eine Kurzgeschichte von M.-Ellen Meyer

Erstellt von Meyer am Sonntag 22. Januar 2012

FAHRRADTOUR ZUM GOETHETURM

eine

Kurzgeschichte

von

M.-Ellen Meyer

Es war Mitte der 60er Jahre. Ein heißer Sommer. Ich heiße Silvia und war 10 Jahre alt. Mein 8jähriger Bruder Ralph und ich wollten gerne mit unseren Fahrrädern, die wir von unserem Papa vor drei Wochen geschenkt bekommen hatten, zum Goetheturm in den Stadtwald fahren. Meine Mama schaute uns fragend an und meinte:

„Schön aber nur wenn Bärbel und Ingrid mitfahren!“

Die beiden Nachbarskinder aus dem 7. Stock waren nämlich schon 11 und 13 Jahre alt!

Wir willigten ein und so rief meine Mami dort an und fragte die Mutter der beiden Kinder. Die war sofort einverstanden, und so schaute Klaus, der Papa der beiden, nach den Rädern und pumpte die Reifen auf, stellte die Bremsen ein und schraubte noch dies und das daran fest. Unsere beiden Räder brauchten keine solche Inspektion denn unsere waren praktisch nigelnagelneu!

Als wir abfahrbereit waren gab uns Klaus noch ein wenig Geld, damit wir uns am Goetheturm etwas kaufen konnten, eine Limo oder so. Außerdem bekam Ingrid, die älteste von uns, einen Zettel mit den Telefonnummern von unseren beiden Familien und einige Groschen, die in diesem Zettel eingewickelt waren. Ingrid verstaute das Notfallpäckchen in die obere Tasche ihrer Latzhose. Klaus faltete noch eine Karte von Frankfurt auf, in der auch alle Radwege eingezeichnet waren, selbst die, die im Stadtwald zum Goetheturm führten. Die Karte steckte er in meine Fahrradtasche, die auf meinem Gepäckträger befestigt war, in der sich auch unsere Jacken befanden. Da mein Fahrrad das schnellste war und sogar eine Dreigangschaltung hatte, bekam ich die Aufgabe, unsere Sachen zu transportieren, worauf ich ein wenig stolz war.

Wir fuhren also zu viert  los und benutzen so gut wie immer einen Fahrradweg, auch wenn das manchmal einen Umweg bedeutete. An einigen Stellen fuhren mein Bruder und ich auch mal auf dem Gehweg und die beiden Mädchen auf der Strasse. Immerhin durften die beiden das, weil sie ja schon über 10 Jahre alt waren und mein Bruder und ich durften auf dem Gehweg fahren, weil wir noch nicht über 10 Jahre alt waren. Aber fast immer gab es einen Radweg und so schafften wir die Strecke bis zum Main auch in weniger als einer Stunde. Das war von Frankfurt Hausen bis dorthin für uns Kinder kein schlechter Schnitt.

Am Main machten wir eine kurze Pause und sahen uns die Maindampfer an, in die die Leute stiegen um dort Kaffe zu trinken und den Tag zu genießen. Wir fuhren schließlich über eine der Mainbrücken, welche weiß ich nicht mehr. Wir konnten aber von dort aus den Eisernen Steg sehen. Also waren wir ziemlich in der Mitte von Frankfurt.

Als wir auf der Sachenhäuser Seite angekommen waren, beobachteten wir einige Leute, die mit Tretbooten unterwegs waren und wir Kinder sprachen darüber, unsere Eltern zu fragen, ob wir das nicht auch mal machen könnten. In Sachsenhausen, das vor vielen Jahren in Konkurrenz zu Frankfurt stand und praktisch eine eigene Stadt war, waren die Häuser im Schnitt ziemlich klein zu denen auf der anderen Mainseite. Am niedlichsten waren die Häuser in Altsachsenhausen durch die wir unsere Räder bewegten, meist schiebend, denn hier waren die Straßen, passend zu den alten Häusern, noch alle mit Pflastersteinen versehen, worauf man sehr schlecht mit dem Fahrrad fahren konnte.

Nachdem wir die Altstadt hinter uns gelassen hatten, konnten wir schon den Henninger Turm sehen, der das höchste Gebäude in Frankfurt darstellte und dereinst ein Getreidesilo der Brauerei Henninger war. Diesen hatten wir schon mal mit unseren Elter und Oma und Opa besucht, waren sogar bis ganz oben auf der Aussichtsplattform gewesen. Das ist ganz schön hoch kann ich auch sagen, da bekommt man schnell Schwindelgefühle. Anschließend haben wir zusammen im Drehrestaurant Bockwürstchen und Florida Boy bekommen, was uns Kindern richtig gut gefallen hatte.

Als wir an der Strasse, die direkt zum Henninger Turm führt, angekommen waren, mußten wir wieder schieben, denn die Straße war einfach zu steil. Selbst mit meiner Dreigangschaltung wäre das sehr schwierig geworden. Doch ich konnte ja nicht einfach die anderen stehen lassen. Also hieß es wieder „schieben“…

Nachdem wir den Henninger Turm hinter uns gelassen hatten, hielten wir kurz an der Henninger Brauerei, wo einige Pferdekutschen standen, die große Pferdewagen mit Bierfässern zogen und wir Kinder freuten uns sehr, dass man uns erlaubte, einige der Tiere zu streicheln. Einer der Kutscher gab uns Zuckerwürfel, die wir den Pferden auf der flachen Hand hinhielten, die diese gierig wegfraßen und dabei unsere Handflächen ableckten, was fürchterlich kitzelte.

Schließlich ging es wieder leicht bergab und wir konnten schon den Stadtwald sehen. Als wir den Wald endlich erreicht hatten, waren wir schon ganz schön müde, aber im Wald waren die Wege sehr gut gepflastert und man konnte wunderbar radeln. Außerdem war es schön kühl und wir Kinder sangen einige Lieder und strampelten langsam in Richtung Goetheturm. Der Weg war auch toll mit Schildern ausgestattet und so mußten wir nicht mal in den Stadtplan schauen.

Endlich waren wir am Goetheturm angekommen und schoben unsere Räder in den Abstellplatz und schlossen alle vier mit unseren Schlössern zusammen. Da wir sehr durstig und auch hungrig waren, gingen wir zu dem Verkaufskios und bestellten uns Limo und Milky-Way, Mars und Bounty. Nachdem wir satt waren und die Flaschen abgegeben hatten und dafür das Pfandgeld zurück erhielten, waren wir so gestärkt, dass wir die vielen Treppen des Turm erstiegen und es so richtig spannend war dann von ganz oben auf den Stadtwald zu schauen.

Nachdem wir herabgestiegen waren und einige der Schaukeln und Karusselle ausprobiert hatten war es auch schon Zeit sich auf den Nachhauseweg zu machen. Wie schlossen unsere Räder auf und schauten uns zusammen im Stadtplan an, wie wir zurückfahren könnten, ohne den selben Weg wie hin zu nehmen. Wir versuchten uns den neuen Rückweg zu merken und radelten los. Als wir in den Weg einbogen, den wir noch nicht kannten, fiel uns auf, dass es ziemlich düster war, weil die Bäume hier wesentlich dichter standen als auf dem Hinweg.

Wir fuhren den Weg so lange entlang, bis wir auf einmal aus dem Wald heraus kamen und vor uns Felder waren mit irgendwelchem Bewuchs, den wir aber nicht kannten. Wir benutzen den Weg, der um den Wald herum führte und schließlich mußten wir uns eingestehen, dass wir uns verfahren hatten. Wir packten den Stadtplan aus und versuchten heraus zu finden, wo wir waren, aber das gelang uns irgendwie nicht.

So fuhren wir so lange um den Wald herum, bis es eine Abzweigung gab, die wieder in den Wald führte. Wir schauten uns an und beschlossen, diesen Weg zu versuchen. Irgendwie mußten wir ja zurück kommen. Als wir einige Meter zurückgelegt hatten, merkten wir, dass es inzwischen ziemlich dunkel geworden war. Wir fuhren daher etwas zügiger aber der Weg schien endlos und führte uns immer tiefer in den Wald, der inzwischen so dunkel war, dass wir unsere Lampen anschalteten.

Als wir irgendwann an einer Kreuzung ankamen, wußten wir nicht, welche Abzweigung wir nehmen sollten und so machte ich den Vorschlag, dass wir uns ja in zwei Gruppen aufteilen könnten, so dass wenigstens zwei von uns einen Rückweg fanden. Die anderen sahen mich entsetzt an und schüttelten nur den Kopf. So blieben wir also zusammen und auf dem Weg und ließen die Kreuzung hinter uns. Als dieser eine leichte Linkkurve machte, hielten wir an, denn in der Ferne sahen wir etwas im Düsteren am Wegesrand, das sich hin und her zu bewegen schien. So schoben wir vorsichtig unsere Räder darauf zu, doch plötzlich flatterte etwas ganz heftig von diesem Hindernis auf uns zu, so dass wir Kinder schreiend die Räder umdrehten und wie der Teufel zurückfuhren, bis wir atemlos wieder die Kreuzung erreicht hatten.

Mein Bruder Ralph war kreidebleich im Gesicht. Auch die beiden anderen Mädchen sahen nicht gerade glücklich aus. Und als Bärbel Ingrid fragte, ob das ein Waldgeist gewesen wäre, worauf diese nur ängstlich mit den Schultern zuckte, sah Ralph aus, als würde er gleich losheulen. Daher sagte ich zu ihnen: „Nein, Waldgeister gibt es nicht! Das waren bestimmt nur Vögel oder eine alte Plane, die im Wind flatterte!“

Wir einigten uns schließlich darauf, eine der Abzeigungen zu versuchen. Inzwischen war es ziemlich dunkel geworden, so dass wir schon sehr viel Angst hatten und bei jedem Knacken oder anderen Geräuschen fast vom Fahrrad fielen. Endlich schien es in der Ferne ein Licht zu geben und wir fuhren schneller. Als wir jedoch eine riesige Gestalt vor das Licht in der Ferne treten sahen, so das diese Licht verdeckte wurde, stoppten wir. Die Gestalt war nicht richtig zu erkennen, wurde aber von dem Licht in der Ferne von hinten beleuchtet. Sie war riesig und bewegte sich nicht, stand einfach nur da, als würde sie mitten auf dem Weg auf uns warten. Die Gestalt machte uns so eine Angst, das wir beschlossen, zurück zur Kreuzung zu fahren und die andere Abzweigung, die wir bisher her noch nicht versucht hatten, zu benutzen.

Als wir wieder an der Kreuzung angekommen waren, meinte mein Bruder, dass er ganz sicher sei, das dies ein Riese oder riesiger Waldgeist gewesen sei. Ich war inzwischen ebenfalls so verunsichert, dass ich ihm darauf nichts erwiderte. Die beiden Mädchen schauten ebenfalls ziemlich besorgt aus und schwiegen. Wir nahmen daraufhin die letzte Möglichkeit an der Kreuzung. Wenn das auch wieder nichts wurde, dann mußten wir den gesamten Weg zurück zum Turm und dort das Telefon benutzen, denn unsere Eltern waren sicherlich schon besorgt, dass wir noch nicht zurück waren von unserer Fahrradtour.

Wir fuhren also die andere Abzweigung und irgendwann kamen zwei Männer in Regenmänteln auf uns zu, die Taschenlampen in den Händen hielten. Auf der einen Seite waren wir froh, endlich wieder andere Menschen zu treffen, auf der anderen Seite sahen die Männer ziemlich unheimlich aus. Und als uns der größere von den beiden fragte: „Na, Ihr Kleinen, was macht Ihr denn noch so spät im Wald?“, da zitterten wir alle am ganzen Körper, denn der Kleinere von den Beiden leckte sich die Lippen mit einer Zunge, die fast schwarz war und wir bekamen es fürchterlich mit der Angst zu tun und Ralph fing sogar zu weinen an. Da kramte der Kleinere etwas aus seiner Tasche und hielt es meinem Bruder hin. Es war eine Laktritzschnecke, deshalb hatte der Mann also so eine schwarze Zunge!

Nach dem mein Bruder die Schnecke angenommen und ein Stück davon in den Mund geschoben hatte, holte der Größere von den beiden ein schmutziges Taschentuch aus seiner Tasche und wischte Ralph die Tränen vom Gesicht. Schließlich erklärten wir den Männern, die sich als Waldarbeiter herausstellten, dass wir uns verfahren hatten. Die Männer zeigten in die Richtung in die wir fuhren und meinten, dass nach 2 Kilometern ein Autoparkplatz mit einem Kiosk und einer Telefonzelle auf uns warten würde. Wir bedankten uns und fuhren so schnell wir konnten bis wir endlich die Straßenlaternen des Parkplatzes sehen konnten.

Als wir uns am Kiosk ein heißes Würstchen und eine Tasse heißen Kakao teilten, beschlossen wir, unsere Eltern von der Telefonzelle aus anzurufen. Als wir die Mutter der beiden Mädchen am Telefon hatten, war diese total aufgeregt und ließ sich von uns die Adresse von dem Parkplatz geben, die wir vom Kioskbesitzer erfragt hatten. Bärbel und Ingrids Mutter sagte, dass auch unsere Mutter schon mehrfach bei ihr angefragt habe, ob sie was von uns gehört hätte. Schließlich bedeutete die Mutter der Mädchen uns, dort am Parkplatz auszuharren, da uns  Klaus, der Papa der beiden Mädchen, mit seinem Fordtransitbus abholen würde, in den wir alle samt Fahrräder reinpassen würden. Wir waren sehr froh das zu hören, so dass wir nicht noch im Dunkeln durch Frankfurt irren mußten…

Copyright (c) 2012 by M.-Ellen Meyer

Kaufempfehlung der Autorin:

The Spirit of Trees

Gespielt von Hageneder, Fred
Verlag :      Neue Erde
GTIN :      5016700132021
Einband :      kartoniert
Preisinfo :      16,90 Eur[D] UVP / 17,10 Eur[A] UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Produktform :      A: Audio-CD
CD, 66 Minuten, mit 8seitigem Beiheft
Erscheinungsdatum :      05.03.2012

Titel bei amazon.de
Titel bei Libri.de

Der instrumentale Reigen zur Ehre zehn einheimischer Baumarten erscheint hiermit neu bei Earth Heart Music – im label-typischen Deluxe-Outfit (Karton statt Plastik) und endlich mit Booklet. Die Musik ist dieselbe – schön und entspannend wie seit dem ersten Erscheinen 2001.

Die Musik der CD, wie vom Autoren von »Der Geist der Bäume« und dem »Baum-Engel-Orakel« nicht anders zu erwarten, entspringt aus dessen sprudelnder Freude über unsere einheimischen Bäume und ihre Mythen und Geschichte. Das Album ist zehn Baumarten gewidmet, die in der spirituellen Geschichte Nordwesteuropas seit Jahrtausenden von großer Bedeutung sind.

Alle Kompositionen sind um die Harfe zentriert, die den Hörer in Dialogen mit Flöte, Geige oder Saxophon oder in Arrangements mit Streichquartett oder Perkussion und Kontrabaß bezaubert. Sämtliche Mitspieler bestechen durch großes Einfühlvermögen genauso wie durch ihre Virtuosität, die immer dem Ganzen dient: einer musikalischen und mystischen Reise, die besinnlich und rhythmisch zugleich ist, die voller Bewegung ist und doch eine tiefe Ruhe atmet.

Seit 1980 erforscht Fred Hageneder mit Hingabe die Bäume und Archäologie. Fred ist ein führender Autor auf dem Gebiet der Ethnobotanik und der kulturellen und spirituellen Bedeutung der Bäume.

Titel bei amazon.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Allgemein, Autorenwerkstatt, Bücher, Diskussionen, Hörbücher/Hörspiele, Jugend, MP3, Nominierungen (sfb), Storys | 2 Kommentare »

SCHNITTSTELLEN DER PERSÖNLICHEN BEGEGNUNGEN – Zum Tod des Psychoanalytikers Prof, Dr. Dr. Horst-Eberhard Richter – Ein Artikel von Bernd Holstiege.

Erstellt von Detlef Hedderich am Samstag 21. Januar 2012

Der Psychoanalytiker und Vordenker ist nach kurzer, schwerer Erkrankung am 19.12.2011 im Alter von 88 Jahren in Gießen gestorben. Er war neben Gottstein der große alte Mann der deutschen Friedensbewegung, galt als Wegbereiter der psychoanalytischen Familienforschung und Familientherapie und hat mit seinen Arbeiten über die Psychosomatik zur Entwicklung der Psychoanalyse in Deutschland entscheidend beigetragen.

Laut der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth habe Horst-Eberhard Richter nicht nur zu der kleinen und exklusiven Reihe von Wissenschaftlern gehört, die das „Innerste“ der Menschen erforscht haben. Es sei ihm auch gelungen, den Menschen einen Spiegel vorzuhalten, in dem sie sich selbst erkennen und aus dieser Erkenntnis lernen können. Dazu sei er mit seinem Wissen nicht im akademischen Elfenbeinturm verblieben, sondern habe es in die Gesellschaft hineingetragen. Neben anderen Auszeichnungen hatte ihn die Stadt Frankfurt am Main, in der er von 1992 an ein Jahrzehnt das Sigmund-Freud-Institut leitete, 2002 mit der Goethe-Plakette ausgezeichnet.

Bei den persönlichen Begegnungen hatte ich seine wohlwollende und warmherzige Haltung kennen gelernt. Wie jeder Mensch hatte er natürlich verschiedene Seiten. Als ich 1972/73 an einer psychosomatischen Klinik in Berleburg arbeitete, fuhr ich mehrere Semester nach Gießen zu Seminaren über Familientherapie und –dynamik unter Leitung von H.E. Richter. Über sein erstes Buch „Eltern, Kind und Neurose“ war sein Ruf und seine Denkweise zu mir gelangt, die meinen Horizont erweiterten und die ich weitgehend teilte. Er beschrieb kindliche Erkrankungen als Ausdruck und Folge des Familiensystems. Ich wollte ihn unbedingt erleben. In seinem Seminar zeigte er Filme über Ausschnitte von Familientherapien, die anschließend gemeinsam besprochen wurden, und ließ uns in Rollenspielen thematisch kurz umrissene, typische Familiensituationen spontan spielen.

Ein Rollenspiel ist mir noch nachhaltig und denkwürdig in Erinnerung. Es gab mir Aufschluß über meine Person, die Person von H.E. und verbreitete gesellschaftliche Verhältnisse.

Die Situation war: Vater, Mutter, 15 jährige Tochter und 12 jähriger Sohn. H.E war der Vater, ich der Sohn und eine Studentin meine ältere Schwester. Das Familienproblem war, meine Schwester trieb es mit den Jungens, an sich altersgerecht ganz normal, für diese streng moralische Familie jedoch ein Problem. Die Mutter war zwiegespalten. Einerseits musste sie im Moralsinne dagegen sein, andererseits dachte sie an sich selbst zurück, gönnte ihrer Tochter die Freiheit und sah sich wohl selbst ein Stück in ihr. Ich selbst dachte spontan daran, in ein paar Jahren bin ich auch soweit, und wollte für meine Schwester in die Bresche springen. Da traf mich von der Seite ein wohlwollend-strenger Blick meines Vaters „Du willst doch nicht etwa…!?“ – und ich schwenkte spontan total im Sinne der Moral um, zog mit lauter Allgemeinsätzen vom Leder und machte mit diesen meine Schwester fertig. Ich hatte ein doppeltes Machtgefühl, mit der Moral die Macht in der Familie in den Händen zu tragen, als Jüngster der Stärkste zu sein. Gleichzeitig entwarf ich in meiner Zukunftsaussicht, doch später irgendwie mein Schäfchen ins Trockene zu bringen und immer zu wissen, was andere böses anstellen, um diese zu verurteilen – also eine typische Doppelmoral zu verwirklichen.

Diese meine Situation ist die mancher katholischer Priester in ihrem Verhältnis zu Frauen, Kindern und der Beichte, wie ja zunehmend heraus gekommen ist. Ich bin ja katholisch erzogen, war Ministrant, überlegte sogar mal kurz, katholische Theologie zu studieren. Aber die Mädchen waren mir wichtiger.

Als wir am Ende der Seminarstunde hinaus gingen, traf mich ein böser Blick der Studentin. Sie sagte zu mir „genau das habe ich früher auch gehört und bin deswegen mit 15 ausgezogen!“ Ich dachte mir, anscheinend wird in vielen Elternhäusern exakt dasselbe geredet. Mehrere Monate später traf ich H.E. auf der Kliniktreppe. Er sprach mich an, und ich fertigte ihn höchst unhöflich in einem Satz ab. Anschließend machte ich mir fast entsetzt Gedanken „warum eigentlich…?“ und kam darauf, ich war ihm noch immer wegen der Verführung zum Selbstboykott böse. Dann machte ich mir Gedanken, was so alles in mir steckt, die Moral und Doppelmoral, die Sätze und vor allem, um das Wohlwollen meines Vaters zu erringen, war ich zu allem bereit, sogar meine eigenen Interessen, zumindest halb, aufzugeben. Andererseits meine ich noch heute, einen moralischen Nerv von H.E getroffen zu haben. Deswegen setzte er sich so aufopferungsvoll für zahlreiche gesellschaftskritische Projekte ein wie den Giessener „Eulenkopf“, die Ärzte gegen den Atomkrieg, die Friedensbewegung, schrieb sozialkritische Bücher, hielt der Gesellschaft den Spiegel vor – und hatte als attraktiver Mann für die Frauen auch noch Zeit – ein Tausendsassa oder ein Hans Dampf in allen Gassen. Seine Moral sehe ich nicht nur als Folge seiner verinnerlichten Familienmoral, sondern auch als Folge seiner schlimmen Kriegserlebnisse und der Ermordung seiner Eltern.

Allerdings merkte ich weiterhin, ich hatte das Wohlwollen von H.E. errungen, vielleicht durch die Übernahme dieser Moralrolle, der „brave“ Sohn zu sein, mein spontanes Schauspieltalent und meine Selbstreflexionsfähigkeit. Da sie sich entsprachen, waren in den Rollenspielen weiterhin Spiel und Wirklichkeit nicht zu trennen. Das Spiel war auch ein Teil und Spiegel der Wirklichkeit. Sein Wohlwollen nutzte ich 1974, als ich Bedenken hatte, ob ich die Zusatzbezeichnung „Psychotherapie“ bekomme, da ich in meinen Augen den Voraussetzungskatalog nicht ganz erfüllt hatte. Ich bat ihn um ein Zeugnis. Das fiel so gut aus, wie ich es von mir selbst nie erträumt hätte. Bald darauf zog er mich als einzigen außerhalb des Mitarbeiterteams seiner Klinik zu einer Fernsehreihe im SWF hinzu, in der derartige Rollenspiele spontan gespielt werden sollten. Nach dem Spiel sollte jeder seine Befindlichkeit schildern und dann das Ganze noch wissenschaftlich für den Durchschnittsfernsehzuschauer verständlich aufbereiten. Nach Zusammenstellung eines Teams machte H.E. anscheinend gekränkt selbst nicht mehr mit, und seine Mitarbeiter waren froh, endlich mal etwas selbständig ohne ihren Übervater machen zu können. Ich sehe mich noch heute in meiner Rolle als Familienvater mit langen, pappigen Haaren und Pfeife. Da alle wohl überfordert waren, blieb es bei einer Sendung. Ohne den Übervater ging es wohl auch nicht.

Auf Tagungen und Kongressen der DAF (Deutsche Gesellschaft für Familientherapie) oder der DAGG (Deutscher Arbeitskreis für Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik), wo er federführend war, traf ich ihn gelegentlich.1991 begegnete ich ihm auf einer Demo gegen den Golfkrieg in Bonn. Er wusste sofort meinen Namen, obwohl wir uns lange nicht gesehen hatten. Während seiner Zeit in Frankfurt als Leiter des Sigmund-Freud-Instituts kreuzte ich dort nie auf, obwohl ich nicht weit wohne, vorher und hinterher schon gelegentlich. Vielleicht war ich ihm immer noch latent böse. Sicher spielte eine Vaterübertragung, d.h. die Erfahrungen mit meinem Vater, eine Rolle, während ich meinem Vater längst verziehen hatte, da ich seine menschlichen Schwächen auf dem Hintergrund seiner eigenen Kindheitsprägungen sah. Mein Vater hatte ebenfalls Züge der Doppelmoral in sich.

Vor wenigen Jahren mit über 80 hielt H.E. einen Vortrag beim FAPP (Frankfurter ärztliche Psychotherapeuten), ein guter Vortrag, aber ohne die frühere innere Wärme und das innere Leben. Er war ja auch schon über 80. In den Jahren in und nach der Studentenbewegung war er eine beliebte Leitfigur, bei denen, denen er den ungeliebten Spiegel vorhielt, und bei der Elfenbeinturmpsychoanalyse wohl weniger. Wir alle trauern um ihn.

Copyright © 2012 by Bernd Holstiege

http://bholstiege.bh.funpic.de/

www.bholstiege.de

Kaufempfehlung der Redaktion:

Richter, Horst-Eberhard
Der Gotteskomplex

Die Geburt und die Krise des Glaubens an die Allmacht des Menschen

Verlag :      Psychosozial-Verlag
ISBN :      978-3-8379-2214-1
Einband :      Paperback
Preisinfo :      22,90 Eur[D] / 23,60 Eur[A] / 32,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Seiten/Umfang :      ca. 344 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      03.2012 (vorbestellbar!)
Aus der Reihe :      psychosozial

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Horst-Eberhard Richter beschreibt die moderne westliche Zivilisation als psychosoziale Störung. Er analysiert die Flucht aus mittelalterlicher Ohnmacht in den Anspruch auf egozentrische gottgleiche Allmacht. Anhand der Geschichte der neueren Philosophie und zahlreicher soziokultureller Phänomene verfolgt er den Weg des angstgetriebenen Machtwillens und der Krankheit, nicht mehr leiden zu können. Die Überwindung des Gotteskomplexes wird zur Überlebensfrage der Gesellschaft und des modernen Menschen.

Horst-Eberhard Richter, Titel: Prof. Dr. med., Dr. phil., geboren: 1923, gestorben: 19.12.2011. Horst-Eberhard Richter war von 1959 bis 1962 Leiter des Berliner Psychoanalytischen Instituts und danach bis zu seiner Emeritierung 1992 Direktor der Psychosomatischen Universitätsklinik in Gießen. Er war Mitbegründer der Dt. Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) und leitete von 1992 bis 2002 als Geschäftsführender Direktor das Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt am Main.

Er war Mitglied im PEN-Zentrum der Bundesrepublik und erhielt u.a. den Theodor-Heuss-Preis (1980), die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt (2002) und den Ghandi-Luther King-Ikeda Award des Morehouse College, Atlanta USA (2003).

International ausstrahlende Wirkung erzielte Horst-Eberhard Richter durch seine wissenschaftlich fundierten und dennoch gut verständlichen Analysen, in denen er psychoanalytische und sozialphilosophisch-anthropologische Aspekte miteinander verbindet. Seine Bücher wurden in zwölf Sprachen übersetzt.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Hier kann man sich ein Video von Horst-Eberhard Richter ansehen.

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln mit Pressemeldungen und Artikel, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens 1 Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Bücher, Diskussionen, Präsentation | 18 Kommentare »

Lehrer bleibt nach Sex mit Schülerin ungestraft! * KAUFTIPP DER REDAKTION: Nilon, Valerie: Das Nylon-Mädchen – Erotischer Roman.

Erstellt von Detlef Hedderich am Samstag 21. Januar 2012

PRESSEMELDUNG (ZITAT): www.focus.de - “Ein Gericht in Koblenz hat einen Lehrer trotz mehrfachem Sex mit einer 14-jährigen Schülerin freigesprochen. Die Begründung der Richter: Es habe kein Obhutsverhältnis bestanden, weil der Mann nur Vertretungslehrer war und keinen Einfluss auf die Notengebung hatte. (…)”

Quellenangabe zur Veröffentlichung (gesamte Pressemeldung) hier klicken!

Wie denken denn unserer Leser über dieses Thema? Wir freuen uns über jeden Eintrag in unseren Kommentaren! Wer seine Meinung hier abgibt erhöht ausserdem seine Chancen bei einem möglichen Preisrätsel zu diesem Titel!

BESTELLTIPP DER REDAKTION (ZUM BESTELLEN EINFACH AUF DAS COVER KLICKEN!):

Nilon, Valerie
Das Nylon-Mädchen – Erotischer Roman

Verlag :      Herpers Verlag
ISBN :      978-3-942582-42-1
Einband :      Paperback
Preisinfo :      12,99 Eur[D] / 12,99 Eur[A] / 12,99 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 21.12.2011
Seiten/Umfang :      ca. 84 S. – 20,3 x 12,7 cm
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      21.12.2011
Gewicht :      110 g

Die frühreife Anna hat sich vorgenommen, modische Akzente zu setzen: Sie trägt ausschließlich Strumpfhosen unter ihren Hotpants und Röcken, und das zu jeder Gelegenheit: In der Schule, beim Sport und in der Freizeit. Schnell bemerkt sie die unterschiedlichsten Reaktionen ihrer Umwelt: Ihre Eltern schwanken zwischen Begeisterung und Sorge, die Mitschülerinnen beginnen, sie entweder zu hassen oder sie nachzuahmen und die Jungs sind fast ausnahmslos begeistert. Da sie aber auch die männlichen Lehrer um den Finger wickelt, wird die verbittert konservative Rektorin ihrer Schule zur ihrer schlimmsten Widersacherin. Vor den Augen aller erniedrigt sie Anna und macht ihr das Leben zur Hölle. Doch Anna weiß sich zu helfen …

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln mit Pressemeldungen, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens 1 Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Bücher, Diskussionen, Jugend, News, Pressemeldungen | 7 Kommentare »

Wie schön ist ein Regenbogen und wer kennt alle Variationen? * KAUFTIPP DER REDAKTION: Lopez, Nicole – Am Ende des Regenbogens: Ein Abenteuer in Indien.

Erstellt von Detlef Hedderich am Samstag 21. Januar 2012

PRESSEMELDUNG (ZITAT): de.nachrichten.yahoo.com – “Einem Fotografen sind jetzt Aufnahmen einer anderen, äußerst ungewöhnlichen Variante gelungen. (…) – Tatsächlich gibt es auch das seltene Phänomen eines weißen Regenbogens. Dem Fotographen Sam Dobson sind davon auf seiner Reise zum Nordpol einzigartige Bilder gelungen. (…)”Zu den Bildern:

Quellenangabe zur Veröffentlichung (gesamte Pressemeldung) hier klicken!

Wie denken denn unserer Leser über dieses Thema? Wir freuen uns über jeden Eintrag in unseren Kommentaren! Wer seine Meinung hier abgibt erhöht ausserdem seine Chancen bei einem möglichen Preisrätsel zu diesem Titel!

BESTELLTIPP DER REDAKTION (ZUM BESTELLEN EINFACH AUF DAS COVER KLICKEN!):

Lopez, Nicole
Am Ende des Regenbogens: Ein Abenteuer in Indien


Verlag :      Papierfresserchens MTM-Verlag
ISBN :      978-3-86196-085-0
Einband :      gebunden
Preisinfo :      14,30 Eur[D] / 14,70 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 04.05.2011
Seiten/Umfang :      ca. 90 S. – 21,0 x 14,8 cm
Produktform :      B: Buch
Erscheinungsdatum :      1. Aufl. 04.10.2011

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Die böse Schwester des Maharadschas von Madurai belegt das Land mit einem Fluch. Ganz Indien droht auszutrocknen. Nur Varsha und Akash, zwei Waisenkinder aus dem Armenviertel, können den Fluch mit Hilfe einer verwunschenen Münze abwenden. Und so begeben sich die beiden Kinder auf eine abenteuerliche Reise quer durch Indien.

„Am Ende des Regenbogens“, eine Geschichte über Indien, ist ihr erstes Kinderbuch. Ein zweites Buch, dessen Handlung in Marokko spielt, ist bereits in Vorbereitung.

Nicole Lopez geb. Kayser wurde 1969 in Trier geboren. Die Autorin war schon seit jeher an fremden Ländern und Kulturen interessiert. Ihre Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin verhalf ihr zu den notwendigen Sprachkenntnissen. Ihre vielfältigen Reisen brachten sie auf die Idee, dieses Wissen in Form von Geschichten an Kinder weiterzugeben. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in Trier-Zewen.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln mit Pressemeldungen, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens 1 Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Bücher, Diskussionen, Jugend, News, Pressemeldungen | 3 Kommentare »

The Joy of Books

Erstellt von Günther Lietz am Freitag 20. Januar 2012

Abgelegt unter Allgemein, Film und TV, News, Youtube | 1 Kommentar »

DAS GNADENGESUCH – eine Bittschrift von Ariana Lazar

Erstellt von Ariana Lazar am Freitag 20. Januar 2012

DAS GNADENGESUCH

eine Bittschrift

von

Ariana Lazar

Durchlauchtigster Fürst!

Untertänigst erbitte ich Ihr Gehör für die Sache des Sonnenwirtes Christian Wolf. Demselben droht jetzt der Galgen, gleichwohl bitte ich Euch, in diesem Fall Gnade walten zu lassen.

Um dies zu vermögen, ist es indes von Belang, dass Ihr den Werdegang des Sonnenwirtes von einem unbescholtenen Mann zum Verbrecher und Mörder kennenlernt.

Der Mensch Christian Wolf ist nicht schlecht, aber ein unglückliches Schicksal haftet ihm von Kindheit an.

Christian Wolf ist Halbwaise und musste darum früh seiner Mutter in deren schlechtgehender Wirtschaft helfen. Da er zudem von der Natur mit einer schwächlichen Statur und einem unangenehmen Äußeren ausgestattet wurde, hatte er von klein auf die Hänseleien der anderen Kinder zu ertragen.

Wie mein Fürst sicher verstehen wird, war dies kein angenehmer Start ins Leben.

Wolf’s widerliches Äußeres versuchte dieser durch Witz und Frechheit bei seinen Schulkameraden wettzumachen, was ihm die Bewunderung der Jungen einbrachte. Die Mädchen jedoch fürchteten ihn, und er war ihnen aufgrund seiner Hässlichkeit zuwider.

Sicher könnt Ihr Euch vorstellen, wie dieser junge Mensch unter der Ablehnung des weiblichen Geschlechtes gelitten hat, warum er nichts unversucht ließ, diesem zu gefallen.

Er traf auf Hamchen, die sich zwar seinen Beteuerungen verschloss, aufgrund ihrer Armut jedoch nicht seinen Geschenken. Um ihr diese Geschenke machen zu können, suchte er aus Dummheit und Bequemlichkeit den scheinbar leichtesten Weg, die Wilddieberei.

Eure fürstliche Hoheit möge einem jungen Manne verzeihen, der seiner Liebsten zuliebe zum Wilddieb wurde. Möget Ihr es seinem jugendlichen Leichtsinn zugutehalten und ihn nicht zu hart beurteilen.

Nachdem der Jäger Robert, den die Eifersucht trieb, da er dasselbe Mädchen begehrte, Christian Wolf als Wilddieb überführt hatte, verlor dieser durch die strenge Gerechtigkeit das wenige Vermögen, das er noch besaß. Am meisten traf ihn aber der Verlust der Geliebten, und die Eifersucht nagte an ihm.

Drückende Not, Eifersucht und verletzter Stolz ließen ihn zum zweiten Mal zum Wilddieb werden.

Eure fürstliche Gnaden mögen bedenken, dass sich schon edlere Herren wegen einer Geliebten ins Unrecht setzten. Edlen Herren wird doch auch Verständnis zuteil, und so bitte ich um Verständnis für Christian Wolf, der Nachsicht bei Euch finden möge.

Doch vernehmt, wie die Geschichte weitergeht.

Der Jäger Robert entdeckte den Wilddieb zum zweiten Mal, und dieser erfuhr nun die ganze Härte des Gesetzes. Diesmal musste er für ein Jahr in das Gefängnis, denn er hatte keine Mittel mehr, sich freizukaufen.

Nach Verbüßung seiner Strafe kehrt er in seine Heimat zurück, um von nun an ein redliches Leben zu führen. Verzweifelt sucht er eine Stellung, um gegen Tagelohn zu arbeiten, doch niemand will ihn nehmen. Selbst sein letzter Versuch, die Stelle eines Schweinehirten zu bekommen, scheitert, da niemand mehr dem angeblichen Taugenichts Christian Wolf seine redlichen Absichten glauben will.

Enttäuscht und von der Not getrieben, denn seine Wirtschaft gehört den Gläubigern, wildert er zum dritten Mal. Wieder fällt er der Wachsamkeit des Jägers Robert zum Opfer.

Ihre fürstliche Gnaden beachte bitte den unbedingten Willen Wolfs zur Redlichkeit, sowie das Misstrauen und die Ablehnung seiner Mitmenschen, die dem Sonnenwirt keine Chance mehr auf ein redliches, arbeitsames Leben ließen.

Euer Gnaden mögen weiterhin geneigt den Gang der Ereignisse verfolgen.

Durch die folgende dreijährige Festungshaft wurde Christian Wolf ein anderer. Das enge Zusammensein mit Mördern und Schwerverbrechern färbte mit der Zeit auf ihn ab, sodass er einer von ihnen wurde. Aus dem verirrten Schaf wurde ein reißender Wolf.

Nach seiner Entlassung wollte in seiner Heimatstadt niemand mehr etwas mit ihm zu tun haben, und so ging Christian Wolf wieder wildern. Diesmal aber auch aus Hass auf die Obrigkeit, die ihn in diese Lage gebracht hatte.

Groß war sein Hass auch auf den Jäger Robert, den er bei passender Gelegenheit erschoss.

Bei seiner anschließenden Flucht lernte er den Anführer einer Räuberbande kennen und wurde nach einiger Zeit selbst der Anführer der Bande, da er dort zum ersten Mal freudig aufgenommen und sogar geachtet wurde.

Sein Räuberdasein ekelt ihn bald und er erkennt, wie tief er gefallen ist. Von da an beseelt ihn der Wunsch, wieder rechtschaffen zu werden.

Euer durchlauchtigster Fürst erinnere sich höflichst an die an Eure Hoheit gerichteten Bittschriften des Christian Wolf, die seinen Wiedergutmachungswillen aufs Kräftigste bezeugen.

Auch sein freiwilliges Geständnis bei dem Oberamtmann zeugt von dem ehrlichen Willen, seinem Fürsten und seinem Land aufrichtig zu dienen.

So richte ich an Eure fürstliche Hoheit noch einmal die untertänigste Bitte, Gnade walten zu lassen im Falle des Christian Wolf.

Mit den hochachtungsvollsten und untertänigsten Grüßen verbleibt Euer

Adrian von Zantar

Copyright Text und Eingangsbild unter Titel © by Ariana Lazar 2012

Kaufempfehlung der Autorin:


Schiller, Friedrich
Schillers Dramen

Verlag :      Athene Media Verlag
ISBN :      978-3-86992-013-9
Einband :      Paperback
Preisinfo :      36,98 Eur[D]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Produktform :      B: Buch
Erscheinungsdatum :      01.2012

Weltliteratur erleben – spannend, emotional und vielschichtig
Johann Christoph Friedrich von Schiller gilt als einer der bedeutendsten deutschen Dramatiker. Lassen Sie sich mitreißen von den großen Dramen Schillers, die Geschichte geschrieben haben:

- Die Räuber
- Kabale und Liebe
- Die Verschwörung des Fiesco zu Genua
- Don Carlos, Infant von Spanien
- Maria Stuart

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Allgemein, Autorenwerkstatt, Bücher, Diskussionen, Nominierungen (sfb), Storys | 15 Kommentare »

DER HUND – Science Fiction Story von Ralf Boldt

Erstellt von Ralf Boldt am Mittwoch 18. Januar 2012

DER HUND

Science Fiction Story

von

Ralf Boldt

“Du  musst jetzt noch die Kerzen auspusten“, meinte die Mutter zu ihm. Heute war endlich der zehnte Geburtstag von Falko und der Tag begann wie in den letzten Jahren, soweit er sich erinnern konnte, mit der morgendlichen Bescherung in der Küche. Zusammen mit seinem Vater war auch schon „Happy Birthday“  gesungen worden und nun kam der große Augenblick: das Auspacken der Geschenke.

Charly, sein Hund – eine gut gelungene Mischung aus Shepherd und Border – war auch schon ganz aufgeregt. Er hechelte noch ein wenig mehr als sonst und stupste den Jungen mit seiner feuchten Nase an. Falko sollte sich doch endlich ans Öffnen der Pakete machen, denn der Hund liebte es, mit dem zerknüllten Geschenkpapier zu spielen, es zu zerreißen und die vielen kleinen Fetzen im ganzen Haus zu verteilen. Also tat Falko ihm den Gefallen, nahm das erste Päckchen, schüttelte es vorsichtig und entfernte das Papier. Das zusammengeknüllte Papier warf er auf den Küchenboden, wo Charly es sofort an sich nahm. Zwischen die Vorderpfoten geklemmt, begann er, es genüsslich zu zerfetzen. Für Falko war natürlich der Inhalt viel interessanter als das bunte Verpackungspapier und so öffnete er den kleinen Karton und zog ein blaues Halsband, an dem eine Hundeleine gleicher Farbe über einen Karabinerhaken befestigt war, heraus.

„Ein neues Halsband!“, freute sich Falko.

„Schau einmal Charly, das passt dir bestimmt und die Farbe ist auch die richtige.“

Falko freute sich immer, wenn er seinem Hund eine Freude machen konnte.

„Komm her, Charly. Lass es uns gleich anprobieren.“

Geduldig ließ sich der Hund das Halsband anlegen, schüttelte ich einmal, um das Fell wieder in die richtige Lage zu bringen und setzte sich brav neben den Stuhl. „Die Leine brauchen wir aber nicht.“ meinte Falko, denn sein Hund lief immer schön neben ihm her und kam sofort, wenn der Junge ihn rief.

„Du weißt doch, dass du ihn immer an die Leine nehmen sollst!“, ermahnte ihn seine Mutter, „Viele Menschen haben Angst vor so großen Hunden und wollen nicht angesprungen werden. Und er hat doch immer so dreckige Pfoten!“

Da war sie wieder, die ewige Diskussion. Charly sprang keine Fremden an. Doch das mit den dreckigen Pfoten war schon richtig, da hatte die Mutter Recht.

Falko hatte heute aber keine Lust auf Streitgespräche und meinte deshalb nur lakonisch:

„Ja. Mama, ich weiß das doch.“

Dann widmete er sich wieder den angenehmen Dingen seines Geburtstages zu und griff sich das nächste Paket. Schnell war auch dieses ziemlich große Geschenk ausgepackt und Charly freute sich über ein weiteres Stück Papier, an dem er seine freudige Zerstörungswut auslassen konnte.

Im Karton selbst befanden sich viele kleine Pakete und durchsichtige Tüten mit kleinen Seilen und vielen anderen Teilen. Doch Falko wusste sofort, was es mit dem Geschenk auf sich hatte. Es war der originalgetreue Bausatz der Burgberg-Seilbahn.

„Und es ist sogar ein richtig funktionierender Dampfgenerator dabei“, meinte sein Vater stolz.

Der Vater von Falko war nämlich Betriebsingenieur bei der „Harzburger Seilbahn Gesellschaft“ und zuständig für den sicheren Betrieb dieses dampfbetriebenen Beförderungsmittels. Schon oft hatten Falko und Charly ihn auf der Arbeitsstelle besuchen können und mit großen Augen den riesigen Generator bestaunt. Mehrfach waren der Junge und sein Hund auch in eine der kleinen Gondeln gestiegen und auf den Großen Burgberg gefahren. Aber nur, wenn wenige Touristen auf den Berg fahren wollten. Dann sind der Vater, Charly und Falko ganz alleine in eine Gondel gestiegen und waren in wenigen Minuten nach oben gefahren. Die Aussicht von dort war wirklich unbeschreiblich. Charly waren die Gondeln anfangs nicht ganz geheuer gewesen, doch nun schien auch er das leichte Schwanken während der Fahrt zu genießen. Oben hatte Frau Bruns für die beiden im Café immer eine Kleinigkeit zum Naschen bereitstehen. Einen Schokorigel für Falko und eine Hundekeks für Charly.

Falko hatte sich das Modell schon lange gewünscht, doch sein Vater meinte bisher immer, er sei noch zu klein, für den Zusammenbau einer solch komplizierten Maschine. Denn es sei ja eigentlich kein Spielzeug, so der Vater. Doch nun war Falko wohl groß genug.

„Können wir die Bahn zusammenbauen?“ fragte Falko.

„Heute Abend; nach der Arbeit“ versprach der Vater.

„Ich werde pünktlich Feierabend machen und dann können wir ganz in Ruhe unser Projekt Seilbahn starten.“

Falko wusste schon, dass sich für ihn der Tag in die Länge ziehen würde, doch alleine traute er sich den Zusammenbau noch nicht zu. „Gut, wann bist du wieder zuhause?“

„Um vier Uhr und dann können wir gleich starten. Pack doch noch die anderen Geschenke aus.“

Doch die waren nicht ganz so spannend. Es gab noch zwei paar T-Shirts mit Aufdrucken von Figuren aus „Steam Wars“ und eine kurze Hose, die er gut gebrauchen konnte, denn Falko hatte am Vortag bei einer Exkursion im nahe gelegenen Wald schon wieder eine zerrissen.

„Bist du zufrieden mit deinen Geschenken?“, wollte die Mutter wissen und das war er wirklich.

„Kann ich vor der Schule noch einmal mit Charly in den Wald, er möchte unbedingt sein neues Halsband ausprobieren.

“Bitte!“

Das „Bitte“ zog Falko absichtlich in die Länge und setzte seinen liebsten Gesichtsausdruck auf. Dem konnte seine Mutter nicht wiederstehen.

„Aber du bist bis spätestens halb acht wieder hier und mach dich bitte nicht schmutzig.“

Falko klickte die Leine am Halsband fest. Dies tat er nur für die Mutter, denn er wollte heute keinen Streit, und die beiden zogen los. Draußen hielten sie kurz vor dem Werkstattraum des Vaters an, die Tür war wie immer verschlossen. Der Vater ließ niemanden in diesem Raum hinein, warum auch immer. Doch Falko hatte sich daran gewöhnt und brachte auch nicht mehr die Neugierde auf, um heraus zu bekommen, was sich hinter der grau gestrichenen dicken Stahltür verbarg.

Kurze Zeit später waren beide im Wald. Falko ließ Charly von der Leine und der Hund nutzte diese Freiheit, um in den kleinen Bach zu springen und von dem munter plätschernden Wasser zu trinken. Sie machten dann ihre kleine Runde und waren pünktlich um halb acht wieder im Haus. Es blieb für Falko also noch genügend Zeit, ohne Eile den Bus zur Schule zu erreichen.

*

Falkos Vater war inzwischen schon bei der Arbeit und kontrollierte die große Dampfmaschine. Ruhig und regelmäßig arbeitete sie vor sich hin. Diese modernen Maschinen hatten nichts mehr gemein mit den lauten, dampfenden und dreckigen Aggregaten noch vor 20 Jahren. Deutsche Ingenieure hatten viel Arbeit in die Weiterentwicklung dieser Technik investiert, denn es war dem Land nach der Kapitulation 1945 von den Alliierten nicht erlaubt worden, Verbrennungsmotoren zu betreiben, zu produzieren oder auch nur zu importieren.  Also hatte man aus der Not eine Tugend gemacht und die dampfgetriebenen Maschinen immer weiterentwickelt. Aus immer kleineren Geräten war immer mehr Leistung erzielt worden. Der Wirkungsgrad der Maschinen wurde immer besser. Man hatte mit vielen Materialien experimentiert und konnte nun auf eine Schmierung völlig verzichten. Die Emissionen wurden ebenfalls immer geringer und es ging das Gerücht, dass an einer komplett emissionslosen Variante gearbeitet werde, von der es schon erste Prototypen geben soll.

Die Dampfmaschine wurde zwangsweise auch für Fahrzeuge wiederentdeckt und vor allem die schweren LKWs wurden direkt damit angetrieben. Für den Individualverkehr wurden über Batterien oder Brennstoffzellen betriebene Fahrzeuge eingesetzt.

Das Verbot der Alliierten hatte dafür gesorgt, dass in Deutschland die Umwelt deutlich entlastet werden konnte. Viele der benachbarten Staaten wollten nun aus Umweltgründen auch auf diese Antriebsmöglichkeiten zurückgreifen und so durfte Deutschland seit fast zehn Jahren wieder Technologie in das Ausland exportieren, was der inländischen Wirtschaft einen gewaltigen Aufschwung verschafft hatte. Die Inflationsrate war geringer denn je und es gab schon fast wieder eine bundesweite Vollbeschäftigung.

„Liegt heute etwas Besonderes an?“ fragte der Kollege Günther.

Falkos Vater konnte das verneinen, die vorgeschriebene Wartung hatte sie gestern durchgeführt. Alles war in bester Ordnung.

„Ich muss heute pünktlich nach Hause. Falko hat Geburtstag und wir wollen seine Seilbahn zusammenbauen.“

„Hast du die Modifikation beim Dampfantrieb fertigbekommen?“

„Klar, der Prototyp läuft ja schon seit zwei Jahren ohne Probleme!“

*

Falko hatte es schwer in der Schule. Vor lauter Aufregung konnte er dem Unterricht kaum folgen. Er stellte sich die ganze Zeit vor, wie der Vater und er an der Seilbahn bauten und er sie stolz seinen Freunden vorstellen konnte. Die Schulfreunde waren für den nächsten Sonnabendnachmittag zu seiner Geburtstagsparty eingeladen. Er hoffte, dass bis dahin alles so funktionierte, wie er es sich vorstellte.

*

Nach der Schule hatte Falko es eilig, zum Schulbus zu kommen. Nach einer schier endlosen halben Stunde war er an seiner Haltestelle angekommen. Nur noch ein kurzer Fußweg trennte ihn dann von zuhause. Als Falko in seine heimatliche Straße einbog, sah er, dass Charly ihm schon auf der anderen Straßenseite entgegenlief. Der Hund spürte schon Minuten bevor der Bus ankam, dass Falko nach Hause kommen würde und lief ihm meist entgegen.

Heute war Falko unaufmerksam und so schaute er nicht nach links und rechts, als er der Straße überqueren wollte. Das Letzte, was er sah, war ein großer Schatten und ein Fellbündel, das ihm entgegensprang und irgendetwas flog durch die Luft.

*

Falko wachte in einem fremden Bett auf und wusste im ersten Moment nicht, wo er war. Was war passiert?
Neben dem Bett saß seine Mutter. Sie hatte wohl viel geweint, denn die Augen waren nass und gerötet.

„Da bist du ja endlich wieder!“

Erleichtert nahm sie ihn in den Arm. Ein heftiger Stich zuckte durch seinen Kopf. Überall tat es weh!

„Ein Lastwagen hat dich gestreift! Dank Charly hat er dich nicht voll erfasst.“

„Wo ist Charly? Wie geht es ihm?“, fragte Falko bange.

Die Mutter schwieg. Dieses Schweigen sagte aber mehr als alle Worte.

„Ist Charly was passiert?“

Die Mutter schwieg immer noch. Mit stockender Stimme und Tränen in den Augen sagte sie dann doch:

„Der Lastwagen hat ihn voll erwischt.“

Ein Schrecken durchführ Falko. Er konnte sich nicht vorstellen, dass der geliebte Hund, sein Hund! nicht mehr mit ihm herumtollen könnte!

„Vater ist zuhause geblieben und kümmert sich um Charly.“

Charly war noch nie krank gewesen und auch noch nie beim Tierarzt. Falkos Freunde beschrieben manchmal, dass sie mit einer Katze oder auch einem Hund zum Impfen mussten. Falko hatte den Vater gefragt, ob Charly nicht auch mal zum Impfen müsste, doch der hatte immer abgewiegelt, dass das nicht notwendig sei. Schließlich hatte er auch nicht weiter nachgebohrt.

*

Einen Tag später konnte Falko das Krankenhaus schon wieder verlassen. Er habe Glück gehabt, meinte der Arzt mit dem weißen Kittel. Er habe keine Gehirnerschütterung und nur ein paar Schürfwunden, die ein wenig wehtun würden.

Womit er wahrlich Recht hatte!

Zuhause angekommen, stürmte Charly auf ihn zu und warf Falko fast um.

„Hallo Charly! Dir ist ja nichts passiert! Gottseidank!”

Der Arzt hatte gemeint, dass er noch etwas Ruhe bräuchte und so machte er es sich auf dem Sofa bequem. Charly fläzte sich brav davor. Und so begannen ein paar Tage ohne Spaziergänge im Wald, aber mit viel Fernsehen, Milch und Schokokeksen.

*

„Geht’s deinem Jungen wieder gut?“, fragte Günther.

„Ja, er hat alles gut überstanden.“

„Hast du den Hund wieder hinbekommen?“

„War eine Menge Arbeit, aber so ein Prototyp hält schon eine Menge aus“, meinte der Vater zufrieden.

-Ende-

Copyright © 2011 by Ralf Boldt

Buchtipp der Redaktion:

Slade, Arthur
Mission Clockwork

Angriff aus der Tiefe

Übersetzt von Plorin, Eva. Umschlaggestaltung von Steinhöfel, Dirk
Verlag :      Thienemann
ISBN :      978-3-522-20132-2
Einband :      gebunden
Preisinfo :      14,95 Eur[D] / 15,40 Eur[A] / 21,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Seiten/Umfang :      400 S. – 21,5 x 13,5 cm
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      21.02.2012

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

Wer manipuliert wen?

Ein toter Agent in New York. Schiffe, die vor Island spurlos verschwinden. Ein Feind, der unsichtbar ist. Modo und Octavia, getarnt als junges Ehepaar, beginnen zu recherchieren. Doch ihr Schiff wird gerammt und Modo gerät in Gefangenschaft auf der “Ictíneo”, einem riesigen Unterwasserseeboot. Welche Pläne verfolgt die Kapitänin Monturiol? Welche Rolle spielt der französische Geheimdienst? Und in wessen Auftrag handelt der Unsichtbare? Während Octavia zusammen mit Mr Socrates über Wasser ermittelt, ist Modo fasziniert von einer hoch technisierten Welt in den schwarzen Tiefen des Atlantiks.

Band 2 der neuen Steampunk-Serie.

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

ACHTUNG! So verdoppeln Sie Ihre Chancen bei Titeln unter Storys unserer Community-Autoren, bei denen es zu einer Verlosung kommt: Geben Sie mindestens einen Kommentar zu diesem Beitrag ab. Das ist ganz einfach: Nur auf den Button “(keine) Kommentare” klicken und Ihre Meinung zum Thema abgeben. Dafür werfen wir ein 2. Los in die Lostrommel. Sobald Sie dann in der nächsten Meldung mit dem Preisrätsel zu diesem Buch PER E-MAIL (!) an der Verlosung teilgenommen haben, verdoppeln Sie Ihre Gewinnchance. Natürlich sollte Ihre Antwort PER E-MAIL (!) beim Preisrätsel richtig sein. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

Abgelegt unter Allgemein, Autorenwerkstatt, Bücher, Diskussionen, Nominierungen (sfb), Science Fiction, Storys | 13 Kommentare »